Beiträge von Seia

    Seia sah Carmen zu und ließ die Beine baumeln. Die Füße taten ihr ein wenig weh und so konnten sie gut entschlacken. Dann schwieg sie einen Moment und versuchte Crassus einzuordnen, indem sie die Gespräche mit ihm in Erinnerung rief und schob dann die Unterlippe ein Stückchen weit vor.


    "Ich weiß nicht. Er macht mir bislang einen sehr korrekten Eindruck, den Sklaven gegenüber hat er sich bislang immer freundlich und recht tolerant gegeben, so weit ich weiß. Viel toleranter als mein alter Herr beispielsweise. Allerdings... In seinem Beruf zeigt er keine Skrupel, hat er mir erzählt. Er ist der Prätioanerpräfekt, wusstest du das schon? Ich denke, er ist zu allem fähig, wenn man es zu weit treibt."


    Sie erzählte locker, beinahe trocken, weil sie nicht verstand, dass einige ihrer "Kollegen und Kolleginnin" immer wieder gegen ihr Schicksal aufbegehren mussten. Und selbst wenn sie das gar nicht getan hatten, Verres und diese Nadja, dann gab es für eine Strafe sicherlich einen Grund. Sicherlich, denn sonst war es ja keine Strafe mehr sondern vielmehr Willkür. Nein, das konnte sie sich bei Crassus nicht vorstellen.

    Seia wusste nun gar nicht mehr, wie ihr geschah. Sie wusste nicht mehr, ob sie noch Sklavin war und ob er noch ihr Herr. Sie konnte nicht sagen, ob sie wach war oder träumte, aber dann wäre dieser Traum beinahe ein Albtraum gewesen, denn nie, hatte ihre Mutter gesagt, nie dürfe sie außer Ergebenheit und Demut etwas anderes im Bezug auf ihre Herren empfinden. Jetzt allerdings fühlte sie sich hilflos und auf eine merkwürige Art zu ihm hingezogen. Sie konnte nicht mal mehr sagen, ob sie nicht doch vielleicht ertunken und nun tot war. Alles erschien so unwirklich.


    Er bat sie, zuzulassen, dass er ihr helfen durfte. Er bat sie. Er half gerne. Er sagte zu ihr meine Liebe. Wollte er sie mürbe machen? Meinte er es ernst?
    Je länger sie darüber nachdachte, desto weicher wurden ihre Knie. Bald hatte sie das Gefühl, sie würde einfach auf die Knie sacken, wären da nicht seine starken Arme gewesen, die sie schon jetzt hielten.


    Ich habe noch nie jemandem vertraut. Nicht einmal meiner Mutter. Wie kann ich dann an meinem ersten Tage hier ihm vertrauen? Soll ich mich einfach fallen lassen?


    Seia sah Fabricianus an und lächelte matt, ehe ihre Beine nachgaben und ihre Hände noch nach irgendeinem Halt suchten.
    Unter anderen Umständen hätte sie gekämpft und nicht zugelassen, dass ihr Körper versagte. Aber hier und jetzt, nach dem was geschehen war, hatte jeder Gedanke und jeder Blick mehr Kraft gekostet, als sie sich hätte eingestehen können.

    Seia nickte Nadia zu und sah dann Mimithe an, die sie bislang auch nur vom Sehen her kannte. Sie gab ihr einen Tipp, wo Verres sich aufhalten könnte und nickte, als die andere Sklavin ihn mit seltsamer Aussprache beschrieb.


    "Ja, sein Haar ist kraus und lang. Im Waschraum? Gut, dann werde ich gleich dorthin gehen. Danke. Wir war noch gleich dein Name?"

    Seia hatte in der Luft herum gesehen, um den beiden so noch ein wenig Privatsphäre zu gönnen, wenn sich denn solch eine bei ihrer Anwesenheit noch einstellen konnte. Dann hatte sie Verres skeptisch zugenickt, ganz so als würde sie bezweifeln, dass er noch recht bei Verstand war und ihm wie Carmen nachgesehen.


    Was wundert es dich, wie die Menschen hier sind. Du hast schon mehrmals die Erfahrung sammeln dürfen, dass hier alles ein wenig anders ist.


    Dann war sie zu einem Hocker gegangen und hatte sich darauf gesetzt, während Carmen zu ihr sprach. Seia musterte sie neugierig und lächelte.


    "Ja, Seia ist richtig. Ich gehöre Fabricianus. Du bist Carmen, richtig? Ich merke mir Namen ganz schnell, egal wie viele ich neu kennenlerne.... Er war eigentlich in guter Stimmung gewesen, bis er mich losschickte sie zu holen. Was haben die beiden denn ausgefressen? Es hörte sich nicht danach an, als wäre es irgendein Schabernack gewesen, den es zu vergelten gilt."

    Die Ränder seiner Lippen wurden schon langsam blass und so durchschaute sie ihn. Das hätte sie jedoch nie ausgesprochen. Seia sah ihn kurz an und fühlte sich in diesem Moment, als wäre sie nicht sie selbst. Er sah sie nicht an wie seine Sklavin, es war seltsam. Einen Augenblick lang überlegte sie, ob sie sich von ihm tragen lassen soltte (da kam wohl ihr freches Wesen in iher wieder durch). Doch dann lächelte sie und schüttelte den Kopf, ihn dabei wieder nur ganz kurz direkt ansehend.


    "Ich halte auch mehr aus, als man mir vielleicht zutrauen möchte.", sprach sie, nahm seine Hand und ließ sie zusammen mit ihrer sinken. Dann ließ sie sie los und richtete sich langsam auf, als hätte sie gewusst, dass sie kurzzeitig umnachtet sein würde. Kurz wankte sie, dann stand sie von der Liege auf. Ihre Knie waren zwar weich, aber sie trugen sie.


    "Siehst du.", sagte sie mit leiser Stimme und beschwichtigend lächelnd. Oder war es schwach? Prompt geriet sie ins Wanken und musste sich an ihm festhalten, aber dann fing sie sich wieder. Denk an deinen Stolz.


    "Nein, bitte nicht tragen.", sagte sie und bemühte sich sicher auf ihren zwei Beinen zu stehen. Es klappte auch.

    Scheinbar hatte sie ihm mit ihrer Frage wirklich einmal zu Denken aufgegeben. Es war wie ein kleiner Triumpf für das Sklavenmädchen, das den Herrn unentwegt gemustert hatte. Was hätte sie gegeben, um in seinen Gedanken lesen zu können?


    Sie dachte ebenfalls einen Moment lang nach. Seine Theorie war, dass alle bekamen, was sie verdienten. Das war an sich richtig. Allerdings.... Was hab ich getan, damit ich das Dasein als Sklavin verdient habe? Ich konnte nichts dafür, dass meine Mutter geschwängert wurde und ich geboren wurde.
    Sie fand, dass man es sich mit diesem Prinzip einfach nur leicht machen wollte und gab sich die Aufgabe auf, einmal mehr ausgiebiger über diese Denkweise der Römer nachzudenken.


    Seia erwartete, dass er noch etwas hinzufügen würde, doch das tat er nicht. Er sollte auch nicht die Gelegenheit dazu bekommen, denn die junge Herrin kam, um ihrem Verwandten Gesellschaft zu leisten. Seia hatte noch nicht viel mit ihr zu tun gehabt, deshalb lächelte sie zurück und erhob sich, um die beiden allein zu lassen, sollte ihre Anwesenheit nicht länger erwünscht sein.

    Das war ja eine Situation, in die Seia nun hereinplatzte. Sie hatte den Waschraum für die Sklavenschaft mt beschwingtem Schritt betreten, da sie Crassus nicht lange warten lassen wollte, und stand mit einem Mal vor Verres und Carmen, die sich eng umarmten. Huch, hier störst du aber gerade ganz gewaltig, Seia. Wozu es wohl noch gekommen wäre?


    Sie musste ein Grinsen ganz schwer unterdrücken, dann räusperte sie sich.
    "Hrm. Also.... Es tut mir leid hier so hereingeplatzt zu sein, aber ich habe dir etwas auszurichten, Verres, das keinen Aufschub duldet. Crassus verlangt dich sofort in seinem Büro zu sehen. Dich und Nadia. Es hat sich sehr ernst angehört, du solltest ihn besser nicht warten lassen."


    Kurz huschte ihr Blick zu Carmen, dann zurück zu Verres, die sie bislang beide nur vom Sehen und von kurzen Smalltalks kannte. Schließlich zeigte sie mit dem Daumen über ihre Schulter nach hinter sich.
    "Ich geh dann mal wieder."

    Da sie den genauen Aufenthaltsort der Sklaven Verres und Nadia nicht kannte, ging Seia zuerst in die Sklavenunterkünfte. Ah, es ist auf jedenfal jemand da, ich höre sie sprechen.


    So erkannte sie sogleich Mimithe, die germanische Sklavin, und Nadia, die hier war, weil.... Das weiß ich immer noch nicht! Würde mich zu sehr interessieren, was sie verfressen hat, dass Crassus so verärgert ist, wenn er von ihr spricht. Von ihr und Verres. Ist er auch hier? Nein, wohl nicht. Immer muss ich Pech haben. Jetzt darf ich das ganze Haus nach ihm absuchen.


    Sie lächelte beiden Sklavinnen zu und fummelte an ihren Fingern herum und sah Nadia an. "Ich muss leider stören. Der Herr verlangt nach dir. Er möchte dich umgehend in seinem Büro sprechen, du sollst da auf ihn warten.", richtete sie seinen Befehl aus und lächelte ein missglücktes Lächeln, das angesichts seiner Worte wohl zerbrochen war. Seia wollte nun nicht in ihrer Haut stecken.


    "Verres soll ich auch zu ihm schicken. Ihr wisst nicht zufällig, wo ich ihn finden kann?"

    "Ich werde es ihnen ausrichten, Herr.", antwortete sie ihm noch einmal untertänigst und zwinkerte ihm keck zu, dann verließ sie auf leisen Sohlen auf der Suche nach Nadia und Verres sein Büro.

    Sie war ein bisschen geschwächt, hatte immer noch Angst und fing wie er allmählich an zu frieren. Dass diese Aktion völlig überflüssig gewesen war, gab ihr den Rest. Nun war dieser Unfall jedoch geschehen und sie lernte, dass ihr neuer Herr sich scheinbar wirklich um sie sorgte. Sie wusste in diesem Moment nicht mit umzugehen, zu neu war dieses Gefühl, dass man nicht völlig wertlos war.


    Als er sie anlächelte, sah sie ihn eine ganze Weile lang noch nur mit leerem Blick an, dann blinzelte sie jedoch und lächelte ein klein wenig. Dann noch ein wenig mehr, weil er ein wenig mehr lächelte und schließlich senkte sie lächelnd den Blick, so gut das eben ging, weil er immer noch sanft ihren Kopf hielt.


    "Es geht mir gut, Herr.", sprach sie dann und sah ihn erneut an. "Aber du solltest nicht so besorgt um mich sein, sondern um dich. Ich möchte nicht schuld sein, wenn du morgen Fieber hast. Du solltest dich umziehen."

    "Nein.", antwortete Seia dem Caecilier mit einem frechen Lächeln und verzog schließlich das Gesicht. Diese Aufgabe hätte sie bestimmt nicht gern getan, aber wenn Fabricianus sie ihr aufgetragen hätte... Sie war nur eine Sklavin.


    Als er ihr vielsagend zuzwinkerte, zog sie beide Augenbrauen nach oben und lächelte ihn an. Soso, so dachte er also. Freilich, er war ein Mann. Na, wenn sie einmal mehr Zeit hatten.... Dann jedoch gab er ihr schon eine weitere Aufgabe. Sie sollte Nadia und Verres zu ihm schicken, und wie er sich anhörte, würden sie nicht mal eben Gespräch führen, wie er es eben mit ihr gemacht hatte. Was die beiden wohl verfressen hatten? Seia hatte das nicht wirklich mitbekommen.
    Aber schmerzhaft..... Seia wusste nicht, ob sie wissen wollte, was das bedeutete. Crassus war ihr gegenüber bislang immer äußerst freundlich gewesen, aber er war stark. Sie wollte nicht unbedingt von ihm bestraft werden. Hm. Da lässt sich doch vorbeugen. Vielleicht kannst du ihn ja so für dich gewinnen, dass er über kleine Fehler einfach hinwegsieht. Und große Fehler machst du eben nur, wenn keiner sie mitbekommt. Ja, das ist ein Plan.


    "Ja, Herr, ich werde sie suchen und zu dir schicken.", meinte sie mit süßer Stimme, stand auf und berührte ihn nicht zufällig ganz sacht mit ihrer Hand seinen Arm.

    Seia verschnaufte offensichtlich, als Crassus den Brief zufrieden zur Seite legte. Das bedeutete Erlösung von Gedenken an Anton. Sie wollte diesen wirklich kein einziges mehr abschreiben, so häufig, wie sie kurz vorm Ende gescheitert war.
    Am liebsten hätte sie ihm ja gleich mal den Brief um die Ohren gehauen, als er sie geradezu neckte und ihr anbot, diese langweilige Arbeit gleich noch mit ein paar anderen Briefen auszuüben. Sie stemmte die Arme in die Seiten und schüttelte bestimmt den Kopf.


    "Oh nein. Hin und wieder werd ich dir den Wunsch gerne erfüllen, damit du in aller Ruhe noch ein wenig ausschlafen kannst, aber nach wie vor putze ich doch lieber noch die Latrinen. Da kann ich nichts falsch machen und so anstrengend wie das Schreiben ist es auch nicht.", antwortete sie ihm und schob demonstrativ Tinte, Papier und Feder ganz weit von sich weg.


    Dabei stimmte das mit dem Spaß gar nicht, weshalb sie hinterher schelmisch zwinkerte. Ihr hatte das Schreiben großen Spaß bereitet, auch wenn es ihr so schwer gefallen war. Und es war ganz gewiss eine bessere Arbeit als das Putzen. Für die Latrinen war sie auch nicht zuständig. Aber Seia übertrieb nunmal gern ein wenig.


    "Hast du denn sonst noch einen Wunsch?", fragte sie und erinnerte sich somit daran, dass sie eine Sklavin war.

    In ihrem alten Haushalt hätte man ihr eine Backpfeife verabreicht und sie hinaus geworfen, also in ihre Unterkunft geschickt. Sie wusste nicht, ob schonmal einem Sklaven das Leben beendet wurde, bei ihrem alten Herrn. Ihre Mutter hatte jedoch einmal so eine Bemerkung gemacht und wenn sie nachgefragt hatte, wurde sie immer gleich abgeblockt.
    Hm. Hier scheinen mir die Menschen ein wenig liberaler eingestellt. Ich finds gut, aber ich werde mich daran wohl erst langsam gewöhnen können. Wo die Grenzen wohl gesteckt sind, die er anspricht? Wenn ich jetzt aufstehn und ihn kitzeln würde..... dann vielleicht? Uh, besser nicht ausprobieren.


    Seia nickte, als er sich nochmals nach ihrem Namen vergewissterte. Nun ist er schon so kurz und er kann ihn sich nicht so einfach merken. Ach Römerlein. Seia lächelte und sah ihn erst einmal nicht an, weil das Thema der Tötung ihr Respekt einflößen sollte und es sicherlich auch tat. Zumindest einen Moment, dann sah sie nickend wieder auf.


    "Dann macht es dir also nichts aus zu töten?", interessierte es Seia, weil seine Antwort so nüchtern geklungen hatte. Also sie wusste nicht..... Würde sie jemanden umbringen können? Nein, würde sie ganz sicher nicht. Und deshalb konnte sie auch nicht verstehen, dass die Männer in den Krieg zogen, um andere zu töten.

    Seia lauschte wie ein kleines Mädchen seinem Onkel, der schon so vieles erlebt und gesehen hatte. Eine seltsame Art und Weise für eine Sklavin einen Mittag zu bestreiten, zweifelsohne aber eine recht angenehme und deshalb genoss Seia sie auch, so lange sie sie noch genießen konnte.


    Bei dem Thema.... Er hatte also schon Menschen getötet. Nicht nur ein paar, nahm Seia an, sondern ein paar viele. Sie musterte ihn und versuchte irgendwelche Merkmale auszumachen, die auf seine Taten schließen ließen. Sie fand eigentlich keine. Zumindest nicht in seinem Gesicht, das wirkte eigentlich nett.
    Bestimmt hatte er viele Narben davongetragen, wenn er auch im Krieg gewesen war.
    Kaisertreue. Seia hatte den Kaiser noch nie in persona gesehen. Was er wohl für ein Mann war und was er dafür tat, dass alle anderen Männer ihm ihre Treue schworen? Was er DAFÜR tat? Diese Frage konnte Seia nicht beantworten. Dann schon eher die, was er dagegen tat, wenn sie ihm nicht folgten. Da gab es dann ja diese Praetorianer.
    Sie stellte sich die Frage, ob sie einem fremdem Mann so die Ehre schwören konnte, wie es dieser Caecilier und viele andere sogar mehrmals getan hatten. Wäre sie Römerin, vielleicht? Naja, dann wäre ihr nichts anderes übrig geblieben, die Römerinnen wurden meist gut erzogen. Und wäre sie als Römer geboren? Naja, dann würde sie nach Macht streben wie jeder andere. Sie verwarf den Gedanken, dafür blitzte ein anderer in ihrem Kopf auf.


    "Und hast du schon einen Sklav-" Seia schluckte und sah den Caecilier mit großen, erschrockenen Augen an. Sie hatte ihn das nicht fragen wollen, aber sie hatte wieder einmal schneller gesprochen als sie gedacht hatte. Sie legte sich schnell eine Hand auf den Mund und neigte den Kopf.
    "Verzeiht, Herr, meine Neugier ist mit mir durchgegangen."

    "Also gut!" antwortete Seia und nahm den Federkiel wieder auf. "Aber ich bitte dich, sei mir hinterher nicht böse, weil ich so viel Pergament verschwendet habe." Irgendwie hatte sie das Gefühl, dass er ihr solche Aussagen nicht würde böse nehmen. Er machte so und so einen netten Eindruck, wie etwa zuletzt im Garten, als sie ihm aus dem Brustpanzer geholfen hatte. Peinliches Thema!


    Das Sklavenmädchen unternahm also gleich den nächsten Schreibversuch. Buchstaben für Buchstaben reihte sie aneinander, aber noch das ein oder andere mal machte sie etwas falsch oder ließ einen Buchstaben aus oder rutschte ab oder schrieb mit zu wenig Tinte. Am liebsten hätte sie den Kopf mehrmals auf die Tischplatte geschlagen, weil sie es dumm fand, dass sie nicht mal so einen kurzen Brief richtig abgschrieben bekam.
    Nach dem x-ten Papier, das traurigerweise verschwendet worden war, saß sie dann also an der finalen Abschrift und schielte zwischendurch zum Caecilier. Ob er schon eingeschlafen ist? Der Versuchung, ihm mit dem anderen Ende der Feder an der Nase zu kitzeln, entging sie sklavengerecht tapfer.


    Schon war der Gruß geschrieben und Seia seufzte erleichtert. War das eine Prozedur gewesen. Jetzt tat ihr ihr Kopf weh, aber mit Stolz sah sie auf ihr kleines Werk hinab. Es war nicht zu vergleichen mit den Handschriften anderer Leute, jener, die sich auch trauten auf Pergament zu schreiben und deren Briefe sie gerne las, und es war auch nicht wirklich schön, fand sie. Aber selten. Dieser Dio würde sich zweifelsohne wundern, wer ihm da geschrieben hatte und ob der zu viel getrunken hatte, als er ihm 3000 Sesterzen versprach.


    Seia schmunzelte und rutschte das Pergament auf dem Tisch in Richtung Crassus.

    Salve Dio,


    Einen Tierpark halte ich für eine gute Idee, um das Erbe Antons zu wahren. Deshalb werde ich dir sobald als möglich einen bescheidenen Betrag in Höhe von 3000 Sesterzen als kleine Unterstützung für dein Vorhaben überweisen.


    Und bevor ich es vergesse: Die endgültige Einladung zum ersten Treffen der Amici orationis liberae habe ich erhalten und werde dort auch - vorraussichtlich ohne Begleitung - erscheinen.


    Vale,
    Crassus
    Praefectus Praetorio



    Das dauerte ja! Hatte sie so unleserlich geschrieben? Wieder beobachtete sie den schläfrigen Herrn ganz genau und ein wenig zu ihm vorgebeugt, um die Arbeit seiner Augen zu vefolgen. Schreibmaschine, hätte ein Mensch heute gedacht. Letter für Letter lasen seine Augen, dann sprangen sie zurück und fingen nochmal an. Es fehlte nur noch das Klackern der Tasten und das mechanische Geräusch, wenn ein Zeilensprung anstand.


    Sie lächelte und wartete dann geduldig, bis er fertig war. Was er dann jedoch tat, ließ sie skeptisch auf die Wachstafel, das Briefpapier und die Tinte gucken und wieder ihn anblinzeln. War der faul! Nun hatte sie schon die ganze Drecksarbeit für ihn erledigt, aber nein...!


    Na gut, du hast es ja nicht anders gewollt. Mit dem Gedanken, einem frechen, kaum erkennbaren Lächeln nahm sie all das, legte die Wachstafel über das Briefpapier und tauchte den Kiel einer Feder in Tinte. Und dann begann sie eine Abrschrift. Eine erste Abschrift.


    Diese durfte schon nach den ersten paar Wörtern vernichtet werden. Seia hatte so ihre Schwierigkeiten, die Buchstaben ordentlich zu schreiben, sodass sie hinterher auch gut zu erkennen waren. Außerdem war die Linie, auf der die ersten Wörter lagen, mehr eine geschlängelte Diagonale als alles andere und letzlich wischte sie auch noch mit der Hand über die frische Tinte.


    Die zweite Abschrift klappte schon besser. Seia war hochkonzentriert und zeigte das auch, indem ihre Zunge mitschrieb. Aber auch das nützte nichts, irgendwann rutschte sie ab und zog einen herrlichen Strich durch den Text.
    Seufzend verschränkte sie die Arme vor der Brust und sah den Caecilier vorwurfsvoll an. -.^


    "Das geht nicht. Darf ich nicht die Latrinen putzen gehen?" fragte sie und sah ihn bemitleidenswert zerknirscht an.


    Warum quälte er mich damit? Ich weiß ganz genau, dass er diese Abschrift binnen weniger Minuten schaffen könnte. Naja, jedenfalls weißt du jetzt, dass die ihm am Morgen nie wieder irgendwelche Briefe bringst, sondern sie dir erstmal durchliest und sie ihm am Nachmittag gibst.


    Sie wusste ja, dass er es gern sah, wenn sich jemand mal so richtig schön mit einer Aufgabe quälte.

    Seia grinste, während er erzählte und sah weg, damit es ihn nicht ärgerte. Sie glaubte, dass er ihr das erzählte, was man jedem Kind in Rom erzählte. Die Praetorianer wären die Guten, blabla. Sie standen ja auch auf der Seite des Guten, auf der Seite des Kaisers und hatten ihn zu schützen, aber was man über ihre Einsätze munkelte, unterschied sich klar von dem.
    Hatte ihr alter Herr gesagt. Seia kannte keine Praetorianer und hatte sich auf Geheiß ihres Herrn hin immer von ihnen ferngehalten. Wie auch vom Gesindel, den Patriziern... und und, es war immer die gleiche Leier gewesen.


    Als sie ihn ansah, sah er glatt ein wenig selbstgefällig aus der Wäsche und so nahm sie sich vor, bei ihm immer vorsichtig zu sein. Er wirkte bislang zwar keinesfalls gefährlich, aber man wusste ja nie.
    "Warum übst du diesen Beruf aus und.... hast du schon einmal einen Menschen getötet?" wollte sie wissen und nahm es sich einfach heraus mal nachtzfragen. Ihre Neugier war indess viel zu groß geworden.

    Zitat

    Original von Kaeso Caecilius Macro
    Ich beugte mich über sie, sah in ihre Augen, küsste ihre Lippen und wanderte immer tiefer, zuerst den Hals , dann ihr Dekoltée ...


    Immer tiefer erforschten meine Lippen ihren Körper, ich umspielte mit meiner Zunge ihre Lenden, küsste ihren Bauch, streichelte sie überall.
    Meine Finger strichen ihr Bein hoch, an ihrem Oberschenkel entlang, zwischen ihre Beine.


    Immer wieder beobachtete ich ihr Gesicht, sie genoss jede einzelne meiner Berührungen, verstärkte sie sogar noch, indem sie ihren Körper gegen den meinen drückte.
    Ich rutschte noch ein bischen tiefer um ihr zu zeigen, wieviel Macht meine Zunge über sie haben konnte...


    ... und Seia verstand bald die Welt nicht mehr. Noch nie war sie so verwöhnt worden. Wohlig räkelte sie sich seinen Berührungen entgegen und erschaurte, je tiefer seine Zunge wanderte. Er wusste ganz genau, an welchen Stellen eine Frau empfindlich reagierte und so seufzte sie, als er mit dem Kopf zwischen ihren Beinen verschwand.
    Genießerisch biss sie sich auf die Unterlippe, weil das Kribbeln in ihrem Unterleib stärker und stärker wurde. Dann zog sie ihn sanft zu sich hoch und war gewillt, mit ihm die Rolle zu tauschen. Sanft drückte sie ihn hinunter auf ihr Lager und setzte sich neben ihn. Dann begannen ihre zierlichen Hände seinen Oberkörper massierend zu liebkosen, bald auch ihre warmen Lippen. Immer tiefer küsste sie sich ihren Weg seinen makellosen Oberkörper herab, immer geschickter platzierte sie ihre Hände, bis sie zu seiner Mitte angelangte, die vor Erregung empor stand.


    Dort nun begann sie ihr neckendes Spiel, ein abgekatertes Spiel, in dem Macro sich ihr ergab, so lange er wollte.

    Er verstand aber auch gar keinen Spaß. Seia schmunzelte, seufzte wie ein Schulkind und "radierte" ihre unbrauchbaren Formulierungen weg, um sie durch seine passenderen zu ersetzen. Das waren nicht gerade wenig und während sie schon fieberhaft kritzelte, hatte er noch etwas, das sie einfügen sollte.


    Sie sah ihn einen Moment lang überfordert grimmig an. "Nicht so schnell." Dann wandte sie sich wieder der Wachstafel zu.







    Wieder betrachtete sie den Brief, diesmal aber nicht mit selbstgefälliger Miene. Ihrer Meinung nach war er nun langweilig. Eben wie dieser, den sie dem Caecilier gerade gebracht hatte. Wie sie schon gesagt hatte: Die Römer verstehen keinen Spaß.


    "So gut?" fragte sie und reichte dem mit den müden Augen die Tafel.

    Sim-Off:

    Entschuldigung wegen der langen Wartezeit!


    Tat Seia nicht. Sie wusste sehr gut, dass sie in ihrem neuen Haushalt das große Los gezogen hatte, vorher war es ihr ja schlechter gegangen und sie fühlte sich hier, als hätte ihr jemand eine zweite Chance gegeben. Nickend erhob sie sich, nahm dem Römer seinen Becher ab und füllte ihn neu.
    Da hat aber jemand Durst. Sicherlich liegt das auch daran, dass ich ihn so lange hab schmoren lassen und sein Körper die ganze Flüssigkeit ausgeschwitzt hat.


    Als er sich auf der Bank zurückgelegt hatte, ging sie zu ihm und gab ihm den Becher. Bevor er weitersprach, setzte sie sich wieder auf den Boden in den Schatten.


    "Du bist Praetorianer." stellte sie fest, nachdem er geendet hatte und ihr Dinge genannt hatte, die in der Stadt tagtäglich passierten, von denen sie aber höchstens mal jemanden hatte sprechen hören. Welchem Rang die Abzeichen auf seinem Panzer kennzeichnen sollten, wusste sie jedoch nicht. "Eine Sklavin muss nur wissen, dass sie sich vor Männern in solcher Rüstung demütig und gehorsam zeigt. Mehr braucht sie nicht zu wissen." Ein Zitat ihres alten Herrn.


    "Mein alter Herr sagte immer, dass ihr nicht gerade unerheblich wenig an den ganzen Verbrechen beteiligt seid." Sie grinste den Caecilier an. Ihr rutschte just in dem Moment eine Strähne ihres dunklen Haares ins Gesicht.