Beiträge von Sisenna Seius Stilo

    Sim-Off:

    Hier mal ein bisschen militärischer Alltag mit allen möglichen Details, die man sonst überspringt, und hoher historischer Akkuratesse für die Geschichts-Nerds unter uns. Dass sich Offiziere das Klo vorwärmen ließen, wusste ich vorher auch noch nicht. Nobel geht die Welt zugrunde. :D



    Ein neuer Tag


    Der scharfe Klang der Bucina schnitt durch die kühle Morgenluft. Centurio Sisenna Seius Stilo öffnete die Augen, noch ehe der zweite Trompetenstoß ertönte. Der Dienst hatte seinen Körper zu einem Apparatus gemacht, das auch ohne Signale die Stunde kannte. Mit einem Ruck warf er die wollene Decke beiseite. Es war noch stockfinster und der Mosaikboden eiskalt unter seinen nackten Sohlen. Er zog sich die Tunika und die Militärsandalen an und machte sich auf den Weg nach draußen. Gefühlt war es noch nachts.


    Centurionen hatten zwar eine eigene Wohnung, aber keine eigenen Latrinen. So hatte er seinen Calo vorgeschickt, einen Trossknecht, der für ihn den Latrinensitz reinigte und vorwärmte. Es handelte sich bei dem calo um einen Sklaven, der für ihn Wasser auf die Stube schleppte, seine Rüstung pflegte, für Ordnung sorgte oder eben auch die Latrine vorwärmte. Diese „unsichtbaren“ Helfer waren für Soldaten unverzichtbar – sie kümmerten sich um Waffen, Essen, Botengänge und eben auch um die Latrinenreinigung. Während die Mannschaften noch andere Aufgaben zu erledigen hatten, bevor sie Latrinen aufsuchen durften, wie das Bettenmachen und die Vorbereitung des späteren Frühstücks, konnten die Offiziere in Ruhe verrichten, was andere im Gedränge erledigen mussten. Das war nicht zufällig so, sondern gehörte zu den Privilegien, die man als Centurio genoss.


    Erleichtert kehrte Stilo in seine Stube zurück, um sich zu waschen. Während nun die Mannschaften vor den Latrinen Schlange standen, nutzten die Offiziere die Zeit, um sich gründlich zu pflegen. Zeit, die den Mannschaften um diese Tageszeit fehlte, die sich um alles selbst kümmern mussten, wofür er seinen Trossknecht hatte. Das Wasser aus dem bleiernen Wasserbecken war eiskalt. Stilo schöpfte es mit beiden Händen und rieb es sich über Gesicht und Nacken, dann mit einem Lappen aus altem Wollstoff über den Rest des Körpers. Sein Körperhaar war entfernt, was Läusen vorbeugte und Zeichen seiner Zivilisiertheit war. Er trocknete sich ab und rieb sich den Unterkiefer und Hals mit duftendem Öl ein, das nach Minze und Rosen roch. Der Sklave reichte ihm das gebogene Rasiermesser aus Bronze und hielt ihm den polierten Metallspiegel. Mit präzisen Zügen führte Stilo die Klinge über Wangen und Kinn. Die Klinge fuhr durch das Öl, hinterließ eine Spur blanker Haut. Die Blutung eines kleinen Schnitts stillte er, indem er einen Alaunstein darauf drückte.


    Anschließend putzte er sich die Zähne mit einem silbernen Zahnstocher vor und rieb die Beläge einem zerfaserten Mastixzweig und mit einem rauen Zahnpulver aus zermahlenen Muscheln und Myrrhe ab. Er spülte mit einem Aufguss aus Weinessig und Minze nach, um die Krümel wieder loszuwerden und für frischen Atem. Auch die Ohrpflege mit einem Ohrlöffelchen durfte nicht fehlen und die Kontrolle der Nägel. Er wusch sich das Gesicht ein zweites Mal, trocknete sich ab und konztrollierte noch einmal sein Aussehen im Spiegel, dann zog er sich eine saubere Untertunika, normale Tunika und das Halstuch an.


    Der Sklave begann, ihm die Metallplatten der Lorica anzulegen und zog anschließend die Riemen fest. Stilo spürte das vertraute Gewicht, als er Platte um Platte mit präzisen Handgriffen verschloss. Es folgen der Militärgürtel, der Gürtel für den Dolch und der Waffengurt mit dem Schwert, und zum Schluss der Helm. Stilo griff nach seiner vitis, dem knorrigen Rebstock des Centurios, und marschierte zum Sacellum, wo jeder Tag begann.

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    An das Volk und den Senat von Rom!


    Dunkle Wolken ziehen am Horizont auf, und ich brauche eine Handvoll auserwählter Seelen, die bereit sind, sich den Herausforderungen zu stellen, die vor uns liegen.


    Seien es Kämpfer mit dem Schwert, ehrgeizige Politiker, schlitzohrige Händler, treue Sklaven, skrupellose Kriminelle oder normale Leute mit alltäglichen Sorgen, die gegen ihren Willen in die dramatischen Ereignisse hineingezogen werden. Vielleicht findet sich auch eine nette Schankmaid, die die erschöpften Mitstreiter verköstigt und für sie die Ohren offen hält, oder ein Priester, der den Frieden mit den Göttern gestört sieht.



    Welche Rolle du auch spielen wirst:


    Die Schicksalsgötter haben uns zusammengeführt, und ich spüre, dass die Zeit reif ist für ein neues Kapitel in der Geschichte unseres glorreichen Imperiums.



    Was erwartet euch?

    • Geheimnisvolle Intrigen: In den Schatten der Stadt lauert ein Übel, das Rom von innen heraus schadet. Werden wir es finden, bevor es zu spät ist?
    • Blutige Kämpfe: In unserer Mitte sammeln sich die Feinde Roms. Werden wir sie besiegen oder werden diesmal wir es sein, die fallen?
    • Ehre und Ruhm: Jeder von euch wird die Chance haben, sich einen Namen zu machen, sei es durch Tapferkeit in der Schlacht, durch Klugheit in der Politik, durch Hilfsbereitschaft und Loyalität, oder indem er als gefürchteter Feind von Rom in die Geschichte eingeht.


    Freund und Feind gesucht!


    Nicht nur loyale Mitstreiter, sondern auch Feinde Roms sind willkommen! In dieser Geschichte wird es nicht nur Schwarz und Weiß geben, sondern auch die Schattierungen dazwischen. Wer weiß – vielleicht findet ihr euch als Verbündete wieder, die die Seite wechseln und so den entscheidenden Hinweis geben, oder vielleicht werdet ihr zu den größten Widersachern, die Rom je gesehen hat. Die Entscheidung liegt bei euch.


    Wenn ihr bereit seid, euch dieser Herausforderung zu stellen, dann meldet euch bei mir. Bringt eure Waffen, euren Verstand und euren Mut mit – denn diese Mission wird alles von euch fordern.


    Mögen die Götter uns beistehen – oder uns vernichten, wenn wir es verdienen!




    Salvete miteinander,


    ich würde gern in Rom einen neuen Plot beginnen. Dafür suche ich Mitstreiter. Die Aufgabe einer jeden ID in dem Ganzen werden wir zusammen maßschneidern, so dass jeder auf seine Kosten kommt. Vielleicht wird auch jemand dazu inspiriert, eine gänzlich neue ID anzulegen, um neue Wege auszuprobieren.


    Da ich nur ein einfacher Prätorianer bin und nicht der Moderator Italiae, sehe ich meine Aufgabe vor allem darin, euch Spielanreize anzubieten. Wenn ihr zum Beispiel ambitionierte Senatoren seid, jemanden vor Gericht zerren wollt oder die Geistlichkeit vertretet, ist weiterhin Eigenverantwortung gefragt. Aber ich kann euch beim Spinnen einer spannenden Geschichte helfen und eine Plattform bieten, um zu glänzen und eurer Karriere neuen Schwung zu verleihen. :augenbrauen:


    Erfahrungsgemäß sind solche Plots auf langfristigen Spielspaß ausgelegt, es geht also gemächlich zur Sache und wird auch mal Pausen geben - soll ja nicht in Stress ausarten. Man kann auch jederzeit später noch hinzustoßen. Ich hoffe aber sehr, dass sich jetzt schon der eine oder andere Mitstreiter findet.


    Ich warte auf eure Zuschriften. 8)


    Stilo


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    Disclaimer: Wer keine Lust hat, sich an dem Plot zu beteiligen, wird in seinem Spiel nicht beeinträchtigt werden.

    Sieh an, wer da eine handbreit über dem Boden angeschwebt kam. Stilo gönnte seinem Bruder ein flüchtiges Grinsen. "Salve, Ravilla." Für Gespräche blieb keine Zeit, er war im Dienst und private Plaudereien machten keinen guten Eindruck, wenn der Kaiser erwartet wurde. Ansonsten war Stilo einem Gespräch nicht abgeneigt. Es war nicht so, dass sofort die Abläufe zusammenbrechen würden, kaum dass er mal nicht ganz bei der Sache war, seine Männer waren die Besten und zu selbstständigem Arbeiten mehr als fähig. Aber wenn es um seine Karriere ging, war er pingelig.


    Er blinzelte seinem Bruder kurz zu, dann wandte er sich einem seiner Unteroffiziere zu, um mit ihm die Situation in einer Engstelle auszuwerten, wo sich zu viele Leute stauten. Das war aufgabe der Cohortes Urbanae. Wenn die Urbaniciani nicht in naher Zukunft von allein auf die Idee kommen würden, die Menge vorher zu einem anderen Eingang umzuleiten, würde er einen entsprechenden Hinweis geben.

    Ich hätte absolut nichts gegen einen aktiven Händler und Verwaltungsbeamten in der Gens einzuwenden, da die Gens Seia ihren Wohlstand hauptsächlich über Handel und hemmungslose Vetternwirtschaft aufrechterhält. Wir unterhalten insbesondere Kontakte in den hellenisch geprägten Osten des Imperiums.


    Voraussetzung wäre, dass du ein hohes Maß an Selbstständigkeit mitbringst, was den Aufbau und den Unterhalt deines Handels und deinen Job in der Verwaltung betrifft, also dahingehend vor allem allein die Initiative ergreifst, und dich nicht von der Zuarbeit anderer Spieler abhängig machst, da das IR vor allem von eigenständigen Machern lebt und immer mal wieder Mitspieler pausieren, wovon man sich nicht beirren lassen darf, wenn man es hier zu etwas bringen will.


    Dafür hättest du mit der Gens Seia Verwandschaft, die dir bei deinen Wünschen vielleicht hier und dort ein Türchen öffnen könnte. Ich kann allerdings momentan nicht täglich antworten, du müsstest dich unbedingt auch ohne mein Zutun beschäftigen.


    Wenn das alles für dich passt, kannst du es dir ja mal überlegen.

    Die alte Rastlosigkeit. Stilo tigerte durch die Casa Leonis, obgleich er im Dienst genug zu Fuß unterwegs war. Am Bewegungsmangel lag seine Unruhe nicht. Von innen zehrte die Dunkelheit an ihm. Und wo war sein Sklave überhaupt? Besaß er den nicht zu diesem Zwecke? Weshalb war er so geistig umnachtet gewesen, Sporus nach Mogontiacum zu schicken? Hätte es nicht ein Heiler in Rom getan? Verägert betrachtete er den Garten, in dessen Erde noch die Löcher klafften, wo Scato die Kräuterpflanzen ausgebuddelt hatte, um sie mit nach Germania zu nehmen. Und was Ravilla betraf, so hatte dieser seine Sklavenschar ebenfalls mit sich genommen. Stilos eigener Sklave, Zubin, schaffte diese Arbeit nicht. Einen Koch brauchte er auch, er hatte die Ordnung in der Casa Leonis zu lange schleifen lassen und sich zu sehr auf die Sklaven anderer verlassen, um Geld zu sparen. Dabei hatte er davon wahrlich genug, wenn nicht mal wieder irgendjemand bestochen oder Ravillas Wahlkampf unterstützt werden musste. Alles für die Gens. In Stilos Gesicht zog die Nacht auf.

    Stilos Kiefer mahlten. Nach dem letzten, eher unerfreulichen Gespräch, würde der Imperator Augustus ein besonderes Augenmerk auf die Qualität von Stilos Arbeit legen. Der morgendliche Appell war mit der entsprechenden Ernsthaftigkeit abgehalten worden. Stilo war nicht laut geworden, das war nicht seine Art, doch seine Soldaten wussten, wann sie den Bogen besser nicht übersspannten. Sie waren die Besten, sonst wären sie nicht bei den Cohortes Praetoriae, doch heute trieben sie ihre Professionalität auf die Spitze. So blieb Stilo vor allem in der Rolle des Organisators, dessen Blicke aufmerksam über die Zivilisten und über seine Männer strichen. Nur selten musste er einen Hinweis geben, Hauptsächlich besprach er mit seinen Unteroffizieren die Einteilung und das Vorgehen.


    Neben den offensichtlichen Prätorianern hatten sich einige seiner Männer in zivil unter das Volk gemischt, um die Stimmung auszuhorchen.

    Später und voller als sonst machten die Prätorianer sich auf den Rückweg. Und doch war keiner so trunken, dass er mit schwerer Zunge sprechen oder in Kurven zur Castra laufen würde. Dazu waren sie zu diszipliniert, besonders, wenn ein Vorgesetzter bei ihnen war. Zwar waren sie hier in keiner Grenzregion, wo jeden Moment eine Alarmierung stattfinden konnte, trotzdem erwarteten die Offiziere ein Mindestmaß an Disziplin. Die Rechnung zwackte Stilo im Geldbeutel, denn die Männer hatten sich nicht lumpen lassen. Als einer der letzten verließ er die Garküche.


    Die Nacht fühlte sich warm an im Vergleich zu den letzten Nächten, dennoch würde die Temperatur nach Mitternacht nicht oberhalb des Gefrierpunktes bleiben. Unterwegs bogen einige Kameraden noch in die Gassen ab, um es sich anderweitig gutgehen zu lassen, doch für Stilo war es für heute genug. Er würde seinen ersten Diensttag als Centurio nicht zerknittert und übernächtigt antreten.

    Das muss gefeiert werden

    Im Dunst der unscheinbaren Garküche drängten sich heute viel zu viele Männer. Alle Holztische waren belegt und nicht jeder fand einen Sitzplatz. Stilo hätte seine Beförderung auch in irgendeiner Taberna feiern können, aber in Anbetracht der Anzahl an Kameraden, die mit ihm gemeinsam feiern wollten, war seine Wahl auf diese billige kleine Lokalität gefallen, die ihr heutiges Glück kaum fassen konnte. Eine Horde hungriger Soldaten versprach immer gute Einnahmen. Das Essen war in Garküchen stets schon vorgekocht, so dass sie nicht lange würden warten müssen.


    "Sucht euch aus, was ihr wollt", ermunterte er seine Kameraden. Im Dunst von gemüsigem Getreidebrei, gebratenem Würstchen, geräuchertem Fisch und gekochtem Grünkohl ließ er sich nieder. Rechts und links neben ihm saßen seine alten Kameraden Dexter und Pansa, die er noch aus der Legio XV Apollinaris kannte. Zahllose Stimmen redeten durcheinander, Besteck klimperte, Stühle schabten über dem Steinboden. Tonbecher mit verdünntem Wein polterten auf den Tischen. Die meisten wählten Grünkohl mit extra viel Würstchen.


    Als alle mit Speis und Trank versorgt waren, erhob Stilo sich für eine kleine Rede. Er klopfte mit dem Löffel gegen seinen Tonbecher, um sich Gehör zu verschaffen, dann sprach er freierlich mit erhobenem Becher: "Das Wasser ist des Ochsen Kraft, der Mensch trinkt Wein und Gerstensaft. Drum stoß ich an mit Bier und Wein, wer möchte schon ein Ochse sein." Grinsend hob er den Becher noch ein Stück weiter. "Zum Wohl, ihr Säcke."


    Dann wurde geschlemmt ...

    Gedanken im Schatten


    Stilo kam gerade von einer Besprechung der Centuriones und Optiones seiner Kohorte wieder. In Roma nichts Neues. Wie es schien, war die Waagschale zwischen Kriminalität und Recht durch die Christenrazzia in Richtung der Ordnungshüter ausgeschlagen. Im Moment war alles ruhig. Die bekannten Krisenherde waren natürlich nicht verschwunden, aber sie hielten die Köpfe unten und vermieden es, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Kriminalität ließ sich nicht ausrotten, sie gehörte zu den Menschen dazu. Aber so lange sie derart gedämpft stattfand, dass das tägliche Leben in Rom nicht nennenswert gestört wurde, war das als Erfolg zu verbuchen.


    Noch immer gab es keine Rückmeldung vom Kaiser, doch Stilo fiel nichts ein, was nicht zu dessen Zufriedenheit gewesen sein könnte, von der kleinen Rüge bezüglich der unglücklich verstorbenen Häftlinge abgesehen. Dass so etwas geschah, wenn jemand in die Hände der Prätorianer fiel, war klar und nach seinem Verständnis auch einkalkuliert, aber bitte, wenn der Imperator Caesar Augustus das anders sah, würde er seinen Willen bekommen. Personen konnten auch außerhalb des Carcers verschwinden. Der Stachel des Skorpions reichte weit.


    Stilo hätte Feierabend machen können, aber stattdessen kümmerte er sich um einigen Schriftkram, der aufgrund fehlender Dringlichkeit bislang liegen geblieben war. Nein, der Kaiser würde nichts mehr finden, dass er beanstanden könnte ...

    Die Maßnahmen wurden konsequent durchgezogen. Der Carcer konnte sich seit dem Rüffel des Kaisers sehen lassen. Doch das Schweigen aus dem Palatin beunruhigte Stilo. Gab es Probleme mit dem Bericht über die Christenrazzia? Er traute der Stille nicht. Eisern zog er sein verbessertes Programm für den Carcer durch, so weit seine Befugnisse als Optio carceris das erlaubten.


    Stilos Tag begann wie immer mit Morgensport, den er gemeinsam mit seiner Centuria machte. Danach wurde sich gewaschen und etwas gegessen, alles musste sehr schnell gehen. Die Abläufe waren präzise getaktet. Dann übernahm er die Schicht im Carcer. Es folgte in der Frühschicht der Weckruf für die Inhaftierten und die Frühstücksausgabe, während Stilo in seiner Schreibstube die Bearbeitung von Post und Anträgen übernahm. Bei Bedarf schaute ein Sanitätsdienst nach einzelnen Gefangenen. Die Prätorianer beaufsichtigten Reparaturen und Reinigungsaufgaben, der Carcer musste vorzeigbar sein. Es folgte eine Mittagspause, dann wurde die Schicht übrgeben. Freizeit war danach noch nicht, es folgten Drill oder Weiterbildungen für die Prätorianer.


    Geradezu verbissen arbeitete Stilo an der Einhaltung dieses Tagesplans, trat Leuten in den Hintern und stieg anderen auf die Füße. Beliebt machte er sich damit nicht, doch welcher Prätorianer war das schon. Es zählte einzig, respektiert zu werden. Und Respekt wusste er sich zu verschaffen, auch wenn das einigen Herrschaften in der Castra nicht schmeckte.

    Stilo konnte sich besseres vorstellen, als seinen elftausend Sesterzen teuren Sklaven allein in die Fremde zu schicken. Wie gern hätte er Sporus herumgezeigt, so wie andere auf ihr Rennpferd stolz waren oder auf eine teure Skulptur. Stilo hatte es sich großartig ausgemalt, den Eunuchen an seiner Seite zu haben. Er war sicher, Sporus würde eine Bereicherung seines Alltags sein, sobald er sich eingewöhnt hatte. Doch die Entzündung bereitete Stilo Sorgen, die er nicht ignorieren wollte. Zur Hora Tertia traf auch er bei der Porta ein, um seinem Sklaven noch dies und das mitzugeben.

    Vorläufiger Abschied von Sporus


    Pünktlich zur Hora Tertia kam die Reisegruppe mehrerer Händler vorbei, die Sporus nach Germania mitnehmen würde. Um die Sicherheit zu erhöhen, war es üblich, in Gruppen zu reisen. Da die Gruppe auch einige Beschützer angeheuert hatte, sollte unterwegs nichts passieren. Zur Schonung seiner Narben durfte Sporus hinten auf einem Wagen sitzen und musste weder laufen noch reiten, was Stilo einiges an zusätzlichen Kosten bescherte, denn Sitzplätze waren begrenzt. Außerdem hatte sein Herr ihm ein dickes Sitzkissen mitgegeben, kunterbunt und mit üppigen Quasten. Es sah nicht schön aus, aber teuer. Nachts konnte Sporus es auch als Kopfkissen verwenden. Dazu gehörte eine genau so bunte, aber dafür kuschelig warme Wolldecke. Beides zusammen war das Einzugsgeschenk von Stilo an Sporus. Zuzüglich zu dem übrigen Gepäck erhielt Sporus Reiseproviant sowie ein Säckchen mit Geld um den Hals, damit er sich unterwegs etwas zu Essen kaufen und irgendwo übernachten konnte.


    "Ich gebe dir einen Brief für den Medicus mit. Es handelt sich um meinen Verwandten Sisenna Iunius Scato. Du wirst ihn in der Domus Iunia in Mogontiacum antreffen. Er wird dann schon wissen, was zu tun ist. So lange du bei ihm wohnst, wirst du dich seinen Anweisungen fügen und ihm nach Kräften helfen. Außerdem gibst du ihm hundert Sesterzen aus deinem Beutel als Anzahlung für seine Hilfe und zum Kostenausgleich für deine Unterbringung. So weit alles klar?"


    Es war ärgerlich, seinen nagelneuen Edelsklaven erstmal auf gut Glück in die Fremde schicken zu müssen, und Stilo hätte ihn gern hierbehalten, doch es musste eben sein.

    Salve Scato,



    hier schreibt dein Onkel Sisenna Seius Stilo.


    Wie du siehst, habe ich einen neuen Sklaven erworben. Er ist von seinem Vorbesitzer vernachlässigt worden und benötigt ärztliche Behandlung. Alles Weitere wird er dir selbst sagen. Schicke mir im Anschluss die Rechnung und meinen Sporus wieder zurück zu mir. Während seines Aufenthalts in Mogontiacum untersteht er selbstverständlich deiner Verantwortung. Du kannst ihn einsetzen wie du möchtest.


    Bitte grüße Fango ganz herzlich von mir und sag Sabaco, dass es mir leidtut, dass ich ihm bisher nicht geschrieben habe.


    Vale bene

    Onkel Stilo


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    Der Plot um die radikalen Christen in Rom findet nach vielen Jahren nun langsam seinen Abschluss.


    Ein neuer Langzeitplot entstand aus spontaner Improvisation und hat ziemlich cool begonnen: Diesmal dreht sich alles um das Thema Münzfälschung. Viele IDs hatten damit bereits ihre Freude, sei es bei der innovativen Verhörmethode eines sehr eifrigen Vigintivir oder während der anschließenden, von allen Beteiligten genial geschriebenen Anhörung vor dem Prätor. Aktuell schleichen auch zwei Urbaner auf Spurensuche durch die Katakomben unter Rom. Der Bösewicht wurde jedoch immer noch nicht gefunden. Vor uns liegt eine ungeschriebene Geschichte, die darauf wartet, sich entfalten zu dürfen.


    Wer also Lust hat, sich an dem Plot zu beteiligen, sei es als Ermittlungshelfer, als Jurist, als armes Opfer von gemeiner Falschmünzerei, auf der Seite der Bösewichte oder was auch immer euch vorschwebt, der möge mich anschreiben. :unterschreiben:


    Richtig genial wäre, wenn sich auch jemand finden würde, der sich traut, den Kopf der Falschmünzer zu verkörpern!

    Inspektion im Gefängnis


    Der Befehl des Kaisers war eindeutig gewesen.


    Stilo ging durch die dunklen und feuchten Gänge des Gefängnisses, die von Fackeln spärlich beleuchtet waren. Er hörte das Stöhnen und das Schluchzen der Gefangenen, die in ihren Zellen kauerten oder an ihren Ketten hingen. Er roch den Gestank von Blut, Schweiß, Urin und Exkrementen, der in der Luft lag. Das Elend, das er sah, berührte ihn nicht. Er war nur darauf bedacht, seine Pflicht zu erfüllen, und hin und wieder seine Autorität zu zeigen.


    Er trat an jede Zelle heran, und öffnete das kleine vergitterte Türchen, das in die Zellentür eingelassen war. Er schaute durch das Gitter, das die Gefangenen von der Außenwelt trennte, um ihren Zustand zu überprüfen. Jeder Gefangene musste aufstehen und ihm bei einem kurzen Appell Bericht erstatten. Es gab niemanden, der das verweigerte. Er kümmerte sich nicht um ihre Schmerzen oder ihr Leid. Er kümmerte sich nur um seine Befehle, seine Berichte und den Lohn, den er irgendwann in Aussicht sah. Anschließend überprüfte er persönlich den Zustand aller Gitter, Ketten und Schlösser.


    Pansa und Dexter wirkten besorgt ob der gründlichen Inspektion und versicherten, dass sie alle Befehle und Vorschriften erfüllt hätten. Sie fürchteten seinen stillen Zorn, obwohl Stilo ihnen gegenüber meist nachsichtig war. Immerhin verbrachte man regelmäßig seine Freizeit miteinander, denn das hierarchische Gefälle zwischen Optio und Miles war nur gering. Stilo stellte einige Rückfragen und kam zu dem Schluss, dass nur wenig Handlungsbedarf bestand.


    Er beendete seine Inspektion, und ging zu seiner Schreibstube, die sich am Ende des Gefängnisses befand. Er schrieb einen Bericht über seine Beobachtungen und seine Maßnahmen. Während der Arbeit spürte er die Kälte und die Nässe, die seine Kleidung durchdrangen. Auch wenn er heute wenig motiviert an seine Arbeit gegangen war, war er nun zufrieden.

    Den neuen Befehl des Kaisers hängte Stilo nur widerwillig aus, denn er kam einer Rüge seiner Arbeit gleich. Er konnte nichts dafür, dass die Gefangenen derart labil eingeliefert worden waren, dass sie den Haftbedingungen erlangen, Schuld trugen eindeutig die Cohortes Urbanae, doch als Verantwortlicher dieses Bereichs trug er nunmal trotzdem die Verantwortung. Stilo würde sich nicht beschweren und sich der Sache annehmen. Es handelte sich bei dem Befehl um eine Weiterleitung direkter Anweisungen aus dem Mund des Imperator Caesar Augustus:


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    BEFEHL


    Gefangene mit römischem Bürgerrecht, so sie sich in der Obhut der Cohortes Praetoriae befinden, sind regelmässig auf ihre Gesundheit zu überprüfen. Todesfälle ohne expliziten Befehl des Kaisers sind bei Bürgern unter allen Umständen zu vermeiden!


    Gezeichnet

    Sisenna Seius Stilo

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    Siegel - Praetoriae



    Stilo erhob sich auf diese Worte hin, nahm den Überwurf zur Hand und zog ihn behutsam über den Kopf seines neuen Sklaven. Eine Geste, die einem vorläufigen Freispruch gleichkam. Stilo konnte warten, notfalls lange. Er dachte an seine beruflichen Pläne, an deren Verwirklichung er seit Jahren arbeitete, während er Sporus' Gesicht betrachtete, das ihm gar nicht schlecht gefiel. Alles Schritt für Schritt.


    "Ich denke, aus dir kann ein brauchbarer Sklave werden, Sporus. Heute Nacht sollst du ruhen. Frage im Haus nach Zubin und lass dir von ihm zeigen, wo du schlafen kannst. Er weiß Bescheid und wird sich auch darum kümmern, dass du etwas zu Essen bekommst. Morgen lass dir von ihm helfen, eine Reisetasche zu packen. Zur Hora Tertia erwarte ich dich zu deiner Abreise an der Porta, wo du deine vorerst letzten Anweisungen von mir erhalten wirst. Du darfst nun gehen." Wenn Sporus vier Jahre mit der entzündeten Wunde überlebt hatte, würde er auch die lange und beschwerliche Reise nach Germania schaffen.

    "Ein schmerzhafter Stau der Körpersäfte. Du musst das nicht verstehen. Es genügt, wenn ich das tue." Stilo dachte nach, während er die Narbe betrachtete. Die Behandlungskosten würde er sich von Titus Tranquilius zurückholen, schon aus Prinzip, zuzüglich Verdienstausfällen und Reisekosten und was ihm noch so alles einfiel, um den Preis für den kranken Sklaven nachträglich zu drücken. "Krank bist du für mich nicht zu gebrauchen. Wir müssen dich zunächst auf Vordermann bringen, bevor ich dich wie gewünscht einsetzen kann. Ich werde dich deshalb zunächst zu einem Medicus meines Vertrauens schicken. Warst du schon einmal in Germania?"

    Stilo nickte zufrieden, als Sporus aufhörte, zu weinen. "Spar dir die Tränen in Zukunft für dein Kissen auf oder für die Schulter eines Sklaven, hm? Ich mag keine Heulsusen." Er setzte sich wieder bequem hin. Sporus musste weiterhin stehen, während Stilo ihn sich ansah. "Deine Narben sehen zwar hübsch aus, bedürfen aber einer Nachbehandlung. So rot sollten sie nicht sein, da ist vielleicht eine Entzündung drin. So, wie du die Kastration beschrieben hast, wäre das kein Wunder. Hast du da manchmal Schmerzen?"