Beiträge von Titus Flavus

    Nun war es also amtlich. Er und die anderen waren nun vereidigt. Dann gab es jetzt wohl kein Zurück mehr. Titus kam es nun so vor als hätte ein wesentlich militärischer Befehlston Einzug gehalten. Es konnte aber auch einfach sein, dass er nun viel genauer auf die Worte des Centurios hörte.


    Zumindestens funktionierte das aufstellen nun schon wesentlich besser als beim Ersten Mal, wusste nun ja jedr wo er sich zu postieren hatte. Nachdem Titus seine Position in der letzten Reihe links eingenommen hatte ging es im Gleichschritt zum Magazin, auch wenn an den Marschierfähigkeiten so manches Neuen noch zu arbeiten war.

    Titus war bereits die ganze Zeit ruhig gewesen. Vor dem Sacellum angekommen änderte sich dies auch nicht. Als sie in das Heiligtum eintraten verspürte er so etwas Ähnliches wie Aufregung, doch kam diese nicht vom kurz bevorstehenden Eid, sondern vielmehr davon das er sich immer noch nicht sicher war ob das hier alles eine gute Idee war. Doch nun war es wohl zu spät. Auch wenn der Centurio gesagt hatte, dies sei jetzt die letzte Möglichkeit umzukehren, so hätte dies wohl mehr als verdächtig ausgesehen.


    Er horchte dem Schwur genau zu, welchen der Centurio vorsprach. Zusammen mit den anderen angehenden Tirones antwortete er dann:


    "IDEM ME"


    Er klang dabei nicht ganz so euphorisch und überzeugt wie so manch anderer im Raum, war er auch nicht unbedingt aus Treue zum Vaterland hier. Dennoch nahm er diesen Schwur ernst. Wenn er sein Wort gab, so hielt er es. So würde es auch hier sein.


    Alles weitere würde die Zukunft bringen. Er wollte einfach nicht all zu sehr auffallen und seine Zeit absitzen. Dann sollte doch wohl nichts schiefgehen können. Oder etwa doch?

    Felix setzte gerade dazu an auf die Frage von Titus zu antworten, als plötzlich die Stimme des Centurios wie Donnergrollen ertönte. Titus war auch einer jener Rekruten, die für tauglich befunden worden waren. Darum begab er sich in die Mitte des Ganges als ihn die pranke des Centurios im Nacken packte und ihn unsanft auf seiner Position zurechtrückte. Dann erfolgte der Abmarsch ins Sacellum, dem Heiligtum jeder Einheit.

    Titus sah die anderen Rekruten weiterhin an. Ein Mann war darunter, dessen Gesicht er schon mal irgendwo gesehen hatte. Eine Narbe zog sich von seiner linken Stirn über das linke Auge nach unten. Den Gesichtszügen nach konnte es sich um einen Dacer handeln. Sein Widersacher, Volpe hatte einen Leibwächter der ähnlich aussah, doch konnte er darauf jetzt nicht schwören. Doch konnte es sein, dass man ihn schon aufgespürt hatte und einen Mann hier bei der Classis eingeschleust hatte? Oder wurde Titus so langsam verrückt. Die letzten Monate hatten unglaublich Kraft gekostet und es war leicht möglich, dass ihm sein Verstand begann Streiche zu spielen.


    Felix stand weiterhin neben ihn und ahmte ihn nach, hatte allerdings das Sprechen aufgegeben. Nun wollte allerdings Titus etwas. Unsanft rammte er ihm den Ellenbogen in die Seite und fragte:


    "Kennst du den Kerl da drüben? Der mit der Narbe über dem linken Auge."


    Felix sah zuerst Titus mit finsterem Blick an, während er sich die Seite rieb und hielt dann Ausschau nach der betroffenen Person.....

    Es dauerte nicht lange, da musste Felix wieder seinem Redeschwall nachgeben:


    "Sag mal Flavus, wo kommst du überhaupt her? Ich komme ja von einem Bauernhof am Rande von Ostia. Mir war es dort aber zu langweilig. Verstehst du? Ich bin auf der Suche nach Abenteuern, nach Ruhm und Ehre. Zudem habe ich es in unserem Haus nicht mehr ausgehaltn, bei meinen ganzen Geschwistern. Und mein Vater ers........."


    Da unterbrach ihn Titus entnervt:


    "Sag mal, redest du immer so viel? Versuch einfach mal für ein paar Minuten ruhig zu sein. Geht das?"


    Kleinlaut antwortete Felix:


    "Schon gut, ich bin ja still."

    Nach seiner Musterung trat Titus auf den Gang vor dem Officium Dilectus, genauso wie man es ihm gesagt hatte. Dort wartete bereits weiteres Frischfleisch, wie sie aller Wahrscheinlichkeit nach genannt wurden. Er begab sich ein wenig Abseits der anderen Rekruten und lehnte sich dort an die Wand. Er hatte nicht vor sich groß mit den anderen anzufreunden, schließlich konnte jeder von denen auch ein Spitzel seiner Verfolger sein. Mit dieser schon beinahe paranoiden Einstellung war er bisher ganz gut gefahren. So hatte er auch hier vor seine Zeit abzusitzen, das zu tun was man ihm sagte um dann nach seiner ehrenhaften Entlassung (die er hoffentlich bekommen würde) einfach ein neues Leben zu starten, ohne Schulden, ohne Verfolger.


    Während er skeptisch dreinschauend die anderen Rekruten auf bekannte Gesichter musterte trat ein etwas dämlich dreinblickender Mann, etwa in seinem Alter an Titus heran:


    "Salve carus amicus. Ich bin Rusticus Felix. Wie ist dein Name?"


    Titus sah seinen Gegenüber an und gab dann ziemlich unwirsch zur Antwort:


    "Ich bin nicht dein Freund!"


    und sah dann wieder zu den Anderen. Felix sah den jungen Antonier fragend an, doch von diesem kam keine Antwort. Als er sich bereits entfernen wollte kam dann doch noch etwas von Titus:


    "Ich bin Titus Flavus."


    Felix strahlte Titus dann erfreut an und meinte euphorisch:


    "Freut mich dich kennen zu lernen."


    Allem Anschein nach war der Mann bisher bei allen anderen abgeblitzt und nun froh das ihn jemand beachtete. Stand Titus bisher alleine an der Wand mit verschränkten Armen, so tat ihm dies Felix nun gleich.

    Titus ließ die Musterung über sich ergehen. Der Unterton den Titus zu hören glaubte als der Centurio Alexandria aussprach gefiel ihm allerdings nicht sonderlich. Doch erwiderte er darauf nichts. Stattdessen tat er was ihm gesagt wurde und verabschiedete sich kurz und knapp vom Centurio:


    "Salve."


    Dann verließ er das Officium durch die Porta, durch welche er auch hereingekommen war. Dort wartete er dann darauf, was nun geschehen würde....

    *Mann mann mann, ziemlich schlecht gelaunt der Mann*


    dachte sich Titus über den Centurio. Darum wollte er sich nun lieber etwas zurücknehmen um nicht noch in ein Unwetter zu geraten. Als sich dann der Medicus einschaltete antwortete er kurz und knapp auf dessen Fragen:


    "Drei........ Vier. Größe 1,76 m, Gewicht 69 kg."


    Auf die anschließende Fragen des Centurios antwortete er dann zunächst wahrheitsgemäß:


    "Keine bekannten Krankheiten."


    Als es dann aber um seine Vergangenheit ging druckste er zunächst rum:


    "Ähmmmmm........Keine Verurteilung. Auch keine unreinen Geschäfte."


    Das erste entsprach der Wahrheit, während das andere so nicht ganz richtig war. Er verschwieg, dass er in kriminellen Kreisen gearbeitet hatte und das er nun seinem ehemaligen Förderer einen Patzen Geld schuldete, der ihn am liebsten über den Styx schicken würde....

    Titus war zunächst überrascht ob der groben Gangart des Centurios. Dennoch ließ er sich dadurch nicht beunruhigen. Scherzhaft meinte der junge Antonier auf die Anmerkung das er spät dran wäre:


    "Naja, ich kann doch nichts dafür das ausgerechnet dann, wenn ich zur Classis will von jemandem ein Krieg angezettelt wird."


    Titus grinste dabei über beide Ohren, er fand es lustig. Nachdem dies beim Centurio nicht der Fall zu sein schien ging er allerdings sofort dazu über die Fragen des Mannes zu beantworten:


    "Nun, geboren bin ich am ANTE DIEM VIII KAL IAN DCCCXLIII A.U.C. (25.12.1992/89 n.Chr.). So wurde es mir zumindestens gesagt. Den Geburtsort kenne ich nicht, allerdings bin ich in Alexandria aufgewachsen. Mein Vater hieß Antonius Macer, meine Mutter kenne ich ebenfalls nicht. Sie starb bei meiner Geburt. Mein Vater hat nie über sie gesprochen. Vom Stand her bin ich allem Anschein nach Peregrinus"


    Die ganze Geschichte stimmte so zwar nicht unbedingt, doch wollte Titus sicherstellen, dass er nicht so schnell von seinen Verfolgern aufgespürt werden konnte. Natürlich kannte er seinen Vater und auch seine Mutter, doch waren beide bereits nicht mehr unter den Lebenden. Und aufgewachsen war er auch nicht in Alexandria, sondern in Misenum. Er kam gerade lediglich aus Alexandria um jetzt und hier ein neues Leben zu beginnen. Hoffentlich würde das nicht irgendwann wieder alles auf ihn zurückfallen.

    Der junge Mann war der Beschreibung der Wache gefolgt. Er hatte den Stützpunkt von außen viel kleiner eingeschätzt als er es nun im Endeffekt eigentlich war. Titus musste zugeben das er ein wenig beeindruckt war. In der Principa angekommen, nachdem er an der Porta ein zweites mal von einem neunmalklugen Soldaten gefilzt worden war klopfte er an die Porta zum Officium Dilectus wo er sich melden sollte und trat ein:


    "Salve, meine Name ist Titus Flavus. Ich bin hier um mich freiwillig zur Classis zu melden. Man sagte mir ich sollte dazu hierherkommen."


    Dabei sah er sich im Raum um in dem er gerade Stand. So wollte er einen ersten Eindruck gewinnen wie sich sein Leben hier wohl entwickeln würde, auch wenn dies unmöglich zu sagen war. Schließlich wusste er noch nicht einmal ob man ihn überhaupt aufnehmen würde.

    Titus antwortete wahrheitsgemäß:


    "Nein, keine Waffen dabei. Warte, doch. Einen Pugio."


    Titus zog den Dolch hervor und überreichte ihn dem Wachposten. Dabei betrachtete er noch einmal die reich verzierte Scheide der Waffe und meinte ernst zum Wachposten:


    "Gib bloß gut darauf Acht, das ist ein Familienerbstück. Ich hoffe das bekomme ich zurück?"


    *und das einzige was einen Wert hat in meinem Besitz* fügte er in Gedanken an. Dann ließ er die wohl obligatorische Untersuchung über sicher ergehen, wobei die Wache nichts mehr finden würde können. Auf die Frage, oder war es doch eine Feststellung der Wache das Krieg herrschte warf er dieser einen vernichtenden Blick zu, verkniff sich aber einen Kommentar. Schließlich blieb ihm wohl zur Zeit keine Alternative die grundlegend besser aussah. Nachdem man ihm den Weg erklärt hatte verabschiedete er sich mit einem mürrischen


    "Danke." und machte sich auf den Weg zum Officium Dilectus.

    Sicher war sich Titus noch immer nicht ob er diesen Schritt gehen sollte, doch was blieb ihm groß anderes übrig. Er hatte kein Geld mehr, im Gegenteil. Die Männer die seine Gläubiger auf ihn angesetzt hatten würden mit ihm kurzen Prozess machen wenn sie ihn fanden; sofern er bis dahin nicht bereits verhungert war. So schien ihm als einziger Ausweg die Classis ein guter Weg zu sein. Zumindestens gab es dort regelmäßig zu Essen und eine warme Unterkunft. Am Tor zum Stützpunkt angekommen stellte sich Titus in seiner leicht zerrissenen Montur vor:


    "Salve, mein Name ist Titus Flavus. Ich bin hier um mich freiwillig zur Classis zu melden."


    Leicht nervös blickte er über die Schulter, ein Tick den er sich in den letzten Monaten angeeignet hatte um dann wieder zur Wache zu sehen.

    Am nächsten Tag erwachte Titus am späten Vormittag. Konnte es sein, dass er so lange geschlafen hatte? Vermutlich, denn die Sonne blinzelte bereits zwischen den Brettern, mit welchen das Fenster provisorisch zugezimmert war hindurch. Die Sonne erwärmte seine Augenlider und so stand er schließlich auf. Seine Beine schmerzten noch vom langen Marsch am Vortag, doch was ihm noch mehr Sorgen bereitete war die Tatsache das sich das verlassene Haus der Antonier noch immer nicht als schlechter Traum erwies. Es war immer noch verlassen. Was sollte er also noch hier? Vermutlich war es das Beste wenn er wieder dorthin zurückkehrte wo er hergekommen war, doch was sollte er dort? Er hatte nichts zurückgelassen außer einem Haufen Schulden. Und den Männern, denen er das Geld schuldete wollte er wirklich nicht mehr begegnen.


    Seine Gedanken kamen und gingen, ohne dass sich eine Lösung auftat. Aber wo konnte er denn nun hingehen?


    Nach langem überlegen kam ihm eine Idee. Sein Verwandter hatte doch in der Classis sein Bürgerrecht erworben. Warum sollte er das nicht auch tun? Viel zu verlieren hatte er ja nicht mehr und zudem war er dort sicher vor seinen Gläubigern.


    Was er nun auch machter, beide Alternativen waren mit unabwägbaren Gefahren gepflastert, doch jene der Classis beizutreten schien ihm dabei noch die sicherste....

    Titus hatte eine lange Reise hinter sich. Er freute sich schon darauf endlich in die Casa Antonia zu kommen und sich dort auszuruhen. Er malte sich schon in allen Farben aus wie es wohl sein würde seine Verwandten endlich wieder zu sehen. Es war lange her das er die Einladung erhalten hatte, doch hielten ihn persönliche Gründe bisher davon ab nach Misenum zu kommen. Jetzt allerdings war es soweit.


    Vor zwei Gassen hatte er einen Greis nach der Casa Antonia gefragt und dieser hatte ihm auch den Weg beschrieben. Zugleich sah er ihn aber auch etwas fragend an, wobei Titus nicht sagen konnte was dieser Blick zu bedeuten hatte. Allerdings tat er diesen übermüdet einfach ab. Als er nun aber um die letzte Ecke bog, genauso wie es ihm der alt Mann beschrieben hatte saß der Schock tief:


    Die Casa war dem Verfall preisgegeben. Die Fenster waren zum Teil mit Brettern verhauen, der Putz bröckelte ab und die Porta wies eindeutige Einbruchsspuren auf. Allem Anschein nach stand die Casa schon längere Zeit leer und so mancher wollte nachsehen, ob es etwas zu holen gab. Titus betrat vorsichtig die Casa und musste feststellen, das diese im Inneren nicht wesentlich besser aussah als von Außen. Nachdem er sich längere Zeit umgesehen hatte fand er einen Raum welche wohl in früherer Zeit ein Cubiculum gewesen war. Es stand noch ein Bett darin und der Raum war trocken. So setzte sich Titus auf den Bettrand und holte die Einladung seiner Verwandten hervor um diese noch einmal durch zu lesen. Was war wohl passiert dass er niemanden mehr vorfand. Er ließ den Brief aus der Hand gleiten und dieser schwebte leise zu Boden. Titus selbst legte sich auf das Bett und schlief umgehend ein. Die anstrengende Reise forderte ihren Tribut.

    Die Reise war lang, doch endlich kam Misenum in Sichtweite. Am Horizont erhob sich langsam die Stadtmauer und wurde mit jedem Schritt größer. Nach einer weiteren Stunde erreichte Titus dann die Stadttore. Dort angekommen meldete er sich bei der Stadtwache an und grüßte diese freundlich. Ohne größere Aufwände ließ diese Titus dann aber auch schon passieren. Geradewegs machte er sich auf den weg zum Wohnviertel.

    Salvete,
    Mein Name ist Antonius Flavus, eigentlich Marcus Antonius Flavus, Mitglied der ehrenwerten Familie der Antonier. Bei meiner Ankunft musste ih allerdings mit entsetzen feststellen, dass meine Gens darniederliegt. So ist es wohl nun an mir die Ehre die uns Antoniern zusteht wieder herzustellen und das Bürgerrecht für uns wieder zu erlangen.


    Zusammenfassend:


    Name Antonius Flavus
    Wohnsitz Misenum