[Officium X] Procurator rationis privatae

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    Original von Titus Prudentius Burrus
    Titus lächelte kurz etwas verlegen, als der Duccier im eine erfolgreiche Zukunft vorhersagte und war froh, dass bereits das nächste Thema dran war. "Das Haus ist in einem ganz passablen Zustand. Man merkt, dass es lange nicht mehr richtig bewohnt wurde, aber für mich reicht es. Aktuell könnte man dort aber keine gesellschaftlichen Veranstaltungen stattfinden lassen, da natürlich an allem ein wenig der Zahn der Zeit genagt hat." antwortete er.


    "Das freut mich zu hören", sagte Witjon aufrichtig hinsichtlich des Zustands der Casa. "Dann hast du ja jetzt auch eine Aufgabe für die Zeit außerhalb der Regia Legati Augusti Pro Praetore", schmunzelte er in der Folge. Witjon wusste wie viel Arbeit es bedeuten konnte, ein Haus vorzeigbar zu machen. Auch wenn man nicht selbst Hand anlegte, sondern Handwerker für sich malochen ließ, war es zusätzlicher Stress und Aufwand. Ganz zu schweigen von den finanziellen Einbußen, die hinter solch einer Aktion steckten, je nach Ausmaß des Handlungsbedarfs. Das war das gedankliche Stichwort, das Witjon zu einem Angebot veranlasste: "Wenn du irgendeine Art von Unterstützung bei diesem Unterfangen benötigen solltest - scheue dich nicht, auf mich zuzukommen, ja? Ich würde mich glücklich schätzen, dir unter die Arme zu greifen, falls nötig. Egal ob finanziell oder durch die Vermittlung ordentlicher Arbeitskräfte." Er hoffte, dass Burrus nicht aus falschem Stolz dazu neigte, solcherlei Hilfsangebote abzulehnen.

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    Original von Titus Prudentius Burrus
    Titus beobachtete, wie Marsus das Schreiben las, es dann für seinen Kollegen zusammenfasste und es diesem dann aushändigte. Den Namen des neuen, kommenden Statthalters hatte er durchaus schon mal gehört und irgendwo hinten in seinem Gedächtnis klingelte da auch etwas, aber er war sich nicht ganz sicher, was genau das war. Er registrierte allerdings erstmal positiv, dass die Reaktion des Ducciers recht positiv ausfiel.


    Da er selbst bisher noch keine Amtseinführung eines Statthalters miterlebt hatte, konnte er natürlich nichts darüber sagen, ob und inwiefern die Anwesenheit der Augusta Mehrarbeit bedeutete. Er konnte sich allerdings durchaus vorstellen, dass es so war, daher nickte er bestätigend.


    http://www.kulueke.net/pics/ir/nscdb/e-roemer-maenner/43.jpgDer Legatus Iuridicus Potitus Cominius Mammmula war der Nachfolger des Kaeso Veturius Gratus. Dieser war vor einiger Zeit abgelöst worden und nun hatte Cominius durch schicksalhafte Ereignisse die vorübergehende Leitung der Provinzverwaltung inne. Er sah neugierig auf, nickte dem Scriba knapp zu und wartete ansonsten erstmal ab, was Duccius zu sagen hatte, der das Schreiben entgegennahm.


    "Der Imperator sendet uns also erneut einen Consular", stellte Cominius lakonisch fest. Auch Titus Duccius Vala war ja (erst) nach dem Consulat zum Statthalter ernannt worden. "Dass die Augusta ebenfalls mitreisen wird, ist hingegen ein wenig überraschend. Steckt da mehr dahinter?" Er nahm den kaiserlichen Brief vom Procurator Rationis Privatae entgegen und überflog selbst die wenigen Zeilen. "Typisch wortkarg, unsere liebe Kanzlei", bemerkte der Cominius. "Die schreiben, unsere geschätzte Augusta wolle die Provinz inspizieren." Der Legatus Iuridicus sah vom Brief auf und zog die Stirn in Falten. "Das klingt nach Stress. Ich denke wir sollten uns jetzt schonmal sämtliche Problemfelder in unserem Aufgabenbereich zu Gemüte führen, die unter Legatus Duccius eventuell liegen geblieben sind." Auch wenn er sich beim Procurator Rationis Privatae mit dieser Bemerkung vermutlich nicht beliebter machte, so sah er eine Notwendigkeit darin, vorzusorgen.


    "Im Übrigen hast du Recht, Duccius, wenn du von Mehraufwand sprichst. Ich hoffe sehr, dass Senator Decimus uns noch mitteilt, wann er voraussichtlich eintreffen wird. Wir müssen wohl jetzt schon planen, wie das Festprogramm aussehen soll." Er musste sich zusammenreißen, nicht laut zu seufzen. Eigentlich war er für solcherlei Aufgaben nicht in die Provinz berufen worden. Vielleicht würde er diesen ganzen Organisationsquatsch einfach Duccius und der Schreiberabteilung aufbürden. Er konnte dann einfach mit seiner ganzen Kompetenz die Verwantwortung tragen.



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    Original von Numerius Duccius Marsus
    "Das freut mich zu hören", sagte Witjon aufrichtig hinsichtlich des Zustands der Casa. "Dann hast du ja jetzt auch eine Aufgabe für die Zeit außerhalb der Regia Legati Augusti Pro Praetore", schmunzelte er in der Folge. Witjon wusste wie viel Arbeit es bedeuten konnte, ein Haus vorzeigbar zu machen. Auch wenn man nicht selbst Hand anlegte, sondern Handwerker für sich malochen ließ, war es zusätzlicher Stress und Aufwand. Ganz zu schweigen von den finanziellen Einbußen, die hinter solch einer Aktion steckten, je nach Ausmaß des Handlungsbedarfs. Das war das gedankliche Stichwort, das Witjon zu einem Angebot veranlasste: "Wenn du irgendeine Art von Unterstützung bei diesem Unterfangen benötigen solltest - scheue dich nicht, auf mich zuzukommen, ja? Ich würde mich glücklich schätzen, dir unter die Arme zu greifen, falls nötig. Egal ob finanziell oder durch die Vermittlung ordentlicher Arbeitskräfte." Er hoffte, dass Burrus nicht aus falschem Stolz dazu neigte, solcherlei Hilfsangebote abzulehnen.


    Titus hatte in der Tat noch gar nicht wirklich darüber nachgedacht, was es bedeuten würde das Haus seiner Familie wieder auf Vordermann zu bringen. Für den Moment war alles völlig ausreichend für seine Bedürfnisse, aber er wusste natürlich, dass der aktuelle Zustand nicht ausreichen würde, wenn er den Weg in die städtische Politik und damit auch in die städtische Oberschicht beschreiten wollte. Der Name seiner Familie konnte da möglicherweise eine Einstiegshilfe sein, doch würde er dann natürlich auch gewisse Anforderungen an die Repräsentationsfähigkeit erfüllen müssen, die sein Haus und er selbst aktuell bei weitem nicht erfüllten.


    Das Hilfsangebot des Ducciers quittierte er erstmal mit einem Nicken und sagte dann noch: "Wenn es soweit ist, dass ich eine Renovierung in Angriff nehme, werde ich gerne auf dein Angebot zurückkommen." Gerade finanziell war es um den jungen Prudentier schliesslich nicht sonderlich gut gestellt, denn er hatte nur Zugriff auf das kleine Erbe, dass er von seiner Mutter hatte. Der Großteil des prudentischen Vermögens (oder dessen, was davon übrig war), war natürlich immer in der stadtrömischen Linie gebunden gewesen.
    "Aber im Moment hat das noch keine Priorität. Erstmal möchte ich mich auf die Arbeit hier konzentrieren. Da brauche ich keine Ablenkungen durch Handwerker im Haus." sagte er mit einem Lachen.

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    Original von Titus Prudentius Burrus
    [...] Das Hilfsangebot des Ducciers quittierte er erstmal mit einem Nicken und sagte dann noch: "Wenn es soweit ist, dass ich eine Renovierung in Angriff nehme, werde ich gerne auf dein Angebot zurückkommen." Gerade finanziell war es um den jungen Prudentier schliesslich nicht sonderlich gut gestellt, denn er hatte nur Zugriff auf das kleine Erbe, dass er von seiner Mutter hatte. Der Großteil des prudentischen Vermögens (oder dessen, was davon übrig war), war natürlich immer in der stadtrömischen Linie gebunden gewesen.
    "Aber im Moment hat das noch keine Priorität. Erstmal möchte ich mich auf die Arbeit hier konzentrieren. Da brauche ich keine Ablenkungen durch Handwerker im Haus." sagte er mit einem Lachen.


    "Ist gut", entgegnete Witjon einfach und beließ es erstmal dabei. Ihm lag es fern, jemandem seine Hilfe aufzudrängen. Burrus würde schon von sich aus zu ihm kommen, wenn er Hilfe benötigte.
    Und so bestätigte sich Witjons Gespür auch in den nächsten Worten des jungen Mannes, der offenbar noch nicht allzu viele Gedanken an Renovierungen vergeudet hatte. Witjon lachte ebenfalls. "Das höre ich gern. Ich will dich auch gar nicht weiter von der Arbeit abhalten. Palfurius wird vermutlich sowieso wieder mit mir schimpfen, dass ich wieder mal einen Scriba hier mit Geschwätz festhalte." Er grinste breit. "Also los, ab mit dir. Ich muss auch endlich weitermachen." Schuldbewusst warf er einen Blick auf die zwischenzeitlich unangetastet liegengebliebenen Akten auf seinem Schreibtisch.

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    Original von Narrator Germaniae
    "Der Imperator sendet uns also erneut einen Consular", stellte Cominius lakonisch fest. Auch Titus Duccius Vala war ja (erst) nach dem Consulat zum Statthalter ernannt worden. "Dass die Augusta ebenfalls mitreisen wird, ist hingegen ein wenig überraschend. Steckt da mehr dahinter?" Er nahm den kaiserlichen Brief vom Procurator Rationis Privatae entgegen und überflog selbst die wenigen Zeilen. "Typisch wortkarg, unsere liebe Kanzlei", bemerkte der Cominius. "Die schreiben, unsere geschätzte Augusta wolle die Provinz inspizieren." Der Legatus Iuridicus sah vom Brief auf und zog die Stirn in Falten. "Das klingt nach Stress. Ich denke wir sollten uns jetzt schonmal sämtliche Problemfelder in unserem Aufgabenbereich zu Gemüte führen, die unter Legatus Duccius eventuell liegen geblieben sind." Auch wenn er sich beim Procurator Rationis Privatae mit dieser Bemerkung vermutlich nicht beliebter machte, so sah er eine Notwendigkeit darin, vorzusorgen.


    "Hmhm", brummte Witjon und stimmte damit wortlos Cominius' Kommentaren hinsichtlich des Kanzleistils und des Anreisetermins zu. "Inspizieren klingt tatsächlich nach ungeliebtem Stress", bejahte er sodann, nahm das ganze jedoch etwas leichter als der Legatus Iuridicus. "Wir bekommen das schon hin. Mit ordentlicher Vorbereitung wird's gehen."


    Witjon wandte sich an Prudentius Burrus: "Prudentius, stelle uns doch bitte eine Übersicht aller Beschwerden zusammen, die in den letzten Wochen hier eingegangen sind. Es geht um alles, was einen Bezug zu staatlichen Mitteln hat und von Statthalter Duccius offensichtlich nicht mehr angegangen werden konnte. Reparaturbedürftige Brücken, schadhafte Heerstraßen, falsch vermessene kaiserliche Pachtäcker, du weißt schon." *


    Da fiel ihm noch etwas anderes ein: "Ach und schick noch jemanden zur Legion und zur Ala und lass fragen, ob die dort ebenfalls eine Benachrichtung erhalten haben. Falls nicht, informiere den jeweils diensthabenden ranghöchsten Offizier darüber, dass Senator Decimus nicht nur Statthalter sein, sondern auch die Legio Secunda führen wird." Er sah den Scriba kurz eindringlich an um zu ergründen, ob seine Aufträge angekommen waren. Dann schob er hinterher: "Noch Fragen?"


    Sim-Off:

    *Denk dir einfach etwas aus.

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    Original von Numerius Duccius Marsus
    "Ist gut", entgegnete Witjon einfach und beließ es erstmal dabei. Ihm lag es fern, jemandem seine Hilfe aufzudrängen. Burrus würde schon von sich aus zu ihm kommen, wenn er Hilfe benötigte.
    Und so bestätigte sich Witjons Gespür auch in den nächsten Worten des jungen Mannes, der offenbar noch nicht allzu viele Gedanken an Renovierungen vergeudet hatte. Witjon lachte ebenfalls. "Das höre ich gern. Ich will dich auch gar nicht weiter von der Arbeit abhalten. Palfurius wird vermutlich sowieso wieder mit mir schimpfen, dass ich wieder mal einen Scriba hier mit Geschwätz festhalte." Er grinste breit. "Also los, ab mit dir. Ich muss auch endlich weitermachen." Schuldbewusst warf er einen Blick auf die zwischenzeitlich unangetastet liegengebliebenen Akten auf seinem Schreibtisch.


    Titus nickte. "Ja Procurator." sagte er und fügte noch hinzu: "Sollte Palfurius sich mir gegenüber entsprechend äussern, werde ich ihm lang und breit davon berichten, wie viele Informationen mir der Tribun für dich mitgegeben hat und wie langatmig ich dir diese übermittelt habe. Vale." Mit einem Lachen verabschiedete sich der Prudentier und verliess das Officium.

  • Zitat

    Original von Numerius Duccius Marsus
    Witjon wandte sich an Prudentius Burrus: "Prudentius, stelle uns doch bitte eine Übersicht aller Beschwerden zusammen, die in den letzten Wochen hier eingegangen sind. Es geht um alles, was einen Bezug zu staatlichen Mitteln hat und von Statthalter Duccius offensichtlich nicht mehr angegangen werden konnte. Reparaturbedürftige Brücken, schadhafte Heerstraßen, falsch vermessene kaiserliche Pachtäcker, du weißt schon." *


    Da fiel ihm noch etwas anderes ein: "Ach und schick noch jemanden zur Legion und zur Ala und lass fragen, ob die dort ebenfalls eine Benachrichtung erhalten haben. Falls nicht, informiere den jeweils diensthabenden ranghöchsten Offizier darüber, dass Senator Decimus nicht nur Statthalter sein, sondern auch die Legio Secunda führen wird." Er sah den Scriba kurz eindringlich an um zu ergründen, ob seine Aufträge angekommen waren. Dann schob er hinterher: "Noch Fragen?"


    Sim-Off:

    *Denk dir einfach etwas aus.


    Titus verfolgte aufmerksam den Wortwechsel der beiden hohen Beamten, ist sich aber nicht sicher, ob der Argwohn der beiden bezüglich des angekündigten Besuchs der Augusta tatsächlich angebracht war oder nicht. Als sich der Duccier dann ihm zuwand und begann ihm Aufgaben aufzutragen, zückte er eine Tabula und machte sich einige kurze Notizen dazu. Er nickte zwischendurch immer wieder zur Bestätigung.


    Als der Duccier geendet hatte und fragte, ob es noch Fragen gab, blickte Titus kurz auf seine Tabula, schüttelte leicht mit dem Kopf und antwortete: "Eine Aufstellung unbearbeiteter Beschwerden und Eingaben. Und eine Information an Legio und Ala, sofern noch nicht informiert. Alles klar." Er senkte die Tabula und blickte von einem hohen Beamten zum anderen. "Sonst noch etwas?"
    Sofern es keine weiteren Aufträge gab, würde Titus sich sonst auf den Weg machen.

  • Zitat

    Original von Titus Prudentius Burrus
    Als der Duccier geendet hatte und fragte, ob es noch Fragen gab, blickte Titus kurz auf seine Tabula, schüttelte leicht mit dem Kopf und antwortete: "Eine Aufstellung unbearbeiteter Beschwerden und Eingaben. Und eine Information an Legio und Ala, sofern noch nicht informiert. Alles klar." Er senkte die Tabula und blickte von einem hohen Beamten zum anderen. "Sonst noch etwas?"
    Sofern es keine weiteren Aufträge gab, würde Titus sich sonst auf den Weg machen.


    Witjon nickte. Er war momentan sehr zufrieden mit der Arbeit seines neuen Scribas. Der Junge war auf Zack und in der Lage, selbst zu denken.


    "Nein, das war's erstmal", erwiderte Witjon auf Burrus' Nachfrage. Mit den Anweisungen dürfte er vorerst ausreichend beschäftigt sein. Solange konnte Witjon sich zusammen mit Legatus Iuridicus Comminius weiter den anstehenden Aufgaben widmen.

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    Original von Numerius Duccius Marsus
    Witjon nickte. Er war momentan sehr zufrieden mit der Arbeit seines neuen Scribas. Der Junge war auf Zack und in der Lage, selbst zu denken.


    "Nein, das war's erstmal", erwiderte Witjon auf Burrus' Nachfrage. Mit den Anweisungen dürfte er vorerst ausreichend beschäftigt sein. Solange konnte Witjon sich zusammen mit Legatus Iuridicus Comminius weiter den anstehenden Aufgaben widmen.


    Titus nickte zur Bestätigung und zum Abschied und verließ dann das Officium.

  • Einer seiner ersten Besuche am ersten Arbeitstag als neuer Statthalter von Germania Superior galt natürlich den beiden höchsten Amtsträgern in der Provinz - dem senatorischen Legatus Iuridicus und dem ritterlichen Procurator rationis privatae. Besonders der Zweite erregte das Interesse des Decimers, war es doch ein Verwandter seines verunglückten Vorgängers und ein Mitglied eben jener Familie, der man Zuviel Macht in Germania Superior zusprach. Livianus hatte überlegt die Amtsträger zu sich zu bestellen, entschied dann aber doch, sich für das erste Kennenlernen in deren Räumen einzufinden. Er ließ sich also entsprechend vorher ankündigen und kam dann zur anberaumten Zeit beim Duccier vorbei.


    "Salve Duccius! Im ganzen Trubel der Ankunft hatten wir bisher kaum Gelegenheit miteinander zu sprechen. Ich freue mich daher schon dich und die anderen Provinzbeamten ein wenig besser kennen zu lernen. Doch die wichtigste Frage vorab. Hast du etwas vom Gesundheitszustand meines Vorgängers Duccius Vala gehört?"

  • "Legatus Decimus, ich grüße dich", erwiderte Witjon auf die Worte des Statthalters. Da dieser sich angekündigt hatte, war Witjon genug Zeit zum Aufräumen seines Schreibtisches verblieben. So bot das Arbeitszimmer einen präsentablen Anblick - ausnahmsweise. "Es ehrt dich, dass du zuvorderst an deinen Vorgänger denkst", bemerkte er sodann. Er musste feststellen, dass ihm der Decimus sogleich sympathisch war. Er hatte eine freundliche Art an sich, wobei das auch daran liegen mochte, dass er beim ersten Kennenlernen einen guten Eindruck hinterlassen wollte. Wie dem auch war, Witjon war schonmal erleichtert, dass er keinen Miesepeter als Chef bekommen hatte.


    "Seit dem Unfall scheint er zwischen dem Diesseits und dem Jenseits gefangen zu sein, fürchte ich. Vala liegt wie schlafend da, aber mit offenen Augen. Man kann ihm Nahrung zuflößen, aber mehr ist nicht erkennbar. Der Medicus sagt, an seinem Zustand ließe sich nichts machen, außer durch Gebete und Opfer." Witjon sah bedauernd drein. Es war wirklich eine Schande. "Ich habe ihn in meiner Villa vor der Stadt untergebracht, wo sich seine Gattin rührend um ihn kümmert."


    Nach diesen Worten bemerkte er, dass sie noch immer standen. Deshalb wies er auf einen der Stühle, die bereitstanden und sagte: "Setzen wir uns doch, bitte."

  • Es war nicht so, dass er mit sonderlicher besseren Nachrichten gerechnet hatte. Aber es nun so direkt von einem Angehörigen aus erster Hand zu hören stimmte den Decimer doch sehr traurig, hatte er doch nach langem Ringen und einigen Fehden im Senat ein zuletzt doch sehr gutes Verhältnis zu Vala gehabt. Er kam der Einladung sich zu setzen nach und nickte betrübt.


    "Ich verstehe. Nun wenn es meine Zeit ein wenig mehr erlaubt und auch die Familie damit einverstanden ist würde ich Vala und seiner Familie gerne persönlich einen Besuch abstatten. Es wäre sehr freundlich von dir, wenn du meine Bitte bei Valas Gemahlin vorträgst und mich informierst, wenn sie einem solchen Besuch zustimmt. Selbstverständlich werde auch in ein Opfer für seine Genesung darbringen."


    Livianus seufzte tief und war für einen kurzen Moment in seinen Gedanken versunken, ehe er den Gesprächsfaden wieder aufnahm. Er entschied sich für einen harten Schnitt und wollte nun auf seine neue Aufgabe zu sprechen kommen.


    "Wie ist es euch in der Zwischenzeit ohne Statthalter in der Provinz ergangen? Es gab wohl einige Unstimmigkeiten zwischen Verwaltung und Militär wie mir zu Ohren gekommen ist. Konnte das zwischenzeitlich geklärt werden, oder besteht noch Handlungsbedarf von meiner Seite?"

  • Der Statthalter zeigte Mitgefühl, was Witjon positiv registrierte. Er war sich nicht sicher, ob Vala und Livianus sich aus Rom besonders gut gekannt hatten. Aber soweit er gehört hatte, waren sie damals im Senat einige Male aneinandergeraten.


    "Ich danke dir für deine Anteilnahme", sagte Witjon. "Über einen Besuch würde Tiberia Lucia sich gewiss sehr freuen. Und ich auch." Er lächelte verhalten.


    Der abrupte Themenwechsel zum Zustand der Provinz war Witjon ganz recht.


    "Unstimmigkeiten...", wiederholte Witjon unbestimmt. "Nun, es gab keine weitere Aussprache nach dem ersten Versuch einer gemeinsamen Besprechung, wenn du das meinst. Die Militäreinheiten haben ihre Aufgaben selbständig ausgeführt und die Verwaltung ist ihren eigenen Aufgaben nachgegangen. Probleme gab es dabei nicht." Er zuckte mit den Schultern. "Weiter kann ich berichten, dass es in der Zeit ohne Statthalter nicht zu bemerkenswerten Vorfällen kam, die deine besondere Aufmerksamkeita als Statthalter bedürften. Momentan ist es relativ ruhig, abgesehen von der üblichen Routine."

  • "Nun, übliche Routine und keine bemerkenswerten Vorfälle in der letzten Zeit sind gar nicht so ein schlechter und unwillkommener Start für einen neuen Statthalter. Da habe ich von Senatskollegen wesentlich schlimmeres gehört und sollte mich daher glücklich schätzen die Provinz in derart guten Zustand überantwortet zu bekommen."


    Der Decimer musste bei der Anspielung an die Geschichten einiger seiner Mitsenatoren kurz schmunzeln, schließlich reichten diese Geschichten vom oft mühsamen Bespaßen gelangweilter Senatorengattinnen oder anderer Familienmitglieder, über das schlichten einfacher Besitzstreitigkeiten der hiesigen Großgrundbesitzer bis zu ausgewachsenen Aufständen, die dann schon weniger Lustig waren.


    "Ich nehme an du hattest als Verwandter des letzten Statthalters ein enges Vertrauensverhältnis. Ich hoffe daher dir die Fragen stellen zu können, welche mir Vala leider nicht beantworten kann. Wie schätzt du die generelle Lage der Provinz ein? Gab es besondere Probleme, denen sich mein Vorgänger zuletzt widmen musste? Aufsässige Kommandeure oder Probleme mit städtischen Magistraten? Und wie ist die Stimmung generell? Wie steht die Bevölkerung zum Kaiserhaus und zu Rom? Unsere Begrüßung und auch die Jubelrufe gegenüber der Kaiserin zeigen deuten auf ein gutes Verhältnis hin, aber spiegelt sich dass in der restlichen Provinz wieder oder gibt es hier Probleme durch den eventuellen Einfluss von jenseits des Limes?"

  • Witjon nickte mit sachlicher Miene. Es war tatsächlich aktuell recht ruhig. Schwierigkeiten an der Grenze waren ihnen seit längerem nicht mehr gemeldet worden und auch im Provinzinneren hatte es keine aufsehenerregenden Zwischenfälle mehr gegeben. Hungersnöte oder Sturmschäden waren auch nicht aufgetreten. Insgesamt schienen die Götter derzeit ihre schützende Hand über Germania Superior zu halten. Witjon war froh drum.


    "Selbstverständlich", bestätigte Witjon sowohl die enge Bindung zu Vala als auch die Erlaubnis zur Fragestellung für den Statthalter. "Ich würde behaupten, die Provinz steht momentan recht gut da. Die letzten Sommer waren nicht zu heiß, die Winter nicht übermäßig kälter als üblich. Die Vorräte in den Civitates sind daher ausreichend gefüllt, um Hunger müssen wir uns dieses Jahr nicht sorgen. Was das militärische angeht, bin ich wohl nicht mit der nötigen Kenntnis ausgestattet. Aber mein Eindruck ist, dass sich seit einiger Zeit die Lage am Limes deutlich beruhigt hat. Bis auf einen kleineren Raubzug vor kurzem gab es keine erheblichen kriegerischen Begebenheiten. Ich werde dir aber gerne einen Bericht zur Einschätzung der Aktivitäten der Grenzstämme aufsetzen, wenn du wünschst."


    Kurz pausierte Witjon und sammelte seine Gedanken, bevor er fortfuhr: "Die Infrastruktur ist auf einem ordentlichen Stand. Wir haben zwar einige Straßen, die demnächst mal wieder erneuert werden könnten, aber da besteht keine akute Eile. Die Stimmung in der Provinz war natürlich von Sorge geprägt, als Vala verunglückte. Niemand lebt gern in einer Provinz, deren Statthalter keine Entscheidungen treffen kann. Deshalb fiel die Begrüßung auch so fröhlich aus, weil die Leute erleichtert über deine Ankunft sind. Was die Stimmung bei den bewaffneten Einheiten hier angeht, bist du ja schon im Bilde. Bei der Legio Secunda hat es wohl einen Zwischenfall gegeben. Es hieß, die Männer seien unzufrieden gewesen und hätten sich mit den Tribuni angelegt. Aber da werden dir die Offiziere dort sicherlich bessere Auskünfte geben können."

  • Mit einem Stapel Tabulae unter dem Arm und einem Beutel voller Schriftrollen an seiner Seite baumelnd war Titus an diesem Tag in den Korridoren des provinzialen Verwaltungstraktes unterwegs. Der junge Mann hatte ein weiteres Mal die Veantwortung über den Schriftverkehr der statthalterischen Kanzlei und schleppte daher eingehende Schreiben, Berichte und Gesuche mit sich rum. Dazu kam sein Arbeitsmaterial für den Fall, dass zu irgendeinem der Schriftstücke unverzüglich eine Antwort verfasst werden sollte und eine Tabula auf der er sich zu jedem Schriftstück eine kurze Notiz gemacht hatte um nicht völlig den Überblick zu verlieren.


    Die nächste Station auf seinem Rundgang war das Officium des Procurator rationis privatae, für den er an diesem Tag auch etwas hatte. Er klopfte an die Tür, wartete den obligatorischen Augenblick, ehe er dann die Tür öffnete und mit einem freundlichen "Salve." eintrat, während er bereits in den Tabulae nach dem kramte, was er hier übergeben musste.

  • Griffel kratzte über Wachs. Zeile um Zeile formulierte Witjon soeben eine Abmahnung an einen seiner Untergebenen im Süden der Provinz, dessen Bezirk mit der Abführung der Erträge an die kaiserliche Kasse im Verzug war. Da klopfte es. Witjon erkannte an Ton und Abfolge des Klopfens, dass es der junge Prudentius war. Der Procurator Rationis Privatae konnte mittlerweile fast jeden der Schreiber am Klopfen erkennen, seit er bemerkt hatte, dass jeder Mensch eine gewisse Eigenart in das Anklopfen legte.


    "Salve, Prudentius", erwiderte er den Gruß des jungen Mannes, der mit einem ganzen Stapel Unterlagen und allerleri Schreibkram beladen war. Das sah fleißig aus, musste Witjon anerkennen. Burrus begann zu kramen und Witjon wurde neugierig. "Was hast du heute schönes für mich?"

  • Während der Duccier ihn begrüßte überwand der Prudentier den kurzen Weg von der Tür zum Tisch des Procurators. Vor dem Tisch stehend fischte er eine Tabula aus dem Stapel heraus und blickte noch einmal kurz hinauf um sicher zu gehen, dass er auch die richtige erwischt hatte.


    "Ausser den üblichen, alltäglichen Sachen, gab es heute noch dieses Schreiben für dich. Es stammt von einem der Stadtschreiber. Der Inhalt ist wenig aussagekräftig, daher gehe ich davon aus, dass es sich um eine Anfrage privater Natur an dich handelt."


    Er reichte dem Procurator die Tabula mit dem erwähnten Schreiben.


    Officium X - Procurator Rationis Privatae
    Regia Legati Augusti pro Praetore
    Mogontiacum


    Salve Numerius Duccius Marsus,
    mein Name ist Norius Carbo, ich schreibe dir heute dank einer Empfehlung deiner Person durch den Duumvir Mogontiaci Volusus Haterius Catulus. Ich erbitte dich um eine Unterredung in einer Angelegenheit von hoher Wichtigkeit für mich.


    Vale bene


    NORIUS CARBO


    Scriba | Mogontiacum


    "Wenn du wünschst, kann ich den Mann bereits in den nächsten Tagen zu einem Termin einbestellen." kommentierte Titus, während er die bereits erwähnten, üblich alltäglichen Schriftstücke, bei denen es sich um mehrere Schriftrollen mit bereits gebrochenen Siegeln handelte, die diverse Berichte und Briefe von den Aussendienstmitarbeitern des Procurators enthielten. Ausserdem gab es zu dem ganzen Stapel auch noch eine recht große Tabula auf der die wichtigsten Inhalte der diversen Schreiben kurz und knapp zusammengefasst waren.

  • Geduldig wartete Witjon, bis Burrus die Post für ihn ausgesondert hatte und ihm vorlegte. Da war also neben den üblichen Schreiben eines, das nicht so recht eingeordnet werden konnte. Witjon nahm den Schrieb stirnrunzelnd entgegen.


    "Da wirst du wohl recht haben", stimmte der Procurator achselzuckend zu. Norius Carbo war ihm bisher nicht bekannt.


    "Ja bitte, lade ihn ein. Solange wir nicht wissen, ob es sich um private Angelegenheiten handelt, oder solche, die die Provinzverwaltung betreffen, müssen wir von letzterem ausgehen. Immerhin adressiert er mich ja hier auch als Procurator Rationis Privatae." Er gab dem Scriba das Schreiben zurück und nahm die Zusammenfassung der eingegangenen Briefe entgegen - Witjon bemerkte einmal mehr, wie fleißig der Prudentius war - und sagte weiter: "Dann lass mich wissen, wann dieser Norius Carbo vorbeikommt. Ansonsten ist nichts Dringendes mehr dabei?" Er überflog die Übersicht und merkte schnell, dass seine Frage wohl mit Nein zu beantworten war. Nur das Übliche: Lageberichte von regionalen Provinzbeamten, Ertragsübersichten von Pächtern, Einsatzberichte der Beneficarii.

  • Titus nickte, machte sich eine kurze Notiz und sagte: "Ich werde ihm eine Einladung zukommen lassen." Dann schüttelte er ein wenig den Kopf. "Ansonsten gibt es nichts besonders dringliches oder besonderes."


    Für den Prudentier war damit im Grunde genommen alles getan und sofern es von Seiten des Procurators keine weiteren Dinge gab, würde der Scriba seine Runde fortsetzen.

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