Irgendwo zwischen Nichts und Gar Nichts

  • Bellatus ließ sich ungewöhnlich viel Zeit für die Antwort. In Gedanken durchlief er seinen reichhaltigen Erfahrungsschatz nach ähnlich gelagerten Operationen. Die Vorschläge des Optios nahm er wahr und legte sie in seine gedankliche Waagschale. Sein Blick fiel auf die Hügel und was er sah gefiel ihm nicht.

    Noch einen Mann loszuschicken hielt er trotz der Idee mit den Brieftauben für falsch...

    Mit den Brieftauben arbeiten wir das nächste Mal,...und verhandeln werde ich auch nicht, sonst wird hier bald jede Patrouille entführt um irgendwelche Forderungen zu erfüllt zu bekommen,...nein...wir rücken vor bis wir sehen was wir vor uns haben,...das Gelände hinter den Hügeln ist leichter einsehbar und vor allen für unsere Formationen besser nutzbar. Er sah in Richtung der Männer, dann in Richtung Castellum,...die Zeit bis die Träger den Optio Furius in die Obhut des Valetudinariums gebracht und die Equites hier eintreffen würden schätzte er auf eine halbe Stunde. Zeit die sie nutzen mussten. Wir müssen feststellen wie viele Barbaren es sind, wir werden unseren Kameraden beistehen und wir werden uns nicht erpressen lassen. Also Optio?!...er sah den Seianer an und nickte ihm zu. Einheit in Formation bringen und im Doppelschritt auf die Kuppe dort vor uns, dort wieder in Gefechtformation, wie vorhin, Lanzen vor, Bogenschützen in Zweierreihe dahinter,...Roma victor, Optio!

  • "Roma victrix, Centurio!", erwiderte er. Stilo schlug sich mit der Faust aufs Herz und blickte seinem Vorgesetzten fest in die Augen. Dann trat er weg, um die Befehle umzusetzen.


    Vier Mann bauten auf sein Geheiß aus ihren Lanzen und Mänteln eine Trage - die Handgriffe dafür kannte jeder - und schleppten den bewusstlosen Cerretanus zurück zur Castra. Der Rest der Centuria nahm Formation ein und marschierte im Doppelschritt auf die Kuppe. Erneut wirbelte Staub auf von hunderten nagelbeschlagenen Sandalen. Im Gleichtakt quietschte, klapperte und knarrte die Ausrüstung, schnauften die Männer. Oben angelangt nahm die gesamte Centuria II Gefechtsformation ein. In der ersten Reihe kamen die Lanzenträger, danach die Bogenschützen in einer Zweierreihe dahinter. Was immer jetzt kam, war unausweichlich. Cossutus Bellatus hatte entschieden, die Götter sahen zu und das Rad des Schicksals drehte sich um eine Speiche weiter. Stilo überkam ein Gefühl tiefer Ruhe und ein irreales Glücksgefühl stieg leise aus dunklen Tiefen in ihm hinauf.


    Sein Blick strich über das, was vor ihnen lag ...

  • Die nächsten Befehle kamen kurze Zeit später und sie gefielen mir. In dieser Situation gab es vermutlich bloss die Wahl zwischen falsch und komplett falsch. Zusammen mit dem umgefallenen Optio zurückziehen wäre Feigheit gewesen und hätte die Späher dem sicheren Tode überlassen. Was da passiert war, hatte sich in der Zwischenzeit von hinten durch die Reihen auch bis zu mir nach vorne durchgesprochen. Still stehen und abwarten, während der Optio ins Castellum zurückgebracht wurde, hätte vermutlich nicht bloss die Späher, sondern auch den Optio und seine Träger dem Untergang geweiht. Zu leicht wäre es gewesen, uns zu umgehen und den kleinen Trupp zu überfallen. Jedoch auch der nun befohlene Vorstoss auf die Kuppe barg ein grosses Risiko. Wir hatten keine Ahnung, was uns dahinter erwarten würde und es konnte durchaus sein, dass wir in einen Hinterhalt marschierten, nein, rannten.


    Dennoch, Befehl war Befehl und der Centurio wusste bestimmt, was er tat. Daher war er ja Centurio.


    Sim-Off:

    Zu meinem Verständnis und für meine zukünftigen Schilderungen der Handlungen: 1 Reihe Lanzen oder einfach grundsätzlich Lanzen vorne? Üblich waren ja eigentlich mindestens 3 Reihen Infanterie hintereinander.


    Auch als wir auf der Kuppe ankamen war ich auf Grund der zuvor eingenommenen Aufstellung noch immer in der vordersten Reihe. Meine Lanze hatte ich fest in der Hand und war bereit für (fast) alles, was ich mir vorstellen konnte.

  • In den alten Zeiten regierte der König ein Land von Heiligtümern und die Priester waren Herren über alles. Diese Männer von reinstem und edelstem Blut lenkten die Geschicke Cappadocias. Jede Dynastie entstammte einem Gott. Sogar die heidnischen Römer wagten nicht, die Fürsten ihrer uralten Macht zu entheben. Lediglich der kappadokische König hatte dem römischen Kaiser weichen müssen. Seinen Tod hatten die meisten Tempelfürsten gleichmütig hingenommen. Treue empfanden sie nicht, der König war lästig gewesen und die Freiheiten unter dem Kaiser, der weit entfernt in Rom residierte, waren größer. Sie waren göttlichen Blutes, ihnen stand nichts Geringeres zu, als die Herrschaft in ihrem Sinne fortzusetzen.


    Opportunistisch veranlagt waren alle Häuser, die überlebt hatten. Doch einen Priesterfürsten gab es, der übertrumpfte die anderen an Raffinesse.

    Einen, der in den Feinden Roms die wehenden Banner der Zukunft sah und seine Schäfchen im Trockenen wissen wollte.

    Einen Partherfreund.


    Der treuester Diener dieses Partherfreundes trug den Namen Zambascha, dessen Klang so alt war wie die Steppe, in der er geboren war, bevor seine Eltern ihn in die Sklaverei verkauft hatten. Seinen eigenen Wurzeln früh entfremdet, war er nur seinem Herrn hörig, der ihm die verlorene Freiheit zurückgegeben hatte. Zambascha diente nicht für Gold und nicht für Versprechungen, nicht aus Zwang oder Angst. Er diente aus Überzeugung und das machte ihn zu einem gefährlichen Gegner.


    In diesem Augenblick saß Zambascha als lebendes und denkendes Schwert seines Herrn auf einem Pferd, das so staubfarben war wie der kappadokische Sand. Was immer sein Herr ihm befahl, Zambascha würde gehorchen. Wenn es hieß, eine römische Kohorte auszuradieren, die auf einem Übungsmarsch durch das Land seiner Vorfahren lief, als wäre es ihres, dann tat Zambascha das. Er würde auch die Welt aus den Angeln reißen, würde sein Herr ihn nur darum bitten.


    Zufrieden lächelte er unter seinem Gesichtsschleier, als die Römer in den vorbereiteten Kessel marschierten. Seine Männer waren in der Unterzahl, nur zweiundvierzig Mann, doch sie waren beritten, mit guten Waffen ausgerüstet und sie kannten ihr Land. Der Kessel war lehrbuchmäßig. Ein Pfiff, langgezogen und klagend wie der eines Falken, drang durch seine Zähne und sein Trupp spannte die Bögen wie ein Mann. Die Sehnen sirrten. Lautlos erhoben sich einundvierzig Pfeile.


    Für einen Moment nur war die Luft dunkel gesprenkelt, dann prasselte der Tod nieder auf die Söhne Roms.

  • War es der Pfiff der ihn alarmierte? Diese Barbaren imitierten immer irgendwelche Viecher. Sein Nacken zog sich zusammen und er stierte nach vorn,...nach oben...also doch! Schilde hooooch! Pfeileeeee! Es war unnötg zu sagen von wo, denn offenbar kamen sie von allen Seiten. Die Pfeile prasselten auf die hochgerissen Schilde, einige wenige trafen auf Helme und Panzer der Legionäre. Bellatus schnaufte zornig. Es waren doch mehr als gehofft, aber weniger als befürchtet.

    Centuriaeee, Testudooooo!

    Wieder das typische Scharren von Füßen und Schaben von aufeinander rückenden Schilden.

    Er hörte Stöhnen unter den Männern, hatte es doch Treffer gegeben? Im Halbdunkel des Testudo versuchte er sich zu orientieren. Zwei der Männer standen nicht ganz gerade, auf seine Frage hin meldeten sie sich jedoch kampfbereit.

    Bellatus nickte grimmig. Er hob das Schild um sich ein Bild der Lage zu machen. Zu sehen war nichts, sie saßen hier in einer Mausefalle...es gab nur zurück und somit die Schande oder vor,...somit eine unbekannte Zukunft.

    Er wählte die ungewisse Zukunft. Die Equites würden sich bald eintreffen und die feigen Ratten verjagen.

    Centuriaeeee, pila incliniteeee, pergiteeee!

    Die Legionäre verwandelten die Tesudo in einen Erinaceidae und setzten sich in Bewegung. Die Angreifer waren garantiert beritten, sie zu stellen ohne die Equites also unmöglich. Also mussten sie sie beschäftigen,...provozieren Fehler zu machen, wie etwa die Formation direkt anzugreifen. Schwerfällig bewegten sich die Testudae geschützt durch Schild und Speer aus dem Kessel.

  • Der Pfeihagel prasselte donnernd auf Schilde, Rüstungen und Boden ein. Stilo duckte sich unter seinen Schild. Bitte keine Kataphrakte. Die Sorge war irrational, Kataphrakte gab es nicht nördlich des Taurus. Sie waren auch im Süden selten, elitär, vergleichbar damit, wenn die Prätorianergarde sich ins Feld bequemte. Sie erschienen nur zu großen Schlachten. Und doch war die Angst vor ihnen jedem, der in der Steppe diente, seit Carrhae in Fleisch und Blut übergegangen. Kataphrakte bedeuteten den Tod.


    Dagegen nahmen sich die Bogenschützen, die Stilo nach dem Verebben des Pfeihagels hinter den Hügelkämmen des Talkessels sah, regelrecht süß aus. Stilo war erleichtert. Diese Kerle waren lästig wie Schmeißfliegen, aber die Chancen gegen einen Haufen Steppenreiter nahmen sich sehr viel optimistischer aus, als wenn die Parther anrücken würden. Steppenreiter waren in Ordnung.


    Jemand stöhnte, doch alle Kameraden standen noch. Stilo verfiel unter dem Igel mit den anderen in ein langsames, gleichmäßiges Schritttempo, mit dem sie vorrückten. Kommandos brauchte er keine geben, der Centurio hatte alles gesagt und die Soldaten waren konzentriert.

  • In der vordersten Reihe wurde es unangenehm. Zuerst kam der Pfiff, langgezogen und klagend wie der eines Falken, der sich in mir bereits als Alarmsignal ausbreitete. Ein Falke hatte in dieser Situation nichts hier verloren und sein klagender Pfiff noch weniger. Auch wenn das Tier durchaus in die Wüste gehörte, so würde es sich bei derart viel metallischem Klirren und den dazugehörenden blitzenden Reflektionen der Sonne auf Rüstungen und Waffen schnellstmöglich verziehen.


    Wie ein Reflex folgte auch sofort der Ruf des Centurio und wir rissen die Schilde hoch soweit dies möglich war ohne den Hintermann damit gleich zu erschlagen. Irgendwo stöhnten einzelne Kameraden auf. Ein Pfeil durchbohrte mein Scutum unmittelbar neben dem eisernen Schildboss und rasierte meinen Arm. Ich spürte wie sich ein kleines Rinnsal Blut meinen Arm entlang schlängelte. Doch das Scutum blieb oben.


    Sogleich folgte der nächste Befehl und aus der Abwehrhaltung gingen wir geschmeidig in die Testudo über. In dieser Formation waren wir zwar noch immer im Verteidigungsmodus, doch nun war es uns möglich, den Kampf auch an andere Orte zu tragen. In dieser gepanzerten Formation waren wir sehr gut geschützt, so lange die Disziplin hielt.


    Auf Befehl streckten wir unsere Speere durch die wenigen Lücken in der Schildwand und dem Dach. Nun ging es wieder vorwärts, dem Fein entgegen, der sich als ein kleiner Haufen berittener Bogenschützen herausstellte, als wir den Rand des Kessels erreichten.

  • Bellatus spähte durch einen Spalt zwischen den Schilden und erwartete den nächsten Pfeilhagel. Plötzlich verriet ein Blinken die Position eines der Schützen. Testudoooo consistite! rief er und die schwerfälligen Formation kamen mit dem ihnen typischen Geräusch zum stehen. Bogenschützen fertigmachen! ... Schildwall! Bogenschützen drei Salven auf den Hügel!

    Die Testudo verlor ihr Dach und fast zeitgleich flogen die Pfeile in die Richtung in welche Bellatus´Gladius wies. Während die Bogenschützen todbringende Pfeile losschickten, sah sich Bellatus nach weiteren Schützen um, doch Mars war ihnen heute hold. Es ertönten Geräusche vom Hügel, die davon zeugten daß sie getroffen hatten. Ob tödlich oder nicht war irrelevant, denn die Gegner setzten sich von ihren Versteck ab und ließen eine mächtige Staubwolke aufsteigen.

    Grimmig sah sich Bellatus weiter um. Noch wollte er kein Risiko eingehen,...also...Testudoooo scuta sursum! Militeeees, parate vos ad itereee! Testudooooo aequatis passibuuuus...pergiteeeee! Die Sandflöhe dachten sie hätten leichtes Spiel mit ihnen. Doch anscheinend handelte es sich nicht um militärisch gedrillte Reiter. Offenbar waren es Banditen, mit reichlich jungen Spunden die sich die Leviten verdienen wollten. Doch da gab es bessere Möglichkeiten als sich mit zwei Centuriae anzulegen. Stampft und grollend setzte sich die Testudo in Bewegung, heraus aus dem Kessel auf eine Ebene, ideal für Formationen,...fast schon freute sich Bellatus und grinste wölfisch als er sah was sich da vor ihnen auftat.

  • Formation halt, Bogenschützen los, Formation wieder einnehmen und weiter. Alles was sich nun abspielte war militärischer Alltag, gedrillt durch tausende und abertausende Stunden und Repetitionen. Einzig die dumpfen Geräusche getroffener Gegner und die danach entstehende Staubwolke waren für mich sichtbar. Mein Blick war auf die Doppelschritte vor mir konzentriert, mein Ohr auf die Befehle des Centurio gerichtet. Ob sich das vielleicht noch ändern würde? Niemand wusste, was uns erwarten würde, wenn wir den Kessel verliessen, was in wenigen Schritten der Fall sein würde.

  • Ein einsames Grüppchen von fünf römischen Soldaten strebte in der nachmittäglichen Hitze in Richtung Satala, einer davon bewusstlos. Der Trupp, der auf einem zur Trage umfunktionierten Mantel und zwei Speeren den bewusstlosen Optio Furius Cerretanus transportierte, bewegte sich zielstrebig nach Süden. Der Staub klebte in ihren schweißnassen Gesichtern. Obwohl die felsige und stark strukturierte Hochlandsteppe sich in alle Richtungen erstreckte, waren die Straßen Cappadocias dank der Legio gut ausgebaut. Die Soldaten verzichteten darauf, sich mit einem Bewusstlosen durch die Wildnis zu schlagen und blieben auf der Straße, um Zeit gutzumachen.


    Der Melder, der bereits vorher losgeschickt worden war, rannte in weiter Ferne und war schon längst nicht mehr zu sehen. Er würde die Castra der Legio XV Apollinaris lange vor dem Trupp erreichen.


    RE: [Casa] Tribunus Angusticlavius Titus Tuccius Tychicus >>

  • In einer Ecke der ersten Centuria gab es ernsthafte Probleme. Jemand war in Panik geraten und konnte nur mit Mühe am Weglaufen gehindert werden. Die Formation geriet in Unordnung, Lücken taten sich auf ... einer von denen, welche den Hasenfuß am Fortlaufen hinderten, geriet deswegen ins Stolpern, trat Cinna auf den Fuß und nun schlug dieser der Länge nach hin. Zwar rappelte er sich auch mit Ausrüstung in wenigen Sekunden wieder auf und war wieder gefechtsbereit, doch die ganze hintere rechte Ecke der Centuria war aufgedröselt und die Soldaten standen meterweit auseinander, blickten sich nach den Reitern um und gingen nervös hin und her.


    Man merkte deutlich, das dort ein Optio fehlte ...

  • Dreimal ließ Rom den Tod auf die Söhne der Steppe regnen. Dreimal forderten die römischen Götter Tribut. Neununddreißig Reiter verblieben in der Welt der Lebenden, wütend in Schmerz und Zorn. Ein Räuber wollte das erlittene Leid an seinen Gefangenen weitertragen, doch ein scharfes Wort aus dem Munde von Zambascha verhinderte die Tat. Zu diesem Zwecke war die lebende Fracht nicht gedacht.


    Zambaschas Augenmerk richtete sich wieder auf den Feind, registrierte einen Fehler in der gegnerischen Formation, einen Quell der Angst, der die größte Stärke Roms - seine Disziplin - wanken ließ. Damit würde sich arbeiten lassen. Und während die eiserne Schildkröte langsam auf ihre Stellung zukroch, die Steppenreiter noch ihre Pfeile vergeudeten, um den Aufmarsch zu verlangsamen, ließ Zambascha vier seiner Räuber die nackten Gefangenen hinter ihren Sätteln auf den Pferden festbinden, aufrecht sitzend und mit gefesselten Händen und nach hinten blickend, damit die Römer die Gesichter ihrer verzweifelten Kameraden sehen konnten und ihre weichen Bäuche. Er selbst behielt sein Augenmerk auf den Feind gerichtet, auf der Suche nach weiterer Schwäche.


    "Diesen da", verlangte Zambascha und wies auf einen jungen Römer im Herzen des Zerfalls, den er eine Weile schon im Auge behielt. "Wer ihn mir bringt, dem sei Silber gewiss."


    Ein anderer Pfiff erklang durch seine Zähne, wieder der eines Falken, doch mit trillerndem Verlauf. Die Reiter setzten ihre Pferde in Galopp, ein kreisendes Rad des Staubes, dass um Rom sich zu drehen begann und bald immer schneller wurde. Bewegliche Ziele boten auch für geübte Schützen keine leichte Beute. Die Römer aber schleppten schwer an Schild und Rüstung, zur Langsamkeit verdammt, die den Mut an seine Grenzen brachte, wenn der Sturm des Krieges tobte. Aus dem Galopp heraus schossen die Reiter in die Schildkröte hinein, konzentrierten sich auf die Stelle, wo der schützende Panzer auseinanderbrach. Ein Strudel aus Pferden, Menschen und Staub, der um Rom kreiste wie das staubige Rad des Schicksals.


    Zambascha aber hob die Drachenstandarte1. Der Wind fuhr in den metallenen Kopf, brachte die Lamellen innerhalb des Mauls zum Aufheulen und ließ den Stoffkörper wütend peitschen. Der Kriegsgesang des Drachens mischte sich mit dem der Reiter. Jene vier Getreuen, welche einen lebenden Schutzschild am Rücken wussten, brachen nun gleich einer Speerspitze mitten hinein in die Wunde der Schildkröte, um den Panzer endgültig zu sprengen, gefolgt von den anderen, während Zambascha gemächlich außerhalb des Geschehens ritt, den zornigen Drachen an seiner Seite.


  • Der Schweiß lief Bellatus in die Augen. Bisher hielt die Formation, auch wenn einige der Männer, er eingeschlossen, bereits mehr oder weniger verletzt waren. Er wischte sich mit dem Halstuch durch das Gesicht und über die Augen. Da ertönte dieses Signal.

    Kurz darauf sah er Reiter auf sich zukommen, die Formation war unregelmäßig und nicht allzu breit.

    Militeeees, in Aciem veniteeeee! Die Testudo löste sich auf und die Legionäre stellten sich auf. Bellatus riss sein Gladius heraus und stieß es in die Höhe.

    Mileteeees...cuneuuuuus! Rasch formten sie eine Keilformation als die nächsten Befehle erklangen

    Militeeees, hastaaaa inclinite, sagittiiiiis dimittaaaaas!

    Während die letzten Legionäre ihre Lanzen mit dem Fuß am Ende beschwerten und einen einbrechenden Pferdeleib erwarteten, jagten die Bogenschützen der angreifenden Reiterhorde Salve um Salve entgegen.

    Bellatus sah sich nach en beiden anderen Gruppen um und nickte zufrieden, sie hatten ebenfalls den Cuneus gebildet und bildeten eine tödliche Wand aus Speerspitzen und Pfeilwolken.

    Die ersten Pferde brachen im vollen Galopp zusammen und begruben ihre Reiter in Staubwolken. Doch da kamen die ersten heran,...er hatte gerade noch Zeit zu brüllen...Roma victrix! Bogenschützen, Gladii raus, macht alles nieder was durchkommt!

    Mit einem unglaublichen Getöse brach die Reiterhorde in die Formation. Pferde schrien gepeinigt auf, Legionäre ließen ihre Spieße los und rannten nah hinten um dort mit ihren Kameraden alles zu bekämpfen was aus dieser Staubwolke brach. Bellatus arbeitete sich mit einigen Männern an sterbenden Pferden vorbei auf der Suche nach den Reitern. Nur selten mussten sie Schwertarbeit verrichten, die meisten Reiter waren von ihren Pferden getötet worden.. Der Staub legte sich und Bellatus befahl den Rückzug hinter die eigenen Linien. In der Ferne ertönte das Signal...ging es weiter?

    Wo blieb die eigene Kavallerie?

    Er sah sich um. es sah so aus als hätten alle diesen Angriff überlebt. Die Gesichter der Männer waren grau vor Staub, sie sahen aus wie Geister. Bellatus zwickte sich zur Sicherheit,...nein, er lebte noch.

    Militeees, scuta sursummm, stateeee! Er winkte die beiden Gruppen heran die den Angriff nicht direkt mit bekommen hatten und ließ sie vorne den Cuneus bilden, die zerschundene erste Gruppe durfte sich die Wunden lecken während er wieder nach vorn ging. Er stellte sich neben den Seianer und meinte lakonisch, Ihr habt ja gesehen wie man es macht, ich glaube nicht daß es noch viele sind, denn sonst wären sie schon über uns hinweg.

  • Von hinten irgendwo kamen Rufe der Verzweiflung und suchten um Hilfe an. Automatisch verlangsamte die Testudo von vorne her das Tempo, denn wenn hinten etwas nicht funktionierte, dann wurde die gesamte Formation verwundbar. Daher war es absolute Pflicht, sofort auf Rufe von hinten zu reagieren und den Kollegen in Verlegenheit die Chance zu geben, sich wieder in die Formation einzufinden und diese schnell zu schliessen.


    Doch bevor dies geschehen konnte, begannen Reiter um uns herum zu galoppieren. Sand wirbelte auf und Pfeile regneten auf uns herab. Die Stimme des Centurio brüllte Befehle und geübt durch tausende Stunden veränderte sich die Formation. Ein Schildwall in Form eines Keiles wurde gebildet, die Speere wurden mit Schild und Fuss fest in Position gebracht und derart abgestützt, dass sie auch den Aufprall eines Pferdes in vollem Tempo abfangen konnten.


    Durch die plötzliche Veränderung der Formation überrascht, konnten die angreifenden Reiter ihre Bahn nicht mehr umlenken und stürzten sich ins Verderben. Ich duckte mich in der ersten Reihe hinter meinen Schild, verlieh ihm so mit meinem Körper noch mehr Stabilität und damit auch dem Speer, welcher sich wie die meiner Kollegen links, rechts und hinter mir wie die Stacheln eines Igels den Reitern entgegen streckte.


    Der Aufprall war gewaltig. Mein Speer wurde mir aus der Hand gerissen und instinktiv zog ich blitzschnell mein Gladius und begann auf alles einzustechen, was mir irgendwie in die Quere kam und nicht römisch gekleidet oder ausgerüstet war. Fliegende Hufe, blitzende Waffen und heulende Gegner bildeten eine Wolke, aus welcher erst nach dem Ende der Kampfhandlungen sichtbar werden würde, wer siegreich war und was der Sieg gekostet hatte.


    Dieses Ende kam für mich schneller, als ich es erwartet hatte. In der vordersten Linie stehend kamen immer wieder neue Reiter auf uns zu, doch nun hatte ich meinen Speer nicht mehr und musste mich mit Scutum und Gladius den schnellen und sicherlich wendigen Reitern stellen. Einer davon hielt genau auf mich zu und schien mich einfach umreiten zu wollen, als ich mich unter mein Scutum duckte und dem Pferd mit einem gezielten Stich in den Bauch jeglichen Lebenshauch nahm. Auf der Stelle brach es zusammen, landete halb hinter aber auch halb auf mir und sein Reiter flog vermutlich noch 2 Reihen tiefer in unsere Formation hinein. Derweil lag ich halb vom Hinterteil des Pferdes erdrückt unter dessen Hinterbeinen, zwar geschützt durch mein Scutum, aber dennoch unfähig weitere Reiter abzuwehren.


    Zum Glück kamen jedoch keine mehr. Der Staub legte sich. Halb sitzend, halb liegend versuchte ich mich von dem Pferd zu befreien.

  • "ROMA VICTRIX", röhrte auch Stilo.


    Seine Stimme klang heiser vom Staub, hatte jedoch nichts an Kraft eingebüßt. Jetzt hieß es durchhalten oder untergehen. Für Angst war keine Zeit, man handelte und überlebte oder starb. Das zu hinterfragen war nicht drin, Stilo nahm, was kam. Die erste Centuria bekam den Großteil der ersten Welle ab, dann wechselten sie ab mit der zweiten, eine kurze Gefechtsruhe ausnutzend.


    "Die sind fast erledigt."


    Für mehr war keine Zeit, denn das verknäuelte Etwas, das die Frontlinie der Gegner bildete, zuckte noch und machte denen, die dort festhingen, das Leben schwer. Ein paar Reiter waren noch auf den Pferden, die zwischen den Gefallenen herumstolperten und sich erneut denen anschlossen, die außen geblieben waren. Die meisten Pfeile prallten wirkungslos an den großen Schilden der Legio ab, doch Stilo überraschte, dass diese Räuber Nahkampfwaffen besaßen, mit denen sie wenig effektiv auf die Legionäre einhackten. Sie waren zumindest teilweise ausgerüstet wie Krieger und ihr Anführer trug auch eine Standarte, benahmen sich aber so stümperhaft wie ein Plündertrupp. Wer waren die?!


    Ein Teil von ihnen umkreiste noch immer die Centuria, auf eine Gelegenheit zum Angriff wartend. Stilo rief die Befehle für seine Centuria in einer Lautstärke, dass ihm die eigenen Worte im Helm dröhnten, um das Donnern der Hufe zu übertönen und den letzten Zweifler zu erreichen, als die Reiter erneut auf sie zuhielten.


    "CUNEUUUS! Hasta incliniteee!!" Und als die zweite Welle fast heran war: "Sagittiiiiis dimittaaaaas!"


    Einige Pferde stürzten im vollen Galopp nieder, die dahinterkommenden sprangen über sie hinweg und brachen dann in die Formation. Der Aufprall fiel weniger heftig aus als der erste Angriff. Die wagemutigsten Reiter hatten sich schon an der Centuria von Bellatus aufgerieben und es waren insgesamt nicht mehr allzu viele übrig. Trotzdem war die Wucht noch gewaltig und das Geschrei der Pferde tönte fast noch schlimmer als das ihrer sterbenden Reiter.

  • Der Neue, Sempronius Sophus, klemmte zur Hälfte unter einem Pferd. Doch Cinna quälte sich mit einem sehr kampfesunwilligen Pansa herum, der der es brauchte, dass ein Offizier in seinem Nacken stand und ihm mit dem Rebstock eins überzog und ihn unentwegt vollbrüllte. Unter Coriolanus hatte Pansa sich dermaßen daran gewöhnt, dass er auf normale Kommandos kaum noch reagierte und nun fehlten ein Centurio und ein Optio. Mit Pansa gingen die Instinkte durch und er wollte nur noch eines - überleben.


    "Wir müssen zum Sempronius durchkommen", versuchte Cinna ihm die Lage klarzumachen. "PANSA!"


    "Geh mir nicht auf den Sack." Pansas Stimme zitterte, als er ihm ins Gesicht schlug, geradewegs zwischen die Augen. Vermutlich würde er sogar seinen besten Freund Dexter über die Klinge springen lassen, um das eigene Leben zu retten, doch der war ohnehin nicht da - er war der Bote, den Bellatus zurück zur Castra entsandt hatte.


    Der Schlag war nicht sehr stark, aber Cinna bekam davon Sand in die Augen. Als die zweite Welle heranpreschte, war er praktisch blind. Vergebens versuchte er, den stechenden Schmerz auf seinen Augäpfeln zu ignorieren, der ihn automatisch die Lider zusammenziehen ließ. Das Schicksal der kleinen Truppe wurde ein unsicheres, denn sie wurden endgültig von ihrer Centuria abgespalten. Sie rückten eng zusammen, hoben die Schilde und versuchten, jeder für sich sein Bestes, um die Reiter auf Abstand zu halten. Diese hatten es auf die Hauptstreitmacht abgesehen, doch Cinna wurde den Verdacht nicht los, dass man sie absichtlich abgetrennt hatte.

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