[Baracke] Cohors IV · Centuria II

  • Baracke

    Cohors IV · Centuria II

    Legio XV Apollinaris


    Jede Centuria wohnt in einer eigenen Baracke. Die einzelnen Zeltgemeinschaften der Centuria, genannt Contubernia, bestehen aus acht Mann. Jedes Contubernium ist in einer gemeinsamen Stube untergebracht. Im Vorraum, der zu jeder Stube gehört, werden Waffen, Rüstungen Rüstungen und Material gelagert. Am Kopfende der Baracke hat der Centurio seine Unterkunft in einer verhältnismäßig komfortablen Wohnung.

  • << RE: Ein neuer Centurio, ein neuer Wind


    Stilo war ungehalten, als sie vor der Baracke ankamen.


    "Marschfertig machen. Das Marschpensum wurde auf 25 Meilen erhöht! Gebt keinen Anlass, es 30 werden zu lassen. Männer, das könnt ihr besser als vorhin!"


    Ein Bübchen mit viel zu großem Helm sah aus, als würde es weinen wollen, was Stilo entsetzte. Wofür hielt der ihn? Respekt sollten sie vor ihm natürlich haben, aber sich doch nicht in die Tunika scheißen, nur weil er mahnend die Stimme erhob! Die Furcht betraf aber vor allem ein Contubernium ... eines, in dem nicht mehr viele Männer waren. Wer wusste, was da vorgefallen war. Stilo beschloss, beim Marsch händeringend nach irgendwas zu suchen, was der Junge gut machte, um ihn loben zu können. Ruhiger fuhr er fort:


    "Contuberniae prima und secunda rüsten sich mit Langspießen aus. Für den Rest gilt: Keine Pila, sondern Bögen! Jeder Schütze packt 50 Pfeile in den Köcher! Ausführung!"


    Die Milites verschwanden in ihren Contubernia, Stilo ebenso. Bevor sie abrückten, ließ er sie noch einmal vor der Baracke antreten, um sie in Augenschein zu nehmen, damit sie sich kein weiteres Mal blamierten. Bei einigen meckerte er heute zum dritten Mal zu denselben Dingen. Aber den Rebstock behielt er unten. Diese Männer waren nicht unfähig, sondern schlecht ausgebildet und lustlos. Weder Wissen noch Motivation konnte man in jemanden hineinprügeln.


    Wenig später marschierte die Centuria in Zweierreihe zum Treffpunkt.

  • " Stilo" brüllte Cerreatnus dem Kameraden entgegen als er hörte welche Anweisungen er seinen Männern gab. Rasch wandte er sich von seiner Centurie ab und rannte zu Stilo, deutete mit dem Kopf zur Seite und machte ein paar Schritte.


    " Bist du dir sicher dass es nur 2 Contubernien sind die ohne Pilum ausgerüstet sein sollen? Ich hab es so verstanden das 2 Contubernien mit Lanzen und 2 Contubernien mit Bögen ausgerüstet sein sollen." Cerretanus Blick sprach ein wenig Verzweiflung aus. Wenn er nun etwas falsch verstanden hat dann müsste er die Centurie neu instruieren und das würde Zeit kosten.


  • Der Blick von Stilo wurde genau so verzweifelt wie der von Cerretanus, während er in seinem Gedächtnis wühlte.


    "Der Centurio sagte: Ich möchte daß von jeder Centurie 2 Contuberniae mit Langspießen marschieren. Contuberniae lassen das Pilum hier und packen Bogen und 50 Pfeile ein. Das macht gegen Reitertrupps mehr Sinn als die herkömmliche Bewaffnung." Er machte eine Pause und überlegte. "Für mich klingt das, als ob alle Contuberniae Bögen statt Pila tragen sollen. Aber wenn wir unsicher sind, hilft nur nachfragen. Da nützt alles nichts."

  • Cinna suchte Blickkontakt mit Optio Furius, um anzuzeigen, dass er bereit war, wegen der Sache bei Bellatus nachfragen zu gehen.

  • " Na gut. Die Chancen stehen 50:50. Einen wird es sicher erwischen."

    Damit war die Sache gegessen und Cerretanus befahl seiner Centurie weiter zu marschieren.

    Cinnas Blick kostete den Furier nur ein Kopfschütteln. Entweder er hatte einen Fehler gemacht oder Stilo. Im Gefechten war meist keine Zeit sich nochmals in Ruhe zu erkundigen.

  • Da Stilo beim besten Willen keine Ahnung hatte, wer von ihnen nun die richtige Zusammensetzung gewählt hatte, glich das Antreten einem Glücksspiel. Die Zeit war fast um ... so oder so würden sie verspätet aufbrechen, weil eine ihrer Centurien sich noch mal umpacken gehen musste, also sah er zu, dass er seine Männer zumindest pünktlich zum Campus brachte.


    RE: Ein neuer Centurio, ein neuer Wind >>

  • << RE: [Casa] Tribunus Angusticlavius Titus Tuccius Tychicus


    Der Tribun hatte die Dienstpläne der nächsten Zeit angeschaut, war die Befehle noch einmal durchgegangen und kam zu dem Schluss, dass der Optio für eine gewisse Zeit entbehrlich war. Entsprechend lautete der Inhalt des Schreibens, das Stilo gebracht wurde:




    Urlaubsbescheinigung



    Optio Sisenna Seius Stilo

    der Legio XV Apollinaris


    ist vom


    ANTE DIEM IX KAL APR DCCCLXXI A.U.C.

    (24.3.2021/118 n.Chr.)

    bis

    ANTE DIEM XVII KAL MAI DCCCLXXI A.U.C.

    (15.4.2021/118 n.Chr.)


    beurlaubt.


    Gezeichnet

    Titus Tuccius Tychicus


    legio-xv-tribunus-angusticlavius.png


  • Stilo nahm das Schreiben erfreut zur Kenntnis. Er verlor keine Zeit. Zügig sorgte er dafür, dass seine Vertretung alles fand und vergewisserte sich, dass der Mann gut zurechtkam. Nachdem er sich davon überzeugt hatte, dass alles seinen Gang lief, packte er seine Sachen, nahm Abschied von seinem Vorgesetzten, seinen Kameraden und Freunden und machte sich erneut auf die lange Reise nach Roma.


    RE: ~ Porta ~ | Casa Leonis >>

  • Von meiner neuen Einteilung durch den Tribun her kommend, begab ich mich sofort zu den Ställen, wo meine Pferde in der Zwischenzeit versorgt worden waren und mein Gepäck auf mich wartete. Nachdem ich dieses in aller Eile geschnappt hatte, rannte ich zu meiner Unterkunft. Es gab kaum einen freien Platz, die Legio schien gut besetzt zu sein. Als ich einen freien Platz fand, knallte ich so schnell es ging das Material in eingermassen erträglicher Ordnung hin und orientierte mich an dem, was bei den anderen Betten fehlte, um herauszufinden, was ich auf dem Marsch brauchen würde. Wenn ein Kamerad sich noch zeigen würde, dann würde ich ihn natürlich fragen, aber im Moment war keiner hier.


    Schnell legte ich die Lorica an, zum Glück hatte ich das Lederwams zum Reiten schon getragen, sonst würde die Schnürung eine Ewigkeit dauern, ganz alleine. Die Lorica ging gerade noch so, die Lederbänder sassen halt nicht so satt, aber für die Strecke bis zu einem ersten Marschhalt würde es reichen.


    Scutum, Pilum, Gladius, Pugio, dazu das Marschgepäck mit 2 Flaschen Wasser, welches ich am Morgen erst gerade gewechselt hatte. Soweit ich erkennen konnte, hatte ich alles dabei, was ein Soldat für einen Marsch brauchte. Zum Glück war die Ausrüstung immer dieselbe und ich als Veteran schon so daran gewöhnt, dass ich nicht viel überlegen musste. Es spielte wenig bis keine Rolle, ob dies nun ein Ernstfall oder ein Übungsmarsch war.


    Wenig später stürmte ich bereits wieder aus der Baracke und suchte die Männer der 2. Centuria der 4. Kohorte in der Marschaufstellung.

  • << RE: Briefkasten & Taubenpost


    Nachdem er die krakelige Handschrift seines Freundes erkannt hatte, las Stilo den Brief erst, als er eine ruhige Minute fand. Er wollte allein sein während der Lektüre, trank vorher etwas und zog sich dann auf sein Bett zurück. Gründlich und langsam las er den Brief, nahm die Worte Zeile um Zeile in sich auf. Am Ende spürte er Erleichterung, dass Sabaco nichts zugestoßen war. Dass dieser so lange nicht hatte von sich hören lassen, hatte Stilo ein mulmiges Gefühl beschert. Doch er empfand auch Enttäuschung, weil er ihn erst in vielen Jahren wiedersehen würde. Bei der riskanten Lebensweise von Sabaco bestand eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass er ihn überhaupt niemals wieder sah.


    Er las den Brief ein zweites Mal, um ihn ganz zu erfassen. Hinter den Sachinformationen sickerten all die Dinge hervor, die unsichtbar zwischen den Zeilen schwebten. Während draußen Schritte vorbeitrampelten und die Stimmen der Milites redeten, war Stilo in einer Blase gefangen, in der es nur ihn und den Brief gab. Sabacos Schwärze sickerte heraus wie ein Miasma. Der Matinier besaß ein Herz, das zu starken Emotionen fähig war, doch es war randvoll mit Dunkelheit, die in regelmäßigen Intervallen überquoll. Sabaco war ein erwachsenes Problemkind, die Freundschaft zu ihm eine Lebensaufgabe. Nun hatte das Schicksal ihn - nicht zum ersten Mal - aus seinem Gefüge gerissen und ihn wie Treibgut am anderen Ende des Imperiums angespült.


    Das Ende des Briefes war der ehrlichste Abschnitt von allen, frei von dem üblichen Zynismus, bar aller Schutzschichten, die Zusammenfassung und das Resümee. Stilos Blick verharrte lange auf diesen Zeilen.

  • Bei der Post gab es wohl gerade einen Umbau, besser gesagt, einen Neubau. Bislang hatte das Postwesen eher rudimentär funktioniert, nun war ein neues Gebäude bezogen worden und wie es aussah, stellte man weitere Mitarbeiter ein. Caesarea wuchs, da konnte das kleine Officium die anfallenden Arbeiten nicht mehr abdecken. Allerdings bedeutete das auch, dass Stilo sich lieber noch in Geduld übte, bevor er das Antwortschreiben auf Sabacos Brief verfasste, damit der Brief nicht verloren ging.


    Ihm kam der Gedanke, dass Sabaco ein sehr körperlicher Typ war. Wem konnte das entgehen. Bei Zorn ließ er seinen Körper ebenso sprechen wie bei Zuneigung und bei Verzweiflung. Er würde Unsinn bauen, die Huren in den Lupanaren quälen, bis man ihm selbst in der schäbigsten Spelunke Hausverbot erteilte, in den Tabernae pöbeln und vermutlich auch wieder zündeln, weil er nicht mit sich klarkam. Gab es gerade einen Einsatz - bestens. Dort war er abgelenkt und die Barbaren bekamen all seinen Schmerz zu spüren. Gab es keinen, wurde er im blödesten Fall wegen seines untragbaren Verhaltens irgendwann degradiert werden oder gleich ganz aus der Armee fliegen, nur weil er sich einsam fühlte.


    Stilo überlegte, wie er seinen Teil dazu beitragen konnte, dass das nicht geschah. Wenn Sabaco in Germania vereinsamte, würde ihm etwas guttun, das er in die Hand nehmen konnte ... ein Brief flog nur durch die Gegend. Irgendwas festeres sollte es sein, damit er sah, dass die Entfernung ihrer Freundschaft keinen Abbruch tat.


    So holte Stilo einen Klumpen Ton aus der Ziegelbrennerei und begann etwas zu formen ...

  • << RE: Ordnung in den Sauhaufen bringen


    Die Routine hatte sie wieder. Die Wunden heilten, die Eindrücke der Schlacht verblassten, zumindest bei den meisten. Stilo hatten solche Erlebnisse noch nie mehr als nötig aufgeregt, er nahm das Leben, wie es kam. Er unterhielt sich gern mit dem Signifer Felix, ein älterer Kamerad, von Wind und Sonne frühzeitig faltig geworden, und von zahllosen Schlachten vernarbt, sehr zuverlässig. Mit ihm ein oder zwei Becher Wein zu trinken, war ein guter Ausklang für den Abend.


    Noch lieber mochte Stilo ausgerechnet die bösartige Pestbeule der Centuria I leiden, den faulen Pansa, obwohl der nicht müde wurde, den kleinen Cinna zu quälen. Stilo überlegte, wieso er ausgerechnet den unbeliebtesten Kameraden der ganzen Kohorte mochte, und brauchte ein paar Tage, bis ihm bewusst wurde, dass er wohl unbewusst einen Ersatz für Sabaco suchte. Fast hätte er aufgelacht. Stilo hatte scheinbar ein Herz für Arschlöcher.


    Er nahm sich sein Bastelzeug aus dem Regal und schaute seine letzten Werke an. Der erste Versuch war fehlgeschlagen. Anstatt sich selbst zu geformt zu haben, sah die handgroße Tonfigur eher aus wie derjenige, für den sie bestimmt war. Also hatte er einen zweiten Versuch unternommen. Das Resultat konnte sich sehen lassen. Nun standen die zwei kleinen Tonkameraden dort im Regal in Freundschaft vereint, nach dem Brennen hart genug, um nicht so leicht kaputtzugehen. Sie würden die Reise nach Germania überleben. Stilo hatte sie sogar bemalt, ihnen kleine Tunikas aufgepinselt, Haare und die passende Augenfarbe ebenso.


    Stilo wusste, dass Sabaco für jeden, der ihm wichtig war, mindestens eine Tonfigur auf dem Altar stehen hatte, doch keine für sich selbst. Das würde sich bald ändern. Stilo wollte, dass die Götter über seinen Freund wachten, da er es aus der Ferne nicht vermochte. Er wusste, das Sabaco jemanden brauchte, der das für ihn tat, denn Sabaco selbst achtete nicht auf sich.

  • << RE: Der goldene Gockel


    Nach dem Abschied von Marara kehrte Stilo n die Castra der Legio zurück, wo er im Officium des Centurios dessen Schriftkram so gut er es vermochte, abarbeitete. Er hatte sich nur eine winzige Ölfunzel angezündet und alle Fenster verrammelt. In der Finsternis der leeren Gemächer brütete er über den Unterlagen, doch er benötigte heute noch länger als sonst. Seine Gedanken schweiften ab. Als er in sein Bett kroch, schliefen längst alle.

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