Beiträge von Celeste

    "Ja, natürlich. Das werde ich tun. So bald ich etwas weiß oder Hinweise habe, werd ich dich unterrichten."
    Da sie nun klare Anweisungen hatte, blieb ihr nicht viel weiter als diese zu versuchen in die Tat umzusetzen und herauszufinden wo sich Serapio befand. Wie schwer das werden könnte oder auch nicht, wusste sie nicht. Das würden vermutlich die nächsten Tage zeigen. Auf jeden Fall konnte es schon mal helfen hier im Haushalt die Ohren offen zu halten. Es wurde immer etwas getuschelt und das konnte ihr schon eine erste Spur bringen. Nachdem sie sich verabschiedet hatte, verließ sie den Raum schließlich.

    "Ja, natürlich. Ich habe verstanden. Aufenthaltsort ausfindig machen und nichts weiter unternehmen. Dann Bericht erstatten."
    Die Art und Weise wie das Gespräch ablief, beunruhigte sie ein wenig und überraschte sie auch. Ihre Hände hielt sie vor ihrem Oberkörper verschränkt.
    "Hast du noch weitere Anweisungen für mich oder wäre das dann erst Mal alles?"

    Wie aufgefordert, kam sie näher und trat an den Tisch heran. "Ich kann es dir leider nicht sagen. Der Kontakt ist zu mir auch abgebreochen, aber wenn du es gern wünschst, kann ich mich umhören. Es wird sicher Möglichkeiten geben herauszubekommen wo er steckt." Natürlich hatte Celeste Möglichkeiten und wenn Serapio sich noch in Roma aufhielt, würde sie das auch herausbekommen. Aber so offen wollte sie das hier nicht kund tun. Der Vorfall mit Aquila war schon genug gewesen. Aber umhören, kostete ja nichts. "Es tut mir leid, dass er sich bisher noch nicht wieder bei euch gemeldet hat." Sie hätte ihn gern mal getroffen und sich unterhalten. Aber das hatte sich bisher nicht ergeben.

    Es hatte ein wenig gedauert bis sie der Aufforderung folgen konnte und schließlich im Officium des Decimus ankam. Sie war nicht im Hause gewesen sondern hatte draußen einiges für Aquila erledigen müssen. Er war noch immer etwas kränklich und konnte einiges noch nicht selbst erledigen. So war es nicht verwunderlich gewesen, dass es etwas brauchte bis der Sklave sie gefunden hatte. Nachdem sie angeklopft hatte, war sie eingetreten.
    "Du hattest nach mir geschickt? Verzeih, ich hatte noch etwas zu erledigen gehabt."

    Etwas verdutzt blickte die Keltin den Römer an. An welchem Realitätsverlust litt er gerade? "Mein Lieber. Sogar du solltest wissen, dass hier mindestens ein Mal in der Woche die Cohortes vorbeischauen. Hier sammelt sich all das Kruppzeugs der Stadt un verhandelt Geschäfte von denen du nichts wissen möchtest. Du solltest mir da mehr vertrauen als deinen Freunden, die meinen sich mal was beweisen zu wollen." Damit war das Thema für sie durch. Hier wollte sie sich nicht noch länger als nötig aufhalten. "Es gibt manchmal noch andere Arbeiten, die man erledigen muss. Das ist so eine Aufgabe, die ich noch nach unserer Arbeit tun muss." Auch das Thema war dann für sie zumindestens abgehakt. Als sie dann um die nächste Ecke sah, konnte sie die Männer kaum noch erkennen. Leise seufzte sie. "Es geht darum so leise wie möglich diesen Männern dort vorn zu folgen und herauszubekommen wohin sie wollen." Das war zwar nicht die ganze Wahrheit, aber mehr wusste er nicht noch erfahren. Es war eigentlich schon viel zu viel was er wusste.


    Aquila musste ihr weiterfolgen, während sie zielstrebig den Kerlen folgte. Irgendwann blieben sie stehen und die Keltin presste sie beide in eine Nische in einer der Mauern. Als sie sich sicher war nicht entdeckt worden zu sein, ging sie weiter. Die Männer gingen in ein Haus. Sie musste mehr herausbekommen, vor Allem wem es gehörte und so schlich sie weiter mal einen Augenblick nicht auf den Mann hinter ihr achtend. Die Keltin hoffte einfach, dass er mitkam.

    Kurz blickte sie noch um die Ecke um zu sehen wohin ihr Ziel verschwand. Zum Glück blieb es aber stehen und unterhielt sich mit einem anderen Kerl. Leise konnte sie die Stimmen hören, aber nicht was sie sagten. So lange sie etwas hören konnte, würde sie sich kurz mit dem Decimer befassen und ihm so gut es ging erklären was passierte wenn er nicht auf sie hörte. Aber zu aller erst musste sie ihm nicht nur so die Ohren langziehen wie sie es noch gerade eben getan hatte sondern auch verbal. Was suchte er hier überhaupt? Tief atmete sie durch, zählte langsam innerlich von bis eins zurück und atmete noch mal durch. "Du weißt wo du hier bist? Du hast hier nichts zu suchen. Das ist eine Spelunke wo sich der Abschaum Romas trifft und marschierst gedankenlos mit deinen Freunden hier rein. Hier solltest du nur sein, wenn du in einem Fall ermitteln willst und das mein Lieber brauchst du nicht versuchen mir zu erklären, dass du das getan hättest. Du glaubst nicht wie oft hier eine Razzia durchgeführt wird und du wärst dann mitten drin. Kannst du dir vorstellen was das für deine Karriere bedeutet." Ohne Punkt und Komma hatte sie geredet. Deutlich, aber leise genug um nicht aufzufallen. "Damit wir uns klar verstehen. Du redest nur wenn ich es sage und sonst bist du still. Ich muss heute Abend noch arbeiten und du warst dabei nicht geplant." Er hielt ja noch den Becher in der Hand. Wieso hatte er den denn mitgenommen. Na gut, sollte er noch seinen Durst löschen können. "Na los, trinke aus sonst schütte ich ihn weg." Sie wartete bis er es getan hatte, dann griff sie nach seine Hand. "Also, Klappe halten und nicht auffallen, verstanden?" Kurz wartete sie seine Reaktion ab, dann zog sie ihn energisch hinter sich her und folgte diesem Kerl weiter. Später würde sie sich Gedanken darüber machen wie sie sich herausreden konnte. Doch im Moment war es wichtig an die Infos zu kommen, die sie so dringend benötigte.

    Unter anderen Umständen hätte sich Celeste jetzt gefordert gefühlt. Herausgefordert. Aber sie war weise genug hier mal eine Ausnahme zu machen. So nickte sie einfach nur und nahm hin, dass man die Zellen für ausbruchssicher hielt. ebenso die Türen. Vielleicht konnte die Keltin ja noch ein paar Blicke darauf erhaschen um mehr sehen zu können und ihr eigenes Urteil zu fällen. Artig schrieb sie kurze Notizen mit als die beiden Männer sich unterhielten und fragten und antworteten. Drei Kreuze würde sie zusätzlich machen wenn sie hier bald wieder herauskamen. dann musste sie auch nicht mehr so dicht an Aquila kleben und sie konnte wieder frische und vor Allem freie Luft atmen.

    Es freute sie sehr, dass Aquila diesen Fall gern übernehmen wollte. Er hatte sie sofort neugierig gemacht und jetzt konnte sie mit dem Decimus die Nachforschungen beginnen und herausfinden was wirklich dahinter steckte. "Wann möchtest du mit den Nachforschungen beginnen und die Zeugen noch mal befragen?" Ihrer Meinung nach konnte das fast gar nicht schnell genug losgehen.


    Dann war hier auch schon alles abgesprochen und man befand für den ersten Tag fleißig genug gewesen zu sein. Sie hatten ja die ganze Zeit damit zugebracht die anderen Akten zu sichten und zu sortieren...

    Celeste notierte brav was die Wache ansagte. Eine Menge Zellen, ein paar besetzt, Wachwechsel alle 12 Stunden, Brot und Wasser pro Tag. Hmm...bis jetzt hatte sie noch nichts Nützliches herausfinden können. Die Zellen selbst sahen genauso ungemütlich aus wie die von den Praetorianern. Allerdings gab es hier Licht. Ihre Eigene war ziemlich dunkel gewesen. Sie versuchte einfach weiter nicht all zu interessiert zu wirken als sie den Gang entlang gingen. Für sie stand fest, dass sie sich tunlichst nicht schnappen lassen würde wenn sie mal wieder etwas tat, das andere Römer als nicht ganz gerecht empfinden könnten. "Ist dir bekannt ob es schon Ausbruchsversuche gegeben hat?" Oh jeh, jetzt hatte sie doch etwas gefragt. Das wollte sie doch gar nicht. Damit sie nicht den Blick der Wache sehen musste, versteckte sie sich etwas hinter Aquila und tat ganz geschäftig so als hätte sie gerade etwas gesehen was sie unbedingt vermerken musste.

    Die beiden Männer liefen am Tisch vorbei an dem sich Celeste mit den Jungs herumschlagen musste. Das hätte er wohl gern. Einen Termin verpassen von dem sie wusste. "Ich war da, ich hab ihn angenommen und wenn du dich nicht gleich in Bewegung setzt, töte ich dich wirklich noch." Die Keltin war nun grummelig. Sie hatte den Anschluss verloren und musste sich nun beeilen. Sie griff nach dem Umhang des Decimus und warf ihn sich über den Arm. "Lasst mal gut sein, ihr seid mir einfach zu jung," gab sie einfach den anderen zu verstehen. Sie würde sich sicher nicht auf irgendeinen Schoss setzen. Dann griff sie nach Aquilas Ohr und schleifte ihn daran ziehend hinaus. Es war ihr ziemlich egal was die anderen wohl denken würden. Sie und zu schwach und diese Männer in Ausbildung stärker als sie. Hah! Da lachte sie doch drüber. Während sie also dieses Etablissement verließen, zog sie ihn einfach hinter sich her und achtete nicht auf ihn. Vor der Tür, schmiss sie ihm den Umhang über und zog ihre eigene Kapuze tief ins Gesicht. dann blickte sie um die Ecke und konnte noch die Männer in der Nähe ausmachen. Gut, sie waren nicht weg. "Also mein Freund. Wenn du nicht willst, dass wir morgen in einem Carcer stecken, den wir gerade erst besichtigt haben dann bist du jetzt ganz still und folgst mir still nach. Haben wir uns verstanden?" Sehr, sehr ernst sah sie Aquila an und hoffte, dass er noch so lang halbwegs bei Sinnen blieb bis sie wusste wo die Ziele hin verschwanden.

    Sie war eindeutig im Hades und sie meinte es wirklich so. So schlimm konnte nichts in ihrer Welt sein wie dieser Augenblick. Halbstarke auf irgendwelchen Drogen und wenn sie nicht aufpasste, würden diese ganzen Dämpfe sie auch noch benebeln und das konnte sie sich nicht leisten. Aber ein wenig konnte sie dieses Spiel ja schon noch genießen. Dieser Abend war ihr das wirklich mehr als nur schuldig. Also beugte sie sich etwas nieder, stützte sich mit ausgestreckten Armen auf dem Tisch ab und sah dem Jungen, der sie gerade gefragt hatte was sie denn machen würde direkt an. "Nun meine Junge. Ich kann Dinge von denen du nicht mal zu träumen wagst und wenn ich dir sage was ich tun würde, muss ich dich töten. Noch weitere Fragen." Ihr Blick war genauso böse wie eben. Ja, das machte ihr Spaß. was auch immer die wohl zu sich genommen haben mussten, sie würden sich nicht mehr wirklich daran erinnern und sie konnte man nächsten Tag alles leugnen falls sich jemand traute zu fragen, was sie nicht glaubte. "Es ist übel," sagte sie zu dem anderen und stellte sich dann wieder gerade hin. Innerlich seufzte sie als Aquila nicht darauf ansprang wie sie es gehofft hatte. "Tut mir leid. Was auch immer ihr da habt, ist zu stark für mich." Und jetzt die nächste Frage. Wie erklärte sie dem Jungen einen Termin, den es nicht gab und leider konnte er sich nicht daran erinnern. Aber einen Versuch hatte sie noch. "Der Termin kam noch gerade rein als ich schon am Gehen war. Ich wollte dich morgen dann früher abholen damit wir rechtzeitig hinkommen. Ich hatte dich nicht mehr erreichen können. Du warst so schnell weggewesen." Vielleicht schluckte er das ja. Wenn nicht würde sie einfach härtere Bandagen auffahren und so wie es aussah auch bald müssen. Ihre Zielobjekte schienen langsam aufbrechen zu wollen.

    Also Celeste selbst war schon mal für einen derben Spaß zu haben und sicher nicht soooo ernst wie sie als Scriba gern mal so tat. zum einen schaute die Keltin etwas verdattert, dass er sie Venus nannte. Der war bei diesem einen Festmahl ganz sicher nicht dabei gewesen so dass er sie als Venus gesehen haben könnte. Außerdem hatte sie nicht mitbekommen wie die Burschen überhaupt auf Venus gekommen waren und daher fehlte ihr hier eindeutig der Zusammenhang. Nichts desto trotz würde wohl keiner von den Anwesenden jemals ihre Titten in den Händen gehabt haben wollen. Noch schöner. Während die Jungs also saßen und sie stand, sah sie in diesem Moment wirklich von oben auf sie hinab. Dem Sitznachbarn von Aquila verpasste sie erst mal eine Kopfnuss. "Sprich weiter mein Freund und dir wird die Lust auf Titten vergehen. Haben wir uns da verstanden. Denke gar nicht weiter daran." Böse sah sie ihn an und Celeste vermochte es ganz fabelhaft böse zu schauen. "Und nein Aquila, hatte er nicht." Sie atmete tief durch, sammelte ihre Nerven zusammen und blendete die Albernheiten einfach aus. "Und du hast vor die ganze Nacht durch zu machen? Dir könnte unser morgiger Termin dann recht schwer fallen." Vielleicht verstand er den Wink ja. Im Moment wirkte er noch nicht so daneben wie die anderen Burschen.

    Sie blickte ihn einfach nur an als er versuchte ihr ein Kompliment zu machen. Sie würde gern glauben, dass er Recht mit seinen Aussagen hatte und sich gern auf dieses Spiel einlassen. Doch er war jung und sie wusste um den Umstand, dass ihr Schönheitsschlaf auch einfach mal eine Nachtschicht beinhaltete. So bedankte sie sich einfach bei ihm und ging zum nächsten Punkt über. "Wenn du zwischen deinen ganzen Verpflichtungen etwas Zeit erübrigen kannst und dir eine Wohnung in einer Insula nicht zu schäbig ist. Dann abgemacht." Celeste war einfach der Überzeugung, dass er diese "Drohung" nie wahr machen würde. Er würde doch viel lieber irgendwo um die Häuser ziehen als durch halb Roma zu laufen und ihr einen Besuch abzustatten.
    "Nein, scheinbar nicht. Es kamen die ganzen Irrungen und Wirrungen und die Tabula landete ganz unten im Stapel und seit dem scheint nichts mehr passiert zu sein. Na, magst du der Sache auf den Grund gehen? Dann sortiere ich die Tabula mal ganz unauffällig auf deinen Stapel. Es könnte vielleicht interessant werden da etwas näher nachzufragen. Ein Mord in Roma..." Leider passierten die gar nicht so selten, aber hier schien sogar noch etwas hinter zu stecken und Celestes Neugierde war auf jeden Fall geweckt. "Wer war wohl der Mörder. Die Ehefrau hinterrücks mit dem Gift oder doch eher der Nebenbuhler, der seiner neuen Angebeteten die Scheidungssache ersparen wollte und vielleicht sogar persönlich einen Groll gegen den armen Verblichenen hatte." In dem Kopf der Keltin entspann sich gerade ein mittlerer Krimi.

    Es war wirklich nicht einfach mitzuhören was da drei Tische weiter besprochen wurde. Wieviel Eindruck konnte sie schinden wenn sie diesen Kerl nicht nur beschattete sondern auch noch Infos hatte. Die Verabredung sah nicht wirklich besser aus als ihr Zielobjekt. Dick, feist und verschlagen. Diese Kerle machten keinen guten Eindruck und sie war allein auf sie angesetzt. Diese Gedanken halfen ihr jedoch auch nicht sich besser zu konzentrieren. Celeste musste sich besser auf das Belauschen konzentrieren. Aber mit dem Lärm würde das wohl nichts werden und näher heran konnte sie auch nicht ohne dabei aufzufallen. Also seufzte sie laut was bei dem Lärm aber nicht weiter auffiel. Vielleicht konnte sie ja erkennen was zu mindestens dieser andere Kerl sagte. Diesen konnte sie sehen. Um Himmels Willen was war das nur für eine Gruppe da ein paar Tische weiter? Sie kicherten albern, machten schlechte Witze und fanden sich dabei irre komisch. Vielleicht hätte sie es ja lustig gefunden wenn sie nicht dienstlich hier gewesen wäre. Aber sie war aus beruflichen Gründen hier und sie sägten unheimlich an ihrem Geduldsfaden. Auch das Zuhalten des rechten Ohres half nichts. Sie seufzte wieder. Außerdem merkte sie wie die ganzen Gerüche und Dämpfe in diesem Etablissement sie langsam benommen machten und der warme Würzwein machte es auch nicht besser. Da sie ihren Verstand aber klar brauchte, musste sie wohl oder übel hinaus in die kühle und feuchte Nacht. Also zog sie Kapuze wieder tief ins Gesicht und wickelte sich in den mantel ein. Auf dem Weg zur Tür erkannte sie jedoch eine Stimme. Irgendwie kam sie ihr sehr bekannt vor. Schnell kam sie zu dem Entschluss, dass sie sich verhört haben musste. Aber dann hörte sie genauer hin. Das war die Stimme von Aquila. Was in der Götter Namen tat er hier? Schnell sah sie sich um und erblickte ihn in einem Haufen anderer junger Burschen. Erst dachte sie, dass sie zu viel getrunken hatten, aber als sie sie genauer betrachtete, fiel ihr auf dass da noch etwas anderes im Spiel gewesen sein musste. Einer der Jungs war ganz apathisch, die anderen ziemlich überdreht und hatten geweitete Augen. Celeste kannte diese Anzeichen und verfluchte ihren Jungspunt sofort. Wie sollte sie nur ihren Auftrag zu Ende bringen und den anderen Auftrag auch berücksichtigen. Darüber würde sie sich wohl später Gedanken machen müssen. Erst mal musste sie Aquila hier wegbekommen und das würde ein hartes Stück Arbeit. "Salve Aquila. Na, das ist ja eine Überraschung. Was machst du denn mit deinen freunden hier? Habt ihr etwas zu feiern?" Sie hatte sich vorher noch schnell die Kapuze aus dem Gesicht gezogen und stand nun neben dem Decimus. Vielleicht bekam sie ihn ja auf die nette Art hier heraus. Die Hoffnung starb ja bekanntlich zuletzt...

    Da waren sie nun also. In einem Carcer und sie war sogar freiwillig hier. Wobei freiwillig noch so eine Auslegungssache war. Aquila wollte oder musste unbedingt hier her und als brave Scriba war sie natürlich mitgegangen. Er wollte es so. Ja...nun war sie hier. Als Besucher. Das sorgte jedoch nicht dafür, dass ihr die ganze Sache auch nur im geringsten geheuer wurde. Immer wieder blickte sie sich über die Schulter.
    Fragen hätte sie einige gehabt. Wie sahen die Schwachstellen aus, wie funktionierte der Wachwechsel und gab es am Ende hier sogar nur halbe Scharniere? Sie hatte mal gehört, dass die einen Ausbruch begünstigen. Aber vermutlich wäre das am Ende zu auffällig und ungewöhnlich gewesen und jemand würde misstrauisch. So schwieg sie, schüttelte den Kopf und würde einfach mal sehen was sie so nebenher an nützlichen Dingen in Erfahrung bringen konnte. Tabula und Griffel waren bereit und sie würde aufschreiben was Aquila ihr auftrug. Ob sie sich schon gesagt hatte, dass es ihr hier einfach nicht geheuer war? Man konnte es nicht oft genug wiederholen. Außerdem würde sie ganz dicht bei dem Decimus bleiben damit sie nicht am Ende noch aus Versehen hier blieb. Wie würde sich das denn anhören? "Entschuldige bitte, aber könntest du mich hier rauslassen? Man hat mich vergessen." Das würde ihr doch keiner abnehmen. Wenn sie aber an Aquila klebte, dann musste man sie mitnehmen. Sollte er ruhig denke, dass sie Angst hatte und wenn sie ehrlich war dann hatte sie sie auch.

    Es fiel der Keltin sehr schwer ernst zu bleiben während Aquila begann sich zu verteidigen. Wie einfach es war ihn aus der Reserve zu locken. Eigentlich sogar ganz niedlich. Wobei er es faustdick hinter den Ohren hatte, wie sie nur wenige Sätze später feststellen musste. Sie dachte an die Nachtschichten für den Griechen und er an was anderes und wenn sie sein Grinsen richtig interpretierte sogar ganz eindeutig an andere Dinge. "Wie wir vor einigen Tagen festgestellt hatten, bin ich älter als du. Ich brauche halt meinen Schönheitsschlaf. Das kommt jedenfalls nicht von allein." Sie deutete auf ihre Gesicht. Eigentlich war es ein Wunder, dass sie noch keine tiefen Falten hatte bei ihren Nachtschichten und Erlebnissen. Aber ihre Mutter hatte noch sehr jung ausgesehen ehe sie krank geworden war. Vielleicht hatte sie auch einfach eine gute Veranlagung. "Im Gegensatz zu dir kann ich nicht mehr nächtelang um die Häuser ziehen und die Tavernen unsicher machen." Früher hatte sie das tatsächlich ja mal gemacht als sie noch mit ihrer Schwester ihre Opfer ausgesucht hatten. Celeste blickte Aquila nach als dieser aufstand und eine Tabula hervor zog. "Du willst mich nach solch einem Rundgang besuchen. Das wäre aber mitten in der Nacht. Du kannst gern vorbeischauen wenn du mich denn dann aus dem Bett bekommst." Da die Keltin nicht davon ausging, dass Aquila sie heimsuchen würde, konnte sie diese Einladung getrost aussprechen. Wenn er des Nachts durch die einschlägigen Gassen der Stadt gegangen war, wollte er ganz sicher nur noch nach Hause. Es gab Stellen in der Stadt, da trauten sich nicht mal die Diebe des Nachts hin.


    "Es haben wohl nicht ganz so glaubwürdige Zeugen ausgesagt, dass ein Römer mit einem Gift getötet worden war, das die Gemahlin vorher bei einem Giftmischer erworben hatte. Angeblich war er aber schon lange Zeit krank und es lag nicht daran, dass die Ehefrau recht bald einen neuen Mann nach der Trauerzeit geheiratet hatte, der wohl schon vorher in der Casa zu fragwürdigen Zeiten ein und aus ging."

    Auch wenn sie alles andere als gern hier war, sie war mitgegangen. Carcer hatten so etwas schrecklich Einengendes an sich und machten einer freiheitsliebenden Frau, wie sie es nun mal aus Zweitberufsgründen war, Angst. Als die Wache sie nach einer Waffe fragte, fasste sie sich unbewusst an ihren Rock wo sonst der Dolch hing. Natürlich hatte sie ihn zu Hause gelassen. Es wäre wohl wirklich selten dämlich an eine solche Stelle als Zivilist eine Waffe mitzubringen. Wer es tat, gehörte hier verwahrt. Also war sie ebenfalls unbewaffnet und wartete darauf, dass sie eingelassen wurden. Das Unbehagen wurde bei dem Gedanken an den dunklen Carcer nicht geringer.

    Es war einer dieser verregneten Abende an denen man eigentlich lieber in der Wohnung bleiben wollte, einen guten Tropfen trinken, in warme Decken gehüllt und ein paar Öllampen auf dem Tisch, die Licht spendeten. Eigentlich wollte man gar nicht mehr hinaus. Man hatte am Tage hart gearbeitet und brauchte nun seine Ruhe. Aber nein, man musste hinaus und konnte es einfach nicht aufschieben. So ging es der Keltin an diesem Abend. Ihre dunkler gefärbten Haare hatte sie zu einem Knoten zusammengebunden. Wieder trug sie ihre einfache dunkle Tunika, ihren dunklen Mantel und den Dolch an ihrem Gürtel. Nach dem sie den ganzen tag mit Aquila durch die Stadt gelaufen war um die Inspektionen durchzuführen, hatte sie nun platte Füße. Dann war am Abend noch ein Laufbursche von Cleonymus gekommen und hatte ihr einen Auftrag gegeben. Sie sollte einen Mann beschatten und ausspionieren. Der Grieche verdächtigte ihn sich in seine Geschäfte mischen zu wollen. Da die Geschäfte des Cleonymus auch ihre waren, konnte das natürlich nicht hingenommen werden. Die Kapuze hatte sie tief ins Gesicht gezogen damit der unangenehme Wind und der Regen ein wenig abgehalten wurden.


    Seufzend stand sie nun an einer Ecke. Nein, sie war nicht darauf aus eine der Wenigen um diese Uhrzeit noch herumstreunenden Menschen anzurempeln. Die wären eh nichts für sie und Celeste war auch auf nichts aus, das ihr im Moment Zeit, Schlaf und Nerven rauben würde. Also schlich sie immer besonders achtsam um die Ecken wenn sie es musste oder mied es sie zu eng zu nehmen. Dunkel erinnerte sie sich da an Erzählungen zu den heiratsvermittelnden Eigenschaften solcher Ecken. Sie wollte nur ein wenig Abstand zwischen sich und den Beobachteten zu bringen. Dieser Mann schien kein bestimmtes Ziel zu haben. Durch halb Roma war sie ihm schon gefolgt und ihre Füße brannten. Inzwischen waren sie in der Subura angekommen. So langsam hatte sie das Gefühl, dass es an diesem Abend völlig umsonst war diesem Kerl gefolgt zu sein. Noch ein paar Gassen und gefährliche Ecken später, betrat er endlich ein Gebäude. Langsam tastete sie sich heran. Es war eine dieser schrecklichen Drogenhöhlen. Es innerte sie an frühere Zeiten als sie noch hin und wieder in diesen Kaschemmen und bestimmten Etablissements mit besonderem Vergnügungsangebot der fleischlichen Lust zu tun hatte. Wieder seufzte sie.


    Einige Augenblicke später betrat sie den verrauchten Gastraum. Die verschiedenen Gerüche kamen ihr nur all zu bekannt vor. Nur flach atmete sie ein damit sie nicht selbst von dem Qualm berauscht wurde. Im hinteren Bereich gab es immer Plätze an denen die Leute Geschäften oder Verhandlungen nachgingen und einen solchen Bereich suchte sie nun auf. Dort fand sie auch ihren Mann wieder. Er traft hier jemanden, den schon längere Zeit dem römischen Untergrund angehörte. Das würde ihren Auftraggeber nicht freuen zu hören. Vielleicht verstand sie ja etwas wenn sie sich darauf konzentrierte. Damit sie Ruhe hatte, bestellte sie sich einen warmen Würzwein.

    Schmunzelnd blickte sie über den Rand einer Tafel. "Vielleicht solltest du dafür ein Opfer darbringen damit sie dich nicht heimsuchen." Leise kicherte sie vor sich hin. Womöglich waren das auch noch dicke fettwanstige Römer, die kaum laufen konnten und deren ganzer Lebensinhalt in diesen Streitereien steckte und der schlanke und noch jugendliche Decimus dazwischen. Sie kam nicht umhin weiter leise vor sich hin zu kichern während ihr diese Bilder im Geiste herumspukten. "Du pickst dir schon ein wenig die Rosinen heraus, mein Lieber." Er verteilte schon recht fleißig die einzelnen aufgaben an andere, die noch gar nicht da waren.


    "Sag mir Bescheid wann deine Zeiten hier im Büro sind dann werde ich auch anwesend sein und dir zur Hand gehen. Die Bürger kann man natürlich verstehen wenn sie das nicht gut fanden. Vielleicht waren deine Vorgänger aber auch vor den beiden anderen Streithähnen auf der Flucht. Verübeln kann man es ihnen nicht. "
    Die weiteren Aufträge ließen sie dann doch ein wenig blass um die Nase werden. Hinrichtungen und Inspektionen. Sie wusste schon was er für Aufgaben haben würde, es aber jetzt noch mal zu hören und es so bald auch tun zu müssen war etwas ganz anderes. "Ja, natürlich. Ich werde alles mitschreiben." Die Keltin wollte sich gar nicht ausmalen was das für sie zu bedeuten hatte. Ob sie danach jemals wieder irgendetwas tun könnte, das nicht nach dem Gesetz war? Erstaunlicherweise war die Antwort sehr schnell: Ja. Es machte ihr einfach zu viel Spaß und es bit den Nervenkitzel, den sie benötigte. "Meine Zeit richtet sich nach dem Geldbeutel deiner Familie. Wenn sie mir alle Überstunden bezahlen, habe ich eine Menge Zeit. Nur Nachts könnte es sein, das ich hin uns wieder auch gern mal schlafen möchte. Ansonsten bin ich für dich immer verfügbar. Wegen der Ermittlungen. Da helfe ich dir natürlich auch gern. Ich kenne mich ein wenig aus."
    Inzwischen hatte sie sich auch schon wieder gut in Roma eingefunden.
    "Oh..ah...da habe ich ja noch etwas Interessantes gefunden. Amheblich ist hier einer wohl zu früh aus dieser Welt geschieden. Ich habe sie hir ganz unten in dem Regal gefunden. Es ist auch schon ein älterer Fall. Da wollte sich wohl keiner so recht drum kümmern."
    Celeste ließ die Tabula in Fingern ein wenig hin und her wippen. Ob sie wohl damit ein wenig Interesse geweckt hatte?

    ...war sie endlich in ihrer kleinen Wohnung angekommen. Eigentlich störte sie sich sonst nicht an den vielen Stufen. An diesem Tag war es aber anders. Ihr dröhnte der Kopf, alte Fälle über neue Fälle über Inspektionen wirbelten durch ihren Kopf und machten deutlich, dass sie in dieser Fülle einfach zu viel für den Kopf der Keltin waren. Nur sehr selten kaufte sie sich etwas Met, aber auch das war anders gewesen. Dieses Mal war sie nicht daran vorbei gekommen.


    Als sie endlich in ihrem Wohnraum angekommen war, entzündete sie das Kohlebecken. Sie war müde und daher fror sie auch etwas. Nachdem sie sich umgezogen hatte und in ein wärmeres Gewand gestiegen war, machte sie sich auf dem kleinen Ofen etwas Wasser warm. Nebenher schnitt sie sich etwas Käse auf, holte ein paar Oliven aus dem Tontopf und nahm sich dazu etwas Brot. Das inzwischen warme Wasser füllte sie in eine Schüssel, stellte neben sich auf die Kline das Brett mit ihrem Abendessen, holte sich den Met und ein Glas. Dann stellte sie die Füße in das warme Wasser, hüllte sich in eine Decke und ließ das Fussbad wirken. Den ersten Becher Met schüttete sie schon fast in sich hinein. Da sie den ganzen Tag über fast nichts gegessen hatte, ging er schnell in den Kopf. Die Keltin genoss das angenehme berauschende Gefühl. Sie schenkte sich einen zweiten Becher ein, nahm dann etwas Brot und Käse. Für Celeste war es ein harter Tag gewesen. So langsam entspannte sie sich. Eine Massage wäre jetzt gut, aber die hatte sie schon eine ganze Weile nicht mehr genießen können. Schnell vertrieb sie diesen Gedanken. Trübe Gedanken hatte schon zur Genüge gehabt. Wie froh sie nur sein konnte, dass ihre Fähigkeiten hier und da gefragt waren. Das hatte sie bisher vor Schlimmerem bewahrt. Die Keltin wollte sich nichts darauf einbilden, aber sie war sich sicher, dass ihr Aussehen schon eine kleine Rolle spielte in dieser ganzen Geschichte.


    Etwa zwei Becher Met später waren diese Gedanken schon nicht mehr wichtig. Ihr war jetzt angenehm warm und ihr Kopf schon nicht mehr zu komplexen und schwierigen Gedanken fähig. Sie trank zu selten als das das Essen etwas hätte gegen tun können. Sorgsam mummelte sie sich in die Decke ein und genoss es sich frei und unbeschwert zu fühlen. Ihre Gedanken flogen zu Zeiten wo alles schön war. Diesen guten Erinnerungen folgte sie bis sie einschlief. Diesen Abend würde sie am nächsten Morgen bereuen, aber das war ihr ziemlich egal gewesen und sie musste ja nur den Kopf aushalten, ihre schlechte Laune aber andere.