Beiträge von Lucius Decimus Maximian

    Maximian sah ihr in die Augen, nachdem sie ihre Frage gestellt hatte, dann jedoch hinunter an die Stelle, an der zwei Hände über einem Herz lagen.Er hatte nicht gedacht, dass er so bald wieder eine Hand dort würde liegen spüren, die nicht seine war. Und dann hatte er nicht gedacht, dass es nicht eine von Julias wäre.


    Und er hatte nicht geglaubt, dass er gleich etwas zu einer Frau sagen würde, das er bislang nur zu Julia gesagt hatte.


    Er hob seinen Kopf wieder und schluckte, als er Valeria wieder in die Augen sehen konnte, in denen so vieles stand. Nun öffnete er auch seine Fenster zur Seele, ließ sie darin lesen.


    "Dass es mir leid tut, dass ich die Erinnerungen an eine Nacht mit dir verloren habe. Dass mein Herz zerspringt, wenn du deine Hand darauf legst. Dass es mir egal ist, wie draußen das Wetter ist oder was Mummia denkt, solange... solange du bei mir bist."


    Er hielt ein und lächelte verzweifelt, während seine Hand Valerias umfasste. Er wollte noch mehr sagen und doch nur ein einziges Wort, kam aber erstmal nicht weiter... Dass er sie liebte, war ihm inzwischen zwar deutlicher geworden, als manch anderes zur Zeit, doch noch wagte er es nicht vor sich, es laut auzusprechen.

    Viel zu schnell war er vorbei, der Kuss, nach dem er sich gesehnt hatte und der ihn davontrug von seinen Problemen. Aber er hatte ihn nicht beendet, noch irgendeine eintretende Person. Nein, es war Valeria gewesen, die sich zurückgezogen hatte. Max öffnete die Augen, ließ sie, die ihren Kopf gesenkt hatte, aber nicht los.


    Und dann nannte sie den Namen, der ausreichte, um alles wieder ganz anders aussehen zu lassen. Er schluckte einen aufkommenden Kloß hinunter und senkte ebenfalls den Kopf, wobei er unweigerlich seine Stirn an Valerias legen musste.


    Ja, Julia. Als sie losgeritten waren, war er sich sicher, was Julia für ihn bedeutete. Jetzt aber war alles ein bisschen anders, alles ein bisschen schwerer und unklarer. Er hatte davor nicht sein Bett mit Valeria geteilt, sie bei sich gesprüt, als es ihm schlecht ging. Obwohl er sich nicht erinnern konnte, wie es in der Nacht war, wusste er am Morgen, dass alles gut gewesen ist. Dass er sich sicher gefühlt hatte, geborgen, gut augehoben. Nicht allein. Er wusste, dass sie im Wald bei ihm gesessen war, nicht von seiner Seite wegzudenken.
    All das war nicht unbemerkt an ihm vorbeigegangen. Noch dazu war Valeria so unsagbar hübsch... Maximian seufzte schwer.


    Julia wäre ebenso bei ihm gewesen. Sie hätte ihn nicht aus den Augen gelassen und hätte sich ebenfalls aufgeopfert. Aber sie hatte nicht da sein können, sie WAR nicht da. Valeria war da.


    Er nickte leicht. Valeria hatte Recht. Julia war immer in seinem Herzen, so auch jetzt. Aber... sie war gerade nicht in seinem Kopf. Sie brachte ihn jetzt nicht dazu, leicht zu zittern. Sie beschleunigte in diesem Moment nicht sein Herz, ließ nicht diese Kälte entstehen tief in ihm drin. Seit der Nacht war das ein anderer Mensch, der das vollbrachte.
    In seinen Augen sammelte sich Flüssigkeit, die sich zwar gut unter Kontrolle halten ließ, aber... sie war da. Sie war da, weil ihm schmerzlich bewusst wurde, dass sein Spagath nicht das war, was er aufrecht erhalten konnte.
    Das würde heißen, dass er sich... entscheiden müsste. Er schluckte, immer noch mit dem Kopf an Valerias gelehnt.


    Warum hatte es überhaupt so weit kommen müssen? Wer testete ihn da auf solch grausama Art und Weise aus?


    Seine Hand rutschte aus ihrem Nacken. Was sollte er erwidern? Valeria hatte gehört, dass Max Julia liebte. Und sie musste spüren, dass er für sie nicht anders empfand. Die freie Hand hatte sich über ihr Schlüsselbein gelegt, sodass die Fingerspitzen ihr Kinn berühren konnten. Nach einer Weile drückte er es sanft hoch und damit seinen Kopf, auf dem ein schwaches Lächeln thronte. In seinen Augen stand immer noch das Tränenwasser, doch die Wimpern waren nach wie vor trocken. Zwischenzeitlich senkte er nicht den Kopf, aber den Blick.


    "Valeria, ich... wie..."


    Er stockte, griff in seinen Nacken, wo Valerias Hände noch verschräkt waren. Er nahm langsam eine davon, wobei er Valeria nicht in die Augen sah, sondern an ihr Vorbei blinzelte und holte sie nach vorn, zwischen sie. Er sah die Hand einen Moment an und legte sie dann zurück auf sein Herz, das immer noch kräftige Sprünge tat. Diesmal nahm er seine Hand aber nicht weg, sondern bettete sie auf ihre und dann hob er auch den Blick wieder.


    "Wie ist das dann möglich?"

    Maximian stand da und sah sie schweigend an. Er dachte an die Gefühle, die er hatte, als er Valeria berührt hatte. Die Schmetterlinge, die im Bauch umhergeflogen waren, wenn sich ihre Wangen aneinandergelegt hatten oder ihre Lippen kurz davor gewesen waren, sich zu vereinen. Er musste beinahe schmunzeln, denn so stark wie das Gefühl gewesen war, mussten die Schmetterlinge wahrlich wild unterwegs gewesen sein.


    Doch wie er jetzt Valeria sah, waren all die Schmetterlinge gebrochen. Sie hatten ihre wunderschönen Flügel zusammengeschlagen und lagen zur Seite gekippt und bewegungslos am Boden.
    Und er fragte sich, wenn er weit entfernt wäre, nicht einmal mehr in Hispania, ob er sie dann immer noch sehen könnte. Die Schmetterlinge und Valeria.


    Das Schmunzeln wurde bitter. Ja, Valeria gehörte nun zu ihm. Er würde sie nicht mehr vergessen können oder die Augenblicke, die er hier mit ihr verbracht hatte. Genauso würde er es sich wahrscheinlich nie verzeihen, dass er Julia zumindest in Gedanken hintergangen hatte. Aber nun war es schon geschehen. Und nichts davon würde er rückgängig machen wollen.
    Er lachte in sich hinein, während er die Augen niederschlug. Wollte er es vergessen? Wollte er ihre strahlenden Augen vergessen, ihre zarten Hände, ihre guttuenden Worte?
    Eine Nacht war aus seinem Gedächtnis gelöscht und war er darüber froh?


    Flüchtig hob er seinen Kopf wieder und sah Valeria, die unverändert mit angezogenen Beinen und darum geschlungenen Armen in ihrem Korbsessel saß. Seine Beine fingen an sich zu bewegen, die Füße entfernten sich von der Stelle vor dem vom Blitzlicht umspielten Fenster und suchten sich ihren Weg.
    Er stand vor ihr, sah auf sie hinunter. Es war, als wäre seine Seele in die Knie gegangen vor all dem, was Maximian bewegte. Die Gedanken rauschten immerzu, sodass er keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte und die Gefühle flossen durch jede einzelne Vene und brannten höllisch.
    Seine gesunde Hand hob sich zögerlich. Er wollte sich noch einmal leer fühlen, wie er sich zuletzt im Stall gefühlt hatte. Dort war für einige Augenblicke alles klar gewesen und er sehnte sich nach diesem inneren Frieden... den Valeria ihm geben konnte.


    Seine zitternde Hand legte sich kurz auf ihre. Doch nicht lange, denn bald schon schlüpfte sie um sie herum, hielt sie und zog Valeria sanft und langsam zu sich hoch. Maximian sah ihr tief in die Augen, um darin zu lesen, was sie dachte und was sie spürte. In seinen Augen stand ein seltsamer Schimmer.
    Valeria stand vor ihm, doch er hielt ihre Hand noch eine Weile in seiner. Sein Daumen strich wie in Zeitlupe über ihren Handrücken, während er fühlte, wie die vielen Gedanken allmählich erstickt wurden von Valerias Anblick. Er kostete den Moment noch ein bisschen aus und dann nochmal ein bisschen länger, dann legte er ihre Hand auf sein Herz, so wie sie es vorhin getan hatte. Er rückte näher zu ihr und auch das Brennen in seinen Venen ließ nach. Die Angst, die ihn innerlich ergriffen hatte, schmolz. Valeria war bei ihm, was sollte ihm da geschehen.


    Seine gesunde Hand fuhr ihr den Arm hinauf, in einer ganz sanften Berührung nur, über die Schulter, den Hals, hin zu ihrer Wange, wo sie sich ablegte. Auch das nur kurz, denn dann strich sie sanft über die Haut, was Maximians Herz einmal aussetzen ließ.


    Ihre Köpfe befanden sich wieder ganz nah. Er spürte nichts mehr, außer reinster Gewissheit und dem Herzen, das wieder für zwei zu schlagen begann. Ihre Nasenspitzen berührten sich zärtlich und Maximian sah Valeria immer noch in die Augen, die ihn aus diesem Zimmer, diesem Unwetter und der Welt zu lösen vermochten. Dann schloss er sie kurz, ließ seine Hand an ihrem Ohr vorbei ins weiche Haar finden. Und als er die Augen langsam wieder öffnete, flüsterte, ja, hauchte er Valeria zu:


    "Auch ich ertrage es nicht..."


    Er sah sich, wie er Valeria nahe war und sie sich anfingen zu drehen. Seine Lippen waren ihr so nahe, dass er die Augen wieder schließen konnte und dann...


    Ihre Lippen berührten sich. Es war, als wären die gebrochenen Schmetterlinge wieder erwacht und würden nun über seine Lippen streichen, so zart war die Berührung, die ihn mit Valeria verband. Seine Hand vergrub sich in ihrem Nacken, während er Valeria noch näher zu sich zog. Und sie hoben ab, flogen davon... Mit den Schmetterlingen, die wieder geheilt waren, weg von all den Problemen und erdrückenden Gedanken. Nur sie, nur jetzt, nur erfüllt von Liebe.

    Ihre Hand. Sie hatte sie auf seinen Rücken gelegt. Es schmerzte nicht, hingegen allen anderen Berührungen, sei es der Sessel oder das Bett gewesen. Nein, es war angenehm. Wieder spürte er die Wärme, wie im Stall vorhin, die sich von der Stelle seines Rückens durch den Körper wärmte. Nach vorn in die Brust, wo das Herz schlug.


    Julia verschwamm vor seinem inneren Auge. Er krallte sich an ihr fest, doch es nützte sich. Sie wurde immer unsichtbarer... 'Nein, stopp! Julia, bleib bei mir!', flehte er innerlich, wurde aber nicht erhört, denn nun sprach Valeria wieder und Julia verblasste noch ein wenig mehr.


    Mechanisch stand Max auf. Er wollte Julia jetzt nicht verlieren. Nicht jetzt! Er versuchte sich ihr Bild wieder in den Kopf zurück zu rufen, damit er stark bleiben würde, nach seinem Verstand handeln konnte, aber es gelang ihm nicht. Er sah nur Valeria, sonst niemanden.


    Und es sollte aufhören zu gewittern! Verzweifelt sah er hinaus, wo die Blitze nach wie vor zuckten und ihren gefährlichen Tanz zur Musik des Donners aufführten. Er wurde weich, allein ihrer Gegenwart wegen.


    Langsam wandte er sich vom Fenster ab und Valeria zu. Sie saß in ihrem Korbsessel, schien selber ziemlich angespannt. Er schluckte und sah sie einfach an, konnte den Blick nicht mehr von ihr nehmen. Wie sehr er sich wünschte, dass Mummia jetzt hereingestürmt käme, ganz weit hinten in seinem Kopf. Aber es geschah nicht. So sah er sie einfach an, atmete gleichmäßig und ließ sich vom Licht der Blitze einhüllen, die sich hinter ihm mit dem Regen einließen.

    Maximian sah nicht auf. Er hielt den Kopf weiterhin gesenkt. Er schützte sich. Würde er aufsehen, wäre Valeria bei ihm. Dann wär nicht mehr Julia da, sondern nur noch Valeria. Und hielt er den Kopf gesenkt, die Augen geschlossen, blieben beide.


    Julia... was tat er ihr nur an, während er nur in seinen Gedanken wandert? Das hatte sie nicht verdient. Am liebsten wäre er jetzt bei ihr gewesen, irgendwo ganz fern von hier. Er würde ihre Hand halten, er würde ihren Duft riechen und alles wäre so, wie es einfach war.


    Valeria... wie er sie verletzte, wenn er genau das dachte? Sie die neben ihm saß, deren Hand er hielt und deren Berührungen ihn wünschen ließen, dass es mehr davon gab. Mehr vom Duft ihrer Haare, mehr von ihren zärtlichen Küssen und mehr von ihrer warme, weichen Haut.


    Das war sie - seine innere Diskussion. Sie erfüllte ihn gänzlich und wart so leicht von außen beinflussbar. Denn die Stimme von Valeria wog viel. Und sie konnte Julia vor seinem inneren Auge vergdrängen, wenn sie zu ihm sprach. Auch wenn er es nicht wollte, er wollte es irgendwo doch.


    Immerzu konnte sein Herz seinem Verstand widersprechen. Es war ein grausames Spiel, das er mit sich selbst spielte. Es kostete Kraft, das konnte Maximian ganz klar spüren, denn jetzt fing er leicht an zu zittern. Kaum spürbar für jemanden, der in ansah, aber für ihn, der er in sich hineinlauschen konnte, war es da.
    Er kniff die Augen zusammen und hielt die Hand auf Valerias weiterhin unbewegt.


    "Scht, nicht..."


    Mehr als das bekam er auch nicht über seine Lippen. Denn er wusste, dass er sonst etwas sagen könnte, das Julia vielleicht gänzlich vertreiben würde.

    Er hatte seinen Gedanken nachgehangen, sich irgendwann aber wieder vom Anblick des untergehenden Tages gelöst und war mit seinem Blick ins Zimmer zurück ins Zimmer gekommen, in dem er nun schon mehrere Stunden mit Valeria verbracht hatte. So wie er saß, tat es seinem geschundenen Rücken gar nicht gut, doch was war schon körperlicher gegen wahren seelischen Schmerz? Während ersterer nur oberflächlich war, ging zweiterer tiefer als alles andere...


    Dann brach ein lauter Donner über das kleine Fleckchen spanischen Landes herein. Es war, als würde glatt das ganze Haus erzittern und vor der Tür konnte er Mummia aufschrecken hören. Ihm machte es nichts aus, ganz im Gegenteil.


    Neben sich hatte er es allerdings auch gehörig zucken sehen. Und dann spürte er, dass etwas auf seiner Hand lag. Er sah dorthin und... erkannte Valerias Hand. Ihre zuerliche, leicht kalte Hand. Eine, die er die Nacht über gehalten hatte. Eine, die auf seiner Brust geruht hatte. Unwillkürlich schlug sein Herz einmal kräftiger gegen Ddn Brustkorb.
    Aber... Wieso? Was sollte das nun schon wieder? Er hob prüfend den Kopf und sah in ihr ägnstliches Augenpaar. Sie hatte Angst, was sie ihm im Flüsterton noch bestätigte.


    Er schnaufte gequält und als sie gerade ihre Hand wegziehen wollte, legte er die Hand des kranken Armes noch auf ihre. Auch das geschah, ohne dass er groß darüber nachdachte. Er tat es einfach - aus Reflex.
    Dann schmunzelte er leise und sah geknickt zu Valeria auf, dann wieder nach draußen.


    "Der Donner hat noch wenige das Leben gekostet..."


    Er senkte den Kopf. Es war nicht einfach, irgendetwas zu sagen, das nicht mit all dem, was sich ereignet hatte, zu tun hatte. Und fiel einem etwas ein, dann war es so unpassend, so unecht, so wenig er selbst.
    Seine Hand lag weiterhin auf ihrer. Er untersagte es sich, einen Finger zu rühren und sie zu streicheln, auch wenn seine Hand nun zuckte. Er wollte sie streicheln, sie beruhigen und ihr die Angst nehmen, die sie verspürte... das war ja das Maleur, das ihn in heftige Diskussionen mit sich selbst stürzte.

    Maximian schüttelte den Kopf und lachte leise. Seltsam, dass solch eine Regung immer in solchen Situationen stattfand. Dass man lachte, wenn die Situation doch alles andere als lustig war. Machte man das Lachen so nicht kaputt? Immerhin entwendete man es seines Zweckes und benutzte es einfach für etwas anderes... keine gute Form des Lachens.


    Ihren Satz mit dem Wetter hatte er zwar gehört und innerlich auch mit einem Kopfnicken bestätigt, doch antwortete er nicht darauf. Er hob den Kopf, begegnete ihrem Blick. Er konnte es nicht verhindern, dass in ihm auch ein wenig Zärtlichkeit stand. Vor allem aber lächelte er bitter.


    "Jetzt bist du töricht. Woher solltest du das wissen? Nicht mal ich habe mich da... zeitweise noch dran erinnern können. Ich meine, in der Nacht... war ich ja anscheinend mit Kopf und Körper nur bei dir."


    'So wie vorhin im Stall und auch jetzt', fügte er in Gedanken noch hinzu und wandte den Kopf wieder ab, sodass er nicht erkennen konnte, wie Valeria sich beim nächsten Blitz erschrak.
    Aber er sah aus dem Fenster und konnte den Blitz sehen. Wie schön dieses Schauspiel des Natur doch war... und es passte so zu dieser Situation. Innerlich musste Maximian über diesen Scherz der Götter lachen. Ein wahrlich schlechter Scherz.

    Maximian stand weiterhin vor ihr und beobachtete sie. Bis sie die Schultern sinken ließ und anstatt ihn den Boden ansah. Er schloss die Augen, während sie ihn leise um Verzeihun bat und hielt sie auch noch einen Moment lang geschlossen. Dann ließ er sich seufzend auf den Korbsessel neben ihr fallen... Er musste jetzt sitzen.


    "Du warst nicht töricht..."


    Er hing auf seinem Sessel, sah nicht zu ihr, sondern an die gegenüberliegende Wand. Er sollte ihr verzeihen. Er senkte den Kopf. Was sollte er verzeihen? Gab es da überhaupt etwas zu verzeihen? Hatte er sie nicht zuletzt gefragt, sich zu ihm zu legen? Hatte er nicht den Arm um sie gelegt und sie nachts geküsst, woraufin sie sich unfreiwllig Hoffnungen gemacht haben musste, nachdem sie sich vorher schon in ihn verliebt hatte.
    Wenn dann war es von ihm aus töricht gewesen, denn er hatte doch gewusst, dass er Julia liebte. Die ganze Zeit über hatte er es gewusst und doch hatte er Valeria wie seine Frau neben sich gewünscht, seine Haut an ihre gedrückt, weil er es gewollt hatte. Weil sie hübsch war, liebevoll, zärtlich, lustig... Weil er ihre Nähe brauchte. Weil er... sie... auch liebte.


    Gedankenverloren sah er vot sich hin und mahnte sich nun stark zu bleiben, während das Grollen über ihnen das Haus niederzudrücken schien.

    Mummia ging. Zumindest einer seiner momentan lebenswichtigen Wünsche hatte sich erfüllt. Die anderen, die anderen beiden, dass das Gewitter aufhört und dass er sich vor Valeria verkriechen konnte, würden sich wohl am ehesten nicht erfüllen.


    Doch warum wollte er weg von Valeria? Die Antwort ist ganz einfach. Zumindest ein Teil von ihr, denn: In ihrer Anwesenheit konnte er nicht nachdenken. Wenn sie bei ihm war, was sein Kopf vollkommen ausgelastet. So wie jetzt.
    Und der andere Teil der Antwort, den der junge Decimus schwer auf seinem Herzen und seinem Gewissen lasten spürte, wenn sie bei ihm war, war, dass Valeria ihm viel bedeutete; dass er sie hatte küssen wollen, sich danach sehnte, sie in den Arm zu nehmen, an sich zu drücken, in ihre weichen, gut duftenden Haare abzutauchen.


    Es hätte alles so leicht sein können. Jetzt hingegen war alles furchtbar schwer.


    Draußen ging es vor, wie in Maximians Kopf. Es regnete, als gäbe es kein Morgen mehr, es blitzte, dass der Tageshimmel, der von dunklen Wolken nahezu schwarz bemalt war, gefährlich zuckte, wie ein Tier, das in der letzten Phase seines Lebens steckte und den Tod nahen sah und es donnerte, als habe der Himmel das unsagbare Bedürfnis, all das Böse und Ungerechte, was er unter sich passieren sah, hinauszubrüllen in seiner fremden und unentschlüsselbaren Sprache. Zudem war nun auch noch Wind aufgekommen, der um die Ecken des kleinen Farmhauses pfiff und selbt innerhalb des Hauses die Flammen der Fackeln niederdrückte.


    Vor der Tür hörte er Mummias aufgeregte Stimme, die wohl zu Aurelius sprach:


    'Oh, hoffentlich ist Laren in dieser Stunde bei uns... Ein solch schlimmes Unwetter hatten wir schon eine ganze Weile nicht mehr. Ich werde beten gehen.'


    Er hatte Valeria wohl schon eine ganze Weile lang angesehen, denn sonst hätte er nicht ihren kläglichen Versuch zu lächeln wahrgenommen. Und auch nicht, wie sie ihm anschließend ihren dampfenden Becher hinhielt, dessen Inhalts wohltuende Dämpfe sich schon im Raum verbreitet hatten.
    Eigentlich hatte er keinen Durst. Er verspürte auch keinen Hunger oder überhaupt ein Bedürfnis. Aber ehe er wirklich nachdenken konnte, stand er ächzend auf und ging zu Valeria hinüber, die ihm immer noch den Becher hinhielt.


    Bei ihr angekommen, nahm er ihn nicht gleich. Er stand noch eine Weile vor ihr, sah auf sie hinunter. Wie gern hätte er den Becher genommen, ihn beseite gestellt und sie zu sich hinaufgezogen, an sie gedrückt, ihr seine Wärme gegeben?
    Sein Herz schmerzte, weil er es sich selbst nicht erlauben konnte, auch wenn er es wollte und wusste, dass sie sich ebenfalls nichts anderes wünschte. Stattdessen ging seine gesunde Hand zum Becher, legte sich auf ihn und dabei berührten sich ihre Hände. Ganz sanft nur, als wären sie bereits zerbrochen und würden gänzlich vergehen, wenn sie nicht vorsichtig waren. Aber Maximians Brust hob und senkte sich gleich ein wenig schneller.


    Er hatte den Blick gesenkt auf den warmen Becher gehalten und nahm ihn ihr nun schwer aber kaum hörbar seufzend ab. Auch er sah ziemlich traurig drein, versuchte nochmal ein wenig überzeugtes Lächeln mit einem ebenfalls mehr gehauchte "Danke." und wandte sich dann ab, den Becher Valerias in seiner Hand. Wieder sah er auf ihn hinunter, während die Hand des gebrochenen Armes ihre Finger an den Becherrand legte.
    Dann berührten seine Lippen den Becher und es musste aussehen, als würde er ein paar Schlücke vom erhitzten Wein trinken. Tatsächlich aber rann kaum ein Tropfen des heißen Gebräus seine Kehle hinunter. Nur kurz bevor er den Becher wieder von den Lippen entfernte, nahm er einen kleinen Schluck.


    Dann wandte er sich wieder Valeria zu. Das Schweigen machte ihn nahezu verrückt, weshalb er jetzt ein bisschen lautstärker zu ihr zurück ging und den Becher reichte.


    "Der... ist gut."


    Sim-Off:

    Tee kommt aus China und Indien! Meinst Du, dass die Römer ihn schon kannten? Ansonstens eine gewaltige Storry. Komm Du mir ja mal nach Hause, Sohn! :D MDM


    Sim-Off:

    Wie ich schon sagte: Eigentlich wurde Tee ja ursprünglich bei einem Vieh-Bauern in Hispania entdeckt. ;)

    Maximian hatte neben dem Bett gestanden und mit dem Rücken zur Tür, als Valeria gefolgt von Mummia hineingeführt wurde. Es mochte gut eine halbe Stunde vergangen sein, jedenfalls hatte es einen Wetterumschwung gegeben. Zuerst hatte Maximian geglaubt, es wäre eine Einbildung gewesen, dass dunkle Wolken aufzogen. Doch dann hörte er es grummeln, dann den niederprasselnden Regen und schließlich konnte er an Valeria sehen, dass er sich das Unwetter nicht nur einbildete.


    Er hatte sie nur kurz angesehen, nachdem Mummia sie in den Korbstuhl gesetzt hatte. Sie sah furchtbar aus... Nass bis auf die Haut, vermutete Maximian, und sie wirkte völlig abwesend. Deshalb hatte er sich bald weggedreht, den Blick auf das Bett gerichtet.


    Sie würden hier jetzt nicht wegkommen. Max schluckte und ließ den Kopf fallen, bis das Kinn ihm beinahe auf der Brust lag. Sie sah seinetwegen so aus. Es ging ihr nur wegen ihm schlecht. Er wusste, wie er ihr würde helfen können. So einfach wäre es.


    Verzweifelt ließ Maximian sich auf das Bett sinken. Die Stille im Raum war die reinste Tortur für die Nerven, die Gefühle, das Herz. Und je länger sie anhielt, desto schmerzhafter wurde sie und auch lauter. Eine durchdringende, brüllende, aggressive Stille. Sowas hatte Maximian noch neimals zuvor erlebt. Leise schniefte er, wischte sich mit einer fahrigen Bewegung über das Gesicht und hob den Blick wieder, suchte Valeria. Sie saß unverändert in ihrem Sessel, starrte ins Leere.


    Die Tür öffnete sich und Mummia kam wieder herein. Sie trug ein kleines, rundes Tablett, auf dem ein Becher und ein Krug standen, aus denen es dampfte. Sie stellte alles auf einen kleinen Schemel, goss den Becher voller Wein und drückte ihn anschließend Valeria in die Hand, die unverändert tot dreinblickte.
    Mummia berührte Valerias Wangen, wonach sie entsetzt mit der Zunge schnaltze und schnappte sich sogleich die um Valerias Schultern gelegte Decke, um sie an den Schultern der jungen Frau hin und her zu reiben.


    'Ach, Kind. Ganz kalt bist du... Trink, damit du nicht krank wirst. Je heißer der Wein ist, desto besser. Ich werde Aurelius sagen, er solle Wasser erhitzen. Ein schönes, heißes Bad, Kind, was hälst du davon?'


    Sie war noch eine ganze Weile mit Rubbeln und Bemuttern beschäftigt, doch Valeria regte sich kaum. Irgendwann ließ Mummia dann doch noch mit sorgenvollem Blick von ihr ab und wandte sich an Maximian, der da den Kopf senkte. Dann seufzte sie hörbar auf und trat an Max heran. Unsanft hob sie sein Kinn an, musterte ihn strafend und hielt ihm dann die flache Hand an die Stirn.


    'Du solltest dich lieber schonen, als junge Frauen zu verletzen. Siehst auch nicht gerade umwerfend aus...'


    Warum war Mummias Stimme so kühl, wenn sie zu ihm redete? Wusste sie, was vorgefallen war? Warum zeigte sie sich nicht neutral und ließ Maximian wenisgtens Raum für Erklärungen?
    Er schob ihre Hand von sich und wandte den Kopf zur Seite. Er trug eine Maske mit ausdruckslosem Blick. Darunter aber war er wütend und wünschte sich, dass Mummia verschwand, dass es aufhörte zu gewittern, dass.... dass er sich vor Valeria verstecken konnte.

    Maximian blinzelte, sah in ihr Gesicht, das sie vor ihm halb verbarg, indem sie nicht zu ihm aufsah und fühlte ihre warmen Hände auf seiner Brust, in der es heftig trommelte. Dann fuhren Valerias Hände hinauf, bis sie sie in seinem Nacken verschränkte und sich näher an ihn heran zog. Seine Atmung setzte aus, während sie ihren Kopf an seinen legte, ihre Wange an seine. Ihr warmer Atem streifte seinen Hals, während ihre Nasenspitze an seinem Ohr herumspielte. Er ließ die angehaltene Luft entweichen und schloss die Augen, die bislang die gegenüberliegende Wand angestarrt hatte.


    Es tat so gut, sie zu spüren. Sie schmiegte sich an ihn, schien ihm endlos zu vertrauen. Und dann flüsterte sie, dass sie es nicht ertragen würde. Nein, auch er wollte nichts mehr sehnlicher, als Valeria in den Arm zu nehmen, sie zu streicheln und zu küssen. So viel gab sie ihm und so wenig gab er ihr.
    Sein gesunder Arm, der bislang unschlüssig an seiner Seite gehangen hatte, legte sich an ihre Taille und sein Kopf neigte sich ihrer Schulter entgegen. Das Gesicht vergrub er in ihren Haaren. Es war nur noch wichtig und richtig, ihr nahe zu sein.


    Dann löste er sich aus ihren Haaren, ließ sein Gesicht wandern, bis ihre Nasenspitzen direkt voreinander standen und sich beinahe berührten. Ihre Augen waren so tief, ihre Wangen so weich und ihre Lippen... Max legte den Kopf leicht schräg, während er Valeria weiterhin ansah, als würde er bis auf den Grund ihrer Seele tauchen wollen. Wenige Millimeter kam er ihr entgegen, hielt dann nochmal inne.
    Er liebte sie. Nichts war klarer als das in jenem Moment, denn wenn er sie so ansah, waren seine Schmerzen und alle anderen Gedanken wie verpufft. Alles, was noch existierte, war sie.


    Er würde sie jetzt küssen und es würde der erste Kuss sein, an den er sich erinnern würde. An den sie sich erinnern könnten. Er schloss die Augen, wollte gerade die letzte winzig dünne Schicht Luft zwischen ihnen verdrängen, als Julias Bild vor seinem inneren Auge auftauchte und sein Herz plötzlich aussetzte. Die Augen öffneten sich wieder, aber er sah Valeria. Nicht Julia.


    Verwirrt blinzelte er sie an. Sie, die er eben noch hatte küssen wollen. Die Frau, die sein Herz beschleunigt hatte. Seine Großcousine, in die er sich... verliebt hatte? Sein Kopf zog sich wieder zurück, seine Hand fiel von ihrer Taille ab. Die Gedanken rasten, während der Kopf mit der Verarbeitung der Eindrücke gar nicht mehr hinterher kam und ihm ein Stechen zur Warnung sandte. Die Augenbrauen verrutschten, sodass er Valeria furchtbar zerknautscht und ungläubig zugleich ansah und stammelte:


    "Es... es tut mir leid."


    Im gleichen Augenblick noch wandte er sich von ihr ab. Die Hand ans Kinn gelegt und die Augen mit Tränen gefüllt, "humpelte" er zur Stalltür zurück, drückte seine gesunde Hand dagegen und schob sie so auf.
    Doch ehe er durchging, verweilte er nochmal einen Moment mit hängendem Kopf. Sein Hals schmerzte, weil sich ein so großer Kloß darin festgesetzt hatte. Der Schimmer in seinen Augen blieb hartnäckig und verwischte ihm die Sicht.
    Er wusste noch nicht, ob er es überleben würde, aber er wollte so schnell es ging weg von hier. Weg von Mummias Vorwürfen, weg von dem Ort, an den er sich nicht richtig erinnern konnte und der doch so vieles verändert hatte. Weg von der aufkeimenden Liebe.
    Ohne sich in der Haltung zu ändern oder sich zu ihr zu drehen, sagte er mit leicht ertsickter Stimme:


    "Wir... sollten bald... Wir sollten bald losreiten."


    Er schluckte und trat aus der Stalltür raus. Er kämpfte gegen seine Gefühle, gegen das Verlangen umzudrehen, Valeria wieder in den Arm zu nehmen und sie doch zu küssen. Und es gelang ihm. Doch als die Tür hinter ihm zufiel und er die ersten Schritte vom Stall wegmachte, rann ihm eine Träne über die Wange. Mit dem Ärmel seiner Tunika wischte er sie weg und blieb stehen.


    Warum nur?


    Wieder wandte er sich zum Stall herum, in dem Valeria nun ohne ihn stand. Sein Arm sank und ehe sich noch eine Träne freikämpfen konnte, lief Max wieder los. Zu aufs Haus, weg von Valeria, die er noch vor sich sah.


    Im Haus angekommen ging Max stumm an Mummia und Aureliius, die ihn völlig perplex ansahen, vorbei und direkt in das kleine Gästezimmer, in dem er mit Valeria geschlafen hatte.

    War es nur ein Lufthauch, der ihn da an der Schulter streifte? Nein, es konnte keiner sein, denn seine Tunika wurde an der Stelle warm und blieb es auch. Es war Valerias Hand, die er spürte.
    Er bewegte sich kein bisschen, ehe Valeria ihm anfing zu erzählen, was gewesen war, und ehe sie geendet hatte. Dann ließ er langsam den Kopf fallen.


    Ihre Worte wiederholten sich in seinem Kopf. Sie hatte Angst um ihn gehabt, ihn geküsst. Er hatte ihre Hand gesucht, sie geküsst, sie umarmt.
    Bestätigte sich damit eine tief sitzende Angst oder ein Gefühl, das von seinem Herzen ausging? Maximian konnte es sich in diesen Augenblicken nicht beantworten.
    Julia. Viola. Valeria. Wieder Julia. Er sah ihre Gesichter, fühlte Liebe und fühlte Schmerz, Ungewissheit und Schuld, Zuneigung und ewige Trennung.


    Dann, nachdem er den Kopf gesenkt und einen Kloß hinuntergeschluckt hatte, stieß er sich von dem Fass, gegen das er gelehnt war, ab, blieb aber noch einige Wimpernschläge mit dem Rücken zu Valeria stehen. Dann, ganz langsam, drehte er sich zu ihr herum. Zuerst mit noch gesenktem Kopf, den er dann jedoch langsam hob.


    Seine blauen Augen sahen zwischen den ihren hin und her. Er vertraute ihr, hätte niemals den Gedanken aufkommen lassen, dass sie ihm einen Teil verschwieg oder gar die Unwahrheit erzählte, um einen Vorteil rauszuschlagen. Sein Blick sprach Bände.
    In diesem Moment liebte er sie und doch wieder nicht. Er fühlte, dass er Julia betrogen hatte und doch wieder treu gewesen war. Und er strafte sich und doch zugleich unschudlig vor sich selbst.


    Ihr rannen Tränen die Wangen hinab. Er sah ihnen nach und seufzte innerlich schwer. Es tat ihm so sehr in der Seele weh, wie sie ihn ansah und zerbrechlicher wirkte, als er jemanden zuvor gesehen hatte.
    Unbemerkt seiner selbst hatten seine Füße sich selbstständig gemacht und den Raum zwischen Valeria und sich verringert. Sein Gesicht hatte sich ihrem genähert, sah sie immer noch an. Er schluckte, beugte sich noch ein Stückchen vor und ließ seine Lippen ihre linke Wange berühren, wo gerade noch eine Träne herabgerollt war. Langsam zog er seinen Kopf dann zurück und schmeckte dabei das Salz auf seinen Lippen. Er wiederholte seinen zärtlichen Kuss auf ihrer rechten Wange, entfernte sich dann von ihr und schloss kurz die Augen.


    "Ich... danke dir für deine Ehrlichkeit, Valeria. Dafür, dass du bei mir warst... bei mir bist. Ich... Ich..."


    Er kam nicht weiter. Weder in seinen Gedanken, noch mit seinen Worten. Er wusste einfach nicht, was er noch sagen sollte. Er war verwirrt und von den unterschiedlichsten Gefühlen erfüllt. Zeit... er sehnte sich nach Ruhe und Zeit. Ruhe, allein sein. Zeit, nachdenken.

    Nachdem er in den Stall hineingefragt hatte, war es eine ganze Weile noch still gewesen. Gerade hatte er noch einmal ansetzen wollen, Valeria erneut bitten, mit ihm zu reden. Doch da schniefte es aus einer Ecke des Stalles, dann hörte er ihre zitternde Stimme aus derselben Richtung. Er wandte den Kopf dorthin, sah aber niemanden. Dennoch senkte er nicht gleich wieder den Blick.


    Und als er den Boden ansah, der unter seinen Füßen sandig und staubtrocken war, sprach er mit einem bittren Lächeln auf dem Gesicht und zweifelbehafteter Stimme:


    "Ich bin mir nicht sicher, ob es noch schlimmer werden kann."


    Nun schüttelte er leicht den Kopf und schnaubte leise. Er lachte nicht, nein. Er fand die Situation auch alles andere als komisch. Vielmehr war sie ziemlich ernst. Das hatte er in Valerias Augen lesen können und konnte auch nicht umhin, es eben jetzt zu spüren.


    "Du musst mir glauben, dass ich... Wenn ich gewusst hätte, dass du..."


    Er zögerte, konnte nicht das sagen, was er sagen wollte. Kurz legte er den Kopf in den Nacken, schloss die Augen und atmete tief ein.
    Das Bild Julias erschien ihm währenddessen vor Augen. Die Liebe, die er ztu ihr empfand, war etwas besonderes. Etwas, das eine Verbindung schaffte und aufrecht erhielt, egal wo sie war und wo er.
    Doch wenn er ganz ehrlich zu sich war, und das war notwendig, um dem Geschehen auf die Fährten zu kommen, dann... dann hegte er auch Gefühle für Valeria. Sie waren zwar in keinster Weise so wie die, die ihn mit Julia verbanden, doch auch sie waren auf ihre eigene gewisse Weise stark. Und jetzt waren sie vor allem von dem Wunsch getragen, sie in die Arme zu schließen, so wie er es beim Aufwachen getan hatte. Er wollte sie nicht weinen sehen und fühlte sich hundsmieserabel zu wissen, dass er daran Schuld war. An den Tränen, die sie gegenwärtig vergoss.
    War er nun "unfreiwillig" Schuld daran? Liebte sie ihn und musste verstehen lernen, dass sein Herz schon einer anderen gehörte? Oder hatte er ihr in den Stunden zwischen Sonnenuntergang und -aufgang etwa einen Teil seines Herzens zugesprochen? Dann nämlich waren seine Gefühle wohl mit Liebe gleichzusetzen und er jetzt nur verwirrt, weil die Erinnerungen fehlten. Und wenn nicht, wenn er sich einfach nur an ihr festgehalten hatte, um schlicht jemanden bei sich zu spüren, dann... Nun, dann wollte er ebenfalls für Valeria da sein, sie in den Arm nehmen und ihr Trost spenden, wie ein guter Freund es tat.


    Er versuchte sich vorzustellen, wo Valeria sich gerage aufhielt. Vor seinem inneren Auge saß sie im Stroh neben Alfidia, die ihre weichen Nüstern an ihren Kopf hielt und Valeria ihren warmen Atem ins Haar blies. Sie hatte ihre Beine angewinkelt, die Decke um sich gelegt und so versucht, sich vor der Enttäuschung zu schützen. Sie weinte. Was ihr wohl gerade durch den Kopf ging?


    Sein Kopf kippte wieder nach vorn, was eine Welle des Schmerzes gegen die Innenseite seiner Stirn branden ließ. So verharrte er noch einen weiteren Augenblick in seiner ruhenden Haltung, ehe er die Augen wieder öffnete und mit ihnen auch den Mund.


    "Ich muss wissen, was gewesen ist, Valeria. Ich bin verwirrt und weiß nicht, was ich denken oder fühlen soll. Dabei wünschte ich, dass ich dir damit nicht wehtun müsste... Ich..."


    Angestrengt blinzelte er, während sein Blick die gegenüberliegende Wand fixierte und sein Brustkorb sich recht schnell hob und senkte. Seine blauen Augen suchten, fanden jedoch nichts. Seine Finger tasteten, konnten aber nichts ergreifen. Seine Füße gründelten, fassten aber keinen festen Stand. Und seine Sinne gruben sich tief in sein Herz, fanden abermals nichts als Widersprüche.


    "Erzähl mir bitte, wie unsere Nacht verlaufen ist. Wenn wir darüber schweigen, egal was gewesen ist, wird es unseren Köpfen keine Ruhe mehr lassen. Stellst du dir nicht auch immer dieselbe Frage? Vielleicht... vielleicht finden wir gemeinsam die Antworten auf unsere Fragen. Vielleicht... Vielleicht wird dann einiges klarer."


    Der Blick war gesunken und Maximian ließ seine Worte noch einige Augenblicke verklingen, dann wandte er den Kopf in die Richtung, in der er Valeria vermutete. Wenn sie ihn sehen konnte, würde sie erkennen, dass ihm viel daran gelegen war und auch er litt.

    Sie zog sich von ihm zurück, rückte dorthin, wo sie am weitesten von ihm entfernt war, hüllte sich in eine Decke, verschloss sich vor ihm und dem Zimmer, das mit einem sehr viel größer und kühler auf ihn wirkte. Dann schlang sie noch die Decke um sich, vergrub ihren Kopf darin. Ihr Rücken schüttelte sich, das konnte er genau sehen. Sie weinte.
    Er schluckte und sah nun seinerseits auf das Bettlaken. Verständnislos waren seine Augen aufgerissen, weil er nicht mit solch einer Reaktion gerechnet hatte. Denn so... so, wie sie sich versteckte und weinte, konnte er wussten die Götter was getan haben, während er nicht mal mehr wusste, wer er war. In der Nacht.


    'Heute Nacht...', wollte sie anfangen zu erzählen, brach aber auch schon wieder ab. Sie starrte an einen undefinierbaren Punkt irgendwo zwischen ihm und ihr und doch wieder nicht festlegbar und er wollte gerade noch einmal nachfragen, was heute Nacht war, da stand sie auf und flüchtete. Er konnte kaum verstehen, was vor sich ging, als er auch schon Mummius überraschten Aufschrei hörte.


    Und als sie dann zu ihm reinkam, er mit freiem Oberkörper auf dem Bett saß und immer noch das Laken anstarrte, bekam er kaum mit, wie Mummia ihn anfuhr. Er war irgendwo anders, aber nicht hier. Nicht in diesem Raum, nicht auf diesem Bett. Dennoch aber gelanten die Worte der dicken Frau in seine Ohren und ließen den Kopf allmählich wieder anspringen.


    Valeria. Er musste zu ihr. Wie in Trance erhob Max sich und schenkte Mummia keinen Blick. Alles schmerzte, als er sich suchend nach einer Tunika umsah, die er sich überziehen konnte. Mummia sah ihm dabei verdutzt zu und schüttelte immer noch den Kopf.
    Der Schmerz machte Maximian wütend. Wieso lief mit einem Mal alles schief? Warum hatte er keine Erinnerungen mehr, weshalb war er gestürzt, weshalb hatte Valeria sich in ihn verliebt, warum war er darauf eingeangen und vor allem warum war Mummia so furchtbar laut, wo er mit mehr nichts als einem Leibschurz vor ihr stand?!
    Da sah er zu ihr, streifte sie mit einem ziemlich missgelauntem Blick und erkannte in ihren Händen ein Stück Stoff, das sie ihm hinhielt.


    'Suchst du die hier?'


    Maximian nickte, nahm ihr die Tunika ab und machte sich daran, sie sich über zu ziehen. Es war die reinste Tortur. Er musste die Arme dafür über den Kopf heben, was die Haut am Rücken dehnte und wie tausend Nadelstiche wirkte, dann fühlte er den Stoff seinen Rücken hinunterrutschen. Er verzog schmerzhaft das Gesicht, ächzte verhalten und zog die Tunika dann langsam zurecht, während Mummia meckerte...


    'Schämen solltest du dich! So geht man doch nicht mit seiner Frau um! Und nun mach, dass du zu ihr gehst... Armes Kind hatte ganz rotgeweinte Augen. Und denk ja nicht, dass du mir so davon kommst! Erzogen solltest du werden, dass du dieses Kind, das dich offensichtlich sehr liebt, verjagst... Manieren sind das!'


    Er hatte sich gerade aufs Bett niedergelassen, um seine Sandalen zu schnüren. Mummias Redeschwall war mehr oder weniger an ihm vorbeigezogen, bis auf eines: Sie nannte Valeria seine Frau. Überraschen tat es ihn fast nicht...
    Die Sandalen waren geschnürt und umständlich erhob der junge Decimus sich. Kaum später war er auf Mummias Höhe, die immer noch mit in die Seiten gestützten Armen in der Tür stand und den jungen Mann argwöhnische Blicke zuwarf. Er seufzte bei ihr angekommen, sah sie nicht direkt an.


    "Sie ist nicht meine Frau."


    Damit schob er Mummia, die offensichtlich vedutzt war und sich die Hand vor den Mund schlug, zur Seite und durchquerte das Haus, bis er nach draußen trat. Da stand Aurelius, warf Maximian einen sorgenvollen Blick zu.


    'Die Frauen, Junge. Geht es dir denn so weit gut, dass du hier rumspazieren kannst? Ach, falls du deine Frau suchst, sie ist eben in den Stall gelaufen. Ich glaube... Kann es sein, dass sie weinte?'
    Maximian nickte, während er Aurelius passierte. Wie ein alter Mann ging er langsam und ein wenig geduckt, während er mürrisch dreinblickte.


    Bei der Stalltür angekommen atmete Max durch und wandte sich noch einmal zu Aurelius um, der ihm hinterhergesehen hatte und nun die Schultern hob, als wolle er fragen: Was ist? Geh rein.
    Max nickte kaum merklich, wollte sich gerade zur Stalltür umwenden, als er nochmal innehielt und leise hervorstieß, sodass Aurelius ihn schwerlich gehört haben dürfte:


    "Sie ist nicht meine Frau. Sie ist..."


    Die Stimme versagte ihm und er öffnete endlich die Tür. Der Stall war dunkel, denn Holzdiele lag eng an Holzdiele, sodass es kaum Ritzen und Spalten gab, durch die die Sonne ihre Strahlen schicken konnte.
    Er brauchte einen Moment, bis seine Augen sich an das schummrige Licht gewöhnt hatten, dann machte er ein paar Schritte. Er hörte sie nicht, aber sie musste ja hier sein.
    Er seufzte und blieb stehen. Die Wut war gewichen, aber sein Rücken schmerzte unangenehm. Seine Augen suchten und fanden ein Fass, zu dem er hinüberging und sich anlehnte. Es tat gut, nicht allein stehen zu müssen. Und wenn er die Schultern hängen ließ, war es gleich noch besser.
    Dann sammelte er all seinen Mut zusammen und hob den Kopf, um den Stall zu durchsuchen, in dem es vereinzelt wieherte oder scharrte.


    "Valeria, ich... Lass uns darüber reden, ich bitte dich."

    Er hatte sie beobachtet, wie sie reagierte. Wie sie ihren Blick senkte, ihr das Wasser in die Augen trat und schließlich einen Tränenstrom aus ihr herausbrach. Dann entschuldigte sie sich und alles, was Maximian in diesem Moment noch fühlte, war das Hundeelend. Er seufzte schwer, nahm seinen gesunden Arm hoch und legte seine auf Valerias Hand.


    Er suchte ihren Blick. Er musste einfach wissen, was geschehen war, damit... damit er sich entschuldigen konnte. Damit er vor sie hintreten konnte und sagen, dass... Dass er Julia liebte.
    Sein Herz schmerzte. Er konnte nicht ganz genau sagen, weshalb. Es tat ihm weh, sie so zu sehen.


    "Nein, mir tut es leid."


    Er sah auf seine Hand, gab sich einen Ruck und fing an mit dem Daumen über ihren Handrücken zu streichen. Dann atmete er tief ein, wieder aus und sah an Valeria vorbei.
    Was war das, was er für sie fühlte? Sie waren so... so verbunden, auf eine gewisse Art und Weise. Er fühlte sich bei ihr geborgen und war ihr dankbar. Aber war das schon Liebe? War er nicht einfach noch verwirrt...? Konnte man zwei Menschen auf einmal lieben? Liebte er sie überhaupt?
    Und da musste er leise und über sich selbst auflachen.


    "Weißt du, als ich vorhin aufwachte und dich in meinen Armen spürte, war es, als würde ich daran gewöhnt sein, so aufzuwachen. Aber ich weiß, dass ich es nicht bin. Und ich frage mich, was mir dieses Gefühl trotzdem vermittelt... die Antwort darauf scheint nicht zu existieren. Aber das schlimmste ist, dass ich keine Erinnerung an gar nichts mehr habe. Ich bin gestern aufgewacht, habe mich angekleidet und bei den Stallungen auf dich gewartet, aber von da an schwinden die Erinnerungen."


    Er seufzte, hatte die Stirn in tiefe Runzeln gelegt und senkte den Kopf, während er seine Hand auf ihrer ansah. In diesem Moment passte sie nicht dorthin, weshalb er sie langsam zu sich nahm.
    Dann sakten seine Schultern ein Stückchen runter und weiterhin wagte er es nicht, den Kopf anzuheben. Für den Fall, dass da etwas gewesen war, heute Nacht. Falls Valeria sich Hoffnungen gemacht hatte... Falls er ihr den Grund gegeben hatte zu hoffen.


    "Ich.... nehme an, dass ich... Nun, dass ich dir nicht von Julia erzählt habe?"


    Er machte eine Pause. Da aber nichts aus Valerias Richtung kam, fuhr er schließlich fort.


    "Sie... sie ist in Germania, aber ich lernte sie in Rom kennen. Ich..."


    Er stockte und hob den Kopf. Ihm war bewusst, dass er Valeria gleich fürchterlich wehtun würde. Warum nur wusste er es? Warum machte es ihm etwas aus?
    Aber es nützte nichts. Valeria musste die Wahrheit hören. Ja, sie hatte ein Anrecht darauf, weil ihr Tränen in den Augen standen, weil sie sich für etwas entschuldigt hatte, das geschehen war und von dem er keine Ahnung hatte. Es war nur gerecht, wenn... Aber es würde schmerzen.
    Leise sprach er, während sein Blick seltsam weich war.


    "Ich liebe sie. Und... und ich werde das Gefühl nicht los, dass ich... dass ich ihr Unrecht getan habe. Dass ich... dir Unrecht getan habe. Was ist heute Nacht nur geschehen?"


    Er schüttelte leicht den Kopf, als er die letzten Worte sagte. All seine körperlichen Schmerzen, die vom Sturu herrührten, waren wie verschwunden. Er fühlte nichts in diesem Moment, als würde er aus Luft bestehen.

    Maximian schmunzelte und schüttelte leicht den Kopf.


    "Nein, ich wollte dich eigentlich nur kurz informieren, dass ich einen Ausritt mache. Mit Valeria, kennst du sie? Wir werden nicht lange unterwegs sein, schätze ich. Sie ist das Reiten nicht gewöhnt und wird schnell müde werden. Mach dir keine Sorgen, hm?"


    Er zeigte ein bedauerndes Lächeln, weil er gern etwas mit seiner Mutter unternommen hätte, nahm es sich aber für einen späteren Zeitpunkt fest vor.


    Dann ging er.

    Max beobachtete, wie Valeria ihren Kopf auf seiner Brust ablegte, ihre Hand daneben. Er musste schlucken, denn wie sie es tat, sah so selbstverständlich aus. So, als wären sie Liebende, die einen gemeinsamen Morgen nach einer glückseligen Nacht damit verbrachten, sich vor dem Aufstehen zu weigern. Doch sein Herz war dabei fast in den Leibschurz hinabgerutscht und sein Aten war flach. Dann auch noch ihre Worte, die das Fass beinahe zum Überlaufen brachte.


    Es konnte nicht wahr sein, schrie Maximians innere Stimme. Und dann wiederum musste er sich eingestehen, dass er sich mit Valeria in den Armen gut gefühlt hatte. Jetzt war es anders. Es war, als würde er drohen zu ersticken. Weiterhin blinzelte er angestrengt zur Decke hinauf, die ihn wie eine stumme Zeugin hämisch anzugrinsen schien.


    Mit einem Mal war ihm alles zu viel. Er hob seinen Oberkörper an, half Valeria mit seinem gesunden Arm von seiner Brust herunter und setzte sich, den Rücken zu ihr, stöhnend auf. Stöhnend, weil er sich dabei zu viel bewegte und der Rücken, der an einigen Stellen tief blau war, unheimlich schmerzte.
    Doch auch das ging vorbei und er wartete es eisern ab. Dann stützte er den Kopf in seine gesunde Hand, rieb sich über die Augen, als würde so irgendeine Erinnerung eher zurückkommen können. Aber es geschah nichts. Dann murmelte auch er.


    "Ich weiß nicht, von was du da sprichst, Valeria, aber ich muss dir etwas sagen."


    Er verharrte noch einen Moment, dann wandte er sich umständlich leicht zu ihr. Dann schluckte er und sah ihr in die Augen.


    "Aber davor... davor... Nun, was... ich meine..."


    Er brach ab und zuckte hilflos mit den Schultern. In seinen Augen musste die Frage stehen, die er nicht in Worte fassen konnte, weil... weil er ihren Gesichtsausdruck sah, weil er Julia sah und weil er ein furchtbar beklemmendes Gefühl hatte.

    Maximian sah ihre Hand eine Weile lang an, dann nahm er sie. Er wusste ja schließlich nicht, was ihn erwarten würde. Und dann hörte er sich ihre Geschichte an. Seine Geschichte. Das, was ihm den Arm gebrochen hatte und... Das Gedächtnis raubte.


    Zuerst nahm er gar nicht den Ton wahr, mit dem Valeria erzählte, doch als sie schließlich noch einmal nachhakte, ob er sich tatsächlich an nichts erinnerte, und so dermaßen enttäuscht dreinblickte, schwante es Maximian, dass Valeria nicht alles erzählt hatte. Etwas, das sie betraf... und ihn?


    Er fasste wieder die Decke in den Blick und blinzelte angestrengt. Was war gewesen? Er zermaterte sich den Kopf, stellte sich immer wieder dieselbe Frage, bis er sich schließlich in Gedanken selber anschrie: 'Was war nur gewesen?!'
    Ein komisches Gefühl breitete sich aus. Es war jenes Gefühl, das ein Punkt in seinem Kopf ihm vorher schon einmal vermittelt hatte. Und diesmal war es größer, deutlicher...
    Julia. Er sah ihr Gesicht vor sich, wie sie weinte. Dann stand er auf dem Schiff und fuhr, während sie am Hafen stand und das noch, als sie nur noch ein Punkt war. War das der Punkt in seinem Kopf, der ihn warnte? Nein, es konnte nicht sein. Er hatte Julia sein Herz gegeben, wusste es immer noch nur in ihren Händen.


    Sein Kopf kippte wieder, womit er ihre Hände sehen könnte. Seine, die sich um Valerias schloss. Es tat gut so gehalten zu werden. Es hieß, dass er nicht allein war, obwohl er sich so verloren fühlte, weil sein Kopf ihm seinen Dienst versagte.
    Aber fühlte er dabei das, was er bei Julia gefühlt hatte? Sollte er es fühlen? Hatte er es in der Nacht gefühlt?
    Fragen, hunderte von Fragen. Sie machten seinen Geist mürbe, ließen seine Muskeln verkrampfen. Er war wütend... Wütend auf sich und darauf, dass er nicht Herr über sich selbst sein konnte.


    Hatte er Julia unrecht getan? War Valeria in seinen Armen aufgewacht, weil sie in der Nacht... Nun gut, allein diese Umarmung im Schlaf, Valerias Hand, die ihm den Arm hinaufgestrichen war, ihre strahlenden Augen.
    Maximian richtete den Blick auf Valerias Gesicht und schüttelte so gut es ging, wenn man auf einem Kissen lag, und unsicher den Kopf.


    "Meine Erinnerungen hören da auf, wo ich gestern aufgewacht bin und setzen genau hier wieder ein."

    Beinahe sah er der Hand dabei zu, wie sie auf ihm spazieren lief. Es kitzelte ihn, doch er widerstand auch nur im geringsten eine Miene zu verziehen. Und die Frage, was gewesen war, wuchs dabei stetig an. Er fühlte sich mit Valeria verbunden, nicht einmal unwohl, so wie sie jetzt bei ihm lag und ansah. Doch irgendwie... war er auch irritiert. Ganz tief hinten in seinem Kopf saß der Ursprung für dieses Gefühl, doch es war noch nicht stark genug.


    Und weil er wirklich nicht wusste, was Valeria ihm da weiß zu machen versuchte, erwiderte er erst etwas, als sie ihn auf den Arm ansprach. Sein Blick wanderte zu der Schlaufe, wobei ihm abermals auffiel, dass er recht wenig Stoff am Leibe trug. Er hatte das Gefühl, er sollte sich erinnern. Aber er tat es nicht. Leicht verärgert zog er die Brauen tief in die Augen, brummte leise und meinte dann:


    "Nein, der Arm fühlt sich momentan recht gut an. Und der Rest..."


    Er stockte kurz und sah noch einmal durch das Zimmer. Er wusste wo er war, das spürte er. Aber er kam trotzdem nicht drauf. Seufzend wandte er den Kopf wieder Valeria zu.


    "Ich weiß nicht wo wir sind oer wie wir hierher gekommen sind, genauso wenig kenne ich den Grund für meine Schmerzen und noch weniger, warum ich mich an so wenig erinnern kann."


    Letzteres hatte er mit einem waschechten Dackelblick rausgepresst. Es beunruhigte ihn nun, was er da gerade gesagt hatte. Was war nur los?
    Weiter nachdenken konnte er dann auch erstmal nicht - obwohl er so tat-, weil Valerias Hand seinen Arm hinab strich. Er blinzelte angestrengt und sah an die Zimmerdecke.


    Was war nur mit ihm los?