Beiträge von Duccia Venusia

    Der wachhabende hatte sie freundlich eingelassen. Auch wenn der Tod ihres Mannes nun schon einige Zeit zurücklag, so hatte er wieder alte Erinnerungen geweckt, die sie auf dem Weg in dass Officium begleitet hatten. Vor der Porta jedoch verscheuchte sie die Erinnerungen, straffte ihre Erscheinung und fand ihre alte aufrechte Haltung wieder. Unter einem Umhang verborgen, welchen sie in dem warmen Geäude über ihre Schultern zurück gelegt hatte, trug sie eine dunkelgrüne Tunica, welche mit hellgelben Bändern gebunden wirden war. Die gereizte Aufforderung einzutreten, ließ sie ein wenig überrascht die rechte Augenbraue nach oben ziehen. Schließlich öffnete sie die Porta und trat ein. "Salve Legatus Aemilius Nepos. Du hattest mich hergebeten. Wenn dich andere Angelegenheiten in Anspruch nehmen, dann komme ich gern ein anderes Mal wieder,"schlug sie vor und lächelte so freundlich es ihr möglich war.

    Wie ihr am Tag zuvor mitgeteilt worden war, fand sie sich nun zu ihrem Termin in der Regia ein. "Salve", grüßte sie den Wachhabenden. "Mein Name ist Duccia Venusia. Ich bin vom Legatus Augusti pro Praetore herbestellt worden. Er erwartet mich." Wie es für sie üblich war, hatte sie sich gänzlich allein auf den Weg zur Regia gemacht und wartete nun darauf die Porta passieren zu können und eingelassen zu werden.

    Etwas verwundert sah sie dem Boten nach, der seine Mitteilung überbracht hatte und sich dann recht schnell verabschiedete. Aber noch überraschter war sie, dass der Legatus nach ihr hatte schicken lassen und sie nun sehen wollte. Ihre Gedanken waren in Bewegung und doch kamen sie zu keinem für sie befriedigenden Ergebnis. Sie würde also bis zum nächsten Tag warten müssen und zu diesem Termin erscheinen, der ihr wohl die noch fehlende Erkenntnis bringen würde.

    Die junge Frau an der Porta sah ein wenig verwirrt den Besucher an, der etwas ungewöhnlich sein Anliegen vortrug. Sie hatte kaum Erfahrungen, damit Besucher zu empfangen, wusste aber, dass man sie hereinbitten sollte und ihnen etwas zum Trinken anbieten musste. "Oh, gegen den Frosch werde ich sicher etwas tun können. Bitte komm doch herein und nimm in der großen Halle Platz. Ich werde nach etwas zu Trinken für dich schicken und nachschauen ob sie Zeit für deine Nachricht haben wird." Die junge Brünette deutete auf zwei Korbstühle welche von einem kleinen runden Tisch getrennt wurden und sich in der Nähe eines Kohlebeckens befanden. Daraufhin verabschiedete sie sich kurz nickend und verschwand recht bald hinter einer Tür.


    Während der Bote mit einem Becher verdünntem Wein versorgt wurde, fand die junge Frau Venusia in ihrem Zimmer. Einen Boten des LAPP ließ man nicht lange warten auch wenn sie sich fragte warum dieser unbedingt sie sprechen wollte. Etwa fünf Augenblicke nach dem Wein und etwas Trockenobst betrat Venusia die große Halle und ging auf den Besucher zu. "Salve. Ich grüße dich. Mir wurde zugetragen, dass du eine Nachricht für mich hast?" Sie sah den Boten ein wenig fragend an ehe sie dem anderen Stuhl Platz nahm und auf die Nachricht wartete.

    Eine junge Angestellte, welche sonst in der Küche kleine Handreichungen machte und sich um den Garten kümmerte, hatte das Glück oder das Pech an der Porta vorbeizukommen als an dieser geklopft wurde. So öffnete sie die Porta und betrachtete den Mann, der vor der Tür stand und wahrscheinlich genauso erwartungsfroh sie ansah wie sie ihn. "Salve," begrüßte sie den Mann. "Wie kann ich dir helfen?"

    Dagmar hatte nichts dagegen ein wenig nach draußen zu gehen und da sie von ihrer Tochter wusste, dass Dagny zu den engen Freunden ihrer Tochter gehörte, war es sicher keine schlechte Idee sich mit der jungen Frau zu unterhalten. Mehr und mehr hatte sich ein Gedanke in Dagmars Kopf festgesetzt und sie kaum noch in Ruhe gelassen. Doch ehe sie diesen in die Tat umsetzen konnte, musste sie noch Einiges erledigen. Auf dieser Aufgabenliste stand auch das Wohl ihrer Tochter, das sie gesichert wissen wollte und wenn sie ihr Vorhaben wirklich bald in die Tat umsetzen wollte, dann musste sie sich bald darum kümmern. Dann würde sie noch ihren Sohn aufsuchen und diesen zuerst von ihrem Wunsch unterrichten. Danach folgte dann ihre Tochter und schließlich die restliche Familie. Doch bis dahin würde noch einige Zeit vergehen. Eine Sache hatte Dagmar in all der Zeit gelernt, man sollte sich zeitnah um die wichtigsten Dinge kümmern und alles regeln. Das stand nun an. “Gut, dann gehen wir etwas schlendern.“
    Nachdem sie das Haus verlassen hatten, gingen sie in die Richtung, die Dagny vorgeschlagen hatte. “Einen bestimmten Ort habe ich hier nicht. In Richtung Hain passt mir gut. Früher, als sie noch in der Stadt direkt lebten, hatte sie einige Orte gehabt, die sie gern aufgesucht hatte. Doch jetzt mochte sie jede Stelle gleich. Wichtig war ihr lediglich, dass sie allein sein konnte. Bei diesem Spaziergang ging es nun aber nicht darum allein zu sein und so war es ziemlich egal wohin sie gehen würden. „Ich habe die Hochzeit einige Zeit beobachtet. Es waren so viele Leute da und die Stimmung dann später ziemlich ausgelassen. Ich wollte da nicht stören. Ich habe aber viel Gutes darüber gehört als die Störung dann überwunden war.“ Nur weil sie nicht direkt dabei gewesen war, hieß es ja nicht, dass sie nichts mitbekommen hatte. Ihr war durchaus zu Ohren gekommen, dass der LAPP einen Aufschub erwirkt hatte und wie überrascht alle gewesen waren, dass es dann Alrik gewesen war, der recht aufsehenerregend seine Familie aufgesucht hatte. “Nein, ich wusste nichts davon. Für mich war es genauso überraschend wie für alle anderen auch. Ich freue mich sehr, dass er zurückgekehrt ist.“ Für die Provinz wie auch für die Familie war es gut, dass jemand das Sagen hatte, der die Bevölkerung und auch das Gebiet rechts und links des Limes kannte. “Wie hat dir denn diese Hochzeit gefallen? Hattest du denn viel Spaß gehabt?“ Mit Dagny hatte sie seit der Hochzeit nicht wirklich viel sprechen können. Jedenfalls nicht darüber.

    Für diesen Tag hatte sich Dagmar nicht wirklich viel vorgenommen. Das Fenster ihres Zimmers hatte sie geöffnet und dann einen Sessel daneben gestellt. Sie wollte einige Borten weben und hatte sich verschiedenfarbige Wolle bringen lassen und ebenso ein kleines Gestell. Gerade hatte sie die Fäden aufgespannt als es an der Tür klopfte. Sie bat den Besucher herein, denn nur diese klopften an. Ihre Tochter würde einfach hereinkommen. Ein wenig erstaunt war sie als sie Dagny in der Tür sah.
    “Nein, du störst mich nicht. Ich wollte nur ein wenig weben und das kann warten, das eilt nicht.“
    Auf die Frage nach dem Spaziergang wollte sie nicht gleich antworten. Dagmar wusste nicht ob sie reden wollte. Das jedoch würde sich nicht umgehen lassen wenn sie Dagny in den Garten folgte. Auf der anderen Seite würde sie ihrer Tochter sicher einen Gefallen tun wenn sie etwas hinausging. Denn dass Nela ihre Finger im Spiel hatte, das ahnte sie irgendwie. Diese versuchte sie ja ständig vor die Tür zu kriegen. Das Wetter war wirklich gut und im Grunde sprach auch nichts dagegen ein wenig hinaus zu gehen. Also stand sie auf und schob den Rahmen ein wenig zur Seite.
    “Dann begleite ich dich mal in den Garten,“ beantwortete sie dann die Einladung. “Wohin genau möchtest du denn dort mit mir gehen oder einfach nur etwas schlendern?“ Vielleicht konnte sie ja so schon etwas von den Absichten in Erfahrung bringen, die Dagny hegte. Die Antwort war aber unerheblich für die Durchführung des Vorhabens und sie würde der jungen Frau vorerst einfach folgen.

    Manchmal sagten wenige Worte mehr aus als eine komplette Rede. So war es auch in diesem Fall. Natürlich wusste Dagmar, dass die deutlich kleinste Anzahl an Eheschließungen die Liebe als Grundlage hatte. In den anderen zahlreichen Fällen war es politisches Kalkül. Sie konnte sich also recht gut vorstellen, dass es nicht unkompliziert war. Bei dieser Schilderung konnte Venusia nicht wirklich sagen ob es besonders viel Mut war, der die Tiberia so handeln ließ oder das Verkennen der gefährlichen Situation. Vielleicht auch irgendwo Beides, eine Mischung davon. "Du hast diese besondere Eigenart gern und schnell etwas polarisierend zu wirken. Was natürlich nicht das extreme Handeln des Mobs rechtfertigt." Venusia lächelte Vala ein wenig an. Diese Tatsache war ihm sicher schon selbst aufgefallen. "Vielleicht hat deine Frau aufgrund der noch nicht ganz eingespielten Informationsweitergabe einfach keinen richtigen Blick für die Situation gehabt." Sie hate das Paar ja noch nicht im Zusammenspiel gesehen, was sie aber von Vala wusste und was dieser gerade ihr erzähte, ließ schon einige Schlüsse zu. "Mit der Zeit wird es sicher besser und wenn du dich auch ein wenig auf sie einlässt, sollte es sogar etwas schneller gehen. Vielleicht würde es helfen, wenn ihr versuchen würdet eine gemeinsam Sprache zu finden."


    "Alrun?" Venusia lächelte. "Ein sehr schöner Name und das nicht nur weil ihn auch deine Mutter trug." Bei Alriks weiterer Beschreibung musste sie lachen. "Taff sind die duccischen Frauen alle," erklärte sie dann. Das schien eine Grundeigenschaft der weiblichen Familienmitglieder zu sein. "Es würde mich sehr freuen sie kennenzulernen. Dann kann ich auch gleich überprüfen ob du recht hast." Dann fiel ihr Blick wieder auf die Feier, die in einiger Entfernung zu ihnen ihren Fortgang nahm. "Wenn du gern wieder zu den Feiernden zurückkehren willst, dann sage es gern und unverblümt. Ich kann es gut verstehen." Sie wollte nicht, dass sich jemand wegen ihr Umstände machte oder auf den Spaß der Feier verzichtete nur um sie zu unterhalten.

    Alrik hatte recht. Einige dieser Gedanken waren ihr auch schon durch den Kopf gegangen. Dennoch sollte Brandolf seinen Weg selbst finden und entscheiden können ob er das Militär als seine Zukunft sah oder doch eher die politische Bühne ihm mehr lag. “Egal welchen Weg er einschlagen wird, er wird sich immer Kritikern beweisen müssen. Beide Familien haben große Politiker hervorgebracht und auch große Kommandanten in deren Schatten er stehen wird und sich seine eigenen Sporen wird verdienen müssen. Aber das ist eben das Erbe jener, die großen Menschen folgen.“ Es würde sich nie ändern und wohl immer so bleiben.


    Irgendwo war es erschreckend, dass sie Vala so gut hatte durchschauen können. Es gar genauso gewesen, wie sie sich gedacht hatte. Sie würde Vala dafür aber jetzt nicht in Grund und Boden stampfen. Das stand ihr auch nicht zu. Aber sie hatte ihn wohl zum nachdenken animiert und das war etwas, dass sie gewollte hatte. “Wir werden sehen was wir tun können und ich bin mir sicher, dass die Mädchen das noch besser hinbekommen als ich es vermag. Aber vielleicht solltest du auch die ein oder andere Unterhaltung suchen und mal die ein oder andere freie Zeit nutzen um ihr zu zeigen was du an deiner Heimat so schätzt. Nur so kann sie es auch verstehen.“


    Da Alrik so unaufmerksam war ( :P ) sah sich Venusia tatsächlich dazu veranlasst ihre Frage von vorhin zu wiederholen. Sie sah es ihrem Verwandten nach. Er hatte sicher viel um die Ohren und es waren ja auch viele Fragen gewesen mit denen sie auf ihn eingestürmt war. “Stimmt es denn was die vielen Münder so zu berichten wussten. Du bist Vater geworden?“ Ehe sie ihn mit Gratulationen überhäufte, wollte sie das erst bestätigt wissen.

    "Damit magst du recht haben. Ein Ziel vor Augen ist schon sehr wichtig. Doch wenn er sich nicht so für das Militär erwärmen kann wie es sein Vater getan hatte und er eher den Weg der Politik für sich sieht, dann will ich ihn dabei unterstützen. Eine Ahnung davon wie es sein wird, bekommt er aber nur wenn er sich das mal anschauen kann. Außerdem lernt es sich zu Hause am Schlechtesten" Venusia wusste auch nicht ob sie es verkraften würde wenn ihr Sohn auch zum Militär gehen würde. Sie hatte einfach zu viele Verluste miterleben müssen und ob sie mit dem ihres Sohnes dann ncoh würde umgehen können, konnte sie beim besten Willen nicht sagen. Wenn er sich also lieber der Politik verschreiben wollte, würde sie nichts dagegen haben. "Ich habe ihn zu einer befreundeten Familie nach Colonia Augusta Treverorum geschickt. Memmius Subrius ist sein Name und er gehört dem dortigen Stadtordo an. Er ist sehr engagiert und Secundus wird dort viel lernen können."


    Venusia schmunzelte ein wenig als sich Vala ihr antwortete. "Für uns tut es das. Wir kennen die Provinz unser ganzes Leben und es gibt nichts, das damit vergleichbar ist. Für deine Frau wird vermutlich sich die Wagschale deutlich zu Gunsten Romas neigen, da sie alle Vorteile dieser Stadt für sich kennengelernt hat und sie zu schätzen weiß." Sie konnte die Tiberia schon verstehen. Roma war einfach ein ganz anderes Pflaster als das Provinznest Mogontiacum. Jedenfalls in den Augen eines Menschen, der vermutlich noch nichts anderes kennengelernt hatte. "Hast du sie denn mit deinen Aufgaben hier vertraut gemacht, so dass sie davon eine Ahnung bekommen hat?" Manchmal half es ja schon wenn man wusste was es zu tun gab um sich ein wenig mehr mit der Situation anzufreunden. Venusia konnte sich vorstellen, dass auch das eher unterblieben war. Das kreidete sie Vala keinesfalls an. Manche dachten einfach nicht daran und er wird sich einfach gefreut haben aus Roma fortzukommen. Bei seinen weiteren Worten hob sie etwas überrascht die Augenbraue. "Ich werde sehen was ich tun kann und Nela und Dagny werden sie vielleicht auch mal auf den Markt begleiten und ihr so etwas von der Stadt zeigen. Irgendetwas wird uns da sicher gelingen." Dann erinnerte sie ihn an eine weitere Frage, die er bisher noch nicht beantwortet hatte, die sich um die Vergrößerung seiner Familie drehte.

    Sie lachte kurz leise auf als Vala sich ihre Aussage zur Ruhe als stark betitelte. Vermutlich klang es in seinen Ohren wohl wirklich ungewöhnlich. Er kannte sie noch eherblich quirliger als sie es nun war. Den wahren Grund würde er vermutlich schon irgendwann in Erfahrung bringen können. Doch bis dahin, konnte sie den Wunsch nach Ruhe vielleicht wirklich auf ihre ins Land gezogenen Jahre schieben und wenigstens in diesem Moment nicht über alles Vergangene nachdenken.


    "Über diese Wort darf man sich wohl als Mutter sehr freuen." Aber es war schon wahr. Sie konnte ihre Tochter nicht verleugnen. "Auch ihr Bruder macht sich ganz gut. Er ist gerade auf Bildungsreise. Noch weiß er nicht welchen Weg er einschlagen möchte und so soll er sich eine Meinung bilden. Deswegen kann er heute auch nicht hier sein. Wirklich schade, er hätte sich sicher gefreut auch dich wieder zu sehen. Vielleicht kommt er uns ja in nächster Zeit besuchen wenn ich ihm schreibe, dass du hier bist oder der germanische Neuigkeitsaustausch ist noch schneller und er kommt von selbst." Über ihre Kinder konnte sie sich nicht beschweren und das war gut.


    "Die gottverlassenen Wälder," fragte sie etwas überrascht nach. "Kann es sein, dass du es versäumt hast sie auf die Vorzüge unserer Heimat vorzubereiten?" Sie konnte sich lebhaft vorstellen, dass ihr Neffe sich so über die Rückkehr gefreut hat und der Tiberia nicht erklärt hat, dass es hier etwas anders was als in Roma. "Aber vermutlich hätte es sie dennoch etwas überrascht wie es her so ist." Wer nur Roma kannte und dessen Leben, dem musste es hier wohl wirklich wie am Ende der Welt verkommen, in eine unzivilisierte Gegend verbannt. "Meinst du, dass es ihr vielleicht helfen würde wenn ich sie mal aufsuche und ihr versuche die Angst vor den gottverlassenen Wäldern zu nehmen?" Bisher hatte sie Alriks Frau ja noch nicht lennen gelernt und er konnte es wohl am Besten einschätzen. "Stimmt es, dass du, wie ich gehört habe, auch bereits für Nachwuchs gesorgt hast?" Der Neuigkeitsaustausch.

    Venusia blickte Vala an als dieser den Bürgerkrieg ansprach. Es stimmte, dass dieser ihr noch nicht wirklich etwas abhaben können. "Manchmal können Hochzeitsgäste noch schlimmer sein als eine marodierende Legionärshorde." Sollte sie ihm sagen was das eigentliche Problem war oder hatte er es nicht bereits erfahren oder selbst bemerkt. Nein, sie würde ihm nicht gleich an den Kopf werfen, dass sie nicht mehr so war wie früher. "Die Ruhe tut ganz gut. Sie ist ganz angenehm," erklärte sie daher nur.


    "Du bist ihr schon begegnet? Sie hatte wohl die Entgegennahme der Geschenke übernommen. Aber ja, das stimmt. Sie ist wirklich groß geworden." Über dieses Thema hatte sie auch schon das ein oder andere Mal nachgedacht. Im Grunde hätte sie auch schon längst verheiratet sein können, aber ihr war bisher keine passende Partie eingefallen oder begegnet. Wobei das mit dem Begegnen einen Haken hatte. Sie war so selten draußen. da konnte ihr keiner Begegnen. "Ja, das ist auch eine Sache um die wir uns wohl bald kümmern müssen. Aber auf eine Woche mehr kommt es wohl nicht an." Sie mussten die Lösung nicht gleich finden. "Bei allen Klagen über die Zeit. Sie ist zu einer hübschen jungen Frau herangewachsen und sie weiß sich sogar hin und wieder zu benehmen. Das hispanische Blut kommt aber an der ein oder anderen Stelle mal durch. Aber nun weißt du wie es mir gehen muss wenn ich dich so sehe." Erneut lächelte sie ein wenig. "Also ist Roma noch immer das gleiche Schlangennest wie es vorher schon war. Entweder geht man in ihm unter oder man kommt mit starken Rücken heraus." Das politische Parkett war rau, hart und oft sehr ungerecht. "Es ist schön, dass du wieder zurückkehren konntest. Hast du deine Frau gleich mitgebracht oder hast du sie vorerst in Roma gelassen?" Darüber hatte sie bisher noch nichts vernommen.

    Einen gewissen Reiz übte eine Hochzeit noch immer auf Venusia aus. Ganz hatte sie doch nicht darauf verzichten können aus der Ferne an der Hochzeit teilzuhaben. Die vielen Leute waren einfach das Problem. Aber hier zwischen den Säulen bekam sie ein wenig von dem mit was dort im Wildgarten passierte. Ihre Gedanken begannen zu schweben, fort von dem Kummer, der ihr das Herz so schwer machte. Sie erinnerte sich an die großen Feste im Dorfe Landogars, den Feiern im Frühjahr und im Herbst und auch die ein oder andere Hochzeit. Die Hochzeit würde sicher den alten Festen ganz ähnlich werden. Es waren viele Gäste gekommen und auch nachdem es ein paar holprige Momente gegeben hatte, schien nun nichts mehr von diesem moment beeinträchtigt zu sein. Es waren alle wieder in Feierlaune. Auch ihre Tochter und das freute sie sehr. Sie hatte Schritte vernommen, aber damit gerechnet, dass man sie nicht entdecken würde. Doch es war anders gekommen.
    "Ja, es sind so viele Menschen dort. Das ist nichts mehr für mich," verteidigte sich Venusia ein wenig. Sie ging auf Alrik zu und schloss ihn fest in die Arme. Sie hatte natürlich vom Haus-Buschfunk erfahren warum die Feierlichkeiten unterbrochen worden waren und was für Neuigkeiten danach herausgekommen waren.
    "Das Feiern überlasse ich inzwischen lieber meiner Tochter. Sie ist im richtigen Alter dafür. Solche Feiern sind etwas für die jungen Leute, die stolzen Eltern der Brautleute und den Freunden."
    Dann entließ sie ihn aus der Umarmung. "Auch an dir sind die Jahre nicht ganz spurlos vorübergegangen," bemerkte sie dann und zum ersten Mal seit einiger Zeit zeigte sich auf ihrem Gesicht ein kleines Lächeln, das auch ihre Augen erreichte. "Ich gratuliere dir zu deinem Erfolg und deiner Ernennung. Es freut mich zu sehen, dass nun jemand aus der Familie die Geschicke der Provinz lenken darf. Es wurde auch langsam Zeit." Erneut ein winziges Lächeln. Einige LAPP hatte sie schon kommen und gehen sehen. Dies war die schönste Nachricht, die sie seit langem hatte hören dürfen.

    Zitat

    Original von Duccia Venusia
    Ich melde mich zwecks Urlaub bis zum 03.08.2015 ab. Habt eine schöne Zeit :)


    Da bin ich wieder. :) Es wird aber noch ein wenig dauern bis ich wieder voll und ganz da bin :)

    “In Roma muss man sich wirklich nicht lang aufhalten um das mitzubekommen. Es gibt auch schöne Ecken, aber man muss sie suchen und man findet sie auch sehr schnell in den Städten in der Nähe. Ostia ist auch eine schöne Stadt. Alexandria auch. Aber da ist es ganz anders. Fast schon eine ganz eigene Welt.“ Sie hatte wirklich eine ganze Menge in ihrem Leben gesehen und war weit herumgekommen. Das hatten bisher auch nicht viele aus ihrer Familie geschafft. Eigentlich müsste sie wohl wirklich ständig und immer überborden vor Freude. Doch diese konnte sie in diesen Zeiten einfach nicht finden. Egal wie sehr sie sich darum bemühte. “Herumtollen und Spielen können sie hier wirklich sehr gut. Doch sie werden sich bald in ihren Pflichten stellen müssen. Secundus stammt zum einen von uns Duccii ab. Eine sehr einflussreiche Familie hier in Germania und dann auch noch zum anderen von den Decimii ab. Du hast sie in Roma gesehen. Sein Onkel ist Consul gewesen und ein erfolgreicher Feldherr. Ebenso sein Vater. Auch er hat eine große Karriere beim Militär gemacht. Secundus stehen einige Türen offen, aber er muss sich eben bei Zeiten entscheiden. Er kann hier viel ausrichten und vielleicht sogar noch mehr in Roma. Vielleicht verlässt er uns auch bald wieder.“ Ihr Blick wurde wehmütig, zeigte aber auch einen gewissen Stolz. Sie hatten kämpfen müssen, den anderen und auch sich viel zu beweisen gehabt und es geschafft. Was sie angefangen hatten, hatten die anderen Duccii hier ausgebaut und jetzt konnten sie sich solch ein Anwesen leisten und es mit Stolz besitzen.“Sevilla hat noch ein wenig mehr Zeit, aber auch sie wird bald heiraten. Vielleicht eine politische Hochzeit, vielleicht auch eine Liebeshochzeit wie ich sie hatte. Dennoch wird auch sie bald flügge.“ Dann war sie allein. Noch konnte sie sich mit dem Gedanken nicht abfinden und wollte es auch nicht. Doch sie würde es müssen. Das alte Haus hatte ihr nur wieder gezeigt wie endlich das Leben ist und wie schnell einfach alles anders sein kann. Was hatte sie hier nicht schon alles durchgemacht. Kriege, Unruhen, Geiselnahmen, Erpressungen und Feuer. Manchmal unterschied es sich kaum von dem Leben auf der anderen Seite des Limes. Sie wollte sich an dem Gedanken festhalten, dass ihre Kinder großes vollbringen könnten wenn sie es denn wollten. Das unterschied sich dann doch wieder ein wenig. “Die Sorgen und Hoffnungen einer Mutter,“ meinte sie dann und lächelte ein wenig während sie den Weg weitergingen.

    Sie wusste nicht ob er sie da wirklich so verstehen konnte. Sie wollte das Alte wieder haben, etwas Beständiges. Da wo ihr Herz eben hing. Hier war es noch nicht angekommen und ob es das jemals tat. Irgendwie hatte sie das Gefühl, dass es Albin da ganz ähnlich ging. Er wirkte noch mürrischer als sonst. Selbst bei ihr. Aber er war ein inzwischen wirklich alter Baum und sie eben noch nicht. “Es stimmt schon. Es ist nur eine Behausung.“ Ein wenig traurig ging ihr Blick zu dem Gebäude zurück. Es sollte aber eben ein Heim sein und keine einfach Behausung. Ein paar gibt es ja schon. Es ist größer als die andere und wir haben mehr Platz darinnen und es ist alles auf einer Stelle.“ Sie lächelte ihn ein wenig an. Das Wohlfühlen würde mit der Zeit noch kommen. Irgendwann ganz sicher.
    „Vielleicht hat sie es ja geschafft und grast nun in Freiheit. Pferde sind schlaue Tiere und sie wird es trotz ihrem großen Hunger auch gewesen sein. Ganz sicher.“ Natürlich konnte sie nicht wissen was dem Tier wirklich zugestoßen war, aber sie mochte einfach gern glauben, dass es ihm gut ging. Pferde waren Fluchttiere. Sie nahmen Reißaus wenn es gefährlich wurde. Daran glaubte sie einfach. Gerade wollte sie ihn darauf ansprechen wegen des Reitens erklärte er es. “Hättest du doch vorher etwas gesagt, dann hättest du bei unserem letzten Ausflug gern den Wagen nutzen können.“ Sie blickte kurz nach unten. Es tat ihr leid, dass ihm das passiert war, aber es brachte ja nicht das zum Ausdruck zu bringen. Es war lange her und er hatte sich damit arrangiert. Jedenfalls schien es so. “Es ist aber auch nicht gut immer schnell sein zu wollen. Manchmal muss man auch langsamer, überlegter sein um alles richtig zu machen.“ Alles Dinge, die sie auch schon gelernt hatte mit der Zeit.


    Kurz versteifte sie sich als Alan ihr seine Hand auf die Schulter legte, entspannte sich dann aber wieder und hörte seiner Geschichte zu. Stellenweise ganz ähnlich ihrer eigenen. Nur hatte sie es öfter getroffen. Sie wusste nicht wo er sonst gelandet wäre und vermutlich wäre sein Leben dann vielleicht ganz anders gelaufen. Das konnte sie wirklich nicht wissen. “Wahrscheinlich war es wirklich alles so vorherbestimmt. Die Nornen haben manchmal einen ganz besonderen Humor. Es ist wirklich sehr nett von dir, dass du auf uns aufpassen willst. So wie es die Vergangenheit bisher gezeigt hat, wirst du da wohl nicht unbedingt eine leichte Aufgabe haben.“ Irgendwie schien ihre Familie Probleme anzuziehen. Vielleicht war es nach dem letzten großen Schicksalsschlag nun vorbei. Vielleicht konnten sie nun wirklich positiver in die Zukunft schauen. Gern hätte sie diesen Lichtblick angenommen, aber ihr Gemüt war noch immer zu verdüstert dafür. Für einen Moment lief sie einfach geradeaus weiter. Es gab in diesem Augenblick nichts weiter zu sagen. Ihr Blick schweifte über die Anlage. Wenn sie ehrlich mit sich war, war es hier wirklich schön und man konnte sich darauf einlassen. Aber etwas in ihr wollte das einfach nicht, weigerte sich das als gegen hinzunehmen, was gegeben war. „Meine Familie hat sich damit wirklich selbst übertroffen. Ich mag diese Weiten und die Abgeschiedenheit. In der Stadt, gerade in Roma war alles so voll, so stickig und so gar nicht nach meinem Geschmack. Trotz Allem bin ich froh hier zu sein.“ Auch wenn ihr hier der Anschluss nicht so gelungen war wie sie ihn früher hatte, so war es um vieles Besser als in Roma. Sie hatte sich nie wirklich als Familienangehörige gefühlt sondern nur als Gast und das war auch schwer zu ertragen. Immer wieder blieb sie kurz stehen und sah sich um. Wenn sie schon draußen war, dann konnte sie sich auch alles ansehen und vielleicht fand sie ja etwas besonders Schönes.

    Auch Dagmar und ihre beiden Kinder hatten es endlich in den Wildgarten geschafft. Kurz hatte sie ihren Kinder erklärt was sie zu erwarten hatten und wie sie sich zu verhalten hatten. Ihnen waren die römischen Gebräuche in dieser Richtung vertrauter als die Germanischen. Aber das war nach der langen Zeit in Rom auch kein Wunder. Auch wenn Dagmar selbst immer wieder versucht hatte das Germanische auch nicht außer Acht zu lassen. Nun aber gesellten sie sich endlich zu den Anderen. Secundus zupfte ein wenig unglücklich an seiner Tunika. Er hatte vorhin ständig herumgemosert, dass sie ihn kratzen würde. Doch seine Mutter konnte da recht starrköpfig sein wenn sie das wollte. Um ein wenig Authenzität für die Kinder zu erzeugen, hatte sie germanisch/römische Kleidung für diesen Tag gerichtet. Sie begrößten die Anwesenden freundlich. Soweit sie die Anwesenden kannte, erklärte sie den Kindern dann leise wie die anderen hießen wenn die Kinder sie nicht erkennen konnten.