Beiträge von Ricus Gotunus

    Ricus Gotunus zog es wieder zu den Pferden im Stall. Als er eintrat schnaubten ein paar der Tiere, als ob sie ihn wiedererkannten und begrüßen wollten. Ricus ließ den Blick schweifen bis er den Stallmeister erblickte und trat auf ihn zu. Er salutierte vor dem Vorgesetzten und sprach:


    "Salve Duplicarius Apollonius, Stallmeister der Ala, verzeih die Störung,
    ich weiß du bist wegen der Stallrenovierung sehr beschäftigt, aber ich wollte dich fragen, ob du schon Antwort vom Praefecten bezüglich meiner Frage erhalten hast. Ich hatte ja gefragt ob ich dir weiter bei den Pferden zur Hand gehen kann, insbesondere bei der Schulung der Neuzugänge. Hast du schon Antwort erhalten, hat es der Praefect erlaubt?"


    Erwartungsvoll sah Ricus den Stallmeister an und erwartete die Antwort.

    Während die Probati nun unter dem Vordach ausharrten, hatte Ricus Gotunus Zeit, seine Augen schweifen zu lassen. So erkannte er erst jetzt, wo der Regen für einen Moment schwächer wurde, dass das Gehöft durchaus mit einem Schutzwall umgeben war, nur nicht, wie er es erwartet hatte, mit einem Knüppeldamm sondern mit einer Mauer aus Stein. Die hatte er doch glatt eben, als er stur seinem Vordermann hinterhergetrabt war, um ja nicht aus dem Schritt-Takt zu kommen, übersehen.


    "Thiure Allmatico, Allmächtiger Thore",


    entfuhr es ihm zwischen den Zähnen. Doch sofort nahm er wieder die von ihm erwartete Haltung ein. Er beobachtete seine Kollegen, doch auch die hatten ihr Pokergesicht aufgesetzt, aus dem Alles und Nichts erschlossen werden konnte.

    "Ich diene jetzt schon seit zwei Monden in der Ala, wie die meisten in diesem Contubernium",


    antwortete Ricus Gotunus.


    "Ein paar der Probaten, wie zum Beispiel Dracus Ompus, sind allerdings erst später zu unserer Ausbildungsturma gestoßen. So langsam dienen in unserer Ausbildungsturma Kämpfer aus unterschiedlichsten Völkern.
    Fehlt fast nur noch ein Ägypter",


    fügte er amüsiert hinzu.

    Ricus Gotunus blickte sich um: Was er sah erfüllte ihn mit Staunen. Die Gebäude hatten so konnte er sehen, Steinfundamente. Und wenn er richtig beobachtete, war das Haupthaus ganz aus Stein gebaut. Soetwas gab es an der Visula nicht, da wurde mit Lehm gearbeitet, bzw, die Bauwerke waren komplett aus Holz...


    "Großartig"


    entfuhr es ihm. Aber eine Graben und einem aus Knüppelholz geflochteten Wehrdamm, wie es ihn Zuhause an der Visula, auf Austroheimun dem Hof seinen Vater gab, konnte er nicht entdecken. Auch hatte man sich keine Mühe gemacht, eine kleine Anhöhe aufzuschichten, um darauf das Haupthaus zu errichten. Wie sollte man den diesen Hof verteidigen? Ricus wußte es nicht. Sollte der Steinhauptbau allein Schutz bieten?


    Er beschloss, auch weiterhin die Augen offen zu halten, um alles Neue hier in sich aufzunehmen.

    Ricus Gotunus sah von seiner Rüstung auf, die er gerade pflegte und blickte in das Gesicht eines neuen Probaten, der sich als Gwydion vorstellte.


    "Salve Gwydion, man nennt mich hier Ricus Gotunus, aber in meiner Heimat Gotland werde ich Thiudarajik gerufen.",


    stellte sich nun seinerseits Ricus vor.


    "Herzlich willkommen als neuer Kamerad in der Ausbildungsturma und Glückwunsch zu deiner Ernennung. Nun bist du einer von uns! Woher stammst du? Ich sehe dir zwar an, dass du kein Römer bist, aber dein Latein hat keinen germanischen Akzent und dein Name ähnelt keinem mir bekannten germanischen Namen."

    Ricus Gotunus sah seinen Kameraden Answald an und glaubte genau zu wissen, was in seinem Waffengefährten nach der Schellte des Vorgestzten vorging. Er warf ihm einen aufmunternden Blick zu, der so viel sagen sollte wie:


    Kopf hoch, Kamerad und nicht den Mut verlieren. Irgendwann wird man schon feststellen, was man an uns hat.

    "Schwein gehabt!",


    dachte sich Ricus Gotunus, denn fast hätte er sich auch sein Regencape, von dem er wusste, wie toll es war, übergezogen. Aber besser nass bis auf die Haut als von dem hysterischen Hellenen eins übergezogen zu bekommen.


    Was Hagel und Regen bedeutet, haben Varus und Konsorten doch selbst erlebt...


    kam ihm in den Sinn, als man sich langsam den ersten Gebäuden näherte.

    Aber wir sind doch 100 Jahre weiter. Interessanter finde ich einen Zeitungsartikel, dass es vor Wochen im Harz eine Ausgrabung gegeben hat, die eineutig belegt, dass Römer dort um 100 n. Chr. eine Schlacht geschlagen haben müssen, die sie nicht verloren haben können, sie haben auf einer Passhöre beim Rückzug den Durchbruch erzwungen...Werde den Artikel suchen und Nährees berichten...

    Ricus marschierte weiter, dem Hagel zum Trotz. Er war auf den Hof oder die Höfe gespannt, die die Truppe, der er angehörte aufsuchen würde. Waren sie mit dem Hof seines Vaters vergleichbar? Waren sie größer? Wehrhafter wohl kaum, hatte er doch mitbekommen, dass es Leute gab, deren Spezialität es war, genau diese abzufackeln.
    Thiure sei Dank ließ das Grollen nach, der Regen leider nicht. Und so marschierten sie durch Matsch und Modder über Stock und Stein weiter...


    "Scheiße, dieser Marsch, Mistidee der Offiziere; sie scheint es nicht zu stören, dass sie genau so pladder und seiknass werden wie wir. Aber halt deine vorlaute Klappe. Latrinendienst ist das letzte, was du dir einhandeln willst"


    so dachte er bei sich und versuchte, ein möglichst neutrales Gesicht aufzusetzen.

    Wenn s für die Pferde ist, schlepp ich gerne, denkt sich Ricus Gotunus. Die sind schließlich, wenn es draufankommt, wenn es hart auf hart kommt, unsere Lebensversicherung. Na ja, gerne nicht gerade, aber da weiß man sofort: Das macht Sinn!

    Gut dass zum Marschgepäck Regenzeug gehört. Das muss man den Romanos lassen:
    -Kleidung von solcher Qualität gab es in der ganzen Germania Magna nicht-.
    Ricus Gotunus achtete genau auf die Donnerschläge. War es doch gut möglich, dass Thiure eine Botschaft parat hatte, die es nicht zu überhören galt. Hämmerte er gute oder schlechte Nachrichten ein?
    Verflixt jetzt geht der Regen auch noch in Hagel über...


    Aber wie heißt es doch in den Sprichwörtern so manches Volkes:


    "Was uns nicht direkt umbringt, macht uns nur noch härter!"


    murmelte er in seinen nicht mehr ganz so üppig vorhandenen Bart, dessen berauschende Pracht ja dem Barbier der Ala II Numidia zum Opfer gefallen war.

    Schweigend sah Ricus Gotunus seinen Kollegen an. Der hat beim Ratsen wohl den Donner überhört. Woher sollte er, Ricus, wissen, was noch auf dem Tagesprogramm stand. Ihm jedenfalls gefiel der immer stärker werdende Regen nicht. Auch die Tatsache, dass das Donnergrollen stetig näher kam, trug nicht dazu bei, für Erheiterung zu sorgen, zumindest nicht bei ihm.

    Der Wind war im Laufe des Tages immer mehr aufgefrischt; über den Wäldern im Norden war zu sehen, dass Thiure mit seinem Hammer zuschlug, Blitze zuckten, Donnergrollen war vernehmbar. Dann schlagartig öffneten sich die Schleusen des Himmels. Es war zu sehen, dass es nördlich von uns nur so prasselte. Nun bekamen auch wir erste Tropfen ab....


    Ricus Gotunus war absolut nicht begeistert, auch wenn Thiure sein "Vvullthruifrind", sein Voll Getreuer Freund, eben sein persönlicher Schutzgott war. Den Asen sei Dank war der Wald weit genug weg, hier auf freiem Feld war die Wut Thiures weniger gefährlich.

    Die Römer holten sich reines Quellwasser, um nicht aus dem Tiber schöpfen zu müssen, da waren keine Bakterien drin. Es wurde mit ober bzw. unterirdischen Bauwerken herangeführt. Erst die Nachfahren ruinierten diese gute Trinkwasserversorgung, indem sie den Bauten die Steine klauten.

    Das stramme Marschieren bereitete Ricus Gotunus keine große Mühe, schließlich war er zäh und ausdauernd. Auch die Übungsläufe auf dem Exerzierplatz machten sich nun bezahlt, der Tatsache zum trotz, dass Ricus von diesen Übungen bisher immer wenig beglückt gewesen war.


    Innerlich ärgerte er sich noch etwas über die Schellte von vorhin. Anstatt das sich die Ausbilder über Eifer freuen würden, gab es doch nur wieder einen Rüffel. Wenigstens trug er auch seine Hasta, die Stoßlanze, bei sich. Der Latrinendienst, für das Vergessen dieses Ausrüstungsgegenstandes, blieb ihm also erspart.

    Gut ausgeruht und guten Mutes betrat Ricus Gotunus den Platz, salutierte und grüßte seine Offiziere.
    Das Schwert hing an seiner Seite und seine Rüstung schimmerte rötlich im Licht der aufgehenden Sonne - er hatte sie (die Rüstung, natürlich nicht die Sonne) vorher noch einmal gründlich poliert. Den Schild hatte er sich für den Marsch über die Schulter geschnallt. Erwartungsvoll schaute er in die Runde und fragte sich, was der Tag wohl bringen würde.

    Ricus Gotunus wartete, bis sich Scarpus ein neues Pferd ausgesucht hatte. Dann wandte er sich noch einmal an Apollonius:


    "Ich würde dir gerne bei der Ausbildung der neuen Pferde behilflich sein. Du hast es ja im Stall selbst gesehen, dass ich es verstehe, mit Pferden umzugehen. Ein erfahrener und erprobter Reiter bin ich auch; schließlich bin ich Gote und das Reiten liegt mir im Blut."


    Erwartungsvoll sah Ricus Apollonius an und erwartete die Antwort des Stallmeisters.

    Endlich, auf so einen Befehl hatte Ricus Gotunus gewartet. Es erfreute ihn, dass er nach den fünf Laufrunden und der fortgesetzten Übung, die ihm stumpsinnig und primitiv erschienen war, nun doch noch ein ernst zu nehmender Übungskampf folgte, in dem er sich beweisen konnte.


    Ricus suchte sich als Gegner diesmal einen Probaten, der nicht aus seinem Contubernium stammte. So wollte er mehr Kontakte aufbauen. Denn es ist ja überall gleich. Je mehr Leute, du kennst, um so besser. Heilsa, begrüßte er ihn, denn er war wie er Germane und machte einen starken und durchtrainierten Eindruck; auch das Führen der Klinge schien ihm nicht fremd zu sein.


    Vorsichtig umkreisten sich die beiden Kontrahenten bis Ricus zum ersten Angriff vorschnellte. Der Schwertkampf, der folgte, wurde erbittert geführt, keiner wollte dem anderen weichen: Schlag folgte auf Schlag, ein neuer Angriff einer jeden Parade und die Klingen wirbelten im wilden Tanz durch die Luft. Ricus´ Gegner war kein schlechter Kämpfer, aber er sollte sich dennoch als unterlegen erweisen. Eine geschickte Finte lockte ihn aus der Deckung und er schnellte zum Angriff vor ... zu weit. Ricus erkannte die Blöße, welche sich der Gegner an der rechten Schulter gab und stieß in die Lücke. Der Schlag traf Ricus´Gegner hart und brachte ihn zu Boden. Schon war Ricus über ihm und sein nächster Schlag wäre im Ernstfall tödlich gewesen...


    Ein kurzer Triumphschrei entfuhr Ricus´ Kehle, er hatte den Gegner besiegt. Dann reichte er ihm die Hand und half seinem Kameraden wieder auf.