Es gefiel ihm nicht, wie die Coqua ihn nun betrachtete. Ganz so, als würde sie etwas ahnen. Am liebsten wäre es ihm gewesen, wenn er nun wieder gehen könne, doch das war wohl ein Ding der Unmöglichkeit. Dies stellte sie auch sogleich klar heraus. Sie bestimmte, wann er ging und wann nicht. Das, was dabei zusätzlich in ihrer Stimme mitschwang kam für ihn in diesem Moment fast einer Ohrfeige gleich. Seine Sinne strebten wieder hin zu dem warmen Wein. “Natürlich,“ gab er von sich und verharrte reglos, während er die Köchin anschaute. Ob alles in Ordnung war? Maahes zuckte mit den Schultern. “Es ist viel zu tun, Locusta. Wir alle hatten wenig Schlaf und sind erschöpft. Jedem geht es wohl….“ Doch dann, noch ehe er zuende geprochen hatte, kam eine Frage, mit der er zwar hätte rechnen müssen, die ihn aber ebenso schockierte. Roch er nach Alkohol? Einen winzigen Moment lang weiteten sich seine Augen. Wie konnte sie derartiges in den Ausdünstungen einer rotierenden Küche riechen? “Ich…,“ begann er. Doch dann schüttelte er den Kopf. “Ja!“, stellte er dann klar. “Es war nur ein Missgeschick. Ein Gast hat mir aus Versehen Wein über die Tunika geschüttet. Ich war unvorsichtig und hatte ihn angerempelt, als ich ihm einen gebratenen Gänsehals gebracht habe.“ Seine Miene blieb ernst, fast schon unbewegt. Fest sah er der Coqua in die Augen. Niemals würde er zugeben, dass er getrunken hatte!
Beiträge von Maahes
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Maahes blickte seinem Gegenüber entgegen. Dabei war er selbst erschrocken. Er hatte niemanden unter der Leiter vermutet und gedacht, er wäre ganz allein an diesem Ort. Doch selbst wenn nicht. Die Werkzeugkiste war nicht mit Absicht gefallen. Er hatte lediglich das Gleichgewicht verloren und sie war ihm entglitten. Weder Breda, noch seine Schulter, die noch immer schmerzte, konnten ihm wohl diesen Umstand verzeihen. Dabei war die Sklavin eine Person, die Maahes gerne betrachtete. Aus der Ferne wohlgemerkt. Dabei mochte sie vielleicht keine der klassichen, griechischen Schönheiten sein, doch sie war eine hübsche Frau, die sich stets zurückhaltend gab. Wie Clarissa vielleicht. Ganz anders als Aesara, welche bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Schenkel spreizte, um sich Gefälligkeiten und – wie sie meinte ‚Liebe‘ - zu erkaufen. Doch die Sklavin hätte ebenso gut tot sein können, was sie wohl auch zweifelsfrei realisierte. Ein Moment des Schweiges verstrich, doch dann meldete sich eine Stimme zu Wort. Der Maiordomus!
Maahes fuhr herum und zeitgleich rannte Breda davon. Während Phocylides sich umschaute und ihn dann ansah, kratzte sich Maahes betreten am Hinterkopf. “Das tut mir leid, Maiordomus!“, sagte er dann. “Ich kam aus dem Gleichgewicht und die Kiste ist mir von der Schulter gerutscht.“ Dann seufzte er und sah noch einmal in die Richtung, in die Breda verschwunden war. “Ich habe gemistet, neu eingestreut und das Dach abgedichtet,“ erklärte er dann, als er wieder auf den anderen Ägypter sah. “Doch ich fürchte, das Dach braucht an einigen Stellen neue Ziegel, damit es die Pferde des Senators gut haben.“ Vielleicht war das Wort ‚Senator‘ etwas auffällig betont, jedoch hatte er es dennoch leidlich respektvoll ausgesprochen. Der Schreck steckte ihm noch in den Knochen. Gemeinsam mit dem Schmerz von Rücken und Schulter, der Sehnsucht nach Wein und der Müdigkeit.
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Es war ein herrliches Gefühl, den Taumel des Alkohols in sich zu spüren, auch wenn wohl kein Außenstehender bermerken konnte, dass er sich bereits über die Schwelle der Trunkenheit begeben hatte. Seine Schritte waren fest und bestimmt, seine Haltung aufrecht und seine Worte – so die Götter wollten – wären rundum gerade heraus gesprochen. Als kräftiger Mann, der Wein gewohnt war, war der Wein, den er genossen hatte, eher ein Mittel seine Lebensgeister wieder aus ihrem Gefängnis zu lassen. Als er wieder in der Küche war, bemerkte er, dass Locusta ihn zu sprechen wünschte. Er nickte ihr zu und trat dann vor sie. “Locusta?“, fragte er dann. All der vorgespielten Ruhe zum Trotz schaute er nun ein wenig stutzig drein. Hatte er seine Arbeit falsche gemacht? Hatte ihn jemand im Tricilium gesehen? Das konnte er sich nicht vorstellen. “Ich muss gleich wieder hinaus in den Garten,“ sagte er dann in der Hoffnung diese Unterhaltung so kurz wie möglich zu halten.
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Während des Festes
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In der Culina angekommen, hatte er vergessen, dass irgendwo im Flur noch die abgestellten Speisen auf ihn warteten, die er in den Garten hätte bringen müssen, ehe er in den Keller gegangen war. Alexanders Worte standen noch immer in seinen Gedanken und in zynischer Manier äffte er sie nun – wenn auch stumm und nur in seinem Kopf – nach. Was für ein Hund der Cellarius doch war. Was für ein Schicksal ihn doch ereilt hatte. Wie mühevoll das Leben sich gestaltete und wie verdammt nötig er nun einen guten Schluck Wein hatte. Seine Füße und Beine schmerzten, sein Rücken ebenso. Am liebten hätte er laut losgebrüllt, doch wäre dies war ein sehr schlechter Impuls, den er wohlweislich unterdrückte. Clarissa trat ihm entgegen. Sie lächelte. Dann schob sie ihm eine große Platte mit kunstvoll geschnittenem Gemüse hin.
“Beeil dich!“, teilte sie ihm mit und richtete dabei ihr Tuch, das sie um den Kopf trug. Maahes nickte wortlos und griff nach dem Tablett. “Oh, ehe ich es vergesse!“ Sie wandte sich zu einem anderen der Tische, nahm einen großen, bauchigen Krug und stellte diesen vor ihn hin. “Warmer Wein für die kandierten Früchte!“, sagte sie. “Einfach immer etwas dazu schütten.“In der Küche hatte man soetwas wie eine Bowle bereitet, in der sich haufenweise süßes Obst tummelte. Man sagte dem Getränk nach, dass es besonders berauschte, ob seiner Süße. Maahes griff nun auch nach dem bauchigen Gefäß und lächelte nun seinerseits Clarissa an. Nicht viel Zeit für warme Worte. Irgendwer klatsche lautstark in die Hände und trieb die Küchenmannschaft zur Arbeit an. Es war Locusta. Maahes drehte sich um und ging mit seiner Ladung bewaffnet zur Tür. Ohne sich noch einmal umzudrehen ging er hindurch, trat in den Flur und bog nach links ab. Dort ging es nicht in den Garten, sondern in Richtung Triclinium. Niemand war hier, da die Gästeschar sich im Garten tummelte. Der Ägypter stellte die Gemüseplatte ab und stierte in den Weinkrug. Köstliches Aroma stieg ihm in die Nase, als sei dieser eine Gunst der Götter. Dann lauschte er noch einmal, ob er Schritte vernahm, was aber nicht der Fall war. Dann kostete er das göttliche Getränk und spürte, wie sich eine tiefe Befriedungung durch seine Adern wühlte. Bei einigen Schlucken blieb es dabei nicht und da er schnell handelte, geschah es auch ebenso schnell, dass der Rausch auch seinen Kopf erreichte, der schier zu glühen beginnen wollte. Nach einigen langen Minuten war der Wein in seinem Inneren und das Gefäß zur Gänze erschöpft. Maahes machte sich auf den Weg, wohl bemerkend, dass er beschwingt und geradezu schwebend nun auf den Garten zuhielt, um seine Fracht loszuwerden. Die Platte versteht sich. Die mit dem Gemüse. Kaum hatte er dies erledigt ging er zurück in die Küche, um zu verkünden, dass die Bowle neue Frucht und neuen Wein brauchte. Und nicht nur die Bowle brauchte dies alles!
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Während er sich noch entfernte, hörte er die Stimme des Cellarius hinter sich und er nickte noch ihm Gehen, als Zeichen, dass er verstanden hatte. Ein weiteres Wort allerdings gönnte er Alexander nicht mehr. In den Unterkünften angekommen eilte er sich, die Treppe wieder nach oben zu nehmen, was besonders schnell vonstatten ging, da er nun recht wütend war. Warum genau vermochte er nicht zu sagen. Wahrscheinlich die Müdigkeit, die Tatsache, dass hier nichts so lief wie bei Iunius Seneca, Aesaras Sticheleien und das Bewusstsein, noch immer für Clarissas Wohl verantwortlich zu sein. Hinzu kam gerade heute noch das Fest und die Tatsache, schon seit Ewigkeiten in dessen Rahmen auf den Beinen zu sein. Weitere Stunden würden ihm bevorstehen und in seinen Eigeweiden wühlte der Wunsch nach Wein nun so sehr, dass er sich bereits einen ganzen Becher voll imaginierte. Einen Becher, den er zum Munde führen und hinunterstürzen konnte.
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Bald schon hatte er eine Leiter auftreiben können und mit dieser einige Holzplanken, die dem Dach erst einmal über das Schlimmste hinweg helfen würden. Etwas umständlich war er dann hinaufgestiegen und hatte sich daran gemacht, unter stetigem Hämmern und Klopfen die lückenhaften Stellen provisorisch zu verschließen. Er war kein Dachdecker und handwerkliches Geschick war etwas, was ihn niemand gelehrt hatte. In seinen Genen schien es auch nicht zu stecken, doch letzten Endes verriet ein Blick, dass es nun zumindest nicht mehr so leicht in den Pferdestall hineinregnen würde. Ob der Senator Centho damit zufrieden sein würde, beziehungsweise dessen Pferde, würde sich noch herausstellen. Ein weiterer Blick gen Himmel bezeugte, dass es schon Nachmittag war und es würde wohl nicht mehr lange dauern, bis der Maiordomus zu einer Bestandsaufnahme seiner vollbrachten Arbeit vorbeikommen würde. Maahes raffte die Arbeitsutensielien zusammen, steckte sie zurück in die Kiste und schleppte sie zum Dachvorsprung, an welchem die Leiter stand.
Auf diese begab er sich nun, indem er sich rückwärts daraufschob und Tritt um Tritt nach unten wagte. Die Kiste versuchte er dabei zu schultern, was ihm allerdings nicht so gelang, wie er es sich gewünscht hätte. Mitsamt der Kiste schwankte er nach hinten und hatte nun die Wahl entweder die Regenrinne, an die er sich gekrallt hatte, loszulassen oder wahlweise das Werkzeug, welches Schuld an seinem Schwanken gewesen war. Maahes ließ unter einem Fluchen die Kiste entgleiten, welche auch sogleich mit einem Krachen und Scheppern auf dem Boden aufkam. Dann fand er schnell wieder einen sicheren Halt und schaute über seine Schulter hinweg nach unten, wo ihm nun klar wurde, welch gefährliche Angelegenheit dies gewesen war. Nur einige Zentimeter weiter nach rechts und die Kiste wäre direkt auf Bredas Schädel gelandet, welche nun unter ihm stand und zu ihm hinauf schaute. “Entschuldige!“, rief er ihr augenblicklich zu und eilite sich, die Leiter hinab zu steigen. Vor der Sklavin blieb er stehen und schaute sie besorgt an. “Bist du verletzt?“, wollte er dann wissen. “Ich habe niemanden unter der Leiter vermutet!“ Erneut klangen seine Worte entschuldigend.
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Hatte er sich eben gerade noch Hoffnungen gemacht, dass es Alexander erfreuen würde, wenn der Wein und somit seine Arbeit Anklang fand? Wie gut, dass er sich nicht in diese Vorstellung hinein gesteigert hatte! Dies zumindest waren Maahes erste, ironische Gedanken, als der Cellarius nun um die Ecke gestiefelt kam und die einzige Laune vor sich herschob, zu der er wohl imstande war. Er knurrte auch gleich los, dass das sein Ansinnen eine Nichtigkeit wäre, wüsste nicht, von welchem Wein die Rede wäre und den ‚hohen Herrn‘ gingen die Bezugsquellen nichts an. Nun war es an dem Ägypter finster dreinzuschauen und der Drang nach einem Becher Falerner, Massiker oder anderem genießbaren Rebsaft wurde übermächtig. Einst war er der Maiordomus eines guten, einflussreichen Hauses gewesen und nun musste er sich von einem übellaunigen Hund anknurren lassen. Dennoch wusste er in der Tat nicht, welcher der Weine genau gemeint gewesen war und alles was er jetzt würde aussprechen können, waren Vermutungen darüber. “Entschuldige, Alexander!“ sagte er dann. “Ich habe lediglich dem Wunsch eines Gastes nachgegeben.“ Was hätte er auch sonst tun sollen. “Ich weiß nicht, von welchem er gekostet hat, doch wenn du meinst, dann werde ich zurück gehen und ihm mitteilen, dass du nicht gewillt bist, das große Geheimnis der Herkunft zu verraten.“ Seine Stimme hatte inzwischen einen recht verächtlichen Unterton angenommen, auch wenn dies ein Spiel war, was durchaus gefährlich werden konnte. Doch war es ein Spiel? Für Maahes sicherlich nicht. Erst recht für Clarissa, die verzweifelt sein würde, wenn er einen Fehler beging und des Hauses verwiesen werden würde. Trotzdem war er es jetzt schon leid. Der Tag war anstrengend für alle und man würde ihn schon bald auf dem Pendelweg zwischen Culina und Garten vermissen. “Ich danke für deine Hilfe!“, erklärte er dann, verneigte sich steif vor Alexander und machte auf dem Absatz kehrt.
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Noch konnte er nicht vernehmen, dass sich neben ihm im Keller noch jemand aufhielt. Vielleicht war das auch kein Wunder, denn im Grunde war ein jeder Sklave für das Fest auf den Beinen, was den Cellarius wohl keineswegs ausschließen würde. Seine Blicke allerdings ruhten noch immer auf dem Fass, in welches man die Inschrift ‚Falerner‘ eingegraben hatte. Erneut wallte in Maahes beim Lesen ein unbändiges Verlangen nach diesem edlen Rebsaft auf und er musste tief durchatmen, um dieses Verlangen einmal mehr beiseite zu schieben. In der letzten Zeit hatte er sich diesbezüglich mehr oder weniger wie ein Fisch auf dem Trocknen gefühlt, wobei Aesaras Sticheleien ihm auch noch ungemein zusetzten. Er brauchte dringend einen guten Tropfen, doch auch wenn er nun direkt an der Quelle war, war sie doch elend weit entfernt.
Dann allerdings hörte er doch den Ruf von Alexander, der so fröhlich und freundlich erschien wie immer. Unter dieser Ironie in seinen Gedanken, fuhr er herum und schaute dem Mann entgegen, der nun eilig auf ihn zukam. “Entschuldige, Alexander,“ sagte er dann schnell und wich vorsichtshalber einen Schritt vom Falerner zurück. “Ein Gast hat großen Gefallen an dem Wein gefunden, den wir ausschenken und er forderte mich auf, ihm zu sagen, von welchem Gut der Wein stammt, doch das konnte ich ihm leider nicht sagen. Nun soll ich nachfragen und ihm dann Bescheid geben.“ So stolz wie Alexander auf seine Aufgabe und den Inhalt ‚seines‘ Kellergewölbes war, so sehr würde es ihn sicher freuen, dass jemand hoch entzückt über die Qualität desselben war. Doch bei Alexander konnte man nie wissen.
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Ein weiteres Mal war Maahes in die Küche gehastet, wo man ihm bereits einige weitere Tabletts mit allerlei Köstlichkeiten entgegen schob, doch dieses Mal nahm er nicht sogleich zur Hand, um zurück in den Garten zu laufen.
“Ich muss zum Cellarius,“ sagte er in Richtung Clarissa, die ihn flüchtig anschaute, während sie jede Menge Rettich schnitt.
“Warum?“, fragte sie, während sie das Gemüse nun in Würfel zerlegte.
“Weil…,“ setzte Maahes an, ehe Locusta die Coqua dazu trat und sie ermahnte nicht zu reden, sondern die Arbeit zu erledigen. Maahes schenkte der germanischen Sklavin noch einen schnellen Blick, fasste nach den Speisen und entfernte sich schleunigst wieder aus der Küche. Doch es war klar, dass das Hin-und Her zwischen Hortus und Culina eine wahre Sisyphus-Arbeit bedeutete er wohl kaum die Chance bekommen würde in den Keller hinab zu steigen. Es sei denn, er nahm sich eine Ausszeit. In den Gängen schaute er sich noch einmal um, ob ihn jemand beobachtete und stellte dann das Essen einfach auf einer der Bänke ab. Er würde ja gleich wiederkommen und wenn er Glück hatte, wäre die Information, die der römische Gast haben wollte schnell beschafft.Unter diesen Gedanken ging er rasch in das Untergeschoss, wobei er mehrere Treppenstufen auf einmal nahm und sich zum Weinkeller begab. Dort öffnete er die schwere Tür und trat in das Reich, in welchem Alexander sein Unwesen trieb. Hier war es im Gegensatz zum Garten sehr kühl und der typische Geruch reifenden Weines stieg ihm verlockend in die Nase. Ein paar Schritte ging er noch, ehe er vernehmlich den Namen des Cellarius rief. “Alexander?“ Maahes schaute sich weiter um und trat zu einem der alten Weinfässer, um die Beschriftung zu studieren. Dabei runzelte er die Stirn. Wie gerne würde er einen Becher davon kosten. “Alexander?“, rief er dann noch einmal, wobei er aber allerdings nicht die Augen von dem Fass nahm.
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Clarissas Augen hatte vor Freude geleuchtet, als Maahes ihr erzählt hatte, dass die Rosinen-Honigsauce, welche sie in der Culina eingeführt hatte, einen sehr guten Absatz fand, weil diese offenbar den Gästen sehr mundete. Doch viel Zeit zum Reden war natürlich nicht geblieben. In der Küche brummte und summte es, als wäre ein Schwarm Bienen unterwegs. Clarissa hatte sich ein Tuch um den Kopf gebunden und ihre Haare zusammen geflochten. Die Öfen brannten und man hetzte hin und her, um all die Leckereien herzustellen. Auch war es so warm, wie in einem Vulkan. Mit einer neuen, großen Servierplatte voller Gänsehälse in einen Hand und mit einem großen, verzierten Topf gefüllt mit Sauce eilte Maahes dann wieder hinaus in den Garten, um die Speisen dem Buffet hinzuzufügen. Auch ihm blieb mittlerweile der Schweiß nicht gänzlich fern, doch würde die Feier wohl noch mehr davon zutage fördern.
Vor dem Buffet entdeckte er einen Römer, neben dem ein Sklave mit einer kleinen Tabula stand und es machte den Anschein, als würden sie gemeinsam das Essen eher studieren wollen, anstatt es zu genießen. Doch Maahes achtete nicht weiter darauf. Gerade wollte er sich wieder auf den Weg zurück in die Küche machen, als es in der Nähe schepperte. Ein Teller war zu Boden gegangen, da die Herrin Phoebe mit jemanden zusammen gestoßen war. Gleich darauf hörte er sich auch schon herbei gerufen. “Natürlich, Herrin,“ sagte er dann rasch, bevor er sich nieder hockte und Teller und abgängige Speisen einsammelte, welche er auf einem leeren Tablett unterbrachte, um sie gleich mit in die Küche zu nehmen. Dabei entdeckte er, dass auch der adrett gekleidete Römer etwas abbekommen hatte, denn es prangte ein großer Fleck auf dessen Toga, der er sich nun entledigte. Ein weiterer Sklave war herbei geeilt und nahm sie ihm ab. Maahes richtete sich nun wieder auf und entdeckte die Schamesröte wegen des Vorfalles im Gesicht der jungen Frau. Vielleicht war es nur ein sehr, sehr dummer gedanke, doch gerade diese Röte machte sie noch ansehenlicher als sonst in seinen Augen. Schon bei der ersten Cena hatte er festgestellt, wie hübsch die iulischen Damen waren. Dann wendete sich ohne ein weitres Wort ab, um nun endgültig wieder in der Küche zu verschwinden.
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Den Weg zu den verwaisten Ställen hatte er gefunden und auch sogleich festgestellt, dass diese größer waren als er zunächst befürchtet hatte. Überall lag noch das alte Stroh und es roch muffig nach Pferdedung und alten Halmen, die vor sich hin gärten. Bei einem kleinen Rundgang, ehe er mit der Arbeit begonnen hatte, hatte er festgestellt, dass auch eine Stelle im Dach undicht war, durch die es bei Regen unschön herein nässte. Das zumindest erklärte wohl auch den modrigen Geruch des alten Strohs. Es war noch am Vormittag gewesen, als er sich mit der Mistgabel über die Überbleibsel der Pferde und ihrer Betten hergemacht hatte. Fuhre um Fuhre hatte er auf den Mist gekarrt, bis er meinte, dass sein Rücken schier durchbrechen würde. Auch wenn es vielleicht für einen Sklaven eine sodnerbare Sache war, so war er doch schwere körperliche Arbeit nicht mehr gewohnt. Bei seinem alten Herrn hatte er eine solche nicht verrichten müssen und auch ansonsten war es ihm erspart geblieben, was seine Aufgabe nun nicht leichter machte. Dennoch bewältige er sie, wenn auch bisweilen unter einem schmerzverzerrten Gesicht, da vom morgen noch immer seine Schulter ihm einige Probleme bereitete. Immer wieder hatte inne gehalten, um diese so gut es ging zu massieren, doch dann, irgendwann hatte er das Gröbste geschafft und konnte mit dem Besen zu Werke gehen, um die Reste aus den Boxen zu kehren.
Dann machte er sich auf den Weg, um neue Einstreu heranzuschaffen. Diese verteilte er gewissenhaft, sodass wohl niemand einen Makel an seiner Arbeit finden konnte. Auch wenn dies der leichtere Teil der Arbeit war, so verging dennoch wohl über eine weitere Stunde, bis er alles zu seiner eigenen Zufriedenheit bewältigt hatte. Sein Blick schweifte dann hinauf zum Dach, in welchem sonnendurchschinenen Ritzen deutlich machten, dass es noch mehr zu tun gab. Zwar hatte Phocylides nichts von dem Dach gesagt, doch hatte er wohlweislich schon das Werkzeug mitgebracht. Maahes seufzte schwer und setzte sich ein Moment auf einem Schemel, der im Stall in der Ecke stand. Seine Hand ging zu seiner Schulter, um diese neuerlich ein wenig entspannen zu können. Dabei hingen seine Blicke unter dem Dach, während er überlegte, wie es am besten anzustellen sei, diese Stellen zu reaparieren. Auch hatte hatte er gesehen, dass die Stallwände neu gekalkt werden mussten, doch dies würde er niemandem mitteilen, da er nicht gewillt war, dies an diesem Tag auch noch erledigen zu müssen. Außerdem vermeldete etwas in ihm, dass er sich einmal mehr nach Wein sehnte und so es diesen nicht gäbe, dann eben nach Wasser. Er hatte Durst, und so wie sein Magen knurrte inzwischen auch Hunger. Doch was nützte es schon, dass er am liebsten alles hingeschmissen hätte. Inwzischen roch er so unangenehm nach den Ausdrünstungen des Stalls. Clarissa zuliebe würde er nun auch noch auf das Dach steigen. Unter einem Ächzten erhob er sich und machte sich auf Weg, eine Leiter und geeignetes Stopfmaterial zu suchen.
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Maahes war schon früh auf den Beinen gewesen, denn eine Lieferung für das große Fest angestanden. Dabei hatte es sich einmal mehr um Wein gehandelt, dessen Behältnisse in Form von Fässern und Amphoren in das Kellergewölbe gebracht werden mussten. Eine Tat, die er gemeinsam mit anderen noch während der Dunkelheit und bei Fackelschein vollbracht hatte, da die Fahrzeiten für die Karren auf Roms Straßen auf diese Zeit begrenzt waren. Mit schmerzenden Schultern und erschöpft hatte er sich dann nach dem Frühstück wieder in die Sklavenunterkunft begeben, wo er Clarissa für den Tag noch einmal Mut zugesprochen hatte. Nun gab es nichts mehr zu tun und er hatte sich müde und zerschlagen auf das Bett fallen lassen und war nach einigen Minuten in einen leichten Schlaft hinüber gedämmert. Wie lange dieser gewährt hatte vermochte er nicht zu sagen. Sein Leib allerdings teilte ihm mit, dass die Spanne viel zu kurz gewesen war, als er von der Stimme des Maiordomus geweckt wurde. Maahes kniff noch einmal die Augen zusammen und wischte sich dann mit Zeigefinger und Daumenkuppe darüber, ehe er sie öffnete und Phocylides entgegen blinzelte. Offenbar sprach dieser gerade von einer neuen Aufgabe, die etwas mit den Pferden des Senators zu hatte, die bald eintreffen sollten.
Die Ställe? Er war noch so verschlafen, dass er nicht recht verstand, doch er richtete sich auf und brauchte seine Füße von der Liegestatt herunter, ehe er nun dem Maiordomus entgegen sah. Renovieren, ausmisten und neu einstreuen. Erst jetzt fiel sein Blick auf die mitgebrachten Werkzeuge, die Phocylides vor seinem Bett drappierte. Wenn er alles recht verstanden hatte, so sollte er nun neuerlich an die Arbeit gehen. Allein, wenn er das alles richtig gedeutet hatte, wobei er auch für etwaige Botschaften des Dominius zur Verfügung zu stehen hatte. Maahes nickte und seufzte dann, ehe er sich erhob. Noch immer schmerzte sein Kreuz, doch kam es wohl nicht infrage sich über die neue Weisung zu beschweren. Zeit hatte er bis zum Nachmittag, wofür ihm der Maiordomus ein gutes Gelingen wünschte. “Danke, Maiordomus,“ sagte Maahes, wobei er selbst bemerkte, wie verschlafen er noch klang. Doch alles half wohl nichts. Phocylides verschwand aus der Unterkunft und er selbst bückte sich nach den Gerätschaften, um sie einen Moment zu betrachten. Eine Ahnung wo die verdammten Ställe waren hatte er nicht und er wusste auch nicht, wie groß diese waren. Wahrscheinlich lag ein weiteres Mal ein gutes Stück Arbeit vor ihm. Während er sich auf den Weg machte, sehnte er sich nach einem Krug Wein, doch bisher war einer solcher keineswegs ins Aussicht, was ihm dann und wanndoch arg zu schaffen machte.
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Auf dem Rückweg von der Casa Decima Mercator, hatte er einen Weg gewählt, der ihn nicht allzu schnell wieder in die Domus Iulia bringen sollte. Auf eine gewisse Weise tat es gut auf diese Art den Ereignissen des Tages ein wenig zu entkommen, denn eine innere Stimme sagte ihm, dass die kommenden Stunden noch einiges in Petto hatten. Dennoch war er froh für die flüchtige Freiheit in den Straßen und Gassen, denn immerhin war er am Morgen erst in Ketten verkauft worden und mit einem derartigen Glück hatte er gar nicht gerechnet. Sein Weg führte in der Tat auch noch einmal am Sklavenmakrt vorbei, wo es nun andere waren, die auf den Podesten standen und angepriesen wurden wie warmes Brot. Doch er hielt sich nich auf, um weiter über das Schicksal nachzudenken. In einer Seitengasse machte er an einem Brunnen halt, um sich satt zu trinken und einen Augenblick zu verweilen. Gegenüber war eine Taverne, aus der einige Gäste gewankt kamen. In ihren Armen hielten sie billige Frauen, welche wohl ihr Leben damit verdingten, eben solchen Männern Gefälligkeiten zu erweisen. Dabei konnte er nicht anders als sich zu wünschen einer von diesen Glückseligen zu sein, die weinschwer und mit Aussicht auf mehr nun in den Tag hinein taumelten. Wie viel hätte er für nur einen Becher Wein gegeben!
Doch half nichts, sich in Träumen zu ergehen und es wäre besser, wenn nicht allzu lange von der Domus Iulia fort blieb. Clarissa zuliebe wollte er tun, was immer verlangt wurde und es machte keinen guten Eindruck, wenn man ihm nachsagen konnte, er wäre für nur einen einzigen Brief stundenlang unterwegs gewesen. Mit nichts wäre dies zu rechtfertigen, zumal er sich mittlerweile in der Stadt auskannte.
Auf dem Weg zum Domus ließ er sich nun also keine Zeit mehr und er schlüpfte schließlich durch den Seiteneingang wieder hinein, wobei er nun nicht recht wusste, ob er sich bei irgendjemandem zurückzumelden hatte. Aus dieser Unsicherheit heraus unterließ er es schließlich und machte sich auf den Weg in das Untergeschoss zu den Unterkünften. Dort würde er vielleicht an Phocylides Officiumstüre klopfen und einfach nachfragen. Unten angelangt entschloss er sich aber, zunächst den Schlafraum aufzusuchen, in der Hoffnung auf Clarissa zu treffen. Diese war tatsächlich schon aus der Culina zurück und saß nun tatenlos auf dem Bett, wobei sie die Arme um ihnen Leib geschlungen hatte. Maahes kannte diese Geste, die nichts anderes bedeutete, als dass sie sich einsam und unsicher fühlte.“Ich bin jetzt da!“, sagte er sanft und lächelte, als Clarissa augenblicklich aufschaute, als sie seine Stimme vernahm.
“Maahes!“, sagte sie freudig und löste ihre Arme vor der Brust.
Sie stand auf und kam auf ihn zugelaufen, als hätte sie ihn seit Jahren nicht gesehen. Maahes breitete seine Arme aus und ließ es zu, dass sie ihren Kopf an seine Brust bettete und ihn umschlang.
“Wo warst du?“, wollte sie dann wissen. “Musstest du schwer arbeiten?“ Sie hob ihre Blicke und schaute schon fast mitleidig drein.
“Ich war in der Stadt und habe einen Brief vom Dominus überbracht,“ sagte Maahes ruhig und ging mitsamt Clarissa, die ihm nun folgte, zu ihren Nischen hinüber.
“Dann hat er also doch Verwendung für deine Dienste?“ Sie klang sehr hoffnungsvoll, doch Maahes zuckte bloß mit den Schultern.
“Erzähl mir von der Küche!“, forderte er dann etwas gequält lächelnd und es freute ihn, dass Clarissas sich nun eindeutig erhellte.
Gemeinsam setzten sie sich auf eine Liege.
“Die Coqua heißt Locusta und sie ist schon sehr alt, weißt du. Sie kann nicht mehr gut sehen und braucht wirklich Hilfe.“ Clarissa nickte zu ihren Worten. “Ich habe ein Brot gebacken und durfte die Rosinen-Honigsauce zubereiten. Du weißt schon, die der alte Dominus so gern mochte.“
“Das ist schön.“
Clarissa sah ihn nun einen Moment an und ihr Lächeln verebbte plötzlich.
“Ich glaube der neue Dominus ist gar nicht so schrecklich,“ sagte sie leise, fast tröstend. “Er nascht auch gerne.“
Maahes schnaubte auf. Dass der Römer gerne naschte, davon hatte Aesara ihm ja ausgiebig berichtet. ‚Wie ein Stier‘. Es hallte ihm jetzt noch in den Ohren nach. Doch von seinen niederen Gedanken wollte er Clarissa nichts wissen lassen. Es war gut, dass sie nach und nach Zutrauen fasste, auch wenn er hoffte, dass es niemals die kleine Germanin sein würde, die der Herr sich in sein Bett zog. Clarissa würde es nur ängstigen und sie wieder in die Abgründe werfen. Selbst jetzt noch hatte sie bisweilen Albträume.
“So, so, ein Süßer also?“, hakte er dann scherzhaft nach, auch wenn ihm in keiner Weise nach Scherzen war. Doch immerhin brachte es Clarissa dazu leise zu kichern. “Ich hoffe er mag die Sauce. Rosinen scheint er immerhin zu mögen.“
“Er wird sie so lieben, wie ich!“, versprach der Ägypter dann.
Ein Moment des Schweigens verging, ehe Clarissa neuerlich vertraut die Arme um ihn legte. “Er darf dich nicht verkaufen, Maahes,“ sprach sie dann ihre Sorge aus. “Versprich mir, dass du da bleibst!“
Maahes besah sich den Boden vor dem Bett und seufzte neuerlich schwer.
“Ich tue was ich kann, Clarissa!“, sagte der schließlich und legte ihr den Arm und die Schulter. So bleiben sie noch eine Weile sitzen. -
Als Maahes sich umschaute fiel sein Blick auf seinen Dominus, der die Hand hob und ihn herbei winkte. Maahes setzte die Karaffe mit dem Wein ab, welche er in der Hand hielt und navigierte sich sogleich unauffällig zwischen der Gästeschar hindurch, um in Erfahrung zu bringen, was sein Herr wünschte.
Während dieser sprach schaute er flüchtig auf das Tablett, wo sich nur noch wenige Speisen tummelten. Gänsehälse wurden als Nachschub gewünscht, ebenso wie Clarissas Rosinen-Honigsauce. Sie hatte ihm bereits davon erzählt, als er mit ihr gesprochen hatte und er freute sich für sie, dass diese Speise gut angekommen war. Mit gesenktem Haupt hatte er also zugehört, ehe er sich leicht verneigte und seinem Herrn ein: “Wie du wünschst, Dominus. Sofort!“ entgegenbrachte. Er griff nach dem Tablett und der Schüssel und machte sich eilig auf den Weg in die Culina, um das Gewünschte zu holen. -
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Schweigend sah Clarissa dabei zu, wie der Dominus die Töpfe inspizierte und Locusta ihm von der Rosinen-Honigsauce erzählte. Etwas erstaunt war sie, dass die alte Frau es wagte, den jungen Herrn zu tadeln, weil er sich ein paar Rosinen genommen hatte. Offenbar meinte sie es wirklich ernst damit, dass man sich den Appetit verdarb, wenn man vor dem Essen naschte. Doch dass dies auch für den Römer galt und dass sie es wagte, diesen zu tadeln war für Clarissa neu. Auch Seneca hatte gerne gekostet, doch wäre Roxana nie auf die Idee gekommen, diesen dafür zurecht zu weisen. Und das auch noch mit Erfolg. Als sie selbst angesprochen wurde, nickte sie stumm und sah dann zu der Köchin, die nun sagen sollte, ob sie eine gute Hilfe gewesen war.
Als Locusta dann von der Sauce berichtete, die sie gemacht hatte, lächelte Clarissa leicht, doch viel Zeit blieb ihr nicht. Immerhin wurde sie nun in den Garten geschickt. Wieder nickte sie rasch und wollte sich auf den Weg machen, vorbei am Dominus, als dieser sie doch noch einmal ansprach. Es blieb nur zu hoffen, dass er die Sauce wirklich mochte. Ein langes Stelldichein gab er jedoch nicht, sondern er verließ die Culina wieder, wobei Clarissa ihm nun mit schnellen Schritten und gesenktem Haupt folgte, nur um sich dann in den Gang zu begeben, von dem sie meinte, er würde in den Garten führen.
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Clarissas Augen weiteten sich ein wenig, als Locusta ihr erklärte, dass es sich bei Aurora um einen Falken handelte. Natürlich hatte sie schon Falken gesehen, jedoch nicht aus nächster Nähe. Sie zögerte neuerlich kurz, doch dann nickte sie. Auch wenn es etwas Neues war, was sie nun tun würde, so fragte sie sich doch, ob ein Falke nicht auch etwas Gefährliches war. Zum Beispiel, wenn er mit dem Schnabel hackte, während sie ihre Hände nach dem Napf auf der Stange ausstreckte. Doch ihre Bedenken wollte sie nicht äußern. Gerade als sie sich schon fast umgedreht hatte, um zu gehen, hörte sie eine Stimme und fuhr wieder herum. Es war der Dominus, der sich bei der Köchin nach dem Essen erkundigte. Kurz schaute sie ihn an, blickte aber dann sogleich zu Boden, das Fleisch noch immer in der Hand haltend. Nun traute sie sich nicht mehr zu gehen. Vielleicht wäre es unhöflich dies zu tun, nun wo er erschienen war. Vielleicht wäre es aber auch vermessen, dem Auftrag nun nicht nachzukommen. Hin und her gerissen blieb sie einfach stehen und regte sich nicht.
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“Er hat drei Sklaven gekauft,“ sagte Clarissa nun wieder etwas zaghaft. “Maahes, Aesara und mich. Wir haben schon zusammen bei unserem alten Dominus gedient.“ Doch auf ihre Frage konnte wohl auch Locusta ihr keine Antwort geben. Oder doch?
Wo sollte denn die Gerechtigkeit liegen, wenn niemand von ihnen etwas angestellt hatte und es nur am mangelenden Interesse des Dominus lag. Clarissa betete innerlich zu den Göttern, dass es Maahes gerade gut erging und seine Aufgabe zur vollsten Zufriedenheit ausführte. Sie hoffte sehr, dass er sich wieder fangen würde und wieder zu seiner Kraft fand. Wenn nicht, mochte sie sich die Zukunft nicht mehr ausmalen.Locusta schaute nun wieder nach dem Braten und Clarissa brachte ihr die Schüssel mit der Sauce, damit diese über das Fleisch gegossen werden konnte. Nun war offenbar ihre eigene Aufgabe beendet, jedoch wohl nicht, bevor sich nicht das rohe Fleisch zu… Auroras Stange… gebracht hatte. Clarissa sah auf die Fleischbrocken, dann wieder zu der Coqua. “Verzeih‘ Locusta,“ sagte sie nun wieder unsicher. “Doch was ist Auroras Stange?“ Sie nahm behutsam das Fleisch an sich und wartete die Erklärung ab.
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Gemeinsam mit einigen anderen Sklaven hielt sich Maahes in der Nähe des Appollon-Schreines auf, der beinahe in einem Meer aus Blumen und Girlanden versank. Schließlich befand sich in dessen Nähe das Buffet und somit auch Maahes Aufgabe an diesem Tag. Er sollte bei diesem Fest für Nachschub sorgen und darauf achten, dass es den Gästen an nichts fehlte. Ständig waren die Sklaven dabei hin und her zu laufen und aus der Küche neue Köstlichkeiten herbei zu schaffen, sobald eine Platte, eine Schale oder ein Brett sich leerte. An diesem Ort duftete es köstlich und es war an nichts gespart worden. Nicht einmal an üppiger Blumenpracht zwischen den Spiesen. Er selbst war schon mehrfach zwischen Küche und Garten hin und her gependelt und hatte zweischendrin dafür gesorgt, dass die Weinbecher niemals leer wurden. Immer wieder hatte er sich in den sehr kurzen Pausen, in denen es möglich war, umgeschaut, ob er nicht vielleicht unter den Gästen einen Bekannten seines ehemaligen Herrn finden würde, doch war es eher unwahrscheinlich. Selbst wenn es ihm gelungen wäre, so hätte dies nichts an seiner Situation geändert.
In diesem Moment befüllte er er gerade eine große Platte mit Meeresfrüchten, die wohl reißenden Absatz fanden. Als ein Gast sich näherte, legte er diesem auf dem Teller, welcher ihm entgegen gehalten wurde auf. Dabei gab er sich Mühe genau das zu sein, was von ihm und den anderen Sklaven erwartet wurde: Nicht mehr und nicht weniger als ein dienstbarer Geist, der die Wünsche der Anwesenden vorher sah und aus dem übervollen Füllhorn all das ausschenkte, was gewünscht wurde.
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Clarissa schaute die alte Coqua nachdenklich an, während sie von dem jungen Dominus erzählte. Nach ihrer Aussage war dieser ein strebsamer Mann, der eines vorhatte, Senator zu werden. So wie wohl seine Verwandten auch. Natürlich konnte die junge Sklavin nicht beurteilen, ob Locusta die Wahrheit sagte, doch es war immerhin ihre Sicht der Dinge. Iulius Caesoninus sollte schlagfertig sein, witzig und nicht zuletzt wohl auch ein Mann, den den Frauen gerne mochten. Bei dieser Aussage zeigte sich eine leichte Röte auf Clarissas Wangen und sie schaute schnell zur Seite. Aesara hatte immerhin nichts gegen den neuen Dominus gehabt, doch konnte man Aesara auch sicher sein, dass sie gegen recht wenige Männer voreingenommen war. Ob er wirklich eine freundliche Seele war? Zu Maahes war er fürchterlich abweisend gewesen und auch sie selbst hatte er kaum angesehen. Wenn Aesara nicht gewesen wäre, wäre er auch gewiss an dem Stand des Sklavenhändlers vorbei gegangen. Wohl war auch er ein Mensch, der Frauen eben benötigte für all die Dinge, die Männer eben mit Frauen taten.
Doch von diesen Dingen wusste Clarissa nichts. Nichts bis auf das, was ihr in ihren Albträumen wieder und wieder erfuhr. Wie damals. Sie nickte, als Locusta ihn auch als Naschkatze bezeichnete, die gerne in die Küche kam. Würde er das wirklich? Fast wünschte sie sich, es wäre niemals so. Innerlich hatte sie sich fest vorgenommen, beim neuen Dominius so wenig wie möglich in Erscheinung zu treten, was ihrer Meinung nach am besten gewährleistet war, wenn sie ihre Aufgaben zu bester Zufriedenheit verrichtete und sich ansonsten arg zurückhielt. Doch das war im Hause des Iunius Seneca auch schon nicht anders gewesen und ihr Erfolg darin hatte ihr recht gegeben. Aud Maahes angesprochen atmete Clarissa tief ein. “Er ist der freundlichste Mann, den ich kenne!“, sagte sie dann. Jetzt, als sie seinen Namen sagte war es beinahe so, als würde er neben ihr stehen und ihr schützend die Hand um die Schultern legen. “Wir sind gemeinsam verkauft worden und nun sind wir hier,“ sagte sie mit nunmehr doch immer leiser werdender Stimme. “Der neue Dominius...ich meine der Dominus hat ihn nicht einmal angesehen und der Maiordomus hat gesagt, dass er ihn vielleicht wieder verkaufen wird. Oder es könnte.“ Sie ließ den Kopf hängen und sie merkte, wie ihr allein beim Gedanken daran die Tränen erneut in die Augen steigen wollten. “Dabei ist er der beste Mann der Welt.“ Er war ihr Freund, wie ihr Bruder, der ihr auch stets väterlich entgegen trat. Vielleicht, irgendwo in ihrem Inneren, liebte sie ihn auch einfach nur als einen Mann, von dem sie sich niemals getrennt wissen wollte. “Würde der Dominus Caesoninus soetwas tun?“, wollte sie dann wissen.
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Die Honigsauce, die Clarissa noch eifrig zusammenrührte, war nun dick genug, um als Bratensoße zu fungieren. Noch einmal fanden einige Gewürze und auch die Rosinen hinein, während die Coqua zu Bedenken gab, dass der Herr ein Brot als Schale wohl erschrecken würde. Nun nickte Clarissa stumm. Vielleicht war sie zu weit gegangen, doch hatte sie nur an die Vergangenheit gedacht. Ihr Dominus hatte diese Neuerung gerne ausprobiert, doch war der neue Dominus wohl ein anderer Typ Mensch. Nun fragte sich die junge Sklavin wie er wohl war. Immerhin hatte er auf dem Markt so seriös gewirkt, auch wenn er das Angebot des Händlers, Aesara an die Brust zu fassen, nur zu gerne angenommen hatte. Sie selbst hätte derartiges wohl nicht überstanden, denn allein der Anblick hatte sie in Panik versetzt. Auf einem Podest, vor allen Leuten und in aller Hilflosigkeit noch nackt und bloß war nicht, womit sie hatte umgehen können. Sie war froh, dass es nun vorbei war und dass es Aesara getroffen hatte als Gesellschafterin auserwählt worden zu sein.
Als sie fertig war mit dem Rühren, legte sie den Löffel beiste und sah Locusta wieder an. “Wie ist denn Dominus Caesoninus?“, fragte sie dann zaghaft. Tief im Inneren hegte sie nämlich noch immer die Befürchtung, dass vielleicht eines Tages auch sie in seine Räumlichkeiten bestellt wurde, denn auch eine Küche war kein Ort an dem man ewig verweilen konnte.
“Ich… kenne ihn ja nur vom Markt und der Maiordomus hat gesagt, dass er Maahes wieder hatte verkaufen wollen.“ Allein Letzteres wog so schwer, dass sie den neuen Dominus unmöglich auf Anhieb als sympathisch einschätzte.