Ich visiere das Vigintivirat an. Inwieweit dieses Wahlsystem mich betreffen würde, vermag ich jedoch nicht zu sagen.
Beiträge von Galeo Seius Ravilla
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Nicht unfreundlich wirkte dieser Senator, doch hätte er auch gleich einem Cerberus geifern können, wenn dies Ravillas Karriere nützte.
"Geboren ward ich in Cappadocia, wo meine Familie ihren Wohnsitz hat", begann Ravilla zu sprechen.
Einen Arm hielt er abgewinkelt, die Handfläche locker nach oben gekehrt, sodass seine Toga besonders schön fiel und wohldosierte Gesten seine Worte untermalen konnten. Ravilla hätte vor einem bis auf den letzten Platz gefüllten Amphitheater sprechen können, ohne dass auch nur eine Schweißperle sein Antlitz benetzte. Etwas schwieriger wurde es im vertraulichen Kreis. Was andere entspannte, ließ Ravilla fühlen, als würde sein überaus zartfühlendes Gesäß mit dem ganzen Körpergewicht auf glühende Kohlen gepresst ausharren müssen. Nicht so heute! Er musste sich zügeln, nicht allzu dick aufzutragen. Diese Senatoren waren gerissen.
"Im geeigneten Alter", zu einem Jüngling gereift, der mit einem Blick seiner dunklen Augen zahllose Jungfern in unheilbaren Liebeskummer stürzte und so manch geneigten Mann verzückte, dem der pubertäre Ravilla hinterrücks Grimassen schnitt, aber alle Geschenke annahm, "absolvierte ich meinen Militärdienst bei der Legio IX Hispana. Ich gedenke, nun ohne Umwege die höchsten Gipfel zu erklimmen, wenngleich der Weg dann steiler und härter wird. Ich fürchte keine Anstrengung, keinen Steinschlag und keine Wölfe auf meinem Pfad! Mein nächster Schritt ist das Vigintivirat. Doch ist dafür ein glanzvoller Patron vonnöten."
Sim-Off: Kleine inhaltliche Korrektur vorgenommen.
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"Ich möchte es sofort in Anspruch nehmen, zudem wünsche ich während des Bades Speisen und Getränke gereicht zu bekommen, anschließend massiert und gepflegt zu werden. Charislaus soll im Anschluss für mich leise singen und seinen Körper ruhig im Tanze wiegen gleich einem Baum im Wind, wenn ich mich zur Ruhe bette, um mein Gemüt zu entspannen, bis mir die Augen zugefallen sind und darüber hinaus."
Natürlich bürdete er diese Pflichten Charislaus auf und nicht dem zuvorkommenden Terpander, den er schon viele Jahre kannte und der ihn nie enttäuscht hatte. So sollte der alte Hellene denn auch wohlverdient seiner Nachtruhe frönen und Charislaus sollte im Schweiße seines Angesichts für seine Frechheit büßen.
"Wenn ich zu meiner Zufriedenheit versorgt wurde und selig schlafe, ist Charislaus hernach angehalten, sich um das Wohlergehen meines treuen Anaxis kümmern und diesen ebenso zu bewirten und wieder vorzeigbar herzurichten."
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"Ich werde mich bei deinem Herrn über dich beschweren!"
Verärgert ob der Wortwahl bezüglich seines Aussehens und der Drohungen schob Ravilla Anaxis, an dessen Arm er sich noch klammerte, so vor sich her, dass der Perser den unverschämten Rüpel beiseitedrängte, während Ravilla sich auf die Weise in die Casa Leonis zwängen konnte, ohne den Unverschämten berühren zu müssen. Kurz hinter dem Eingangsbereich blieben sie stehen, weil der Herr sich umzusehen wünschte. Argwöhnisch hielt Ravilla nach dem Hund ausschau, doch es war für den Moment weder ein solcher zu sehen noch akustisch zu vernehmen.
"Ich wünsche von Scato begrüßt zu werden", verlangte er, ohne sich um die frühe, fast noch nächtliche Stunde zu scheren.
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Das war erfreulich zügig vonstatten gegangen! Schwungvoll trat Ravilla vor den Senator, um ihn zu begrüßen. Eine gewisse Nervosität konnte er nicht verhehlen, doch die Freude überwog mit der Aussicht auf einen namhaften Patron (zumindest redete er sich eine gewisse Chance ein).
"Salve, Senator", tönte alsdann sein wohlklingender Bariton durch die divitischen Hallen. "Nah und fern rühmt man deine Taten und preist deinen Namen. So bin ich denn erschienen am heutigen Tag, nach strapaziöser Reise, um mich als dein Klient zu empfehlen!"
Wenn ihn schon sonst niemand empfahl, doch genau jenen verdrießlichen Umstand gedachte er mithilfe des Patrons ja zu ändern.
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Ravilla trank einen Schluck des hervorragenden Weins und pflückte eine Traube, hielt sie vorerst jedoch zwischen Daumen und Zeigefinger. Aquilius Severus ließ Worte verlauten, die dazu geeignet waren, seinem Gegenüber zu schmeicheln, um seinem Mund eine Antwort zu entlocken, ohne direkt danach zu fragen. Zu gern kam Ravilla dem Ersuchen nach Auskunft nach, da wäre eine Traube zwischen den Zähnen doch hinderlich gewesen. Eine interessante Persönlichkeit war Ravilla zweifelsohne, wenn man diesen selbst fragte, doch vielmehr dürfte den Augustus seine - noch schamvoll dünne - berufliche Biografie interessieren.
"Mein Antlitz in der Urbs aeterna zu zeigen, dafür ist es wahrlich an der Zeit!", so ließ er sein ehrgeiziges Trachten verlauten. "Wer nach den Sternen greift, sollte nach oben blicken, nicht wahr? Den Cursus honorum zu beschreiten, nichts Geringeres ist mein Ziel und nun, da ich den Militärdienst in Hispania abgeleistet habe, ist es an der Zeit, die nächsten Schritte zu wagen."
Sim-Off: Der edle Augustus darf Ravilla warten lassen, so lange es ihm beliebt.
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"Salve Ianitor, wohnt hier ein Sisenna Iunius Scato?", fragte Anaxis hoffnungsvoll, dessen schwarz umrandete Augen nach den Strapazen nunmehr den Eindruck von Veilchen erweckten und schwarze Bäche auf seine Wangen zogen. Nein, schön war der Perser längst nicht mehr anzusehen, doch zum Glück war es noch dunkel genug, so das niemandes Auge gekränkt wurde, der ihm nicht eine laterna ins Gesicht hielt. "Mein edler Herr, der vorzügliche Galeo Seius Ravilla, ist der Onkel des Genannten."
Der sehr erschöpfte und von der Erschöpfung verunzierte Onkel, der den fremden Sklaven mit müden Augen musterte. Dunkel war die Haut des Ianitors, das musste einer der afrikanischen Edelsklaven sein, die man über Ägypten beziehen konnte. Sündhaft teuer, besonders die ganz schwarzen Exemplare.
"Was hast du gekostet?", fügte er übergangslos den Worten des Anaxis hinzu.
Falls hier Scato wohnte, wollte Ravilla wissen, welch exquisite Sklaven dieser sich leisten konnte, wenn der Junge neuerdings schon ein eigenes Atriumhaus besaß. Dass man so gut bei den Cohortes Urbanae verdiente, konnte er sich nicht vorstellen ... doch wer wusste schon, welch verbotene Geschäfte sein Neffe nebenbei laufen hatte? Als guter Onkel würde Ravilla natürlich schweigen, doch die Neugier war ein schwer zu zähmendes Biest.
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Salutatio
Ravilla hatte sich nach den Ereignissen im geheimen Tempel des Pluto, die einhergegangen waren mit Stunden des nächtlichen Umherirrens und anschließend erforderlicher ausgiebiger Körperpflege, lange ausgeschlafen. Erholt und zurechtgemacht war er nun bereit, einen zweiten Versuch zu unternehmen, einen Patron für sich zu gewinnen. Die Reputation des Marcus Iulius Dives wirkte dazu geeignet, sich in dessen Glanz ausgiebig sonnen zu können. So verwunderte es wenig, dass Ravilla sich samt seinem orientalisch herausgeputzten Perser Anaxis bei diesem Senator zur Salutatio blicken ließ.
Beim Nomenclator, der das Prozedere der Anmeldung leitete, hatte Ravilla noch nicht viel der Taten zu rühmen und bei aller Arroganz war er doch kein Lügner. Er hoffte jedoch durch ein außerordentlich gewähltes Äußeres gleich einem aufsteigende Stern in den iulischen Hallen zu erstrahlen und einen der begehrten vorderen Plätze in der langen Reihe der Wartenden zu erwirken. Vestis virum reddit - Kleider machen den Mann. Die blütenweiße, nach erlesenem Parfum duftende Toga, mit Diamantstaub zum seidengleichen Glanz gebracht, das sorgfältig frisierte schwarze Haar, die gepflegten Hände und das teure Schuhwerk waren angedacht, die Absicht Wirklichkeit werden zu lassen, ebenso wie die gebleichten Zähne, die beim Sprechen in zwei tadellosen Reihen blitzten.
Sim-Off: Das Umgehen der Porta wurde dem Ravilla großzügig gestattet.
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<-- RE: Geheimer Tempel des Pluto
Als das Schwarz des Himmels am Horizont zu Grau verblasste, hallte das Klopfen des Anaxis durch die Stille. In der stockfinsteren Nacht Romas waren sie auf niemanden gestoßen, der den Weg zur Taverna Apicia kannte. So hatten sie stattdessen nach der Castra Praetoria gefragt und diese im Morgengrauen endlich erreicht. Da Ravillas Neffe dort stationiert war, hatte er Auskunft zu dessen zivilen Wohnsitz zu erhalten. Den Göttern sei Dank lag die Casa Leonis in der Nähe der Castra. Ravilla war zu Tode erschöpft, verschwitzt und seine Füße und seine Toga voller Subura-Schlamm. Er flehte hinauf zu den Unsterblichen, dass man ihn einlassen würde. Körperlich war er durchaus belastbar, doch genug war genug.
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Und als die Wolken sich draußen vor das Antlitz des Mondes schoben, ward es auch im Innern des Tempels finster wie in einem Grab. Woher diese Schwärze, woher so viel Nacht? Das Licht der Fackeln wurde gar verschluckt, als würden sie hier unten ersticken. Eng wurde es um Ravillas Hals wie eine Würgeschlinge. Er spürte Plutos eisigen Hauch durch die Hallen fahren. Sein Blick suchte den der Zwiebelprinzessin. Er sah ihre Augen im Dunkeln blitzen, doch er fand Stella nicht. Diese Augen waren tot, wenngleich das Herz in der Brust noch schlug und der Atem warm aus ihrer feinen Nase strömte. Bei allen Göttern ... böse Mächte hatten ihre Finger hier am Werk, zu finster, als das ein Ravilla sich dagegen stellen konnte. Ein Fluch, da war er sicher. Wenn hier jemand helfen konnte, dann ein Priester! Er musste fort, um seiner eigenen Sicherheit willen.
Und doch wollte Ravilla nicht gehen, ohne Stella vor sich selbst zu schützen, so weit dies in seiner bescheidenen Macht stand. So griff er nach dem Ritualdolch, um diesen zu entwenden. Wollte die unter dem Fluch stehende junge Frau das Kleinod wiederhaben, so musste sie mit Ravilla Kontakt aufnehmen. Dann würde der Dolch erneut in ihre Hand übergehen. Bis dahin aber würde er die Waffe sicher und in Ehren verwahren, welche die Zwiebelprinzessin fast das Leben gekostet hatte, um zu verhindern, dass dieses Werk am Ende doch noch Wirklichkeit wurde.
Es war vielleicht die selbstloseste Tat, die Ravilla bisher in seinem Leben vollbracht hatte - ein womöglich ebenfalls verfluchtes Objekt mit bloßer Hand an sich zu nehmen, um jemanden zu schützen.
Mit wehender Toga stolperte Ravilla die Treppe hinauf, griff nach dem Arm des Anaxis, schrie seinen Sklaven an, er solle ihn sofort nach Hause bringen - was unsinnig war, denn ihr zu Hause lag tausend Meilen weit weg im Land des Feuers und des Windes - und ließ sich von dem Perser in die Nacht hinaus führen, auf der verzweifelten Suche nach dem Weg zurück zur Taverna Apicia.
RE: ~ Porta ~ | Casa Leonis -->
Sim-Off: Aufgrund des unerwarteten Exils meiner Mitspielerin habe ich diesen Thread leider beenden müssen.
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"Ah, nein. Ich möchte deinen Herrn nicht von der Arbeit abhalten. So dringend ist mein Anliegen nicht."
Sprach`s und entschwand samt seinem Perser. Zurück blieb nur eine Wolke süßen Parfums und ein wenig Glitzerstaub, der im Sonnenlicht schimmernd gen Boden sank.
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Ravilla zögerte, die Hand zu greifen und zog die seine weg. Das lag an der Sklavin am anderen Ende der Stella, da sich dies doch etwas unterhalb dessen befand, was Ravilla als im Rahmen seiner Würde betrachten mochte.
"Stella, ich würde gern allein mit dir gehen", bat er. "Könnte deine Sklavin hier auf dich warten?"
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Da Ravilla nun schon ein Weilchen wartete, gestattete er sich, an Anaxis vorbei sprechend - der daraufhin sofort zur Seite trat - eine höfliche Rückfrage zu stellen.
"Ist der Zeitpunkt womöglich ungünstig gewählt? Sollte ich an einem anderen Tag wiederkommen - oder gar nicht? Ich suche nach einem Patron, möchte jedoch dabei niemandem zur Last fallen."
Ein von seiner Anwesenheit gestresster und entsprechend verstimmter Patron wäre für seine Karriere auch wenig hilfreich (und der Patron konnte sich in dem Fall bestimmt Angenehmeres vorstellen, als die Gegenwart eines Ravilla zu ertragen).
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Ein wenig nervös fühlte Ravilla sich, als er hier so nahe mit zwei Frauen stand, die eine mit der Hand berührte und die Kleinere die Größere der Länge nach umarmte und streichelte. Nun, er war jung, seine Gedanken nicht immer keusch. Die Not war, so schien´s, vorüber, so ließ er denn die Hand der Zwiebelprinzessin sanft los, ein entwaffnendes Lächeln präsentierend, welches hoffentlich dazu geeignet war, seine vorübergehende Verunsicherung zu überspielen.
"O Stella, wir sollten uns dereinst zusammenfinden während der Neumondnacht, wenn Finsternis ihren Höhepunkt erreicht, dort mögen unsere Werke die ihnen gebührende Wirkung entfalten wie der Nachtfalter seine Schwingen! Das Dunkel kann heilend und wohltuend sein. Nicht jeder ist dafür gemacht, unter der Sonne zu wandeln. Das Leben ist so trivial, das man sich abwenden muss, wenn schamlos die Sonne all die unfeinen Details beleuchtet. Wie viel feiner nuanciert ist das Leben bei Dunkelheit! Die Nacht verbirgt mehr, als sie zeigt und nur dem aufmerksamen Auge offenbart sie ihre geheimnisvolle Pracht."
Seine Hand tastete nach seiner Brust, wo unter der Toga und der Tunika gut verborgen das Amulett auf der blanken Haut ruhte, gerade über dem Herzen.
"Aufzustehen ist ein vortrefflicher Ansatz", bestätigte er Stellas Gedanken. "Der Beginn eines nächtlichen Spaziergangs vielleicht? Doch ach, die Nächte Romas sind laut und voll des Drecks, wenn man in die falsche Gasse tritt! Meine Orientierung in der Urbs Aeterna ist noch nicht optimal. Was ist hingegen mit dem adretten Spukgemäuer über diesen Hallen? Wollen wir uns nicht dort ein wenig die Füße vertreten, um wieder auf den Boden der Tatsachen zu gelangen?"
Der nichtswürdigen Tatsachen, die einen Ravilla und vermutlich auch eine Stella überhaupt nicht verdienten. Doch allein lassen konnte er die Zwiebelprinzessin mitnichten, so lange er nicht sicher war, dass es ihr wieder besser ging. So hielt er den Spaziergang für eine gute Idee. -
Zu Ravillas Erleichterung präsentierte der Augustus sich nicht so bedrohlich und herablassend, wie er sich seine Erscheinung ausgemalt hatte, sondern trug ein freundliches Gesicht zur Schau. Offenbar war Ravilla also nicht geladen worden, weil er als Verwandter des als Verräter geltenden Seianus, dessen Namen man aufgrund der Damnatio memoriae nicht mehr aussprechen durfte, nun gefragt werden sollte, wie er es wagen konnte, überhaupt zu existieren.
"Mein Kaiser, es ist mir eine Ehre", sprach Ravilla. Zu fragen, weshalb der Augustus ihn herbestellt hatte, wagte er nicht.
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"Die Zeit, da Pluto nach uns ruft, kommt von allein früh genug."
Nein, er wünschte nicht, dass der Zwiebelprinzessin ein Leid geschah. Er wünschte, dass sie lebte. Und als sie das Gedicht zitierte, da hob er den Finger und deklamierte:
"Leben heißt leiden, oh wandle mein Sein,
Herr Pluto, zu Höherem, nimm meine Pein,
doch lass mich noch wandeln die bleibende Zeit,
bis einst kommt der Tag, an dem ich bin bereit."Das hatte er soeben gedichtet, entsprechend roh klang es, doch er hoffte, bei der scheinbar zur Poesie neigenden jungen Frau an etwas zur rühren, wo er sie erreichen konnte. Die kleinwüchsige Frau, die plötzlich hinzugekommen war, hielt er für eine Sklavin der vom Leben Müden, so dass er sie in Ruhe ließ. Er selbst schätzte es auch nicht, wenn jemand in seinem Beisein mit Anaxis sprach, ohne ihn zuvor um Erlaubnis zu bitten. Ein Leibsklave war etwas sehr Persönliches.
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Es begab sich, dass Ravillas Füße ihn im Dunkel der unbeleuchteten Stadt in fremde Straßen geführt hatten. Angstvoll ob der vollständigen Finsternis henkelte er sich in den Arm von Anaxis ein, damit er nicht stürzte, falls er fehltrat. Einzig die rumpelnden Wagen, die seit Sonnenuntergang durch Rom fuhren, spendeten Licht, da die Fahrer in der Regel Laternen bei sich trugen. Sie hatten sich hoffnungslos verirrt und kein Gezeter verhalf dazu, dass Anaxis herausfand, wo sie sich befanden und wie sie zurück zur Taverna Apicia gelangen konnten. Ravilla, müde und gestresst, zog das Amulett mit dem edlen Antlitz seiner Schwester unter der Toga hervor und klappte es auf.
"Fusciana, meine Teure!" Seine Lippen liebkosten das Abbild. "Dein Ravilla ist allein in der Fremde, verirrt und ohne Trost. Ich bitte dich, entsende mir deinen gottgleichen Segen und führe mich sicher heim!"
Ein plötzlicher Lichtschein ließ das Silber aufblitzen, das Fusciana umfasste, und ihr Gesicht lächelte ihm in plötzlicher Helligkeit zu. Verblüfft suchte Ravilla nach dem Quell, der Fusciana zum Lächeln gebracht hatte und entdeckte den Lichtschein, der aus einem Treppenschacht erstrahlte. Ein totes Herrenhaus ragte über ihm auf. Doch im Keller schien Leben zu herrschen ...
"Anaxis, du wartest hier und gibst darauf Acht, dass niemand mich einzusperren vermag. Ich werde fragen, wo wir uns hier befinden und wie wir den Weg zurück zur Taverna Apicia finden."
Und so raffte Ravilla seine Toga über den Knien und stieg erhaben wie ein vom Himmel herabsteigender Gott hinab in das Gewölbe. Lampenschein, Finsternis ... was mochte das für ein Ort sein? Er verhielt sich still, für den Fall, dass er versehentlich in eine Orgie stolpern würde, um sich dezent wieder zurückziehen zu können. Doch herrschten hier nur Finsternis und Einsamkeit. Ein leises Plätschern drang an sein Ohr. Ein Wasserbecken, schwarz in der Dunkelheit, bot zusammen mit den drei Statuen am anderen Ende einen ehrwürdigen Anblick. Vor dem Altar erblickte er eine einsame schmale Gestalt, die nun die Stimme erhob. Doch sie erhob auch eine Klinge. War das nicht das Mädchen vom Stadttor und aus dem Schuhgeschäft, war das nicht die Zwiebelprinzessin?
Der Abstand schmolz, als Ravilla mit wehender Toga zu ihrer Rettung eilte. Seine Hand umschloss ihr Handgelenk. Fest genug um zu verhindern, dass sie sich oder ihm ein Leid antun könnte, doch nicht schmerzhaft fest.
"Grämst du dich?", fragte er mit sanfter Stimme, um die Schärfe aus dieser tragischen Situation zu nehmen, denn er ahnte, was sie vorgehabt hatte. Die Worte waren eindeutig gewesen. "Sorge dich nicht ob der Zukunft, denn ich glaube, Pluto wünscht dein Blut heute nicht."
Er blickte die Statue hinauf, Pluto, der finster auf sie beide hinabblickte. Pluto war es also gewesen, der Fusciana diesmal zur Mittlerin auserkoren hatte. Fusciana, die Stimme der Götter. Und sie hatte ihn hierher geführt.
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"Dafür, dass du keine Expertin bist, hast du dich heut ausgesprochen glamourös gewandet", schmeichelte Ravilla. Er stellte die wohl etwas zu noblen Calcei wieder zurück ins Regal. Dabei gefielen sie ihm ... aber er hatte nicht umsonst um ihren Rat ersucht.
"Meinst du, dass Sparsamkeit zeitgemäß ist? Sparsamkeit an falscher Stelle führt zu wirtschaftlicher Stagnation. Oder dazu, dass man unmöglich aussieht. Aber wenn ich es mir recht überlege, habe ich noch ein paar ungetragene Stiefel im Gepäck. Ihre Schäfte sind umwickelt vom Fell zweier afrikanischer Kleinkatzen. Das fand ich neckisch."
Sein Blick wanderte zur Tür. Er war sicher, dass draußen die männlichen Begleiter der jungen Dame warteten und es nicht gutheißen würden, wenn Ravilla mit ihr sprach, ohne zuvor beim Pater familias demütig um Erlaubnis gefragt zu haben. Ärger wollte Ravilla nicht bekommen und dieser Ort war ihm entschieden zu öffentlich.
"Weißt du, dieser Ort ist nicht der Richtige für eine so angenehme Konversation. Diese Personen haben nicht verdient, unseren Worten beizuwohnen. Ihre Ohren sind minder."
Ein verächtlicher Blick traf den Verkäufer, der Stella hatte ein Glas Wein bringen lassen, aber Ravilla nicht. Schon allein dafür verdiente dieses Gewürm keinen Umsatz aus seinem Geldbeutel.
"Ich verabschiede mich einstweilen. Falls du meinen Esprit vermisst, so fühle dich unaufdringlich darüber informiert, dass ich vorerst in der Taverna Apicia weile, bis ich eine standesgemäße Bleibe gefunden habe. Gehab dich wohl."
Er schenkte ihr ein Lächeln und verließ den Laden.
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Da der Prätorianer vom Glitzerstaub genascht hatte, funkelten sogar seine Zähne, sobald er sprach. Der Geschmack hatte sich als neutral entpuppt, dies war kein Giftpulver oder dergleichen. Ravilla indes zerbrach sich den Kopf darüber, ob man ihn schon wieder hinters Licht geführt und ihm tatsächlich Quarzstaub angedreht hatte anstelle des vom Händler angepriesenen Diamantstaubs. Da es der gleiche Mann gewesen war, der ihm gefärbte Leinenkissen für Brokat verkauft hatte, war die Wahrscheinlichkeit nicht gering ... ein Gewissensbiss regte sich, weil er das begrenzte Geld seiner Familie augenscheinlich sinnlos verschleudert hatte.
Nervös harrte er der Dinge. Er war das erste Mitglied seiner Gens seit Seianus, das es wagen durfte, dem Kaiser wieder unter die Augen zu treten.
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"Diamantstaub", erklärte Ravilla stolz, während der Prätorianer seine glitzernde Hand beäugte. "Du solltest dir jetzt nicht ins Auge fassen, das zwickt. Ich trage keine Waffen bei mir."
Bei der Durchsuchung fanden die Soldaten in der Tat nichts außer sehr hochwertiger Kleidung, ein zugeklapptes silbernes Amulett um Ravillas Hals mit dem darin enthaltenen Abbild einer dunkelhaarigen jungen Frau und ein paar Schuhe mit exotischem Pelzbesatz an seinen Füßen. Anaxis schaute sich derweil verdrossen nach einer Stelle um, wo er auf seinen Herrn warten konnte, ohne im Weg zu stehen. Ravilla bedauerte, dass er seinen Sklaven nicht mitnehmen durfte, immerhin hatte er ihn extra herausputzen lassen, um ihn herumzuzeigen. So zeigte er eben nur sich selbst, aber vielleicht war das gar nicht schlecht.