Balneum

  • Sie spürte Glabrios Lippen auf den ihren und wollte ihn am liebsten mit sachtem Knabbern hindern, dass er seine Lippen von den ihren fortnahm. Er tat es von sich aus. Leise aufschluchzend liess Sontje seine Liebkosungen ünber sich ergehen und genoß diese mit jeder Faser ihres Körpers, um sich immer an diese errinnern zu können. Die junge Frau schluchzte auf, als er aus dem Badezimmer und somit aus ihren Augen verschwand. Sie musste ihm hinterher, es war noch nicht alles gesagt! Deshalb ging sie zur Tür und schaute ihm nach.


    "Glabrio!" rief Sontje schluchzend seinen Namen aus. Es kam keine Erwiderung... der Flur blieb still. Weinend zwängte Sontje an dem im Türrahmen stehenden vorbei und lief auf das Zimmer der Zwillinge. Dort suchte sie das Kleid heraus, welches sie auf der Hochzeit getragen hatte und nahm es mit in ihr Bett. Unter der Decke sich verkriechend, schnupperte sie von Schluchzern geschüttelt an dem Stoff, wo noch ein Hauch von Glabrios vertrautem Geruch hing. Ganz dicht lag das Kleid bei ihr und suggerierte Sontje, dass Glabrio bei ihr liegen würde. Irgendwann wurde sie des Weinens müde und schlief, das Kleid eng an sich drückend, ein. Sie vermisste ihren Geliebten schon jetzt.. mit jeder Faser ihres Körpers sehnte sie sich nach ihm und seinen starken Armen.

  • Wenige Tage nach der Geburt stand der erste Badetag der kleinen Familie auf dem Plan, wenn auch Lando sich eher unwillig dazu kommandieren lassen musste. Natürlich war das Neugeborene schon gebadet worden, aber der umfassende Badetag war dann doch eher was besonderes. Vor allem, wenn man bedachte welche Antipathie Lando gegenüber heißem Wasser empfand, seit seinem ersten Versuch, sich einmal darin einzulegen.
    Elfleda war hingegen unerbittlich gewesen, wenn auch sie selbst keine Erfahrung damit hatte, sich restlos in heißes Wasser zu begeben. Die Frau hatte leicht reden, sie hatte das ja noch nie versucht!


    Lando dachte sich letztendlich, dass es ihr genauso ergehen würde wie ihm, und lachte sich insgeheim ins Fäustchen, als sie zusammen das Badezimmer betraten, deren Badewanne schon von Lanthilda mit heißem Wasser gefüllt worden war.


    "Da...", raunte Lando mit einer Spur von Ehrfurcht in seiner Stimme, während er sich schon fast hinter Elfleda versteckte, "...das ist sie."


    Feiner Dampf füllte den Raum, vor allem, da die Raumtemperatur vorher nicht unbedingt die höchste gewesen war. Und so zogen sich weiße schlieren von der verdächtig ruhigen Wasseroberfläche in die Höhe, und der Geruch von teurem Nadelöl lag in der Luft.


    "Bist du sicher, dass das eine gute Idee ist? Ich meine, wir haben sie noch nicht einmal in Eiswasser gehalten. Warum sollten wir sie dann gleich an das warme gewöhnen?"

  • Die ersten Tage nach der Geburt waren die anstrengendsten gewesen. Alle zwei Stunden aufstehen, Kind stillen, neu wickeln. Elfleda dämmerte in einem permanenten Halbschlaf vor sich hin und bekam gar nichts mehr so wirklich mit. Sie war nur noch entsetzlich müde. Aber es ging ja nicht anders, sie musste das Kind stillen. Nicht nur einmal war sie dabei eingeschlafen, und es war ein Glück, dass Lanthilda und Marga eigentlich immer in der Nähe waren, die dann aufpassten, dass das Kind sich nicht verschluckte, und Mutter und Kind dann so hinlegten, dass sie weiterschlafen konnten.
    So war es auch nicht weiter verwunderlich, dass Elfleda nach einer Woche einfach mal sich gründlich waschen wollte, und Vater und Kind gleich mit. Sie fühlte sich schon richtig verlottert, weil sie einfach nicht wirklich dazu gekommen war. Sie war jetzt zwar schon seit 2 Tagen wieder auf den Beinen, aber so wirklich kam sie einfach nicht dazu, sich darum zu kümmern. Nun, so schlimm war das nicht gewesen, immerhin musste sie noch völlig ausheilen. Vorher zu baden war gefährlich, einige Frauen verbluteten dann, und wieder andere wurden danach krank. Das war schon immer so, wenn man blutete, sollte man nicht baden. Dass das etwas mit Keimen im Wasser zu tun hatte, wusste Elfleda freilich nicht, sie hielt sich einfach an die alte Weisheit, die schon seit Generationen überliefert wurde und noch in Generationen an die Töchter weitergegeben werden würde.


    Aber heute war alles gut, sie hatte seit gestern nicht mehr geblutet, sie war soweit wach, und auch Naha ging es blendend. Da wurde also gar nicht lange gefackelt, sondern einfach bestimmt, dass es Zeit für einen ausführlichen Badetag sei.
    “Eiswasser? Das können wir auch noch machen, wenn sie größer und kräftiger ist. Oder willst du, dass sie krank wird?“ fragte Elfleda etwas verwirrt und schaute ihren Göttergatten lachend über die Schulter hinweg an, während sie ihren Nachwuchs schon leise summend zur Wanne trug. “Du kommst ja auf Ideen. Dein Papa hat komische Ideen“, witzelte sie mit sanfter Stimme zu dem Kind und strahlte es an. Überhaupt, wenn sie wach und gerade mal nicht total fertig und müde war, lächelte sie eigentlich nur seit der Geburt. “Du hast doch wohl nicht etwa Angst vor einem bisschen warmen Wasser, großer starker Mann?“
    Verspielt tauchte sie ihre Hand in das – verdammt, ist ja wirklich warm! – Wasser und spritzte dann einmal ein paar Tropfen in seine Richtung, das Kind auf dem anderen Arm haltend.
    “Komm schon, ausziehen und rein mit dir, damit ich sie dir geben kann“ meinte sie also neckisch.

  • "Irgendwann werden wir das machen MÜSSEN. Das ist bei dir auch so gewesen, und du kannst dich nicht dran erinnern. Was sie nicht umbringt, macht sie härter... und selbst die Römer wissen, dass eine kalte Dusche Wunder wirken kann. Du wirst sie nicht davor bewahren können.", meinte Lando, der sich auf einen steinernen Sims hockte, und keine Anstalten machte sich auszuziehen.


    "Ich geh da nicht rein.", stellte Lando trotzig fest, "Ich wurde einmal schon am lebendigen Leibe gekocht, und das hat mir gereicht. Geh du ruhig rein, das Ding ist sowieso nicht groß genug für uns alle."
    Die Abneigung, die Lando gegen das heiße Wasser empfand war nicht zu übersehen, und er streckte die Arme in Richtung des kleinen Bündels aus, das Elfleda in den Armen trug. Das kleine Ding hatte keinen Plan, was da zwischen seinen Eltern vor sich ging, und nölte ab und zu unverständlich vor sich hin. Wahrscheinlich war es der Meinung des Vaters, aber wer konnte das schon sagen?

  • Irgendwann werden wir das machen müssen... äffte sie ihn in Gedanken nach, vermied aber, dabei die Augen zu verdrehen. Natürlich wusste sie, dass die Tradition das verlangte, aber das hieß doch nicht, dass sie einen gerade geborenen Säugling mitten im Winter in eiskaltes Wasser tunken mussten, nur, damit der Vater meinte, das würde ihn abhärten.... Männer! Sie wollte wenigstens solange warten, bis ihre Kleine über die gefährlichsten ersten Wochen hinweg war, bevor sie sich vorsätzlich noch krank machte. Erkältungen und Fieber waren für Babys gefährlich, und Elfleda hatte nicht vor, ihr Kind wegen einer Tradition gleich wieder zu verlieren.
    “Deswegen kann sie trotzdem heute einmal warm baden, das eine schließt das andere ja nicht aus“, entkräftete Elfleda Landos Argument und versuchte damit, die Eiswasserdiskussion auf später zu verbannen.


    Als Lando sich dann aber weigerte, in die Wanne zu steigen, konnte sie nicht ernst bleiben und musste lachen. “Oh, der große, starke Mann hat wirklich Angst vor warmem Wasser.“ Sie schüttelte lachend den Kopf und reichte ihm die Tochter. Sie hatte schon öfter warm gebadet, gerade hier. Während der Schwangerschaft war das sehr entspannend gewesen, außerdem war es sehr bequem, sich so zu waschen. Auch wenn Lando meinte, dass warmes Baden verweichlichte, sah seine Frau das ganz anders. Man musste sich das Leben nicht immer künstlich schwer machen, solange man sich daran erinnerte, wie schwer und hart es trotz irgendwelcher Annehmlichkeiten schließlich doch war und sich auf diese Probleme entsprechend vorbereitete.
    Elfleda zog sich aus und legt ihre Wäsche ordentlich zusammen. Erst danach warf sie Lando einen kessen Blick zu und stieg ganz langsam in das heiße Wasser. Sämtliches Lufteinziehen oder sonstige überraschten Schmerzlaute unterdrückte sie heldenhaft. Das Wasser war wirklich sehr warm, aber nicht so, dass sie sich oder das Kind verbrühen würde. Langsam ließ sie sich nieder, bis sie schließlich in der Wanne saß und mit den Händen einmal Wasser über die Stellen ihrer Haut wie Schulter und Hals laufen ließ, damit alles nass war. Danach schaute sie zu Lando und streckte ihm die Hände entgegen, damit er ihr Naha gab. Sie war sich sicher, dass der Tochter das warme Wasser gefallen würde. Und wenn nicht, war das auch kein Beinbruch.
    “Hast du eigentlich auch meinem Vater einen Boten geschickt?“ fragte sie dann, ganz spontan das Thema wechselnd. Sie wusste, dass Lando an alle möglichen Leute die Neuigkeit verbreitet hatte, dass er eine Tochter bekommen hatte. Und da es Sarwolfs erstes Enkelchen war – und es noch dazu Rodewini sicher brennend interessiren würde, ob „seine“ Verbindung ins Reich auch Früchte trug – fand Elfleda, dass man ihrer Sippe wohl auch einen Boten senden sollte.

  • "Ja, der große starke Mann hat Angst vor warmem Wasser.", keifte Lando genervt zurück und verzog eine Schnute, während er beobachtete wie seine Frau sich in das Wasser legte. Dabei taxierte er ihren Körper mehr als gründlich, so langsam entwickelte sich ihr Bauch zurück, und Lando erinnerte sich daran, wieso es soviel Spaß gemacht hatte das Kind zu zeugen. Bald könnte man ja auch wieder... das war schon ne Weile her... weil Elfleda ihre Kugel verteidigt hatte wie ein Bärin, und Lando hatte zudem große Angst gehabt, irgendwas kaputt zu machen, oder seine Frau zum platzen zu bringen, und Marga hätte die Schweinerei dann sicherlich nicht weggemacht. Zudem hatte er die Befürchtung gehabt, dass sich eine geplatzte Ehefrau negativ auf den Gesundheitszustand von derselben auswirken könnte, und deshalb war die Schwangerschaft von erzwungener Enthaltsamkeit gezeichnet.


    "Was?", schreckte Lando aus seinen Gedanken hoch, als seine Frau ihn etwas fragte, und mit Entsetzen registrierte er, WAS sie ihn gefragt hatte. "Selbstverständlich..", log er, und schrieb sich ganz oben auf die AUF GARKEINEN FALL VERGESSEN - Liste, dass das direkt nach "Atmen." zu erledigen war.


    "Wie wollen wir sie eigentlich nennen?", wechselte Lando ebenso gekonnt das Thema wie seine Frau (:D) und nickte in Richtung des kleinen brabbelnden Kindes, das in Elfledas Armen lag. Nicht, dass die beiden sich keine Gedanken über das Thema gemacht hatten, aber sie waren zu keinem schlüssigen Ergebnis gekommen. Der Tradition zufolge hatten sie keine großen Auswahlmöglichkeiten. Weibliche Verwandte würden als Namensstifterinnen herhalten dürfen.

  • Natürlich bemerkte Elfleda, dass Lando ihr dabei zusah, wie sie ins Wasser glitt. Allerdings hatte sie schon lange aufgegeben, seine Gedanken lesen zu wollen. Manchmal war er so durchschaubar, dass man seine Gedanken in der Entstehung mitverfolgen konnte, und manchmal wiederum so durcheinander, dass es wohl einfacher war, im Vollsuff auf einem Bein hüpfend über ein daumendickes Seil über den Rhenus zu balancieren, als ihn zu verstehen. Im Moment war es eher letzteres für die Mattiakerin, und so nahm sie einfach ihr Töchterchen entgegen und lachte und brabbelte es einfach an, während das Kindchen das Lachen nachmachte, während es ganz vorsichtig ins Wasser gelassen wurde.
    “Na, Schatz, ist das schön? Ja? Warmes Wasser ist schön, nicht? Ja, das gefällt dir.“
    Ganz vorsichtig ließ sie immer eine Handvoll mit Wasser über den rosa Kinderbauch plätschern und wusch das Kind so nach und nach ganz sachte und vorsichtig.


    Dass Lando den Boten losgeschickt hatte, erleichterte sie. Sie sah kurz noch immer glückselig lächelnd zu ihrem Mann, ehe sie die Aufmerksamkeit wieder dem Kind schenkte. “Das ist gut, da wird sich mein Vater sicher freuen. Das erste Enkelkind... und so ein Goldstück.“ Bei den letzten Worten stupste Elfleda den Kinderbauch kurz mit ihrer Nase. Wenn nicht gerade die Windel voll war, rochen Säuglinge herrlich. Kurz fragte sie sich, wie lange das wohl anhalten würde, und wie lange es danach dauern würde, bis das nächste Kind da war. Während sie stillte, war die Chance, zu empfangen, ja stark reduziert.


    “Nennen? Meinst du, wir können uns darüber schon Gedanken machen?“ Ein bisschen scheute sich Elfleda davor, dem Kind einen Namen zu geben. Nicht, weil sie nicht wollte, dass es einen Namen hatte. Natürlich brauchte es einen Namen. Und Elfleda liebte das Kind auch. Aber wenn es einen Namen hatte, dann war das etwas so endgültiges und reales. Wenn es dann starb, dann war es nicht nur ein Kind, das gestorben war, sondern eine Person. Dann war es ihre Tochter, die starb, und davor hatte Elfleda furchtbar große Angst. So viele Kinder starben, fast jedes dritte. Vor allem gerne die, die im Winter geboren wurden. Auch ein Grund, warum sie das Ritual mit dem Eiswasser so vor sich herschob.
    Sie sah kurz zu ihrem Mann auf, und konnte wohl die Sorge nicht ganz aus ihren Augen streichen. Aber sie bemühte sich, die rationale Denkerin zu sein, die Rodewini hierher verheiratet hatte, auch wenn es in diesem Fall schwer fiel.
    “Ich weiß nicht. Wie heißt denn deine Mutter? Oder Großmutter?“

  • Lando hockte da, und beobachtete interessiert wie seine Frau das kleine Menschlein in ihren Händen wusch. Das war etwas vollkommen neues für ihn, waren Säuglinge doch meist Aufgabe der Frauen, und die Väter, die Lando kannte, gaben in der Taberna weniger damit an, dass ihre Kinder beim Badetag komisch gequietscht hatten. Den Rang eines erlegten Tiers erlangten Kinder erst, wenn sie selbst Tiere erlegten, und stiegen damit in eine Liga unvergleichlicher Heldensagen auf, nach dem Motto: mein Haus, meine Frau, mein Sohn, das Vieh, das mein Sohn gestern bei der Jagd eigenhändig erwürgt hat.
    Hier war das etwas anderes... und für Lando eben vollkommen ungewohnt. So betrachtete er das Treiben vor sich als hätte gerade ein fliegender Holzteller im Garten aufgesetzt und eine Reihe kleiner, pinker Männchen ausgespuckt.


    "Ja, richtig... Goldstück...", pflichtete Lando ihr bei, der in Gedanken schon überlegte, wie er die Nachricht am besten überbringen ließ, und als seine Frau Zweifel daran erwähnte, das Kind jetzt schon mit einem Namen zu versehen, sah Lando sie kritisch an: "Ja, was'n nu? Die Feuertaufe soll's noch net geben, nen Namen auch net. Was soll das denn geben? Das mit der Großmutter lass ich dir noch ebenso durchgehen, aber du solltest wissen wie meine Mutter hieß! " Lando empörte sich weiter, sich sicher, einen guten Grund zu haben ausnahmsweise mal von seiner eigenen Paddeligkeit abzulenken.

  • Und da war er wieder, der Griesgram. Auch wenn er recht hatte und Elfleda ja eigentlich wusste, wie seine Mutter hieß, ärgerte sie seine Reaktion. Und zwar so sehr, dass das Kind in ihren Händen es merkte und beunruhigt anfing, erst zu quängeln, und schließlich zu Weinen. Elfleda sah zu Lando hinüber mit einem Hast-du-ja-toll-gemacht-Blick und fing dann gleich mit Summen, Singen und wippen an, um das Kind wieder zu beruhigen.
    “Ich sag ja gar nicht, dass sie keinen Namen haben soll. Aber...“ Grrr, Elfleda hasste es, über sowas zu reden. Sie war kein gefühlsduseliger Mensch. Sie war sehr berechnend, und sie wusste das. Sie entschied nach der Logik, nicht nach ihrem Bauch. Sie wusste um die Wichtigkeit von rationalen Entscheidungen. Und sie mochte es ganz und gar nicht, jetzt so von ihrer Angst beherrscht zu werden. Ganz und gar nicht.
    “Ich hab Angst, in Ordnung? Ich hab einfach Angst, dass es endlich ist.“ So, gut, jetzt war es raus. Jetzt konnte er sie deswegen verspotten und damit aufziehen, wenn er wollte. Sie schnaubte einmal, und das Kind fing sofort wieder an, zu plärren, so dass sie wieder mit Wippen und Singen anfing.

  • War das zu fassen? Da hatte Lando mal die Chance, sich selbst zu mockieren, und da wollte Frau ihm dies aus der Hand nehmen, in dem sie ihm die Schuld am schreienden Säugling gab. Der Hast-du-ja-toll-gemacht-Blick wurde mit einem Was-denn?-Was-denn?-Blick quittiert, und er zog hilflos die Schultern hoch: "Ich habe überlebt. Du hast überlebt. Du kannst sie nicht ohne Namen herumlaufen lassen, bis du dir sicher sein kannst, dass die nächste Fieberwelle sie nicht dahinrafft. Selbst ich weiß, dass man das nie sein kann. Also worauf warten wir? Dass wir eines Tages weniger unsicher sein können als vorher?", Lando sah seine Frau betroffen an, konnte er ihre Angst doch verstehen, doch musste letztendlich eine Entscheidung getroffen werden, und wer war der Mann im Haus? Richtig. Lando. Also entschied Lando auch, wie sie die Sache angehen würden:"Wir werden ihr einen Namen geben, und zwar jetzt."

  • Er hatte ja recht. Elfleda hasste es, wenn er recht hatte, aber er hatte recht. Sie konnte nicht verhindern, was nicht in ihrer Macht lag. Wenn es das Schicksal des Kindes war, früh zu sterben, dann würde sie es nicht dadurch verhindern, dass es keinen Namen hatte. Auch würden sich ihre Gefühle dem Kind gegenüber nicht ändern, ob es einen Namen hatte oder nicht. Sie wünschte sich, sie könnte diese Sache auch sachlicher sehen, könne mit kalter Logik einfach begreifen, dass Kinder nunmal starben, möglicherweise auch ihres, aber da war dieser eisige Griff um ihr Herz, der das nicht zulassen wollte.
    Elfleda schnaubte einmal und wippte weiter das Kind, versuchte, nicht zu viel darüber nachzudenken, und betrachtete das kleine Leben in ihren Armen kritisch. Das Mädchen weinte noch immer, merkte es doch die Unruhe und Angst der Mutter, aber es wurde mehr und mehr zu einem quängelndem Wimmern.
    “Fein. Dann... nennen wir sie doch einfach nach deiner Mutter, wenn du so darauf bestehst. Einverstanden?“
    Elfleda wollte eigentlich gar nicht so garstig schon wieder zu ihrem Mann sein, aber sie hasste es einfach, wenn sie das Gefühl hatte, die Lage nicht unter Kontrolle zu haben. Und diese hier hatte sie ganz und gar nicht unter Kontrolle.

  • Mit absolut sicherem Gespür dafür, im falschen Moment am richtigen Ort zu sein, war Sveija auf der anderen Seite der geschlossenen Tür aufgetaucht und hatte laute Stimmen gehört. Marga hatte sie mit sauberen Leinentüchern geschickt und sie wusste, wer sich auf der anderen Seite dieser Tür befand.
    Sveija hatte Angst vor Lando, das war kein besonderes Geheimnis. Der Herr dieses Hauses war oft mürrisch und unwirsch und seine Stimmung konnte sich binnen Sekunden in das Gegenteil verkehren. Viel mehr Angst hatte sie aber vor Marga, die zu ihr zwar noch nie schlecht gewesen war aber sämtliche Männer durch das Haus scheuchte wie ein Centurio seine Männer über den Exerzierplatz (nicht dass die junge Ubierin gewusst hätte, wie ein Centurio sowas machte und was ein Exerzierplatz überhaupt war). Diesen hochheilig unheiligen Zorn wollte sie auf keinen Fall auf sich lenken, deshalb nahm sie allen Mut zusammen und klopfte an die Tür, um sich entschlossen dem "kleineren Übel" zu stellen.

  • Das kleine Übel setzte just gerade zu einer Antwort an, als es klopfte. Dass seine Frau nackt in der mit heißem Wasser gefüllten Badewanne lag, störte Lando nicht im geringsten, denn sein exhibitionistischer Vetter in Rom (:D) war damit nur am falschen Ort: innert einer Sippe war man sich so nah, dass Nacktheit nichts ungewöhnliches war. Dementsprechend unbekümmert rief Lando auch "Herein.." und beachtete Sveija nicht weiter, als diese eintrat, sondern wandte sich dem ursprünglichen Problem zu: "Meine Mutter hieß Naha. Ich hoffe, der Kleinen wird ein glücklicheres Leben beschienen als ihrer Namenspatronin.", seufzte er mit gedankenverlorener Miene, "Wobei die Vorraussetzungen.. na, was mache ich mir jetzt Gedanken darüber? Lassen wir sie in den Händen der Götter, damit etwas aus ihr wird.. achja, da du das Conubium hast, hat Naha auch über mich das Bürgerrecht bekommen. Was bedeutet: wir brauchen auch einen römischen Namen für sie. Die Frauen bekommen im Reich einen Zweiteiligen Namen: Duccia Venusia, Duccia Flamma, Duccia Vera. Ich muss dir nicht erklären, wofür das Duccia steht.."
    Er lächelte seine Frau milde an, hatte sie in den letzten Monaten doch trotz der Schwangerschaft aktiv an einem eigenen Verständnis des römischen Reichs gearbeitet, was ihren Mann nicht wenig stolz gemacht hatte. Und dennoch gab es Lücken, die es in Momenten wie diesen zu füllen galt.

  • Es gab Tage in Witjons Leben, an denen er die Einsamkeit des duccischen Balneums der Geschäftigkeit der Thermae Iuliani vorzog. An diesen Tagen bevorzugte er Ruhe und Frieden und suchte die Entspannung vom stressigen Tagesgeschäft. So auch heute. Das Wasser dampfte, als er sich vorsichtig im Becken niederließ. Unter einem wohligen Seufzer glitt Witjon ins Wasser und gab sich der angenehmen Hitze hin. Mit geschlossenen Augen lag er da und verharrte einfach nur einige Augenblicke in Stille.


    Lanthilda:
    [wrapIMG=left]http://farm2.static.flickr.com/1025/559389906_c1e0d48ad7_t.jpg[/wrapIMG] Auch als Lanthilda das Balneum betrat, ließ Witjon die Augen noch einen Moment geschlossen. Als er sie schließlich öffnete, hatte sich die Haushälterin bereits hinter ihm hingekniet und ließ demonstrativ die Finger knacken. Witjon brummte nur und setzte sich etwas anders hin, dann begann Lanthilda schon, seine Kopfhaut zu bearbeiten.
    Seit Callista einmal Witjons Kopf massiert hatte, wollte der Duccius nicht mehr darauf verzichten. Es war einfach zu entspannend und nachdem er einmal den Kopf frei hatte, konnte er meistens auch wieder klarer über Vergangenes oder Zukünftiges sinnieren. So auch heute. Lanthilda hatte mittlerweile richtig Übung und wusste auch, dass Witjon kräftige Kopfmassagen sehr gern hatte und kam diesem Wunsch auch gerne nach. Dennoch kam Witjon nicht umhin sich manchmal zu fragen, ob sie sich nicht auch langsam ein neues Weib für ihn wünschte, das ihr diese wöchentliche Aufgabe endlich abnehmen konnte. Ohnehin fühlte der Sippenführer sich in letzter Zeit immer häufiger beobachtet, wenn mal Weibsvolk in der Nähe war und gelegentlich glaubte er auch die Leute heimlich tuscheln zu sehen. Oder bildete er sich das nur ein? Er musste sich tatsächlich endlich eine Frau suchen, das stand für ihn fest!


    Mit fortschreitender Massage verflogen die Gedanken jedoch und Witjon driftete ab in einen Zustand zwischen Entspannung und Schlaf. So reagierte er auch nur mit einem zufriedenen Brummen, das man auch das "Dankeschön" interpretieren konnte, als Lanthilda die Kopfmassage schließlich beendete und sich - ein Handtuch zurücklassend - wieder aus dem Balneum zurückzog. Witjon blieb derweil noch einige Zeit im Halbschlaf im Wasser liegen. Die Ruhe tat ihm gut und die Wärme entspannte seine Muskeln und gab ihm die nötige Pause. Auch wenn er kein städtisches Amt mehr innehatte, so waren die Geschäfte des Handelskonsortiums in derart schwierigen Zeiten nicht weniger anstrengend.
    Irgendwann merkte Witjon dann, dass das Wasser abgekühlt war. So raffte er sich auf und trocknete sich zügig ab, zog sich Hose und Hemd über und ließ das Badewasser ab. Jetzt freute er sich auf ein rustikales Abendbrot, einen dampfenden Glühwein und das wärmende Feuer im Kamin.

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