Beiträge von Germanica Laevina

    Als Sedulus endlich mit der Neuigkeit rüber kam, verlor für einen Moment sogar ein gestandener Senator jeglichen Reiz in Laevinas Augen. Serrana war also schwanger...und das so schnell! Das war allerdings eine Überraschung, auch wenn eigentlich früher oder später damit zu rechnen gewesen war. Schließlich hatten Laevinas allgegenwärtige Spione ihr unter anderem auch zugetragen, dass das frischgebackene Ehepaar mit beeindruckender Regelmäßigkeit und Inbrunst das Lager miteinander teilte, was die alte Germanica zumindest im Fall ihrer Enkelin durchaus überrascht hatte. Aber stille Wasser waren ja bekanntlich tief...
    So oder so, Laevina freute sich tatsächlich, sehr sogar, und auch, wenn sie sich im Gegensatz zu Sedulus alle Mühe gab, das erfolgreich zu verbergen, gelang es ihr in diesem Fall nur unzureichend und ihre sonst so kalten blauen Augen leuchteten kurz auf.


    "Oh, es freut mich, dass Serrana so zügig ihren Pflichten als Ehefrau und Matrone nachkommt." sagte sie dann und nickte gnädig, bevor sie ihren Schwiegerenkel neugierig musterte. "Seit wann wisst ihr es denn?"

    "Ach ist das so? Na, sieh mal einer an." kommentierte Laevina, die Ironie in der Stimme ihres Großneffen gekonnt ignorierend, und lehnte sich jetzt wieder gemütlich in ihrem Schaukelstuhl zurück, während ein feines Lächeln auf ihren Zügen erschien. "Nun, wenn das stimmt, dann ist es für dich ja sicher kein Problem, besagten Senator mal zu einer Cena hier ins Haus einzuladen, ich werde ihn schon gebührend zu verpflegen wissen." Die alte Germanica hatte ihres Wissens nach noch nie mit einem Senator der Gens Matinia zu tun gehabt, aber wenn sie Sedulus' Grinsen richtig deutete, dann handelte es sich vermutlich um einen uralten klapprigen Sack, und mit dem würde sie schon fertig werden.


    "Serrana? Was ist denn mit ihr?" fragte sie dann, deutlich entspannter als vor einem halben Jahr, als Sedulus ihr schon einmal eine Mitteilung über ihre Enkelin gemacht hatte. Schließlich war es mittlerweile nicht mehr ihre Aufgabe, ein Auge auf die Kleine und deren Tugend zu haben, das war jetzt allein Sedulus' Job.

    Dieser überaus anstrengende Jungspund konnte es doch einfach nicht sein lassen... Laevinas Augen verengten sich leicht, doch statt einer Antwort ließ sie nur ein leises Schnauben hören. Selbst wenn sie mittlerweile nicht schon ausreichend Erfahrung mit Sedulus' Scherzen gemacht hätte, hätte sie die Ankündigung eines solches Gastes kaum geglaubt. Nicht, weil sie einen Senator für zu wichtig gehalten hätte, um bei ihr vorbeizuschauen (derart wichtig war nicht mal der Imperator), sondern weil sie in diesem Fall längst von Quadrata, ihrem zweiten Paar Augen und Ohren informiert worden wäre.


    "Tu was du nicht lassen kannst. Aber falls das Anliegen, das dich hergeführt hat, in irgendeiner Weile mein Wohlwollen voraussetzt, solltest du den Ball von jetzt an lieber flach halten."

    "Verehrer? Schwachsinn! Den Göttern sei Dank, dass ich mich mit so einem Unfug nicht mehr herumschlagen muss." Laevina nickte Sedulus zur Begrüßung zu und bot ihm dann mit einer weiteren majestätischen Bewegung ihres Kopfes an sich zu setzen.


    "Nein, du störst nicht. Nicht mehr als sonst zumindest. Um was geht es denn?" Hoffentlich nicht irgendso ein langweiliger Haushaltskram...Laevina stand der Sinn derzeit viel eher nach ein paar erzieherischen Maßnahmen für die Bewohnerschaft des Hauses, was sowohl die Sklaven als auch die Familie miteinschloss.

    Laevina machte gerade mal wieder eins ihrer wohlverdienten Nickerchen in ihrem Schaukelstuhl, als es so leise an der Tür klopfte, dass sie es um ein Haar überhört hatte. Der zaghafte Ton ließ vermuten, dass es sich bei dem Besucher um einen der verschreckten Sklaven des Hauses handelte, denen unbegreiflicherweise immer das Herz in den Lendenschurz zu rutschen drohte, wenn sie bei der dienstältesten Germanica vorstellig werden mussten.


    "Ja verdammt, was gibts denn schon wieder?" bellte sie daher nur mittelmäßig freundlich in Richtung Tür.

    "Bist du denn von allen guten Geistern verlassen? Nimm sofort deine Griffel weg!" fauchte Laevina und befreite sich resolut und nicht gerade zimperlich aus Aculeos Zuneigungsbezeugung. Vertraulichkeiten dieser Art hatte sie immer schon verabscheut und nicht einmal ihren eigenen Kindern oder Enkeln zugestanden.


    "Vale, Octavia Varena. Und denk künftig an meine Worte." erwiderte sie dann die Verabschiedung des jungen Mädchens. "Und du, Aculeo, spar dir deine unqualifizierten Kommentare, und mach, dass die Kleine nach Hause kommt, bevor die Octavier eine Suchmannschaft losschicken. Ich werde mich jetzt wieder zurückziehen, gute Nacht." Nach einem kurzen Nicken drehte sich die alte Germanica um und marschierte kerzengerade wie immer zurück ins Haus.

    Nur Laevinas Augenbraue wanderte als einzige Reaktion auf Aculeos Fragen erneut ein wenig in die Höhe. Es stand für sie absolut nicht zur Diskussion, auf Anspielungen zu ihrer eigenen Person zu reagieren und schon gar nicht einem dreissig Jahre jüngeren Verwandten und seiner ihr vollkommen unbekannten Begleitung gegenüber. In einem Punkt musste sie ihr erstes Urteil allerdings revidieren: der junge Germanicus war tatsächlich kein gedankenloser Lüstling, der Vorteil aus der Situation hatte ziehen wollen, sondern augescheinlich ebenso unbedarft und naiv wie das junge Mädchen.


    "Es mag sein, dass sich die Zeiten geändert haben, aber glaube mir, Aculeo, manche Dinge wirden sich niemals ändern." begann sie nach einem kurzen resignierten Seufzer und bemühte sich um einen halbwegs ruhigen und verständlichen Tonfall. "Die heutige Jugend, euch beide eingeschlossen, hält sich vielleicht für modern und unabhängig, aber so ist es ganz und gar nicht. Wenn euch jemand in der Stadt nach Sonnenuntergang allein zusammen gesehen hat, dann ist der Ruf dieses Mädchens ganz schnell ruiniert, daran ändern auch deine vielleicht wirklich ehrenhaften Absichten nicht." Die alte Germanica warf einen erneuten Blick auf die immer noch vollkommen verschreckte Octavia und seufzte erneut. "Also schön, dann bring sie jetzt nach Hause, aber nimm genügend Sklaven mit, damit euch nicht jeder sofort für ein heimliches Liebespaar hält."

    Na grandios, also tatsächlich eine Frau aus besseren Kreisen... Die Octavia war derzeit zwar nicht die gesellschaftlich oder politisch herausragendste Gens, mit der man es sich durch derartige Aktionen verderben konnte, aber immerhin!


    "Eine Octavia, sieh einer an. Und in deiner Familie gibt es keinen, der dich beizeiten darauf aufmerksam gemacht hat, dass man nicht nachts mit irgendwelchen Männern in deren Häuser geht um sich von ihnen MASSIEREN zu lassen?" Rein theoretisch war es natürlich auch möglich, dass das Mädchen bereits längst verheiratet war und sich nur ein Vergnügen nebenbei gesucht hatte, aber dafür wirkte sie dann doch zu eingeschüchtert und verschreckt.
    Nur wenige Sekunden darauf klärte eine Bemerkung Aculeos, die Laevina mit einem prompten Schnauben beantwortete, diese Frage endgültig.


    "Ach, du willst sie also heiraten? Na prima, dann wünsche ich dir viel Erfolg bei ihrem Vater oder Vormund, ich bin mir sicher, der lässt jede Vereinbarung mit anderen möglichen Kandidaten sofort fallen, wenn er so eine grandiose Partie wie dich zu Gesicht bekommt! Wer ist überhaupt dein Pater Familias?" fragte sie dann an Varena gewandt und schüttelte dann nach einem erneuten Blick auf Aculeo den Kopf. Immer diese Naivität bei den jungen Leuten, die davon ausgingen, dass man sich seinen Ehepartner selbst aussuchen konnte. Ja, wo kam man denn da hin? Die Anmerkung, sie müsse nichts weiterplappern, kommentierte Laevina erst gar nicht, dass man mit derartigen Peinlichkeiten nicht hausieren ging, verstand sich ja wohl von selbst, wenn man sich und die Familie nicht lächerlich machen wollte!

    "Nichts getan? Soso...." Laevinas Augenbraue schnellte in die Höhe und sie fixierte das Häufchen Elend mit seinen Sandalen in der Hand mit ansonsten unbewegtem Gesicht.
    Entweder war dieses Mädchen eine gewiefte Schauspielerin oder aber sie war noch naiver und argloser, als es diese Reaktion vermuten ließ. Wobei die letztere Variante noch ungünstiger für Aculeo war und ihm den Stempel eines gedankenlosen Lustmolchs aufdrückte.


    "Ach, nett wolltest du sein, ja?" Laevinas Stimme senkte sich jetzt zwar, nahm dafür aber einen unüberhörbar knurrenden Unterton an, während sie ungläubig den Kopf schüttelte. "Da wo ich herkomme, bietet man müden Gästen etwas zu trinken an und befummelt nicht ihre Beine. Ich hoffe zu deinen Gunsten, dass dieses Mädchen nur eine Libertina oder Peregrina ohne schlagkräftige männliche Verwandtschaft ist. Ansonsten hast du spätestens morgen nämlich ein verdammt großes Problem!" Sie persönlich hätte in jedem Fall zu irgendeiner besonders ausgefeilten Art der Gewalttätigkeit gegriffen, wenn jemand ihre Enkelin Serrana so angetatscht hätte, als diese noch unverheiratet war.

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    Quadrata



    Nach einem sechzigjährigen Sklavinnen-Dasein unter einer alles andere als pflegeleichten Herrin als gnädige Frau tituliert zu werden, ging Quadrata runter wie Öl, und sie war derart gepauchpinselt, dass es eine ganze Weile brauchte, bis der Gens-Name des jungen Mannes zu ihr durchgedrungen war. Ein Iunier? DAS war allerdings mal ein Besucher, der Germanica Laevinas Interesse wecken würde...Schließlich freute die sich doch über jedes Mitglied dieser Familie, das bereits den Orcus bevölkerte. Bei Quadrata hatte er jetzt nichtsdestotrotz einen Stein im Brett und sie antwortete mit für sie eher ungewohnter Freundlichkeit, bevor sie die Tür endgültig öffnete, um ihn einzulassen.


    "Oh, soweit ich informiert bin, ist domina Serrana bereits vom Tempeldienst zurück. Folge mir doch bitte ins Atrium, ich werde sie sofort informieren."

    Laevina befand sich gerade auf einem ihrer regelmäßigen Kontrollgänge durch die nächtliche Casa, als plötzlich leise Stimmen an ihr noch immer brilliantes Gehör drangen, von denen ihr zumindest die eine vollkommen unbekannt war. Nur Sekunden später hatte sie den Hortus als Geräuschquelle ausgemacht und steuerte unbeirrrt auf diese zu, bis sie, kaum über die Schwelle des Gartens getreten, wieder zurückprallte. Was sollte denn diese verdammte Festbeleuchtung? Stand vielleicht ein Kriegszug an?


    "Welcher Schwachkopf hat es sich einfallen lassen, im August den ganzen Garten unter Fackeln zu setzen?" bellte sie in Richtung der beiden Personen, die sie dank der großzügigen Lichtquelle sofort auf den nahegelegenen Bänken ausgemachen konnte. "Soll vielleicht das ganze Haus abbrennen?" Laevina machte noch einen weiteren Schritt in den Garten hinein und erkannte dann ihren jungen Verwandten Aculeo, der offenbar gerade die UNBEKLEIDETEN Füße einer ebenso jungen Frau in den Händen hielt und sich halb über diese beugte.


    "Germanicus Aculeo!!! Was fällt dir ein, dich nachts mit halbnackten Weibern im Garten herumzutreiben? Wir haben kleine Kinder im Haus! Einem Haus mit bislang untadeligem Ruf, wie ich betonen möchte!!!!" Laevinas schnarrender Tonfall hätte vermutlich jedem Militärausbilder die Tränen des Neids in die Augen getrieben, aber als Wächterin von Sitte und Anstand war sie nach langer Zeit endlich wieder voll in ihrem Element.

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    Quadrata



    Da der germanische Tölpel mal wieder nicht an seinem eigentlichen Posten anzufinden war, nutzte Quadrata wie so häufig die Gelegenheit, ihrerseits die Porta zu öffnen. Vielleicht stand zur Abwechslung ja mal ein halbwegs interessanter Besucher davor.


    "Ja bitte? Was kann ich für dich tun?" fragte sie, nachdem sie den hochgewachsenen jungen Mann relativ ungeniert gemustert hatte.

    Senator und Pontifex also....Laevina unterdrückte einen wehmütigen Seufzer. Sie kannte besagten Herrn nicht, aber selbst als Patrizier musste man zumindest über ein gewisses Maß an Ehrgeiz und Intelligenz verfügen, um eine derartige Position zu erreichen. Hach, wie anders hätte ihr Leben verlaufen können, wenn sie einen solchen Mann geheiratet hätte... Immerhin war auch sie noch vor zwanzig, dreissig Jahren eine attraktive Frau gewesen, auf die sogar der wundervolle Kaiser Titus während eines Triumphzugs aufmerksam geworden war! Und wenn sie damals nicht ärgerlicherweise gerade ihren kleinen Sohn auf dem Arm gehabt hätte...Die alte Germanica seufzte jetzt doch, wenn auch beinahe unhörbar. Es half ja nichts, so wie die Dinge standen, musste sie schon froh sein, dass die Flavia sich nun nicht ihrerseits nach ihrem Gatten erkundigte. Marcilius Lento, ambitionsloser Provinz-Advocatus. Das wäre immerhin ein schöner Kontrast zum Senator und Pontifex geworden...Achja, und dann hatte es da ja auch noch Germanicus Vindex, Faulenzer und Langweiler, gegeben...In dem Fall musste man den Göttern schon dankbar sein, dass diese Ehe bereits zuende gegangen war, als noch keine der anderen Damen in ihrer Gesprächsrunde geboren war. Lento hatte sich da schon als deutlich zäher und langlebiger erwiesen, aber der war immerhin ein ausgesprochen hübscher Kerl gewesen und hatte zumindest ein Talent besessen, dass ihr ab und zu das Leben versüßt hatte.
    Laevina riss sich von ihren Vergangenheitsbetrachtungen los und konzentrierte sich wieder auf die Gegenwart. "Senator und Pontifex, da musst du ja ungeheuer stolz auf deinen Gatten sein." flötete sie mit der gebührenden Dosis an Begeisterung in die Richtung der Flavia. "Bist denn auch im Dienst der Götter tätig?" Laevina selbst hielt diese Kuh-Schnippelei für reine Zeitverschwendung, aber eine solche Betrachtungsweise würde in derart frommer Runde wohl kaum auf Anklang stoßen. Die Privilegien einer Vestalin waren aus Sicht einer praktisch veranlagten Frau wie der alten Germanica natürlich nicht zu verachten, aber dieses ganze Affentheater drum herum...nein, das war nichts für sie... "Da hast du selbstverständlich recht, werte Flavia." nickte sie, Serrana erneut übergehend. "Es ist tröstlich zu wissen, dass es in unserer Stadt auch noch Menschen gibt, die die alten Werte und Traditionen bewahren und gebührend in Ehren halten." Und auch, wenn sie ihre Enkelin offiziell gar nicht mehr zu Kenntnis nahm, machte sich Laevina doch zunehmend Gedanken über deren seltsames Benehmen, das so gar nicht zu ihrem sanften Mäuschen-Gemüt zu passen schien. Aber den Grund dafür konnte sie ja in Ruhe daheim in der Casa Germanica herausbekommen, schließlich hatte der ausserhalb der Familie niemanden zu interessieren.

    "Ach, sieh an. Ein überaus ambitionierter junger Mann, wenn ich das so sagen darf. Richte ihm doch bitte meine Grüße aus, wenn du ihn das nächste Mal triffst." Zugegebenermaßen auch ein wenig seltsam, aber das kam nun einmal dabei heraus, wenn man jahrhundertelang immer untereinander heiratete. Ob die Flavia deshalb auf einer lediglich "entfernten" Verwandtschaft beharrte? Oder gab es eventuell noch spannendere Abgründe, die man eventuell ergründen konnte um sich ein wenig die Zeit zu vertreiben? Schlimmer als eine Großnichte, die in ihrer Jugend mit dem fahrenden Volk herumgereist war, konnte es allerdings kaum sein. "Und was die überaus freundliche Enkelin betrifft..." Die alte Germanica wandte den Blick Serrana zu, die mit hochrotem Kopf und funkelnden Augen vor ihr stand, und eine ihrer Augenbrauen schnellte nach oben, wenn auch mehr aus Überraschung, dass das kleine Schaf plötzlich den Mund aufmachte denn aus echtem Ärger über die Bemerkung. "Ich habe keine Ahnung, aus welchem Grund du in Gegenwart all dieser Damen und sogar einer Vestalin herumkeifst wie ein ordinäres Waschweib, aber vielleicht war dieser kleine Spaziergang ja schon zu viel für dich." antwortete sie mit eisigem Blick aber ohne ihren höflichen Plauderton abzulegen. Eine Germanica Laevina wusste schließlich, was sie ihrem Namen in der Öffentlichkeit schuldig war, austoben konnte sie sich genauso gut daheim oder beim Umgang mit dem gemeinen Volk! Laevina beschloss, ihre undankbare Enkelin fürs erste zu ignorieren und drehte sich wieder den anderen anwesenden Damen zu. Allzu viele Gelegenheiten, ein paar Kontakte zu knüpfen und ihr Hintergrundswissen über die römische Gesellschaft auszubauen, bekam man in ihrem Alter schließlich nicht mehr. "Nun, die werte Furia hier ist meines Wissens nach mit einem Iulier verheiratet, und Serrana mit meinem Verwandten Sedulus. Dürfte ich dich auch nach dem Namen deines Gatten fragen, werte Flavia?" Zweifellos irgendein wichtiger Großkotz oder einer, der sich zumindest dafür hielt, schließlich legten die Patrizier bei der Wahl ihrer Ehegatten besonders hohe Maßstäbe an. "Unsere Claudia hier brauche ich ja nicht zu fragen, an der ist dieser Kelch vorbeigegangen."

    "Du? Wieso denn das?" fragte Laevina, nun ihrerseits ein wenig irritiert, bevor ihr bewusst wurde, dass ihre eigene Bemerkung wohl etwas missverständlich formuliert gewesen war. "Ich bitte dich, meine Werteste, wärst du wohl für den Dienst der Vesta ausgewählt worden, wenn du nicht mehr vorzuweisen hättest als deine Altersgenossinnen? Wie alt bist du denn überhaupt?" Romanas imposante Leibesgröße machte es der alten Germanica ein wenig schwer, ihr genaues Alter richtig einzuschätzen. Jung an Jahren war sie natürlich schon, wenn auch vielleicht ein wenig älter als Serrana. Letztere näherte sich inzwischen in Begleitung ihrer beiden Gesprächspartnerinnen, und Laevina warf ihrer Enkelin einen vorwurfsvollen Blick zu, bevor sie den anderen würdevoll zunickte. "Wie nett, dass du dich endlich mal bei mir blicken lässt. Und ist es nicht erstaunlich, dass ich für den selben Weg deutlich weniger Zeit gebraucht habe als du, und das mit über vierzig Jahren mehr auf dem Buckel?" Laevina stieß ein leises verächtliches Schnauben aus und wandte sich dann an die anderen beiden Damen.


    "Salvete, meine Damen. Wie nett, dass wir hier aufeinander treffen. Sag, werte Flavia, bist du zufällig mit einem Flavius Piso verwandt?" Besagter junger Mann war seinerzeit einer der ersten Bekanntschaften gewesen, die Laevina nach ihrer Ankunft in Rom gemacht hatte, und er war ihr trotz (oder wegen) seiner leicht verpeilten Art gut und erstaunlicherweise auch angenehm im Gedächtnis geblieben.

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    Quadrata


    Im Triclinium angekommen, machte Quadrata eine einladende Geste in Richtung der Sitzgelegenheiten.
    "Wenn du mich entschuldigen willst, ich werde jetzt die domina herholen." Ohne auf die Antwort des Gastes zu warten, wandte sie sich wieder Richtung Ausgang und begab sich zu den Räumlichkeiten, die sich die junge Herrin mit ihrem Ehemann teilte.

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    Quadrata



    Das war nun allerdings wirklich eine Überraschung...Nicht die Herrschaften Avarus oder Sedulus sondern dessen Frau und damit die Enkelin ihrer Herrin wollte der Fremde sprechen.


    "Soweit ich weiß, ist die domina derzeit daheim. Darf ich fragen, in welcher Angelegenheit du sie sprechen möchtest?" hakte Quadrata mit leichtem Misstrauen nach. Der Name Dontas klang nicht besonders beeindruckend, aber da er sich auf Iulius Centho berief, behielt sie ihren höflichen Ton bei.

    "Eine hervorragende Idee. Komm einfach vorbei, wenn deine Pflichten es erlauben, ich werde selbstverständlich dafür sorgen, dass man dich mit dem dir gebührenden Respekt empfängt." Laevina nickte zufrieden und ging in Gedanken bereits die all die Dinge durch, die für einen so hohen Besuch im Vorfeld organisiert werden mussten. Vielleicht konnte man das ganze ja in einer Cena im Familienkreis ausklingen lassen, auch wenn die alte Germanica den Rest ihrer Verwandtschaft im Vergleich zu ihrer eigenen Person für bestenfalls mittelmäßig unterhaltsam hielt.


    Auch Romanas Mitvestalin wurde auf ihre Bemerkung hin ein huldvolles Kopfnicken zuteil. "Nun, das freut mich, meine Liebe. Nicht auszudenken, wenn eine Vertreterin der höchsten moralischen Instanz in dieser Stadt vor den Augen all dieser W.... frommen Bürgerinnen zusammenbrechen würde." Nein, das wäre wirklich keine schöne Sache, zumal die große Mehrheit der anwesenden Damenschaft vermutlich weniger Intelligenz besaß als das Essen auf dem mitgebrachten Teller.


    Laevina warf einen prüfenden Blick im Tempel umher, der schließlich erneut an ihrer Enkelin hängenblieb. "Ich frage mich, wann meine Enkelin sich mal bequemt, uns beide zu begrüßen. Die Jugend von heute ist wirklich unfassbar dickfellig und undankbar, findest du nicht, werte Claudia?" Es sprach für die Meinung, die Laevina von der neben ihr stehenden Vestalin hatte, denn sie kam gar nicht auf die Idee, diese mit ihren Altersgenossinnen in einen Topf zu werfen.