Beiträge von Iulia Helena

    Es tat der Iulierin gut in der bevorstehenden langen Schlacht eine wissende und kundige Helferin an ihrer Seite zu haben - kaum eine Schwangerschaft verlief leicht, die wenigsten Frauen litten unter keinerlei Beeinträchtigung, und sie wusste, sie würde Quintus nicht in jeder Nacht an ihrer Seite haben können, ihn nicht jeden Tag bei sich wissen, weil er seine Pflicht zu erfüllen hatte. Mania, die während ihres Lebens sicher viele Erfahrungen gesammelt hatte, was den Umgang mit Schwangerschaften anbelangte, würde für sie eine wertvolle Stütze sein, bis das Kind ihrer Liebe zu Quintus das Licht der Welt erblicken konnte.
    "Ich danke Dir für dieses Angebot, Mania - und ich nehme es nur zu gerne an. Die ersten Monate sind immer schrecklich, ich weiss es noch von meinen anderen Kindern, mir war jedes Mal so fürchterlich übel, dass ich kaum mein Essen herunterbekam. Wenn Dein Trunk mir hilft, dann will ich ihn gerne jeden Tag zu mir nehmen." Sie würde einige Amphoren von diesem Zeug trinken, soviel stand fest - wenn es nur half! Nichts war schlimmer als diese ewige Übelkeit, und sie sehnte schon jene Monate herbei, in denen sie einfach immer nur runder wurde, aber auch endlich wieder in Ruhe etwas essen konnte.


    Manias Händen war anzufühlen, wie viel sie ihr Leben lang gearbeitet hatte, und dennoch, sie waren weich und warm, beruhigend wie die Hände einer Mutter, die einen zu trösten vermochten, wenn es sein musste. "Es wird mir vieles leichter fallen, wenn ich nicht alleine bin in dieser Situation, Mania, und ich hoffe, dass alles leicht und ohne Schwierigkeiten verlaufen wird. Dass Du hier bist, hat mich sehr erleichtert, glaube es mir." Ihre Worte über Quintus ließen die Iulierin unvermittelt offen und warmherzig lächeln. "Ich hoffe, ich kann die richtige Frau für ihn sein. Wir haben beide ein bewegtes Leben hinter uns, und vielleicht ist es uns deswegen leichter gefallen, zueinander zu finden, weil wir wissen, was wir wollen. Er macht mich sehr glücklich, durch das, was er ist und wie er ist, und wenn es ihm ebenso ergeht, dann kann man es sich nicht besser wünschen."

    Danke an euch, ihr Lieben :) es war ein netter Tag, frei zu haben ist ja schonmal ein Gewinn :D nette Geschenke zu bekommen noch mehr, liebe Glückwünsche zu bekommen auch, gut essen zu gehen ebenfalls ... was will man mehr ^^ nunja, jetzt kann langsam die böse 30 kommen :]

    Es sprach für die alte Sklavin, dass sie anscheinend genug Beobachtungsgabe besass, um das Entstehende zu erkennen - und genug Takt, um nicht von selbst darauf zu sprechen zu kommen, bevor es nicht offensichtlich war. Einmal mehr beglückwünschte sie im Stillen Quintus dafür, dass er diese Frau mit nach Italia genommen hatte, und so einiges seines Charakters wurde ihr in Manias Ruhe und Gelassenheit klarer.
    "Ich wollte mir erst sicher sein, dass es nicht am Klima liegt oder an einer anderen Unpässlichkeit," erklärte sie sinnierend, bevor sie leicht zu lächeln begann.
    "Das ist nicht mein erstes Kind, es wäre das vierte - wenn mir die Götter gnädig sind und es gesund zur Welt kommen lassen. Deswegen war ich mir auch nach einer Weile klar darüber, was es sein könnte, aber die ersten Wochen sind oft nicht eindeutig in den Anzeichen. Ich war vor einiger Zeit lange krank und schwach, und ich hatte befürchtet, die Krankheit sei zurückgekehrt ... aber umso freudvoller ist es, dass es nicht am Fieber liegen kann, sondern an der Gunst der Götter, die uns einen besonderen Wunsch erfüllen."


    Ganz werdende Mutter, legte sie die rechte Hand auf ihrem noch nicht gewölbten Bauch ab, als müsste sie das ungeborene Leben darin besonders beschützen.
    "Dass ich Quintus begleite, war selbstverständlich. Er ist mein Mann, und was für eine Frau wäre ich, würde ich ihn dort alleine lassen, wo er ganz besonders Stütze und Hilfe braucht. Aber vielleicht ist es auch das iulische Erbe, das mich ebenso zu den Schlachtfeldern führte wie ihn." Dass sie keineswegs verheiratet waren, sondern erst verlobt, fiel für die Iulierin fast gänzlich unter den Tisch. Letztendlich kam es fast auf dasselbe heraus.

    Still lächelte sie, als er sich sogleich erhob. Dass es noch immer so war, dass er ihr noch immer mit so viel Aufmerksamkeit entgegen trat, war für die Iulierin ein Geschenk der Götter. So mancher Verlobte oder Ehemann ließ sich allzu bereitwillig von seinen Pflichten fesseln und vergaß seine Familie darüber völlig - aber auch wenn Quintus nicht der Prototyp eines Familienmenschen darstellte, hatte er sich dieser Verpflichtung immer gewidmet und sein Bestes getan. Es ließ für die Zukunft vieles hoffen, und diese Hoffnung, dessen war sie sich sicher, würde sich in großen Teilen erfüllen. Sanft drückte die Iulierin die Hände ihres Verlobten und schmiegte sich dann in seine Arme, mit ihren Händen die seinen um ihren Körper ziehend, bis er sie so hielt, wie sie es mochte. Ein solch stiller Augenblick der Nähe war ihnen beiden nicht allzu oft vergönnt, tagsüber war er selten zugegen und sie hatte mit dem Haushalt genug zu tun - oder sie waren schlichtweg nicht alleine. Vor den Sklaven hielten beide wenig von zuviel Gefühlsduselei.
    "Das ist schön. Ich muss doch darauf achten, dass Du Dich nicht überarbeitest und am Ende gar nicht mehr fähig bist, mich zu unserer Hochzeit zu begleiten," scherzte sie mit einem Lächeln auf den Lippen und blickte zu ihm auf. Seine Größe tat ihr übriges dazu, dass sie sich bei ihm wohl und geborgen fühlen konnte.


    "Aber ich will Dich nicht lange aufhalten, ich weiss doch, wieviel Du zu tun hast - und sicher stürmt gleich irgendein Offizier herein, der Dich ganz dringend braucht." Sie zwinkerte ihm vergnügt zu, um den Worten jeglichen Vorwurf zu nehmen - denn vorwerfen würde sie ihm dies sicher niemals, es gehörte schlichtweg zu seinem Alltag, zu seinem Amt. "Es gibt da allerdings etwas, das Du dringend wissen solltest, auch ohne Offiziere und Soldaten."
    Eine kurze Pause entstand, in der sie mit ihrem Blick in seinem Gesicht nach Anzeichen der Neugierde forschte. "Es betrifft uns beide, und vielleicht auch unsere Familien. Wir werden in absehbarer Zeit eine neue Sklavin kaufen müssen, die Mania bei der Arbeit entlasten kann, einer so alten Frau sollte die Sorge um ein Kind nicht alleine aufgebürdet werden." Und sollte der Sesternz immernoch nicht gefallen sein, so fügte sie noch an, etwas leiser, dafür umso inniger: "Unsere Wünsche haben sich erfüllt, Quintus, ich bin schwanger."

    "Taranis, gehst Du da wohl weg!" schimpfte die Iulierin mit dem neugierigen, hochgewachsenen, aber durchaus zahm zu nennenden Tier, das gerade wieder einmal Anstalten gemacht hatte, eine Pflanze mit den Zähnen aus einer Vase zu zerren, um dann auszuprobieren, ob man mit der Vase spielen konnte. Doch zumindest eines hatte das Tier inzwischen begriffen: Dass nicht nur der Hausherr zornig werden konnte, sondern auch sein Weibchen, und dass sie tagsüber weitaus öfter in seiner Nähe war als der Hausherr - und man es sich nicht unbedingt grundsätzlich mit ihr verderben sollte, wenn man nicht immer aus den verschiedenen, interessanten Ecken des Praetoriums vertrieben werden wollte.


    So zog der Luchs dann auch recht schnell Leine, während Iulia Helena die Zierpflanze mit einem leisen Seufzen betrachtete. Die meisten Pflanzen des Haushalts hatten unter Luchsbefall zu leiden, aber gerade dieses Gewächs war ihr wegen der rotgeäderten Blätter ans Herz gewachsen - sie würde es wohl in ihr cubiculum bringen lassen müssen, wenn sie wollte, dass die Pflanze überlebte. Aber den Luchs von seiner Neugierde abzuhalten war nicht ihr eigentliches Ziel gewesen, und so setzte sie ihren Weg alsbald fort, um schließlich an die Tür des tabliniums zu klopfen, wohl wissend, dass sie ihren Verlobten dort zu einer gewissen Zeit zumeist antraf, dann trat sie ein, um nachzusehen, ob die Vermutung denn auch den Tatsachen entsprach. "Salve, Quintus," sprach sie lächelnd, als sie ihn am Schreibtisch sitzend entdeckte und trat näher. "Ich hoffe, Du hast einige Momente Zeit für mich?"

    Hatte sie etwas Falsches gesagt? Zuerst war ihr Albina noch belustigt, fast fröhlich erschienen, doch je mehr sie selbst sprach, desto deutlicher wurde Helena bewusst, dass die junge Frau den Tränen nahe war - dann begann sie zu weinen. Die Eheschließung musste Albina wirklich ängstigen, soviel war sicher, und sie würde darüber noch einmai mit Quintus sprechen müssen. Dass seine Nichte so elend zumute war, mochte Schwierigkeiten in der Zukunft bedeuten, und wenn nicht diese, dann doch zumindest ein nicht nach allzu viel Glück aussehendes junges Leben, das einen Mann heiraten würde, der, wie man von seiner Familie genau wusste, nicht eben ein einfacher Charakter sein musste.
    Behutsam strich sie Albina mit der Hand über den Rücken, versuchend, wenigstens auf diese Weise Trost zu spenden, wenn sie es schon mit Worten nicht zu tun vermochte, und es schien ganz so, als hätte sie damit einen kleinen Erfolg erzielt - wirklich helfen würde es wohl nicht, aber vielleicht würde sich Albina in einer dunklen Stunde auch daran erinnern, dass es Menschen gab, die zu ihr standen, ohne zu fragen, das war oft mehr wert als tausend Worte, die man sprechen konnte.


    "Ich weiss, wie wenig Du Dich freuen musst, zu einem Fremden zu gehen, Albina, aber es gibt doch immer die Hoffnung, dass Du einen Weg für Dich finden kannst, damit umzugehen. Wenn es zu schlimm werden sollte, dann komme zu uns, oder suche Zuflucht im Heim meiner Familie - oder lass mich wissen, dass er schlecht zu Dir ist, und ich werde ihn besuchen und ihm Manieren beibringen," sagte die Iulierin leise, aber lächelnd, versuchend, die Worte mit einem scherzhaften Charakter zu belegen. Letztlich wäre es sicherlich ein interessanter Anblick gewesen, wie eine Plebejerin einen Patrizier mit einem Besen durch sein eigenes Haus zu scheuchen imstande war, um ihm beizubringen, dass er mit seiner Frau besser umzugeben habe, aber vielleicht war dieses entstehende Bild eines, das Albina wieder lächeln ließ, wenn auch nur für einen Moment. Selbst ein Moment wäre ein Gewinn gewesen, oft genug schien sie sich hinter ihrer eher gleichmütigen Miene zu verbergen.

    Wenige Sklaven gab es, denen die Iulierin eine solche Vertraulichkeit hätte durchgehen lassen, und Mania hatte sich inzwischen durch ihre treue Arbeit und ihre Liebe zu Vitamalacus eine solche Position bei Helena verdient. Zudem, es ging ihr gerade so widerlich schlecht, dass sie sich wahrscheinlich von jedem hätte helfen lassen, der ihr geholfen hätte, und so nahm sie die gemahlenen Kräuter entgegen, legte die Fitzelchen auf ihre Zunge und ließ den bittersüßen Geschmack ihren Mundraum erfüllen, bevor sie schluckte. Es fiel ihr schwer, in diesem Moment überhaupt etwas herunterzubringen, denn eigentlich wollte alles, was sie am morgen zu sich genommen hatte, den umgekehrten Weg nehmen, doch eiserner Wille (und die Gewöhnung daran seit ihrer langen Schwächekrankheit) ließen sie einen kleinen Triumph über ihren unwilligen Körper erringen.
    Dennoch dauerte es einige lange, quälende Atemzüge, bis die beruhigende Wirkung der Kräuter einsetzte und sich die Iulierin nicht mehr unmittelbar so fühlte, als müsste sich in ihrem Inneren die Galle über alle anderen Organe stülpen. Erst, als sie wieder befreit atmen konnte, wischte sie sich mit der Hand den kalten Schweiß von der Stirn und blickte zu Mania, Dankbarkeit in ihrem Blick.
    "Du bist zur richtigen Zeit gekommen, ich danke Dir," sagte sie matt und richtete sich wieder auf. So schlecht wie in letzter Zeit war es ihr lange nicht gegangen. "Aber nicht die Not sagte mir, Dich zu rufen, ich wollte mit Dir über etwas anderes sprechen, Mania. Wenngleich ich befürchten muss, dass es mit der Not zusammenhängt." Eine kleine Pause entstand, dann atmete sie langsam ein. "Ich hege die Vermutung, dass ich schwanger bin."

    "Aber ja," sagte die Iulierin mit einem feinen Lächeln auf den Lippen. Wenn Quintus sich um sie kümmerte, würde es Mania sicher bald besser gehen. Man konnte Ärzte aller Arten haben, aber gegen das tief sitzende Leid war die Nähe der Menschen, die man liebte, doch noch immer die beste Kur. Sachte nickte sie den beiden zu, richtete sich gleichsam etwas auf, und entfernte sich mit leisen Schritten, ihrem cubiculum zustrebend, um dort ein wenig weiter jenen Dingen zu fröhnen, die bei der Verwaltung mehrerer Läden doch stets notwendig waren. An die casa Iulia in Rom würde sie wohl demnächst auch einmal schreiben müssen, um zu erfahren, welches Familienmitglied sich in der Stadt befand ..

    Seltsam, wie viel es selbst in diesem auf einen grundlegenden Komfort beschränkten Haushalt zu tun gab. Vielleicht gerade deswegen, überlegte Iulia Helena still vor sich hin und schloss die kleine Tafel, in der die Erträge ihrer Landgüter gelistet worden waren. Dieses Jahr war nicht das beste Geschäftsjahr bisher gewesen und sie hatte die Auswüchse des parthischen Abenteuers mit einigem Missvergnügen in ihren Büchern feststellen müssen - ausgefallenere Waren waren deutlich billiger geworden und der Verkauf lohnte sich nicht mehr, weil aus dem Osten viel Neues nach Rom hereinschwappte. Sie würde bald einige neue Ideen ausprobieren müssen oder einige Angestellte entlassen.
    Der Gedanke an die zweite Möglichkeit schmeckte ihr nicht sonderlich - mit einem Mal krampfte sich ihr Magen zusammen und sie fühlte die widerkehrende Übelkeit. Schwäche glitt durch ihre Adern und sie musste einige Momente lang mit ihrer Fassung ringen, die Finger krampften sich um das Täfelchen und sie atmete schnell, leise keuchend durch, sank auf eine der gepolsterten Sitzbänke und kniff die Augen zusammen, damit die davor tanzenden Sternchen sie nicht in die Tiefe rissen. Wenigstens musste sie sich nicht übergeben, das war ein Schritt in die positve Richtung. Matt wischte sie sich mit der Hand über die Stirn, dann rief sie mit einem Händeklatschen einen der Sklaven des Hauses herbei.
    "Rufe Mania zu mir, ich muss sie sofort sprechen." War es denn möglich ...?

    Iulia Helena war wirklich froh, dass sie nicht hatte riechen können, was der medicus der alten Frau unter die Nase gehalten hatte - das in hellem Ekel verzerrte Gesicht Manias hatte Bände gesprochen. Und dass sich die Sklavin wieder recht schnell gefasst hatte, war ein gutes Zeichen - auch der medicus bewies einen heldenhaften Überlebensinstinkt und kam ihr nicht zu nahe, verkorkte das Fläschchen wieder und sah Mania scharf an.
    "Fühlst Du Dich wieder besser?" erkundigte er sich sicherheitshalber, aber eigentlich war es klar, dass sie wieder einigermaßen bei Kräften sein musste, zum schimpfen reichte es jedenfalls. Die anderen Sklaven jedenfalls nahmen die Beine in die Hand, anscheinend wollte niemand eine wirkliche Standpauke riskieren - was die Iulierin ziemlich klug fand. Als Sklavin hätte sie auch nicht gerne unter Manias Fuchtel gestanden.
    "Ich denke, Du wirst nicht mehr gebraucht," sagte sie in Richtung des medicus, der sie fast dankbar anblickte. "Wenn noch etwas sein sollte, werden wir Dich verständigen." Dann sah sie zu Mania. "Wenn Du Dich schlecht fühlen solltest, zögere nicht, das zu sagen. Es soll Dir an nichts mangeln." Und jetzt wäre eigentlich Zeit für den Einsatz ihres Verlobten gewesen, die alte Frau ein bisschen zu trösten. Letztendlich war er der geeignetste der Anwesenden dafür.

    So viele junge Frauen schienen sehr viel zu lächeln, und vor allem war es meist ein Lächeln, das nur auf den Lippen, nicht aber im Herzen wohnte oder sich in den Augen spiegelte. Doch Albinas Lächeln war echt, erblühte auf ihren Lippen wie eine Rose, die sich dem Sonnenlicht öffnete - und nahm die Iulierin noch ein klein wenig mehr für die junge Frau ein. Es war letztendlich nur schade, dass sie bald in Hispania wohnen würde und sie nicht die Gelegenheit hatten, mehr Zeit miteinander zu verbringen. Vielleicht wären sie sehr gute Freundinnen geworden, zumindest hätte ihr der Gedanke gefallen. Aber es gab auch die Möglichkeit, sich zu schreiben, die Gedanken auf Papyrus zu tauschen, wenn sich die Gelegenheit bot. Letztendlich war vieles möglich, wenn man es nur wollte.
    "Ich denke doch, dass er Dir den Dir angemessenen Respekt gegenüber beweisen wird, aber vertraue süßen Worten nicht zu schnell. Die Flavier sind eine sehr wechsellaunische Familie und bei solchen kann man sich niemals sicher sein, was einem bevorsteht. Wenn er nur Augen im Kopf hat und etwas Verstand, wird er erkennen, was er in Dir gewonnen hat, Albina, eine kluge junge Frau mit dem Herzen am rechten Fleck. Und sollte er dies nicht erkennen können, bist Du nicht gezwungen, bis in alle Ewigkeit bei ihm zu bleiben. Es besteht immer die Möglichkeit, dass Du Dich von ihm trennen kannst und ich bin mir auch sicher, dass in Quintus' und meinem Heim immer ein Platz für Dich sein wird."


    Sie lächelte Albina aufmunternd zu, griff sanft ihre Hand und drückte sie für einen Moment lang beruhigend, bevor sie einen kleinen Beutel von ihrem Gürtel nestelte und ihn in Albinas Hand legte.
    "Hierin ist der Schlüssel zum Heim meiner Familie in Tarraco. Ich werde Dir einen Brief für den Verwalter mitgeben, sodass Du dorthin immer gehen kannst, wenn Dir Dein Mann unangenehm werden sollte. Zwar bin ich mir recht sicher, dass er dies nicht wagen wird, weil er davon ausgehen muss, Quintus' Zorn kennenzulernen, aber es ist doch immer besser, wenn man weiss, dass man die Möglichkeit hat, auszuweichen, auch wenn es nicht geschieht."
    Leise atmete sie ein, dann den Kopf schüttelnd. "Es mag zum einen Deine Aufgabe sein, diese Ehe zum Glück zu führen, Albina, aber es ist auch die seine, um ein guter Ehemann zu sein. Ein Mann, der seine Frau nicht ehrt und respektiert, der sie nicht ernst nimmt als matrona, der ist genauso wenig wert wie eine Frau, die ihrem Mann nicht treu ist und den Haushalt nicht gut führt. Eine Ehe muss von beiden gemeinsam bestritten und von beiden gemeinsam immer wieder erarbeitet werden."

    Die Hand noch auf der ihres Verlobten ruhen lassend, verfolgte Iulia Helena die Arbeit des medicus, der, wie die meisten Militärärzte, erfreulich schnell 'zur Sache' kam und nur einen sehr kurzen Blick in ihre Richtung entsandte, den sie nicht zu deuten wusste. Fand er es vielleicht befremdlich, dass sein legatus an einem öffentlichen Ort so deutlich seine Zuneigung zu einer Frau bekundete? Aber sie hatte ihn auch schon nach Parthia begleitet, in sofern dürften sich die Soldaten auch an diesen Anblick gewöhnt haben ...
    Ihre Gedanken verloren sich, als der medicus mit geschichten Handgriffen die Atmung und den Pulsschlag der alten Frau kontrollierte, damit wohl zufriedengestellt war und aus der Tasche, die er um den Körper gehängt getragen hatte, ein kleines Tonfläschchen herauszog, das er öffnete und Mania unter die Nase hielt. Selbst am Standort der Iulierin stank es noch zum Göttererbarmen, und sie war sich fast sicher, dass der nach Salmiak, gemischt mit altem Käe und sonstigen ekelerregenden Ingredienzien, auch noch Tote erweckt hätte. Quintus' Hand etwas fester drückend, starrte sie Mania ins Gesicht, auf ein Zeichen des Erwachens lauernd ...

    "Nein, persönlich habe ich ihn noch nicht kennengelernt," bekannte sie und lächelte etwas. "Aber ist das entscheidend? Er ist seit einigen Jahren eine bekannte politische Gestalt und ich verfolge die Arbeit des Senats so gut es geht - und da ist er mir bisher nicht unbedingt nur positiv aufgefallen, so leid es mir auch tut. Wie so einige Patrizier scheint er seinem eigenen Vorteil sehr zu huldigen, und das lässt mich vorsichtig werden. Albina, ich hoffe sehr für Dich, dass er sich als der liebevolle Gatte erweisen wird, den Du verdient hast, als ein aufmerksamer Mann, der Deinen Respekt verdient. Aber die wenigsten Männer halten, was sie versprechen, und noch weniger Männern kann man trauen. Das haben mich meine Jahre in der Politik gelehrt, und ich befürchte, dass sich das Verhalten der Männer auch im privaten Bereich nicht unbedingt von dem unterscheidet, wo sie ihre Macht nach außen hin ausüben."
    Sie hob ihre Brauen leicht an, als ihr die doch etwas nervös oder unsicher erscheinenden, sich stets bewegenden Finger der Tiberierin auffielen, und insgeheim bedauerte sie die junge Frau, die mit einem ihr fremden Mann verheiratet wurde, dessen Familie nicht gerade für ein sanftes Temperament bekannt war.


    "Ich weiss nicht, ob es ein gutes Zeichen ist, dass er dem folgt, was Ovid einem Mann empfiehlt, der um eine Frau zu werben versucht - entweder hat er wirklich Gefühle für Dich entdeckt oder aber er tut es, um den Schein zu wahren, um auch den Ansprüchen Deiner Verwandten Genüge zu tun - das weiss ich nicht zu sagen. Ich hoffe natürlich, dass es ersteres ist, und dass er aufrichtig für Dich empfindet. Vorbereitet solltest Du allerdings auf alle Möglichkeiten sein. Eine Ehe ist ... nicht immer leicht, vor allem, wenn man sich vorher nicht kennt, oder vielleicht schon einmal einen anderen Menschen geliebt hat. Die wenigsten Menschen gehen in die erste Ehe, weil sie den anderen lieben, diese Freiheit ist einem selten genug gegeben, wenn man für die gens heiratet, darin unterscheiden sich die patrizischen Familien nicht von den plebejischen."
    Nicht zuletzt wusste sie das so gut, weil sie es selbst erlebt hatte - leise seufzte sie und schüttelte dann den Kopf. "Ich rede, und rede, dass Dir wahrscheinlich ganz bange ums Herz wird. Es tut mir leid, Albina, ich wünschte, ich könnte Dir ausschließlich Hoffnungen machen, wie es meine Mutter einst bei mir tat, aber im Nachhinein denke ich, hätten mir offene Worte mehr geholfen."

    Wow dann wird Silber dieses Jahr ja richtig voll :) wir sollten uns überlegen, gemeinsam zu lagern, dann wird es viel spaßiger - und so ein Feuerplätzchen umgeben von Bänken und Zelten ist doch einfach nur launig.

    Leicht nur drückte sie die Hand ihres Verlobten, war sie sich doch der Situation sehr deutlich bewusst - und mehr als jene Geste konnten ohnehin nur Worte sagen, die sie beide in der Gegenwart anderer nicht sprechen würden. Mania schien flach zu atmen, aber regelmäßig, und ein wenig Farbe war auch in ihr Gesicht zurückgekehrt, sodass zu hoffen stand, dass sie bald wieder aufwachen würde. So blieb sie neben dem Lager der Amme stehen und erhob sich, als sie fühlte, dass Quintus sie umarmen wollte, um sich dann der Berührung zu erheben. Leicht drückte sie sich an ihn, einen tröstenden Blick tauschte sie mit ihm, dann meinte sie in etwas leiserem Ton:
    "Es geht ihr sicher bald besser, da dürfte ein wenig parfumiertes Salz ausreichen. Viel wichtiger scheint mir, dass die unselige Situation mit beiden aus der Welt geschafft wird. Ich wäre wahrscheinlich auch zutiefst aufgewühlt, würde ich meine Mutter wiedersehen, die ich für tot gehalten hatte." Sanft strich sie mit einer Hand über seinen Oberarm, um sich dann zu lösen, als schnelle Schritte den zurückkehrenden Sklaven ankündigten, der einen der Militärärzte im Schlepptau hatte, einen der besseren, der auch in Parthia Dienst im Lazarett abgeleistet hatte und den sie selbst als fähigen Heiler kennengelernt hatte.
    "Worum geht es denn, legatus?" fragte er in militärisch knappem Stil, ohne sich mit dem üblichen Schischi an Salut, Meldung und sonstigen Details aufzuhalten - wenn das Leben eines Menschen in Gefahr war, salutierte man nicht, man kümmerte sich vielmehr gleich um das Problem.

    Den Göttern sei Dank für Quintus, dachte sie, beobachtend, wie er seine alte Amme auf den Armen sicher beiseite trug und vorsichtig ablegte. Diese Seite so unvermittelt zu erblicken, war für die Iulierin keine Überraschung, wusste sie doch, zu wieviel Zärtlichkeit und Fürsorge er fähig war, auch wenn er dies zumeist vor anderen Menschen gut zu verbergen wusste. Dass er diese Ader auch seiner Amme gegenüber offenbarte, war nur ein Punkt mehr, der sie in ihrer Entscheidung bestärkte, dass er der richtige Mann für ein zukünftiges Eheleben war.
    "Nun ... sie traf unverhofft auf ihren Sohn, aber beider Wiedersehen war nicht so glücklich," sagte Helena langsam, den Blick Quintus' suchend. "Anscheinend hielt er sie auch für tot und war ... nunja, überrascht. Und ging. Dann verließen sie ihre Sinne. Ich denke, es wäre das Beste, wenn Du zwischen den beiden vermittelst. Sonst erwächst aus einem Wiedersehen, das zu Freude hätte führen sollen, nur Verdruss und Zorn, und das haben beide nicht verdient." Hätte sie geahnt, wie wenig Cato sie leiden konnte, hätte sie vielleicht anders entschieden - aber glücklicherweise gehörte Gedankenlesen nicht zu den Qualitäten der Iulier.

    Wie still sie doch ist, dachte die Iulierin und maß die junge Frau mit einem nachdenklichen Blick. Vielleicht machte ihr die bevorstehende Ehe mehr Angst, als sie es zugeben wollte, oder aber Albina gehörte einfach zu jenen Menschen, die gerne über die Dinge schwiegen, die in ihnen vorgingen. So gut kannte sie die Tiberierin nicht und wollte sich darob auch kein Urteil anmaßen. "Er hat mir erzählt, wen Du heiraten wirst," erwiederte sie freundlich und machte dann eine beredte Geste. "Einen Mann, der sich seit einigen Jahren erfolgreich auf der politischen Spielwiese vergnügt und der bereits eine Verlobte hatte, welche den Freitod gewählt hat, wenn ich nicht irre. Und abermals sucht er in derselben Familie nach einer geeigneten Gattin." Zudem war dieser Furianus ein Flavier, und jeder wusste, dass in dieser Familie einiges im Argen lag. Sie waren weit weniger alt als viele andere gentes, die seit Jahrhunderten die politischen Belange Roms mitbestimmt hatten, jäh aufgestiegen, und seitdem hatten sie sich Helenas Meinung nach an der Macht mehr als einmal verbrannt. Sie war sich indes noch nicht sicher, wie sie das sich hartnäckig haltende Gerücht nehmen sollte, alle Flavier seien auf ihre Weise verrückt.


    "Letztlich ... ist eine Verlobung nur ein vager Vorgeschmack auf das, was kommen wird, wenn Du Deinen eigenen Haushalt führen musst und zudem einen Gemahl hast, der Deine Aufmerksamkeit verlangt. Das sind Dinge, über die man sprechen sollte, auch über .. die Gepflogenheiten des Ehebetts, über Kinder ... über all jene Dinge, die Du später nicht unbedingt einer Sklavin anvertrauen möchten könntest," fuhr sie in warmem Ton fort und lächelte aufmunternd zu Albina. Eine Liebesheirat war dies alles sicher nicht, dafür wirkte Albina zu passiv, und eine Zweckehe konnte sich gut entwickeln, wenn beide daran arbeiteten, aber ... es gab auch die andere Richtung. Jene, die aus Ehepartnern hassende Menschen machte. Vor so etwas hätte sie das Mündel ihres Verlobten gerne bewahrt.

    ... und, da es jetzt schon fast eine kleine Tradition ist, die alljährliche Frage ;) Wer kommt alles zum lauschigen Drachenfest (30.07.-03.08.2008) und in welchem Lager wird er/sie voraussichtlich logieren? Das erleichtert allen Hinfahrern die Übersicht ;)



    Ich werde mit Freund anrücken und höchstwahrscheinlich sind wir, wie im letzten Jahr auch, im silbernen Lager. :)