Triclinium | Am Kreuze sollen sie hängen

  • Seit langer Zeit wieder einmal besuchte Gracchus' alter Freund Cornelius Scapula die Villa Flavia, denn obgleich ihre Freundschaft seit dem Bürgerkriege ein wenig abgekühlt war, so gebot es sich doch ab und an zusammenzukommen, schlussendlich war der Cornelier auch der Schwiegeronkel Gracchus' Sohnes Minor. Man beredete dies und das, verlor sich bisweilen in Erinnerungen - zumeist an die 'gute alte Zeit' vor Valerianus -, sorgte sich um das Wohlergehen der Kinder - noch immer war die flavisch-cornelische Verbindung ohne Nachkommen - und beredete aktuelle Themen des Senates - recht belanglos dieser Tage - oder Geschehnisse der Stadt.
    "In der Tat, der Tod des jungen lulius Caesoninus ist wahrhaft eine Tragödie. Er war ein strebsamer junger Mann, dem zweifelsohne eine große Zukunft wäre beschieden gewesen."
    "Diese Geschichte erinnert mich an die Ermordung Senator Ovidius'. Erinnerst du dich, das geschah auch am helllichten Tag. Nicht ganz so offen, aber dennoch. Insbesondere da ich gehört habe, dass Iulius' Mörder eine kriminelle Bande von Christen gewesen sein soll, die ja auch Ovidius auf dem Gewissen haben, auch wenn es nie bewiesen werden konnte."
    Gracchus, der gerade sich an einem Schluck Wein gütlich tat, riss die Augen auf und bekam vor Schreck einen Tropfen in die Luftröhre, dass er husten musste und nach Atem rang.
    "Chris..tianer?"
    keuchte er indigniert.
    "Die Christianer haben Iulius er..mordet?"
    "Das habe ich zumindest gehört. Und zuzutrauen ist denen alles, vor allem nach dieser Drohgebärde auf dem Forum während des Redewettbewerbs!"
    "Fürwahr!"
    Grimmig stellte der Flavier sein Glas ab. Hass war eine Emotion, welche er sich nur selten gestattete, doch die Christianer, die seine Familie zerstört hatten, die seinen Bruder auf dem Gewissen, und die sein Verhältnis zu seinem Vater und damit seine Zukunft zerrüttet hatten - die Christianer hasste Gracchus vom ersten bis zum letzten.
    "Dieses elendigli'he Pack! Ans Kreuz hängen sollte man sie allesamt!"
    Scapula lachte freudlos auf.
    "Wenn das so einfach wäre. Das Decretum Christianorum reicht doch nicht einmal dazu aus, sie in den Carcer zu werfen."
    "Dann ist es allfällig an der Zeit, die Gesetzeslage zu ändern und eine Ver..schärfung des Decretum zu erwirken!"
    "Oh, Gracchus, Gesetze ändern, das ist doch etwas für junge Männer, die um ein Amt kandidieren wollen. Wann hast du dich zuletzt mit den Codices auseinandergesetzt?"
    "Für das Gesetz, für Recht und Gere'htigkeit ist man nie zu alt, Scapula! Es gibt gewiss geeignetere Rechtsexperten, um die Details zu klären, doch ein Consular und Pontifex sollte durchaus befähigt sein, diese durch den Senat zu bringen."
    "Vielleicht könntest du es Minor überlassen, er könnte es als Grundlage für seien Kandidatur zum Aedilat verwenden."
    Ein Seufzen echappierte Gracchus' Kehle, eine Melange aus Sorge und Enttäuschung.
    "Ich werde nicht darauf warten, dass noch ein Römer durch das Werk der Christianer sterben muss. Ich habe schon viel zu lange ge..wartet. Nein, ich werde es selbst in die Hand nehmen!"

  • Noch am gleichen Abend diktierte der Flavier einige Einladungen zu einer Cena aus gewichtigem, doch nicht näher benannten Anlasse, welche am nächsten Morgen überbracht wurden an seinen Klienten Senator Marcius Salassus, an seinen Freund (und Geliebten) Decimus Serapio und an Valerius Flaccus, Klient seines guten Freundes Lupus (und Gewinner des letzten Rhetorenwettbewerbes). Zwei Tage später war der Tag gekommen und die Gäste in das große Triclinium geführt worden. Gracchus lag selbstredend auf dem summus in imo, zu seiner Linken auf dem locus consularis lag Senator Marcius, und mit ihm auf der Kline Decimus Serapio - welchen Gracchus selbstredend viel lieber gleich neben sich hätte platziert, doch letztlich waren sie offiziell nur gute Freunde, wiewohl dies den Flavier allfällig auch zu sehr vom Thema hätte abgelenkt. Ohnehin lag neben ihm auf der Kline seine Gemahlin Prisca. Dass sie an dieser Cena teilnahm, dies mochte im Hause der Flavier ein wenig unkonventionell anmuten, doch Gracchus ästimierte ihren Rat und ihre Einschätzungen überaus - insbesondere auch in gesellschaftspolitischen Angelegenheiten, pflegte sie doch ein weitreichendes Netzwerk und war über Ehefrauen, Töchter, Cousinen, Nichten oder sonstige Anverwandte bestens darüber informiert, was Roms mächtige - und weniger mächtige - Männer bewegte und in deren Kreisen vor sich ging - weit mehr als der Flavier selbst es je gewesen war oder sein würde. Welchen Einfluss sie zudem über dieses Netzwerk auf die Geschicke Roms nahm, darüber mochte Gracchus - wie der Rest der Welt - nur spekulieren. Auf dem lectus summus gegenüber schlussendlich lag der Pontifex Minor Valerius Flaccus. Die Sklaven schenkten verdünnten Wein ein und tischten einige leichte Vorspeisen auf.
    "Ich danke euch sehr, dass ihr meiner Einladung gefolgt seid"
    , begann der Flavier schließlich.
    "Bitte, greift zu und lasst es euch schmecken während ich euch mein Anliegen vortrage"
    , begab er sich sogleich in medias res, noch bevor er die Anwesenden näher miteinander bekannt machte. Das höfliche Geplänkel war ihm stets lästig da es doch weitaus wichtigeres zu besprechen gab, und er war alt genug, um diese Form des belanglosen Konversationsbeginnes überspringen zu können. Die Vorstellung der Gäste wiederum war ohnehin Teil seiner Erläuterung.
    "Ich möchte das Decretum Christianorum überarbeiten, res..pektive ein neues, weitaus drastischeres Gesetz gegen die Christianer schaffen, welches keinen Raum für fadenscheinige Auslegungen bietet. Diese Sekte ist ein Geschwür im Leibe Roms, das mehr und mehr wuchert. Die Quindecimviri Sacris Faciundis beri'hten vermehrt über Meldungen besorgter Bürger über Aktivitäten dieser Sekte, welche jedoch selten durch den Cultus Deorum verfolgt werden können da der Staat die Ausübung ihres Kultes als solchen nicht verbietet. Doch die wahre Bedrohung geschieht im Verborgenen! Nicht nur, dass sie gutgläubige Römer in ihre Sekte ziehen und so deren Leben und das ihrer Familien ruinieren - jede ihrer Taten ist eine Gefahr für die pax deorum, sie diffamieren und be..drohen mit ihren Schmierereien an unseren Tempeln oder gar offen auf dem Forum Romanum den Staat und seine Bürger, den Augustus und unsere Götter, und schrecken selbst vor heimtückischen Attentaten nicht zurück! Diesen Ma'henschaften muss endlich Einhalt geboten werden, und der erste Schritt hierzu ist eine strikte Einschränkung ihrer Praktiken und ein strengeres Vorgehen gegen diese Verbrecher zu legalisieren. Dies möchte ich durch eine Anpassung des Decretum Christianorum erreichen, und bitte darob um eure Hilfe."
    Er blickte durch die Gesichter seiner Gäste.
    "Senator Marcius Salassus*, du bist nicht nur erfolgreich als Advocatus, sondern mehr noch dafür bekannt, unsere Gesetze umfänglich zu beherrschen. Es wird dir somit leicht fallen Formulierungen zu finden, welche keine Auslegung mehr möglich und keine Lücken offen lassen."
    Marcius war ein unscheinbarer Mann mittleren Alters, durchschnittlicher Statur - normal groß, nicht schlank, jedoch auch nicht füllig -, und mit einem unauffälligen Gesicht - nicht hübsch, aber auch nicht hässlich, wenig bewegt zumeist. Dies hatte schon so manches mal dazu geführt, dass er vor Gericht von seinen Gegnern unterschätzt wurde, denn hinter der allfällig ein wenig langweiligen Fassade fand sich ein messerscharfer Geist. Von Marcius wandte Gracchus sich zu Faustus.
    "Tribunus Decimus Serapio, im Zuge deiner Aufgaben bei der Praetorianischen Garde kennst du die Praktiken und Taktiken der Christianer aus einer Pers..pektive, welche uns dabei helfen wird die passenden Tatbestände unter Strafe zu stellen und uns auf Fakten zu stützen statt nur auf Annahmen."
    Von Serapio weiter zu Valerius.
    "Pontifex Minor Valerius Flaccus, nicht nur hast du dich als Tiro Aurelius Lupus' bereits bei der Überarbeitung der Lex Mercatus hervorgetan, sondern als Pontifex Minor ebenfalls einen guten Überblick über die Meldungen bezüglich der Aktivitäten der Christianer der Quindecimviri Sacris Faciundis an das Collegium."
    Darüberhinaus schätzte Gracchus den Klient seines Freundes und vertraute ihm - nicht nur Aufgrund dieses Klientelverhältnisses, sondern auch ob der guten Zusammenarbeit im Collegium Pontificum - mehr als einem Quindecimvir, da er zu keinem von diesen eine besondere Verbindung hatte und darüberhinaus stets das Gefühl, dass sie ihre Akten gerne unter Verschluss hielten, um nicht zugeben zu müssen wie wenig sie über so manchen Kult wussten. Wäre Gracchus je Kaiser geworden - und es hatte die Gelegenheiten dazu tatsächlich in seinem Leben gegeben - so hätte er schlichtweg alle fremdländischen Kulte, die sich nicht direkt in die römische Kultur fügten, untersagt und das Collegium der Quindecimviri Sacris Faciundis im Anschluss aus einem Mangel an Notwendigkeit aufgelöst. Doch Gracchus hatte sich stets gegen die Kaiserlichkeit entschieden, so dass er das Collegium zwar nicht ignorieren, wann immer möglich aber umgehen konnte. Mit einem schmalen Lächeln auf den Lippen wandte der Flavier seinen Blick zur Seite, auf seine teuerste Gemahlin.
    "Und meine Gemahlin Aurelia Prisca wird mit ihrem weitrei'henden Kenntnisstand über die Gesellschaft Roms uns behilflich sein können, etwa dabei jene Senatoren ausfindig zu machen, deren Unterstützung wir uns gewiss sein können, deren Unterstützung wir ein wenig nachhelfen oder gegen deren Sympathie für das Christianer-Pack wir uns wappnen müssen."
    Ein wenig mutete die Konstellation an wie eine Konspiration - was Gracchus in Erinnerung an eine frühere Konspiration ein eisiges Frösteln über den Rücken jagte. Er schob diese Reminiszenz hastig beiseite, war das Ziel dieser Zusammenkunft zwar das Ende - allerdings das Ende der Christianer und nicht das eines Augustus.
    "So kennt ihr also mein Ansinnen und eure Rolle darin. Nun liegt es an euch, ob ihr mir dabei helfen werdet."
    Von seinem eigenen Einfluss niemals zur Gänze überzeugt erwartete er weder von seinem Klienten, seinem Freund, seinem Untergebenen, noch seiner Gemahlin dies zwangsläufig, so dass eine Ablehnung ihrerseits ohne jegliche Konsequenz würde bleiben - von einem enttäuschten Flavier einmal abgesehen.



    Sim-Off:

    *Marcius Salassus ist unser Joker-NSC. Da wir ein möglichst historisches Gesetz schaffen wollen wird er alles Wissen ins SimOn einbringen können, das wir als Spieler SimOff haben, unsere IDs jedoch nicht. Jeder von euch kann (und soll) ihn hierfür nutzen.

  • Nun war Tiberius wieder einmal in eine sehr illustre Runde geraten. Nicht nur waren der Pro Magistro und seine Gemahlin anwesend, sondern auch ein Präfekt der Prätorianer und Marcus Salassius. Letzteren kannte Tiberius vom Sehen in den Gerichtshöfen, war aber noch nie gegen oder mit ihm an einem Verfahren beteiligt gewesen. Salassius galt als einer der Besten seines Faches, wie Gracchus bereits angemerkt hatte. Bekannt für sein phänomenales Gedächtnis, war Salassius ein Mann von Theorie UND Praxis.


    Der Pontifex pro Magistro machte also ernst, das Programm war klar. Der Flavier wirkte regelrecht aufgebracht, als er die Machenschaften der Christianer skizzierte.
    Eine erhebliche Schärfung des Christengesetzgebung war das Ziel.
    Damit stimmte Tiberius erstmal vollkommen überein. Er konnte sich noch gut an den Tag des Rednerwettbewerbs erinnern, als plötzlich diese... Person aufgetaucht war und angefangen hatte, Unsinn zu krakelen. Ein lästerliches Schwadronieren war es gewesen. Voller Fanatismus.
    Der Pro Magistro würde zweifellos bereits Ideen für die Gesetzesnovelle haben.
    Auch auf Decimus Serapios Einlassungen war er gespannt.


    Tiberius nickte zustimmend und trank einen Schluck von dem Wein. Die anderen waren alle ranghöher und so hielt er sich erstmal mit Äußerungen zurück.

  • Zitat

    Original von Manius Flavius Gracchus
    ... Ohnehin lag neben ihm auf der Kline seine Gemahlin Prisca. Dass sie an dieser Cena teilnahm, dies mochte im Hause der Flavier ein wenig unkonventionell anmuten, doch Gracchus ästimierte ihren Rat und ihre Einschätzungen überaus - insbesondere auch in gesellschaftspolitischen Angelegenheiten, pflegte sie doch ein weitreichendes Netzwerk und war über Ehefrauen, Töchter, Cousinen, Nichten oder sonstige Anverwandte bestens darüber informiert, was Roms mächtige - und weniger mächtige - Männer bewegte und in deren Kreisen vor sich ging - weit mehr als der Flavier selbst es je gewesen war oder sein würde. Welchen Einfluss sie zudem über dieses Netzwerk auf die Geschicke Roms nahm, darüber mochte Gracchus - wie der Rest der Welt - nur spekulieren. ...
    "Und meine Gemahlin Aurelia Prisca wird mit ihrem weitrei'henden Kenntnisstand über die Gesellschaft Roms uns behilflich sein können, etwa dabei jene Senatoren ausfindig zu machen, deren Unterstützung wir uns gewiss sein können, deren Unterstützung wir ein wenig nachhelfen oder gegen deren Sympathie für das Christianer-Pack wir uns wappnen müssen." ... [/simoff]


    Der Wunsch ihres werten Gemahls - an dieser konspirativ anmutenden cena zu partizipieren - war für Prisca eine willkommene Abwechslung vom Alltagsleben einer "Matrone", so verantwortungsvoll und komplex die Führung des flavischen Haushalts auch sein mochte. . Das lebende Mobiliar kontrollieren, ... mich um die Kinder kümmern, ... den ganzen Haushalt "schmeißen" Das alles verschlang ziemlich viel Zeit und diese Zeit fehlte mitunter, um sich anderen wichtigen Dingen zu widmen. Dem Besuch der Thermen zum Beispiel, oder die Teilnahme an der einen oder anderen Damenrunde. Gerade diese Besuche waren aber wichtig, um über das Geschehen in Rom auf dem Laufenden zu bleiben.


    So gesehen war es Prisca fast ein wenig unangenehm, dass ihr Ehemann - ausgerechnet in dieser illustren Runde - ihre "Qualitäten" derart hoch lobte. Zumal das Thema sehr ernst und wichtig war, galt es doch eine Lösung zu finden, um dieses ungläubige Christenpack endlich und für immer auszurotten.


    In Bezug auf die Christen teilte Prisca wirklich voll und ganz die Ansichten ihres Gemahls, dem sie sich nun mit einem Lächeln zuwandte, ihre Hand dabei nach der seinen ausstreckend um sie kurz zu drücken, zum Zeichen ihrer tiefen Verbundenheit:


    "Deine Worte ehren mich zutiefst, Liebster. Sei versichert, dass ich stets an Deiner Seite sein werde und ich alles in meiner Macht stehende tun werde, um Dich zu unterstützen. Das schwöre ich auf Jupiters Stein"


    Diesen Schwur gab Prisca nicht leichtfertig aber gerne und so, dass jeder Anwesende sehen und hören konnte wie sehr sie ihren Mann liebte und schätzte. Mehr sagte sie vorerst nicht, sondern lehnte sich erst einmal entspannt zurück um den Ausführungen der Männer weiter aufmerksam zu lauschen. Gleichzeitig grübelte Prisca insgeheim darüber nach, wie sie am besten die versprochene Unterstützung leisten könnte.: Man müsste dieses Pack doch irgendwie infiltrieren können. ... Nur wie? ...

  • Geehrt durch die Einladung ruhte ich auf der Kline, aß ein paar exzellente Oliven, und war dabei doch äußerst unglücklich, sobald mein Blick das demonstrative Eheglück im Zentrum dieses Treffens streifte. Also versuchte ich mich ganz und gar auf die Sache zu konzentrieren.
    "Diese Initiative ist überfällig. Du kannst auf mich zählen. Das Decretum ist viel zu vage. Immer wieder kommt es vor, dass wir solche Verbrecher festnehmen und ein milder Richter sie alsbald wieder laufen lässt, weil sie ja nicht "offensiv" missioniert hätten. Das ärgert die Soldaten nicht nur, es... mag auch dazu verleiten, das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen. Wir brauchen eine solide rechtliche Basis, um dieser Brut das Handwerk zu legen, aber auch ein Gesetz das eben unterscheidet zwischen solch gefährlichen Götter- und Kaiserlästerern und den vielen braven Leutchen, die ganz harmlos sind und einfach nur einem versponnenen Glauben anhängen."

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    SODALIS FACTIO AURATA - FACTIO AURATA

    Klient - Decima Lucilla

  • "Dem kann ich nur zustimmen" tat Marcius Salassus eben dies. "Viel zu vage! Das hat mich schon den ein oder anderen Erfolg vor Gericht gekostet. Ganz davon zu schweigen, dass vieles erst gar nicht vor Gericht landet. Eine Reform ist dringend nötig!"
    "Gut"
    , nickte der Flavier und auf einen Wink hin verteilte sein Vilicius Ikarus Wachstafeln, welche eine Abschrift des Decretum enthielten.
    "Du erwähnst die braven Leute, Serapio. Ich bin dennoch der Ansicht, dass bereits der erst Paragraph über die Religionstoleranz das gesamt Gesetz ver..wässert: Im Grundsatz übt das Imperium Romanum eine religiöse Toleranz gegen das Christentum aus. Es wird den Christen gestattet ihren religiösen Praktiken nachzugehen. Keine andere Sekte, kein Kult kann sich auf solche einen Paragraphen berufen. Glei'hwohl öffnet der Term Praktiken doch Tür und Tor für allerlei Schandtaten, die im weiteren Decretum nicht näher ausgearbeitet sind."


    /edit: Schriftfarbe für Salassus angepasst

  • Schon allein die ersten Äußerungen der anderen sagten Tiberius, dass das Problem sehr vielgestaltig war. Er dachte einen Moment nach und sagte dann:


    "Die erste Vorschrift über die Toleranz ist ja praktisch ein allgemeiner Grundsatz gegenüber den unzähligen Kulten und Kleinkulten, die es unter der römischen Herrschaft so gibt. Ihn für die Christianer aufzugeben hätte weit reichende Folgen."
    Tiberius nahm noch einen Schluck Wein.
    "In der Tat sagt der von die bemängelte Abschnitt bei näherer Betrachtung nur eine Sache aus und zwar, dass diese Sekte nicht verboten ist.Außerdem - und ich denke, du wirst mir da zustimmen, Salassus, wird es nicht damit getan sein ein paar Worte in einem Dekret zu ändern. Delinquenz in einer kultischen Gruppe ergibt sich aus einer Vielzahl von Faktoren und bloße Repression würde nur die Symptome angehen, nicht die Wurzel. Deswegen", Tiberius drehte sich zu dem Praetorianertribun, "wäre es glaube ich von Interesse, bevor wir zum Wortlaut schreiten, uns die Struktur und Dynamik dieser Gruppe einmal vergegenwärtigen. Ich bin sicher, deine Männer haben mit der Zeit einiges heraus gefunden?"
    Bedingt dadurch, dass die Christianer aus der Öffentlichkeit verdrängt wordeen waren, wusste Tiberius trotz seiner Arbeit bei den Pontifices bei genauerer Betrachtung eher wenig über diese Gruppe. Sie waren, soweit er wusste, wohl eine Spielart des Judentums, die bizarrerweise einen vor ungefähr hundert Jahren hingerichteten Tagelöhner als eine Art Halbgott verehrten. Er war gespannt, was der Tribun vielleicht für Informationen aus dem Innenleben dieser Gruppe gewonnen haben mochte.

    cdcopo-pontifexminor.png valeria_.png

    SODALIS FACTIO VENETA - FACTIO VENETA

    KLIENT - MANIUS FLAVIUS GRACCHUS

  • Diese Cena war das erste und bisher einzige Mal, dass Manius mich ganz offen in sein Haus und seine Kreise eingeladen hatte. Dementsprechend sorgfältig war ich vorbereitet, um ihm nur bloß keine Schande zu machen, trug eine ganz klassische und un-extravagante Toga, war makellos rasiert, nahm die Olivenkerne manierlich mit der Serviette auf und war natürlich auch zum Thema auf dem neusten Stand. Vor einiger Zeit war uns von einem unserer Männer in Bithynien die Hausbibliothek eines als Christianer überführten und schließlich aufgrund seiner Halsstarrigkeit auch hingerichteten Händlers überstellt worden. Die kultischen Schriften waren zwar ungeheuer dröge zu lesen, boten aber einen ganz guten Einblick in die wirren Lehren der Sekte...


    Der Senator Marcius, die Koryphäe des Rechts, fand ebenfalls, dass das Dekret zu vage war. Manius hingegen schien es allgemein als viel zu milde anzusehen. Obwohl ich im Grund geneigt war, ihm da zuzustimmen, und obwohl ich es einfach liebte, seiner wohltönenden Stimme zu lauschen, gerade wenn er in seinem rhetorischen Element war, so wie hier.... so beschlich mich doch ein gewisses Unbehagen bei seiner Vehemenz gegen den Toleranzparagraphen. Denn wenn Manius einen Entschluß gefasst hatte, dann war er – erfahrungsgemäß!!! - gelinde gesagt gerne radikal in der Umsetzung. Und Aurelias pathetischem Treueschwur zufolge würde sie ihn wohl voll unterstützen, wenn er wieder einmal das Kind mit dem Bade ausschüttete.
    Aus diesem Grund schätzte ich den besonnenen Einwurf des Valerius, Roms aufstrebendstem jungen Rhetor, dessen Rede auf der Rostra beim Wettstreit wirklich phänomenal gewesen war, und nickte beifällig dazu. Was mich allerdings einen Augenblick ersthaft grübeln ließ, war die wohlformulierte, doch für mich recht leere Aussage "Delinquenz in einer kultischen Gruppe ergibt sich aus einer Vielzahl von Faktoren und bloße Repression würde nur die Symptome angehen, nicht die Wurzel."


    "Repression – gezielte Repression der Auswüchse – ist meines Erachtens der einzige Weg." widersprach ich ihm auf dieses Stichwort höflich. "Die Wurzeln herauszureißen, das ginge wohl nur, indem wir sie restlos allesamt hinrichten – was nicht machbar ist. Oder..." Ich blickte zu Manius, dem Pontifex pro Magistro, und machte einen kleinen Scherz, um die Atmospäre etwas aufzulockern: "...indem wir sie schlichtweg in den Staatskult integrieren und ihnen damit die Zähne ziehen." Doch schon während ich das sagte, hatte ich den Eindruck, dass Manius das ganz und gar nicht komisch fand.
    Also zu den Fakten.
    "Die Christianer sind in ihrem Ursprung eine jüdische Sekte, so eine Art Erneuerungsbewegung kann man wohl sagen, aber mittlerweile haben sie sich abgespalten. Sie beziehen sich auf einen Wanderpropheten, der in Kaiser Tiberius' Zeit in Iudaea herumzog. Iesus von Nazareth. Er war ein armer Schlucker, behauptete aber er sei der König der Juden, und göttlicher Natur. Sie schreiben ihm die üblichen Wundertaten zu, Kranke heilen, Tote erwecken. Wegen Majestätsbeleidigung und Anstiftung zum Aufruhr wurde er dann hingerichtet, gekreuzigt. Die Christianer glauben, er sei danach von den Toten zurückgekommen. Und sie glauben auch, dass sie selbst durch ihn irgendwie unsterblich werden können... aber nicht in dem Sinne wie viele Mysterienkulte als Wiederkehr der Seele," - unwillkürlich spielten meine Finger mit dem Amulett des Serapis, das ich, zusammen mit meinem Mars-Amulett in Ancile-Form, beständig trug – "... sondern wohl ganz konkret, körperlich, in einer Art Gefilden der Seligen..."
    Ich nahm einen Schluck Wein und erläuterte weiter, was ich über die absurden Lehren wußte.
    "Über die Getreuen dieses Aufrührers hatte sich die Lehre dann verbreitet, aus Iudaea heraus, bis zu uns. Die Christiner leugnen Standesunterschiede, sie behaupten, alle Menschen, ob Sklave ob Kaiser, seien gleich vor ihrem Gott. Damit sprechen sie natürlich besonders die Armen und Unfreien an, die sich dadurch geschmeichelt fühlen. Aber auch Schwarmgeister und Ängstliche, die sich besonders vorm Sterben fürchten, fallen ihren Lehren häufig zum Opfer. Darunter besonders häufig das schwache Geschlecht. So kommt es, dass wir Christianer mittlerweile eben leider durchaus nicht nur in der Unterschicht finden...
    Du fragtest nach der Struktur, Pontifex Valerius. Die ist recht lose. Ihr Kult ist organisiert in Gemeinden, die sich regelmäßig treffen und ihre Riten vollziehen und reisende Prediger empfangen."

    Über die Riten wussten wir leider kaum etwas.
    "Hier in Rom gibt es viele davon. Manche finden sich dafür an irgendwelchen abgelegenen Orten zusammen, andere besser situierte in privaten Haushalten. Sie wählen sich aus ihren Reihen wohl für gewöhnlich einen Ältesten, einen epískopos, der sie führt."
    Ich sah in die Runde, von einem zum anderen.
    "Wie gesagt, die meisten Christianer sind trotz ihrer mehr als fragwürdigen Überzeugungen im Alltag recht anständige Leute. Unter den gewöhnlichen Verbrechern dieser Stadt, Dieben, Fälschern, Raubmördern, findet man interessanterweise kaum Christianer. Das Fatale ist allerdings, das ihre Lehre unsere Götter als nicht verehrungswürdig darstellt, und auch den Kaiserkult ablehnt! So bringt dieses Milieu immer wieder Fanatiker hervor, die sich dann erdreisten, lauthals und lästerlich die Grundfesten unseres Staates in den Schmutz zu ziehen."

  • "Nun, ich möchte doch einwerfen, dass die Toleranz gegenüber den Christianern eine andere Qualität hat als jene gegenüber anderen Kulten. Denn jene anderen Kulte streiten übli'herweise nicht die Existenz unserer Götter ab, respektive die Vergöttlichung unserer Kaiser. Sofern sich nicht ohnehin eine Überschneidung der Kulte zeigt, respektive eine Überlagerung, die nur in der Nomenklatur differiert, tolerieren sie den Cultus Deorum wie wir ihr Götterkontinuum. Die Christianer hingegen streiten die Existenz jedweder anderer Götter ab und ge..fährden somit mit jedem ihrer Akte die pax deorum. Nicht umsonst sind sie von staatlichen Karrieren ausgeschlossen, während diese Bürgern anderer Kulte offen stehen."
    Als Faustus wieder das Wort ergriff hing Gracchus regelrecht an seinen Lippen. Es war das erste mal, dass sie gemeinsam an einer Konversation dieser Art partizipierten, und es gefiel dem Flavier, dass Serapio nicht nur sein Schwert konnte schwingen - in tatsächlichem, wie metaphorischen Sinne - und in trauter Zweisamkeit große Worte fand, sondern auch in einer eloquenten Runde sich konnte behaupten. 'Indem wir sie restlos allesamt hinrichten' - dies war in der Tat ein Vorschlag, der Gracchus' Zuspruch fand. Eine Woche lang Spiele im Theatrum Flavium, die gesamte Arena vollgefüllt mit Christianern und dazu einige Rudel ausgehungerter Löwen oder Wölfe - oder Löwen und Wölfe. Doch noch während er diesen bildlichen Szenen mehr Raum in seiner Vorstellung konnte geben, warf Serapio einen Scherz ein, der nicht im geringsten von Humor zeugte - die Christianer in den Staatskult integrieren!
    "Integrieren - ja das würde auf jeden Fall alle Gerichtsfälle lösen!"
    pflichtete Salassus lachend bei, während Gracchus nur missbilligend ein Braue empor hob. Immerhin konnte Faustus einiges an Fakten aufbieten, darunter vieles, das Gracchus in diesem Detail bisherig nicht bekannt war.
    "Haben sie noch immer einen Episcopus*, einen Bischof in Rom?"
    Allein die Erwähnung trieb Gracchus einen Schauer über den Rücken. Selbst nach all diesen Jahren loderte noch immer die Wut auf seinen Bruder und dessen Christianer-Eskapaden, respektive auf die Christianer und ihr zerstörerisches Werk in ihm.


    Sim-Off:

    * Vorsicht, dieser Linke geht weit, weit in der IR-Historie zurück, weit über die Grenzen von [strike]Zeit und Raum[/strike] SimOn und SimOff hinaus und ist nicht für empfindsame Rollenspielseelen geeignet. Öffnung auf eigene Gefahr ;-)

  • Oh je, wenn Manius jetzt alle hinrichten wollte, die die Existenz unserer Götter anzweifelten, dann mußte er nach meiner Schätzung so knapp jeden zweiten Intellektuellen des Reiches ans Kreuz schlagen... Sogar ich hatte meine zweiflerischen Phasen gehabt, nach dem Bürgerkrieg. Aber diese Runde war wohl nicht der geeignete Ort, das zur Sprache zu bringen.


    "Soweit ich weiß..." beantwortete ich seine Frage - ich hasste es, unzureichend informiert zu sein – "gibt es hier mehrere, aus verschiedenen Gemeinden, die sich mit diesem Titel schmücken."


    Mit sorgfältig beherrschter Miene wandte ich mich sodann an die Harpyie an Manius' Seite.
    "Werte Aurelia, was sagt man denn unter der Matronenschaft Roms derzeit über die Christianersekte?"

    cp-tribunuscohortispraetori.png decima.png

    SODALIS FACTIO AURATA - FACTIO AURATA

    Klient - Decima Lucilla

  • Zitat

    Original von Faustus Decimus Serapio
    ... Mit sorgfältig beherrschter Miene wandte ich mich sodann an die Harpyie an Manius' Seite. "Werte Aurelia, was sagt man denn unter der Matronenschaft Roms derzeit über die Christianersekte?"[/FONT]


    Aufmerksam lauschte Prisca den Worten und Ausführungen, ohne zunächst selbst das Wort zu ergreifen. Das wurde sehr wahrscheinlich auch nicht von ihr erwartet, zumal es sicher nicht üblich war, dass eine Frau bei derlei Themen mit am Tische saß (oder gar noch mit redete). Allein Ihr geliebter Gemahl schien sehr viel von ihr und ihrer Meinung zu halten, sonst hätte er sie sicher nicht zu dieser illustren Runde mit genommen.


    Eine illustre Runde, fürwahr … , ließ Prisca, in ihren Gedanken versunken, den Blick über die Anwesenden schweifen. Allesamt saßen und lagen da ehrbare Bürger, Adelige und Senatoren mit am Tisch, Männer ,denen ihr Gemahl offensichtlich voll und ganz vertraute. Ach ja und ganz besonders dieser Eine, dessen Namen Prisca in der Vergangenheit unzählige Male verflucht hatte. Und das aus gutem Grund und die Erinnerungen daran blieben bis heute in ihrem Gedächtnis haften.


    Der Feind von einst lag also mit am Tisch und er entpuppte sich einmal mehr als wahrer Freund … nicht meiner, aber als der meines Mannes. In der Tat verbindet die Beiden wohl weit mehr als nur eine gute Freundschaft und zudem hat dieser Decimus eine nicht zu unterschätzende Position inne, die in dieser Sache sehr wertvoll sein kann, stellte Prisca ohne jegliche äußere- noch innere Emotion fest, während sie die Blicke deutete, die Gracchus und der Decimus mit einander tauschten.


    Seltsam, aber Prisca verspürte in der Sekunde weder Hass noch das Verlangen, dem Decimer die Augen auszukratzen. Vielmehr wurde ihr bewusst, wie wichtig es war die eigenen Gefühle ganz hinten anzustellen. Meinem Gemahl zu liebe, den ich aufrichtig liebe und schätze. Dazu ist diese Sache zu wichtig! Eine seltene Entscheidung der Vernunft die Prisca traf, als sie die Frage des Decimers aufgriff und ihm dabei ohne jeglichen Hass in ihren Augen zur Antwort gab:


    "Nun, werter Decimus, in der Tat sind viele von uns besorgt oder zumindest verwirrt, was diese Ungläubigen angeht. Das mag daran liegen, dass diese Christen so anders als andere Sekten und Glaubensanhänger auftreten in dem, was sie tun und welche Lehren sie verbreiten. Eigentlich hätten sie erkennen müssen, dass sie einem Irrglauben gefolgt sind, nachdem dieser sogenannte Heiland, dieser Scharlatan, am Kreuz sein jämmerliches Leben ausgehaucht hatte … "


    Mit jedem Wort das Prisca mit bestimmter Stimme laut aussprach, lodernde mehr der Hass in ihren Augen auf. Doch dieser galt weder dem Decimer noch sonst einem in der Runde sondern allein dieser Christenbrut, die es gemeinsam zu vernichten galt. Jawohl vernichten und bekämpfen muss man sie … so wie mein Mann es will!!!:


    "Aber nein, diese Ungläubigen behaupten weiterhin, dass "ihr Gott" der einzige Wahre sei und sie wagen es unsere Götter und unseren Kaiser abzulehnen. Wer, so frage ich Euch alle, darf sich das erlauben gegenüber ROM … wer außer dieser Brut?"


    Unüberhörbar redete sich Prisca in Rage, doch nun kam sie bereits zum Schluss, der Denkanstoß, Bitte und Aufforderung sein sollte:


    "Im Namen der Kinder und Frauen von Rom … bedenkt jene passende Worte Ovid´s und handelt danach, solange es nicht zu spät ist: „Principiis obsta. Sero medicina parata, cum mala per longas convaluere moras* ...“


    Mit diesem Plädoyer lehnte sich Prisca wieder in ihrem Sessel zurück und atmete erst einmal durch. Vielleicht hatte sie nicht jeden überzeugen können, doch selbst war sie völlig überzeugt, dass jegliche Nachsicht und Gnade gegenüber diesen Christen Rom zum Schaden gereichen würde - früher oder später ...


    *) "Wehre den Anfängen! Zu spät wird die Medizin bereitet, wenn die Übel durch langes Zögern erstarkt sind" (Ovid, Remedia amoris)

  • Leidenschaft war kein Bestandteil ihrer Ehe - zumindest von Gracchus' Seite aus -, doch die Vehemenz, mit welcher Prisca sein Ansinnen teilte, hätte durchaus dazu gereichen können, jene in diesem Augenblicke zu entfachen. So indes bedachte der Flavier seine Gemahlin mit einem Blick der Verbundenheit und Erfüllung. Seine Verbindung mit Claudia Antonia war eine von Menschenhand arrangierte gewesen, und obgleich sie nach Jahren der Distanz spät ihre Gemeinsamkeiten hatten entdeckt, so hatte Antonia ihn zwar stets unterstützt, war indes dabei eher passiv geblieben. Die Ehe mit Prisca indes war durch das Schicksal besiegelt worden, durch eine Fügung der göttlichen Prinzipien, und obgleich es in seinem Leben ihm beinahe ominös schien, so waren die Götter ihm mit zunehmendem Alter augenscheinlich etwas mehr gewogen, da ihn mit Prisca so viel mehr verband als nur der Zwang ihrer Verbindung.
    "Die Christianer stellen somit eine Bedrohung diverser Aspekte unserer Kultur und des Wohlergehens unseres Rei'hes dar"
    , fasste Gracchus das bisherig gehörte - in seinem eigenen Übereifer allfällig es sich ein wenig zu einfach machend - zusammen. Er blickte über Serapio und Salassus zu Valerius Flaccus und zurück zu Salassus.
    "Nun, wie lautet eure Einschätzung? Können wir die Umtriebe der Christianer generell prohibieren, oder sollten wir uns auf einzelne Bestandteile ihres Kultes kon..zentrieren, dann allfällig sogar separiert von diesem?"

  • Tiberius' Meinung war da relativ eindeutig. "Ich denke letzteres ist die deutlich elegantere Variante. Nicht, dass ich kein Vertrauen in eure Fähigkeiten hätte, ein Verbot effektiv und konsequent durchzusetzen, versteht sich" sagte er an den Tribun gewandt. "Aber solche Aktionen sind immer sehr einschneidend und verstörend für die ganze Umgebung dieser Leute, auch diejenigen, die nicht zu den Christianern gehören.
    Insbesondere dadurch, dass die Christianer mehrheitlich eben nicht aus gewaltätigen Suburakriminellen besteht, sondern aus ansonsten unauffälligen Bewohnern.
    Ein gewaltsames Vorgehen könnte außerdem in den Augen der Leute, die den Umtreiben der Christianer nicht gewahr sind übertrieben aussehen und die Christianer ins moralische Recht setzten und ihnen so sogar noch Sympatien bringen.
    Nein, Ich denke das Decretum stellt ein potentiell gutes Werkzeug dar. Werden wir doch dort etwas konkreter. Im Moment ist es den Christen gestattet, sich einen religiösen Führer zu wählen. Ich würde vorschlagen, man verpflichtet sie dazu. Diese Person ist dann dem Gemeinwesen gegenüber für das Wohlverhalten der Christen verantwortlich. Mit ein bisschen Glück führt das innerhalb dieser Gruppe zu Postengerangel, Streit und Spaltung. Man kennt ja diese Dynamiken."

    Tiberius hatte so das Gefühl, dass die Prätorianer da gegebenenfalls tatkräftig nachhelfen würden.
    "Man könnte sie auch zu einer Gehorsams- und Ergebenheitsadresse an den Kaiser verpflichten, die ihr Anführer öffentlich abzulegen hat. Dagegen sollten wir aber für religiös motivierte Straftaten ein sehr hohes Strafmaß festlegen. Etwas das öffentlichkeitswirksam ist. Man sollte sie nicht verfolgen, aber verantwortlich dafür machen, was sie treiben."
    Das waren jedenfalls so Tiberius' erste Ideen.


    Sim-Off:

    editiert wegen missverständlicher Wortwahl. Ich sollte echt nicht mehr so spät abends schreiben.

  • Die Harpyie an Manius' Seite trug eine perfekte Fassade von würdiger Matrone, von nobler Patriotin zur Schau. Um so flammender ihre Rede jedoch wurde, um so mörderischer die Vernichtungswut in ihrem Blick, um so mehr erinnerte mich dies an den Tag vor vielen Jahren, an dem sie – zugegebenermaßen in die Enge getrieben - diese tödliche Verachtung nicht etwa gegen irgendwelche Sektierer sondern direkt gegen mich, gegen Manius und mich, gerichtet hatte.
    Schmallippig beschäftigte ich mich mit meinem Weinkelch. Es war schlimm genug, dass er sie geheiratet hatte, um sie zu bändigen. Dann waren den beiden sogar Zwillingskinder beschert worden - was gab es eindeutigeres als Zeichen einer göttergesegneten Verbindung? Und nun agierten die beiden hier in vollendeter Eintracht. Natürlich wünschte ich Manius keine unglückliche Ehe voll Zank und Hader... aber ebensowenig ließ es mich kalt, die beiden so zu sehen.
    Ruhig Blut Faustus sagte ich mir, und trank langsam noch einen Schluck des exzellenten Weines, konzentrierte mich darauf, wie seidig er dem Gaumen schmeichelte. Ich hatte Kataphrakten überlebt. Ich würde auch diese Cena überleben. Augen nach vorn, Augen einfach nur auf das Thema des Abends.


    Manius stellte die entscheidende Frage, und Valerius Flaccus äusserte eine perfide, nein ich will natürlich sagen perfekte Idee. Das also hatte er gemeint, damit dass pure Repression keine gute Lösung war. Viel besser war: erst Spaltung, dann Repression.
    "Ein ausgezeichneter Vorschlag, dem ich mich nur anschließen kann!" stimmte ich ihm zu.

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  • Nachdenklich ließ Gracchus sich die Worte Valerius' durch den Kopf gehen, einen Augenblick dabei mit Daumen und Zeigefinger der Linken seine Unterlippe knetend, und nickte schließlich ebenfalls zustimmend.

    "In der Tat, ein ausgezeichneter Vorschlag, Valerius! Ein obligatorischer religiöser Führer, dem es obliegt die seinen im Zaume zu halten, und welcher verpfli'htet wird, den Quindecimviri regelmäßig Rapport zu leisten über alle christianischen Aktivitäten in Rom, welche über häusliche Riten innerhalb einer Familie hinausgehen? Allfällig auch die Anzeige aller religiösen Räumlichkeiten? Dies würde die Kontrolle schlussendlich ebenfalls sehr ver..einfachen. Somit bliebe der Glaube an sich nicht meldepflichtig, jedoch alles, was über eine private Ausübung hinausgeht. Dazu einmal im Jahr - an des Augustus' Geburtstag allfällig - die öffentli'he Anerkennung der kaiserlichen Divinität in Form einer Opferung durch den Führer der Christianer"

    , spann er die Idee noch ein wenig weiter und wandte sich noch einmal direkt an Flaccus.

    "Du schlägst vor, das Strafmaß zu konkretisieren, während es derzeit durch das Gericht festgesetzt wird. Würdest du dies im Zuge des Decretum abhandeln, oder als neuen, allgemein auf religiöse Straftaten abzielenden Teil des Codex Iuridicalis sehen?"

  • Auch hier fiel Tiberius die Entscheidung nicht schwer. Der Codex Iuridicialis war schwer reformbedürftig, den durfte man auf keinen Fall noch mehr aufblähen. Aber es gab auch noch einen anderen Grund.

    "Ich denke, die wären im Decretum selbst am besten aufgehoben. Das ist schlicht und einfach übersichtlicher. Es ist in gewisser Weise religiöses Sonderrecht. Man sollte diese Sachen vielleicht nicht mit dem profanen vermischen." Er dachte noch einen Moment nach.

    "Die Maßnahmen, die du vorschlägst, klingen in jedem Falle angemessen. Ich würde vorschlagen, sie aber nicht auf einmal einzuführen. Ich habe keine militärische Erfahrung, aber ich bin sicher, dass man nicht alle seine Pfeile in einer Welle verschießen sollte. Deswegen würde ich raten, die Vorschrift über die Opferung der kaiserlichen Divinität dann einzuführen, wenn sich zum ersten Mal Probleme mit den Christianern ergeben. Als... sagen wir intermediäre Eskalationsstufe."

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  • "Fassen wir also bis hierhin zusammen:"

    , schickte der Flavier sich an, eben dies zu tun, und nahm die Wachstafel mit dem Gesetzestext auf, um darin Änderungen vorzunehmen.

    "Paragraph eins, sowie Paragraph zwei Absatz eins bleiben im Grunde unverändert."


    § 1 Religionstoleranz

    Im Grundsatz übt das Imperium Romanum eine religiöse Toleranz gegen das Christentum aus. Es wird den Christen gestattet ihren religiösen Praktiken nachzugehen.


    § 2 Allgemeines

    (1) Christliche Riten dürfen an keinem öffentlichen Platz zelebriert werden und es dürfen keinerlei Aufmärsche oder Prozessionen durchgeführt werden.


    "Absatz fünf wird vorgezogen, um der Signifikanz des religiösen Führers Re'hnung zu tragen, und von einer Bewilligung zu einer Erfordernis geändert."


    (2) Die Christen in Rom sind dazu verpflichtet, einen religiösen Führer aus ihren Reihen zu erwählen. Dieser ist dem Gemeinwesen gegenüber für das Wohlverhalten der Christen verantwortlich. Er hat gegenüber den Quindecimviri Sacris Faciundis regelmäßig Auskunft über die Organisation zu geben, sowie gegenüber Personen mit berechtigtem Interesse auf Anfrage.


    "Absatz zwei, nun Absatz drei, wird ebenfalls um eine Erfordernis ergänzt."


    (3) Religiöse Räumlichkeiten sind von außen nicht als solche kenntlich zu machen. Ihre Lokalität ist den Quindecimviri Sacris Faciundis durch den in Absatz 2 benannten religiösen Führer anzuzeigen.


    "Die Absätze vier und fünf, ehemals drei und vier bleiben unver..ändert."


    (4) Keine religiöse Praktik darf geltenden Gesetzen zuwiderlaufen, noch das Römische Pantheon direkt beleidigen.

    (5) Der christliche Glaube ist im Allgemeinen nicht meldepflichtig.


    "Oder aber"

    , lächelte er malizios.

    "Absatz vier könnte durch zwei kurze Worte ein wenig verschärft werden."


    (4) Keine religiöse Praktik darf geltenden Gesetzen zuwiderlaufen, noch das Römische Pantheon direkt oder indirekt beleidigen.


    Womit indes durch die Hintertür jede christianische Praktik verboten wäre, da die Anbetung eines Gottes, welcher die alleinige Göttlichkeit beanspruchte, stets eine Beleidigung des Panthers war.

    "Nun ja, lassen wir dies lieber. Dies könnte wiederum zu zu großer Unruhe führen. Die übrigen Paragraphen bleiben unverändert."


    § 3 Missionstätigkeit

    Es ist den Christen verboten öffentlich oder im Geheimen Römer offensiv zu ihrem Glauben zu missionieren.


    § 4 Karriereverbote

    (1) Es ist Christen verboten im Exercitus Romanus zu dienen.

    (2) Es ist Christen verboten im Cultus Deorum zu dienen.

    (3) Es ist Christen verboten Ämter des Cursus Honorum innezuhaben.

    (4) Es ist Senatoren der Römischen Curie verboten Christ zu sein.


    § 5 Strafen

    (1) Christ zu sein ist grundsätzlich noch keine Straftat.

    (2) Verstöße gegen in diesem Decretum festgelegte Auflagen werden vom Iudicium Imperatoris erkannt und abgeurteilt, das jeweilige Strafmaß ist vom Gericht festzusetzen.


    § 6 Unschuldsbeweis

    Wird eine Person beschuldigt als Christ ihm verbotene Ämter innezuhaben so kann er sich von der Anklage mittels eines unter Zeugen zelebrierten Opfers an die Römischen Götter als unschuldig erweisen.


    Er blickte nachdenklich auf die Tabula, während dessen seine Stirn sich in Falten legte, und blieb mit seiner Aufmerksamkeit an der Gerichtsbarkeit hängen. Das Iudicium Imperatoris! Wie hatte er dies nur all die Zeit übersehen können! Nicht einen einzigen Mann im Senat würde er im Zweifelsfalle überzeugen müssen, denn es gab nur einen Einzigen, der ein kaiserliches Dekret würde ändern können: der Augustus selbst.

  • Kurzerhand führte Manius die Diskussion vom Allgemeinen ins Konkrete. Er war ganz in seinem Element, es war schön ihn seiner Tatkraft und Leidenschaft zu sehen. Ich lehnte mich eine Weile zurück auf der Kline, zufrieden das Gesetzgeberische den Fachleuten zu überlassen. Dabei fiel mein Blick auf eine kunstvoll drapierte Vorspeise, von der ich gerne probiert hätte. Doch da von den anderen schon sehr lange niemand mehr zugegriffen hatte, und alle nur diskutierten, befüchtete ich, es könne unfein wirken. Um keinen Preis wollte ich, dass Manius mich als bäurischen Iberer ansähe. So fügte mich darin, dass das Wohl Romas hier eben vor dem leiblichen Wohl kam.


    Etwas schien Manius zu irritieren, so düster wie er mit einem mal die Tabula ins Auge fasste. In der entstehenden Pause warf ich ein, noch auf Valerius' zuvor gesprochene Worte hin:
    "Es gab doch einiges an Ärger mit Fanatikern in letzter Zeit – das jährliche Kaiseropfer jetzt festzuschreiben, wäre ein klares Signal, dass Rom sich das nicht bieten lässt. Wenn es zu Unruhen führt, haben wir noch einige Pfeile mehr im Köcher."
    Und dann bemerkte ich noch:
    "Der Paragraph 3, so wie er jetzt ist, ist zahnlos. Wer offensiv missioniert hat, und wer einfach nur missioniert hat, das lässt sich im Nachhinein kaum nachweisen. Wie wäre es kurz und bündig mit: Es ist den Christen verboten, Römer zu ihrem Glauben zu missionieren."

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  • Tiberius hingegen fand die Qualifizierung "offensiv" durchaus sinnvoll. "Würde man das Erfordernis offensiv streichen, würde das Missioniierungsverbot, wie man so schön sagt, uferlos. Man liefe Gefahr hinter allen möglichen alltäglichen Handlungen, die tatsächlich vielleicht überhaupt nichts mit Missionierung zu tun haben, plötzlich verbotene Handlungen zu erkennen.

    Ist es schon Missionierung, wenn Christianer ein Nachbarschaftsfest ausrichten, zu dem auch Nicht-Christianer kommen? Wohl eher nicht.

    Was das Verbot erreichen soll ist, dass deren Priester nicht laut predigend durch die Gassen ziehen oder Leute erpressen oder solche Dinge. Nicht das Ziel ist es, potentiell alle möglichen Alltagshandlungen zu kriminalisieren. Deswegen wäre ich da vorsichtig. Außerdem würde das zu allerlei Denuziation führen, durch die allerlei unschuldige Leutchen zu großen Problemen kommen könnten. Das kann denke ich nicht der Sinn sein.

    Insgesamt finde ich die neuen Vorschriften also durchaus gelungen."

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  • Gracchus nickte bekräftigend, denn ein klares Signal war das mindeste, das er den Christianern wollte entgegenstellen, und wer konnte das Maß der Unbilden durch diese Sekte besser bestimmen als Faustus? Indes ...

    "Ich frage mich, ob das Festsetzen des Opfers durch den christianischen Führer nicht dessen - durch uns angedachte - Rolle wiederum aushebeln würde? Soweit ich weiß dürfen die vereidigten Christianer, oder wie auch immer sie dies nennen, keinen anderen Göttern opfern. Sofern wir den Obersten nun dazu verpfli'hten, können sie somit keinen aus ihren Reihen erkiesen, sondern werden im Zweifelsfalle nur eine Marionette an diese Position setzen - wodurch die Zwistigkeiten um dieses Amt womöglich nicht entstehen werden."

    Kurz schürzte er die Lippen, ehedem er in die Runde fragte:

    "Sind sie in Verbünden organisiert? Dass man diese alle zur Durchführung eines Opfers verpflichten könnte?"

    Sodann wandte er sich dem Tatbestand der Missionierung zu.

    "Ich verstehe deine Bedenken, Valerius, indes erscheint sich auch mir die Problematik des Wortes 'offensiv' ersi'htlich, welches ob seiner Vehemenz zweifelsohne weitaus mehr Missionierung zulässt, als das Dekret sollte dulden. Gäbe es allfällig ein passendes Erfordernis, das ein wenig abgemildert ist, die von dir beschriebenen Handlungen nicht inkludiert, dennoch den Truppen und Gerichten etwas mehr Handhabe für ein strengeres Vorgehen gibt?"

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