Audienz für Galeo Seius Ravilla

  • Der Raum für die heutige Audienz war wenig prunkvoll, für den Kaiserpalast fast schon spärlich eingerichtet. Immerhin empfing der Kaiser einen Militärtribun, gerade erst aus Germania zurückgekehrt und keinen zu beeindruckenden Neuling.

  • Die Kontrolle am Eingang verlief zügig, professionell und unkompliziert. Ravilla empfand Verständnis für die Sicherheitsmaßnahmen und bereitete den Soldaten kein Ungemach. So dauerte es nicht lange, bis er zur Audienz geleitet werden konnte. Die Räumlichkeiten, schlicht für die Maßstäbe des Kaisers, boten derweil dem Auge von Ravilla wenig Reizvolles, liebte er doch das verspielte Übermaß. Nun denn, der Kaiser würde ihn sicher nicht lange genug warten lassen, bis dass die Langeweile von ihm Besitz ergreifen musste. Derweil verströmte Ravilla ein dezent aufgetragenes Parfum mit den Aromen von Zitrus und Zedernholz, heute der einzige Hinweis auf seine östliche Abstammung, die er zu anderen Anlassen sonst gern ausgiebig zur Schau trug. Nicht einmal geschminkt war der junge Mann, wodurch er sich grässlich prüde und alt fühlte, charakterlos. Zehn Jahre älter sah er aus! Aber er war am Militärdienst gereift und verstand nun, dass die schnörkellose Klarheit der stadtrömischen Magistrate keine individuelle Marotte langweiliger Männer, sondern allgemein anerkanntes Zeichen von Professionalität war. Ein Umstand, den er bedauerte.

  • Der Kaiser liess selten jemanden lange warten, so auch hier und heute.


    Er trat leise und gefolgt von 2 Prätorianern ein und erkannte Seius Ravilla beinahe nicht. Das militärische Amt in Germania hatte den Mann deutlich verändert.

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  • «Ave, Imperator Caesar Augustus, verehrter Tiberius Aquilius Severus Augustus», ließ Ravilla das lange Begrüßungszeremon verlauten, wobei er die Faust auf sein Herz drückte, dass in der Aufregung stärker schlug als sonst. «Danke, dass du meiner Bitte um Audienz so zeitnah stattgegeben hast. Ich möchte deine Zeit auch nicht über die Gebühr hinaus strapazieren. Wenn du erlaubst, würde ich mit meinem Rapport bezüglich meines Tribunats in Germania beginnen.»

  • Der Kaiser liess sich nicht anmerken, wie erfreut er innerlich über die grosse Veränderung des vor ihm stehenden Mannes war.

    Ganz sachlich nickte er und bedeutete ihm, seinen Bericht zu beginnen.

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  • «Während meiner Amtszeit als Tribun wurde ich damit betraut, eine Straße zu bauen, die in feindliches Gebiet vordringt.» Ravilla legte dem Kaiser eine Zusammenfassung der strategischen Hintergründe1 dar, welche zur Entscheidung für den Bau geführt hatten. Auch der Sohn des Kaisers, Caesar Aquilius Bala, war dabei involviert gewesen. Interessant war für den Kaiser vielleicht insbesondere, welche exakteRolle Ravilla bei der Planung und Umsetzung gespielt hatte2, so dass er ihm ausführlich alle diesbezüglichen Schritte darlegte. Insbesondere in Sachen Logistik hatte Ravilla sein bereits vorhandenes Wissen reichlich einfließen lassen können und daran eine besondere Freude entwickelt, was man seinem Bericht sicher auch anmerkte, der hier enthusiastischer wurde.


    «Der Straßenbau konnte fristgerecht abgeschlossen werden» , endete Ravilla diesen Teil seines Berichts nicht ohne Stolz. «Zu meinen praktischen Aufgaben gehörte neben der Organisation des Schutzes der Bauarbeiten3 auch die Durchführung einer gemeinsamen Großübung der in Mogontiacum stationierten Militäreinheiten4, um das Gefecht im Verbund zu schulen und einander besser kennenzulernen. Neben all dem habe ich auch reichlich Erfahrung in den alltäglichen administrativen Aufgaben der Legio sammeln dürfen.5 Hast du dazu Fragen, mein Kaiser?»


    Sim-Off:

    [1]Um Wiederholungen zu vermeiden, bin ich so frei, auf den Abschlussrapport von Ravilla im Officium des Legatus Augusti pro Praetore zu verweisen: Link

    Sim-Off:

    [2] Link

    Sim-Off:

    [3] Bau der Via Seia

    Sim-Off:

    [4] Großübung

    Sim-Off:

    [5] Link

  • Der Kaiser hatte eigentlich keine Fragen. Er beschäftigte sich nur selten mit den Dingen, welche senatorische Tribune in ihrer Militärzeit taten und hatte eigentlich auch im Sinn, dies weiterhin so zu handhaben. Was ihn viel mehr interessiert war, ob der junge Ravilla nun mit dem Cursus Honorum weiterfahren wollte oder nicht.


    "Danke Seius Ravilla, ich habe keine Fragen zu deiner Zeit in Germania. Wie ich sehen kann, hat sie dich neben den militärischen Aufgaben auch gelehrt, die römischen Tugenden mit etwas weniger Verachtung zu betrachten. Wie gedenkst du denn nun, deine Karriere fortzusetzen?"

  • «Die stadtrömischen Tugenden sind für jemandem aus dem fernsten nur denkbaren Osten des Imperiums bisweilen ungewohnt, sie gleichen dem Erlernen einer Fremdsprache», korrigierte Ravilla sanft, ohne dem Kaiser offen zu wiedersprechen, doch das Wort «Verachtung» mochte er nicht unkommentiert im Raum stehen lassen. Er lächelte. «Es freut mich, dass meine Mühen, mich anzupassen, langsam zu sehen sind.» Wobei ihm erneut sein fades Spiegelbild vor Augen erschien, ein Geist seiner selbst. Nie war Ravilla danbarer gewesen, wenigstens mit dunklen Brauen und Wimpern gesegnet zu sein.


    «Was meine Karriere anbelangt, so möchte ich natürlich den Cursus honorum weiter beschreiten. Es bleibt die Frage, wo ich eine Quaestur anstreben sollte. Mein erster Gedanke war jener, mich um das Amt des Quaestor Provincialis zu bemühen, um den Legatus Augusti pro Praetore Aulus Aemilius Nepos, welcher mich bereits kennt, in der Verwaltung von Germania superior zu unterstützen. Nach längerem Überlegen möchte ich dich nun jedoch fragen, ob du mich als dein Quaestor Principis vorstellen könntest?»

  • Der Kaiser nahm die Korrektur innerlich amüsiert zur Kenntnis. Äusserlich liess er sich jedoch nichts anmerken und nickte bloss freundlich. Es war ja nicht seine Absicht gewesen den Gast zu verletzen oder beleidigen, sondern ihm ein Kompliment zu machen.


    "Es freut mich sehr, dass du deine Karriere im Cursus Honorum fortsetzen möchtest. Wie ich auch von meinem Sohn erfahren habe, hast du dich in Germania wirklich gut geschlagen. Sollte der Senat dich als geeignet ansehen, die Position als Quaestor Principis zu übernehmen, so sehe ich keinen Grund, dich abzulehnen. Arbeit gibt es genug, denn die Münzreform des Aemilius Secundus wird uns noch lange beschäftigen, selbst wenn er selbst dann bereits einen Schritt weiter sein wird."

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  • «Das Lob deines Sohnes freut mich sehr», antwortete Ravilla und aufgrund der fehlenden Grundierung seiner Haut sah man einen roten Schimmer auf seinen Wangen erglühen. Ungeschminkte Gesichter waren ehrlicher als geschminkte, und wenngleich Ravilla kein Lügner den Worten nach war, so gab er doch ungern Gefühlsregungen preis. Sie widersprachen seinem Selbstbild von Professionalität, und erneut wünschte er sich eine schützende Schicht Bleiweiß - nicht zu dick, nur der vornehmen Blässe Genüge erweisend -, Kajal und kontrolliertem Wangenrot in seinem Antlitz. Wenigstens diese Dinge sollten nach seinem Dafürhalten im Alltag verbindlich sein. «So werde ich mich vor dem Senat für diese Position bewerben. Vielen Dank, mein Kaiser.»

  • Obwohl es eigentlich nichts zu danken gab, nahm der Kaiser den Dank entgegen.


    Welches wären dann deine Pläne, als Quaestor Principis? Hast du ein konkretes Anliegen, welches dich genau in diese Position treibt?

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  • «Das Anliegen wäre das Sammeln von Erfahrung in den komplizierten Verwaltungsstrukturen des Imperiums. Wo könnte man dies besser als in Rom, seinem schlagenden Herz? Hier ist alles komplexer, aber auch in höherem Maße professionalisiert als in vielen Provinzen. Das ist zweifelsohne eine Herausforderung, doch auch faszinierend und sicher eine bürokratische Feuertaufe für jeden angehenden Senator. Wenn eine Gegenfrage gestattet ist: Gibt es ein offenes Anliegen von deiner Seite, das du dem künftigen Quaestor principis anvertrauen würdest, oder wäre dies eher ein Thema für den Fall, dass diesem Wunsch vor dem Senat stattgegeben würde?»

  • Naja, das war nun eher eine Standardantwort des Seius. Trotzdem war sie nicht falsch und schien auch nicht geheuchelt.


    Es könnte gut sein, dass ich meinem künftigen Quaestor Principis einige Aufgaben in Bezug auf die Münzreform übertragen möchte. Ausserdem steht wieder einmal eine Prüfung der Listen der ritterlichen und senatorischen Gentes an. Bedarf es irgendwelcher Standeserhebungen ganzer Gentes, kann man vielleicht sogar eine Gens von den Plebejern zu den niedrigeren Patriziern erheben?

    Auch die Ehrung des Purgitius Macer mit seiner Aufnahme in das Ulpianum wurde bislang noch nicht vollzogen. Auch dies könnte ein Quaestor Principis vielleicht an sich nehmen und organisieren.

    Die längst fällige offizielle Eröffnung des neuen Aquäduktes wird wohl der Curator Aquarum selbst planen wollen, sobald er sein Amt als Praetor niedergelegt hat.

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  • «Als Quaestor principis übernehme ich natürlich jene Aufgaben, um welche du mich bittest, mein Kaiser sei es in Bezug auf die Münzreform oder die anderen Themen.»


    Bei den benannten Vorschlägen begriff Ravilla, dass es hier und heute bereits um konrekte Aufgaben ging. So nahm er seinen Mut zusammen, um dem Kaiser auch einen eigenen Vorschlag für ein Projekt zu unterbreiten, um nicht zu passiv zu wirken, jedoch auch, weil er tatsächlich Handlungsbedarf sah:


    «In meinem weiteren Verlauf des Cursus honorum wird auch die Rechtspflege eine Rolle spielen bis hin zur Möglichkeit, dem Senat eigene Gesetze vorzuschlagen. Ich würde es sehr begrüßen, wenn ich neben den von dir vorgeschlagenen Tätigkeiten bereits als Quaestor Gelegenheit erhalten könnte, mich unter fachkundiger Anleitung mit unseren Gesetzestexten auseinanderzusetzen und vielleicht einige offene Optimierungen vorzunehmen. Ich habe mich als Tresvir capitales naturgemäß bereits in gewissem Umfang mit unseren Gesetzestexten befasst und mir fiel damals auf, dass einige Passagen nicht mehr im Einklang mit der gelebten Wirklichkeit stehen. Vielleicht gibt es in diesem Bereich Aufgaben, die bislang liegen geblieben sind und denen ich mich widmen könnte?»

  • Innerlich hob der Kaiser eine Augenbraue. Äusserlich blieb er komplett regungslos, als der Vorschlag des jungen Politikers an sein Ohr drang. "Warum nur denkt die heutige Jugend immer gleich, sie könne alles verändern?" schoss es ihm durch den Kopf. Schon der amtierende Vigintivir mit seiner Münzreform hatte arg gebremst werden müssen, bevor er langsam zu erkennen schien, dass jede Sprosse auf der Leiter ihre Aufgaben hatte und der Sinn hinter diesen Stufen weit tiefer war, als der Ozean.


    Gesetze oder Gesetzesvorschläge zu erlassen, das liegt noch nicht in den Aufgaben eines Quaestors, Seius Ravilla. Als Quaestor bist du noch nicht Mitglied des Senats und kannst daher selbst noch keine Vorschläge machen, da du noch kein Rederecht hast. Es müsste sich also immer jemand finden, der deine Vorschläge übernimmt und sie entweder selbst, oder in deinem Namen in den Senat trägt. Natürlich steht dir dieser Weg offen, aber meistens warten die Kandidaten damit, bis sie selbst Senatoren sind.

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  • «Mein Gedankengang verlief in Richtung einer schriftlichen Realisierung von Änderungen, die bereits geplant, jedoch aus Gründen der Kapazität noch nicht in Schriftform umgesetzt wurden. Die Legislative würde selbstverständlich anderen überlassen bleiben. Meine Aufgabe sehe ich allein in der präzisen Ausformulierung von gegebenen Stichworten. Freilich ist dies nur ein Vorschlag, da mir während meiner Arbeit als Tresvir capitales auffiel, dass es solche überarbeitungswürdigen Stellen in unseren Gesetzbüchern gibt und viele Magistrate sich ihrer schon lange bewusst sind, ohne dass es je zu einer Anpassung gekommen wäre. Womöglich kann meine Feder dabei helfen, in praktischer Manier eine dieser offenen Aufgaben zu beenden. Aber wie jeder Vorschlag, so darf auch dieser verworfen werden.» Daran, dass der Kaiser in einer entsprechenden Position war, dürfte wohl niemand Zweifel hegen.

  • Dieser Gedankengang allerdings überzeugte den Kaiser wieder.


    Ja, eine solche Sammlung würde ich in der Tat begrüssen. Hoffen wir, dass es dir gelingt die Unterstützung von genügend Senatoren zu erhalten, damit deine Wahl gelingt. Ich würde mich auf jeden Fall darüber freuen, wenn einem von mir persönlich ausgewählten Kandidaten für den Senat dieser Schritt gelingen würde.


    Damit spielte der Kaiser auf die Tatsache an, dass er sich entschieden hatte, dem Seius den Ordo Senatorius nicht vorzuenthalten, nur weil er aus dem Osten stammte und in Rom ein Homo Novus war.

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  • Erleichterung machte sich in Ravilla breit wie die Strahlen einer inneren Sonne. Für einen Moment hatte er Sorgen gehegt, sich durch das Missverständnis vor dem Manne lächerlich gemacht zu haben, dank welchem er heute hier überhaupt stehen durfte und bei welchem er sich um einen Platz als Quaestor principis hatte beworben. Doch war Aquilius Severus Augustus seit jeher ein Kaiser, der sich vor allem durch Umsicht und Verhandlungsgeschick ausgezeichnet hatte. So gelang es Ravilla mit wenigen Worten, das Missverständnis zu beseitigen und das Gespräch vermochte nahtlos fortgesetzt zu werden.


    «Ich danke dir für deine guten Wünsche, mein Kaiser. Von meiner Seite haben wir damit alles besprochen, weshalb ich um eine Audienz ersuchte. Wenn die Götter so wollen und alles geschehen wird, wie anvisiert, sprechen wir uns bald schon wieder.»

  • Das war auch von Seite des Kaisers so und entsprechend gab es keinen Grund, diese Audienz zu verlängern.


    Dann hoffen wir, dass dies der Plan der Götter sei. Ich wünsche dir für den Wahlkampf gutes Gelingen!


    Dann trat der Kaiser auf Seius Ravilla zu und streckte ihm zum Abschied eine Hand entgegen, etwas das er auch nicht bei jeder Audienz tat.

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  • Der mächtigste Mann der Welt reichte Ravilla die Hand, und dieser ergriff sie. Bewandert in bedeutsamen Gesprächen hatte Ravilla schon vor Jahren gelernt, bei Nervosität keine fahrigen Bewegungen zu machen, sondern achtete auf einen langsamen und angenehm festen - aber nicht anmaßenden - Griff seiner Finger. «Danke, mein Kaiser. Vale bene und noch einen angenehmen Tag», sagte er mit gleichsam bewusst gemessen und mit leicht in eine tiefe Tonalität gesenkter Stimme, war doch bekannt, dass Nervosität dazu verleitete, in schnellen, hohen Worten zu sprechen, welche den Gesamteindruck zu beeinträchtigen geeignet waren. Ravilla gab wohl in diesem Moment ein in seiner Professionalität ein zur Grenze der Vollkommenheit strebendes Bildnis ab, während er gleichsam das Gefühl hegte, seine Knie würden zu einer besonderen Form von Instabilität neigen. Und so mutete seine Gangart, als er den Raum verließ, wohl nicht ganz so eloquent an, wie zuvor seine Worte es taten.

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