Beiträge von Manius Flavius Gracchus

    Sim-Off:

    Dann bringe ich direkt alle zusammen. Auf einem Haufen stehen nun also Livia, Furianus, Flaccus, Antonia und Gracchus.


    Gracchus nickte dem Sohn seines Vetters vestehend zu, seine Thesen bedurften keiner weiteren Bestätigung. Ohnehin waren sich in dieser Runde alle der Problematik zur genüge bewusst. So wandte er sich dem Tiberius zu.
    "Salve, ..."
    Er stockte, war ihm doch der Namen des Gastes entfallen. Kein Wunder, bei der Menge an Gästen. Es war jedoch eine gewisse Ähnlichkeit mit Tiberia vorhanden, welche direkt neben ihm stand. Hatte sie an diesem Abend einen Verwandten erwähnt? Vorwurfsvoll blickte Gracchus in den Becher in seiner Hand und stellte diesen sodann kurzerhand auf das Tablett eines vorbeihuschenden Sklaven. Genug ist genug.
    "... Tiberius?"
    Er hoffte, dass er nicht komplett daneben lag.
    "Auch dir danke ich für deine Glückwünsche. Deine Warnung werde ich mir zu Herzen nehmen, deine Sorge indes scheint mir vorerst unbegründet. Die Götter werden uns nicht zürnen müssen."
    Er blickte zu Antonia. Sie würden sich irgendwie zu arrangieren wissen.

    Zitat

    Original von Aurelia Deandra
    Ich wusste nicht, ob Gracchus mir folgen konnte, auf jeden Fall folgte mein Blick dem seinen. Mit einem wissenden Lächeln schaute ich ihn wieder an.
    „Du möchtest sicher noch weitere Gäste begrüßen und dich mit ihnen austauschen. Lass dich nicht davon abhalten, ich bin bei Arbiter in besten Händen.“


    Mit gerunzelter Stirn blickte Gracchus sein Gegenüber an und fragte sich, ob sie sich einen Scherz erlaubte. Er konnte ihrer Aussage bezüglich der Mäntel nicht im Geringsten folgen und deutete ihr wissendes Lächeln daher als versteckten Schalk. Schließlich nickte er.
    "Es ist wahr, ich sollte noch ein paar Gäste begrüßen und mich wieder meiner Verlobten anschließen. Nachdem mir die Parzen eine solche Augenweide an die Hand gegeben haben, sollte ich dafür sorgen, dass sie mir nicht wieder verloren geht. Ich hoffe, du wirst das weitere Fest genießen."
    Mit einem feinen Lächeln verabschiedete er sich von ihr und ging hinüber zu seiner Verlobten, welche sich mit dem Sohn seines Vetters unterhielt.


    Zitat

    Original von Claudia Antonia
    Hoffen wir, dass das Volk nicht immer noch diese.. wie soll ich sagen? Abneigung gegen alles patrizische hat. Vor einiger Zeit konnte man ja kaum aus dem Haus, ohne schief angesehen zu werden.


    Gracchus nickte Antonia zu und umarmte den Sohn seines Vetters wie einen Bruder.
    "Furianus, ich freue mich, dass du kommen konntest. Und ich sehe, du hast meine Verlobte bereits kennen gelernt. Doch verzeiht, ich wollte euer Gespräch nicht unterbrechen. Wie ich hörte, geht es einmal mehr um die Animosität gegenüber den Patriziern. Gibt es denn keine Gerechtigkeit mehr in diesem Reich? Ist etwa alles vergessen, was unsere Familien für das Reich geleistet haben?"

    Zitat

    Original von Aurelia Deandra
    Flüchtig schaute ich nach unten.


    „Danke für die netten Worte. Du bist sehr charmant.“ Ich lächelte.


    Einen Augenblick befürchtete Gracchus, dass sein Gegenüber ohnmächtig werden würde, als die Aurelia sich so unvermittelt an seinem Arm hielt. Er stellte eilig den Becher auf einem Tisch ab um sie zu stützen, doch die Sinne verließen sie nicht. Er ließ sich ihren Gedankengang durch den Kopf gehen, während er einen Sklaven herbeiwinkte, um ihr etwas zu Trinken zu reichen. Gracchus nahm sich ebenfalls einen neuen Becher Wein und blickte zu Tiberia, welche neben ihrem plebejischen, dadurch jedoch nicht minder interessanten Verlobten stand.
    "Ich fürchte, ich muss dieser Theorie vehement widersprechen. Den Tiberiern ihre Würde absprechen zu wollen, dies wäre... skandalös, ja um nicht zu sagen desaströs. Ich bin mir nicht sicher, wie eng die genannten Personen miteinander verwandt sind und will keinesfalls abstreiten, dass diese Auffälligkeit bei erster Betrachtung ins Auge fällt, doch diese Beobachtung auf die gesamte Gens auszuweiten, damit bin ich nicht im Mindesten einverstanden. Tiberia Livia ist Gast in diesem Haus und ich habe sie als gleichermaßen intelligente wie integre Frau schätzen gelernt. Eine Frau, die mehr Würde besitzt, als so manch degenerierter Patrizier einer Gens Maior, von denen es leider immer wieder einige gibt. Gleichermaßen würde ich mich für Tiberia Claudia aussprechen. Sie ist die Flaminca Minervae und damit für mich über jeden Zweifel erhaben. Und auch über den Pater Familias der Gens Tiberia habe ich noch kein schlechtes Wort gehört."
    Es verwunderte Gracchus selbst ein wenig, wie vehement er Deandra widersprach, doch über die Theorie der Pauschalisierung war er bereits hinausgekommen. Er tank einen großen Schluck des Weines, der, wie er feststellte, weniger verdünnt war, als zuvor.
    "Ich fürchte, dieses Thema gleitet in keine gute Richtung ab. Wir sollten es beenden."
    Er versuchte seinen Worten einen versöhnlichen Klang zu geben, obwohl er noch immer äußerst aufgebracht war.
    "Wenden wir uns gänzlich dem Cultus Deorum zu. Natürlich sind alle Discipuli männlich. Es gilt die Regel, dass nur männliche Sacerdotes den Göttern und weibliche den Göttinen dienen dürfen. Daher gibt es sehr wenige Schlüler, welche in den Dienst einer ihnen gegengeschlechtlichen Gottheit eintreten. Aber es stimmt wohl, Valerius ist keiner vom anderen Ufer."
    In Gedanken überlegte Gracchus, ob dies ein Umstand war, den es zu bedauern galt. Doch der Sacerdos war nicht die Art von Mann, welche sich Gracchus am Abend wünschte. Ganz unbewusst glitt sein Blick wieder hinüber zu Tiberias Verlobtem.

    "Ich danke dir, Schwester."
    Er nahm den Becher zur Hand, trank und leerte ihn.
    "Es ist Zeit, aufzubrechen, ich werde die Abendstunden mit Studien verbringen. Es war mir eine große Freude, dich wieder zu sehen, Agrippina. Und ich verspreche dir, dass bis zu unserem nächsten Zusammentreffen nicht wieder Jahre vergehen werden."
    Er zog die Mundwinkel leicht nach oben.

    Ein ungewöhnliches Bild bot sich dem, der erkannte, wer die Stufen zur mittleren Cella des Tempels des Iuppiter Optimus Maximus hinaufstieg. Denn es war Flavius Gracchus und er war den Weg von der Villa Flavia bis zum Tempel zu Fuß gegangen, nur umringt von einigen Sklaven, welche dafür gesorgt hatten, dass er innerhalb der Stadt nicht mit dem Pöbel kollidierte. In seinen Händen hielt er ein in Stoffe gefaltetes kleines Paket.
    Gracchus spürte ein leichtes Stechen in seiner Seite, der Weg den capitolinischen Hügel hinauf war steil und doch einigermaßen anstrengend gewesen. Auch an seinen Füßen war der Marsch nicht spurlos vorüber gegangen, doch Gracchus war nicht gekommen, um zu Klagen, er war gekommen, um einen Teil seines Gelübdes zu erfüllen. Er blieb kurz unter dem Tempelvordach stehen, atmete tief durch, bis sein Herz nicht mehr ganz so schnell klopfte und durchquerte dann zielgerichtet die Cella, bis er vor dem Bildnis des Iuppiters stand. Nachdem die Sklaven die Opfergaben abgestellt hatten, schickte sie Gracchus fort.
    Er selbst kniete nieder, bedeckte seinen Kopf mit einem Teil seines Mantels, senkte den Blick und öffnete die Arme mit den Handflächen nach Oben.
    "Iuppiter Optimus Maxmius, Vater der Götter, Herrscher des Himmels. Weil Du mir den Weg zurück in den Schoß meiner Familie gewiesen hast, deshalb sei geehrt durch diese Opfergaben, wie es dir zusteht. Diuppiter, ich bitte Dich, dass du mir weiterhin wohlgesonnen und gnädig seiest und mir verzeihst. Denn die Einlösung des Gelübdes, das ich einst tat, kann nicht geschehen, solange die Parzen mir den Weg in Deinen Dienst nicht frei geben. Doch sei geehrt durch diesen Kuchen, Iuppiter, sei geehrt durch den zu Boden gegossenen Wein und die Gabe, welche ich Dir schenken will. Sei meiner Dienste versichert, wiewohl sie nicht in Deinem Hause stattfinden, sei der Treue versichert, welche ich Dir einst in Achaia schwor."
    Während er die Worte sprach, vergoss Gracchus den Wein über dem Boden und brachte den Opferkuchen dar. Schlussendlich stellte er eine bronzene Statuette vor das Bildnis des Iuppiter, senkte wieder seinen Kopf und flüsterte.
    "Diuppiter, schenke mir weiterhin Deine Gunst und Deinen Segen, um die ich Dich bitte."

    Gracchus Lippen kräuselten sich zu einem feinen Lächeln.
    "Es freut mich, wenn du dich gut unterhalten fühlst. Dies soll immerhin nicht nur für Antonia und mich ein freudiger Tag sein."
    Zugegebenermaßen war die Bezeichnung des 'freudigen' Tages ein wenig übertrieben. Doch Aurelia als Patrizierin würde wissen, wie es gemeint war.
    "Du sagst, er wurde in die Gens aufgenommen, doch weder adoptiert, noch hat er eingeheiratet. Wie ist dies möglich?"
    Erneut ertappte sich Gracchus dabei, wie er einen großen Schluck trank. Normalerweise sprach er dem Wein nicht sonderlich zu, doch solchermaßen heikle Themen trockneten die Kehle unverhältnismäßig schnell aus.
    "Im Falle der Flavia vermutete ich anfangs einen geographischen Zusammenhang. Doch wäre Hispania der Dignitas abträglich, so müssten sich ähnliche Fälle auch bei anderen Familien zeigen. Jedoch war keinerlei Kongruenz zu finden. Der Familienzweig als Impetus fällt ebenfalls weg, wie du schon angedeutet hast, war Catus ein aufrichtiger Patrizier, so dass auch für diese Theorie kein Anlass gegeben ist. Was bleibt sind Spekulationen, doch diese sind nicht wirklich befriedigend."
    Über die Äußerungen zu seinem Lehrer konnte Gracchus nur verwundert die Augenbrauen heben.
    "Valerius war bei der Ala? Merkwürdig, müsste er dort doch gelernt haben zu strukturieren. Sein Unterricht indes scheint mir meist etwas desorganisiert. Amüsant und sympathisch ist er während des Unterrichtes nicht unbedingt, doch dies mag vermutlich daran liegen, dass wir Discipuli lange nicht so charmant und ansehnlich sind, wie du es bist."

    Gracchus bemerkte, dass er sie ein wenig in Verlegenheit gebracht haben zu schien.
    "Verzeih, diese Information lag mir nicht vor. Ich verstehe es jedoch sehr gut. Ich fürchte, die Negierung gewisser Familienverhältnisse ist leider unmöglich, doch das Verschweigen dieser sehr wohl. Wir Flavier haben... ähnlich verhängnisvolle Relationen, wie dir sicherlich bekannt ist."
    Augenscheinlich kam soetwas in den besten Familien vor. Als sie schließlich auf den Sacerdos zu sprechen kam, unterdrückte Gracchus ein Seufzen.
    "Richtig, Valerius Victor. Du kennst ihn?"
    Bevor er sich zu weiteren Äußerungen hinreißen lassen würde, würde er vorerst ihre Reaktion abwarten. Zwar konnte er sich kaum vorstellen, dass sie als Patrizierin große Stücke auf diesen Priester hielt, doch man konnte nie wissen.

    "Ich bin sicher, es wird eine sehr interessante Wahl werden. Der Sohn meines Vetters, Furianus, kandidiert ebenfalls für ein Quästorenamt. Außerdem hörte ich, dass sich noch zwei weitere Patrizier haben aufstellen lassen. Nun, dein Vater wird wohl einer davon sein. Dazu soll ein fähiger Mann zum Aedilis Curulis kandidieren. Mein Vetter hält große Stücke auf ihn."
    Er blickte Deandra einen Moment lang irritiert an, während er mit der Hand seine Unterlippe knetete.
    "Ist es möglich, dass in diesem Zusammenhang der Name Aurelius fiel? Oder trügt mich mein Gedächtnis nun?
    Er schüttelte den Kopf.
    "Wie dem auch sei, ich werde die Abschriften der Wahlreden noch gründlich studieren, bevor ich meine Stimme abgeben werde. Ich verlasse mich ungern nur auf Namen und Stände."
    Von einem vorbeieilenden Sklaven ließ Gracchus verdünnten Wein bringen. Der offizielle Teil samt seiner Ansprache war überstanden, nun würden nur noch lockere Gespräche folgen. Er trank einen Schluck und fuhr fort.
    "Mir scheint es, der Cultus Deorum befindet sich in einer festgefahrenen Situation. Das Collegium werkelt vor sich hin und die einzelnen Priesterschaften verwahrlosen. Ich wollte dem Kultus des Iuppiter beitreten, doch eine Ausbildung ist nur im Kultus des Mars möglich. Der Sacerdos, welcher dort mein Lehrer ist, ein gewisser Valerius, hat eine ganz... eigene Art."
    Gracchus würde es sich nie erlauben, in der Öffentlichkeit gegen seinen Lehrer zu sprechen, doch bei Valerius musste er sich sehr zurückhalten. Dieser war einfach zu sehr Plebejer, Gracchus konnte es nicht anders ausdrücken.

    Zitat

    Original von Aurelia Deandra
    Erstaunt blickte ich Gracchus an.


    Aufmerksam lauschte er ihren Erklärungen. Dass es um die Wahlen ging, erklärte, weshalb er nichts davon gehört hatte.
    "Die aktuelle Politik ist mitnichten ein langweiliges Thema. Ich bedaure um so mehr, dass mir die Zeit fehlte, um die Kandidaturen zu verfolgen. Selbst dazu, die Mitschriften meines Sklaven zu lesen, bin ich noch nicht gekommen. Doch immerhin ist deine Vermutung damit widerlegt, denn ich kannte deinen Vater nicht, bis du ihn erwähntest. Ob es sich für ihn nachteilig auf die Wahl auswirken wird, das mag ich nicht beurteilen, solange ich die Ereignisse der Rostra nicht genau kenne."
    Mit einem nachdenklichen Blick überlegte Gracchus, ob Furianus, der Sohn seines Vetters, wohl genaueres wissen würde. Immerhin hatte er selbst eine Rede gehalten und wüsste dahingehend sicher auch von den übrigen Kandidaten. Er würde ihn in den nächsten Tagen noch einmal darauf ansprechen.
    "Das Militär ist eine Welt für sich. Doch lass dir gesagt sein, im Cultus Deorum sieht es nicht besser aus, dort weiß auch der eine nicht, was der andere tut. Ich fürchte es ist diesertage nirgends anders im Imperium."

    Davon, dass sein Vetter direktes Ziel aufgebrachter Plebejer gewesen war, wusste Gracchus bis zu diesem Zeitpunkt nichts. Verwunderlich war es indes jedoch nicht.
    "Die Steuerbefreiung ist in der Tat ein heikles Thema, bei welchem die Gemüter gerade der einfachen Leute leicht zu erhitzen sind. Ich wusste jedoch nicht, dass es dabei sogar zu Ausschreitungen kam. O armes Rom, ein kreischender Depp und die Massen folgen ihm."
    Gracchus schüttelte bedauernd den Kopf und bemerkte das besorgte Konterfei seines Gegenübers.
    "Ich fürchte, ich bin nicht wirklich bewandert, was Neuigkeiten und Informationen der Stadt anbelangt. Weshalb Stadtgespräch? Wegen der Steuergeschichte?"

    Die Tempelweihe des neu erbauten Venustempels war nicht nur ein Ehrentag für die Göttin Venus, sondern auch ein freudiger Tag für die Bürger Roms. Wie oft hatte man in seinem Leben schon die Gelegenheit dazu, der Weihung eines Tempels beizuwohnen. So schloss sich auch Gracchus der Prozession an, einen kleinen Leinenbeutel mit Opferkuchen mitführend. Ein wenig Hilfe der Liebesgöttin würde seiner zukünftigen Ehe sicherlich nicht abträglich sein. War die Liebe auch keine Vorraussetzung dafür, sondern allellenfalls Beiwerk, so würde der Beistand der Göttin das Zusammenleben sicherlich erträglicher machen.

    Gracchus versuchte ein oder mehrere Gesichter mit dem Namen Aurelius zu verknüpfen, doch ihm wollte niemand einfallen. Dies war jedoch nicht weiter verwunderlich, es zeigte nur wieder einmal auf, dass Grachcus noch viel zu wenige Kontakte geknüpft hatte, seit er zurück in Rom war.
    "Ich bin zwar noch nicht lange wieder in Rom, doch dass mein Vetter außerordentlich oft Besuch von diversen Supplikanten erhält, ist mir bereits aufgefallen."
    Verwundert stellte er just in diesem Augenblick fest, dass die Diebe des silbernen Familiengeschirrs noch immer nicht gefasst waren. Bei Gelegenheit sollte Felix noch einmal bei den Cohortes Urbanae nachhorchen lassen.
    "Doch sag, in welcher Postition steht dein Vater?"

    Mittlerweile hatte Gracchus bereits seine zweite Wachstafel gefüllt. Vieles, was der Sacerdos erzählte, gehörte glücklicherweise zum normalen Opferablauf, welcher auch bei privaten Opfern zu beachten war. Daher brauchte er nur noch die Details zu notieren. Doch diese waren bereits sehr umfassend.
    "Wie oft sollte man ein Opfer wiederholen, wenn es missglückt? Wäre es sinnvoll, mehr als zwei mal von neuem zu beginnen?"

    Zitat

    Original von Aurelia Deandra
    "Gern geschehen", erwiderte ich auf ihre Worte, wartete dann aber erst einmal ab, wer der beiden mich nun als nächstes ansprechen würde. Mein Blick wanderte zwischen ihnen hin und her. Ich ahnte nicht, dass es sich um Vater und Tochter handelte.


    Gracchus hatte noch eben den Kopf geschüttelt um Antonia anzuzeigen, dass auch er die Gratulantin nicht kannte, da wandete sich diese wieder ihnen zu. Er entschied, den Moment zu nutzen, wer wusste schon, wie lange die Feude dieses Mal währen würde.
    "Auch ich danke dir für deine Wünsche. Da du uns aus den Gästen herausgefunden hast, nehme ich an, du kennst unsere Namen bereits. Claudia Antonia, meine Verlobte, und ich bin Manius Flavius Gracchus. Doch ich fürchte, wir hatten noch nicht das Vergnügen miteinander?"

    Berauscht von dem kleinen Beifall und der vielen Aufmerksamkeit winkte Gracchus seinen Sklaven herbei, welcher die donatio ante nuptias für ihn bereithielt. Vorsichtig ließ er sich ein Teil nach dem anderen anreichen und überreichte es Antonia, jeweils mit einer kleinen Erklärung.
    Zuerst lässt er den weichen, seidigen Stoff eines extravaganten Kleides in ihre zarten Hände gleiten.
    "Dieses Gewandungsstück habe ich eigens für dich aus Achaia holen lassen. Es stammt von dem bekannten Schneider - ein wahrer Künstler auf seinem Gebiet - Aiolos Artrides."
    Anschließend nahm Gracchus ein feines Geschmeide zur Hand. Es war eine Kette aus funkelnden Bernsteinen, welche von leuchtend gelbem Gold eingefasst waren.
    "Die edlen Steine dieser Kette stammen aus Regionen weit außerhalb unseres Imperiums. Doch obwohl sie von vielen Kennern als das Schönste auf der ganzen weiten Welt gerühmt werden, reichen sie nicht an deine strahlende Schönheit heran."
    Die letzte Gabe war eine kleine, marmorne Statue des nackten Gottes Mercurius. Sie wurde von zwei Sklaven herbeigetragen. Gracchus fand, der Reisehut des Gottes glich eher einem Huhn auf dem Kopf, doch irgendwie machte dies die Statue interessant.
    "Wegen deiner ganz besonderen Verbindung zu Mercurius schenke ich dir diese Statue, möge sie dir angenehme Träume bereiten."
    Er zwinkerte ihr verschwörerisch zu.

    Gracchus nickte, weniger um ihre Worte, als sich selbst zu bestätigen, und sorgte mit einem einfachen Wink dafür, dass die Musik aufhörte zu spielen. Ein Sklave eilte neben ihn und klatschte in die Hände um die allgemeine Aufmerksamkeit zu bekommen. Als er sicher war, dass sie gewährleistet war, verneigte er sich und trollte sich davon, die Aufmerksamkeit seinem Herrn überlassend. Dieser räusperte sich kurz und hob dann zu seiner kleinen Rede an.
    "Werte Gäste, Claudier, Flavier und Freunde unserer Gentes! Ich möchte euch zuallererst danken, dass ihr so zahlreich erschienen seid. Dies ist ein besonderer Tag, nicht nur für Claudia Antonia und mich, auch für unsere Familien, die durch diese Verbindung ein Stück näher zusammenrücken."
    Er nimmt den kleinen Beutel von seinem Gürtel und holt einen goldenen Ring daraus hervor. Anschließend nimmt er Antonias Hand.
    "Daher möchte ich dies auch nicht länger hinauszögern und die Verlobung mit einem goldenen Ring besiegeln, wie es seit jeher Sitte und Brauch ist. Und welche Worte würden hier besser passen, als jene, die schon Ovid schreib:
    O Ring, des schönsten Mädchens Hand
    Zu schmücken bist du abgesandt.
    Du rollst dahin im Siegeslauf,
    Sie nimmt dich als willkommne Last
    In Ihren Rosenfingern auf.
    So passe ihr, wie sie mir paßt."

    Und er streifte ihr den Ring über den Finger, ein Ring sie zu knechten und ewig zu binden. 8)

    "Aber nein, es ist alles bestens, Schwester."
    Er blickt sie beruhigend an.
    "Es ist ein einfach ein bedeutendes Ereignis in meinem Leben und ich kann nicht leugnen, dass der Gedanke daran nicht spurlos an mir vorrüber zieht. Ich frage mich natürlich was geschieht, wenn ich ihre Erwartungen nicht erfülle. Was geschieht, wenn ich meine Pflicht nicht erfüllen kann, wenn ich kein guter Ehegatte sein werde?"

    Immer mehr Gäste tauchten auf der Feier auf. Die Hälfte davon kannte Gracchus nicht. Die andere Hälfte kannte er kaum. Und seine Verlobte, die kannte er auch nicht. Er blickte zu seinem Leibsklaven Sciurus, welcher an der Seite des Raumes bei anderen Sklaven stand und neue Kannen mit Wein auftrug. Ihn kannte er bezeichnenderweise noch am besten. Wehmütig betrachtete Gracchus den Körper, der sich unter der Tunika abzeichnete, und von dem er jeden Zentimeter kannte. Er wandte sich Antonia zu und für einen kurzen Moment glitt sein Blick über ihren Körper. Zumindest hatte sie keine matronenhafte Figur, vielleicht könnte er sich sogar an sie gewöhnen.
    "Da meine Familie nun vollzählig und die Gäste zahlreich sind, würde ich unsere Verlobung nun gerne offiziell mit einer kleinen Rede bekannt geben, wenn es dir beliebt?"
    Natürlich wusste er, dass sie genauso wenig wie er eine Wahl hatte. Doch wenn der offizielle Teil erledigt war und sie alle Glückwünsche in Empfang genommen hatten, so würde vielleicht auch von ihnen die Anspannung etwas abfallen.

    Zitat

    Original von Claudia Antonia
    Das klingt mir in der Tat ein wenig.. sonderbar., erwidert sie schließlich stirnrunzelnd. Gibt es denn keine Iuppiterpriester, die neue Anwärter ausbilden können? Und - verzeih die Frage - wie soll man mit einem Marspriester als Ausbilder eines Tages dem Göttervater richtig dienen können?
    Ich? Nein, ich denke nicht, dass es angebracht wäre, wenn ich irgendwo als Untergebene, am Ende vielleicht noch als einfache Scriba eines Plebejers in einem Officium sitze.
    Erst jetzt bemerkt sie, dass ein neuer Gast an sie und ihren Verlobten herantritt..


    Zufrieden nickte Gracchus, als sie ihm eröffnete, dass sie selbst keiner bezahlten Betätigung nachging.
    "Frage nicht wie die Götter dies miteinander vereinbaren. Die Entscheidungen hier in Rom trifft das Collegium Pontificium, doch frage auch nicht, wie dieses die Zustände mit den Sitten vereinbart. Ich hoffe jedoch darauf, dass ich nach der Ausbildung als Discipulus recht bald in einen Tempel des Iuppiters wechseln kann."


    Zitat

    Marcus Vinicius Hungaricus


    Aus dem Augenwinkel heraus bemerkte Gracchus einen weiteren Gast. Als er sich ihm zuwandte, geriet einen Augenblick seine äußere Fassade aus der Fassung, denn es war kein geringerer als Vinicius Hungaricus, der Verlobte der Tiberia. Er wandte sich ihm lächelnd zu.
    "Vinicius, welch eine Freude."
    Gracchus bemerkte, dass er bald einen etwas stärkeren Wein brauchen würde, um dies alles zu überstehen. Die Aussichten wurden immer besser, doch die Frau an seiner Seite erinnerte ihn hartnäckig daran, dass es zukünftig nichts mehr als bloße Aussichten geben würde. Er winkte einen Sklaven herbei, welcher dem Senator ein Getränk brachte.

    Die Provinz war fürwahr kein geeignetes Thema für den Abend.
    "Wir haben keine Verwandtschaft in der Provinz."
    Seine Stimme klang emotionslos, doch es kostete ihn einiges an Mühe, den Missmut aus ihr herauszuhalten. Antonia jedoch konnte wahrlich nichts dafür, dass die hispanische Sonne einigen Flaviern zu lange auf den Kopf geschienen und ihnen Wahnsinn in ihren Geist eingebrannt hatte. So war er froh, als sie das Thema rasch wechselte.
    "Das ist richtig. Ich bin Discipulus Martialis, obwohl ich eigentlich in den Cultus des Iuppiter eintreten wollte. Doch der Cultus Deorum ist momentan etwas... desorganisiert. Gehst du selbst einer Tätigkeit nach?"
    Obwohl es eine Frau von ihrem Stand nicht nötig hatte, so war es dennoch in der letzten Zeit usus geworden, dass auch patrizische Frauen sich Betätigungsfelder suchten. Gracchus hätte diesen Umstand nicht gerade als sittenwidrig bezeichnet, unpassend fand er es jedoch allemal.