Beiträge von Sextus Duccius Parfur

    Sextus war eines Tages einfach aus der Casa verschwunden. Nicht, dass es eine spontane Entscheindung war, der er nach ging, nein er hatte lange und gründlich darüber nachgedacht, und es ließ ihm einfach keine Ruhe, dass sie noch immer nichts von Valentin gehört hatten. So brach er eines morgens mit dem schon recht alten Flux auf, und zwar nach Germania Magna.



    Einen Brief lies er jedoch in seinem Zimmer zurück, damit zumindest das Wichtigste geregelt war.



    Salve Loki, Salve Eila!
    Es tut mir leid das schreiben zu müssen. Doch es zieht mich wieder einmal fort. Doch diesmal hab ich einen guten Grund. Valentin lässt mir einfach keine Ruhe. Ich weiß einfach nicht, was aus meinem Vater geworden ist, er hätte sich schon längst melden müssen! Deshalb gehe ich, wenn auch schweren Herzens nach Germania Magna, um ihn zu suchen. Da Germania Magna jedoch nicht umsonst Magna heißt, wird das wohl einige Zeit in Anspruch nehmen. Vor allem für Eila tut es mir leid. Ich bitte dich, warte nicht auf mich, du bist noch jung und so wunderschön, such dir einen Kerl, der es mit Loki aufnehmen kann!
    Aber nun zum Geschäftlichen. Ich möchte all meinen weltlichen Besitz, welchen ich zurückgelassen habe, Loki übertragen, damit er sich darum kümmern kann, solange ich fort bin. Ich hoffe dieses Schriftstück, welches ich mit klarem Verstand verfasse, reicht, um das zu regeln.
    Ich werde euch vermissen! Bis hoffentlich irgendwann!
    Eurer Marbod
    gez. Sextus Duccius Parfur

    Sextus verzog das Gesicht, ihn hatte es etwas am Oberarm des Schildarms erwischt, ein kleiner Schnitt nur doch das Gewicht des Schildes zog unangenehm. Aber der Angriff war zurückgeschlagen und Eila hatte sein Gesicht in die Hände genommen und ihn lange eindringlich angesehen. Ihr schien es wenigstens uneingeschränkt gut zu gehen und das war so einiges Wert. Dann sprach Loki davon was Harlif angerichtet hatte und Sextus stieg die Augenbrauen beinahe am Haaransatz von Flux herunter. Das Schild vom Arm nehmend betrachtete sich Sextus interessiert und überrascht und auch angeekelt die Bescherung und tätschelte dabei geistesabwesend Flux den Hals. Dann ging es daran die Besiegten zu durchsuchen, was jedoch nicht wirklich was brachte, und dann mussten sie auch noch den Weg frei räumen. Ein interessanter Anblick war das schon, und dann wollte Loki auch schon weiter. Nun Sextus sollte es recht sein, denn hier zu bleiben war sicher keine gute Idee. Um den Schnitt an seinem Oberarm band er schnell noch eines der schlichten Leinentücher, die er eben für solche Sachen in seiner Satteltasche mitführte, zog es mit der rechten und den Zähnen fest. Kein Kunststück und sicher nicht die optimale Versorgung aber besser als nichts, und schon saß auch er wieder auf und warf Eila einen fragenden Blick zu. Ging es ihr gut? Dann ging es auch schon wieder weiter.

    Sextus hatte eben mit Eila geredet, als plötzlich die Pferde unruhig wurden, und Seile im Weg auftauchten. Sofort hatte Sextus die Hand am Sax Und wollte seinem Tier schon die Fersen in die Seite drücken, als er Lokis Blick auffing. Dann wohl vorerst keine Heldentaten, sondern der Schutz der Liebsten. Doch diese schien keinen gesonderten Schutz zu benötigen, wie sie mit dem Bogen umging... es nötigte Sextus einen bewundernden Blick ab. Auch wenn sie den Kerl besser gleich umgebracht hätte.


    Mit einem geübten Griff hatte Sextus sein Schild nach vorne genommen und hielt es schützend vor sich, versuchte zu gleich auch Eila etwas zu decken, was sich jedoch als recht unmöglich erwies. Die Angreifer von vorne, er an der Seite, das brachte nicht viel. So drückte er Flux die Fersen in die Seite und lenkte ihn so schräg vor Eila, als die Holzspeere geworfen wurden. Die Männer waren entweder recht schwach oder schlecht im zielen oder bescheuert, einer der Speere ging nur knapp unter Fluxs Bauch hindurch. Wütend funkelte Sextus zu dem Werfer.


    Im nächsten Moment hatte er Flux vor den armen Mann gelenkt. Der Bursche hatte nicht wirklich die Möglichkeit seinen Knüppel zu gebrauchen, da griff ihn Sextus auch schon von oben her an, brachte dem Mann eine tiefe Wunde an der Schulter bei und holte zum nächsten Schlag aus. Der Mann duckte sich weg, umfasste seinen Arm mit der Hand, lies dabei den Knüppel fallen und wich zwei Schritte zurück. Mit zusammen gekniffenen Augen sah Sextus zu diesem. Griff er noch mal an?

    Sextus hatte tief und traumlos geschlafen, als Loki ihn unsanft weckte. Seine Augen flogen auf, und er war kurz mehr als wach, bis er erkannte, dass keine Gefahr drohte. Da schloss er die Augen wieder und drehte sich grummelnd auf die andere Seite, murmelte etwas von ‚verflucht’ und ‚schlafen’, war jedoch nur wenige Minuten später auf den Beinen und bald darauf bereit loszureiten.
    Er ließ es sich nicht nehmen Eila bevor sie losritten einen kleinen Kuss zu stehlen und grinste sie danach frech an, ehe er sich auf sein Pferd schwang und sich ein Stück Käse angelte und zu frühstücken begann. Unbewusst an Eilas Seite bleibend folgten sie alle Loki.

    Eila war zu Aulus gegangen, hatte ihm selbst dabei nicht mal eines einzigen Blickes gewürdigt. Darüber hätte Sextus noch hinweggehen können, doch dann verließ sie gemeinsam mit Aulus die Scheune und Sextus Bewegungen, mit denen er Flux mit Heu abrieb wurden fahrig und ruckhaft. Er konnte es selbst nicht so ganz verstehen, was mit ihm los war, aber Sextus konnte nicht verhehlen, dass es ihn wirklich störte, sie zusammen mit Aulus zu sehen.


    Rasch wandte er den Blick ab und betrachtete seine Hände, wie sie mit einem Bündel Stroh über Fluxs glänzendes Fell fuhren. Die beiden anderen redeten miteinander, und so war sich Sextus recht sicher, dass es ihn alleine störte, wie lange Eila und Aulus weg blieben. Flux schnaubte vorwurfsvoll, weil sein Herr ihn schon seid fünf Minuten über die gleiche Stelle rieb. Überrasch sah Sextus auf und murmelte: "Entschuldige, mein Junge!" Er ließ das Stroh fallen und tätschelte Flux den Hals. "Wo bleiben die nur?", fragte er leise seinen treuen Begleiter und schielte zum Eingang. Und in Gedanken fügte er die Frage an: 'Und was machen die nur?' Unhörbar seufzend drehte er sich wieder zu Flux und begann mit den Fingern seine Mähne zu kämmen.

    Der kleine Kuss von Eila scheuchte so und so alle trüben Gedanken davon, da hätte es den Themenwechsel kaum gebraucht. Dennoch brachte dieser Sextus endgültig zum Lachen.
    "Nun, ich würde sagen, ich hab ihm bei Kampfübungen mit den Stallburschen zugesehen, und dann selbst etwas mit ihm geübt."
    Er grinste breit, so dass nur zu deutlich wurde, dass diese 'Übung' alles andere als diszipliniert gewesen war.
    "Und Freunde... das wird man einfach, wenn der eine den anderen aus der Taverne nach Hause trägt."
    Er grinste auf Eila hinab und ließ ganz bewusst offen wer wen nach Hause getragen hatte.

    "Ich bin von zuhause weggelaufen.", wollte Sextus die Sache kurz abtun, doch irgendwie hatte er das Gefühl, dass das Eila nicht reichen würde. Also sprach er einfach weiter: "Weißt du, mein leiblicher Vater... er hatte nicht wirklich viel für mich übrig. Eigentlich für keins seiner Kinder, doch da ich das Jüngste war... Irgendwie waren meine Schwester und ich seine liebsten Ziele, wenn er mal wieder wütend, oder betrunken, oder beides war. Und eines Tages ging er zu weit. Ich weiß bis heute nicht genau, was aus meiner Schwester geworden ist, aber als ich davon lief lag sie regungslos am Boden und meine Mutter schrie meinen Vater entsetzt an. Ich lief so schnell und so weit ich konnte und kam irgendwann in der Stadt an, dort hab ich mich dann als Dieb durchgeschlagen..." Ein Grinsen huschte über Sextus Gesicht und er lachte leise: "Und heute bin ich Duumvir, welch eine Geschichte."

    "Versprochen!", sagte auch Sextus und seufzte dann leise, als Eila seinen Vater ansprach. "Ja, ich versteh es nicht wirklich... Ich dachte er ist froh in Mogontiacum. Aber irgendwie schienen er und seine beiden Geschwister nicht dafür bestimmt zu sein immer dort zu leben." Er zuckte mit den Schultern und versuchte gleichgültig zu tun. "Hab ich dir eigentlich schon mal erzählt, wie ich zu den Ducciern gekommen bin?", fragte er mit einem Lächeln, immerhin hatten sie noch eine längere Reise vor sich. Und ehe er sich versah erzählte er die Geschichte, wie Sara ihn im Stall gefunden hatte und schließlich in ihrem Zimmer versteckte. Wie Leif ihn dort fand und was für Probleme er am Anfang hatte, zum einen das erzwungene Bad und dann die lästige Angewohnheit mit dem Lauschen und dem Stehlen hin und wieder.
    Dann kamen die Stromschnellen und Eila und Sextus mussten etwas von der Bordwand weggehen. Dann waren sie auch schon bald bei der Hafenzwischenstation, interessiert sah Sextus zu wie das ganze Zeug verladen wurde. Die ganze Zeit konnte er nicht wirklich die Finger von Eila lassen und so hatte er auch jetzt noch den Arm um sie gelegt.

    Eila sprach leider nur all zu wahre Worte. Wenn es auch nur ansatzweise so werden würde, wie die Reise zusammen mit seinem Vater, dann mögen die Götter ihnen beistehen! Doch das Thema auf das Eila dann kam, ließ Sextus innerlich zusammenzucken. Nicht nur Loki würde das am liebsten als unmöglich abtun. Nach außen hin umschloss er Eila nur noch etwas fester und zog sie so noch etwas enger an sich.
    "Ich... ich werd alles tun, was du jetzt gesagt hast. Doch ich werde auch alles tun, um zu verhindern, dass das nötig wird.", versprach er nach einigem Zögern mit rauer Stimme. Das durfte einfach nicht passieren! So grausam konnten die Götter doch nicht sein, oder? Sextus legte sein Kinn auf Eilas Scheitel und atmete tief durch, inhalierte dabei regelrecht Eilas Duft und schwor sich selbst, dass er alles tun würde, um Eila zu beschützen.
    Doch sie hatte Sextus dazu gebracht, nicht nur über ihren möglichen Tod grübeln zu müssen, sondern auch darüber, was geschehen sollte, wenn er selbst sterben sollte. Darüber hatte er sich noch gar keine Gedanken gemacht.
    "Versprich du mir aber bitte, dass du auf dich aufpasst, ja?", er drückte sie noch einmal an sich und man konnte einen fast flehenden Unterton nur schwer überhören.

    Doch Sextus musste einen Moment überlegen, bis ihm einfiel, was Eila mit der Frage meinen mochte. Dann zuckte er auch erstmal mit den Schultern und strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht.
    "Ich weiß es nicht genau, aber... ich hoff natürllich das beste.", er lächelte sie an. "Wenn wir alle gut zusammen arbeiten und aufpassen, dann sollte es schon klappen." Doch Magna und 'alles glatt laufen' wollte für ihn nicht ganz zusammen passen. "Ich war erst einmal, wenn auch für längere Zeit, in Magna, und es war... eine Erfahrung." Sextus verzog etwas das Gesicht und blickte über Eilas Schulter in die Ferne. "Was denkst du denn, wie es werden wird?"

    Sachte kraulte Sextus Eilas Nacken und legte seine Stirn gegen die ihre. Das Grinsen auf seinen Lippen, wollte gar nicht mehr weichen und seine Augen schienen in den ihren zu versinken. Wieder fand er keine Worte, um das auszudrücken, was er grade empfand, doch irgendwie glaubte er das gar nicht zu brauchen. Er küsste sie einfach noch einmal uns streichelte dabei weiter ihren Oberarm.
    Von der anfänglichen Übelkeit, die er empfunden hatte, als er an Bord gegangen war, war nichts mehr übrig, stattdessen hatte er ein angenehmes Kribbel im Bauch.
    Dann löste er auch diesen Kuss und fuhr Eila mit der Rechten nun über die Wange. "Eila...", flüsterte er und lächelte sie warm an. "Eila..." Und wieder wusste er nicht so recht weiter und so lächelte er sie einfach weiter glücklich an.

    Sie küsste ihn, schon wieder war sie diejenige, die ihn küsste und Sextus genoss es. Die hand, die noch eben mit einer einzigen Strähne beschäftigt gewesen war legte sich sachte auf ihren Hinterkopf um sie zu halten. Seine Lippen kribbelte angenehm, als er sie gegen die ihren bewegte. Mit der anderen Hand fuhr er ihr über den Oberarm und seine Handlungen waren viel eindeutiger als seine Worte.
    Dann löste er sich vorsichig von ihr, um sie anzulächeln und knapp vor ihren Lippen zu flüstern: "Da bin ich aber froh..." Und er küsste sie wieder, diesmal etwas fordernder und zugleich dankend. Er hatte schon befürchtet sie würde wollen, dass sie sich erstmal die Zeit ließen, warum sonst hätte sie den Vorschlag machen sollen? Sextus glaubte nicht, dass er das ausgehalten hätte.

    Sextus Augen weiteten sich etwas, als Eila ihm erklärte, was er Falsches getan hatte. Das war es gewesen? Er konnte es nicht so wirklich glauben. Und doch schien es so zu sein. Er öffnete, als sie meinte, dass sie nur verletzt gewesen war den Mund, um etwas zu erwidern, doch Eila sprach schon weiter.


    Sie sollten es vergessen, bis sie wieder zurück waren? Irgendwie glaubte Sextus nicht, dass er das konnte. "Ich hab dich doch auch gern.", erwiderte er undeutlich. "Aber wenn es dir so lieber ist..." Er wusste schon wieder nicht so recht, was er sagen sollte oder wollte. Doch seine Hände, schienen nicht das Problem zu haben. Die Finger seiner Rechten spielten geistesabwesend mit einer ihrer Strähnen und mit der Linken strich er ihr, wenn auch nur kurz, so doch sanft, über die Wange.

    Venusia klang ja alles andere als begeistert.
    "Ich kann auch Duumvir bleiben, zumindest vorerst, bis ein Nachfolger gefunden ist. Ich hoffe ja, dass das nicht all zu lange dauern wird.", schlug er vor, auch wenn er es widerstrebend sagte. "Dann müsste ich allerdings Urlaub für die nächsten Wochen beantragen, weil ich nicht genau weiß, wann wir zurück kommen." Er fuhr sich durch die Haare und lächelte schief.

    Eila klang so traurig, dass sich Sextus Körper irgendwie selbstständig machte. Seine Hand hob sich wieder und strich sachte über das Haar des hübschen Mädchens hier vor ihm. „Du könntest mir vielleicht sagen, was ich falsch gemacht habe... damit ich es besser machen kann. Weißt du... ich fürchte ich bin wirklich schlecht im Reden... Hatte ich irgendwas Falsches gesagt? Was war vorhin?“ Er sah recht zerknirscht aus, und schien wirklich keine Ahnung zu haben, was er falsch gemacht hatte. „Ich kann es nämlich nicht ertragen, wenn du zornig auf mich bist, ich fühl mich da irgendwie ... eigenartig.“ Er strich ihr eine Haarsträhne aus der Stirn und lächelte, was aber ein wenig schief geriet. Es war ihm anzusehen, daß er seine Worte sehr ernst meinte und wirklich wissen wollte, was er falsch gemacht hatte.

    Sextus glaubte sich zu verhören, als sich da auf einmal Harlif in das 'Gespräch' einmischte. Sextus sah auf und schien den anderen förmlich mit Blicken zu durchbohren. Was ging den das an? Sofort hatte Harlif bei Sextus einige Minuspunkte eingefahren.


    Nun jetzt erst recht stumm blickte Sextus zu Eila und seine Mine verriet sowohl seine Überraschung als auch seine Empörung über die Störung. Dann blickte er nocheinmal Harlif hinterher, und bekam endlich den Mund auf: "Das... so was... hmpf..." etwas Gescheites wollte wohl nicht rauskommen. Nun also stumm sah Sextus wieder zu Eila, drehte sich auch zu ihr um und machte den Ansatz eine Hand nach ihr auszustrecken.

    "Nein, ich hab nichts schriftliches gemacht...", schüttelte Sextus den Kopf. dann dachte er über mögliche Nachfolger nach. "Ich fürchte jetzt auf die Stelle fällt mir keiner ein. Wir haben sehr wenig Nachwuchs in der Curia. Zwar ein paar Ehrgeizige, doch die sind noch nicht so weit. Ich hab mir schong edacht, ob man sich evtl in anderen Provinzen umschauen könnte, oder vielleicht einen Aushang machen, um neue Leute für die Curia zu begeistern.", machte Sextus Vorschläge.

    "Sieht nicht schlecht aus, der Nebel, oder?", sagte Sextus einfach irgendwas, weil ihm einfach nichts einfallen wollte.


    Und welches Thema war dann besser geeignet als das Wetter? Aber er hatte zumindest die Wahrheit gesagt. Jetzt, wo sich der Nebel langsam hob, begann die gegend etwas unwirkliches zu bekommen. Die Bäume am Ufer wurden deutlicher, wirkten aber noch immer, wie aus einer anderen Welt. Beinahe konnte an den Eindruck bekommen, als müssten gleich die Feen auftauchen und zu tanzen beginnen.


    Das Lächeln, welches Sextus Eila schenkte geriet etwas schief, ehe er den Blick wieder abwandte und das Schiff betrachtete, als hätte er es grade erst entdeckt. Jedoch wirklich sehen, tat er eigentlich nichts.