Feriae Annae Perennae - Frühlingserwachen

  • Iulia starrte auf Iduna vor sich am Boden und hielt sich die Hände vor dem Mund. Tränen waren ihr in die Augen getreten. Wonga stand nur dumpf neben ihr und starrte Iduna an. Es war offensichtlich, dass die ganze Situation sein Begriffsvermögen bei weitem überstieg. Seinen Auftrag, Iulia Phoebe zurück zur Sänfte zu bringen, hatte er vollkommen vergessen. Der Anblick der kleinen Sklavin, wie sie da mit gespreizten Beinen darniederlag und offensichtlich große Schmerzen hatte, hatte alles andere aus seinem Kopf gespült.



    Servilia Gemina, Witwe des Kaeso Iulius Iuvenalis


    Servilia Geminas Sorgen indessen wuchsen ebenfalls. Wonga war schon viel zu lange fort und es strömten immer noch mehr und mehr Menschen zu dem Hain, was war dort nur los? Endlich fasste sie sich ein Herz und getraute sich auch jetzt aus der sicheren Sänfte zu steigen und persönlich zu erkunden was dort vor sich ging. Sie winkte Callista und zwei der drei noch bei der Sänfte befindlichen Leibwächtern und schritt so schnell es ihr Stand geziemte auf die Menge zu. "Iulia! Iulia wo bist du? Iulia! Macht Platz! Lasst mich durch! Ich muss... bei allen Göttern!"


    Erschrocken hatte auch Iulias Mutter jetzt Iduna erblickt. Nach einer kurzen Schrecksekunde erholte sie sich wieder und eilte zu der Sklavin hin. Dann kniete sie sich neben ihr nieder und berührte ihren Bauch. "Iduna! Etwa jetzt schon? Wir müssen dich unbedingt nachhause schaffen!" Sie wandte sich zu Wonga um und winkte ihn barsch herbei. "Wonga! Herkommen! Trage sie zurück zur Sänfte und das so vorichtig wie möglich verstanden?! Sie bekommt schon bald ihr Kind!"


    Ganz benommen beobachtete Iulia wie Wonga sich zu dem armen Mädchen hinunterbeugte und sie ganz vorsichtig in seine Arme hob, sodass Iduna mit dem Rücken auf ihnen zu liegen kam und der Bauch und die Beine in keinster Weise eingeengt wurden. So wuchtete er sie langsam hoch und trug sie zurück zur Sänfte, während Iulia, Callista und Servilia Gemina sie zusammen mit den beiden anderen Leibwächtern begleiteten. Iulia hatte Idunas Hand ergriffen und hielt sie fest, während sie ihr die ganze Zeit über gut zuredete.
    "Halte durch, wir bringen dich nachhause. Es wird alles gut werden. Hörst du Iduna? Wir sind alle für dich da."

  • Der furische Sklave Tiberios war mit Rhea, einem Küchenmädchen der Casa Furia , zur Feriae Annae Perennae gegangen, die in dem Hain am ersten Meilenstein der Via Flaminia stattfand . Die Sonne schien warm vom Himmel, und der junge Sklave genoss die Wärme auf seinen bloßen Armen. Er trug eine frischgewaschene Tunika und ein Stirnband , um seine braunen Locken, die ihm ins Gesicht fielen, zurückzuhalten. .


    Am Gürtel hatte er einen Beutel mit dem besten Wein aus der Küche.


    Zwischendurch steckte Tiberios die Nase in eine Schriftrolle und las seiner Mitsklavin - ob sie wollte oder nicht - die Geschichte der Königin Dido und ihrer Schwester Anna vor:
    " Sie war die Schwester der karthagischen Königin , die sich wegen Aeneas umgebracht hat, und dann wurde sie vertrieben....", las er laut rund stolperte beinahe, weil er nicht auf seinen Weg aufpasste : " Irgendwann kommt sie zu Aneas, der sie freundlich aufnimmt und dem sie vom Tod seiner Geliebten erzählt. Aber Lavinia, die Gattin des Aneas wird eifersüchtig, und so muss Anna wieder fliehen, bis sie in einem Fluss ertrinkt und dann in eine Nymphe verwandelt wird. Also ist Anna ursprünglich eine Karthagerin , und Roma hat ja Karthago zerstört. Trotzdem verehren sie sie... hmmm.... "
    Tiberios brach ab und rollte die Schriftrolle weiter: " Das Fest ist aber fröhlich, man darf so viele Becher Wein trinken, wie man sich Jahre wünscht und da steht, es gibt aischrologias: Frauen führen anzügliche Reden und Sklaven lästern über ihre Herren.....Hörst du noch zu, Rhea ?..... Rhea?"


    Das Küchenmädchen hatte sich verdrückt.


    Tiberios grinste. Er hatte wieder einmal zu viel geredet und die Mitsklavin mit gelehrten Vorträgen vergrault.
    Er ließ die Schriftrolle sinken. Eigentlich hoffte er sehr, dass Eireann auch hier war.


    Vor ihm war ein Tumult - und er ging näher hin, um zu sehen , was statt fand.
    Das erste, was er sah , war eine rothaarige Frau, die sich vor Schmerzen krümmte. Dann eine Blonde, die Rothaarige stützte, - und die Luperci , Scato und Lurco.


    Tiberios wusste, was sich gehörte. Bevor sie ihm zeigten, dass sie ihn kannten, würde er sie als Rangniedrigerer nicht begrüßen. Es stand den Römern zu , ihn anzusprechen, zuzunicken - oder völlig zu ignorieren.
    Diesmal trugen sie nicht die Lendenschurze der Luperci, sondern gewöhnliche Kleidung .


    Aber was war das ? Die beiden Urbaner packten die blonde Frau ziemlich gewalttätig - Scato drehte ihr den Arm auf den Rücken und griff ihr ins Haar, dass sie sich krümmen musste.
    Was hatte sie getan ? Versucht , die Männer zu bestehlen ?


    Tiberios runzelte die Stirn. Irgendwie kam ihm die Frau bekannt vor, da erinnerte er sich. Während des Laufes der Luperci hatte er gedacht , sie sei Eireann und ihr auf die Schulter getippt.


    Nun war sie vielleicht eine Diebin ? Der junge Sklave trat näher.
    Tiberios war während der Lupercalia in der Menschenmenge bestohlen worden - ein paar Asse hatte er in seinem Beutel gehabt , aber wenn diese Frau die gleiche war, hatte sie ihn dort beklaut....


    aber nein : Der Disput ging um etwas ganz anderes:


    Zitat

    Wir gehen mit gutem Beispiel vorran, als Bürger und als Cohortes Roms. Jeder soll sehen, dass auch die Bürger des mächtigen Roms jederzeit bereit und gewillt sind all das hier zu verteidigen. Mit Rom und dem Kaiser spielt man nicht", erklärte Lurco.


    Das war kein Diebstahl. War die blonde Frau so dreist oder so dummdreist gewesen, den Imperator zu beleidigen ?


    Tiberios sah die Urbaner das erste Mal bei Aussübung ihres Dienstes, und er bekam große Augen . Das waren nicht mehr die freundlichen Burschen, die ihm väterliche Ratschläge gegeben hatten.
    Das war die kalte, die harte Macht Romas , die erbarmungslos zuschlug.


    Hoffentlich hat Eireann das nicht geseghen, dachte er: Das würde ihre Wut wieder aufflammen lassen.


    Die rothaarige Frau krümmte sich immer noch. Jetzt erkannte Tiberios, das sie hochschwanger war.
    Ihr Gewand war durchnässt.
    Bekam sie ihr Kind ? - hier.


    Tiberios war kein medicus, was er gerade sehr bedauerte. Was er von der Funktion des menschlichen Körpers wußte, hatte er aus den Schriften der berühmten alexandrinischen Ärzte .Herophilos und Erasistratos. Aber niemals hatte er etwas über das Gebären gelesen.


    Er wußte nur eines : Sauberkeit und Ruhe. Ruhe war auf dem belebten Festplatz nicht zu erreichen.
    Aber Sauberkeit - Sauberkeit vielleicht.


    Er zog seinen Gürtel aus und seine Tunika über den Kopf . Nur mit einem Lendenschurz bekleidet war er mit zwei , drei Schritten bei der Frau in Wehen.


    Vor ihm stand eine Patrizierin , die die rothaarigfe Fremde als "Iduna "anrief.
    Eine erfahrene matrona, dachte Tiberios : Sie kann helfen,
    er fiel vor ihr auf die Knie und hielt ihr seine Tunika hin :


    "Bitte, domina, sie ist frisch gewaschen . ", sagte er .

  • Mit einem flehenden Ausdruck auf ihrem Gesicht hatte Iduna ihre schmale Hand der Iulia, sowie Wonga entgegen gestreckt. Wenn man ihr schon nicht helfen wollte. Dann doch wenigstens ihrem, noch ungeborenen, Kind. “Bitte.“ Hechelte die Rothaarige mit schmerzverzerrten Gesichrszügen. Ihr Baby musste sich einfach noch ein bisschen gedulden. Als hätte das Ungeborene in ihrem Bauch den sehnlichsten Wunsch der Cheruskerin gehört, überfiel Iduna erneut eine schmerzvolle Wehe. Hechelnd warf sie ihren Kopf von einer Seite auf die andere. Als Iduna schließlich die gar zärtliche Berührung auf ihrem Bauch spürte, blinzelte sie mit fieberglänzenden Augen empor. Verschwommene Umrisse konnte Iduna erkennen. Bevor sie erneut das Bewusstsein verlor. So bemerkte sie auch nicht wie sie von Wongas starken Armen empor gehoben wurde.

  • Langsam und vorsichtig hatte Wonga die schwangere und durchnässte Iduna zur Sänfte getragen und sie dort so bequem wie möglich abgelegt.
    Gleich darauf hatte Servilia Gemina den Sklaven befohlen die Sänfte so schnell es ging zurück zur Domus Iulia zu schaffen und so hatten die Träger die Sänfte hochgehoben und sich eilenden Schrittes in Bewegung gesetzt. Unterdessen hatte Iulia ihr immerzu fest die Hand gehalten und voller Sorge auf sie geblickt, das arme Mädchen hatte nämlich noch vor Ort das Bewusstsein verloren.


    >>>>>

  • Lurco gesellte sich dazu und schaute von Tiberios auf die Patricierin.


    "Salve und ehrerbietigste Grüße Matrone, der junge Tiberios vor Dir sprich die Wahrheit. Ein guter, ehrlicher und aufrichtiger Mann. Sicherer wäre es jedoch für die junge Frau, wenn Du einen Deiner schnellsten und stärksten Sklaven für einen Augenblick entbehren könntest. Er könnte die werdende Mutter umgehend zu einem Medicus tragen. Hier auf dem Fest sind weder Mutter und Kind sicher. Es finden sich immer mehr Bürger ein und das Gedränge wird zum Bedrängnis. Wir bitten Dich ebenso um Hilfe für die Frau, ihr ungeborenes Kind und auch die Bürger hier vor Ort", bat Lurco ruhig und besonnen.


    Eine Matrone war eine gestandene Frau, wenn jemand wusste wie man mit einer werdenden Mutter umzugehen hatte dann sie.


    Er schenkte Tiberios ein dankbares Lächeln und drückte ihm kurz als Zeichen der Anerkennung die Schulter.


    "Salve Tiberios", sagte er leise.

  • Im gleichen Moment, als Tiberios seine Tunika anbot, kam schon ein dunkelhäutiger Sklave und hob die Frau in Wehen vorsichtig hoch , die Patrizierin und er schafften die Hochschwangere in ihre Sänfte.
    Tiberios zuckte die Achseln und zog seine Tunika wieder an. Dass er nicht beachtet worden war, das war normal. Er hatte eigentlich gar nicht das Recht gehabt, eine freie Römerin anzusprechen. Für diese Frechheit hätte man ihn auspeitschen lassen können.
    So musste er wenigstens nicht frieren.
    Als jedoch Lurco ihn ansprach, leuchteten Tiberios' Augen auf vor Freude. und sein lobender Schulterdruck, -der junge Slave straffte seine Haltung :
    "Ave Purgitius Lurco " , sagte er mit einer Verbeugung .

  • "Ich wollte dir etwas schenken zum Dank für den Anhänger. Da der mir echt viel bedeutet. Das heißt, ich wollte dir dein Geschenk auch so charmant unterjubeln, aber nun ist die Überraschung verdorben."Scato trank etwas von dem Wein, den Lurco ihm gegeben hatte. Er war froh, dass sein Kamerad hier war. Endlich war Ruhe. Die Ungläubige war weg und die Gebärende auch. ORDNUNG. Alles war gut.


    Als auch noch Tiberios aufkreuzte, schien es, als war nun endgültig alles perfekt. Was für ein schöner Tag. Aber wie sah das Bürschelchen denn aus? Nur im Lendenschurz eierte es durch die Gegend. Scato grinste und stieß einen anzüglichen Pfiff durch die Zähne. "Wie aufmerksam von dir. Das wäre doch nicht nötig gewesen, wir mögen dich auch angezogen. Komm her, Kleiner, Lurco hat was zu Essen." ... doch da hatte der Sklave sich schon wieder angezogen.

  • "Und dominus Iunius Scato !" Tiberios strahlte nun und verbeugte sich nochmal. Jetzt war er froh, dass er seine Tunika nicht hatte hergeben müssen. Er war nicht so trainiert wie die Luperci, denen die Kälte nicht viel ausgemacht hatte.
    "Darf ich euch Wein anbieten, domini ? Rhea, die Köchin der Casa Furia hat ihn besorgt, vom Vorrat unseres Herren höchstpersönlich. Leider hat sie vorgezogen, zu gehen, obwohl ich ihr die interessante Geschichte der Anna von Karthago vorgelesen habe. ....", der junge Sklave wedelte mit der Schriftrolle:
    und holte dann den Weinschlauch aus seinem Bündel.

  • In Begleitung einiger ihrer Mitsklavinnen hatte sich Eireann auf dem Fest der ehrwürdigen Annae Perennae eingefunden. Doch nur weil sie von den anderen dazu gedrängt wurde. Was sollte sie schon auf diesem Fest das einzig und alleine von den Römern ins Leben gerufen wurde. Zumindest dachte dies die Dunkelhaarige. Kichernd und giggelnd hatten die anderen Sklavinnen Eireann regelrecht dazu genötigt ihre dunklen Strähnen zu einer kunstvollen Frisur hochzustecken und bunte Bänder in ihre Haare zu flechten. Ebenso schmeichelte die grünliche Tunika ihren Augen. Tz. Wieso sollte sie so heraus geputzt auf dieses Fest gehen? Weil sie dort vielleicht dem furischen Sklaven noch einmal über den Weg lief? Bei diesem Gedanken spürte Eireann wie ihr Herz tatsächlich schneller in ihrer Brust schlug. Zugleich umspielte ein sanftes Lächeln ihre Lippen. Heute würde sie es ihm sagen. Ja. Was eigentlich? Das sie sich in Tiberios verliebt hatte und sie immer lächeln muss, wenn sie auch nur an ihn dachte? Ja. Genau das.
    So dauerte es auch nicht mehr lange und die iulische Sklavenschar fand sich ebenfalls auf dem Fest ein. Kichernd umkreisten die anderen die Dunkelhaarige. Offensichtlich wollten sie das Eireann wenigstens heute aus ihrem Schneckenhaus gekrochen kam.
    Der Tumult war bereits beendet, als Eireann, in Begleitung der kichernden Sklavinnen das Fest gänzlich betrat. Eine der Sklavinnen erblickte auch schon Tiberios und näherte sich der Bank mit wiegenden Hüften. Eireann hätte sie dafür am liebsten geohrfeigt. “Lass ihn!“ Zischte die junge Silurerin.
    Die etwas ältere Sklavin ignorierte Eireann und trat keck grinsend auf eben jene Bank zu. Ohne nach zu fragen griff sie nach dem Weinschlauch. Doch noch bevor die ältere Sklavin davon trinken konnte, war Eireann an ihrer Seite. Umklammerte das Handgelenk der Älteren und blickte entschuldigend. Oh je. Wie p e i n l i c h.

  • Mit einem Male wurde die Beschaulichkeit des Tages zerstört, unscheinbar erst, doch sukzessive zu einer regelrechten Kakophonie an Missklängen um den Flavier sich auftürmend, dass alles um ihn her in einen gelbfarbenen Schimmer getaucht schien. Ganz harmlos begann es mit dem Eintreffen eines Bekannten seines Gegenübers, welches jedoch sogleich in eine heftige Ereiferung über eine Blasphemikerin überschwang und noch ehedem Gracchus dem gänzlich konnte folgen in einer Verhaftung gipfelte.
    "Gewiss"
    , entschuldigte er den jungen Iunier, den die Pflicht rief, nicht ohne jedoch eines Hebens der Augenbraue sich erwehren zu können. Da er nun ohnehin bereits wieder dem Trubel um die schwangere Frau war zugewandt, erhob er sich, um Ikarus zur Eile zu gemahnen. Der gute Sciurus hätte diese Angelegenheit zweifelsohne längst beendet.
    "Was ist nun?"
    , fragte er ungeduldig.
    "Sie ist eine Sklavin", entgegnete Ikarus.
    Der Flavier öffnete den Mund, war jedoch einen Augenblick sprachlos ob dieser Gegebenheit, lange genug, um den Augenblick weiterer Tat zu versäumen, strebte doch nun eine junge Frau samt ihres - offensichtlichen - Sklaven auf die Schwangere zu. Und endlich schien dies die verantwortliche Person, doch wieder - gerade als Gracchus zu sprechen wollte ansetzen, wurde er unterbrochen durch eine weitere, ältere Dame. Sie dirigierte das absurde Geschehen mit einer Autorität, dass der Flavier sich mit einem Male mehr als Zuschauer in einem Theaterstücke wähnte denn als Protagonist dieser Posse. Er stieß seinen Sklaven an und trug ihm auf, die Sänftenträger nach den Namen der Damen zu fragen, welche mithilfe ihres Sklaven samt der Schwangeren bereits wieder im Aufbruch sich befanden. Ein wenig erleichtert blickte Gracchus dem merkwürdigen Zug hernach und nahm mit einem tiefen Seufzen wieder Platz. Er hatte kaum bemerkt, dass der junge Iunier samt seines Begleiters - zwei junge Soldaten augenscheinlich - sich neuerlich hatte eingefunden, als weiterer Trubel sich um ihn auftürmte im Herannahen einer ausgelassenen Gruppe junger Frauen, welche irgendwie ebenfalls bereits mit den Herren bekannt schienen. Dies war zu viel. Er musste an seinen Streit mit Faustus denken, den Vorwurf des Hochmutes, des niedergestiegenen Sonnengottes. Doch es war kein Hochmut, der ihn antrieb - diese Fülle an Getümmel war schlichtweg zu viel - und wären es allesamt junge Patrizier, Gracchus' einziges Heil bestand in der Flucht. Ohnehin war es allfällig keine gute Idee gewesen, dieses sacrum popularium inmitten der Menge feiern zu wollen. Direkt im Anschluss an die Opferung hätte er in die Stadt zurückkehren und die Sonne dort genießen sollen - im Garten des Lucullus etwa, welcher an diesem Tage zweifelsohne nicht so stark frequentiert war.
    "Oh, ich glaube dort drüben ist Senator Servilius"
    , murmelte er ein wenig lauter als er es für sich selbst hätte getan und erhob sich.
    "Iunius Scato, es war mir eine Freude, deine Bekanntschaft zu machen. Ich wünsche dir und ... deine Freunden noch einen an..genehmen Festtag. Valete!"
    Dass er sich selbst zwischen all der Aufregung um die Schwangere und die Verhaftete nicht hatte vorgestellt, fiel dem Flavier nicht mehr auf, waren seine Gedanken doch bereits bei Servilius und einer möglichen Wiederanknüpfung an ihr vorheriges Gespräch.

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    IUS LIBERORUM

    PONTIFEX PRO MAGISTRO - COLLEGIUM PONTIFICUM

  • Es war doch schön, wenn jemand sich dermaßen freute, einen zu sehen. So müsste man jeden Tag begrüßt werden. Das Strahlen von Tiberios erwiderte Scato nun erstmals mit einem offenen Lächeln. Scato pflückte den Weinschlauch aus der Hand der Sklavin, trank einen Schluck und reichte ihn dann Lurco weiter. In der anderen Hand hielt er zwar auch Wein, aber egal, es ging um die Geste des Teilens. Heute war ein Zuviel an Wein zudem kaum möglich, galt das Trinken doch als Teil des Fests.


    Nur dass der ältere Herr sich gestresst verdrückte, tat Scato leid. Er hatte sich auf das Gespräch mit ihm gefreut, aber leider hatte es nicht sollen sein. "Vale bene", rief er ihm nach. Es war leider unwahrscheinlich, dass sie sich noch einmal begegneten und falls doch, dass der Mann sich dann auch noch an einen Urbaner ohne Rang und Namen erinnerte. Scato kam nicht umhin, dass zu bedauern, aber so war das nun einmal in seinem Beruf. Vermutlich war das erst ein Vorgeschmack dessen, was ihn an sozialen Schwierigkeiten erwartete, wenn er erst fertig war mit der Ausbildung und sich Miles nennen durfte.


    "Ich würde die Geschichte gern hören", sprach Scato zu Tiberios. Nach dem ganzen Trubel war das eine willkommene Abwechslung. Er spürte, wie er langsam wieder zur Ruhe kam und gähnte. Abgesehen davon war Scato wirklich neugierig, was das Bürschlein als gebildeter Scriba so drauf hatte.

  • Lurco nahm den Wein mit dankbarem Nicken entgegen und genehmigte sich einen großen Schluck, dann reichte er den Wein an Tiberios weiter.


    "Wir haben noch Brot und Käse", sagte Lurco und teilte besagte Speisen unter ihnen Vieren auf. Jeder bekam seinen gerechten Anteil, Scato, Tiberios, Eireann und zum Schluss er selbst da er der Brot und Käse Gastgeber war.


    "Es ist ein Fest, es soll gefeiert werden und man soll sich unterhalten. Die Geschichte von Anna von Karthago würde ich ebenso gerne hören. Machen wir es uns gemütlich", schlug Lurco vor.

  • Tiberios sah dann auch Eireann, die schön und geschmückt war wie eine Frühlingsgöttin. Er war der älteren Sklavin nicht böse, die sich einen Schluck stibitzte, auch heute war wieder ein Freudenfest ,
    und er fühlte sich ohnehinvon der Göttin Fortuna begünstigt :
    - Seine Eireann mit bunten Bändern im Haar und einer grünen Tunika, die das Blau ihrer Augen strahlen ließ, kam an seine Seite.:
    " Chaire, kyria !", flüsterte er ihr zu :"Sei gegrüßt, Herrin !"
    - Die freundlichen Urbaner Scato und Lurco waren anwesend und hatten ihn gegrüßt , als sei er nicht nur ein Sklave.
    - Und als wäre das nicht genug : Seine Gefährten wollte von ihm die Geschichte der Anna Perenna hören !


    Die Gruppe fand ein schattiges Plätzchen , unter einem Baum. Die leichte Brise bewegte seine Zweige, ab und zu fielen kleine Blüten herab. Das Gras, in dass sie sich lagerten, war weich und hellgrün..
    Sie aßen Brot und Käse und tranken von dem Wein.


    Tiberios entrollte sein Pergament und begann mit den Worten Ovids:


    " Idibus est Annae festum geniale Perennae......Anna Perennas heiteres Fest ist am Tage der Iden,
    Siehe, da wallt die Menge heran, und im Rasen gelagert
    Zecht man, zerstreut ringsum, Pärchen an Pärchen gereiht......"


    So las er vor, wie Aeneas , der Held aus dem brennenden Troja die karthagische Königin Dido liebte, bis die Götter ihm befahlen, weiter nach Italia zu fahren , und dass Dido sich aus enttäuschter Liebe auf einem Scheiterhaufen verbrannte.
    Er las vor, dass die Numider die führungslose Stadt erobern , und dass Anna, die Schwester der Königin , vertrieben wurde, dass sie von Land zu Land irrtte und von Aeneas freundlich aufgenommen wurde.


    Dann endete er damit, wie Aeneas Ehefrau die karthagische Prinzessin hasste, und sie weiter fliehen musste, bis die Götter sie aus Erbarmen unter die Unsterblichen aufnahmen und Anna die Worte spricht :
    'placidi sum nympha Numici:
    amne perenne latens Anna Perenna vocor.'


    Ich bin die Nymphe des sanften Flusses Numicus, immer verborgen, Anna Perenna bin ich . "


    Tiberios verbeugte sich ein wenig wie ein Schauspieler , er war rot geworden und hoffte, es hatte sich keiner der Gruppe gelangweilt.
    Der Weinschlauch war rundumgegangen und entschieden schlaffer als am Morgen. Tiberios nahm
    einen tiefen Schluck :
    " Und deshalb feiern die Römer heute und hier ein fröhliches Frühlingsfest. ", sagte er,
    dann erinnerte er sich wieder an die blonde Frau, und wie rigoros die beiden Urbaner sie verhaftet hatten.


    Irgendwie tat sie ihm Leid. Auch wenn sie auf frischer Tat erwischt worden war, an einem solchen Frühlingstag sollte man im Grünen sitzen und nicht in einem Kerker.


    "Ich wollte euch eine Frage stellen, aber nur wenn ihr es erlaubt. ", sagte er zu Scato und Lurco :
    "Es geht um die blonde Frau, die ihr vorhin abgeführt habt Ich frage nicht nur aus Neugier, sondern weil mir während der Lupercalia mein Geldbeutel aufgeschnitten wurde und auch an jenem Tag war diese Frau in der Nähe . Hat sie versucht, euch zu bestehlen ?"

  • Lurco hörte Tiberios aufmerksam zu. Die Geschichte gefiel ihm, zudem hatte er zeitgleich etwas gelernt, den Hintergrund des Frühlingsfestes.


    "Danke für die lehrreiche Geschichte Tiberios. Es macht Freude Dir zu lauschen und dabei etwas zu lernen. Man sieht immer wieder, man lernt nie aus.


    Was die festgenommene Sklavin angeht, sie hat es gewagt lästerlich über die Götter zu sprechen. Nicht nur, dass sie damit unseren Kaiser auf schlimmste Art diffamierte, nein sie spuckte damit auch unserer Religion, den Göttern selbst und Rom ins Antlitz. So etwas kann und darf kein römischer Bürger auf sich sitzen lassen und angehende Cohortes schon gar nicht. Es ist unsere Aufgabe die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten.


    Und hier bei so einer Schmähung die unseren ganzen Lebenswandel, samt der Götterwelt betraf, mussten wir einschreiten. Sie war bei unserem Lauf zugegen, ließ sich segnen und hat dann die Dreistigkeit auf all das mit verbaler Entgleisung zu spucken?


    Feist und vollgefressen und von einem Herrn an einer viel zu langen Leine laufen lassen, wusste diese Sklavin nicht wo Ihr Stand ist. Meinte dieses undankbare, ungezogene Subjekt, sie könnte Rom selbst die Stirn bieten? Wohl kaum. Daran sind schon ganz andere, als dieses verzogene Rotzgör gescheitert.


    Der Segen des Faunus soll jedem übergeben werden, gleich seines Standes. Aber auch die Götter kennen Grenzen und wir, die Faunus selbst vor Ort vertreten haben, waren aufgerufen seinen Namen reinzuhalten. Wir schritten also in dreierlei Hinsicht ein, als Vertreter Roms und seiner Götter, als Cohortes und als Gläubige des Faunus.


    Diese Frau hat Dein Mitleid nicht verdient. Bedenke bitte, so eine Unperson als Sklavin, wirft ein schlechtes Bild auf Euren ganzen Stand. Möchtest Du mit so einer Person gleichgesetzt werden? Wohl kaum und nichts wäre unfairer, denn Du bist mit diesem Weibsstück in keiner Art zu vergleichen. Ebenso wenig Eireann, Ihr beide wart höflich, freundlich, zuvorkommend und es macht Freude micht Euch zusammen zu sein.


    Diese Frau hingegen war nichts weiter als eine Zumutung für Götter, Sterbliche und jeden der ihren Weg kreuzt. Sie ist eine Kriminelle und es ist durchaus möglich, das sie Dich auch auf dem Fest bestohlen hat. Einer solch charakterlosen Person ist das absolut zuzutrauen. Von daher, gräme Dich nicht um sie. Sie hat bekommen, wonach sie verlangt hat", erklärte Lurco freundlich.

  • Die Geschichte, die Tiberios vorgetragen hatte, war wundervoll im Inhalt und der Ausführung. Von Scato erhielt er dafür einen Beifall.


    "Doch." Scato nickte, als Tiberios sich nach einem möglichen Diebstahl erkundigte. "Sie versuchte auf dem Markt, Schmuck zu entwenden, da bin ich mir sicher. Darum sprach ich sie ja ursprünglich an, damit sie merkt, dass sie von einem Urbaner beobachtet wird. Dass es sich um die Gesegnete handelte, war Zufall. So hätte sie jedenfalls noch so tun können, als hätte sie die Silberohrringe nur anprobieren wollen. Das tat sie auch, wenig überzeugend und wäre es nach mir gegangen, hätte ich es dabei bewenden lassen.


    Aber anstatt ihren Kopf nun aus der Schlinge zu ziehen, zog sie durch ihre Worte selbst den Strick fester und als sie mich auch noch verfolgte, kickte sie den Schemel unter ihren Füßen fort. Sie ist nun sicher verwahrt im Carcer. Den von dir gemeldeten Diebstahl werden wir weiterleiten. Äh ... Lurco, hast du schon eine Ahnung, wie man Berichte über so was verfasst? Für den, der die Alte verhören muss? Wer weiß, was sie noch alles auf dem Kerbholz hat.


    Empfindet eigentlich irgenwer auch für mich Mitleid, den sie beleidigte oder für den Händler, den sie bestehlen wollte?", murrte Scato etwas gekränkt. Er fragte sich, wie man für ein solches Subjekt positive Gefühle hegen konnte und das sorgte dafür, dass seine eigene Abneigung ihr gegenüber noch stieg. "Hoffentlich kommt sie ans Kreuz", urteilte er.

  • Tiberios freute sich, dass der Gruppe sein Vortrag gefallen hatte. Er legte den Arm um Eireann - das Leben war schön !
    und verbeugte sich nochmals.
    Aber was die Urbaner in harten Worten über das blonde Mädchen berichteten - das war weniger schön. Diebstähle - da waren die Ansprüche ja eher zivil- als strafrechtlicher Natur. Sie hätte die Sachen zurückgegeben und wäre vielleicht mit Prügel davon gekommen.
    Doch Blasphemie ! Dazu noch an einem Fest der Göttin. Das war ein weit schlimmerer Delikt ,und natürlich hatten Lurco und Scato Recht, das musste streng bestraft werden.
    Tiberios drückte Eireanns Arm. Den Götter sei Dank war sein kleiner Feuerkopf klüger und würde ihre Schimpftiraden nicht vor Römern loslassen.
    "iIh selbst habe nicht gesehen, dass die Frau mich bestohlen hat.", sagte Tiberios schnell : " Ich dachte nur, vielleicht war sie es, weil ihr sie festgenommen habt. Aber Blasphemie....das ist ein furchtbares Verbrechen . "
    Er konnte so etwas auch nicht verstehen. Er war dazu erzogen worden, alle Götter zu respektieren., und das war unabhängig von seinem persönlichen Glauben . Es gab Götter, die er mehr verehrte - bei ihm die Minerva, die Fortuna und jetzt den Faunus, der ihm Liebesglück geschenkt hatte , und Götter, bei denen er es nicht tat. Aber Respekt stand ihnen allen zu.


    Tiberios schauderte es, als er Scato von Kreuztigung sprechen hörte. Das war wieder das andere Gesicht Romas, mitleidlos wie eine Sturmflut.
    Er hielt es eher mit Cicero, der geschrieben hatte, er freue sich niemals über den Tod eines Mitbürgers, selbst wenn er es verdiene.


    Tiberios rollte seine Schriftrolle zusammen . Das Thema war düster geworden, und er wollte nicht weiter darüber nachdenken, dann hörte er Scato:
    " Empfindet eigentlich irgendwer auch für mich Mitleid....." und sogar die Sklaven mussten lächeln .


    Tiberios erhob sich mit dem Weinschlauch : " Mitleid nur, wenn du nicht genug Becher Wein trinkst,
    dominus. Denn....

    Er fuhr mit seinem Finger über den letzten Abschnitt seines Pergamentes: " Hier steht auch noch, dass jeder getrunkene Becher Wein bei den Feriae Annae Perennae ein dazugewonnenes Lebensjahr verheißt. Und ich hoffe, dass wir alle hundert Jahre alt werden.....
    Und..."


    Tiberios las weiter : " Ein Bestandteil gerade früherer Zeiten waren die Aischrologia , das erlaubte Singen obzöner Lieder von Frauen oder die Schmähungen der Herren durch ihre Sklaven, was nicht bestraft wurde. "


    Er richtete seine grauen Augen auf die Urbaner :
    " Wäre es denn möglich , domini , dass dieser blonden Barbarin , die nun im Kerker sitzt und der Blasphemie angeklagt werden soll, einfach nur ihre Aischrologia daneben gegangen ist ?"



    Sim-Off:

    Aischrologie (von griechisch „schmutzige Rede“ bzw. „Schande, Schmach“), auch Tothasmos („Spott“, „Neckerei“) bezeichnet im engeren Sinn Schmähreden im kultischen Kontext der Antike, wenn beispielsweise bei Festen der Artemis, der Demeter oder des Dionysos Frauen in der Öffentlichkeit obszöne Reden führten oder Sklaven ungestraft ihre Herren schmähtenDiese Aischrologien, das Singen obszöner Lieder beim Fest, gehe auf einen Streich zurück, den die eben vergöttlichte Anna dem Gott Mars gespielt habe: Quelle wikipedia


  • Die kichernden und giggelnden Sklavinnen der Domus Iulia interpretierten Eireanns Blick richtig und zogen sich zurück. Denn dort drüben hatten sie eine Gruppe schmucker Männer entdeckt. So blieb die junge Silurerin alleine zurück und versuchte Blickkontakt mit Tiberios her zu stellen. Dann war es die Stimme des blonden Scriba die an Eireanns Ohr drang und ihr Herz gleich wieder einige Takte schneller pochen ließ. “Tiberios.“ Flüsterte die Dunkelhaarige und ließ ihre Fingerspitzen äußerst sanft über seinen Unterarm gleiten.
    Sanft lehnte sie sich schließlich gegen den Blondschopf, als dieser seinen Arm um sie legte.
    Jedoch verfiel die junge Silurerin auch schon ins grübeln. War es wirklich richtig was die beiden Urbaner mit der blonden Frau getan hatten? Eine steile Falte hatte sich zwischen Eireanns Augenbrauen gegraben. Doch noch presste sie lediglich ihre Lippen zu einem schmalen Strich zussmmen und atmete langsam ein- und wieder aus. Ob Tiberios bemerkte wie es in Eireanns Innersten brodelte? “Blasphemie? So verbohrt können auch nur Römer sein.“ Murmelte die Silurerin mit leiser Stimme, mehr an sich selbst gewandt.

  • Lurco schüttelte den Kopf und starrte dann Eireann an.


    "Du solltest mit Deinem Murmel vorsichtig sein. Die "verbohrten Römer" haben Dir einen Segen erteilt, sie haben mit Dir Speis und Trank geteilt wie mit einer Gleichgestellten. So langsam glaub ich weiblichen Sklaven steigt Freundlichkeit zu Kopf.


    Vergiss nicht wer und was Du bist und vergiss vor allem nicht wo Du bist. Die verbohrten Römer haben Dich am Leben gelassen Kriegsbeute, einer seiner ehrenwerten Bürger hat sich bereit erklärt Dich aufzunehmen, Dir Kleidung und Fressen und ein Dach über dem Kopf zu geben.


    Du wärst nicht hier, wären die Männer Deines Volkes nicht derartig unfähig, ihre eigenen Frauen und ihr eigenes Barbarenleben zu verteidigen. Deine Wilden haben Dein Leben nicht beschützt, jedes andere mindere Volk, hätte weibliche Kriegsbeute geschändet der Reihe nach bis Du dran verreckt wärst.


    Deine "verbohrten Römer" haben Dich am Leben gelassen, haben Dir das Leben geschenkt Sklavin. Sie haben Dir Zivilisation geschenkt. Du hast hier ein Auskommen, Du hast alles was ein Sklave haben kann. Du leidest keinen Hunger.


    Und was hast Du im Gegenzug für das Geschenk übrig, dass Du noch atmen darfst und zwar in der mächtigsten Stadt der Welt Weib?


    SPOTT! RESPEKTLOSIGKEIT!


    Dir habe ich noch geraten, auf Dich selbst zu hören, eine völlig Fehleinschätzung Deiner Person, mögen mir die Götter verzeihen. Ich hielt Dich für eine aufrechte Frau. Du bist weder Frau noch einfache Sklavin. Ich denke Du bist eine deliciae.


    Dein Herr muss viel Spaß daran empfinden, wenn Du ihn und seine Gäste mit Deiner geistigen Minderbemittlung als Närrin unterhältst.


    Ich rate Dir ein einziges Mal, hüte Deine Zunge Sklavin, sonst lernst Du ebenso Rom von seiner anderen Seite kennen", erklärte Lurco streng und wandte sich dann an Tiberios.


    "Dir empfehle ich eines Tiberios, halte Dich von dieser Frau fern, sie wird Dich noch mit in den Abgrund reißen. Sie scheint einen Narren an Dir gefressen zu haben. Wie passend für ihren Gemütszustand.


    Sie scheint Dich zu begehren, sie möchte nur mit jemanden dem ihr Herz gebührt ihr erstes Mal verleben. Ich hoffe Du bist klug genug nicht dieser jemand zu sein. Du hast Wissen, Witz, Charme und Du weißt die Götter zu ehren. Behalte Dir das bei und halte Dich von dieser närrischen Pseudochristin fern.


    An dieser Sklavin ist jedes weitere Wort verschwendet und ich hatte heute schon genug von Sklaven, die nicht wissen wo ihr Stand ist. Wer ist der Herr von dieser Unperson Tiberios? Er soll davon erfahren. Das gilt nicht Dir, meine Achtung Dir gegenüber ist ungebrochen", sagte Lurco ruhig und packte seine Sachen zusammen.


    Lurco wusste schon, warum er Frauen meidete wie Fußpilz.

  • Scato glotzte betreten. Er teilte Lurcos Ansicht, nur hätte er sie nicht so schön verpacken können. Und wenn er sie nicht geteilt hätte, so hätte er nach außen hin so getan, um seinem Kameraden beizustehen. So war dem jedenfalls nur wenig hinzuzufügen, außer eine weitere Vermutung.


    "Vielleicht will sie uns loswerden? Ich meine, schau sie dir an und vor allem höre sie dir an. Was hast sie einem klugen und kultivierten Mann wie Tiberios zu bieten, außer Händchenstreicheln und Unfug murmeln? So gebrochen, wie sie tut, ist sie jedenfalls offenbar nicht bei dem Mundwerk. Ja, da wäre ich auch eifersüchtig an ihrer Stelle auf zwei schmucke Urbaner im vollen Saft. Und das Tiberios ein hübsches Kerlchen ist, an dem sicher nicht nur eine Person Gefallen finden würde, ist ja kein Geheimnis."


    Mit unverändert freundlichem Gesicht wandte er sich hernach Tiberios zu.


    "Nein, Tiberios. Dein Einwand ist gut, aber die andere Frau hat nicht ihre Herren geschmäht, sondern die Götter und den Staat. Das ist ein Unterschied. Sie wollte verletzen und vielleicht steht dahinter noch ein größeres Übel. Es tut mir leid, dass diese Runde so enden muss, ich mag dich und würde gern noch einmal in Ruhe mit dir sprechen, wie vor dem Blinden Esel. Gibt es nicht die Möglichkeit, dich einmal ohne die Gegenwart von Klotz-am-Bein zu treffen?"


    Während Lurco packte, erhob Scato sich.

  • "Das stimmt, da gebe ich Dir durchaus Recht. Nicht nur bei Männern wandert der Verstand zwischen die Beine, wenn das Bedürfnis zu groß wird. Dennoch sollte man als Sklavin, gleich wie sehr es juckt, die Zunge gelernt haben im Zaum zu halten", warnte Lurco.


    "Ich schließe mich Scato an, Deine Gesellschaft ist angenehm und erfrischend, dass Gezicke Deiner Begleitung wird darauf abzielen jeden anderen zu vergraulen um Dich mit ständigen Patschereien des Händchens weichzuklopfen für mehr. Überlege Dir gut, ob Du Dich derart in die Hand einer anderen Sklavin begeben möchtest. Am Ende stehst Du für nichts als ein paar brühwarme Worte völlig alleine da. Dass kann ich Dir versichern. Frauen die soviel Wind um die eine Sache machen, haben meist mit arger Flaute zu kämpfen", gab Lurco zu bedenken.

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