Beiträge von Iullus Helvetius Curio

    Es wurde Zeit. Fast eine Woche hatte sich Curio von Silvana und Alpina ans Bett fesseln lassen, hatte sich vor allem im gemeinsamen Familiencubiculum aufgehalten und auch angefangen, dort Fäste zu empfangen. Es ging ihm zwar deutlich gegen den Strich, dass er einige Amtskollegen dort empfangen musste, aber wenn er sich mit den energischen Blicken der starken Frau des Hauses konfrontiert sah, hätte er es einen Streit anlegen müssen - und dafür war er längst noch nicht ausreichend gewappnet. Stattdessen hatte er sich eingeredet, dass der medizinische Sachverstand Alpinas im Moment das Maß der Dinge war und hielt sich entspechend daran. Bis heute. Heute war sein dicker helvetischer Widderkopf sturer gewesen, als seine Frau und daher klopfte er nun an die Tür des Cubiculums an. Alleine war er jedoch nicht unterwegs. Auf dem erstaunlich langen Weg von seinem Schlafzimmer zum Gästecubiculum wurde er von Acanthos gestützt und der Helvetier musste sich eingestehen, dass er den Weg wahrscheinlich nicht alleine geschafft hätte. Immer noch machten ihm Schwindelattacken zu schaffen, weswegen er noch recht unsicher auf den Beinen war. Dennoch ließ er sich nicht nehmen, Malleus aufzusuchen. Er hätte es gerne viel früher getan, aber er hatte gehört, dass sich auch der Cohortenveteran erholen musste, und daher hatte Curio halt gewartet, bis heute.

    Obst und Gemüse waren schnell eingekauft, zumal Curio den Iulier auch zu jenen Ständen führte, an denen auch die Tempelverwalter des lokalen Cultus Deorum einkauften. Die Verkäufer kannten den Helvetier deswegen gut, zumal er oder einer seiner Discipuli regelmäßig Geld hierließ. Daher wollte es auch keiner der Händler riskieren, diese zahlungskräftigen und zuverlässigen Kunden zu verlieren, weshalb der Iulier auch tatsächlich gute Ware bekam. Allerdings konnte Curio dies nicht bloß auf den Cultus Deorum und seine Position in diesem schieben, denn natürlich war die Legion auch eine zahlungskräftige Kundin und soweit er wusste, war es der Praefectus Castrorum, sprich der Iulius, und sein Mitarbeiterstab, die den Einkauf für die Legion vornahmen.


    Als nächstes folgte nun der Kauf des Opferkuchens und wieder führte Curio, nebst ein bisschen Small Talk den Iulier zu einem Bäckerstand, an dem nicht nur Brot, sondern auch die Opferkuchen, mittelgroße Gebäckstücke, verkauft wurden.


    Ich weiß nicht, wie es in Rom ist, Praefectus, aber hier in Mogontiacum erkennt man einen guten Bäcker daran, dass er sich nicht scheut, die auch eine Kostprobe seiner Waren anzubieten.


    sagte Curio mit einem freundlichen Nicken und wandte sich dann dem Bäcker zu.


    Wann hast du den Opferkuchen hier gebacken?


    fragte er und der Bäcker antwortete, dass die Gebäckstücke am heutigen Morgen frisch gebacken worden waren. Ohne Umschweife reichte der der Händler seinen Kunden eine Tonschale, in der er ein oder zwei Opferkuchen zerbrochen hatte.

    Es war gut, wie es grade war und jetzt, wo sich Silvana wieder neben ihm auf dem Bett niederließ, war es sogar noch eine Spur besser. Er lebte noch, er hatte seine kleine Familie um sich, sein Sohn entwickelte sich prächtig und nun kam auch noch seine Frau dazu. Wäre sein Sohn nicht so interessiert in den Kopfverband, hätte Curio ihn auch auf seiner Brust gelassen, aber wenn zum ohnehin noch immer bestehenden Pochen, auch noch ein Stechen dazu kam, sobald Cornutus darauf herumtrommelte, ging das leider nicht. Das unzufriedene Quengeln seines Sohnes konnte Curio aber ab, ebenso wie Silvana die den Kleinen nun an sich nahm. Doch lang blieb er nicht dort, sondern fand nun plötzlich vielmehr Spaß daran, die Körper seiner Eltern hinauf- und wieder hinabzuklettern. Währenddessen griff Curio nun nach der Hand seiner Frau, drückte sie sanft und beugte sich dann ein Stück zu ihr hinüber.


    Ich liebe dich.


    sagte er leise und küsste sie zärtlich, musst sich dann aber wieder seinem Sohn widmen, der auf die Idee gekommen war, dass ja hinter dem Körper seines Vaters noch was anders zu finden war und nun gefährlich nah an die Bettkante krabbelt. Curio reagierte noch schnell genug, wobei seine Reaktion ebenso wie seine Sprache noch nicht auf dem Stand von vor dem Angriff war, und schon wurde Cornutus wieder unter die Arme gegriffen und zurück in die Kuhle zwischen seinen Eltern platziert.


    Ich weiß, du entdeckst gerne Neuland, Decimus, aber du musst ja nicht gleich alles auf einmal machen. Dafür hast du schließlich noch dein ganzes Leben Zeit.


    sprach er dabei mit einem Lächeln zu seinem Sohn, bevor er sich wieder Silvana zuwandte.


    Könntest du gleich bitte Alpina holen? Ich möchte mit ihr reden. Und wir müssen Acanthos bitten, dass er deinen Vater herholen lässt. Auch mit ihm gibt es noch einiges zu besprechen.

    Cornutus probierte viel aus, hatte er doch in den letzten Tagen komplett auf seinen Vater verzichten müssen und nun musste er wohl auch testen, ob bei Curio noch alles an seinem Platz war. Er zupfte an seiner Nase und seinem Kinn, der Blick des kleinen Helvetiers studierte die braunen Augen seines Vaters und Curio sah mal wieder, dass Cornutus die tiefblauen Augen seiner Mutter hatte. Besonderes Interesse entwickelte der Sohn für den weißen Verband, den Curio am Kopftuch und unbedarft wie der kleine Helvetier nunmal war, ließ er seine kleinen Hände zweimal darauf hinabfahren, um herauszufinden, was es war. Curio zuckte zusammen, sog die Luft scharf ein und zog Cornutus wieder hinab auf seine Brust.


    Vorsicht, Decimus, das tut mir weh.


    sagte Curio mit strengem Ton, was den Kleinen sogleich einhalten ließ. Doch langte währte die Ruhe nicht, den schon begann ein regelrechter Schwall undefinierbaren Gebrabbels, das Curio aber mit interessiertem Blick verfolgte.


    Da hast du aber viel erlebt, in de letzten Tagen.


    antwortete Curio wiederum mit einem Lächeln im Gesicht, erinnerte der Kleine ihn doch in diesem Moment an Silvana, die ja ebenso lebhaft war, wenn sie etwas zu berichten hatte - und nicht grade ein großes Geheimnis daraus machen wollte. Während Cornutus nun weiter brabbelte und Curios Hand sanft über den Rücken des des Kleinen streichelte, fiel sein Blick auf seine Frau, die mit einem Lächeln zu ihnen hinüberblickte. Eine kleine Träne rollte über ihre Wange und auch sie bekam nun ein liebevolles Lächeln zurück.


    So so.


    quittierte er nebenher die Worte seines Sohnes, der sich ja ohnehin grade nicht wirklich unterbrechen ließ, und klopfte neben sich auf die Bettdecke, dass Silvana dazukommen sollte. Ein bisschen eit wollte sich Curio grade einfach mit seiner Familie gönnen, bevor er sich damit begann, sich den Weg aus dem Bett hinaus zu bahnen.

    | Acanthos


    Der Makedone nickte bloß auf die Anweisungen des Ducciers, zumal es gut war, dass hier jemand die Führung übernahm.


    Wir werden dich informieren, sobald dein Schwiegersohn wach ist...


    sagte er, schob dann aber mit deutlicher Zerknirschung hinzu:


    - und ansprechbar.


    Er wollte sich gar nicht vorstellen, dass es anders sein konnte, aber es brachte ja auch nichts, den Pontifex herzurufen, wenn sein Herr zu einem brabbelnden Krüppel geworden wäre...

    Es war schon erstaunlich, wie heftig der Helvetier von seinen ewig langen Arbeitstagen nun praktisch aufs Nichtstun heruntergezogen wurde. Doch sein Körper schien das einfach so aufzunehmen und so geschah es, dass er nun plötzlich deutlich länger schlief und sein gewohnter Tagesrhytmus mit frühem Aufstehen, spätem Zubettgehen und viel zu wenig Schlaf vollkommen umgeworfen wurde. Daher bekam er auch nicht mit, wie Silvana am nächsten Morgen aus dem Bett kroch und das Zimmer verließ. Auch merkte er nicht, wie sie wieder zurückkam, einen kleinen Tisch herrichtete und schließlich den gemeinsamen Sohn mitbrachte. Erst das leise Brabbeln, gefolgt von den Bewegungen im Bett ließ Curio wach werden und auch er brauchte wieder einige Momente, bis er wusste wo er war. Als er dann aber den mütterlichen Blick seiner Frau sah, die auf Cornuts gerichtet waren, verstand er und ein Strahlen erschien auf seinem Gesicht. Es war eine schäne Überraschung am Morgen. Seine Lippen formten ein Danke in Richtung seiner Frau, doch schon streckte er die Hand zu seinem Sohn aus und strich ihm über die Wange.


    Guten Morgen, Decimus. Gut machst du das. Komm doch mal zum Papa.


    Lächelnd setzte er sich auf und beobachtete, wie Cornutus über die Bettdecke auf ihn zukrabbelte und half ihm auf dem letzten Stück, indem er ihn an der sanft an der Hüfte griff um auf seine Brust legte.


    Mama hat mir schon gesagt... dass du mich vermisst hast. Aber es.. ging nicht früher.


    sprach er nun mit dem kleinen und gab ihr einen Kuss auf die Stirn, während er das vergnügte Quietchen des Kindes hörte.

    Curio wollte jetzt nicht streiten. Er hätte es vielleicht getan, wenn sie sich mit ihrem germanischen Dickkopf, der dem helvetischen Dickkopf eigentlich in nichts nachstand, geweigert hätte, sich auch mal selbst auszuruhen, aber den Streit um sein Aufstehen konnte er genauso gut auf morgen verschieben. Dann aber würde er das Thema aufwärmen, schon aus Prinzip, weil er ja nicht bis zum Ende aller Tage hier im Bett liegen konnte. Es wollte ihm schon so gar nicht schmecken, dass hierdurch eine ganze Woche an Amtspflichten verlor, die sein Amtskollege wohl oder übel würde auffangen müssen. Denn arbeiten konnte er sicherlich noch nicht. Das Aufstehen würde er sich aber nicht nehmen lassen, auch wenn seine Frau ihn hier festband und damit doch am Ende nur seine derzeitige Hilflosigkeit ausnutzte.


    Aber jetzt konnte eh nichts tun. Seine Beine fühlten sich noch so ein bisschen an, als wenn sie ihm eh nicht gehorchen würden und daher genoss er nun einfach die Nähe zu Silvana, die ihn doch irgendwie zurückgeholt hatte, spürte ihren Kopf auf seiner Brust mit ihren wilden blonden Haaren. Und dann merkte er, wie sie langsam einschlief, wie ihr Atem ruhig und gleichmäßig wurde und ihre Hände sich entspannten. Er wollte gar nicht wissen, wie wenig sie zuletzt geschlafen hatte, doch dass sie todmüde war, zeigte sich schon daran, dass sie doch so schnell eingeschlafen war. Natürlich war so ein Bett - und dazu ihr Ehebett - deutlich bequemer als die Korbstühle, in denen man vielleicht ein Nickerchen halten, aber unmöglich eine ganze Nacht schlafen. Daher folgte nun ein Kuss auf ihre Stirn seiner Frau, bevor er nun selbst wieder die Augen schloss und merkte, wie auch er langsam in den Schlaf glitt.

    Tu das. Und halt mich auf dem Laufenden.


    sagte er lächelnd, bevor sein Blick zu dem Stapel an Briefen ging, der noch auf seinem Schreibtisch lag. Ein leises Seufzen entfuhr ihm, bevor er den Kopf schüttelte und wieder zu seiner Frau aufsah.


    Schluss für heute. Lass uns noch ein wenig ins Atrium gehen und dort den Tag ausklingen lassen. Und danach bringe ich dich noch ins Bett.


    schlug er mit einem Augenzwinkern fort. Wenn er schon nicht mit ihr das Bett teilen konnte, weil er sonst seines Sohnes wegen gar keinen Schlaf mehr finden würde, konnte er sich ja mal wenigsten eine Stunde Zeit für seine Frau nehmen, die ihn in den Amtszeiten ohnehin schon genug entbehren musste.

    | Acanthos


    Acanthos schüttelte auf die Frage des Ducciers den Kopf. Er hatte insgesamt nur sehr wenig von dem Angriff mitbekommen und Kaeso hatte ja auch alles erzählt, was er noch wusste.


    Es besteht jetzt noch die Frage, wie wir fortfahren sollen, Pontifex. Die Abriegelung des Hauses werde ich in jedem Fall noch bis morgen bestehen lassen. Aber allzu lange will ich die Bewohner des Hauses hier auch nicht einsperren.


    erklärte der Makedone und blickte nochmal zu dem Helvetier hinüber, der reglos auf dem Bett lag. Nur sein Atem ging regelmäßig und dieser war das wichtigste Zeichen dafür, dass er noch lebte. Doch selbst wenn er wieder aufwachte, stand in den Sternen, ob er je wieder der Alte wurde oder ob sein bisheriges Leben heute auf dem Forum sein Ende gefunden hatte.


    Sollen wir dich zudem informieren, sobald dein Klient aufwacht oder wird du von dir aus in den nächsten Tagen herkommen?

    Es hätte so ein guter Tag werden können. Vor und während seiner Amtszeit hatte er bereits au diesen Tag hingearbeitet, das es das erste Mal sein würde, dass er im Rahmen der von ihm selbst initiierten Berichtspflicht vor die Bürger der Stadt treten wollte. Doch nach dem Angriff hatte es zuletzt ernsthafte Überlegungen gegeben, die Rede weit nach hinten zu verschieben oder eine Möglichkeit zu finden, sie komplett ausfallen zu lassen. Curio hatte dies nicht gewollt, merkte aber nun, als er auf dem Forum war, wo die Sonne auf ihn hinabschien und die Blicke der Einwohner auf ihn gerichtet waren, wie ihm wieder die Knie weich wurden und langsam wieder die Kopfschmerzen in ihm aufstiegen, die ihn in den letzten Wochen zu unangenehm vertraut geworden worden. Noch am morgen hatte seine Frau ihm wieder die Minzpaste auf die Schläfen gestrichen, doch hatte dies nicht allzu lang angehalten. Doch gab es nun kein zurück. Dies hier würde nur zu einem größeren Skandal werden, wenn er sich zwar groß ankündigen ließe, dann aber wieder auf dem Fuß kehrtmachen würde.. Daher atmete er nun tief durch, versuchte über ein Austarieren seiner Knie einen festen Stand zu bekommen und begann schließlich mit lauter Stimme.


    Einwohner Mogontiacums!


    Er hielt einen Moment inne, bis sich noch mehr Blicke auf ihn richteten.


    Ich trete heute vor euch... als ehemaliger Aedil unserer Stadt, um euch Bericht zu erstatten... über das was ich in meiner vergangenen Amtszeit erreicht... habe. In meinem Wahlkampf habe ich euch einige Versprechen gemacht und in der Tat habe ich alle davon halten können, wie ihr gleich noch... sehen werdet.


    Erneut musste er atmen, denn seine Stimme war deutlich schwächer als gewohnt und die helle Sonne in seinem Gesicht ließ wenige kleine Blitze in seinem Gesichtsfeld entstehen, die ihn zusätzlich irritierten.


    Wie versprochen habe ich mich um die Renovierung der Kreuzungsschreine... gekümmert. Es ist mir zu einem Herzensanliegen geworden, diese zu pflegen. Und daher... habe ich insbesondere in den Vici Victoria Canabae und Navaliorum dafür gesorgt, dass die dortigen... Kreuzungsschreine renoviert werden. Auch in Zukunft... werde ich mich für die Kreuzungsschreine einsetzen, denn sie sind... eine Aushängeschild für unsere Stadt.


    Erstes Thema, erledigt. Doch kamen noch einige, wobei es nötig geworden war, auch einige parallel zu besprechen, um die Rede nicht zu lang werden zu lassen.


    Ebenso habe ich euch... versprochen, dass ich zwei Dekrete erarbeiten werden, die ich in den... Ordo decurionum einbringen werden und auch hier habe ich mein Versprechen gehalten. Die Marktordnung, mit der die... Verwaltung der Märkte der Stadt verwalten werden sollen... steht kurz vor ihrer Verabschiedung, die Hafenordnung wird noch diskutiert, doch bin ich auch hier... zuversichtlich, dass sie letztlich in Kraft treten wird.


    Immer wieder musste er kürzere Gedankenpausen einlegen, die seine Rede aber wahrscheinlich eher holprig werden ließen. Es war beleibe keine Glanzstunde der Rhetorik, die der Helvetier hier darbot.


    Weiterhin habe ich meine Pflicht als städtische Aufsichtsbeamter wahrgenommen und einen Kontrollbesuch der Thermen... durchgeführt. Gemeinsam mit dem Decurio Mallius Urbicus, den ihr alle als Experte für Fragen der Thermen... kennt. Ich freue mich, dass unsere Thermen in einem guten... Zustand sind und die kleineren notwendigen Reparaturen bald... ausgebessert werden.


    Innerlich ärgerte sich Curio darüber, dass er hier keine bessere Figur abgeben konnte, denn schließlich war dieser Auftritt eigentlich schon der Beginn seiner Vorbereitung für die nächsten Wahlkämpfe. Aber eine Alternative dazu gab es nicht, denn noch länger hatte er einfach nicht warten können, ohne die Gerüchte zur stärkeren Nachwirkungen noch zu befeuern.


    Viele von euch durfte ich auch in der regulären Sprechstunde... der Aedile kennenlernen und die meisten konnten beobachten, wie ich dort... das Alltagsgeschäft eines Aedils erledigte. Regelmäßig war ich dort... anzutreffen und war ansprechbar, für jene Bürger... der ein Anliegen hatten.


    Er musste schlucken, denn wieder spürte er, wie ihm die Knie weich wurden. Das konnte doch alles nicht wahr sein... Denn schließlich war es nicht unwahrscheinlich, dass sich auch noch Fragen ergaben.


    Zuletzt habe ich dafür gesorgt, dass die Vorgänge um die Überfälle auf Händler auf den südlichen... Handelsstraßen durch die Soldaten der Ala untersucht werden. Die Stadt hat das Glück, dass wir zugleich von zwei Militäreinheiten... beschützt werden, die dafür sorgen, dass die Sicherheit innerhalb der Stadt.. gewährleistet bleibt. Die tapferen Männe der Legion und der Ala arbeiten jeden Tag dafür, dass wir hier in der Stadt sich... sind und die Wege im Süden nun wieder... sicherer werden und dafür die verbrecherischen Machenschaften dort... mit alle Konsequenz verfolgt werden. Lasst uns also Vertrauen in die Soldaten haben, die sich jeden Tag darum bemühen, dass unsere Straßen sicherer werden. Ich jedenfalls vertraue ihnen und werde mich auch nicht davon abbringen lassen!


    Es war ein wenig flüssiger geworden, aber Curio merkte nun auch, dass ihm die Rede zu schaffen machte. Sie war zwar praktisch vorbei, aber wenn er an die kommende Fragezeit dachte, lief ihm ein kalter Schauer den Rücken hinab. Je nachdem, wie viele Fragen bestanden, konnte es sein, dass er hier noch lange stehen musste - und da musste sich zeigen, ob er dies durchstehen würde.


    Wie ihr seht... habe ich meine wichtigsten Wahlversprechen umgesetzt und zugleich auch die Alltagsgeschäft... erledigt. Ich hoffe, dass auch ihr euch durch mich vertreten gefühlt habt und bin dankbar, dass ich das Amt des Aedils in der vergangenen Amtszeit... wahrnehmen durfte.


    Das war es. Erneut musste er tief durchatmen und blickte dann in die Gesichter der umstehenden Bürger, darauf wartend, ob und welche Fragen gestellt wurden. Eine jedenfalls war fest eingeplant, hatte er doch den Angriff mit keinem Wort erwähnt.

    Curio hatte sich Zeit lassen und die einwöchige Frist komplett ausschöpfen müssen. Irgendwann war jedoch klar geworden, dass sich der Tag immer weiter näherte und so musste er damit beginnen, die Rede zu seinem Tätigkeitsbericht zu memorieren. Doch mit seinem angeschlagenen Gehirn und dem Problem, dass er erst seit kurzem wieder über einen längeren Zeitraum sein Bett verließ, war das längst nicht so einfach, wie es noch vor dem Angriff gewesen war. Dennoch: Er wollte und konnte nicht der Erste sein, der gegen die Berichtsregelung verstieß, die er selber auf den Weg gebracht hatte. Daher ließ er sich an diesem Morgen in eine neue Toga kleiden und machte sich dann um die Mittagszeit mit seiner ganzen Familie auf den Weg zum Forum. Es war sein erster öffentlicher Auftritt nach dem Angriff und daher wurden sie nicht nur von Bolanus und Roderiq begleitet, die vorangingen, sondern auch von sechs duccischen Knechten, die die kleine Gruppe zu den Seiten hin absicherten. Man ging auf Nummer Sicher und Curio war das nur zu recht - denn hier stand nicht nur sein eigenes, sondern auch das Leben seiner Frau, seines Sohnes und seiner Schwägerin auf dem Spiel.


    Auf dem Forum angekommen ließ er sich von Roderiq und Acanthos auf die Stufen der Curia begleiten, während Bolanus sich unter die Menge mischte und die sechs duccischen Knechte sich rund um seine Familie postierten. Allerdings merkte der Helvetier jetzt auch, dass ihm der sonst so kurze Weg von der Casa zum Forum bereits zu schaffen gemacht hatte. So ließ er sich von Acanthos eine Trinkflasche reichen, aus der er einige Schlucke nahm und sich dann bereit machte, seine Rede zu beginnen.

    Curio nickte auf die Aufforderung des Duumvir, winkte sich den protokollführenden Scriba heran und begann auch gleich damit, auf seiner Tabula Textteile herauszustreichen und hinzuzufügen. Nach einigen Augenblicken, in denen er die Tabula nochmal überflogen, nickte er, überreichte dem Scriba die Tabula und dieser überbrachte sie dem vorsitzenden Duumvir.


    DECRETUM DECURIONUM


    Edictum Mercatorum Mogontiacensis


    I. Definitionen
    Dieses Edikt ist eine Erweiterung des Lex Mercatus und übernimmt alle in ihr festgelegten Begriffsdefinitionen


    II. Betriebe
    (1) Jeder, der im Stadtgebiet von Mogontiacum einen Betrieb eröffnet, muss diesen vor der Inbetriebnahme bei der Stadtverwaltung anmelden.
    (2) Die Stadtverwaltung führt ein Verzeichnis der ordnungsgemäß angemeldeten Betriebe.
    (3) Nicht angemeldete Betriebe sind durch die Stadtverwaltung unverzüglich stillzuegen.


    III. Marktplätze
    (1) Hauptmarkt ist das Forum im Vicus Apollinensis. Zu diesem Hauptmarkt gehört auch die Basilica.
    (2) Vicinalmärkte bestehen auf den Marktplätzen der folgenden Vici: Vicus Navaliorum, Vicus Salutaris, Vicus Victoria, Vicus Novus, Vicus Britannicus und der Marktplatz in den Canabae Castellae.
    (3) Jeder Händler mit Wohnsitz in Mogontiacum kann auf diesen Märkten einen Marktstand betreiben und in der Basilica eine städtische Taberna mieten. Händler ohne Wohnsitz in Mogontiacum dürfen allein auf dem Forum Marktstände betreiben.
    (4) Der Aedil kann Händlern ohne Wohnsitz in Mogontiacum per Edikt das Betreiben von Markständen auch auf anderen Märkten des Municipiums gestatten.
    (5) Der Handel mit Vieh ist ausschließlich auf dem Forum gestattet. Hierzu wird das gesamte Forum an den Kalenden und den Iden jedes Monats ausschließlich für den Viehhandel genutzt.


    IV. Marktzeiten
    (1) Die Marktzeit erstreckt sich von der zweiten bis zur neunten Stunde.
    (2) Am Tag nach den Nundinae findet in der Basilica kein Markt statt. Die Duumviri können bei Bedarf jederzeit den Markt in der Basilica schließen, wenn sie dies neun Tage vorher bekanntgemacht haben.


    V. Größe der Marktstände
    (1) Jeder Marktstand darf eine Breite von höchstens 20 Fuß und eine Tiefe von höchstens zwölf Fuß haben.
    (2) Zwischen den Marktständen muss ein Durchgang von sieben Fuß und vor den Marktständen eine Gasse von 15 Fuß freigehalten werden.
    (3) Die Pferche auf dem Viehmarkt dürfen höchstens 40 Fuß im Geviert betragen. Dazwischen sind Gassen von 15 Fuß freizuhalten.


    VI. Gebühren
    (1) Für die Genehmigung eines Marktstandes wird eine Gebühr von fünf Sesterzen erhoben. Die Genehmigung gilt für drei Monate und zwar sowohl für die Vicinalmärkte als auch für den Hauptmarkt.
    (2) Der Pachtzins für eine städtische Taberna in der Basilika beträgt 40 Sesterzen pro Jahr. Eine Gebühr für die Genehmigung wird hierbei nicht erhoben.
    (3) Für Marktstände und Pferche des Bauern- und Viehmarkts werden keine Gebühren erhoben, sofern die Betreiber für die Reinigung der Flächen Sorge tragen. Andernfalls ist der Aedil berechtigt, eine Reinigungsgebühr zu erheben.


    VII. Sicherheit
    (1) Jeder Betreiber eines Marktstandes oder einer städtischen Taberna in der Basilica hat drei Eimer Wasser mit einem Mindestinhalt von jeweils zwei Congii vorzuhalten.
    (2) Während der Marktzeiten ist jeglicher Verkehr von Karren und Kutschen auf den Marktgeländen verboten.


    VIII. Verstöße
    (1) Verstöße gegen diese Marktordnung kann der Aedil mit einem Strafgeld von mindestens 20 Sesterzen und höchstens 200 Sesterzen ahnden.
    (2) Wiederholte Verstöße gegen diese Marktordnung kann der Aedil mit zeitlich befristeten oder unbefristeten Betriebsverboten von Ständen in der Basilika und auf den städtischen Märkten ahnden.
    (3) Gegen die Entscheidung des Aedils kann bei den Duumviri Widerspruch eingelegt werden.

    Curio wusste nicht, ob die Erinnerung an diesen einen Tag zurückkommen würden. Aber vielleicht hatte Silvana recht und es war gar nicht schlecht, dass er sich nicht erinnern konnte, denn dadurch blieb ihm auch erspart, darüber nachdenken zu müssen, was genau mit ihm passiert war und wie derjenige, der ihm das angetan hatte, schnell dingfest gemacht werden konnte. Als Silvana dann das Thema wechselte, brauchte Curio einige Augenblicke, um ihr zu folgen. Immer noch war sein Verstand nicht so schnell, wie er es vorher gewesen war und so musste der Helvetier erst die losen Enden zusammenführen, bevor er aus dem, was seine Frau da sagte, schlau wurde. Dann lächelte er aber auch, denn natürlich war es für den Kleinen wohl kaum verständlich, warum er auf seinen Vater verzichten musste.


    Ich würde mich freuen... wenn es morgen klappen würde. Ich wollte morgen... sowieso schauen... ob ich aufstehen kann.


    Aber soweit waren sie ja noch nicht. Stattdessen wich das väterlich-stolze Lächeln nun einem Schmunzeln, denn eigentlich gab es nun erstmal nicht mehr, was Silvana für ihn tun konnte.


    Und jetzt... kannst du mir... und übrigens auch dir selbst... einen Gefallen tun und... für ein paar Augenblicke... die Augen schließen. Du hast nun... lang genug für mich gewacht. Und wehe... du widersprichst.

    Etwa anderthalb Wochen nach dem Angriff auf den Helvetier überbrachte ein Bote die schriftliche Res Gestae des gewesenen Aedils. Damit war auch klar, dass Curio bestrebt war, bereits zweieinhalb Wochen nach dem Angriff auf das Forum zu treten, um seinen Tätigkeitsberich in einer Rede vorzustellen.


    RES GESTAE
    Aedilici Iulli Helvetii Curionis


    1. Renovierung der Kreuzungsschreine. (Nachweis)
    In meiner Amtszeit kümmerte ich mich um die Renovierung der Kreuzungsschreine im gesamten Stadtgebiet. Nachdem ich mich bereits in meiner Amtszeit als Magister Vici des Vicus Apollinensis für die Renovierung der Kreuzungsschreine eingesetzt habe, gehörte die Renovierung der Kreuzungsschreine im gesamten Stadtgebiet zu meinen wichtigsten Wahlversprechen. Dieses habe ich eingelöst und habe Kreuzungsschreine in den Vici Victoria, Canabae und Navaliorum renoviert.


    2. Initiierung einer Marktordnung (Nachweis)
    Ein weiteres Versprechen war die Initiierung einer Marktordnung für die Märkte der Stadt. Die Diskussion dazu dauerte länger als erwartet, doch bin ich zuversichtlich, dass mein Entwurf zeitnah durch die Mitglieder des Ordo decurionum ratifiziert wird.


    3. Initiierung einer Hafenordnung (Nachweis)
    Zum Ende meiner Amtszeit habe ich den Entwurf einer Hafenordnung bei einer Contio des Ordo decurionum vorgestellt. Die Diskussion dazu dauert an, wird allerdings auch noch andauern.


    4. Kontrollbesuch der Thermae Iuliani (Nachweis)
    Während meiner Amtszeit habe ich eine Kontrolle der städtischen Thermen vorgenommen. Hier zeigte sich, dass die Thermen insgesamt in einem sehr guten Zustand sind, allerdings auch bei kleineren Dingen Reparatur- und Erneuerungsbedarf besteht. Diese werde ich bei der nächsten Contio des Ordo decurionum, an der ich teilnehmen kann, vorbringen.


    5. Regelmäßige Durchführung der öffentlichen Sprechstunde (Nachweis)
    In der regelmäßigen Sprechstunde der Aedile habe ich gemeinsam mit meinem Amtskollegen Propertius regelmäßig Anlieger empfangen und mir dort die Sorgen und Anliegen der Einwohner anzuhören. Gleichzeitig habe ich dort aber auch Entscheidungen im Rahmen meiner Befugnisse getroffen, unter anderem Zulassungen und Einziehungen von Standgenehmigungen.


    6. Weitergabe von Informationen zur Verfolgung von Straftaten gegen Händler (Nachweis)
    Mittlerweile ist es in aller Munde, dass regelmäßig Händler auf den Handelsstraßen gen Süden angegriffen werden. Unmittelbar nachdem mir dies zugetragen wurde, habe ich selbstständig weitere Erkundigungen angestellt und zudem Kontakt mit dem Kommandanten der Ala II aufgenommen, damit sich seine Einheit diesem Problem annimmt. Seitdem ist die Ala II bestrebt, die Straßen Richtung Süden wieder sicher zu machen und von den Räuberbanden zu befreien.


    Dies sind jene Angelegenheiten, die ich in meiner vergangenen Amtszeit übernommen und teilweise beendet habe.


    Iullus Helvetius Curio
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    Iullus Helvetius Curio | Casa Helvetia | Mogontiacum


    Curio hielt sich zurück, doch ruhten seine Augen auf den angebotenen Statuetten und und bedachte die Preisvorstellung des Händlers mit einem kritischen Blick. Dieser korrigierte den Preis dann noch ein wenig hinunter und schließlich nickte Curio, bevor der Iulier die Statuette an sich nahm und sie nun hinüber zum Obststand gingen.


    Eigentlich hat Apollo keine Lieblingsfrüchte. Er ist da ziemlich genügsam, doch sollten die Früchte frisch und nicht wurmstichig sein.


    erklärte der Helvetier und führte den Iulier zu einem Stand mit frischen Früchten und Birnen. Auch hier erklärte er kurz, um was es ging und schon reichte die Verkäuferin einige Äpfel an den den Iulier, die dieser nun prüfen konnte.

    Da eine Woche nach dem Ende der Amtszeit immer noch nicht wirklich arbeitsfähig war, arbeitete Acanthos alleine an der Res Gestae Curios. Spätestens in einer Woche müsste der Helvetier allerdings aufs Forum und seinen Tätigkeitsbericht selbst vorstellen.


    RES GESTAE
    Aedilici Iulli Helvetii Curionis


    1. Renovierung der Kreuzungsschreine. (Nachweis)
    In meiner Amtszeit kümmerte ich mich um die Renovierung der Kreuzungsschreine im gesamten Stadtgebiet. Nachdem ich bereits in meiner Amtszeit als Magister Vici des Vicus Apollinensis für die Renovierung der Kreuzungsschreine eingesetzt habe, gehörte die Renovierung der Kreuzungsschreine im gesamten Stadtgebiet zu meinen wichtigsten Wahlversprechen. Dieses habe ich eingelöst und habe Kreuzungsschreine in den Vici Victoria, Canabae und Navaliorum renoviert.


    2. Initiierung einer Marktordnung (Nachweis)
    Ein weiteres Versprechen war die Initiierung einer Marktordnung für die Märkte der Stadt. Die Diskussion dazu dauerte länger als erwartet, doch bin ich zuversichtlich, dass mein Entwurf zeitnah durch die Mitglieder des Ordo decurionum ratifiziert wird.


    3. Initiierung einer Hafenordnung (Nachweis)
    Zum Ende meiner Amtszeit habe ich den Entwurf einer Hafenordnung bei einer Contio des Ordo decurionum vorgestellt. Dies Diskussion dazu dauert an, wird allerdings auch noch andauern.


    4. Kontrollbesuch der Thermae Iuliani (Nachweis)
    Während meiner Amtszeit habe ich einen Kontrolle der städtischen Thermen vorgenommen. Hier zeigte sich, dass die Thermen insgesamt in einem sehr guten Zustand sind, allerdings auch bei kleineren Dingen Reparatur- und Erneuerungsbedarf besteht. Diese werde ich bei der nächsten Contio des Ordo decurionum, an der ich teilnehmen kann, vorbringen.


    5. Regelmäßige Durchführung der öffentlichen Sprechstunde (Nachweis)
    In der regelmäßigen Sprechstunde der Aedile habe ich gemeinsam mit meinem Amtskollegen Propertius regelmäßig teilgenommen und mich dort der Sorgen der Einwohner angenommen. Gleichzeitig habe ich dort aber auch Entscheidungen im Rahmen meiner Befugnisse getroffen, unter anderem Zulassungen und Einziehungen von Standgenehmigungen.


    6. Weitergabe von Informationen zur Verfolgung von Straftaten gegen Händler (Nachweis)
    Mittlerweile ist es in aller Munde, dass regelmäßig Händler auf den Handelsstraßen gen Süden angegriffen werden. Unmittelbar nachdem wir dies zugetragen wurde, habe ich selbstständig weitere Erkundigungen angestellt und zudem Kontakt mit dem Kommandanten der Ala II aufgenommen, damit sich seine Einheit diesem Problem annimmt. Seitdem ist die Ala II bestrebt, die Straßen Richtung Süden wieder sicher zu machen und von den Räuberbanden zu befreien.


    Dies sind jene Angelegenheiten, die ich in meiner vergangenen Amtszeit übernommen und teilweise beendet habe.


    Iullus Helvetius Curio
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