>meditrinalia< | Das Opfer

  • Sie hatte nicht damit gerechnet.. aber sie wurde doch noch hinter der marmornen Säule entdeckt. Zum Glück nicht von den anderen aurelischen Sklaven, denn diese hätten bestimmt was dazu gesagt, wie sie sich jetzt verhielt. Doch auch diese Kommentare würden Tilla egal sein. Dann mussten die eben wen anders suchen, wenn ihnen ihr Fanfarenspiel nicht gefiel. Von den verweinten Wangen wischte sie mit dem ihr dargebotenen Taschentuch die Tränen von den Wangen und sah die Unbekannte, die sie aufgestöbert hatte, unsicher an.


    "Salve! Ich heiße Sergia Plotina! Willst du nicht auch zu dem Theaterstück gehen - mit mir vielleicht?! Ohne dich hätte ich ja vielleicht gar nicht mitbekommen, dass es anfängt!"


    Salve. Ein kurzes Zusammenlegen der inneren Handflächen und ein zaghaftes Lächeln zeigte sich auf ihrem Gesicht, um die Unbekannte dankbar zu begrüßen. *Ich bin TILLA und ich bin stumm.* schrieb sie auf die Bodenfläche vor sich.


    Danach tippte Tilla sich auf den Brustkorb, deutete an Sergia vorbei auf die Tür, durch die alle Besucher den Raum verlassen hatten und schüttelte mit dem Kopf. Kurzerhand malte sie viele Menschen in die Luft, zeichnete einen imaginären Kasten drumherum, hielt sich die Ohren zu und kauerte sich zuletzt zusammen. Ich mag nicht. Zu voll. Zu viele Leute. Zu laut. Zu eng. Schliesslich deutete Tilla auf die Kerzen und ihr Herz, schüttelte sich. Wenig Kerzenlicht. Angst. Damit hatte sie eigentlich alles gesagt. Hoffentlich hatte ihr Gegenüber verstanden. Langsam richtete Tilla sich auf, löste die zusammengekauerte Sitzhaltung auf und zerknüllte das Taschentuch in ihrer Hand. Wie gewohnt achtete sie auf die Mimik.

  • Mit scharfen Worten ging er gegen die beiden Senatoren an, die schlecht über sein Land gesprochen hatten. All seine Abscheu und sein Haß entlud sich, alles was sich im Lauf seiner Gefangenschaft angesammelt hatten. Der Wein mußte ihn völlig enthemmt haben.


    Wie angewurzelt stand ich hinter ihm und irgendetwas lähmte mich, etwas zu tun, damit er sich nicht noch tiefer in sein Unglück stürzte.


    Dann vernahm ich Aquilius´ Stimme. Erschrocken fuhr ich um und sah ihn auch schon kommen.
    Sein bloßer Anblick, schien Severus wieder zur Vernunft gebracht zu haben. Endlich wurde er still. Erst jetzt bemerkte er meine Anwesenheit. Kurz drückte er meinen Arm und folgte dann Aquilius.


    Mit einem gequälten Blick sah ich ihm nach. Nein, ich konnte nicht hier bleiben. Mir wurde fast schwindelig vor Angst und Sorge. Also entschloß ich mich, Aquilius und Severus zu folgen. Hoffte ich doch, vielleicht noch etwas tun zu können.

  • Wie gebannt lauschte sie Severus' Worte. Thidrik. Ihr Vater hatte diesen Namen einmal erwähnt. Doch in welchem Zusammenhang, das fiel ihr beim besten Willen nicht mehr ein. "Ich stamme von der Sippe der Uiligotis und gehöre zu dem Gau des Landogars." Sie senkte ihren Blick, als er nach den Hermunduren und Römern fragte. Das wollte er sicher nicht erfahren. Sollte sie ihn anlügen? Nein, das hatte er nicht verdient. Zudem wäre das nicht sehr ehrenhaft gewesen. "Ja, es hat einen Rachezug gegen diese räudigen Hunde gegeben. Allerdings ohne großen Erfolg. Man hat ihnen nur wenig schaden können." Einen Moment lang hielt sie inne. Sie schluckte. "Und diese elenden Römer... sie bedrängen unser Land von der anderen Seite. Immer weiter dringen sie vor. Ich weiß gar nicht, ob mein Dorf überhaupt noch existiert -" Ihre Stimme stockte. Langsam hob sie wieder ihren Blick und sah ihn traurig an.


    Als er auf die Römer wies, die über ihre geliebte Heimat herzogen, blickte auch sie hinüber. Sie hatte nicht alles verstanden, was sie über Germanien sagten, doch das, was sie vernahm genügte ihr. "Diese Mistkerle..." Ihre Augen verengten sich. Voller Verachtung schaute sie zu den Männern, die es wagten, ihr Mutterland in den Dreck zu ziehen.
    Plötzlich schritt Severus erhobenen Hauptes auf sie zu. Minna hatte noch etwas sagen wollen, doch es war bereits zu spät. Er schien völlig in Rage zu sein. War es der Wein, der ihn so verhalten ließ? Als er die Römer auch noch in solch einem barschen Ton ansprach, wollte sie schon beherzt eingreifen. Doch es war Bridhe, die augenblicklich handelte und versuchte ihn zu beruhigen. So wie es aussah, gehörte sie wohl zu ihm. Minna selbst beschloss sich zurückzuhalten und die Situation zu beobachten. Sie betete zu den Asen, dass die Lage nicht eskalieren möge. Und tatsächlich, die Römer ließen sich von seinen Worten nicht beeindrucken und blieben ruhig. Stattdessen kam ein weiterer Römer hinzu, der Severus im Befehlston zu sich hin taxierte. Das musste sein Herr sein, denn Severus verstummte sofort.


    Wehmütig schaute sie ihm hinterher, als er fortging. Sie bewunderte seinen Mut. Das war zweifelsohne ein stolzer Chatte. Zu gerne hätte sie sich noch weiter mit ihm unterhalten. Warum hatte diese Begegnung nur von so kurzer Dauer sein müssen? Hoffentlich würde sie ihn eines Tages wiedersehen.
    Schließlich wandte sich Minna wieder zu den anderen Sklavinnen. Erst jetzt bemerkte sie, dass auch Bridhe verschwunden war. Dass diese dem Römer und Severus gefolgt war, hatte sie nicht mitbekommen.

  • In der Hoffnung, der Senator Vinicius würde mir folgen, hatte ich mich inzwischen auf den Weg zu dem Theaterstück gemacht. Dabei jedoch wurde ich Zeuge einer Misstimmung, für die offenbar tatsächlich ein fremder Sklave zu sorgen gewagt hatte. Völlig sich vergessend, beschimpfte dieser, so schien es mir, Purgitius Macer und Decimus Mattiacus und mit ihnen gleich das imperium, dem er einen Tag der Rache anzukündigen wagte. Dass nun Flavius Aquilius diesen Sklaven in eisigem Ton zurechtwies, zeigte mir, dass es sich hierbei um einen seiner servi handeln musste. Ich blickte mich nach Marcus um, doch dieser schien noch ganz in verschiedene Gespräche vertieft zu sein. Einen Moment noch zögerte ich, dann konnte ich aber nicht mehr an mich halten und sprach diesen Sklaven direkt an:


    "In die Zukunft schauen können wir alle nicht, doch zur Stunde sieht die Lage ein bisschen anders aus, als du dir einbildest. Kaufen muss Rom euch übrigens nicht; als wirkungsvoller hat es sich erwiesen, euch einfach sehen zu lassen, dass man auch anders leben kann als in Not und in Angst. Längst ist schon der Tag gekommen, an dem diejenigen von euch, die aufbegehren, auf ihre ehemaligen Stammesgenossen treffen, die freiwillig in unseren Reihen kämpfen."


    Ich drehte mich sofort um, um dem Sklaven jede Möglichkeit zur Erwiderung zu nehmen. Flavius Aquilius nickte ich ebenso zu wie Purgitius Macer und Decimus Mattiacus. Im Stillen aber imponierte mir der Mut des Sklaven, und ich wünschte, dass unsere Legionen immer und in jeder Situation über den gleichen Mut und Stolz verfügen würden.

  • Zitat

    Original von Tilla Romania


    Instinktiv hatte Plotina sich mittlerweile in die Hocke begeben, um der kleinen Sklavin näher zu sein, die sich nun ihre Tränen trocknete. Von irgendeinem vorbeihuschenden Sklaven erhielt die kauernde Sergierin einen unabsichtlichen Tritt, doch den bemerkte sie kaum, denn ihre Aufmerksamkeit war jetzt ganz und gar auf das gerichtet, was nun von - Tilla, so hieß die Sklavin also - kam. Voller Konzentration verfolgte Plotina jede Geste Tillas, ihr Schreiben auf dem Boden, mit dem sie sich ihr vorstellte und ihr mitteilte, dass sie stumm war, dann ihr Deuten auf die eigene Brust und all die Zeichen, die sie mit ihren schönen Händen in die Luft zeichnete. Sorgsam suchte Plotina, sich jede Einzelheit einzuprägen, denn noch war sie sich nicht ganz schlüssig, worauf Tilla hinauswollte. Langsam aber setzten sich diese Einzelheiten im an Aristoteles geschulten Kopf der Sergierin zu einem sinnvollen Ganzen zusammen; der Prozess der Hermeneutik lief ab und ergab schließlich ein stimmiges Bild, welches Plotina sofort in diese Äußerung umzusetzen vermochte:


    "Angst ... Du hast Angst da drinnen mit den vielen Leuten!"


    Einen Moment stockte sie, denn sie spürte nun selbst in ihrer Brust einen leichten Stich, das Gefühl der Enge, das Tilla eben mit ihren Händen dargestellt hatte. Um sich Erleichterung zu verschaffen, seufzte Plotina auf. Dann sah sie Tilla intensiv an:


    "Tilla! Ich habe auch Angst hier, den ganzen Abend schon, wenn auch vielleicht vor anderen Dingen als du."


    Nachdenklich blickte die Sergia vor sich hin; wenn sie nun formulieren müsste, wovor sie eigentlich Angst hatte? Nicht, dass sie es nicht gewusst hätte, aber sie wagte kaum, sich das wirklich vorzustellen, denn allein diese Vorstellung ängstigte und beschämte sie schon zu sehr - dass gleich, im nächsten Moment schon, jemand auf sie zukommen würde und zu ihr sagte: "Raus mit dir! Du hast hier nichts verloren! Sieh' zu, wo du bleibst!" Einen Moment lang kämpfte nun auch Plotina gegen ihre Tränen, doch kam sie sich zum Weinen schon zu alt vor, und im Grunde war dieses bittere, beschämende Gefühl für sie ja auch nicht neu; es war nicht das erste Mal, das sie es spürte, es würde nicht das letzte Mal sein, doch zum Weinen war sie nicht hier. Ein Lächeln breitete sich wieder auf ihrem Gesicht aus; sie sah Tilla an und sagte:


    "Aber diese Angst, die wird uns jetzt nicht davon abhalten, Spaß zu haben!"


    Mit diesen Worten bot die resolute Sergierin Tilla ihren Arm an, um sie mit sich hochzuziehen und um ja nicht noch etwas von der Vorstellung zu verpassen. :D

  • Die Ältere hatte sie verstanden. Langsam bewegte Tilla ihren Kopf, deutete ein Nicken an. Eine Bestätigung dessen, was in ihr für ein Gefühl hochkam, wenn sie an den vollen Raum da drüben dachte. Abermals erschauderte sie und umklammerte das geliehene Taschentuch in ihrer geballten Faust. Sie bekam eine Antwort mit der sie ebenso nicht gerechnet hatte wie mit dem Entdeckt-werden-hinter-der-Säule. Die Ältere hatte auch Angst? Wie kam denn das?


    Tilla schluckte, erwiderte aus großen, dunkelbraunen Augen deren intensiven Blick, liess sie für den Moment hinter die Kulissen ihrer Seelenspiegel schauen. Ja, sie hatte Angst! Nicht nur diese! Ebenso Angst ständig etwas falsch und nur wenig richtig zu machen. Und noch etwas war anders. Sergia hatte schon den ganzen Abend Angst und Tilla just seit dem Moment wo Leone um Ruhe 'gebeten' hatte.Plötzlich zeigte sich ein Lächeln auf Sergias Mimik ab.


    Instinktiv lächelte Tilla wissend zurück. Sie wusste ja nun, dass die andere genauso fühlte wie sie.. wenn auch andere Ängste ausstand. Noch konnte sie sich nicht vorstellen, was noch Angst machen konnte. Wollte sie es überhaupt wissen? Noch während sie darüber nachdachte, zog die Ältere sie vom Boden hoch. Tilla knetete das Taschentuch in ihrer Faust herum. Spass haben? Wie denn? War das überhaupt in Gegenwart der Herren erlaubt? Sie verschloß sich innerlich, liess den Blick fallen auf ihre Hand, die sie Sergia ohne Gegenwehr überlassen hatte. Tilla meinte ihr Herz so laut klopfen zu hören, dass auch jeder außerhalb des Hauses dieses Herzklopfen hören musste.

  • Zitat

    Original von Marcus Decimus Mattiacus
    Nachdem der Sklave von seinem Herren zur Ordnung gerufen wurde, wandte er sich wieder an Macer.


    "Da hast du recht, er bräuchte viel Pflege und damit viele Arbeitskräfte. Man kann die Reben nicht wie in Hispania oder Italia einfach einpflanzen und Sol den Rest machen lassen, bis im Herbst dann die dicken Trauben an den Reben hängen. Ständig müsste man die Reben schneiden. Aber bei der Qualität habe ich eine andere Meinung. Ich glaube, mit viel Geduld und Arbeit könnten sogar Weine entstehen, die..." er überlegte kurz "zumindest den gallischen ebenbürtig sind." fachsimpelte er.


    Mit einem weiteren Seitenblick stellte Macer fest, von dem der Sklave grufen wurde. Den Mann würde er sich wohl merken und fortan meiden müssen, falls er sich nicht noch mit einer guten Begründung um Entschuldigung bitten sollte. "Sicher, mit viel Sorgfalt kann man selbst schlechten Gegenden Gewinne abringen. Sonst wäre Rom auch nicht aus einem Sumpf entstanden", fuhr er dann weiter fort und entfernte sich ein ganz klein wenig vom Weinbau, denn mehr als bisher konnte er dazu auch wieder nicht beitragen. "Mit gallischen Weinen habe ich wenig Erfahrung. Allerdings ist der Süden Galliens ja auch ganz anders gelegen als Germania. Gallien hat immerhin Anschluß an unser Meer."

  • Meridius hatte sich im Hintergrund aufgehalten und die Feier bisher so gut wie möglich unauffällig verbracht. Im Hause der Aurelier war für seinen Geschmack schon fast zu viel Betrieb. Die Honoratoren der Stadt waren in Scharen vertreten und Meridius fragte sich, welcher Senator NICHT anwesend war, denn er konnte sich wenden wohin er wollte, immer sah er einen Kollegen. Dies hatte den wohl nicht beabsichtigten Vorzug, dass es einfacher war eher im Stillen zu bleiben. Zu seinem Glück sprach ihn niemand wirklich an, ausser ein paar Grüßen hier und da konnte er alles in aller Ruhe beobachten und sich seinen Gedanken hingeben. Er tat das nötigste, das war an diesem Abend auch genug.

  • Zitat

    Original von Spurius Purgitius Macer


    Mit einem weiteren Seitenblick stellte Macer fest, von dem der Sklave grufen wurde. Den Mann würde er sich wohl merken und fortan meiden müssen, falls er sich nicht noch mit einer guten Begründung um Entschuldigung bitten sollte. "Sicher, mit viel Sorgfalt kann man selbst schlechten Gegenden Gewinne abringen. Sonst wäre Rom auch nicht aus einem Sumpf entstanden", fuhr er dann weiter fort und entfernte sich ein ganz klein wenig vom Weinbau, denn mehr als bisher konnte er dazu auch wieder nicht beitragen. "Mit gallischen Weinen habe ich wenig Erfahrung. Allerdings ist der Süden Galliens ja auch ganz anders gelegen als Germania. Gallien hat immerhin Anschluß an unser Meer."


    "Oh ja, das Meer." sagte Mattiacus und sinierte einen Moment. "Das Meer prägt unheimlich. Die Menschen die am Ufer unseres Meeres leben haben auch alle die gleiche Mentalität. Deswegen sind die Gallier, die in der Provinz leben uns auch ähnlicher als die, die zum Beispiel am Rhein siedeln."

  • "Ich habe selber wenig Erfahrung mit den verschiedenen Völkern rund um unser Meer", musste Macer zugeben. "Ich kenne einige Hafenstädte Italias, und aus Südgallien mehr Weine als Städte. Höchstens noch Menschen, die von dort stammen und mir woanders begegnet sind." Er dachte einen Moment nach, denn die Aussage von Decimus Mattiacus konnte man durchaus noch weiter interpretieren. "Das ist übrigens eine interessante These, die du da über die Mentalität aufstellst. Bisher hörte ich von den Leuten, die gerne Reisen, dass sich Aufenthalte in den verschiedenen Provinzen unbedingt lohnen, weil man so viel neues kennenlernt. Deine Aussage könnte man fast so deuten, dass man doch überall auf ähnliche Menschen und Kulturen trifft."

  • Zitat

    Original von Appius Aurelius Cotta
    "Senator Vinicius, ich freue mich, dich kennenzulernen! Wenn ich ganz offen sprechen darf, freue ich mich allerdings auch schon sehr auf das Theaterstück. Meine Cousine Prisca und auch Marcus haben sehr geheimnisvoll getan; in den vergangenen Tagen war aber in der villa teilweise ein derart überschäumendes Lachen zu hören, dass ich sicher bin, wir werden auf unsere Kosten kommen. Ich denke, auch die Zuschauer des Stücks werden nichts zu wünschen übrig lassen."


    Man konnte es ja schon fast charmant nennen, wie der junge Aurelius den alternden Consular zum Theaterstück bugsieren probierte. Er rannte dabei ohnehin offene Türen ein, nur zu gern wollte Hungi sich unterhalten lassen. Als großer Theaterliebhaber ließ er nur wenige Gelegenheiten aus, Stücke anzusehen. Daher hoffte er auf ein vergnügliches Spiel und guten Schauspielern, allerdings konnte es auch reizvoll sein, etwas ganz katastrophales zu sehen und sich dann stundenlang über grauenhafte Szenerie, miesen Darstellern und einer furchtbaren Regie zu echauffieren.


    Ich danke dir, Aurelius. Freundlich nickte Hungi dem jungen Gastgeber zu und wandte dann ebenfalls seine Schritte zur Aufführung hin. Nur zwei Schritte später ahnte er jedoch, warum Aurelius den Consular so bestimmt aufgefordert hatte, war doch eine durchaus häßliche Angelegenheit entstanden, ein Skandal, wie sich Sklaven in letzter Zeit benahmen. Bona Dea sei Dank, daß seine, Hungis, Sklaven in seinem Hause so gut abgerichtet waren, denn er legte Wert darauf, nur so wenig Sklaven wie unbedingt nötig zu kaufen und die meisten im eigenen Hause heranzuziehen. In diesem Augenblick fiel ihm ein, daß er wieder Maßnahmen in diese Richtung setzen mußte, doch verschob er diesen Gedanken auf später und konzentrierte sich wieder auf das beginnende Theaterstück... und auf die anwesenden Frauen.

  • Zitat

    Original von Spurius Purgitius Macer
    "Ich habe selber wenig Erfahrung mit den verschiedenen Völkern rund um unser Meer", musste Macer zugeben. "Ich kenne einige Hafenstädte Italias, und aus Südgallien mehr Weine als Städte. Höchstens noch Menschen, die von dort stammen und mir woanders begegnet sind." Er dachte einen Moment nach, denn die Aussage von Decimus Mattiacus konnte man durchaus noch weiter interpretieren. "Das ist übrigens eine interessante These, die du da über die Mentalität aufstellst. Bisher hörte ich von den Leuten, die gerne Reisen, dass sich Aufenthalte in den verschiedenen Provinzen unbedingt lohnen, weil man so viel neues kennenlernt. Deine Aussage könnte man fast so deuten, dass man doch überall auf ähnliche Menschen und Kulturen trifft."


    "Natürlich haben die Kulturen alle ihre Eigenheiten und unterschiedliche Traditionen...." Mattiacus nahm einen Schluck Wein und dachte kurz nach "Ähnlich ist passend, eher ähnlich als gleich. Ich glaube, dass hängt, um auch wieder auf unser Ausgangsthema zurückzukommen, mit dem Wein zusammen. Überall dort, wo es Wein gibt sind die Menschen fröhlicher und offener. Jedenfalls hatte ich den Eindruck."

  • "Gibt es denn rund um unser Meer noch größere Regionen, in denen kein Wein angebot wird?", fragte Macer. Als Statthalter in Germania hatte er dort mal eine Rundreise gemacht, um zu wissen, welche Waren in welchen Gebieten besonders zahlreich hergestellt wurden, aber rund um das Mittelmeer fehlte ihm diese eigenen Erfahrung eben. "Ich meine, inzwischen ist Wein doch überall vertreten, wenn er sogar schon in Germania angebaut und erfolgreich geerntet wird."

  • Als es langsam vom Opfer auf das Theaterstück zuging, gab es doch einiges an Zulauf zu Cadhlas kleinem Weinstand als zuvor - die Gäste versorgten sich mit Getränken für die bevorstehende Aufführung, bei der Cadhla auch nachvollziehen konnte, warum man sich Wein dafür mitnahm. Das Stück an sich hatte seltsame Kostüme hervorgerufen, gerade Leones blonde Perücke hatte die Sklavinnen kichern lassen, sah es doch zu seltsam aus, und sie selbst verstand die Hälfte der gesprochenen Worte nicht einmal. In sofern, ohne den Wortwitz der einzelnen Sätze verstehen zu können, war es eine recht langweilige Angelegenheit, und sie war heilfroh, keine wirklich wichtige Rolle zu spielen. Ihr Text war die reinste Quälerei zu lernen gewesen und sie war sich immernoch sicher, dass es ziemlich seltsam klang, aber was wollte man machen? Latein war einfach eine gräßliche Sprache. Und so klang sie auch eher haspelig denn wirklich angenehm, als sie den anderen Sklaven ihre Herkunft zu erklären versuchte:


    "Ich sein vom Stamm der Belgae, und kommen aus Gegend von Quelle der Sulis. Römer nennen Quellenort Aquae Sulis, aber es nicht wirklich guter Name ist für Ort, der gehört Sulis. Sie nicht verstehen, ihre Worte machen Ort schmutzig." Es war schwer zu erklären, warum sie so empüfand, aber einem alten, heiligen Ort einen römischen Stempel aufzupressen schändete das Andenken und den Respekt vor der Göttin, und das war etwas, was die Römer nie verstehen würden. Sie kamen und nahmen einfach, was sie wollten. Der Gedanke daran, Samhain zu feiern, ließ ihre Stimmung jedoch innerhalb kürzester Zeit wieder emporschnellen, und sie nickte eifrig dazu.


    "Ich denken, dass Ort hier in Garten ist, wo können feiern. Ihr nur müssen kommen, und dann wir feiern zusammen, wie sein muss, um Tote zufrieden machen und zu denken an sie."Es war sicher nicht erlaubt. Wahrscheinlich würde es wieder eine Menge Ärger bedeuten, aber andererseits ... was hatte sie noch zu verlieren? Ihre Familie war höchstwahrscheinlich tot und hier waren zwei Frauen, die Samhain kannten. Die wussten, wie man es richtig feierte. Es war das Risiko wert.
    "Wir sprechen später fertig, ich muss spielen in Stück," erklärte sie hastig, als Leone das Theater ankündigte, sie würde sich jetzt auch noch umziehen müssen. Einen Blick zu den anderen Sklaven werfend, lächelte sie schief und eilte davon.

  • Zitat

    Original von Aurelia Camilla
    Als die Frau - Claudia Ofella - sie ansprach, zauberte sie schnell ein freundliches Lächeln auf ihre Lippen. Die Amphore war vergessen, jetzt widmete sie sich voll und ganz Ofella. „ Salve. Aurelia Camilla, es freut mich dich kennen zu lernen “, freute es Camilla doch tatsächlich, schließlich hatte sie kaum Bekannte oder Freunde in Rom. Zu lange hatte sie in der Einöde Norditaliens gelebt, „ Ähm ... Ja, ich habe auch einen kleinen Teil dazu beigetragen. Das größte Lob ist jedoch Prisca zu überbringen. Sie hat am meisten Zeit investiert. ... Oh, nur zu gerne würde ich mit euch die Komödie betrachten! “ Entzückt von dieser Idee wollte sie in die Hände klatschen, doch dann fiel ihr ein, dass sie auch noch den Wein halten musste. Und kein Sklave war in Sicht, der das unnütze Tongefäß auffangen konnte. Allerdings muss ich noch das Opfer vollziehen, ihr könnt bereits vorgehen. Meine Sklavin hält mir einige Plätze in der ersten Reihe frei. “


    Da sie nicht lange gebraucht hatte, holte sie Ofella noch ein, bevor diese das atrium verlassen hatte. [/color][/size]„ Da bin ich wieder. Lassen wir uns jetzt an der Komödie erfreuen. “ Ein wirklich schönes Stück. Camilla kannte die Texte nicht, aber hatte es sich von Prisca sagen lassen, und derem Urteil vertraute sie.


    Ofella achtete peinlichst genau auf den Tonfall, mit der die Aurelia sie begrüßte. Keinen Argwohn oder Missbilligung konnte sie sondieren, und so entschloss sie sich, ebenso - nun, zumindest weitestgehend - freundlich zu sein. Wenn es die Götter wollten, würde sie in dieser Frau vielleicht sogar jemanden finden, der ihr annähernd das Wasser reichen konnte und sie ob dessen nicht schnell langweilte. Eine Aurelia Prisca kannte sie zu jenem Moment noch nicht, doch würde sich dieser Missstand ja mit der bevorstehende Rede zum Theaterstück beilegen, was Ofella selbstredend noch nicht ahnte. Warum die Sklavin einer einzelnen Frau gleich einige Plätze frei hielt, fragte Ofella nicht. Ihr dünkte, dass die Aurelia vielleicht bereits von ihr, Ofella, gehört haben musste und deswegen gleich einen Platz reserviert hatte. Positiv angetan, lächelte die Rohaarige und neigte das frisierte. schminküberladene Haupt. "Wie wundervoll. Das wird sicher ein Spaß", entgegnete sie. Allein die Aussicht, nicht bei ihrem Gemahl sitzen zu müssen, löste ein unanständiges, rebellenhaftiges Gefühl in ihr aus. Ha! Er würde sie nicht mehr kommandieren! Und schon rauschte die Claudia erhobenen Hauptes hinter ihrer Verwandten her, die das kleine Mädchen einfach mitgenommen hatte. Doch ehe sie das atrium mit samt ihrer Parfumwolke "Liebreiz des gallischen Glockenblümleins" verlassen konnte, hatte Camilla sie eingeholt. "Oh, meine Teuerste, rasch, rasch, ich glaube, das Stück beginnt gleich", bemerkte sie und steuerte die erste Reihe an. Ihrem Gatten schenkte sie nicht mehr als ein flüchtiges Grinsen.

  • Zitat

    Original von Marcus Decimus Mattiacus
    "Da hast du recht. Ich glaube, ausser an den Rändern Nordafrikas wird an fast jeder Küste Wein angebaut, oder es besteht zumindest die Möglichkeit dazu."


    Über Weinbau ließ sich doch prima plaudern. Macer hatte schon lange kein so zwangloses Gespräch mehr geführt, und dass, obwohl er nicht einmal Weinbauer war. "Du sagtest eben, dass du dich selber noch nicht mit Weinbau beschäftigt hast - hast du andere Landgüter?" fragte Macer nach. Vielleicht konnte man ja geschäftliche Kontakte knüpfen, auch wenn das in Verbindung mit Macers Obstplantagen vielleicht eher schwer war.

  • Fionas Herz ging auf, als sie hörte, woher ihre Leidensgenossin stammte.
    "Du kommst aus dem Quellgebiet der Sulis? Na, da sind wir ja fast Nachbarn! Als Kind war ich einmal in Aquae Sulis!"
    Sie wußte zwar, daß es zwischen ihrem und Cadhlas Stamm in früheren Zeiten gelegentlich zu Reibereien kam, doch was spielte das jetzt noch für eine Rolle! Sie erhob ihren Becher und prostete den beiden Keltinnen zu.
    "Auf die geliebte Heimat! Auf das sie nicht müde wird, Widerstand zu leisten!"
    Sie dachte gerade daran, was wohl ihr Vater gesagt hätte, wenn er sie so hätte reden hören. Doch Fionas Vater war tot, getötet von seinen eigenen Vorstellungen einer friedvollen und freien Zukunft.
    Doch Cadhla sprach weiter. Ihr gefiel wohl auch der Gedanke, Samhain zu feiern. So begann sie schon zu planen. Doch kaum war sie damit fertig, verabschiedete sie sich auch schon und verschwand. Sie sagte irgendetwas, von Theater spielen. Fiona stutzte doch dand wandte sie sich Bridhe zu.
    "Glaubst du nicht auch, daß es wundervoll wäre, Samhain zu feiern? Für mich würde es viel bedeuten. Ich habe in diesem Jahr meine ganze Familie verloren!"
    Mit einem gewissen Kummer in den Augen sah sie Bridhe fragend an.

  • Zitat

    Original von Spurius Purgitius Macer
    Über Weinbau ließ sich doch prima plaudern. Macer hatte schon lange kein so zwangloses Gespräch mehr geführt, und dass, obwohl er nicht einmal Weinbauer war. "Du sagtest eben, dass du dich selber noch nicht mit Weinbau beschäftigt hast - hast du andere Landgüter?" fragte Macer nach. Vielleicht konnte man ja geschäftliche Kontakte knüpfen, auch wenn das in Verbindung mit Macers Obstplantagen vielleicht eher schwer war.


    "Landgüter noch nicht. Ich besaß vor der Änderung der Lex Mercatus eine Mine, diese habe ich aber geschlossen. Zum einen wegen des Gesetztes, zum anderen, weil sie keinen Gewinn abwarf. Ich plane aber, meine Ersparnisse neu anzulegen und suche nach neuen Investitionsmöglichkeiten. Ein Weingut ist glaube ich gar nicht so schlecht. Wein wird immer getrunken und später könnte ich mich dort einmal zur Ruhe setzen und den Weinkeller leertrinken." Beim letzten Satz musste Mattiacus lächeln und stelle sich vor, wie er völlig besoffen als alter Mann auf der Veranda seines Weingutes saß.

  • Mit ausdrucksloser Miene folgte der Germane dem Flavier, der ihn auf seinen Platz verwiesen hatte. Unvermittelt sprach ihn jedoch ein anderer Römer an. Er blieb stehen und musterte düster Aurelius Cotta.
    Not und Angst! - In Not und Angst lebte also sein Volk, meinte dieser Römer zu wissen!
    Da war der Germane natürlich ganz anderer Meinung, und verächtlich kräuselten sich seine Mundwinkel bei dieser Behauptung. Dass es einen Haufen Romanisierte und Verräter gab, damit hatte der Mann allerdings leider recht. Schon hatte der Römer auf dem Absatz kehrt gemacht, und stumm - seine Zunge für diesmal im Zaume haltend - folgte der Germane wieder seinem Herren.
    Bevor er den Raum verließ sah er sich noch einmal um, begegnete Minnas Blick und nickte seiner Stammesgenossin zum Abschied achtungsvoll zu. Minna von der Sippe der Uiligotis. Eine stolze Frau, die sich von der Gefangenschaft nicht hatte brechen lassen schien sie ihm zu sein, und es war gut gewesen, von der Heimat zu hören, auch wenn es keine frohe Kunde war. Minna, kaum dass er sie getroffen hatte, schon wieder aus den Augen zu verlieren, bekümmerte ihn. Unbedingt musste er sie wieder aufspüren.
    Dass Bridhe Anstalten machte, mit Aquilius und ihm hinauszugehen, überraschte ihn - wollte sie ihm beistehen, ihn gar beschützen? Aber er wollte ihr doch wirklich nicht den Abend verderben. Gerade wo sie ebenfalls Frauen aus ihrer Heimat getroffen hatte. Nein, seine Süße sollte doch lieber das Fest genießen.
    Er schenkte ihr ein Lächeln der Marke tapferer Märtyrer, betrachtete sie liebevoll und schüttelte leicht den Kopf. Dann verschwand der Germane aus dem Atrium. Und ward auf diesem Fest nicht mehr gesehen.

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