Beiträge von Petronia Octavena

    Ein kleines Lächeln zuckte um Octavenas Mundwinkel. "Nun, Mogontiacum ist neben anderen Dingen eben ein Militärstützpunkt in Germanien. Hier werden wir öfter Männer begegnen, die es am liebsten hätten, wenn sich jeder Neuankömmling entweder der Legio oder der Ala anschließt", meinte sie schmunzelnd, aber nicht abwertend. Ihre eigene Familie war voll mit Soldaten und durch ihren Onkel, der genau so eine Biografie durchlaufen hatte, war auch Octavena überhaupt nach Mogontiacum gekommen. Nur wusste sie auch, dass solche Männer sich gerne mal so benahmen, als hätten sie einen Hammer und sähen in allem einen Nagel, und sie verstand, wenn Varus sich dem nicht anschließen wollte. "Aber ich kann gerne meine Kontakte spielen lassen und dich ein paar Leuten vorstellen, sobald es sich ergibt", fuhr sie fort und überging die nötige kritische Einordnung ihrer eigenen gesellschaftlichen Position. Ein wenig fand sie ja, dass Varus in seiner Einschätzung - oder der Formulierung - zu blumig war, aber das würde ihm vermutlich bei seinen politischen Plänen nur helfen. "Gleichzeitig solltest du aber einen Plan für dein weiteres Vorgehen aufstellen und dir wahrscheinlich einen dazu passenden Patron dazu suchen, der dir einige Türen öffnen kann."

    Ihre Kontakte? Octavena zog die Brauen ein wenig hoch und musterte Varus nur für eine Sekunde skeptisch. Nicht, weil sie ihrem Cousin nicht helfen wollte, sondern weil sie sich langsam nicht mehr ganz sicher war, was er sich eigentlich von ihr wünschte. Octavena war zwar lange eine Politikergattin gewesen und kannte unter anderem deshalb die einiges an einflussreichen Leuten in der Stadt - oder vielmehr ihre Frauen, Töchter und Schwestern - aber sie konnte Varus keine Türen öffnen, nach denen er nicht selbst griff. "Nun, selbstverständlich hast du meine volle Unterstützung bei all deinen Vorhaben", meinte sie dann diplomatisch und legte leicht den Kopf schief. "Wir sind hier im Haus nur natürlich oft ein wenig ab vom Schuss. Hast du zum Beispiel das Julfest hier nutzen können, um dich mit ein paar Leuten bekannt zu machen?" Als sie am Abend der Feier selbst miteinander gesprochen hatten, war das noch nicht der Fall gewesen und Octavena hatte danach nicht mehr nachgehakt, schließlich war der Abend damals noch jung gewesen. "Und die Politik ist ein weites Feld. Hast du dir überlegt, was deine nächsten Schritte sein sollen?" Ihr Tonfall war dabei nach wie vor freundlich und entspannt. Octavena war schließlich nicht dumm und wusste selbst, dass Varus sich garantiert nicht darum riss, am Ende das Gefühl zu haben, von ihr bevormundet zu werden. Da war es sicher besser, sich um eine ausgeglichene Balance in diesem Gespräch zu bemühen, wenn sie ihn schon versuchte, dahin zu drängen, mit der Sprache rauszurücken, was er eigentlich nun genau vorhatte.

    Octavena blickte von den Unterlagen, die sie gerade noch durchgesehen hatte, auf, als Varus eintrat und lächelte leicht in seine Richtung. "Ah, da bist du ja. Komm herein und setz dich", begrüßte sie ihn und legte ihre eigene Arbeit zur Seite. "Ich möchte gerne mit dir reden." Sie wies auf den Stuhl ihr gegenüber und wartete gelassen, bis er der Aufforderung nachgekommen war. Sie wollte nicht von Anfang an Druck aufbauen, sondern sich erst einmal an ihr Anliegen herantasten. "Wie geht es dir? Hast du dich gut einleben können?" Zwei unverfängliche Fragen zu Beginn, zu denen Octavena im Grunde auch die Antwort schon kannte, aber sie musste wirklich nicht direkt mit der Tür ins Haus fallen. "Ich habe gestern wieder einen Brief aus Tarraco von der Familie bekommen, die alle sehr interessiert daran sind, wie es dir geht." Das stimmte sogar und Octavena hatte ohnehin keinen Grund zur Lüge darüber, aber sie hatte nicht genau verfolgt, wie sehr Varus seinerseits Kontakt nach Hause hielt und ob damit diese Nachfragen von Seiten ihrer Verwandten ihn beunruhigen würden oder sowieso keine Neuigkeit waren. "Und natürlich auch daran, wie deine weiteren Pläne jetzt aussehen, wo du schon einmal hier bist."

    Ein weiterer Frühling hatte in Mogontiacum Einzug gehalten und mit diesem Frühling hatte auch wieder eine gewisse rege Geschäftigkeit in der Villa Duccia eingesetzt und nicht zum ersten Mal hatte Octavena das Gefühl, kaum hinterher zu kommen mit den großen und kleinen Dramen, die sie unter dem Dach der Villa beschäftigten. Alles, was das Haus und das Gelände anging, konnte sie sich zwar immer noch mit Dagmar teilen, anderes war konnte sie dagegen ... weniger auslagern. Ihre weiterhin trotzige Tochter zum Beispiel, die Octavena täglich weiter daran erinnerte, dass sie schon fast eine junge Frau war, obwohl Ildrun selbst das noch nicht einsah oder sich dessen wirklich bewusst war. Oder aber auch die Geschäfte, die sie nach dem Tod ihres Mannes inzwischen vollends selbst in die Hand genommen hatte. Es hatte einiges an Hilfe und mehr als eine Frage gebraucht, bei der sich Octavena dann doch unangenehm dumm vorgekommen war, aber inzwischen hatte sie das Gefühl, den Dreh halbwegs raus zu haben. Die Betriebe, die sie von Witjon geerbt hatte, liefen soweit gut und in letzter Zeit spielte sie ein wenig mit dem Gedanken, einen Teil der Einkünfte in ein neues Geschäft zu investieren. Eines Tages würde dieser Besitz an ihren Sohn gehen und Octavena wollte sicher sein, dass Farold dann von dem Vermögen seines Vaters auch etwas hatte und vor allem auf eine stabile Basis aufbauen konnte, um seine eigenen Ideen und Pläne umzusetzen. Und die duccischen Betriebe waren immer der Stolz der Familie gewesen, angefangen bei den Hros bis hin zu den Goldschmieden, aus denen Octavena selbst mehr als ein Geschenk, das sie mal von ihrem Mann bekommen hatte, noch bei ihrem Schmuck aufbewahrte. Es lag also eigentlich nur nahe, dass sie sich eine sinnvolle Investitionsmöglichkeit suchte, sie war sich nur noch nicht sicher, was ...


    Im Moment beschäftigten sie ohnehin andere Sorgen. Dagwin, der junge Pförtner der Villa, den sie erst im letzten Jahr mit dieser Aufgabe betraut hatten, kämpfte nun schon seit ein paar Wochen mit dem Fieber, das Mogontiacum schon länger beschäftigte. Wenn die Gerüchte, die Octavena bisher gehört hatte, stimmten, dann hatte die Seuche zuerst nur unter den Soldaten bei der Ala und der Legio gewütet, war dann aber auch auf die Stadt übergesprungen und nun hatte sie auch die Villa erreicht. Realistisch gesehen war das nur eine Frage der Zeit gewesen, aber trotzdem machte Octavena sich Sorgen deswegen. Einmal, weil sie tatsächlich Dagwin wünschte, dass er das Fieber überstand, und zum anderen, weil ein Kranker, der um sein Leben rang, mehr ungute Erinnerungen in ihr weckte als sie bereit war, zuzugeben. Der Gedanke erinnerte sie immer an den Anblick, den ihr Mann auf seinem Krankenbett - oder vielmehr seinem Sterbebett - geboten hatte, und obwohl sie eigentlich seinen Tod inzwischen mehr oder weniger überwunden hatte, zog sich bei der Erinnerung daran immer noch alles in Octavena zusammen. Sie hatte Witjon geliebt und hilflos dabei zusehen zu müssen, wie dieser Mann, der in ihrer Wahrnehmung immer so unverwüstlich die Geschicke seiner Familie gelenkt hatte, plötzlich von einem Fieber dahin gerafft wurde, hatte Octavena einen Knacks versetzt. Schon deshalb hatte sie jetzt dafür gesorgt, dass Dagwin versorgt wurde, aber dass ihre Kinder tunlichst von ihm und am besten noch von allen, die sich regelmäßig um den Kranken kümmerten, ferngehalten wurden. Octavena mochte sich ihren Weg aus ihrer Trauer um Witjon gegraben haben, aber sie wusste nicht, ob sie es ertragen könnte, eines ihrer Kinder auf dieselbe Art zu verlieren, und sie würde da sicher kein Risiko eingehen.


    Aber als ob das alles noch nicht genug wäre, blieb dann auch noch ihr Cousin Varus, der seit dem Winter ebenfalls in der Villa lebte. Octavena hatte inzwischen ein paar Erkundigungen bei Verwandten in Tarraco eingeholt und war sich fast sicher, dass irgendwer zu Hause beschlossen hatte, Varus an Octavena abzugeben. Die Verwandte, der sie geschrieben hatte, war zwar recht höflich gewesen, aber Octavena kannte ihre Familie und ahnte, dass die sich wiederum gedacht hatte, dass sich jetzt Octavena, die ehemals einmal als mindestens schwierig in der Familie gegolten hatte, doch einfach um diesen nächsten Vielleicht-Politiker kümmern sollte. Das Problem war nur, dass bisher Varus zwar seinen Willen erklärt hatte, in die Politik gehen zu wollen, diesen Worten aber keine Taten hatte folgen lassen. Octavena hatte zuletzt zu viel anderes um die Ohren gehabt, um sich um dieses Problem zu kümmern, aber langsam führte kein Weg mehr daran vorbei. Sie war zwar durch und durch familienbewusst, aber ein junger Mann wie Varus konnte auch nicht einfach nur auf der faulen Haut - und den Ducciern auf der Tasche - liegen und es dabei belassen.


    Also hatte Octavena sich einen Teil ihres Nachmittags freigeschaufelt, sich in das Arbeitszimmer der Villa, in dem sie inzwischen ohnehin öfter saß, zurückgezogen und dann Ilda den Auftrag gegeben, Varus zu holen. Wahrscheinlich hatte der sowieso nicht mehr zu tun als sich von Ildrun und Farold ab und zu belagern zu lassen, von daher hatte Octavena ihn nicht einmal extra vorgewarnt. Sie hatte gehofft, das vermeiden zu können, aber offenbar benötigte ihr Cousin einen Tritt in den Hintern und Octavena freute sich darüber vielleicht nicht, aber das bedeutete nicht, dass sie dieses Gespräch nicht führen würde.

    Von mir auch ein Willkommen! Die Iunier sind für dich sicher passender, wenn du direkte Anspielpartner in Rom aus der Familie haben willst, falls du aber bei dem Charakterkonzept lieber jemanden ohne direkte Familienanbindung in Rom spielen willst, der sozusagen auf sich gestellt ist und sich "allein" beweisen will, kann ich dir auch die Petronier anbieten. Da gibt es auch viele Militärs und Militärsprösslinge, nur sitzen da die bespielten IDs alle im Moment in Germanien.

    Erstmal Respekt und danke für deine Arbeit! Ein Haufen Styles, die sich mit einem Update unerwartet erstmal ganz verabschieden, ist ja auch mal eine ziemlich nervige Komplikation.^^ Falls du es nicht sowieso schon auf dem Schirm hast und weil es mir gerade aufgefallen ist: Teilweise ist die Anzeige der Sesterzen neben der Suche merkwürdig verzogen und die Zahl wird direkt neben dem Lupen-Icon statt am Tempelicon angezeigt. Das tritt bei mir allerdings nur in Threads der Provinzen auf (und nicht z.B. hier im Thread)

    ...

    Octavena bedachte ihren Cousin mit einem ruhigen Blick und hob ganz leicht die Brauen. Sie hatte nichts gegen den erwähnten Matinius, aber der war sicher nicht die Art Kontakt, von der sie gehofft hatte, dass Varus sie heute Abend knüpfen würde - jedenfalls, solange er sich nicht am Ende doch noch umentschied und doch über eine militärische Karriere nachdachte. "Fast wie zu Hause ist gut", meinte sie aber trotzdem entspannt und lächelte. Der Abend heute war immer noch zum Feiern da und alle Gelegenheiten hin oder her, sie würde Varus heute auch nicht drängen. Wenigstens noch nicht oder zu sehr. "Aber ich empfehle dir, die Gelegenheit zu nutzen, um ein wenig die Runden zu drehen. Man weiß nie, wozu das mal gut ist." Das war ja im Grunde auch der Hauptgrund, warum Octvena ihrerseits heute schon viel Zeit darauf verwandt hatte, alle möglichen Leute zu begrüßen und ein paar Höflichkeitsfloskeln auszutauschen. Man blieb schließlich nicht in der Erinnerung anderer, wenn man Kontakte nicht pflegte. Das hatte sie ja schließlich selbst in dem Jahr nach dem Tod ihres Mannes sehr deutlich am eigenen Leib bemerkt, als sie sich merklich zurückgezogen hatte, weil ihr alles zu viel geworden war.

    ...

    Octavena wandte den Kopf, um sich nach der Römerin umzusehen, die Varus erwähnte, und runzelte dann im nächsten Moment leicht die Stirn. Eigentlich hätte sie erwartet, die junge Frau zu erkennen, schon weil sie die Mehrheit der Gäste kannte oder wenigstens in irgendeiner Form zuordnen konnte, doch bei dieser Römerin war sie sich ziemlich sicher, sie noch nie gesehen zu haben und auch nicht zu wissen, zu wem sie vermutlich gehörte. Octavenas Blick blieb auch kurz an Ildrun hängen, die das Gespräch zwischen Sabaco und der jungen Frau halb gelangweilt zu beobachten schien, und ihr Herz wurde unwillkürlich etwas schwer. Varus hatte recht, Ildrun war ein hübsches Mädchen - oder wurde es viel mehr jeden Tag ein bisschen mehr. Nicht mehr lange und ihre Züge würden mehr und mehr das Kindliche, das sie noch an sich hatten, verloren haben, und in ein paar Jahren dann würde Octavena sich auch schon Gedanken darüber machen müssen, einen passenden Mann für sie zu finden. Ein Gedanke, der in Octavena ... nun, gemischte Gefühle auslöste.

    "Was? Oh, danke", erwiderte sie auf Varus' Kompliment zu dem Fest und drehte den Kopf wieder in seine Richtung, während sie alle Gedanken an die Zukunft eisern zur Seite schob. "Ich mag diese Feiern zu den Saturnalien und zu Jul selbst sehr. So lang und dunkel wie die Winter hier sein können, ist es schön, zwischendrin so einen Lichtblick zu haben."


    Er schnippte nach einem der Haussklaven, welche für die Bedienung der Gäste zuständig waren. Dem drückte er einige Münzen in die Hand. "Bring der jungen Dame ein Tuch für die Schultern, das sie mit nach Hause nehmen kann. Keins, das kratzt. Weich und warm soll es sein."

    Octavena nippte an ihrem Met, hielt dann aber inne, als einer der Angestellten für den Abend näher trat und das Gespräch kurz unterbrach. Das Personal der Villa hatte heute zum größten Teil frei, also hatte Octavena Ersatz vor allem aus den duccischen Betrieben organisieren lassen. Die wiederum waren alle bezahlt und hatten klare Anweisungen bekommen, aber der Fall, dass ein Gast ihnen Geld in die Hand drückte, um einer der anwesenden Damen, noch dazu wohl einer Fremden, ein Tuch bringen zu lassen, gehörte nicht dazu. Octavena sah noch einmal flüchtig zu Sabaco und der jungen Frau und überlegte kurz, was sie genau davon als Gastgeberin hielt. Sie hatte tatsächlich ein paar Tücher herauslegen lassen, schon weil es bei diesen Feiern immer irgendwen gab, der die Temperaturen unterschätzte, aber irgendwie hielt sie spontan wenig davon, wenn einer ihrer Gäste von diesem Angebot Gebrauch machte, wohl um eine hübsche junge Dame zu beeindrucken. "Im Haus liegen sowieso schon ein paar Tücher für die Gäste bereit. Bring ihr eines davon in meinem Namen und gib dem Matinius sein Geld zurück", wies Octavena also den Angestellten an, der daraufhin nickte und auch prompt verschwand, um der Anweisung folge zu leisten.


    Noch während er verschwand, wandte Octavena sich wieder lächelnd Varus zu. "Hast du sonst schon ein paar Kontakte knüpfen können?", fragte sie ihn beiläufig und nippte erneut an ihrem Met. "Heute Abend sind wahrscheinlich einige Leute da, die dir helfen könnten, wenn dir schon eine politische Karriere vorschwebt." Sie beobachtete ihn vorsichtig aus den Augenwinkeln bei den Worten. Es gab keinen Grund, ihn zu hetzen, aber Octavena wäre nicht Octavena gewesen, wenn sie sich nicht wenigstens ein bisschen Sorgen gemacht hätte, ob und wie ihr Vetter mit seinen Karriereplänen weitermachen würde. Schließlich hatte sie auch selbst wenig Lust, sich Vorwürfe aus Hispania anhören zu müssen, sie hätte ihn nicht genug unterstützt.

    ...

    Während ihr Vetter mit dem Matinius gesprochen hatte, war eine Bekannte samt ihrer Töchter an Octavena vorbeigelaufen und hatte sie angesprochen, wodurch Octavena wiederum die Männer ihrem Gespräch überlassen und auch nicht mitbekommen hatte, wie die Unterhaltung weitergegangen war. Als sie sich ein wenig später dann jedenfalls wieder von besagter Bekannten wieder loseiste, war ihr Cousin dann wieder alleine. Kurzentschlossen tauschte Octavena ihren eigenen Becher mit warmen Met durch einen frischen aus und ging dann entspannt auf ihren Cousin zu. "Salve, Varus. Amüsierst du dich gut?"

    ...

    ...


    Octavena nickte auf Sabacos Frage hin und lächelte dazu freundlich. "Ich muss zugeben, ich habe im Detail nicht so sehr den Überblick über das Gestüt, aber es würde mich wundern, wenn Leif keine passende Stute für dich finden würde. Ich gebe deine Bitte an ihn weiter und wenn du willst, kannst du bei Gelegenheit dann einmal vorbeikommen und dir ansehen, was für Tiere wir zur Auswahl haben." Sie sah sich kurz um, entdeckte den erwähnten Vorarbeiter der Hros aber im Moment nicht und wandte sich deshalb wieder ihrem Gegenüber zu. In dem Fall würde sie ihm einfach in den nächsten Tagen Bescheid geben. "Falls du ihn heute Abend triffst, kannst du ihn auch gerne schon einmal selbst danach fragen. Er hat natürlich wie alle heute frei, aber er kann dir wahrscheinlich trotzdem schon einmal sagen, ob oder was für eine Stute wir für dich haben könnten."


    Sie drehte den Kopf, als ihr Cousin zu ihnen herantrat und damit das Gespräch unterbrach. "Io Saturnalia, Varus", begrüßte sie ihn freundlich und machte einen Schritt zurück, um besser mit beiden Männern gleichzeitig sprechen zu können. "Matinius, darf ich dir meinen Vetter Marcus Petronius Varus vorstellen? Er ist erst vor ein paar Wochen frisch aus Tarraco hier angekommen und hofft jetzt, unserer Familie in der Politik Mogontiacums Ehre machen zu können." Der Gedanke, dafür aus Hispanien extra nach Germanien auszuwandern, amüsierte Octavena noch immer ein wenig und sie war sich inzwischen eigentlich fast sicher, dass ihre Familie sich mit diesem Ratschlag an Varus eigentlich nur erhoffte, dass ihn damit jemand anderes, nämlich Octavena, bei diesem Vorhaben unterstützte. "Varus, das ist Publius Matinius Sabaco, Decurio bei der Ala hier in der Stadt."

    Octavena nickte langsam und lächelte höflich. "Verzeih, ich wollte dir nichts unterstellen", erwiderte sie dann, auch wenn sie sich gedanklich eine Notiz machte, auch diese Antwort an Leif weiterzugeben und sei es nur als Lob für seine Arbeit im Gestüt. "Es ist gut zu hören, dass du so zufrieden mit einem unserer Tiere bist, dass du nur darauf zurückgreifen willst. Das muss ich dir vermutlich nicht erzählen, aber wir machen heutzutage nicht mehr so viele Geschäfte mit Leuten von der Ala, wie es vielleicht nahe läge." Octavena zuckte leicht mit den Achseln. Im Grunde war das fast egal, denn Pferde bekam man schon immer los und die duccischen Ställe hatten immer einen guten Ruf gehabt. "Aber ich verstehe deinen Gedankengang. In einer Provinz wie Germanien rumort es wahrscheinlich immer auf die eine oder andere Weise und Soldaten sind immer die ersten, die dafür gut vorbereitet sein müssen." Ein schiefes Lächeln zuckte unwillkürlich um ihre Mundwinkel. Octavena kam schließlich aus einer Familie, in der es mehr als genug Männer zum Militär gezogen hatte, was am Ende auch ein Grund gewesen war, warum sie selbst ausgerechnet in Mogontiacum gelandet war - und sie hatte wiederum in eine Familie eingeheiratet, die sehr genau wusste, wie schnell alte Konflikte jenseits römischer Gebiete doch noch wieder hochkochen konnten. "Ich hoffe natürlich, dass es für dich keinen akuten Anlass gibt, besonders gut vorbereitet zu sein?"

    Octavena hob kaum merklich die Brauen. "Natürlich, ich gebe das an Leif weiter", sagte sie gelassen, horchte aber trotzdem auf. Sie verstand ziemlich wenig von Pferden, das war immer eine Leidenschaft gewesen, die eher ihr Mann oder inzwischen vielleicht noch ihre Tochter gepflegt hatte, die beide schon immer ein viel besseres Händchen - und auch mehr Interesse - für Tiere gehabt hatten als Octavena selbst. Sie hatte dagegen nur das Nötigste aufgeschnappt, um die geschäftliche Seite der Hros zu verstehen. Und aus dieser Perspektive war sie ganz zufrieden damit, das Lob über Gymir zu hören, wurde aber doch etwas stutzig bei der Bitte um die Stute. "Wobei ich doch schwer annehme, dass du nicht unter die Züchter gehen möchtest", hakte sie also dann doch nach, wenn auch vor allem aus Neugier, schließlich mischte sie sich meistens eher am Rande in die Angelegenheiten des Gestüts ein. Geschäfte mit der Ala waren ganz pragmatisch gesehen eigentlich nur im Sinn der duccischen Ställe, eben weil es bei Soldaten leichter vorkam als bei anderen, dass sie Ersatz brauchten - vorausgesetzt, sie schafften den Ersatz nicht selbst heran. "Ich bin mir sicher, wir finden im Fall der Fälle auch so ein vergleichbares Pferd in unseren Ställen."

    Octavena hatte sich gerade von einer alten Freundin verabschiedet, die sie gerade für ein kurzes Gespräch abgepasst hatte, und ließ nun kurz ihren Blick über ihre Umgebung gleiten. Sie hatten auch schon Jahre mit mehr Gästen gehabt, aber wenn man bedachte, dass gerade niemand von der Familie aktiv in der Politik Mogontiacums herumfuhrwerkte, was sicher ein paar neugierige Gäste mehr auf der Suche nach einem Gönner angezogen hätte, dann war das zu erwarten gewesen. Octavena hielt bei dem Gedanken kurz Ausschau nach ihrem eigenen Cousin - wenn der in die Politik wollte, dann würde er sich bald selbst einen Patron suchen oder wenigstens Kontakte knüpfen müssen und dafür war heute Abend eigentlich eine gute Gelegenheit - konnte ihn aber gerade nicht sehen. Stattdessen blieb ihr Blick an einer anderen Gestalt hängen, die gerade noch etwas unschlüssig im Eingang herumzustehen schien und aussah, als ob sie jemanden suchte. Oder vielleicht auch darauf wartete, begrüßt zu werden - was dann wiederum Anlass genug für Octavena war, kurzerhand auf den Mann zuzugehen.


    "Salve, Matinius. Io Saturnalia!", grüßte sie freundlich und lächelte mit der gekonnten Höflichkeit einer Gastgeberin, die es gewohnt war, ein paar höfliche Worte mit Leuten auszutauschen, die sie kaum kannte. Immerhin: Octavena erinnerte sich an den Matinius, wenigstens lose. Er war einer der Soldaten, die Hadamar ihr auf der Feier im letzten Jahr vorgestellt hatte, auch wenn sie sich nicht mehr genau erinnerte, ob er zur Ala oder Legio gehörte. Doch, nein, wahrscheinlich war es die Ala, denn sie war sich ziemlich sicher, dass Dagny und Hadamar ihm später noch ein Pferd aus den duccischen Ställen verkauft hatten. Ein Gutes, wenn man Leif, dem Vorarbeiter der Hros, glaubte, was in solchen Dingen meistens eine gute Idee war. Und zumindest so etwas merkte Octavena sich in der Regel, besonders seit sie sich selbst mehr um Teile der Familiengeschäfte kümmerte und das Erbe ihres Mannes selbst verwaltete statt das den Angestellten und dem Rest der Familie zu überlassen. "Schön, dich wieder in der Villa Duccia zu sehen. Ich hoffe, du bist zufrieden mit deinem Pferd aus unseren Ställen?" Sie nahm einen Schluck von ihrem Met. "Unser Vorarbeiter meinte, du hättest dir ein besonders gutes Tier ausgesucht."

    Die längste Nacht des Jahres stand an und damit fielen in Mogontiacum im Allgemeinen und der Villa Duccia im Speziellen wieder einmal mit den Saturnalien und Jul zwei Feste zusammen, die einerseits Römer und andererseits Germanen auch dieses Jahr wieder feierten. In der Villa fand - wieder einmal - zu diesem Anlass wieder eine große Feier statt, bei der man ganz pragmatisch beide Feste zusammenlegte und, wie für die Duccier typisch, die Verbindung aus Römischem und Germanischem sogar noch zelebrierte. Das Personal der Villa hatte auch dieses Jahr wieder frei bekommen und durfte mit den übrigen Gästen mitfeiern, die sich nun langsam rund um die großen Feuer einfanden, die vor dem aufwändig geschmückten Haus aufgebaut worden waren, und stattdessen sorgte wie immer anderes duccisches Personal für die Versorgung der Gäste mit Essen und warmen Met.


    Für Octavena, die als eine der Gastgeberinnen gemeinsam mit Dagmar am meisten in die Vorbereitungen involviert gewesen war, fühlte es sich immer noch merkwürdig an, ein Fest zu Jul und den Saturnalien in der Villa ohne ihren Mann zu planen. Wie jedes Jahr waren die Vorbereitungen gerade gegen Ende dann doch wieder hektisch geworden und Octavena hatte - ebenfalls wie immer - das halbe Haus ordentlich herumgescheucht, damit alles rechtzeitig fertig wurde, und wieder einmal hatte sie auch in letzter Minute noch wieder tausend Kleinigkeiten gefunden, die noch erledigt werden mussten oder noch nicht so waren, wie sie sich das vorstellte. Immerhin: Anders als im letzten Jahr, als Octavena nach Witjons Tod noch merklich neben der Spur gewesen war, hatte es dieses Jahr keine Intervention von Marga oder Dagmar gebraucht, um Octavenas Hektik einzudämmen, weil sie damit mehr Schaden als Nutzen anrichtete.


    Jetzt aber war alles bereit und damit gerieten auch die Villa und ihre Bewohner mehr und mehr in Feierstimmung. Die ersten Gäste aus dem Kreis der Familie und engeren Freunde waren schon länger da und Octavena hatte sich schon die Zeit genommen, alle oder wenigstens die meisten zu begrüßen. Nun trudelten auch immer mehr Gesichter ein, die ihr weniger vertraut waren, weil sie vermutlich entweder als Anhang irgendeines eingeladenen Gastes dort waren oder Octavena persönlich sie nicht näher kannte. Wahrscheinlich hatten sich auch ein paar Leute einfach so dazu geschlichen, die Feier in der Villa war schließlich kein Geheimnis und ein Gast mehr oder weniger fiel auch nicht auf. Octavenas eigene Kinder liefen auch schon länger mit ein paar anderen Kindern durch die Gegend, aber hier, wo sowieso überall Familienmitglieder, Freunde oder Angestellte der Duccier herumstanden und ein beiläufiges Auge auf die beiden hatten, machte sich auch Octavena ausnahmsweise keine Sorgen. Sollten die beiden ihren Spaß haben und das Fest genießen wie alle anderen auch.


    Octavena selbst hatte auch beste Laune und drehte so gerade gelassen mit einem Becher Met die Runde durch die Neuankömmlinge unter den Gästen. So bittersüß es auch sein konnte, ausgerechnet Jul und die Saturnalien in der Villa ohne ihren Mann zu feiern: Octavena mochte dieses Fest. Sie mochte die Aussicht auf längere Tage, mochte wie es die Familie zusammenbrachte und bei allem Chaos vorher mochte sie auch, das Haus mal wieder voller Leute zu haben und zu sehen, wie sich alle amüsierten. Es würde auch dieses Jahr ein gutes Fest werden, da war sie sich sicher, und sie hatte vor, diesen Abend entsprechend zu genießen.


    Sim-Off:

    Wie angekündigt: Alle IDs in Mogontiacum/Germanien sind herzlich eingeladen, sich hier einfach dazuzuschreiben, kein Umweg über die Haustür nötig. Wer mit den Ducciern gut bekannt oder befreundet ist, kann davon ausgehen, extra eingeladen worden zu sein, alle anderen können sich einfach von einem geladenen Gast mitbringen lassen oder dazu schleichen. Wer will, kann sich gerne zum Einstieg erstmal von Octavena als eine der Hausherrinnen begrüßen lassen, ihr könnt das aber auch gerne übergehen, ganz wie ihr Lust habt oder wie es zur ID passt. :)

    Hallo, ihr Lieben!

    Es ist zwar noch ein bisschen hin, aber nachdem wir inzwischen ohnehin ziemlich wenig ziviles Leben in Mogontiacum haben, soll es auch dieses Jahr wieder eine große Feier zum Julfest/den Saturnalien in der Villa Duccia geben, zu der dann alle IDs eingeladen sind, die aktuell in Germanien unterwegs sind. Ich muss mal schauen, wann genau ich dazu komme, aber ich werde wahrscheinlich schon am 22./23.12. einen Thread dazu aufmachen, in dem sich dann einfach alle, die Lust haben, frei dazuschreiben können. (Wer es letztes Jahr nicht mitbekommen hat, hier ist der Thread vom letzten Jahr: Ein fröhliches Julfest und Io Saturnalia im Hause Duccia)


    Wer mit den Ducciern (oder Petroniern bzw. v.a. Octavena) in irgendeiner Form (positiv) bekannt oder befreundet ist oder in irgendeiner Form Rang und Namen vorweisen kann, kann dann auch dieses Jahr wieder davon ausgehen, eine Einladung erhalten zu haben, auch wenn ich SimOn keine rausschicken werde. Alle anderen, die Lust haben, können sich entweder durch eine bespielte ID oder einen Freund der Familie oder so einfach mitbringen lassen. - Und: Wir haben inzwischen auf Seiten der Duccier deutlich weniger aktive Spieler und IDs als letztes Jahr, d.h. es wird nicht so viel Interaktion mit den Gastgebern geben können, auch wenn ich mit Octavena und ihrer Tochter auf jeden Fall dabei bin, seht es also im Zweifelsfall einfach als eine gemütliche Gelegenheit, ein paar IDs aufeinander loszulassen, die sich sonst nicht zwingend über den Weg laufen würden. Das war eigentlich letztes Jahr schon ganz schön und dann schauen wir doch mal, ob wir das wiederholen können ;)

    Octavena lächelte leicht, ging aber bewusst nicht weiter darauf ein, wie schaurig Germanien sein konnte. Sie nahm an, dass das Bild, das ihr Cousin von der Provinz hatte, sicher wenig schmeichelhaft war - ihr war es damals ja auch nicht viel anders gegangen - aber mit dem Kulturschock würde er schon klarkommen. Oder vielmehr klarkommen müssen. Dafür befand er sich schließlich gerade im Haus einer Familie, die aus ihren eigenen germanischen Wurzeln alles andere als ein Geheimnis machte und denen auch Octavena sich nach mehr als einem Jahrzehnt seit ihrer Hochzeit ihrerseits eng verbunden fühlte. "Sehr gut", sagte sie stattdessen wenig später, als Varus meinte, keine Fragen mehr zu haben, und erhob sich. "Dann sehen wir doch mal, wie weit Ilda ist. Alles andere wird sich dann später noch klären." Sie wandte sich zur Tür. Ein unerwarteter Cousin, der kurz vor dem Winter einfach vor ihrer Tür stand - damit hatte Octavena ja auch nicht gerechnet. Das konnte ja noch interessant werden.

    Man sprach in höchsten Tönen von ihr? Wenn Octavena inzwischen nicht so routiniert darin gewesen wäre, sich nicht jeden Gedanken, der ihr so durch den Kopf ging, sofort anmerken zu lassen, hätte sie jetzt wahrscheinlich gelacht. Ihre Abreise vor all den Jahren war alles andere als glanzvoll gewesen und sie hätte nicht erwartet, dass ihre Familie zu Hause danach zu viel von ihr hielt. Natürlich, sie hatte sich dann bei ihrem Onkel gut benommen, eine gute Partie bei ihrer Heirat gemacht und war jetzt, nach dem Tod ihres Mannes, durch dessen Erbe gut versorgt, aber eigentlich nahm sie nicht an, dass sie damit ihre erweiterte Verwandtschaft groß beeindruckt hätte. Entweder trug Varus also dick auf oder Octavena hatte sich in ihrer eigenen Familie doch getäuscht. Auch das war aber im Grunde irrelevant: Die Petronier in Tarraco waren weit weg und wenn sie jetzt nicht in absehbarer Zeit auf die Idee kamen, öfter irgendwelche Cousins oder Neffen oder was auch immer zu ihr zu schicken, dann war es ohnehin nicht so wichtig, was ihre Verwandten in Hispania heute über sie so dachten.


    "Ich erinnere mich", erwiderte sie stattdessen wenig später, als sie auf seine Reise zu sprechen kamen und nickte langsam. "Aber ich bin mir sicher, du wirst dich schnell eingewöhnen. Germanien ist gewöhnungsbedürftig, wenn man an das Klima im Süden gewöhnt ist, und gerade der Herbst und Winter sind fürchterlich nass und kalt, aber die Leute hier können einem schnell ans Herz wachsen." Sie lächelte. "Die Provinz hat ihren Charme. Auf ihre Weise."

    Bei seiner Bemerkung darüber, dass er sich freute, seine Verwandten kennenzulernen, lächelte Octavena warm. Wenn Varus - so wie es bisher schien - wirklich auch nur halbwegs Familiensinn besaß, dann würden sie wohl gut miteinander auskommen. Nicht so wie ihr Vetter Lucius, bei dem sie eigentlich nicht einmal traurig war, dass sie ihn ... wie lange eigentlich nicht mehr gesehen hatte? Seit ihrer Hochzeit? Oder waren sie sich danach noch einmal begegnet, bevor er aus Mogontiacum abgereist war? Sie wusste es nicht einmal mehr. "Quintus und Camelia freuen sich sicher auch", erwiderte sie diplomatisch und benutzte dabei bewusst die römischen Namen ihrer Kinder, obwohl Varus vermutlich bald merken würde, dass die beiden unter diesem Dach meistens eher auf ihre germanischen Namen hörten. Aber auch das hatte noch Zeit. "Hast du denn im Moment noch Fragen, während wir gerade noch warten, dass Ilda mit dem Gästezimmer fertig wird?" Octavena legte den Kopf schief. Bisher hatte schließlich nur sie ihn mit Fragen gelöchert.

    "Danke", erwiderte Octavena knapp auf die Beileidsbekundung, ging aber sonst nicht weiter darauf ein. Sie hatte sich inzwischen wieder gefangen, aber vor dem Mitleid, das mit solchen Worten einherging, scheute sie sich noch immer. Stattdessen erschien ein leicht ironischer Zug um ihre Lippen, als sie einen anderen Teil seiner Worte aufgriff. "Und na ja, ich lebe seit fast fünfzehn Jahren hier, da schnappt man tatsächlich das eine oder andere auf", meinte sie stattdessen entspannt mit einem ein ganz klein wenig amüsierten Unterton. Wahrscheinlich hatte ihre Familie in weiten Teilen tatsächlich gar keine richtige Vorstellung davon, was das ganz real bedeutete. Aber so weit weg entfernt mussten sie auch nicht verstehen, was für ein Leben Octavena hier im Norden gefunden hatte und jetzt führte.


    Ilda erschien mit den Getränken und als sie verschwand, nutzte Octavena die Gelegenheit, um das Gespräch nun ganz konkret auf die Pläne ihres Cousins zu lenken. Er war also ehrgeizig, wollte ihre Familie stolz machen. Das waren vermutlich nicht die schlechtesten Voraussetzungen für so eine Karriere. Und mit seinem Namen und ein wenig Hilfe ihrerseits, wenn sie versuchte, ein paar alte Freund- und Bekanntschaften wieder zu aktivieren, hatte er vermutlich tatsächlich nicht so schlechte Karten. Auch wenn da natürlich die Frage offen blieb, wie er diese Karriere zu finanzieren zu gedachte oder ob das der Grund war, warum er zu ihr gekommen war. "Nun, das ist natürlich ein nobles Anliegen", sagte sie ruhig, beschloss dann aber, die offenen Fragen, die ihr dabei noch durch den Kopf gingen, fürs erste ruhen zu lassen. Dafür würde später noch Zeit sein. "Ich bin mir sicher, du wirst eine Möglichkeit finden, unsere Familie stolz zu machen." Sie lächelte. "Wir können über die Details deiner weiteren Pläne aber auch noch in Ruhe in den nächsten Tagen sprechen. Du bist sicher müde von der Reise und all das hat ja auch noch Zeit", fuhr sie dann fort. "Wenn ich vorher von deinem Besuch gewusst hätte, hätte ich dir direkt ein Gästezimmer vorbereiten lassen, aber so wie ich Ilda kenne, wird sie sich auch beeilen, dir ein Zimmer vorzubereiten. Bis zum Abendessen wird es noch ein wenig dauern, aber wenn du willst, hättest du dann auch noch etwas Zeit, dich auszuruhen." Octavena erinnerte sich inzwischen zwar nur noch vage an die Reise von Tarraco bis nach Mogontiacum, aber von dem, was sie bei dem Gedanken daran noch im Kopf hatte, war sie eigentlich ganz froh, seitdem nirgendwohin mehr vereist zu sein. "Beim Essen wirst du dann auch dem Rest der Familie und natürlich meinen Kindern begegnen." Nun huschte doch ein kleines Grinsen über ihre Lippen. Octavena war sich, wie immer, nicht ganz wie Ildrun auf diesen fremden Onkel aus der Heimat ihrer Mutter reagieren würde, aber Farold würde vermutlich begeistert sein. Aber da musste Varus dann im Zweifelsfall dann durch.

    Erfahrungen in der Politik in der Fremde? Und dann schickte die Familie ihn nach Germanien? Ausgerechnet zu ihr nach Mogontiacum? Octavena hob kaum merklich die Brauen. Vielleicht lag es nur daran, dass sie selbst mit einer ähnlichen Geschichte nach Mogontiacum geschickt worden war, aber das klang ein wenig danach, als ob irgendwer zu Hause vor allem gewollt hatte, dass ihr Cousin weit weg von Tarraco sein Glück suchte. In die Politik hätte er auch zu Hause gekonnt und dann hätten ihm sicher ihre gemeinsamen Verwandten zu Hause oder die Familie seiner Mutter helfen können. Octavena würde wohl bei Gelegenheit doch mal wieder einen ausführlicheren Brief an irgendeine Tante oder eine Cousine schicken müssen und ein paar Leuten auf den Zahn fühlen, ob da mehr los war als es im Moment aussah. Aber eigentlich war das sowieso mehr ein irrelevantes Detail. Ganz egal, warum Varus hier war, einem Verwandten half Octavena immer. Auch wenn es sich um einen Cousin handelte, an den sie sich kaum erinnerte.

    "Natürlich bin ich einverstanden", erwiderte sie lächelnd. "Ich fürchte nur, dass ich dir keine so große Hilfe werde sein können, wie die Familie sich das vielleicht erhofft hat." Ihr Lächeln nahm nur ganz kurz einen wehmütigen Zug an. "Mein verstorbener Mann hätte dir da viel mehr weiterhelfen können.", fuhr sie dann fort und schüttelte den Anflug von Melancholie, der sie noch immer manchmal überkam, genauso schnell wieder ab wie er aufgekommen war. "Aber ich werde sehen, was ich tun kann. Vielleicht kann ich dich ein paar Freunden meines Mannes vorstellen. Und Onkel Crispus hat auch seine Spuren hier in der Stadt hinterlassen. Ein Petronius zu sein, könnte dir also dann auch so schon helfen."

    Während sie sprach, öffnete sich hinter ihr die Tür und Ilda trat ein und brachte Getränke. Octavena hielt kurz inne und wandte sich der jungen Frau zu. "Ilda, kümmer dich bitte darum, dass ein Gästezimmer für meinen Vetter hergerichtet wird. Und sag Marga Bescheid, dass wir eine Person mehr beim Essen sind." Ilda nickte und verschwand wieder und Octavena drehte sich wieder zu ihrem Cousin. "Ich habe inzwischen viel zu tun, seit ich die Geschäfte meines Mannes geerbt habe, aber ich werde dich natürlich unterstützen, wo ich kann."

    Sie sah ihn prüfend an. "Wo liegen denn deine Interessen und Fähigkeiten? Weißt du schon, was genau du vorhast jetzt, wo du hier bist?" Sie griff nach einem der Becher mit Met und nippte einmal daran. "In die Politik gehen zu wollen, kann ja vieles heißen."

    Dagwin, Sohn des Gerolf

    Eigentlich hatte Dagwin nicht damit gerechnet, heute ein unbekanntes Gesicht an der Tür der Villa Duccia zu begrüßen. Nachdem der alte Albin vor einer Weile gestorben war und es so bald darauf weitere Todesfälle in der Familie gegeben hatte, hatten sich alle im Haus davor gescheut, Albins Aufgaben in neue Hände zu geben, aber irgendwann hatte nun einmal kein Weg mehr daran vorbeigeführt. Es war zwar unwahrscheinlich, dass ein Besucher bis zum Eingang des Haupthauses kam, ohne von irgendwem bemerkt zu werden, aber es ging natürlich nicht, dass die Aufgabe der Ianitors einfach immer demjenigen unter den Angestellten oder der Familie zufiel, der zufällig in der Nähe war. Nach etwas hin und her hatten Octavena und Dagmar sich deshalb für Dagwin entschieden, der diese Arbeit bisher auch sehr ernst nahm.

    "Salve", begrüßte er also den fremden Römer, der da an der Tür klopfte, und im nächsten Moment breitete sich Überraschung auf seinem Gesicht aus. Er hatte nicht gewusst, dass eine der Hausherrinnen einen Verwandtschaftsbesuch erwartete. Er nahm den Brief entgegen und machte einen Schritt zur Seite, um den Neuankömmling ins Haus zu lassen. "Folge mir bitte, Petronius. Ich lasse deiner Cousine gleich deinen Brief bringen und ihr Bescheid geben, dass du da bist." Damit bedeutete er dem Petronius, ihm zu folgen, und führte ihn ins Kaminzimmer.