Beiträge von Sveija

    Callista hieß die Römerin also. Sie wirkte ein wenig eingeschüchtert, trat aber auf Sveija zu.


    Angst keine haben musst. Schritte langsam dir zeige. Komm.


    Die junge Frau streckte die Hand aus und hielt sie der Römerin entgegen. Als diese sie ergriff, führte Sveija sie ganz langsam in die einzelnen Schritte und zählte die ganze Zeit den Takt mit. Die Ubierin merkte nicht, dass sie ins Germanische abrutschte.


    Sem, twa, phri, fedwor. Sem, twa, phri, fedwor. Sem, twa, phri, fedwor.

    Sveija hatte sogar sehr gut verstanden. Sie sprach zwar kaum Latein, verstand es aber sehr gut. Und dass nun ausgerechnet dieser grobe Klotz, der ihr mehr als einmal auf die Füße getreten war, sie geradezu herausforderte, ließ ihre Augen feurig aufblitzen. Sveija war eine gute Tänzerin, und das wusste sie auch.


    Also gut, Witjon, wie du willst. Du aufpassen. Erst langsam zeigen, dann Tempo richtiges.


    Während man von der Hros her einige Pferde wiehern hören konnte, nahm die Ubierin den Freund aus Kindertagen bei den Händen, zählte den Takt der Musik vor und führte ihn zwei Schritte nach links, zwei Schritte nach rechts, einen Schritt zueinander und wieder einen voneinander weg. Dann fasste sie seinen linken Arm mit ihrem und führte ihn in eine linke Drehung, ehe sie schließlich den rechten Arm mit Rechts fasste und rechtsherum drehte. Dann begann sie die Schrittfolge von vorn und steigerte das Tempo, bis es der Musik der Spielleute entsprach...

    Lächelnd nahm Sveija der Prudentierin den Becher mit Met ab und drückte ihr das Wasser in die Hand.


    Hier, Met zuviel für Römer nicht gut sein. Nicht tanzen kannst? Tänze germanische ganz einfach sein. Schritte feste keine gibt und unterschiedlich von Stamna* zu Stamna sein. Sveija dir Schritte ubische soll zeigen?


    Während sie das sagte, ließ die junge Germanin den Inhalt von Callistas ursprünglichem Becher im Haselstrauch verschwinden und legte den Becher dann ab...






    * germanisch für Stamm

    In einer Ecke des Gartens drückt sich im Schatten der Haselsträucher eine Gestalt herum, die sich bei genauerer Betrachtung als junge Römerin herausstellte. Langsam, leise und von den Schatten halb verborgen trat Sveija näher. Sie hatte extra einen Becher Wasser und eine Schale mit Oliven und Mandelkernen mitgebracht. Als die junge Ubierin herankam, erkannte sie, welche Römerin genau es war. Den ganzen Abend hatte sie bei Witjon gestanden und war ihm sehr nah gewesen, es musste also wohl seine Verlobte sein...


    Dich langweilst? fragte die Magd die Römerin in gebrochenem Latein. Sveija bin. Für Duccii arbeite. Hier, für dich Wasser und Essen bringe. Warum nicht tanzt?

    Der junge Rodrik stand bei der Braut und schaute, wie immer, wenn Sveija etwas sagte, wie ein Pferd drein. Die junge Ubierin war sich nicht sicher, ob das jetzt an ihr lag oder ob der Jüngling einfach nur tumb war. Vom Gesichtsausdruck her passte er zumindest perfekt auf die Hros.
    Als er Met bestellte, lag Sveija eine spitze Bemerkung über zu harte Getränke für zu kleine Jungs auf der Zunge, aber Rodrik war ein Duccier und damit letzten Endes ihr Arbeitgeber. So nickte sie also nur still und verschwand, um kurz darauf mit einem gefüllten Becher zurückzukehren.

    Auch Sveija hatte diese schamlose Attacke auf Arbjon mitbekommen. Sie wusste allerdings nicht, ob sie lachen oder weinen sollte, denn der Freund aus Kindertagen weckte Zuneigung und Abscheu zugleich in ihr. Natürlich konnte der Sohn der Ildrun das nicht wissen, war er doch im fernen Rom gewesen, als die römischen Soldaten das Mädchen entführt hatten. Er hätte doch bestimmt nach ihr gesucht, oder?
    Sveija schüttelte kurz aber heftig den Kopf, um diese Gedanken wieder loszuwerden und schritt dann tapfer auf die kleine Gruppe zu. Sie hörte gerade noch, wie Lando zu einem anderen seiner Gäste sagte, dass dieser im Gästezimmer übernachten könne.


    Isch saach dem Albin övver dä Rumm för dinge Jast Bescheid. Un do, Arbjon, kumm ens met en de Köch.

    Ein wenig scheu ging Sveija mit einem großen Tablett herum, auf dem unzählige gefüllte Becher standen. So viele Menschen waren hier, es war fast wie auf dem Marktplatz. Und überall wuselten kleine Racker umher, denen die junge Ubierin immer wieder ausweichen musste. Überall dort, wo Gruppen von Erwachsenen zusammen standen, machte sie halt und fragte sowohl auf Ubisch als auch in breit akzentuiertem Latein:


    Kann isch üch jet Wasser, Wing oder Bier aandunn? Mööcht ihr Aqua oder Vinum?

    Einfach weglaufen und dem Unglück entfliehen? Sveija wusste, dass dies nicht funktionieren würde. Sie schüttelte daher auch den Kopf.


    Nä, dat funktioneet nit. Dat wööd dä Lando verhindere. Isch wöss ens jään, ob de Tant Ildrun alt dovun jehürt hätt.


    Das war in der Tat eine gute Frage. Was würde wohl Witjons Mutter dazu sagen, dass ihr Sohn eine Römerin heiraten wollte?

    Ja, dick und hässlich sollte sie sein und eine Furie obendrein. Wie konnte er ihr das antun. Nicht, dass sie an der Stelle der Römerin sein wollte, aber... aber... er konnte sie doch nicht einfach allein lassen.


    Un wann will dä Tuppes hierode? fragte Sveija kleinlaut, als sie das Taschentuch von Sontje entgegennahm.

    Sveija wurde kreidebleich. Witjon, heiraten? Wen denn?? WARUM??? In dem Mädchen zerbrach etwas. Sie wusste nicht, was es war, doch es fühlte sich furchtbar an. Es tat weh.


    Ävver... ävver... dat jeht doch nit. Dä blöden Hungk, dä kann doch nit einfach esu...


    Die junge Ubierin ließ sich auf die Bettkante nieder. Eine Träne rollte über ihre rechte Wange.

    Sveija packte das Tablett wieder mit beiden Händen und schob die Tür mit dem Fuß auf. Die Gesuchte saß aufrecht im Bett. Ihre Augen waren stark gerötet und sie hatte offensichtlich geweint.


    Heilsa. Entscholdije, ävver dä Albin hät jesaaht, dat isch dir e Döppe Kruggesod bringe soll. Hä hät Angs dat do disch verkäkse däs.


    Die junge Ubierin stellte die Schale mit dem mittlerweile nur noch warmen Kräutersud auf einem Stuhl ab und rückte diesen dann vorsichtig zum Bett der Duccierin.


    Es allet jot? Do luurs us als wörs do am kriesche jewäs.

    Der Kräutersud dampfte nicht mehr ganz so stark wie zuvor und es hatte Sveija einige Momente gekostet, die junge Duccierin zu finden. Jetzt stand sie vor Sontjes und Phelans Zimmer und hatte Mühe damit, das wackelige Tablett so auszubalancieren, dass sie anklopfen konnte.
    Als es ihr schließlich gelang, hob sie die Faust und klopfte fest gegen die Tür.

    Eine große, dampfende Schale auf einem kleinen, unebenen Tablett balancierend näherte sich Sveija dem Arbeitszimmer, als plötzlich die Tür aufging und Duccius Lando an ihr vorbeistürmte. Die Schale kippelte bedrohlich, als das Mädchen auswich und eine wahre Fluchtirade machte sich schon bereit, ihren Mund zu verlassen, als sie sich gerade noch beherrschen konnte.
    Statt den Hausherrn mit allerlei Beschimpfungen zu belegen, ging sie zur Tür und stieß diese mit dem Fuß auf. Sie betrat das Zimmer und fand dort niemanden. Nunja, Witjon war da, aber den suchte sie ja nicht, und überhaupt.


    Saach ens, Witjon, wo is dann dat Sontje? Dä Albin hätt dem Marja jesaaht, dat isch dem Sontje ene Kruggesod bringe soll, domet et sich nit verkaale dät.


    Sim-Off:

    Wir können das gerne aussimmen, aber ich denke, dass ich die Info bekommen werde, dass Sontje auf ihr Zimmer entschwunden ist. Daher mache ich da schon mal weiter.

    Es war immer dasselbe, Jahr für Jahr. Sobald der Schnee schmolz, spross das erste Grün. Nur warum musste das erste Grün immer aus Unkraut bestehen?


    Mit verdreckten Händen und ein wenig Erde im Gesicht betrat Sveija die Küche. Wie immer roch es hier mehr als verführerisch. Über dem Feuer blubberte in einem großen Kessel einer von Margas berühmten Eintöpfen und der Duft frischen Brotes hing ebenfalls im Raum. Die Köchin und gute Seele der Casa Duccia war gerade damit beschäftigt, einige getrocknete Kräuter und Gewürzkapseln in einem Mörser zu zerreiben.


    Isch bin jetz mit demm Unkrugg fädisch, Marja. Kann isch nojet anners dunn?

    Die junge Germanin stand direkt vor der Tür des Balneums. Sie hielt ein Paket in ihren Händen, das aus mehreren von Witjons Kleidungsstücken bestand. Sie hatte die saubere Kleidung schnell im Zimmer des Ducciers zusammengesucht, nachdem sie in Windeseile den Flur wieder gesäubert hatte.


    Hee, isch han dir jätt zom aantrigge jehollt. Un et däät mer leid, dat isch dinge Rögge verbröht han, sagte sie ein wenig kleinlaut...

    Watt wills do dann? Wills do misch in ming fröjet Jrav bringe oder wie? Jleufs do villisch, isch bunner he zom Spass? Trot dir jefällichs ding Fööß aff, wann do en et Huus küss! Un jetz maach dat do fot küss, befür isch misch janz verjesse donn!


    Sveija sah alles andere als amüsiert aus und für Witjons schmerzhafte Lage hatte sie auch kaum Verständnis... momentan zumindest nicht. Später würde sie sich wahrscheinlich entschuldigen und ihm den Rücken mit einer von Albins Heilsalben einreiben. Bis dahin konnte sich der Duccier ja in kaltem Wasser abkühlen.


    Jonn in dat Balneum un höpp en kahl wasser. Isch muss dinge Dress jetz fottmaache.

    Als sie wiederkam, einen schweren Eimer mit dampfendem Wasser schleppend, kniete dort doch tatsächlich jemand auf den frisch gewischten Dielen und versuchte mit einem kleinen Läppchen und einer Schale aus dem Balneum irgendwelchen Dreck wegzumachen. Oder wollte derjenige welche den Boden einseifen?
    Sveija trat so lautlos sie konnte näher heran und erkannte Witjon. Na warte, dachte sie sich. Die Sonne schien durch ein Fenster direkt hinter ihr, so dass ihr Schatten der jungen Frau drohend vorauseilte und sich über den noch ahnungslosen aber sicherlich von schlechtem Gewissen geplagten Duumvir Mogontiacums legte.
    Sveija hob den Eimer an...



    Sim-Off:

    Dusche gefällig? :D

    Leise singend schleppte Sveija einen großen Eimer mit dampfendem Wasser, einen weiteren großen Eimer mit mehreren Lappen und Bürsten, zwei Besen und zwei große Seilrollen in einen der Flure der Casa Duccia. Sie sperrte den Gang an beiden Enden mit den Seilen ab und begann dann erst einmal damit, den Boden zu fegen. Als sie damit fertig war, fing sie an, die Dielen mit heißem Wasser und den Bürsten abzuschrubben, bis die Bretter wieder ihre ursprüngliche Farbe hatten.
    Die Magd brauchte für den Flur nicht ganz eine halbe Stunde, dann war sie zufrieden, stand auf und löste eines der Seile. Sie ging in den anschließenden Gang und sperrte diesen ab. Sveija holte die Besen und Bürsten und ging noch schnell das Wasser wechseln, ehe sie mit dem Frühjahrsputz weitermachen würde...

    Schluchzend vergrub Sveija ihr Gesicht an Silkos Oberarm, der auch nicht wesentlich kleiner zu sein schien als der Kopf des Mädchens.


    Eine kleine Weile weinte sie, dann schniefte sie nur noch und hörte schließlich auf.


    Danke, dass ihr alle da seid und auf mich achtet. Ich habe immer wieder Angst, dass diese bösen Männer aus der Dunkelheit kommen und mich wieder mitnehmen.