Beiträge von Gaius Aemilius Lepidus

    Lepidus winkte ab. Er bemerkte die Bestürzung in ihrem Gesicht,...er wußte, daß er im Moment ziemlich desolat aussah. In seinem Alter steckte man eine Reise nach und von Germania hierher nicht mehr so ohne weiteres weg.

    Nein, nein...sie stellt im Gegenteil eine schöne Anekdote dar... er nahm eine der Decken und legte sie sich über die Beine. Lächelnd sah er sie an. Oh, mir geht es im Moment nicht wirklich schlecht,...das jahreszeitlich bedingte Dilemma ...aber genug von mir. Du hast eine Unterkunft in Roma? fragte er ernsthaft besorgt. Es wäre mir eine Freude dir hier bei mir ein nettes Cubicullum zu geben. Ajax kam mit gewärmten Würzwein. Lepidus nickte. Da steckte doch garantiert wieder Antigonos hinter.

    Er nahm sich einen Becher und sog den würzigen Duft ein. Leicht nickend meinte er, ...erzähl mir von deinen Eltern,...wie geht es ihnen? Zuprostend hob er den Becher.

    Lepidus verließ sein Cubicullum über die Terrasse und ging gemessenen Schrittes auf die Laube zu. Er warf einen Blick über die Schulter und grinste sich diebisch freuend Antigonos zu der ihm von Weitem mit der Bürste drohte. Bald trat er der Laube näher und führte vor Überwältigung beide Hände zum Mund. Bei den Göttern,...du bist deiner Mutter aus dem Gesicht geschnitten...wie lange ist das jetzt her? er vermied die üblichen Floskeln von Groß geworden, denn hier stand kein Kind vor ihm.

    Er rang seine Versuchung nieder ihr über den Schopf zu streicheln, wie er es weiland getan hatte wenn sie bei ihm und ihrem Vater für Unruhe zwischen den Schriftrollen suchte.

    Lächelnd meinte er, während er sich hinsetzte und sie bat das gleiche zu tun. Ich habe noch die Abschrift des Arrianus zusammen mit deinen Blumenmalereien und der Sonne die dem Ikarus gerade die Wachsflügel versengt. Er musste lächeln, er hatte dieses seltene Exemplar seinerzeit sehr günstig von ihrem Vater erstanden.

    Lepidus riskierte einen Blick durch die Vorhänge seines Cubicullums, während Antigonos an seiner Tunika herumnestelte.

    Verdammt, Tigono,...hör ´auf an mir ´rumzukratzen! murrte er.

    Wenn du dich nicht immer bekleckern, oder nach dem Essen umkleiden würdest, da du mit zunehmendem Alter...

    Lepidus hob den Zeigefinger. Du bist nicht meine Mutter!

    Was offensichtlich war, und er hatte natürlich nicht unrecht. Als Angehöriger der Oberschicht sollte man schon auf sein Äußeres achten. Antigonos hörte auf mit der Bürste an ihm herum zu fuhrwerken und inspizierte sein Werk. Grimmig nickte er.

    Sie ist viel zu früh von uns gegangen, sonst wärst du nicht so ein hoffnungsloser Fall!

    Lepidus überhörte das, die Frauen in seinem Leben verließen ihn immer viel zu früh, seine Mutter als auch seine geliebte Gemahlin Iulia ließen ihr Leben im Kindbett. Manchmal fragte er sich ob das was sie für ihr Leben gaben das zwingend Bessere war?! Er wischte einen erneuten Versuch Antigonos´ sich über eine Stelle an seiner Tunika herzumachen beiseite und trat schnell durch den Vorhang auf die Laube zu. Die Sonne blendete ihn ein wenig an diesem milden Wintertag. Sichtlich gespannt trat er auf die Laube zu.

    Lepidus ärgerte sich ein wenig. Wieder war einer der älteren Rollen beim Öffnen beschädigt worden. Er würde sie zur Abschrift an den Scriba weitergeben müssen. Die alte Rolle mit den Fragmenten würde man auf ein neues Stück Papyrus kleben und versiegeln. Es war zum Haareraufen, es war anscheinend zu trocken hier in diesem Raum. Doch mehr Feuchtigkeit förderte Schimmelbildung, besonders bei den Rollen aus Tierhaut Natürlich konnte man alles abschreiben lassen aber die Originale ging so zwangsläufig verloren. Man müsste...

    In diesen Gedanken versunken betrat Antigonos den Raum. Wie immer störte er sich an dem Weihrauchgeruch den Lepidus hier durch das verbrennen eines kleinen Klumpen hochteuren Harzes durch den Raum schleichen ließ.

    Salve Dominus,...eine junge Frau hat sich eingefunden, aus Pergamon,...sie sagt ihr Name sei Antonia,...Antonia Phoebe, du findest sie in der Laube vor deinem Cubicullum.

    Lepidus legte die Stirn in Falten, wie immer hatte Antigonos schon eine Situation geschaffen aus der er nicht so einfach herauskam. Doch der Name und die Herkunft ließ ihn aufhorchen.

    Antonia Phoebe?...aus Pergamon...das ist ja eine nette Überraschung.

    Er legte die beschädigte Rolle einstweilen zurück und meinte,

    Die Laube meiner Mutter sagst du?...gehen wir!

    Antigonos verbarg ein Grinsen. Er bat sie mit einer einladenden Geste herein und nickte einem herbeieilenden Jungen zu. Geleite die junge Frau in den Hortus zur Laube...Lepidus hatte in der Vergangenheit oft von einem Antonius in Pergamon gesprochen. Viele seiner Schriften kamen von dort. Daher schloß er, daß die junge Frau mit der ledernen Rolle nicht nur aufgrund ihres Namens mit jenem Antonius in Verbindung stand. Während Ajax die Frau geleitete machte er sich auf den Weg zu Lepidus. Er hatte eine ungefähre Vorstellung wo er ihn finden würde.

    Der junge Ajax führte Antonia Phoebe in jene Laube die vom Cubicullum des Dominus am Besten einzusehen war. Sie war alt aber wunderschön und gepflegt. Feine Marmorsessel mit dicken Kissen und bereitliegenden Decken standen mit Blick auf einen kleinen Teich und einem Wasserspiel. Die Laube war überdacht und zu den Seiten hin offen.

    Ajax bat Antonia Platz zu nehmen und entfernte sich schüchtern und mit hochrotem Kopf, erschrocken über die Gedanken und Bilder die seiner Vorstellung entsprangen.

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    Antigonos, unerschütterlicher Torwächter der Villa Aemilia öffnete die Kleine Klappe um zu sehen wer denn hinter dieser süßen Stimme steckte. Was er sah ließ ihn bedauern zu früh für sie geboren zu sein.

    Er klappte die kleine Öffnung zu, strich seine Tunika glatt und öffnete die Tür.

    Salve Antonia Phoebe aus Pergamon...hast du denn einen Termin? Der Dominus empfängt keine ungeladenen Gäste!

    Er ließ das mal so im Raum stehen, es gab ja durchaus Spielräume, aber er wollte hier keine Begehrlichkeiten wecken.

    Das Triclinum war ein großer heller Raum, der sich unmittelbar dem Atrium anschloss. Um einen niedrigen Tisch standen einige Clinen gruppiert; Schlanke Terrakotta Amphoren und verzierte Kohleschalen dienten zur schlichten Dekoration. Auch hier, wie im ganzen Haus, zog sich der Faden der minimalistischen Geradlinigkeit.

    Ein marmoner Schrein in welchem den Gottheiten des privaten Bereichs gehuldigt wurden. Das waren u. a. genius (zuständig für die Schöpfer- und Zeugungskraft vor allem des Hausherrn) und die weibliche Entsprechung iuno (für Geburt, Ehe und Fürsorge). Die lares wachten über Haus und Wege, die penates z. B. über die Vorräte.

    Der Raum war gut gelüftet und auf seinem Schreibtisch stand ein Becher dampfenden Kräutersuds. Lächelnd nahm Lepidus platz und atmete den würzigen, aufsteigenden Dampf ein. Der Sud war noch zu heiß zum trinken, daher widmete er sich zunächst einmal seiner Post.

    Die üblichen Rechnungen überflog er, nichts aussergewöhnliches dabei. Ablage...Dann der Klatsch und Tratsch .

    Inzwischen war der Sud ein wenig abgekühlt und er setzte sich damit auf die Sitzgruppe mit dem Blick auf den Hortuzs. Wenngleich er momentan nicht ganz so bunt und voller Leben war so spendete er ihm Ruhe und Frieden. Ein Schluck des Suds ließ seine Augenbrauen hochwandern. Es gab wieder Honig,...schön.

    Ach, sieh an,... murmelte er als er die Liste mit wichtigen Ereignissen las. Decimus Serapio hat geheiratet,...Quintilia Valentina,...es hieß sie sei ihrer Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten.

    Er nickte. Wünschte dem jungen Paar alles Gute und viele friedliche Jahre. Dann Berichte über die ausufernden Bandentätigkeiten. Kopfschüttelnd fragte er sich warum der PU die Nester nicht ausräucherte? Man wußte doch wo sie sich befanden.

    Nero schlug ein wenig ungehalten gegen das Holztor. Kurz darauf wurde die kleine Klappe geöffnet und eine brüchige Stimme fragte nach dem Begehr. Lepidus musste in seiner Sänfte trotz der wochenlangen Reise schmunzeln. Antigonos lebte also immer noch. Jede Dekade erhielt er seine Freilassung die er jedesmal energisch abwies. Lepidus´Vater hatte den blutjungen Antigonos seinerzeit gekauft weil er hübsch war und ein herzliches Wesen hatte. Ideal als Haussklave für seine Mutter. Die beiden verbrachten oft Stunden im Hortus.

    Ein Zug der Wehmut überflog Lepidus´Gesicht als Nero den alten Antigonos aufzog. Jeder mochte Antigonos, auch wenn er inzwischen ein wenig vergrämt und buckelig war.


    Die Klappe wurde geschlossen und alle sahen sich aufatmend an. Es war geschafft. Sie waren wieder zu Hause.

    Nero half Lepidus aus der Mietsänfte und kümmerte sich um die Auflösung der Reisegesellschaft. Lepidus betrat durch die inzwischen geöffnete Türe die Villa.

    Willkommen daheim junger Domius! brummte Antigonos mit seinem stimmigem Bass. Danke alter Freund! Es wurde auch Zeit! entgegnete Lepidus und legte dem Alten liebevoll die Hand auf die Schulter.Die Haussklaven eilten herbei, begrüßten ihren Dominus und bargen die Mitbringsel, die wieder einmal reichlich waren.

    Seine persönliche Leibsklavin Maria trat auf Lepidus zu, verbeugte sich leicht und meinte mit ihrer wunderbar melodischen Stimme. Willkommen zu Hause Dominus, das Bad ist bereit.

    Lepidus nickte dankbar. Danke Maria, bring´mir bitte noch einen Becher von deinem Kräutersud,...ich habe mir in Germania irgendetwas geholt...nicht nur seine Knochenschmerzen und die übliche Erkältung.

    Eine parkähnliche ummauerte Anlage die jenen der neureichen Familien nicht nachstand.

    Jahreszeitlich blühende Sträucher und Bäume, Blumenbeete, gepflasterte Wege, Wasserspiele

    und Lauben laden zum spazieren und verweilen ein.