Beiträge von Flavius Aurelius Sophus

    Sophus beantwortete alle Fragen wahrheitsgemäß:


    "Lange Jahre arbeitete ich als Händler ... weit weg in Germania. Geritten bin ich selten - und wenn, dann auf einem Maultier. Ansonsten legte ich weite Strecken zurück, was dazu führte, dass ich den Anstrengungen langer Märsche gut beikommen kann. Körperliche Arbeit allerdings gab es nicht viel. Zusätzlich zu meinen Reisen viel hauptsächlich Schreibarbeit an. Verletzungen? Krankheiten? Ich danke der Gnade der allmächtigen Götter, dass sie mich vor einem solch schweren Los bislang weitestgehend bewahrten."

    Nach wenigen Augenblicken war Sophus in einen tiefen, traumlosen Schlaf gefallen. Viel Zeit, die verlorene Nachtruhe nachzuholen, blieb allerdings nicht. Erste Lichtstrahlen kitzelten bereits auf dem ausdruckslosen Gesicht des Probatus.
    Doch da! Sophus schreckte auf. Das Lärmen einer Fanfare durchdrang die Mauern des Kastells und suchte die Soldaten zu wecken. Was hatte der Optio in der vorangegangenen Nacht zu ihm gesagt? Zur Musterung melden...jawohl, er musste ins Lagerbüro.
    Das rüde Eindringen einer Patroullie beendete den Gedankengang.


    "Aufstehen Legionäre! Raus, raus, raus" Bewegt euch gefälligst!", brüllte ein Soldat mit grobschlächtigem Gesicht.


    "Neue Rekruten für die Musterung mit mir kommen!", schrie er weiter.


    Sophus zögerte keinen Augenblick und war trotz großer Müdigkeit sofort auf den Beinen. Außer ihm folgten dem Legionär noch einige andere Rekruten ins Büro.


    Dort angekommen. hielt sich der Legionör gar nicht erst lange mit Floskeln auf und blaffte ins Innere des Raumes:


    "Hier, die Neuen."

    "Wohl, Optio." , antwortete Sophus und wartete in einer respektvollen Verbeugung, bis der Soldat der Raum verlassen hatte.
    Zur Überraschung des Probatus war ein Großteil der Legionäre noch auf den Beinen bzw. im halbwachen Zustand. So erhob der Knabe die Hand und flüsterte ein gedämpftes "Salve" in die Runde, um die Schlafenden nicht zu stören. Der Kasernenraum war sehr beengt und der für sein geringes Alter recht üppig emporgewachsene Neuling passierte vorsichtig den schmalen Korridor, um sich an einer ihm zugewiesenen Stelle ein bescheidenes Schlaflager herzurichten.
    Nur wenig Getuschel und das stete, weit entfernte Trillern einer Nachtigall war zu vernehmen, als Sophus versuchte, zumindest einen Teil seiner Nachtruhe für den morgigen Tag wiederzuerlangen.


    Sim-Off:

    ad Macer: Pardon. :)

    Als der katzengraue Umhang des Commodus in den schwarzen Tiefen der Nacht versank, sollte das Klopfzeichen des Sophus bald Gehör und Reaktion finden.
    So begab es sich, dass ein junger, angehender Probatus - ein Knabe noch - in das Lagerbüro des Kastells der LEGIO I TRAIANA PIA FIDELIS berufen wurde. Die Ausstattung des eher kleinen Empfangsraumes eröffnete sich in spartanischer Manier. Sophus´geschulte Augen erkannten schnell, dass sich in diesen Räumlichkeiten kaum etwas finden lies, das auf den Märkten des Reiches halbwegs passablen Absatz gefunden hätte. Der ehemalige Kaufmann und Händler sah sich unsicher um. Sein hellwacher und etwas verschlagen wirkender Blick fixierte alsbald auch einen schweren hölzernen Schreibtisch, der vor Papyrusrollen und Siegeln verschiedenster Art überzuquellen schien.
    Jedoch wurde bald die Möglichkeit entzogen, die Objekte genauer zu studieren, da ein mürrisches, ja eindeutig missbilligendes Knurren zu vernehmen war.


    "Wer stört mich zu dieser späten Stunde? Seht Ihr denn nicht, dass ich viel zu tun habe?", ein kalter Blick musterte die schlacksige Gestalt des Sophus.


    "Wer seid Ihr ... bist DU überhaupt?"


    "Der Optio schickt mich. Man soll mich in die Meldeliste eintragen."


    "Meldeliste? Seit wann nehmen sich die Legionen Roms eines Würstchens wie dich an? Hier kämpfen MÄNNER, keine Knaben. Wo hast du überhaupt deine Muskeln versteckt? Und deine Kleidung erst ... man könnte meinen, du kämest direkt aus dem Nordland der Barbaren."


    "Nun, da habt ihr nicht ganz unrecht. Mein Weg führte mich vom fernen Grinario zu diesem Ort. Hart war der Winter in den Alpen. Auch, wenn ihr es nicht glauben wollt: Es fströmt römisches Blut durch meine Venen...und was meinem Körper an Stärke fehlt, mache ich durch Ehrgeiz, Einsatzwillen und meine Liebe zu Rom wieder wett."


    Der Kehle des offensichtlich übermüdeten Schreibers entfuhr ein resignierender Seufzer, da es ihm müßig erschien, sich mit diesem Bengel zu disputieren. Die Kameraden der Legion würden ihm schon noch zeigen, wo der Hammer hängt.


    "Schon gut, schon gut...Name?"


    Der Schreiber notierte alle folgenden Angaben auf einer Wachstafel und wies dem Rekruten eine Baracke zu, in welcher sich der Probatus wenige Augenblicke später einfand - bereit für die Musterung am kommenden Tag.

    Der junge Rekrut antwortete murmelnd auf die Fragen des Legionärs:
    "Mein Weg führte mich vom fernen Grinario nach Rom. Ich war Kaufmann beim dortigen Kastell und kenne daher die Sitten und Gepflogenheiten des römischen Reiches. Ich wuchs in Rom im Hause des ruhmreichen Geschlechts Aurelius unter dem Namen Flavius Aurelius Sophus auf und wurde an meinem sechsten Lebensjahr zu Verwandten ins Nebelland geschickt. Nun kehre ich in die Heimat zurück."


    Sophus hielt inne und dachte daran, dass es ihm nicht eben leicht fiel, Rom als seine Heimatstadt zu benennen. Zu lange schon hatte er in der provincia Germania gelebt und gearbeitet. Als Angehöriger des reichen Patrizierstandes hatte es ihm zwar nie an etwas gemangelt und auch der Luxus war Sophus nicht unbekannt, doch Rom war für ihn stets wie ein verschwommener Traum aus frühesten Kindheitstagen erschienen. Nun galt es, alte Erinnerungen wachzurütteln. Sophus konnte es kaum erwarten, die engen Gassen Roms wiederzusehen.


    "Ich danke euch für eure freundliche Hilfe...Legionär.", sagte Sophus mit einer leichten Verbeugung, da ihm der Name der Wache entfallen war.


    Schließlich stieg er die hohen Treppen zur schweren, hölzernen Pforte des Lagerbüros empor und klopfte vorsichtig an.

    Sein ganz offenbar unwerwartetes Erscheinen zu dieser späten Stunde war Sophus derart peinlich, dass er - sein Gepäck geschultert - schweigend neben der Turmwache zum Lagerbüro eilte. Sophus versuchte, sein schlechtes Gewissen zu beruhigen. Er hatte versucht, so schnell wie nur irgend möglich nach Rom zu kommen und war sich im Unklaran gewesen, wo er die Nacht hätte verbringen sollen. Fraglich wäre gewesen, ob ihn kurfristig eine der zahlreichen Mietskasernen hätte aufnehmen wollen. Vermutlich hätten sie ihn gar für einen gemeinen Bettler oder, noch schlimmer, für einen Straßendieb und Meuchelmörder gehalten.
    Vom Lager sah der künftige Probatus nicht allzu viel - es lag in völliger Finsternis. Dennoch führte ihn der ihm zugewiesene Legionär Sophus in schlafwandlerischer Sicherheit zu einem Gebäude, wobei es sich - so viel war gerade noch zu erkennen - wohl um einen stabilen Steinbau handelte. Aus den Fenstern schimmerte das schwache Licht einiger Öllampen und vermittelten dem jungen Sophus ein Gefühl der Gewissheit, bald der Legio I beitreten zu dürfen. Der Knabe zog seinen gefütterten Reisemantel enger um die Schultern - eine frostige Kälte hatte sich im Lager breitgemacht...

    Kaum hatte die Torwache Sophus´ von Dunkelheit umhüllte Statur gemustert, beinahe im Flüsterton einige Fragen an ihn gerichtet, da ertönte unvermittelt aus der Finsternis das Geschrei eines Wachpostens. Die Torwache wusste offenbar sofort, woher der Lärm kommen musste, da er ohne lange zu zögern einen Wachturm beeindruckender Höhe fixierte. Tatsächlich konnte auch Sophus nach einigen Sekunden eine kleine Gestalt in luftiger Höhe ausmachen, welche offenbar angespannt in die ansonsten stille Dunkelheit starrte.
    Gerade wollte sich der neue Rekrut zu erkennen geben, da bedeutete ihm die Torwache, Ruhe zu bewahren.
    Zunächst verwundert, erkannte Sophus Augenblicke später die Intention des Soldaten an seiner Seite: Jener versuchte, den Verlauf der Hauptstraße nach schwarz umrissenen Gestalten zu erspähen. Da offenbar keine verdächtigte Person in der Nähe war, fasste der Wachposten den Flavius Aurelius Sophus hart am Arm und zog ihn in den milchigen Lichterschein der Fackeln.


    "Ein neuer Rekrut. Sonst alles in Ordnung, Legionär!"

    Seit er sich schweren Herzens von seinem langjährigen Freund und Weggefährten verabscheidet hatte und dieser alleine zurück nach Germania zog, waren inzwischen beinahe vier Monate vergangen. Der Verdienstanteil des Flavius Aurelius Sophus, welcher aus der Lieferung kostbarster germanischer Felle zur weiteren Verarbeitung in die Poebene herrührte, war bald aufgebraucht gewesen. So war ihm nicht anderes möglich gewesen, als sich als Tagelöhner herumzutreiben und gleichzeitig Boden auf Rom gutzumachen.
    Nun hatte er es geschafft.
    Der heilige Boden der ewigen Stadt brannte unter seinen Füßen noch von der glühenden Mittagssonne Italias, deren Wärme sich bis in diese späten Abendstunden gehelten hatte.
    Wäre Sophus nicht so unendlich müde gewesen, hätte sein feinfühliges Gemüt warscheinlich den Sonnenuntergang genossen, welcher die unter ihm liegende Stadt in blutrotes Licht tauchte.
    Auf den Wegen vor der Stadt herrschte kaum Betrieb, was angesichts des Gesindels, welches sich hier allzu oft herumtreib, nicht verwunderlich erschien.
    So eilte Sophus in Richtung Stadttor. Eigentlich wollte er nach Jahren der Abstinenz seinen Adptivvater wiedersehen. Sophus hingegen hatte Roma seit seiner Kindheit nicht mehr gesehen und würde sich in den ihm inzwischen gewiss entfremdeten Gassen vergeblich nach seinem Vater suchen.
    Sophus beschloss, gleich sein Vorhaben, in die Legionen einzutreten, in die Tat umzusetzen. Eventuell könnte einer der Legionäre das neue Haus seines Vaters kennen.
    Nach kurzem Weg auf wackeligen Beinen stand Sophus vor dem Lager der Legio und sagte mit atemloser Stimme dem etwas verdutzt workenden Wachposten:
    "Rekrut meldet sich zum Dienst. Bitte um Einlass."

    Zitat

    König von Tylus dixit:Da muss sich entweder dein Lateinlehrer oder mein Prof an der Uni mächtig täuschen. Die silberne und goldene Latinität sind Epochenbegriffe für Epochen der lateinischen Literatur. Diese haben nichts mit der Aussprache zu tun, sondern mit dem Zeitpunkt, wann ein Werk geschrieben wurde.


    Zur goldenen Latinität gehören die Werke Ciceros, Caesars, Vergils, Ovids. Die silberne Latinität ist eine Epoche später, als man versucht, diese grossen Autoren wieder zu kopieren, respektive ihre Werke zu übertreffen.
    [quote]Flavius Aurelius Sophus dixit:
    Die silberne und goldene Latinität sind Epochenbegriffe für Epochen der lateinischen Literatur. Diese haben nichts mit der Aussprache zu tun, sondern mit dem Zeitpunkt, wann ein Werk geschrieben wurde.


    Zur goldenen Latinität gehören die Werke Ciceros, Caesars, Vergils, Ovids. Die silberne Latinität ist eine Epoche später, als man versucht, diese grossen Autoren wieder zu kopieren, respektive ihre Werke zu übertreffen.


    Natürlich hat sich da dein Prof. nicht geirrt. Ganz korrekt ist die oben zitierte Aussage dennoch nicht. Diese beiden Epochen unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich ihrer Autoren, sondern auch im Hinblick auf Thematik der Werke und - so wurde es mir zumindest stets erklärt - auch in der Aussprache (u.a. des Buchstaben "c"). Wie die Herabstufung von der "goldenen" zur "silbernen" Latinität bereits vermuten lässt, hat die lateinische Sprache hier eine allgemeine Veränderung durchlebt - meines Wissens nach wohl eher vulgärer (sprich volkstümlicher) Natur.
    Ob die Weisheiten meines alten Lehrers zutreffend sind, kann ich dennoch nicht entscheiden. ;)

    Zitat

    Spurius Purgitius Macer dixit:
    Der "Zar" ist meines Wissens einfach aus der zweiten Silbe entstanden. Vollkommen unabhängig davon, ob man vorne "Kä-", oder "Kai-", oder "Kae-" oder sonstwas sagt, ist es hinten immer "-sar", und daraus wird der "Zar".


    Ah, danke. Wieder was gelernt. :)

    Salve!


    Mit großem Dank nehme ich das Angebot des Claudius Aurelius Crassus an und gelobe, alle meine Taten zum Ruhme des Imperiums, der gens Aurelia - besonders meines wohl künftigen Vaters - und meiner glorreichen Ahnen zu vollführen.


    (Zudem ein Dankeschön an die ebenfalls großzügige Bereitschaft des Marcus Quintilius Drusus.)

    Zitat

    Gaius Octavius Victor dixit:
    Cicero im übrigen total mit K, also "Kikero".


    Was an sich nicht ungewöhnlich ist. Findet sich im Lateinischen "Cicero" doch bereits die eindeutige Wurzel für die allseits berühmte "Kichererbse". ;)


    Zitat

    Mein Lateinprof an der Uni ist der Meinung, daß man Cäsar als "Ka-esar" ausgesprochen hat, er meint, nur so wäre das Wort "Kaiser" entstanden.


    Soweit wäre es mir auch bekannt. Wie aber, so frage ich mich schon seit geraumer Zeit, ist dann der russische "Zar", welcher sich ja ebenfalls auf das römische Reich (Moskau = 3. Rom etc.) beruft, entstanden?


    Nun meine Frage: Mein alter Lateinlehrer schärfte uns immer ein, dass die Unterschiede zwischen silbernen Latein (Zizero, Zircus, ... ) und goldenem Latein (Kaesar, Kirkus, Kikero, ...) allein auf der Aussprache des Buchstaben "c" gründeten. Wie kann sich da die moderne Forschung sicher sein?