Beiträge von Luna

    Der alte Veteran nickte. „Ich werde es dem Tiberius ausrichten.“ Dann ließ er noch zwei Münzen in die Hand des Boten fallen. „Vielen Dank für die Botschaft und übermittele dem Senator, dass der Tiberius morgen erscheinen wird.“ Ja der Caudex war nicht im Haus, aber hatte genaue Anweisungen hinterlassen, falls ein Bote des Purgitius erscheinen sollte.

    Wie immer schon einer der Veteranen hier Dienst an der Tür. So wurde nun der Bursche begrüßt. "Salve du bist hier am Haus der Tiberii, was ist dein Begehr?“

    Luna lachte leise. „Ja, aber es läuft ein klein wenig anders. Er sagt, wann du gehen kannst. Ich richte mich da ganz nach deinem Dominus.“ Sagte die Germanin zwinkernd und verwandt in Richtung Haus.

    "Ja ich weiß, das es recht anstrengend ist, deshalb machen wir für heute auch Schluss. Wir werde uns jetzt jeden tag für zwei Stunden treffen und an deine Fähigkeiten arbeiten. Ich denken du wirst nicht lange brauchen. Du lernst schnell. Ich nehme mal an rechnen kannst du? Wir werden morgen auf den Markt gehen, Da können wir das gleich praktisch üben." Sagte Luna. Ja für heute sollte es genug sein. Schließlich wollte sie Adria auch nicht überfordern. "Wenn du noch etwas lesen möchtest, kann Caudex dir einfach Text geben. Und morgen üben wir praktisch, das ist nicht so trocken. mal sehen, ob du die Beschilderung der einzelnen Geschäfte lesen und verstehen kannst." Luna erhob sich und ging zurück zum Haus. "Du kannst gern noch etwas hier bleiben. Fenrir freut sich bestimmt über Gesellschaft. Nicht wahr mein Großer?" Luna wuschelte dem Wolf einmal über den Kopf und erneutet ein zufriedenes Brummeln dafür. Dann nickte sie Adria noch mallächelnd zu. "Ich denke du wirst deinen Dominus bald tatkräftig bei seiner Arbeit unterstützen können."

    Luna sah, das due Kleien sich recht geschickt anstellte und gab ihr einen kleine Text zu lesen. „Hier versuch mal ihn zu lesen.“

    „Est igitur res publica res populi, populus autem non omnis hominum coetus quoquo modo congregatus, sed coetus multitudinis iuris consensu et utilitatis communione sociatus“*


    Dann legte sie der jungen Frau die Hand auf die Schulter. „Du kannst ihm danken, dafür das er dir eine Aufgabe gestellt hat an der du wachsen kannst. Eine Aufgabe die Stärke und Größe erfordert.“ Sagte sie mit einem milden Lächeln.




    *„Der Staat ist also die Sache des Volkes; das Volk aber ist nicht jede Vereinigung von Menschen, welche auf irgendeine Weise geschlossen wurde, sondern es ist diejenige Vereinigung einer Menschenmenge, welche basierend auf ihrer Übereinstimmung in den Rechtsvorstellungen und auf ihrer Gemeinsamkeit des Vereinigungsnutzens zusammengeschlossen wurde.“

    Luna ließ die jungen Frau reden. „Ich habe dich schon beim ersten Mal verstanden.“ Sagte sie ruhig. „Ich denke nur du hast mich etwas missverstanden. Hör auf dir seinen Kopf zu zerbrechen. Kommst du mit der Situation klar. Gut, dann nimm sie an. Und Adria. Du tust ihm gut. Ich kennen ihn bevor er dich kennengelernt hat. Glaub mir wenn ich sage, dass du ihm gut tust.“ Luna fing plötzlich an zu lachen. „Es ist wohl was wahres dran, das die Tiberii ein komische Wirkung auf Germanen haben, aber weißt du ich glaube das beruht auf Gegenseitigkeit. Ich bin mir fast sicher, dass die ohne uns nicht mal unfallfrei vor die Tür kommen, also zumindest Verus schafft es mit Anlauf in jeden Fettnapf zu hüpfen, der sich ihm bietet.“ Sie kicherte immer noch. „Und Caudex, der kann etwas Temperament vertragen, ganz sicher, bevor du hier warst, hatte er den Charme eines Felsens. Also Mädchen glaub mir, die brauchen uns mindestens genau so wie wir sie.“

    Luna schüttelte vehement den Kopf. "Nein das wäre ganz und gar nicht gut!" Stellte sie bestimmt fest. "Du bist stark genug um das durchzustehen. Ich weiß, das es schwer ist im Schatten zu leben. Aber es kann auch genau so schwer sein im Licht zu stehen. Du musst dich entscheiden was du willst? Willst du ihn? Wenn ja dann Mädchen dann kämpfe darum. Uns wird im Leben nichts geschenkt." Sagte Luna und sah sie nun auch ihren so unglaublich dunklen Augen an. "Ich hätte auch den einfach weg wählen können. Dann wäre ich in den Wäldern in Germanien geblieben. Ich habe mich jedoch bewusst für den schweren Weg entschiede und das obwohl ich wusste, was mir als Kriegsgefangene bevorsteht. Die Götter haben uns eine Aufgabe gestellt um unsere Stärke zu testen. Nun Adria ist es an dir zu entscheiden ob du stark oder schwach bist. Natürlich wird er dich nicht zur Frau nehmen können. Und? Ist dass denn so wichtig? Ja er wird eine Ehefrau haben? Und? Bei wem wird er wohl mehr Zeit verbringen? Römer sind da übrigens komisch, eine Ehe mit einer Sklavin ist verpönt. Aber eine Sklavin als Geliebte ist durchaus gesellschaftlich anerkannt. Es gab schon Kaiser, die mit ihrer Geliebten übers Forum spaziert sind. Du musst dich entscheiden was du willst. Willst du einen Mann der dich lieb? Oder einen Ehemann? Willst du eine leichtes oder ein erfülltes Leben? Es fliegt einem im Leben nicht immer alles in den Schoss, für wahres Glück muss man kämpfen. Und wer wenn nicht wir Germaninnen versteht es zu kämpfen?"

    Luna sah Adria lange nachdenklich an. „Nun ich war nie jemand, der gern im Mittelpunk stand. Ich habe mich ja genau aus diesem Grund in die Wälder zurückgezogen und allein gelebt. Ich kam nur, wenn man mich um Rat gebeten hat oder meine Fähigkeiten benötigt wurden. Ich habe also schon immer im Schatten gelebt wie du es sagt.“ Sie nahm die Wachstafel und schreib einige Worte darauf während sie weitersprach.



    Aulus Tiberius Verus
    Nero Tiberius Caudex
    Tiberia Corvina
    Salve
    Vale
    Dominus
    Domina
    Servus
    Serva
    Culina
    Balneum
    Triclinum
    Cubiculum
    Atrium
    Officium


    „Ich habe es vielleicht auch etwas einfacher in der Beziehung. Verus will keine politische Karriere machen, er muss also nicht heiraten. Ich konnte ihm ausreden, dass er mich heiratet. Das wäre nicht gut für die Familie und auch nicht für deinen Dominus. Es würde immer auch auf ihn zurückfallen. Immerhin wurde ich durch Verus öffentlich versklavt und gebrandmarkt. Also egal was ich tue würde, man würde mich immer als Sklavin erkennen. Und außerdem gibt es auch hier im Rom gesellschaftliche Schranken, die man nicht mal eben so wegwischt, ohne dem Ansehen zu schaden.“


    Sie reichte der jungen Frau die Tabula. „Versuch mal ob du die Worte lesen kannst.“

    „Sehr gut.“ Sagte die Germanin. Sie wischte das Wort weg und malte nun das gesamte Alphabet drauf und erklärte Adria jeden einzelnen Buchstaben. Dann reichte sie ihr die Tabula. „Die wirst du jetzt üben. Schreibe sie auf und lerne sie zu schreiben und zu lesen. Und ganz unten schreibst du deinen Namen A D R I A“


    A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z



    Die Frage kam für Luna etwas überraschend. Aber sie nickte und sagte „Ja das tue ich von ganzen Herzen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich nicht alles für ihn aufgegeben. Meine Freiheit, mein altes Leben....alles eben. Ich habe mich für ihn entschieden aus Liebe."

    Luna lächelte. „Nun ich dneke das Fenrir wohl keinen zweite Wolf in seinem Revier tolerieren würde. Aber du kannst natürlich gern herkommen und ihn jederzeit besuchen. Er genießt Aufmerksamkeit.“ Sagte sie, dann reichte sie der jungen Germanin die Wachstafel, daraf stand


    Lupus


    „Schreib es nach. Wolf – Lupus.“

    „Oh so weit aus dem Norden?“ Sagte sie etwas entsetzt. „Ich wurde im Süden geboren, als Sklavin.“ Sagte sie und betrat mit Adria zusammen den Wildgarten. „Meine Eltern flohen, als ich 8 oder 9 war in Richtung Norden. Sie ließen mich zurück um mich in Sicherheit zu wissen. Später habe ich mich im Gebiet der Chatten niedergelassen.“ Fasste sie recht kurz ihr bisherigen Leben zusammen. „Ich fand Verus dort – nun ja jetzt bin ich hier.“
    Luna atmete den Duft der Wildkräuter ein, der einem hier entgegenschlug, Sie breitete die Arme aus. „Hach ich bin so gern hier.“ Dann sah sie wieder lächelnd zu Adria. „Die Runenschrift beherrscht sehr gut, dass ist zumindest schon mal einen Grundlage.“
    Ein Rascheln war zu hören. Das Knacken von Ästen. „Ach... hätte ich beinahe vergessen. Dort ist ein guter Freund von mir. Fenrir.“ Luna zeigte in die Richtung aus der das Rascheln kam. Ein großer weißer Wolf kam hinter den hüfthohen Kräutern und Gräsern zum Vorschein. Er blieb stehen du besah sich die Fremde neugierig. „Komm her Großer.“ Sagte Luna und schon trabte der große weiße Wolf heran. Luna kniete sich hin und fiel den Wolf um den Hals. „Na mein Großer. Alles gut. Ja du hast mich vermisst. Ja ich bring dir nachher frisches Fleisch. Aber erst mal möchte Adria vorstellen. Auf sie muss du jetzt auch aufpassen hörst du.“ Der Wolf hob den Kopf und starrrte die neue Frau an. Dann legte er den Kopf auf die Seite und ließ ein leise Jaulen hören. „Ach du alter Schwerenöter, du willst doch nur noch mehr Streicheleinheiten.“ Lachte Luna. „Na dann los hol sie dir.“ Schon trabte der Wolf langsam auf Adria zu kuschelte sich an ihre Beine und sah mit einem Blick, der nichts anderes sagte als 'streichel mich' zu ihr hoch.

    Luna lächelte die jungen Frau an. „Adria, schön das wir uns endlich mal kennenlernen. Caudex scheint dich ja sehr zu fordern, so selten wie man dich im Haus sieht.“ sagte Luna und zwinkerte Adria zu. Ja Luna merkte die Beklommenheit der jungen Frau und versuchte ihr diese zu nehmen. „Wie ich hören möchtest du lesen und schreiben lernen. Die lateinische Sprache sprichst du ja schon recht gut, wie man hört.“ Sagte Luna um dann auch gleich weiter zu fragen. „Kannst du schon etwas schreiben? Runenschrift oder was anderes?“ Luna harkte sich bei der jungen Frau unter und ging mit ihr zur kleinen Verbindungstür, welchen vom Haus in den großen Wildgarten führte. „Woher stammst du genau?“ Es gab ja so so viel unterschiedliche Stämme und Luna wollte halt wissen wo sie die jungen Frau einordnen konnte.

    Seit ein paar Tage war sie nun wieder im Haus und hatte sich trotz ihrer Freilassung* schnell in ihre neue alte Rolle eingefügt. Sie kümmerte sich nun neben der Organisation des Haushaltes auch noch um den kleinen Sohn von Verus. Sie war seine Amme – zumindest war sie das offiziell. Natürlich war sie seine Mutter, dennoch versuchte sie die Bindung nicht so eng werden zu lasen. Sie wusste sehr wohl, das Verus das Kind legitimieren wollte und spätestens dann wäre das Kind vollkommen das seine.
    Der Kleine schlief friedlich in seiner Wiege und so konnte Luna sich nun auch der neuen Aufgabe widmen.
    Caudex hatte sie gebeten Adria seien Sklavin zu unterrichten. Ja sie hatte schon gehört, das die Beiden wohl ein besonderes Verhältnis hatten. Obwohl sich wohl kaum einer hier im Haus einen Reim darauf machen konnte. Der junge Tiberius gab sich immer kühl, distanziert und nun ja .. er war nicht gerade das was man im allgemeinen als angenehmen Zeitgenossen bezeichnete.
    Luna jedoch hatte schon früh gesehen, das er nur eine Fassade vor sich hertrug und seit dem Gespräch der Geschwister wusste sie was hinter der Fassade steckte.
    Ihr war er aber immer mit dem nötigen Respekt begegnet, von daher hatte sie nie wirklich ein Problem mit ihm gehabt, weshalb sie sich natürlich gern bereit erklärt hatte Adria zu unterrichten. Sie hatte der Sklavin ausrichten lassen, dass sie eine Wachstafel mit in den Garten bringen sollte. Der Tag war einfach zu schön um ihn im Haus zu verbringen. Nun ging sie also durch den Garten, der sich direkt in der Villa befand, genoss die Ruhe hier und wartete auf Adria.



    Sim-Off:

    *wird gerade ausgespielt

    Eigentlich hatte Luna Verus überraschen wollen. Sie hatte es ohne ihn einfach nicht ausgehalten und war nur kurz nach ihm nach Rom aufgebrochen. Die Villa hatte sie durch den Seiteneingang betreten. Man hatte ihr schon berichtet, das im Haus dicke Luft herrschte. Sie hatte also die ganze Zeit hier in der kleine Nebentür gestanden und hatte alles mit angehört. Sie hatte alles gehört und ihr rannen die Tränen über die Wangen. Stumm ging sie nun in den Raum, nickte allen Anwesend zu ging zur Tür und verschloss dieses von Innen. Kurz lehnte sie mit der Stirn an der Tür und atmete einmal tief durch bevor sie sich umdrehte.
    „Niemand wird dieses Haus verlassen.“ Sagte sie in den Raum hinein. Sie ging zu Verus und nahm ihr diesen unsäglichen Stock und legte ihn auf den Tisch. „Niemand wird dieses Haus verlassen.“ Bekräftigte sie noch einmal ihre Worte. Sie blickte von einem zum anderen. Was sie gerade gehört hatte erklärte vieles. Es erklärte zumindest, warum jeder der hier anwesenden Tiberii seine eigenen Dämonen hatte.
    „Habt ihr eigentlich alle den Verstand verloren?“ Fragte sie rhetorisch keine Antwort erwartend. „Ihr seid eine Familie.. bei den Götter ich wünschte mir ich hätte noch eine und ihr wollt das was ihr habt einfach wegwerfen?“ Sie schüttelte mit dem Kopf und war nun wohl eher Idun und nicht Luna. „In euren Ader fließt das gleichen Blut. Den Kern einer Gesellschaft bildete immer die Familie. Ihr gegenüber sind alle Mitglieder zur vollen Loyalität verpflichtet. Du Verus als das Oberhaupt hast die Aufgabe die gesamte Familie zu schützen.“ Begann sie ihren Vortrag. Wenn den hier Anwesend nicht klar war, was Familie bedeutete, dann musste sie ihnen das wohl klar machen.
    Sie ging kurz zu Corvina und Caudex. Legte ihnen jeweils eine Hand auf den Arm, bevor sie sich umdrehte und sich kniend vor Verus niederließ. Sie nahm seine Hände in die ihren. „Sieh mich an.“ Forderte sie bevor sie weitersprach. „Kannst du es nicht sehen?“ Sie deutete mit einem Kopfnicken zu den beiden Geschwistern. „Kannst du es wirklich nicht sehen?“ Lunas Augen füllen sich mit Tränen. Vor ihr saß der Vater ihres Sohnes und er war nicht fähig zu sehen, dass seine Geschwister förmlich nach dem großen Bruder schrien? „Einst lernte ich eine Verus kennen, der hätte es gesehen. Der wäre zu seiner Schwester und seinem Bruder gegangen und hätte sie in die Arme geschlossen.“ Sagte sie und wieder liefen stumme Tränen über ihre Wange. „Ich hätte jene Mann wohl lieber in den germanischen Wälder verstecken müssen.“ Sagte sie traurig. „Ich weiß das es in dir ist und tief in dir weißt du das auch. Tief in dir hast du dein Herz verborgen. Dein Herz was gerade zerspringen muss Angesichts dessen was dein Bruder dir gerade offenbart hat. Sieh ihn dir an. Verus sieh ihn dir an!“ Forderte sie und drehte seine Kopf in Caudex's Richtung. „Kannst du es wirklich nicht sehen? Was siehst du? Ich sehe einen kleinen Jungen, der sich hilfesuchend nach seinem großen Bruder umsieht. Was jedoch siehst du? Siehst du wirklich einen Rekruten, der nicht funktioniert, der diszipliniert werden muss? Aus Liebe?“ Luna atmete tief durch. „Ich sehe einen kleinen Jungen und einen gereiften Mann, der dennoch seinen Bruder braucht. Ich sehe eine kleine Schwester die die Hand des einen Bruder hält und ihre andere nach dem großen ausstreckt. Sie suchen beide nach dir. Kannst du das wirklich nicht sehen?“ Luna erhob sich. Ihren Pupillen waren geweitet, so das ihre Augen vollkommen schwarz schienen. Sie nahm die beiden Geschwister bei der Hand und dirigierte sie sanft zu Verus. Caudex's Hand wurde in den rechte Hand von Verus und Corvina's in die Linke gelegt. „Wenn du es nicht sehen kannst, dann spüre es, kannst du es spüren? Ich weiß, dass tief in dir drin immer noch ein guter ein mitfühlender Teil übrig ist. Lass ihn jetzt raus oder verliere alles. Ja Verus wenn du so weiter machst verlierst du jegliche Familie die du hast. Du verlierst und hat dann nur noch deine schwarze Familie jene Familie die dich innerlich tötet. Was willst du Verus? Willst du leben? Odfr willst du sterben? Willst du jegliche Gefühle in dir töten? Willst du wieder einmal davon laufen? Ja du läufst davon schon dein ganzes Leben tust du das. Halt endlich an und stell dich. Stell dich deiner Aufgabe und sei das Oberhaupt dieser Familie.“
    Luna trat einen Schritt zurück und ließ den drei Geschwistern somit den nötigen Raum. Sie sollten begreifen, dass sie der Kern dieser Familie waren.

    Der Medicus schaute etwas betrübt drein bei der Frage. „Nun .. ähm... den Umständen entsprechend.“ Sagte er und druckste herum Eine Sklavin, die bei der Geburt anwesend war konnte jedoch nicht an sich halten. „Ihr geht’s beschissen.“ Platze sie heraus. „Sie ist vollkommen entkräftet und die letzte Kraft raubte es ihr wohl, das Kind nicht mal anzunehmen. Sie wollte es nicht mal sehen. Sie hat sich weggedreht und gesagt es ist dein Kind. Nicht das ihre.“ Die Sklavin schüttelte immer noch den Kopf.
    „Ja sie hat uns regelrecht rausgeworfen. Ihre genauen Worte waren. Schafft ihn hier raus, er ist der Sohn von Verus nicht der meine. Ich will ihn nicht sehen. Als der Arzt gegangen war und sie dachte dass sie allein war fing sie fürchterlich an zu weinen. Dominus ihr geht es beschissen, keine Mutter gibt gern ihr Kind her.“ Sagte die Sklavin in deren Augen nun auch Tränen glitzerten. „Sie sagte mir schon vor Tagen, dass sie keinen Sklaven zur Welt bringen wird. Geh bitte zu ihr Dominus und sag ihr, dass es dein Sohn ist, dass du ihn anerkannt hast.“


    Luna lag unterdessen in dem Zimmer in welchem sie gerade das Kind zur Welt gebracht hat. Sie fühlte sich leer so unglaublich leer. Die Schreie des Neugeborenen hatte ihr fast der Herz zerrissen wie gern hätte sie ihn in ihre Arme geschlossen, aber sie konnte es nicht. Sie konnte dieses Kind nicht als das ihre ansehen, dann würde sie ihn zum Sklaven verurteilen. So blieb ihr die Hoffnung, das Verus ihn als seinen Sohn annehmen würde. Sie wusste, dass er genau das tun würde. Wenn auch nur noch ein Funken von dem Verus in ihm war, den sie in Germanien kennengelernt hatte, dann würde er ihn annehmen.
    Rom hatte ihn verändert. Er war ihr fremd geworden. Nur ab und an blitze noch jener Verus durch den sie liebte. Aber zumeist war er auch für Luna nur noch ein Fremder. Er verschloss sich, er versteckte sich. Er war ganz und gar nicht mehr er selbst. Er ging in seiner Aufgabe auf und verlor sich darin. Wie oft hatte sie sich dabei ertappt, dass sie ihn sagen wollte, dass er um seine Einlassung bitten sollte. Aber jedes Mal wenn sie mit ihm reden wollte, hielt irgendetwas sie davon ab. Sie hatte tatenlos zugesehen wie er immer weiter unterging. Doch dieses Kind war eine Hoffnung. Dieser Sohn würde vielleicht der Ankern sein, den er brauchte um aus dem ganzen Sumpf in welchen er sich verstrickt hatte herauszukommen.. wenn ja wenn er ihn annehmen würde.
    Immer noch flossen Tränen aus ihren müden erschöpften Augen. Sie starrrte die Decke des Zimmers an und fühlte sich so unglaublich leer...

    „Verus.“ Kam es schwach über ihre Lippen und Tränen rollten über ihren Wangen. Luna war immer noch ganz gefangen von den Bilder, die sie im Traum heimgesucht haben. „Du lebst?“ Fragte sie leise ungläubig. „Hel sie will dich und unseren Sohn.. sie.. sie will euch zu sich holen.“ fing Luna stockend an zu erzählen und zerrte dabei an ihren Fesseln, was den Arzthelfer auf den Plan brachte. Er flößte Luna etwas ein, was sie innerhalb kurzer Zeit wieder einschlafen ließ. „Sie darf sich nicht aufregen und muss still liegen. Sonst verliert sie ihr Kind.“ Nun half er dem Tiberius wieder auf sein Lager. „Und du solltest dich auch nicht zu sehr anstrengen. Ich bin für euch beide verantwortlich, der Medicus und auch ein Tribun der Prätorianer haben mir beide gedroht, das sie mich einen Kopf kürzer machen, wenn einem von euch beiden was passiert. Und ich hänge an meinem Kopf, deswegen Tirberius bestehe ich darauf, dass du auch noch weiter auf deinem Lager beliebst, bis die Wunde restlos verheilt ist. Luna hat es nicht so gut wie du, sie wird die nächsten Monate … sofern sie das Kind behält im Bett bleiben müssen. Sie hat sich überanstrengt, was beinahe zu einer Frühgeburt geführt hätte. Sie darf sich jetzt weder aufregen noch zu sehr bewegen, deswegen ist sie auch angebunden.“ Erklärte der junge Helfer des Arztes.


    Nach ein paar Wochen konnte zumindest Verus das Bett unter strenger Aufsicht des Arztes verlassen. Man fing bei ihm auch mit leichter Bewegungstherapie an, die erschlafften Muskeln zu trainieren. Ja das wochenlange liegen hatte die Muskel erschlaffen lassen. Nun trugen die Beine das Gewicht des Körpers kaum noch, aber ein paar Wochen später würde das wieder alles beim alten sein.


    Bei einem solchen Training wurden die Männer nun auch angetroffen, als eine aufgeregte Sklavin ankam... „Medicus.. komm schnell sie.. sie bekommt glaub ich das Kind.“


    Luna war am Ende des achten Monats, das Kind wäre zwar klein, aber durchaus lebensfähig. Der junge Mann der bald selbst Arzt sein wollte, rannte hinauf in das Zimmer. „Bete für sie.“ Brüllte er Verus zu bevor er im Haus verschwand.
    Die Minuten rannen dahin es wurden Stunden. Immer wieder gellten Lunas Schreie durchs Haus. Immer wieder folgte darauf eine Ruhe Pause, bevor neue Schreie das Haus erfüllten. Der Nachmittag zog dahin, es wurde Abend und immer noch waren die Schreie der Germanin zu höre, sie wurden schwächer, aber kamen immer noch in regelmäßigen Abstände. Dann wurden die Abstände kürzer und die Schreie wurden immer leiser.
    Kurz bevor der Mond seinen höchsten Stand erreicht hatte, gellte ein letzter verzweifelter Schrei durch das Haus und dann folgte Ruhe ein gespenstische Stille lag über allem. Keiner der Bewohner des Hauses machte auch nur ein Geräusch. Plötzlich konnte man den kräftigen Schrei eines Neugeborenen vernehmen. Es ging ein erleichtertes Aufatmen durch alle Anwesenden. Der Medicus kam mit einem kleinen Bündel auf dem Arm und ging zu Verus. „Sie sagt es ist dein Sohn.“ Er legte den Junge zu Verus Füßen und blickte den Tiberius fragend an.

    Der Arzthelfer hatte wirklich alle Hände voll zu tun. Zum einen musste Luna ruhiggestellt werde, damit sie nicht doch aus dem Bett hüpfte. Ja er war sogar dazu übergegangen sie einfach an das Bett zu fesseln, was ihm zwar wüste Beschimpfungen und Verwünschung der Germanien eingebracht hatte. Aber er hatte es einfach ignoriert und immer wieder versucht auf die Frau einzureden, dass sie sich schon muste, dass sie ihr Kind immer noch in sich trug, dass sie es vielleicht doch lebend zur Welt bringen könnte, wenn ja wenn sie doch nur ruhig liegen blieb. Aber die Germanien machte sich ja viel mehr Sorgen um den Tiberius, der aus unerfindlichen Gründen einfach nicht recht zu Bewusstsein kommen wollte. Der Arzthelfer hatte nun all sein Können und Wissen aufgeboten. Er hatte ihn gegen alle möglichen Vergiftungen behandelt. Ja er war sprichwörtlich mit seinem Latein am Ende.
    Nun stand er hier an dem Bett der Sklavin und beobachtete diese. Sie träumte und ihre Träume waren wohl auch kaum besser als die des Tiberius. Nur das die Sklavin sich aufgrund der Fesseln nicht bewegen konnte. Es wäre auch zu zu blöd, wenn man sie im wachen Zustand ruhig halten würde und sie sich dann wegen ihren Albträume zu heftig bewegen würde. Nein er würde die Fesseln erst dann lösen lassen, wenn die Germanin und ihr Kind stabilisiert waren. Und wenn der Tag kommen würde, wäre er ganz sicher weit weg. Denn er war sich sicher, dass Luna ihm die Augen auskratzen oder schlimmeres antun würde, sobald sie dazu in der Lage war.


    - - -


    Dunkelheit. Stille. Ruhe. Doch die Stille wurde von dem Schrei, dem Jammern einer Frau unterbrochen. Einer Frau, die ihr totes Kind im Arm hielt und neben einem toten Mann kniete. Luna wollte zu der Frau, sie trösten wollte ihr Mut zusprechen, doch es waren die ranken der Dornen die sie fern hielten. Egal wie sehr sie dagegen kämpfte sie konnte sich nicht aus den fessel befreien. Sie war gezwungen zu sehen. Aus ihrem Mund kamen keine Laute, egal wie sehr sie es versuchte, kein Laut drang über ihre Lippen. Sie war verurteilt stumm und regungslos auf das sich ihr bietende Bild zu blicken. „Du.“ drang nun die Stimmer der Frau an ihr Ohr. Die Stimme war kalt, grauenvoll und böse. „Du hast dies getan.“ Luna wollte den Kopf schütteln den Blick abwenden. Doch auch hier verhinderten die sie haltenden Dornen, dass sie den Kopf wegdrehen konnte. Sie musste sehen und sie musste hören. „Du hast dies getan. Sie sind tot nur wegen dir.“ Sagte sie und nun gab die Gestalt den Blick auf Kind und Mann frei. Ein kleiner Junge lag aschfahl in ihren Armen und zu ihren Füßen lag Verus. Die Frauengestalt wandte sich nun langsam Luna zu eine wunderschönes Gesicht erblickte man zunächst doch als sie ihren Kopf drehte konnte man ihre zweit hässliche Seite erblicken. „Hel!“ Lunas Augen weiteten sich vor Schreck. „Ja genau und diese Beiden gehören jetzt mir. Und du hast sie mir gebracht.“ Ein grauenvolles Lachen füllen nun die Dunkelheit aus.


    Mit einem Lauten Schrei erwachte Luna. „HEL NEIN!“

    Sie waren sicher hier angekommen, weder Verus noch Luna hatte von der Reise viel mitbekommen. Der Haushalt hier war in heller Aufregung. In Windeseile hatte man alles vorbereitet und ein Zimmer für den Tiberius hergerichtet. Erst als man Luna in ein Zimmer in den Sklavenunterkünften verfrachten wollte hatte einer der sie begleitenden Sklaven aus Rom protestiert. „Wenn ihr die Beiden trennt, reißt euch der Dominus den Kopf ab sobald er wieder dazu in der Lage ist.“
    So hatte man schnell noch ein kleineres Bett herbeigeschafft und es auch in dem Zimmer untergebracht. Der Assistent des alten Arztes aus Rom hatte alle Hände voll zu tun, die beiden zu versorgen. Verus machte Fortschritte, aber Luna machte ihm Sorgen, sie dämmerte nun schon ein paar Tage einfach nur vor sich hin. Er musste sich redlich mühen, damit sie überhaupt etwas trank oder Essen zu sich nahm. Nun aber stand er am Bett des Tiberius und betrachtet schweigend seine Patienten.

    Luna nickte nur noch, als der Soldat sie anfuhr. Vor allem als er ihr indirekt vorwarf, das sie Verus umbringen würde, verbarg sie ihr Gesicht, in dem sich es seinem Arm der sie immer noch hielt zudreht und dort anlehnte. „Ich habe Angst um ihn.“ Flüsterte sie nur noch leise mit tränenerstickter Stimme.
    Da der Arzt schon entschwunden war würde ihm sicherlich sein Assistent später kurz vorm Aufbruch zum Landgut sagen, dass man sie sehr wohl mit einer leichten Decke bedecken konnte.
    Luna blickte wieder auf und zwischen Licinus und der Tiberia hin und her. „Er wird es überleben? Bitte versprecht es mir, dass er es überleben wird.“ Ihre Stimme war nur noch ein flüstern, Die Anstrengung, der Blutverlust und das Beruhigungsmittel des Arztes taten nun Luna dämmerte langsam weg.