Gwyn bereitete soeben das große Gästezimmer vor, das vom Atrium abging. Hier würde sich in den nächsten Tages das Krankenlager von Cossus Malleus befinden, der bei dem Angriff auf Curio ebenfalls schwere Verletzungen davongetragen hatte.
Beiträge von Iullus Helvetius Curio
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Erneut die Tischplatte als Tragenutzend trugen Liam und Roderiq den Helvetier in sein Schlafzimmer. Dort angekommen ließen sie ihn vorsichtig in die Laken gleiten, deckten ihn zu und verließen dann wieder den Raum. Curio hingegen reagierte kaum bis gar nicht, sondern ließ nur ein leises Stöhnen vernehmen, als er in seinem bequemen Bett zu liegen kam. Ansonsten verhielt er sich still, immer noch in diesem seltsamen Zwischenstadium zwischen Schlafen und Wachen, der Mischung aus dem beruhigenden Bild der großen Wiese und dem mittlerweile etwas nachlassenden Wummern seines Kopfes. Es störte ihn aber viel mehr, dass diese beruhigende Stimme verschwunden war, die ihm bis tief ins Herz zu sprechen schien.
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Immer noch in seiner heilen kleinen Welt mit der warmen Sonne auf der Haut, dem fröhlichen Lachen seiner Schwester und der beruhigenden, wenn auch fremdartigen Stimme hatte Curio das Gefühl, dass eigentlich alles in Ordnung sein müsste. Wäre da nur nicht das Wummern in seinem Kopf, das sich durch seinen ganzen Körper zog. Eigentlich war er sich auch gar nicht so sicher, was eigentlich los war, doch verweigerte sein Gehirn eine längere Nachdenkensphase. Immer wenn er beginnen wollte, Schlüsse zu ziehen, verabschiedete es sich und wieder landete er auf der warmen Wiese, wo es auch eigentlich viel zu unbequem war, nachzudenken, weswegen er es auch einfach unterließ. Doch grade als er sich wieder bequem auf die Wiese legen wollte, störte ihn da doch jemand. Zuerst eine leisere Stimme, dann schrie sie plötzlich, dann piekte irgendwas an seinen Arm. Nicht dass er sich zu wehren gedachte, dafür war das hier grade zu angenehm. Und daher lehnte sich zurück, sollten die ihm doch gestohlen bleiben. Sollten sie ihn doch suchen und wenn sie ihn fanden, konnten sie ihn immer noch in die Villa Rustica zerren, wo es doch nur wieder eine Standpauke seines Vaters bekäme, aber das war er ja schon gewohnt, das konnte er ab, schließlich ging es ja auch irgendwann vorbei und dann konnte er schnell wieder hier liegen.
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Silvana hatte die eigentümliche Fähigkeit, ihrem Mann stets ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern, wenn sie den Raum betrat. In Gesellschaft war das aber meist mit Problemen verbunden, denn wenn er es zuließ, sah er aus wie naiver Trottel, und wenn er es u unterdrücken versuchte, ging damit zumeist eine innere Unruhe einher, die sich schnell auch nach außen zeigte. Beides war unangenehm. Als sie ihre Beziehung noch hatten verbergen müssen, war es noch schwieriger gewesen, doch wenn sie unter sich waren, so wie jetzt, ließ er es einfach zu, war es doch das Bequemste und Ehrlichste seiner Frau gegenüber.
Setz dich zu mir, mein Herz. Was gibt es denn?
fragte er mit eben diesem Lächeln, nachdem sie ihren Kuss gelöst hatten und seine Frau sich hingesetzt hatte. Es folgte ein Bericht des heutigen Treffens mit Phryne, das er mit einem kurzen Nicken quittierte. Er schätzte es eigentlich nicht, dass sie mit dieser Frau verkehrte, denn auch wenn er immer noch ein wenig Hoffnung hatte, dass die Libertina aufhörte in übelster Weise über seine Familie herzuziehen und er ja selbst bei dem Vortragsabend während seiner ersten politischen Amtszeit zusammengearbeitet hatte, was ihm diese Frau doch immer noch nicht so ganz geheuer. Daher schürzte er auch gleich die Lippen, legte eine Hand auf den Unterarm seiner Frau und blickte sie einige Augenblicke nachdenklich an, bevor er antwortete:
Nun, ich wüsste nicht, wie ich von einem Bau profitieren könnte, den Phryne und deine Familie respektive die Stadt finanzieren. Solange ich nicht auch selbst daran beteiligt bin, werde ich mich kaum damit schmücken können.
Er sprach diese Überlegung laut aus und erneut ließ er seinen Blick nachdenklich auf Silvana ruhen.
Aber ich weiß, dass dir das wichtig ist und dass es natürlich keine dauerhafte Lösung sein kann, die Schüler an ständig wechselnden Orten zu unterrichten. Vielleicht sprichst du einfach mal mit deinem Vater und deinem Onkel darüber. Ich komme auch gerne mit, wenn du möchtest, aber es ist in erster Linie dein Projekt. Das heißt natürlich nicht, dass ich dich dabei nicht unterstützen würde, wo ich kann.
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| Liam
Es waren ganze drei Leute, die hier Eintritt verlangen. Kaeso war dabei, das hörte Liam und er erkannte auch die Stimme von Bolanus. Erneut haderte der Brite. Er wusste dass es Ärger geben würde, aber der Junge sollte ja auch einen weiteren Arzt holen. Also hörte man nun von der anderen Seite ein Kratzen und heben, die Tür öffnete sich einen Spalt, durch den Bolanus, Kaeso und der Chirurgicus eintreten konnten und schon schloss sich die Tür wieder. Erneut schob Liam den Riegel vor und hob das große Brett an, um die Tür zusätzlich zu sichern.
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Es war warm. Die Sonne schien auf die große Wiese vor der Villa Rustica Helvetia am Rande des Mons Vosegus, wenige Meilen westlich von Noviomagus. Eine kleine Gruppe von Kindern spielte auf dieser Wiese, darunter auch Curio, der sich soeben auf rücklings auf die Wiese hatte fallen lassen und sich nun die warmen Sonnenstrahlen ins Gesicht fallen ließ. Er spürte die weiche Wiese durch seine naturfarbene Tunika, ein Grashalm kitelte ihn im Nacken, dass die sonst so weiche Wiese heute etwas härter wirkte, fast hölzern, das ignorierte der Helvetier geflissentlich, denn schon drang Lachen an sein Ohr. Es war das glockenhelle Lachen seiner kleinen Schwester, die er zwar nicht sehen, aber umso lauter hören konnte. Sie musste sich irgendwo hinter ihm befinden und bewegte sich zudem von links nach rechts und wieder zurück. Lucius war auch da und Titus auch, und ein paar andere Kinder derjenigen Veteranen, die seinem Vater, dem alten Primus Pilus, auf das Landgut gefolgt waren und dort als Pächter oder Arbeiter des Alten auch eine Familie gegründet hatten. Auch diese konnte Curio nicht sehen, doch wusste er das sie da waren. Es schien eine absolute Wahrheit zu sein, die er nicht in Frage stellte, denn das Wissen darum, dass es wahr war, überführte dieses Wissen in Realität, machte es wahr und regelrecht greifbar. Die helvetischen Eltern schienen weit weg zu sein. Weder in Hör- und erst recht nicht in Sichtweite, denn das Bild von tobenden helvetischen Söhnen passte nicht so ganz in das strenge Bild eines ehemaligen Militärs und seiner sittenstrengen, aber mütterlich gütigen Ehefrau. Es war gut.
Hier konnte er bleiben. Eigentlich. Wären da nicht die Eindrücke, die nun wieder auf ihn eindrangen und ihn gewaltsam zurückzogen. Die Rufe Alpinas, Stimmengewirr von bekannten und unbekannten Stimmen, in Sprachen die er verstand und die ihm fremd waren, der Geruch von Pflanzen und Kräutern gemischt mit Schweiß. Geräusche und Gerüche der Angst, so resümierte das Gehirn des Helvetiers, doch als er nun erneut versuchte, die Augen zu öffnen, durchfuhr ihn wieder dieser grässliche Schmerz, dessen Ausgangspunkt sein Kopf war, der sich aber durch seinen ganzen Körper zu ziehen schien. Er stöhnte kurz auf, musste dem Schmerz irgendwie Ausdruck verleihen, denn Worte brachte er nicht hinaus. Er hätte nichtmal gewusst, was er sagen sollte und wenn er versuchte, Worte zu finden, verschwammen sie in seinem schmerzenden Kopf zu einem Brei aus Buchstaben und Lauten, die er nicht aneinanderzureihen wusste.
Es hatte keinen Sinn. Er spürte die Anwesenheit einer vertrauten Person und sie schien es auch zu sein, die ihn durch ihre bloße Anwesenheit im Leben hielt, doch wusste er nicht, wer diese Person war. Er hörte ihre Stimme, eine vertraute, doch zugleich unbekannte Stimme in einer noch fremderen Sprache. Das ihn diese Stimme beruhigte und dafür sorgte, dass er sich sicher und versorgt fühlte, brachte ihn dazu, sich wieder etwas zu entspannen und erneut wegzudämmern. Sein Atem jedoch ging weiter. Unbeirrt. Denn trotz allem und sogar trotz der Aussicht auf die Wiese mit den warmen Sonnenstrahlen, wollte er nicht endgültig dorthin Zumindest noch nicht.
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Liam machte ein unsicheren Eindruck. Er hatte klare Anweisungen, das Haus abzuriegeln, doch offensichtlich war es eilig. Und noch eine Regelbruch beging der Brite, denn eigentlich hätte den Jungen jemanden begleiten müssen, doch Liam konnte ja schlecht hinter sich selbst abschließen. Daher beugte er sich nur zu dem Jungen hinab.
Wenn du gleich zurück kommst sagst du "Käseplatte". Dann weiß ich, dass du das bist.
sagte der Brite grummelnd und mit dem Wissen darum, dass das noch Ärger geben konnte. Dennoch wusste er auch, dass Alpina nicht spaßte und niemanden hinausschicken würde, wenn es nicht lebensnotwendig wäre.
Ach, und Kaeso, pass auf dich auf.
fügte er dann noch an, ließ den Jungen hinausschlüpfen und verriegelte danach die Tür.
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| Acanthos
Die Mundwinkel des Makedonen verzogen sich kurz, als Silvana ins Atrium gestürzt kam. Er kannte sie nun ebenso lange, wie Curio, wusste sie einzuschätzen und konnte in etwa voraussehen, wie sie auf die folgende Nachricht reagieren konnte. Zudem sprach das Gewusel, die angeheizte Stimmung und die Lautstärke im Haus eine mehr als deutliche Sprache. Die Duccia war clever, sie konnte eins und eins zusammenzählen und brauchte dafür keine Hilfe. Es brachte also nichts, lande drumherum zu reden, auch wenn er erst einen kurzen Umweg zu gehen gedachte.
Was auch immer du gleich tust, was auch immer dich treibt etwas zu tun, geh bitte erstmal in dich, und überlege, ob du etwas tun kannst oder ob du deinem Mann nicht eher hilfst, wenn du einen kühlen Kopf bewahrst. Du bist die Ehefrau eines Helvetiers und entstammst dem ehrenwerten Stamme Wulfriks. Bitte mache dieser Stellung nun alle Ehre.
Ein Tropfen auf den heißen Stein. Acanthos tief durch und merkte erst jetzt, dass seine Hand leicht zitterte.
Curio wurde auf dem Forum angegriffen. Den ersten Angreifer konnte Malleus noch abwehren und hat ihn auch endgültig in den Tartarus geschickt, der zweite jedoch griff von hinten an und schlug deinen Mann nieder. Curio hat eine Kopfverletzung und war, als ich die Taberna Medica verließ, nicht bei Bewusstsein. Alpina kümmert sich um ihn.
Erneut machte der Makedone eine kurze Pause, bevor er fortfuhr.
Ich habe soeben angeordnet, das Haus komplett abzuriegeln. Liam und Roderiq sogen grade dafür, dass dies umgesetzt wird. Den Plan dazu haben dein Mann, Malleus und ich zu Beginn der Amtszeit ausgearbeitet. Er dienen dazu, dass einerseits alle Einwohner des Hauses sicher sind und die Chancen für einen weiteren Angriff minimiert werden, andererseits damit wir entscheiden können, welche Informationen das Haus verlassen. Wir drei, Alpina, du und ich sollten nicht vor morgen früh entscheiden, ob wir die Abriegelung aufheben, ich empfehle aber dringend, dass sie den Rest des Tages und die ganze Nacht aufrecht erhalten bleibt. So die Götter wollen können wir Curio morgen auch schon selbst befragen, wie wir fortfahren sollen.
Zuversicht. Mehr konnte Acanthos nicht ausstrahlen. Denn kaum hatte er geendet, hörte er auch schon den lautstarken Ruf Alpinas. Bei Plutos fettem Hintern, konnte es denn noch schlimmer kommen?
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| Acanthos
Mit schnellen Schritten lief Acanthos ins Atrium rief alle Sklaven und die sonstigen Einwohner des Hauses zusammen und bat Gwyn zudem darum, Silvana herbeizuholen. Die ersten Anweisungen gingen allerdings an Liam und Roderiq raus.
Curio ist auf dem Forum attackiert worden. Er befindet sich grade bei Alpina in der Taberna Medica. Er lebt, doch ist er in schlechter Verfassung.
fasste der Makedone die Vorkommnisse den beiden gegenüber in wenigen Sätzen zusammen. Das Gesicht des Sklaven verriet, dass das hier nicht etwa irgendeine Übung war, sondern dass die Lage nicht ernster sein konnte.
Das Haus wird nun komplett abgeriegelt. Vorerst bis morgen früh, danach folgen weitere Anweisungen. Liam, du kümmerst dich um die Haustür, Roderiq, du sorgst dafür, dass die Tür der Taberna Medica gesichert wird. Alle Termine des heutigen Tages werden abgesagt und vorerst keine Gäste in der Casa empfangen. Es werden keine Informationen das Haus verlassen, insbesondere nicht zum Zustand des Helvetiers. Ohne meine Zustimmung wird keiner der Einwohner das Haus verlassen. Heute und morgen sollten wir mit unseren Vorräten auskommen. Sollte es doch notwendig sein, wird einer von euch beiden als Begleitung mitgehen. Alle diese Maßnahmen wurden mit ausdrücklicher Zustimmung Curios erarbeitet. Verstanden?
Die beiden Männer nickten und machten sich sofort an die Arbeit, die Türen entsprechend zu sichern. Die Haustür wurde zusätzlich zu dem massiven Riegel mit einer massiven Holzplatte gesichert, um mögliche Angreifer am Eindringen zu hindern. Ebenso verhielt es sich mit der Tür in der Taberna Medica. Entsprechend der Anweisungen von Acanthos wurde das Haus quasi hermetisch abgeriegelt. Doch die schwerste Aufgabe kam auf den Makedonen noch zu, denn schon hörte er Schritte aus dem Wohnbereich Curios.
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Curio lag bewusstlos auf der Kline, auf die er grade gewuchtet wurde. Einmal kurz kam er zu Bewusstsein, hörte aufgeregte Stimme, doch als er versuchte, die Augen u öffnen, durchfuhr seinen Kopf ein stechender Schmerz. Im Moment konnte er nichts tun, und hörte nur Stimmen um sich herum, die ganz offensichtlich mit einem Problem zu kämpfen hatten. Doch hatte der Helvetier keine Zeit sich darüber Gedanken zu machen, was ihr Problem war, denn schon dämmerte er wieder weg und sein Atem wurde wieder flach, aber teils unregelmäßig.
Acanthos lernte sich derweil für einige Augenblicke an die Hauswand. Es gab einen Plan für solchen einen Fall. Einen Notfallplan, den sie gemeinsam mit Malleus am Anfang der Amtszeit festgelegt hatten. Acanthos wusste das, doch um ihn nun in Kraft zu setzen, musste er Curio alleine lassen und etwas in ihm wehrte sich dagegen. Dennoch stieß er sich nun von der Wand ab und blickte sich um.
Halt mich bitte auf dem Laufenden.
sagte er zu Alpina und machte sich auf den Weg in die Wohnbereiche. Es gab einiges zu tun.
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Hast du schon gehört, dass der helvetische Aedil gestern angriffen wurde? plapperte die Matrone Tertulla bei ihrem täglichen Marktbesuch an die germanische Händlerin gewandt.
Nicht nur gehört, gesehen hab ich es. Ich war nur ein paar Schritte entfernt! Es war ein schrecklicher Anblick, der Aedil wurde auch sofort auf einem nach Hause gebracht. antwortete Radegunde, während sie der Kundin ein paar Äpfel und Birnen in den Kob füllte. Mein Mann sagte auch, dass gestern niemand mehr in das Haus des Aedilen eintreten durfte. Ich hoffe für seine Familie, dass es nichts wirklich ernsthaftes ist. fuhr sie fort, schob den Korb zur Kundin hinüber und ließ sich den Gegenwert der Frückte in Münzen in die Hand drücken.
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| Acanthos
Acanthos hatte zuerst gar nicht mitbekommen und erst auf die Schreie hinter ihm blickte er sich um. Erschrocken stellte er fest, dass Curio nicht mehr stand, sondern bereits auf dem Boden lag, ohne sich zu rühren. Die Augen des Makedonen weiteten sich und er blieb wie angewurzelt stehen. Ein weiterer Angreifer musste von hinten gekommen sein und den Aedil niedergeschlagen haben. Eine Sekunde, zwei Sekunden, drei Sekunden wusste er nicht, was er tun sollte. Es konnte nicht sein, es durfte nicht sein, dass Curio was passiert war. Das konnte einfach nicht sein. Doch je mehr Zeit verging, desto deutlicher wurde, dass tatsächlich der schlimmste Fall eingetreten war. Aus Malleus' Richtung war mittlerweile einen Schmerzenschrei zu hören gewesen und Acanthos war wieder zu sich gekommen. Ebenso wie Kaeso beugte er sich nun zu Curio hinab, doch es war Kaeso, der die blutende Kopfwunde als erstes fand. Die helle Toga des Helvetiers hatte sich schon rot gefärbt und erneut ergriff nun jemand anders, nämlich Malleus, die Initiative kam herbeigelaufen und versuchte den Helvetier zu wecken, doch reagierte er nicht.
In diesem Moment schaltete Acanthos Gehirn endgültig in den Notfallmodus um. Als Leiter des helvetischen Officiums war ihm klar gewesen, was seine Aufgabe war in solch einem Fall war, doch hatte er nicht man in seinen schlimmsten Alpträumen befürchtet, dass dieser Fall tatsächlich eintreten würde. Dennoch musste er nun das Rude in die Hand nehmen und während Kaeso den Druckverband auf die Wunde presste, Malleus sich nach einer Trage umschaute und nun auch die beiden städtischen Apparitores, angelockt durch die panischen Rufe der Umstehen, herbeigelaufen kamen und sich dem Ausmaß des Angriffs bewusst wurden, war es der Makedone, der nun plötzlich einen vollkommen klaren Kopf hatte.
Haltet die Leute zurück!
befahl er den Apparitores, die nickten und sich auch gleich daran machten, die Schaulustigen zurückzuhalten. Ein weiterer Ausruf folgte, dieses Mal von Kaeso. Natürlich wäre es schön gewesen, wenn Alpina hier gewesen wäre, doch leider war sie das nicht.
Dazu ist keine Zeit. Du musst die Wunde so fest du kannst zudrücken, verstanden? Und wir müssen ihn so schnell wie möglich nach Hause bringen. Such eine Lösung dafür, Malleus, wir brauchen einen Karren, eine Platte, irgendwas in der Art.
sprach Acanthos weiter, warf nun die Tabula auf den Boden - es waren ohnehin nur ein paar Notizen von der Sitzung drauf, die er auch einfach im Protokoll nachrecherchieren konnte. Curio musste hier weg, denn ein weiterer Angriff war nicht ausgeschlossen, spätestens dann, wenn die Attentäter sahen, dass ihr Werk noch nicht vollendet war.
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Ein überraschter Gesichtsausdruck erschien auf Curios Gesicht. Offenbar hatte er sich da falsch ausgedrückt oder ein Missverständnis hervorgerufen.
Der Marktplatz wird in regelmäßigen Abständen im Auftrag der Aedile gereinigt. Dies geschieht, je nach Engagement der Aedile, normalerweise ein- bis viermal im Monat. Zusätzlich dazu würde der Marktplatz nach den Viehmärkten, die ja in der Regel mit einem hohen Aufkommen an... Dreck und Ausscheidungen von den Tieren verbunden sind, durch die jeweiligen Viehhändler gereinigt, damit die Stadtverwaltung hier nicht schätzungsweise das Vielfache des sonst anfallenden Drecks wegschaffen muss. Da durch die eigenverantwortliche Reinigung durch die Viehhändler der Stadtverwaltung diese Arbeit erspart bleibt, halte ich den Erlass von Standgebühren für sinnvoll
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Ist das Wagenrennen nicht bereits eine Sportveranstaltung? Oder ist da eher sowas wie die Olympischen Spiele angedacht?
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Das freut mich zu hören. Du kannst sicher einiges von Alpina lernen und wenn du dich für die Medizin interessiert, kann Alpina vielleicht auch mit einem Medicus in der Umgebung sprechen mit einer guten Grundbildung wird sich bestimmt jemand finden, der dich weiterunterrichtet.
antwortete Curio entspannt. Um ihn herum wurde das Gedränge enger, jetzt zum Ende der Marktzeit, kamen zu den Händlern an den Ständern noch Helfer mit Karren dazu, um die Waren an den Ständen abzubauen, zu verladen und in die jeweiligen Lager zu transportieren. Daher kam es um diese Uhrzeit regelmäßig zu Engstellen in der ganzen Stadt, da zugleich viele Menschen von ihrer Arbeit nach Hause strebten und so die teilweisen engen Gassen der Stadt komplett verstopften. In zukünftigen Zeiten würde man solch eine Situation wohl als Rush Hour bezeichnen, hier grade war es allerdings nur voll und eng und ein Vorankommen konnte nur langsam erfolgen. Curios Geduld konnte dadurch nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Bis zur Casa Helvetia war es nicht mal eine halbe Meile und die paar Minuten, die er dadurch verlor war bereits durch Acanthos in den Tagesplan eingefügt, sodass er vor dem nächsten Gesprächstermin in der Casa auch noch genug Zeit haben würde.
Wir sind hier immerhin die Provinzhauptstadt mit dem Sitz des Statthalters und zwei militärischen Einheiten. Da kommt so einiges zusammen aber...
Weiter kam der Helvetier nicht, als er sah, wie wenige Schritte vor ihm jemand auf Malleus zustürmte. Es entspannte sich ein Kampf und Chaos entstand um sie herum. Einwohner stoben beiseite, versuchten möglichst viel Abstand zwischen sich und die Kämpfenden zu bringen, schafften es aber nicht immer. Menschen in der Nähe wurden umgestoßen und krabbelten nur noch flüchtend beiseite, einer verfing sich mit seiner Kapuze in der Bronzeschnalle von Malleus und wurde ebenfalls zu Boden gerissen. Wie von selbst trat Acanthos an Curio heran und stellte sich schützen vor den Helvetier, für den Fall, dass der Angriff diesem galt und der Angreifer es doch irgendwie an Malleus vorbeischaffte - was nach dem gelungen Stich mit dem Gladius nun nicht mehr komplett ausgeschlossen war. Mit einer Handbewegung ergriff Curio den Arm Kaesos und zog ihn hinter sich.
Bleib hinter mir.
sagte der Helvetier bestimmt und betrachtete mit zusammengezogenen Augenbrauen den Kampf, der sich entfaltete. Dabei war ja vollkommen unklar gegen wen sich der Angriff richtete. Es konnte ja auch sein, dass er Malleus galt, dem seine privilegierte Stellung geneidet wurde oder jemand aus dessen Vergangenheit, der noch eine Rechnung mit dem Veteranen offenhatte. Ausschließen wollte der Helvetier das nicht. Und überhaupt stellte sich ja Frage, warum der Angreifer nicht sofort auf Curio losgestürmt war, sondern sich zuerst auf Malleus stürzte. Überraschungsangriffe mussten ja auch überraschend kommen, so hatte der Helvetier von dem alten Primus Pilus gelernt und für Curio war es nun tatsächlich keine Überraschung mehr, zumal Malleus ja auch der stärkere Gegner war. Es dauerte einen Augenblick bis ihm ein weiterer Gedanke kam, denn was war, wenn der Angriff auf Malleus nur ein Ablenkungsmanöver war und der eigentliche Angriff noch folgte?
Noch bevor er diesen Gedanken zu Ende hatte denken und den Schluss hatte ziehen können, dass sie doch wohl besser wieder in Bewegung blieben, traf ihn von hinten ein mächtiger Schlag am Kopf. Niemand der kleinen Gruppe hatte den zweiten Angreifer kommen sehen. In der Masse untergetaucht, das folgende Chaos und den Fokus der Gruppe auf den ersten Angreifer nutzend, hatte er sich mit einer Holzlatte von hinten angeschlichen, hatte Kaeso beiseitegestoßen und letztlich einen direkten Treffer setzen können. Curio bekam davon allerdings nicht mehr viel mit. Auch der Schlag selbst hatte sich nur durch einen kurzen, dumpfen Schmerz bemerkbar gemacht, bevor der Helvetier bewusstlos zu Boden sank und der zweite Angreifer auch schon das Weite suchte.
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Das CSB ist das CharakterSearchBoard. Da sammeln sich quasi alle Online-Foren-RPG-Interessierte und können nach neuen RPG-Foren und Charakterangeboten suchen.
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Die tepidaria hinter sich lassend ging es nun zum Bereich mit den sudatoria. Hiervon gab es in den hiesigen Thermen insgesamt drei Stück, die nun alle kurz von den Inspektoren begutachtet wurden. Dieses Mal war es Curio, der mal versuchte, die Augen offenzuhalten, um nach Fehlern, Schäden und Problemen der Räume achten wollte. Auch hier gab es vor allem Schäden an den Bänken, bei denen an den Sitzflächen und Rückenlehnen Macken und Absprünge zu sehen waren. Hier betonte der Balneator, dass die Ausbesserungen noch übernommen werden mussten, was Curio für sich notierte, da er damit bereits einen weiteren Punkt hatte, den er in eine Reparaturliste aufnehmen konnte, die er dem Ordo decurionum beizeiten vorlegen wollte. Auch hier ließ er sich wieder die genaue Funktionsweise der Räume erklären, denn hier wurde die heißer Wasserdampf hineingeleitet, was die Gäste zum Schwitzen animinierte. Wiederum war es allerdings der Mallier, der eine wichtige Frage aufwarf, an die Curio gar nicht gedacht hatte.
Wie sieht es mit der Isolation der Räume aus? Ist da alles noch in Ordnung?
Der Balneator druckste ein wenig rum, bevor er durch einen aufmunternden Blick des Helvetiers zum Reden animiniert wurde.
Mir wurde zuletzt häufig gesagt, dass im mittleren Raum die Temperatur schneller absinkt, als in den anderen beiden Räumen. Wenn die anderen beiden Räume nicht zu voll sind empfehlen wir den Gästen nur die anderen beiden zu nutzen.
Curio runzelte die Stirn. Offenbar gab es dort also ein paar undichte Stellen, doch wie waren diese ausfindig zu machen. Fragend blickte er zu dem Mallier hinüber, der die Frage zu antizipieren schien.
Es wird wohl nötig sein, dass wir nach kleineren Löchern in der Wand und der Decke suchen müssen. Das braucht natürlich Zeit, aber je schneller der Raum wieder nutzbar ist, desto weniger Wasserverbrauch und desto angenehmer für die Besucher.
Das war ja schon mal ein Plan und ein weiterer Aspekt, der auf der helvetischen Reparaturliste verzeichnet werden konnte. Schließlich mussten auch hier die Schäden beseitigt werden, sobald sie erstmal zum Vorschein kamen.
Als letzte Station im Innern der Thermen fuhren sie nun mit dem frigidarium fort. Ein großen Raum mit einem länglichen Becken. Curio wusste, dass man hier schwimmen konnte, wenn man nicht grade in den teils eiskalten und doch manchmal eher unberechenbaren Rhenus steigen wollte. Hier war alles in Ordnung. Das Wasser wurde nicht beheizt, ein Rundgang um das längliche Becken ergab keine Schäden und selbst der Mallier hatte hier keine Kritikpunkte anzubringen. Der Balneator wirkte nun erneut erleichtert und führte die Inspektoren nun hinaus auf die Palestra. Wegen der fortgeschrittenen Stunde ging ein frischer, aber nicht kalter Wind und Curio blickte sich um.
Wie steht es um die Ausstattung mit Sportgeräten?
fragte er nun seinerseits zu einem Thema, bei dem er sich deutlich besser auskannte, als bei dem Innenleben und der Technik der Thermen. Der Balneator zog daraufhin eine Tabula hervor und ging seine Liste durch.
Im großen und ganzen ist alles da. Ein paar neue Speere und Bälle könnten wir noch gebrauchen.
antwortete der Grieche und schon landete ein weiterer Punkt auf der Liste des Helvetiers. Speere und Bälle könnte er selbst anfertigen lassen und den Thermen spenden. Ähnlich wie mit der Ausstattund des Collegium Fabrorum war es hier möglich, eine öffentlichkeitswirksame Spende zu tätigen, von der alle Besucher der Thermen profitieren würden.
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Curio lächelte versonnen, als Kaeso ihm antwortete. Einerseits hatte der Helvetier das Glück gehabt, seinen Lebensweg selbst vorzuzeichnen. Es war nicht leicht gewesen und es hätte beinahe zm Bruch mit seinem Vater geführt. Natürlich ging er nun seinen Weg, unterstützt durch seine Frau, seine Familie - auch wenn er insgeheim noch ernsthaft daran zweifelte, dass sein Vater diesen Weg guthieß, denn eigentlich hatte er ja ebenso wie sein Vater und sein Bruder zum Militär gehen sollen. Es war nun nicht das erste Mal, dass der Aedil den Junngen hinter sich mit sich selbst verglich, ein tyrannischer, übergriffiger Vater, eine Flucht von zu Hause weg. Es waren sicherlich andere Vorzeichen, denn bei Kaeso herrschte ja der Gedanke vor, er habe seinen Vater umgebracht. Nicht, dass Curio in der Zeit zu Hause nicht daran gedacht hätte, aber umgesetzt hatte er es nicht, denn dafür hatte es ja auch letztlich keinen Grund gegeben.
Nun, Kaeso, Amtszeiten dauern nicht ewig. Sie gehen irgendwann vorbei. Natürlich kann ein Politiker entscheiden, mehrere Amtszeiten hintereinander zu absolvieren. Aber ich glaube, dass die regelmäßigen Wechsel unserem System guttun. Verschiedene Ideen, verschiedene Stile, verschiedene Charaktere. Sie geben unserem System stets neue... Dynamiken, denn irgendwann sieht man als Amtsträger auch den Wald vor läuter Bäumen nicht mehr und da tut es gut, den Blick abzuwenden und sich mit anderen Dingen beschäftigen zu können.
Es war ein ganz normaler Vorgang des politischen Systems des Römischen Reiches. Die gewählten Amtsträger blieben nicht für immer im Amt, sondern wurden regelmäßig ausgetauscht. Nur der Kaiser blieb als sorgender Vater des Reiches solange im Amt, bis Mors entschied, ihn den Weg alles Irdischen gehen zu lassen, natürlich nicht ohne die Option der Divinisierung, wenn er sein Amt gut ausgeübt hatte. Doch war dies die vielzitierte Ausnahme von der Regel, die diese wiederum nur bestätigte.
Was du mit deinem Leben anfangen möchtest, ist ja nun dir überlassen. Und ich kann jeden verstehen, der sich nicht in den großen Politikzirkus hineinwerfen möchte.
sprach Curio danach weiter, blickte sich zu ihm um und nickte ihm anerkennend zu. Er hatte sich tatsächlich gut gemacht in dem guten Jahr, in dem er in der Casa lebte.
Erst der kurze Ausruf seines Custos Corporis ließ den Helvetier kurz aufhorchen. Doch hatte er genug damit zu den, den bekannten Gesichtern in den sich mehr und mehr füllenden Straßen freundlich zuzunicken und den einen oder anderen Händler sogar mit einem kurzen Gruß zu versehen. Meistens waren es Lieferanten des Apollotempels oder Wahlkampfunterstützer, die ihn vor einem Jahr mit Waren unterstützt hatten. Auch wenn es hier keine längeren Gespräche mehr gab, denn dafür reichte die Zeit nicht, verdienten sie doch die Anerkennung eines kurzen Grußes, auch eine Angelegenheit, die Curio er hatte lernen müssen. Zum Glück hatte er Malleus, der seine Aufgabe mehr als nur zufriedenstellend erledigte und der nun auch dafür sorgte, dass es voranging, zwar nur langsam, aber immer hin blieben sie in Bewegung.
Gefällt dir denn die Arbeit in Alpinas Taberna Medica?
folgte danach noch eine Frage zu der bisherigen Tätigkeit Kaesos, denn natürlich wusste Curio, dass Alpina viel Zeit, Anstrengung und Herzblut in die Ausbildung des Jungen steckte. Vielleicht würde er daran ja auch weiterarbeiten wollen und selbst wenn nicht, war es doch Wissen, dass auf die eine oder andere Art und Weise noch hilfreich sein konnte. Was Kaeso auch immer mit seinem späteren Leben anstellen wollte.
Der angesprochene Acanthos wiederum hatte die Warnung von vorne natürich auch gehört. Seine Tabula eng an den Oberkörper gedrück, blickte er sich nun ebenfalls aufmerksam um, ohne jedoch den Überblick aufweisen zu können, den Malleus hatte. Nun war er aber auch kein geschulter Leibwächter und ebenfalls kein ehemaliger Militär sondern ehemaliger Tempelsklave und Schreiber. Die Qualität von Malleus würde er also ohnehin nicht erreichen und strebte auch nicht unbedingt danach, sie zu erreichen, hatte er doch schon als Ianitor in der Casa Atia nur ein unzureichendes Bild abgegebeb.
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Die Amtszeit ging auf die Zielgerade. Noch etwas mehr als eine Woche bis die neuen Magistrate der Stadt vereidigt wurden und solange musste der Helvetier auch noch seine Amtspflichten vollziehen. Allerdings standen keine großen Projekte mehr an. Die Entwürfe seiner Dekrete lagen dem Ordo Decurionum vor, würden aber wahrscheinlich mehrere Sitzungen benötigen, bis sie verabschiedet werden könnten. Dennoch wurden immer noch Briefe und Berichte, die an die Curia geschickt worden waren, an sein Haus weitergeleitet und landeten daher auch hier an seinem Schreibtisch um abgearbeitet zu werden. Da dafür tagsüber aber nicht viel Zeit blieb, denn Termine standen ja immer noch an, sodass die Korrespondenz immer auf den Abend oder den frühen Morgen verlegt wurden.
Neben Curio stand der leere Becher mit dem Sud gegen seine Kopfschmerzen und eigentlich erwartete er, dass Gwyn gleich wieder mit dem leichten Schlaftrank kommen würde, der ihm zumindest ein paar Stunden Schlaf in der Nacht verschaffte. Daher erwartete nun auch die Sklavin, als es an seiner Tür klopfte, was er mit einem kurzen
Herein.
antwortete und von der Tabula aufblickte, die er grade vor sich auf dem Tisch liegen hatte.
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| Gwyn
Gwyn schürzte kurz die Lippen. Eigentlich kannte sie sich ja mit solchen Sachen nicht aus, aber hier wusste sogar sie ein bisschen was.
Soweit ich weiß heißt sie Phryne, ist eine freigelassene Sklavin aus Rom und man sagt, dass sie sich nicht so gut mit dem Helvetius, der Duccia und Alpina versteht.
antwortete die Britin, stellte dabei den nun leeren Eimer an seinen Platz zurück und füllte einige Kannen mit Wasser, um sie im Laufe des Tages in die Zimmer der Einwohner zu bringen.