Beiträge von Quintus Caecilius Metellus Varro

    Drei Wochen nach ihrem Aufbruch aus Ostia erreichte die Pegasus auf ihrem Weg nach Colchis den Hellespont und damit die Einfahrt in den Propontis. Die Fahrt durch das zwischen Thrakia von Asia liegende Binnenmeer würde nur wenige Tage dauern und dann, ja dann erwartete sie der unbekannte und geheimnisvolle Pontus Euxinus, von manchen auch „Das Schwarze Meer“ genannt. Dann würden sie noch eine Weile an der Nordküste Asias entlang segeln, um schließlich die letzten römischen Außenposten hinter sich lassen und an Küsten fahren, an denen nur noch Barbaren hausten… wenn nicht gar schlimmeres.

    „LEINEN LOOOOS!“


    Der Ruf des Kapitäns hallte über das bescheidene Deck der kleinen Corbita.


    „STOßT AB DAS SCHIFF!“


    Die Pegasus wurde mit langen Stangen und kräftigen Muskeln von der Kaimauer abgestoßen.


    „BEI DEN RIEMEN. SINNIG, MÄNNER!“


    Koordiniert ließen die Seeleute die Ruder zu Wasser...


    „PUULLLLT!“


    …und begannen das schwerfällige Schiff langsam aus dem Hafenbecken zu rudern.
    Als sie die Insel passiert hatten, die mittig vor dem Hafen von Ostia lag, frischte der Wind auf und der Kapitän brüllte neue Befehle:


    „SEGEL SETZEN UND BELEGEN!“


    Das Hauptsegel der Pegasus wurde hochgezogen und die Leinen straff gespannt. Sofort verfing sich der Wind in dem großen Tuch und die Corbita machte einen kleinen Satz nach vorne, als sie Fahrt aufnahm.

    „IOOOOON! IOOON!“


    „Ja Herr, was ist denn?“
    Der griechische Steuermann der Pegasus hatte gerade ein Nickerchen gehalten, als sein Kapitän ihn derart lautstark störte.


    „Ion, trommle die Mannschaft zusammen, wir haben einen Auftrag.“

    „Es ist Ende September. Die Saison geht dem Ende zu. Nicht weit, hoffentlich.“


    „Doch. Pontus Euxinus!“


    „Was? Ins "Dunkle Meer"? Poseidon wird uns strafen!“


    „Ach was. Wir sehen zu das wir rasch die Ladung an Bord nehmen und hier weg kommen. Der Wind steht gut, schon seit Tagen. Wir beeilen uns und du wirst sehen, dass wir noch vor den erste schlimmen Herbststürmen in Colchis sind.“


    „Colchis auch noch? Oh, bei den Göttern!“


    „Nun mach mal halblang. Da leben auch keine Menschfresser.“


    „Das sagst du, Herr. Meine Großmutter hat mir als kleiner Bub anderes Geschichten erzählt.“


    „Du wirst doch Großmutters Geschichten jetzt nicht mehr glauben schenken?“


    „Was Frauen und Römer angeht, da hatte sie recht.“

    „Ich will´s gar nicht wissen. Jetzt aber, auf, ruf die Männer, dass wir hier schleunigst weg kommen, bevor wir den Auftrag verlieren. Die Denarii können wir gut brauchen.“


    Leise vor sich hinschimpfend machte sich Ion auf den Weg. Nach Colchis also, kaum ein anderes Ziel hätte ihm weniger behagt. Nun, Britannia wäre vielleicht noch schlimmer gewesen, oder Hibernia. Lutae vielleicht, oder Norvegia… aber ansonsten, nein, dass Ganze gefiel ihm gar nicht.

    … und bald darauf von dort aus in das frigidarium, dass Kaltwasserbad. Er legte sein Tuch ab und ließ sich in das doch ziemlich kalte Wasser gleiten. Das schien ihm aber nicht viel auszumachen, denn er länger als alle anderen darin.


    „Ahh, nichts geht über ein erfrischendes Bad.“, meinte er grinsend zu einem der wenigen anderen Gäste. Dieser, allem Anschein nach ein recht verweichlichter Geselle, verzog daraufhin nur etwas gequält das Gesicht und trollte sich.

    Caecilius Metellus Varro betrat die Thermae Ostiae und wurde sogleich von einem aufmerksamen captuarius, einem Kassierer, in Empfang genommen. Er entrichtete das moderate Eintrittsgeld und begab sich in das apodyterium, den Auskleideraum. Dort legte er seine Kleider ab und übergab sie einem Sklaven der Therme zur Aufbewahrung. Dafür erhielt er ein Handtuch, das sogar frisch gewaschen aussah, wie Varro zufrieden bemerkte. Er schlang es sich um die Hüfte und ging weiter zum Warmwasserbad, dem caldarium. Dort entledigte er sich des Tuchs und stieg, wie die Götter ihn erschaffen hatten, in das Becken.


    „Aaah, herrlich.“

    „Bravo! Es gibt viel zu wenig Priester im Cursus Honorum. Wird Zeit das den Göttern wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird, jawoll!
    Erst letztens hab ich wieder ne Spiere wegen Neptuns Raserrei verloren und Mercurs Liebe für uns Römer war auch schon mal größer. Stattdessen füllt er den Syrern und Cretern die Taschen.
    Ich sage euch, wählt einen Priester! Zeit wird´s schon lang!“