Herius Claudius Menecrates ist zum Praefectus Urbi zu ernennen.
Augustus
Eine Ernennung wurde ausgestellt.
Herius Claudius Menecrates ist zum Praefectus Urbi zu ernennen.
Augustus
Eine Ernennung wurde ausgestellt.
Ich steckte den Kopf zur Tür herein: " Salve Decimus Varenus", sagte ich höflich: " Ich hoffe, du befindest dich wohl." und zeigte die bronzenen Schriftrollenhülle, in der die beiden Ernennungsurkunden schlummerten
"Ich gratuliere Dir zur Ernennung zum Ritter. Ich fands etwas unpersönlich, einen Boten zu schicken, da mein officium in der Nähe liegt und weil mich deine Ernennung freut."
Die Freude war nicht ganz uneigennützig, aber ich hoffte, ich würde guten Willen zeigen.
Die Frage war selbstverständlich, da ich familiär oder durch länger zurückliegende Freundschaftsbande der Gens Annaea nicht verbunden war.
Ich antwortete also klar und ohne Ausflüchte; ich wusste, dass das ambitioniert war, doch nur wer wagte, seinem Stern folgte, konnte Neuland erobern:
"Ich diene an dem Platz, an den mich die fors fortuna gestellt hat: Als Primicerius ab Epistulis in der kaiserlichen Kanzlei. Mein Ziel ist es, eines Tages Procurator meiner Abteilung zu sein. Dazu benötige ich einen Fürsprecher aber nicht nur das, sondern ebenso wären mir dein Rat und deine Anleitung höchst willkommen. Im Austausch dafür hättest du meine Dankbarkeit und meine Unterstützung bei all deinen Belangen, Senator Florus minor."
Bis auf meinen Cousin Cerretanus, der in Cappadocia diente, gab es schlicht keine männlichen Furier; und meine Brüder hatten das Unglück gehabt, allesamt zu Zeiten des Bürgerkrieges erwachsen geworden zu sein. Sie lebten nicht mehr, und wir konnten uns gegenseitig nicht unterstützten. Ich hatte sie kaum gekannt.
Da es um einen Kollegen ging, fand ich es freundlicher, ihm die Ernennungsurkunden persönlich vorbeizubringen, und so klopfte ich an des immer viel beschäftigten Varenus Tür.
ERHEBE ICH
Titus Decimus Varenus
IN DEN STAND
ORDO EQUESTER
Es ist ihm ab heute gestattet die Standesabzeichen des
Ritterstandes zu tragen
- ANTE DIEM III ID MAR DCCCLXXI AB URBE CONDITA -
IN NOMINE IMPERII ROMANI ET IMPERATORIS CAESARIS AUGUSTI
ERNENNE ICH
Titus Decimus Varenus
mit Wirkung vom
ANTE DIEM III ID MAR DCCCLXXI A.U.C. (13.3.2021/118 n.Chr.)
zum
EQUES ROMANUS
Es ist ihm ab heute gestattet, die Abzeichen der Equites zu tragen, den Ritterring und den Latus Angusticlavius.
Titus Deciumus Varenus wird in den Ritterstand erhoben und zum Ritter ernannt. Urkunden sind entsprechend auszufertigen.
Augustus
Er hieß Decimus, aber machte nix, und ich stellte beide Urkunden aus und brachte je eine Abschrift in das Officium XXIII sowie als Bekanntmachung aushängen:
ERHEBE ICH
Titus Decimus Varenus
IN DEN STAND
ORDO EQUESTER
Es ist ihm ab heute gestattet die Standesabzeichen des
Ritterstandes zu tragen
- ANTE DIEM III ID MAR DCCCLXXI AB URBE CONDITA -
" Ich trete vor dich hin, wie es in Roma der Väter Sitte ist, um beneficia zu erhalten und in Treue officia * zu erweisen", erwiderte ich.
Ich nahm diese Bitte sehr ernst. Klientelbeziehungen waren sogar erblich; falls ich also Kinder haben würde, würde auch mein einstiger Sohn an dieser Stelle stehen, um seinen Patron um Beistand zu bitten.
* hier Gunsterweisungen / Dienste
Na großartig; in der ersten Reihe saß der Praetorianertribun Serapio und ich sprach davon, dass das Militär zu teuer war. Machte ich mir meinen Mitstreiter beim Oktoberpferd gerade zum Feind? Sein Blick verdüsterte sich tatsächlich, was ihm nebenher bemerkt, gut stand, er war solch ein eleganter Mensch. Zu anderen, gar nicht so sehr vergangenen Zeiten hätte ich mich um Kopf und Kragen geredet. Das Thema war so was von politisch. Ich hoffte, dass nächste Mal käme etwas Mythologisches dran a la " War es verwerflich von Zeus, sich in einen Schwan zu verwandeln um eine Leda zu verführen?" Ich hoffte sehr, dass jeder hier wusste, dass Pro- oder Contra ausgelost worden war...
Clemens Rede gefiel mir gut, beinahe hätte ich geklatscht. Nun standen schnöde Zahlen gegen den Willen der Götter.
Er gehörte später auch zu denen, die Roma Aeterna aufgriffen; natürlich. Dennoch war ich ihm nicht gram, ich schätzte seine Art des geistigen Duells. Und ich mochte Ovid; ein error war einst sein Verderben gewesen, ich hoffte, das war nicht wegweisend.
Varenus applaudierte mir, er stand auf Zahlen. Komisch, dass keiner das mit der Schweinsblase und den Körpern zweiter Ordnung von Aristoteles in Zusammenhang brachte. Vielleicht war ich auch einfach zu früh daran, ein Anachronismus: Wartet noch mal zwei, dreihundert Jahre, und ich werde sowas von Recht behalten.
Ravilla war ein sehr guter Redner; seine Toga, seine feurige Art und die dunklen Augen. Er erfüllte auch direkt die Anforderungen, die gestellt worden waren, nämlich die Antwort des Vorredners zu widerlegen und meine Rede zu verstärken. Ich mochte den Seius. Er hielt es mit dem Imperator Tiberius, der damals ebenso gesagt hatte, dass die Eroberung Germanias keinen römischen Soldaten mehr wert wäre. ( Tacitus hielt den greisen Kaiser allerdings schlicht für einen Geizhals)
Nun der Phoenix aus der Asche; wie alle machte Vindex seine Sache hervorragend. Und seine Schlussfrage: Die Götter sind, wie Clemens euch schon dargelegt hat, auf unserer Seite und werden uns weiterhin unterstützen. Oder zweifelt hier irgendjemand am pax deorum? Und der Blick. Noch großartiger, wer hätte schon erwidern können: Ich! Fast schon Blasphemie wäre das, guter Zug. Ich zweifelte auch nicht am Frieden mit den Göttern, ich zweifelte seit Alexandria manchmal daran, dass wir Sterbliche immer verstanden, was sie eigentlich von uns wollten.
Nein, Roma war keine Schweinsblase, es war jedoch ein Körper zweiter Ordnung. Im aristotelischen Sinne. Und jetzt ein Phoenix.
Da rief der Annaeus Florus Minor schon begeistert Roma Aeterna ... und ja, das fühlte ich doch auch, ich liebte meine Vaterstadt von ganzem Herzen. Konnte man seine Patria und trotzdem Statistiken lieben? Ich hoffte doch.
Ich zwinkerte Ravilla zu.
Andreas, mein Rechner, kam zurück mit einem Becher Wein, den ich in einem Zug austrank.
Officium XIX, Administratio Imperatoris >>>
Ein Kanzleibote brachte folgende Einladung in die Villa Flavia:
Ad Senator et Pontifex
Manius Flavius Gracchus
Villa Flavia Felix
Quirinal
Roma
Salve Pontifex Flavius Gracchus
Der Imperator Caesar Tiberius Aquilius Severus Augustus läd Dich
am
PRIDIE ID MAR DCCCLXXI A.U.C. (14.3.2021/118 n.Chr.)
zur hora quarta (9 Uhr)
zu einer Audienz in das Officium Imperatoris in die Domus Flaviana ein.
ANTE DIEM IV ID MAR DCCCLXXI A.U.C.
Einladung für den Pontifex
Ich hatte hier eine Einladung für den Pontifex und dachte bei mir, dass der Termin ganz schlecht war, weil ab der nächsten Woche Equirria, Mamuralia, Feriae Anna Perennae und noch weitere Feiertage stattfinden würden, von denen wohl alle die Aufmerksamkeit des Pontifex benötigten, doch ich hoffte, es würde gehen, wenn ich ihn zur vierten Stunde gleich morgens
bitten würde.
Der Ponifex Flavius Gracchus ist zu einer Audienz ins Officium zu bestellen. Audienz soll in zwei Tagen stattfinden, wenn es dem Pontifex passt.
Augustus
IN NOMINE IMPERII ROMANI ET IMPERATORIS CAESARIS AUGUSTI
AD
Pontifex Manius Flavius Gracchus
Villa Flavia Felix
Quirinal
Roma
Salve Pontifex Flavius Gracchus
Der Imperator Caesar Tiberius Aquilius Severus Augustus läd Dich
am
PRIDIE ID MAR DCCCLXXI A.U.C. (14.3.2021/118 n.Chr.)
zur hora quarta (9 Uhr)
zu einer Audienz in das Officium Imperatoris in die Domus Flaviana ein.
ANTE DIEM IV ID MAR DCCCLXXI A.U.C.
Einen Moment lang gingen mir " do ut des" und "fides" durch den Kopf. Ich hatte Florus minor nicht zufällig gewählt, sondern weil ich ihn für den richtigen Mann hielt und er mir seine Hand und Hilfe angeboten hatte. Genauso geschäftsmäßig, nahezu feierlich sprach ich die Worte:
" Guten Morgen Senator Annaeus Florus Minor. Ich, Furius Saturninus bin gekommen, um dich um dein Patronat zu bitten."
Gefühlsmäßig nahm ich eine Art Zwischenstellung ein, als politischer amicus und Exkollege aus der Kanzlei. Doch Klient war ich ja wirklich nicht. Allerdings auch wiederum niemand, der lediglich auf Empfehlung eines anderen kam.
Also ja, ich würde dort, wo mich der zweifellos tüchtige Ianitor hinstellte, warten. Schon um ihn mit Extrawünschen nicht durcheinander zu bringen. Der Mann hatte alle Hände voll zu tun. Und das tat ich dann auch.
Vor dem ersten Hahnenschrei geweckt worden, auch wenn ich nicht viel mehr machen musste, als mit ausgebreiteten Armen dazustehen, während mir gleich zwei cubicularii meine Toga anlegten.
Ich nahm Florus Minor beim Wort und wollte ihn bitten, sein Klient werden zu können; dazu wollte ich das frischgebleichte Ehrenkleid jedes römischen Bürgers in der geziemenden Ordnung tragen. Nach einem ganz frugalen Frühstück, nur etwas Honigwasser, ging ich los und zwar nur in Begleitung von Diocles zu Fuß.
Nun war ich angekommen, grüßte den annaeischen Hünen "Salve Ursus Ianitor" und sah, dass schon eine große Gruppe Männer auf den Hausherren warteten, ich stellte mich einfach dazu und harrte der Dinge, die kommen würden.
Ich begrüßte Iulia Stella, bevor ich ging mit: "Salve Iulia Stella, welch wohltuender Anblick; Lucius Annaeus Florus Minor ist ein glücklicher Mann. Vale bene."
Von meiner Nachricht für ihren Verlobten sagte ich natürlich kein Wort, dieses Vergnügen sollte Florus minor ganz für sich allein haben.
Ich nickte freundlich. Die römischen Familien waren weitverzweigt und öfter tauchten Verwandte aus den Provinzen auf, die es in die Urbs Aeterna zog. Auch ich war ein zudem mittelloser Cousin aus der Provinz gewesen, der im Stammhaus der Furier ein neues Zuhause gefunden hatte.
Ich bemerkte, dass Florus minor die Verzierungen und die Verarbeitung der Urkunde bewunderte; ja, auf Grund der Anweisung des Augustus hatten sich meine Mitarbeiter wirklich verkünstelt.
Wieder wiederholte der Annaeus seine Worte der Freundschaft und bot mir Beistand an ( Ich gedachte dieses Angebot zu gegebener Zeit auch in Anspruch zu nehmen). Diesmal bot er mir die Hand zum Handschlag.
Ich ergriff sie mit Freuden:
"Ich danke Dir Senator", sprach ich ernst: " Ich nehme dich beim Wort."
Ich wollte Florus minor tatsächlich nicht länger aufhalten, ich hoffte ihn in besser bei einer Gelegenheit, bei der wir uns beide Zeit nehmen konnten, wiederzusehen.
Er wusste jedoch, dass auch ich mein Versprechen, dass ich ihm in der Kanzlei gegeben hatte, gehalten hatte, auch wenn es halb scherzhaft gegeben worden war. Ich war persönlich in die Domus Annaea gekommen, damit Florus minor so schnell wie möglich in Händen hielt, was er ersehnte.
Ich versuchte Wärme in meine Worte zu legen: "Ich dachte mir schon, dass du die gute Nachricht so schnell wie möglich erhalten solltest. So wird die reizende Iulia Stella also eines Senators Ehegattin. Danke für die Einladung zu deiner Hochzeit, ich komme gerne. Und ich möchte dich auch nicht lange aufhalten, bestimmt hast du viel zu tun. Ich sah auch, dass du gerade Besuch hast."
Nur kurz sah sie ebenfalls einen weiteren Herren, der gerade Florus' Officium betrat zusammen mit einem Diener. Sie nickte auch diesem Mann freundlich zu und eilte dann weiter.
Damit meinte ich Annaea Crispina, die mir freundlich zugenickt hatte, doch sie war mir noch nicht vorgestellt worden. Daher unterließ ich es auch, ein Kompliment über die Schönheit der Dame zu machen.
Ich trank meinen Wein aus und machte eine Geste zu Diocles, er möge sich so langsam erheben.
"Salve Florus minor", sprach ich mit einem Lächeln - es war schön, der Überbringer guter Nachrichten zu sein.
Ich setzte mich und sah, dass auch gütigerweise Diocles ein Platz angeboten wurde.
"Oder vielmehr: Salve Senator Florus Minor", fuhr ich fort und legte die Abschrift der Ernennungsurkunde, die Diocles sorgfältig in einer Schriftrollenhülle transportiert hatte, auf den Schreibtisch vor den Annaeus hin:
"Lass mich der Erste sein, der dir zu der Ernennung zum Senator gratuliert! Honor honore dignis *sagt man wohl.",meinte ich:
"Jetzt nehme ich gerne einen Trunk, ein Drittel Wein, zwei Drittel Wasser bitte."
* Ehre denen, die der Ehre würdig sind
Der wirklich beeindruckende Ianitor ( Diocles sagte mir irgendwann noch, dass er Ursus hieß, und der Name war passend) geleitete mich in das Officium des Hausherren, in dem ich wartete.
Mit einer Abschrift der Ernennungsurkunde ging ich persönlich zur Domus von Lucius Annaeus Florus minor anstatt einen Kanzleiboten zu schicken, da ich der Erste sein wollte, der gratulierte.
Ich hatte meinen Scriba Diocles dabei, der für mich an die Porta klopfte.