[Subura] Schmierige Spelunke am Kanal

  • Aus dem Augenwinkel suchte Eireann bereits das Innere der Taberna nach dem Lockenkopf ab. Konnte Tiberios jedoch nirgends erblicken. Was auch kein Wunder war. Denn im Inneren der Taberna herrschte geschäftiges Treiben und die Männer waren zum großteil allesamt betrunken. Wieso hatte sie Sulamith und Tiberios nur alleine gelassen? Instinktiv begann sich die junge Keltin Vorwürfe zu machen und biss sich unbemerkt auf die Unterlippe. Sulamith hätte die Ancilla zurück in die Domus Iulia bringen müssen. Und sie selbst wäre mit Tiberius hier in der Taberna geblieben. Nur war alles anders gekommen. Und jetzt hieß es die iulische Sklavin und den furischen Lockenkopf sicher nach Hause in die iulische Domus zu geleiten. Nur wie wenn die beiden nicht zu entdecken waren? Einen raschen Blick wechselte die Keltin mit Iulia Graecina. Hatte die Domina Sulamith bereits entdeckt? Denn wenn Eireann ehrlich war dann wollte sie nicht länger in dieser schmierigen Spelunke verweilen.


    Abermals blickte Eireann zu Domina Iulia Graecina und bemerkte wie Angus ihr etqas zuflüsterte und auf etwas deutete. Hatte er Sulamith entdeckt? Fragend musterte Eireann Angus. Doch der Kelte setzte sich abrupt in Bewegung und Eireann heftete sich an seine Fersen. Was die Dunkelhaarige dann jedoch erblickte, ließ ihre Augen groß werden und schnürte ihr die Kehle zu. Dort kauerte Sulamith. Ihr Gesicht sah aus als wäre sie geschlagen worden. Abermals spürte Eireann wie sich das schlechte Gewissen und die Selbstvorwürfe in ihrem Innersten ausbreiteten. Das dann jedoch der furische Sklave seine Arme um Sulamith gelegt hatte, ließ Eireann erschrocken nach Luft schnappen. Was hatte Tiberios nur getan? War er schuld an Sulamiths Zustand? Aber ... wieso?
    “Tiberios....“
    Doch zu mehr kam die Silurerin gar nicht. Denn Angus packte den Lockenkopf und zerrte ihn grob aus Sulamiths Nähe. Hin- und hergerissen verharrte Eireann starr vor Entsetzen an Ort und Stelle.
    “Angus! Lass ihn los!“
    War es schließlich Eireanns Stimme die mit einem schneidenden Klang den Lärm durchbrach. Während ihr Gesicht aschfahl anmutete und ihre Augen verräterisch glänzten.

  • Der Kerl faselte etwas von Verwechslung und Irrtum. Das hätte ich an seiner Stelle wahrscheinlich auch gesagt! Doch für mich war die Sache hier glasklar! die Mistkröte hatte sich an Domina Graecinas Sklavin vergangen. Hätte er sich mal lieber rechtzeitig aus dem Staub gemacht, statt hier sitzen zu bleiben.
    "Ach ja?! Dann ist das hier auch eine Verwechslung!" Mit diesen Worten verpasste ich ihm eins mit meiner Faust. Direkt auf die Nase. Dabei war das noch ein relativ milder Schlag gewesen. Der Dreckskerl konnte sich noch auf was gefasst machen. Wenn ich erst mal mit ihm fertig war, würde er sich wünschen, niemals aus dem Hintern seiner Mutter gekrochen zu sein!


    Gerade wollte ich zum zweiten Schlag ausholen, da hörte ich Eireanns Rufe. Tiberios?! Kannte sie etwa dieses Mistschwein? Das konnte ja jetzt nicht wahr sein! Sie wollte, dass ich ihn loslassen sollte. "Wieso?! Siehst du denn nicht, was das Dreckschwein mit ihr gemacht hat?"

  • Der Schlag des Fremden auf seine Nase trieb Tiberios die Tränen in die Augen.
    Auf zivilisierte und höfliche Weise konnte man mit dem blonden Hünen wohl nicht reden - aber zurückschlagen wagte der junge Grieche auch nicht, denn der Kerl war ihm eindeutig körperlich überlegen .


    " Lass mich los, du Ausgeburt des Tartaros !",
    rief Tibeios und begann ihn mit der ganzen Phantasie eines Alexandriners zu beschimpfen, wobei er verzweifelt versuchte , sich aus dem Griff zu befreien:


    "Mögen die Erinnyen dir die Eingeweide rausreißen und dir in den Kopf stopfen, dann hättest du zumindest etwas Gehaltvolles darin ! Ich hoffe, die Keres des Todes jagen dich bis in die tiefsten Tiefen der Unterwelt und schlagen dich, wie du gerade mich schlägst - weißt du denn wie weh das getan hat ?! Mögen Nykodaimones dir jedes Haar einzeln ausrupfen und daraus einen Strick drehen, womit du dich dann kopfunter erhängen kannst, damit dein Schatten auf ewig ruhelos zwischen den Gräbern herumirrt, während Algea, der Schmerz und .Limos, der Hunger, die Kinder der grausigen Eris dich plagen ......."


    Hier verfiel Tiberios teilweise in sein heimisches Griechisch , weil er, wenn er aufgeregt war, manchmal Latein vergaß.:
    "Ich schwöre bei Allat, die Minerva ist, du großer gelbhaariger Barbar, ich habe dem Mädchen nichts getan!"


    Tiberios seufzte, sein Zorn verrauchte so rasch wie der Schlag auf die Nase, der ihn hervorgerufen hatte und machte Niedergeschlagenheit Platz:
    "Ich habe allerdings eine böse Tat auch nicht verhindert..
    Also schlag ruhig zu, denn ich habe es vermutlich verdient."

  • Zitat

    Original von Angus
    Gerade wollte ich zum zweiten Schlag ausholen, da hörte ich Eireanns Rufe. Tiberios?! Kannte sie etwa dieses Mistschwein? Das konnte ja jetzt nicht wahr sein! Sie wollte, dass ich ihn loslassen sollte. "Wieso?! Siehst du denn nicht, was das Dreckschwein mit ihr gemacht hat?"


    Wie eine Herde wildgewordener Pferde galoppierten die Gedanken durch Eireanns Kopf. Was hatte diese Szenerie nur zu bedeuten? Tiberios wie er Sulamith gar beschützend im Arm hielt. Und Angus der wie ein Berseker auf den furischen Sklaven losging. Was war hier nur passiert? Verzweifelt ließ die Dunkelhaarige ihren Blick zwischen Angus und Tiberios hin- und her gleiten. Bevor sie ihre Stimme wiederfand und den iulischen Sklaven zur Räson gemahnte. Denn der Schlag auf Tiberios Nase musste schmerzhaft gewesen sein. Zumindest vermutete dies die junge Frau. Bevor sie sich direkt an den iulischen Custos wandte und sich vor den beiden Streithähnen aufbaute. Hoffentlich würde sich die Domina um ihre verletzte Sklavin kümmern.
    “Nein. Das.. das kann ich mir nicht vorstellen.“
    Stammelte die junge Frau und richtete ihren Blick direkt auf den furischen Lockenkopf.
    “Bitte sag das du Sulamith nichts getan hast.“
    Beschwor Eireann den Lockenkopf und schluckte hart. Nicht auszudenken wenn Tiberios der Übeltäter war. Aber zu so etwas wäre der furische Vilicus nicht in der Lage. Stattdessen spürte Eireann ihr eigenes schlechtes Gewissen. Während ihr Blick in Sulamiths Richtung glitt. Formten ihre Lippen tonlose Worte.
    “Es tut mir Leid.“
    Wäre doch nur sie anstelle der jungen Frau in dieser Taberna zurück geblieben. Diese Selbstvorwürfe würden Eireann wohl ein lebenlang quälen.

  • Graecina war dem Custos gefolgt, jedoch hielt sie sich in sicherem Abstand hinter ihm. Angus fackelte nicht lange und nahm sich den Burschen zur Brust. Im Vergleich zu dem keltischen Custos war der junge Mann bei Sula ein schmächtiges Bürschchen. Doch auch solche Männer konnten einer Frau überlegen sein. Die arme Sula! Ihr Anblick, wie sie so da kauerte, rührte sie zu Tränen. So hatte sie ihre Freundin noch nie erlebt. Sie schien ganz apathisch zu sein. Ihr Äußeres deutete darauf hin, dass sie massive Gewalt erfahren hatte. Sie zuckte bei dem Gedanken zusammen, dass die Hebräerin vergewaltigt worden war. Das war wohl eines der schlimmsten Verbrechen, das man einer Frau antun konnte. Kein Wunder, dass Sula in dieser Verfassung war!


    Und ihr Peiniger? Dieser junge Mann, den Angus inzwischen hochgezerrt hatte und ihm mit der Faust mitten ins Gesicht geschlagen hatte. Er hatte es verdient, wenn es wirklich derjenige war, der Sula das angetan hatte. Was aber, wenn es stimmte, was er behauptete? Was, wenn er wirklich unschuldig war? Und überhaupt, wie sollte sie sie richtig verhalten, nach all dem, was sie auf den Christenversammlungen gehört hatte? Wie stand es nun mit Aussagen, wie ‚liebe deine Feinde‘ oder ‚wenn dich einer auf die linke Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin‘ oder gar ‚vergebet, so wird euch vergeben‘?

    Nachdem Angus' Faust zielsicher die Nase des jungen Mannes getroffen hatte, begann dieser zu protestieren. Es folgte eine wahre Schimpftirade mit Verwünschungen und Flüchen, teils in Latein, teils in Griechisch. Doch mutete sehr seltsam an. Einen Menschen, der Grichisch beherrschte und sich so ausdrücken konnte, hätte sie niemals an einem solchen Ort vermutet.


    Während sie darüber nach sinnierte, hatte Eireann den jungen Mann anscheinend identifizieren können. Zumindest war ihr sein Name bekannt. Tiberios? Hatte sie nicht schon vor ihrem Aufbrechen etwas von einen Tiberios erzählt? Wenn es sich hierbei tatsächlich um ihren Bekannten handelte, dann war es sehr unwahrscheinlich, dass er der Schuldige war, der für Sulas Zustand verantwortlich war. Sie musste jetzt handeln! Das tat sie dann auch. „Schluss jetzt! Angus! Eireann!“, rief sie. „Lasst den Mann gehen! Er soll sich erklären können!“


    Sie trat nun etwas näher heran und kniete sich zu Sula hinunter, um ihr nah zu sein und um sie trösten zu können. „Sula, ich bin es! Alles wird nun gut! Ich bin jetzt endlich bei dir.“ sprach sie sanft zu ihr und nahm sie in ihre Arme.

  • Kaum hatte ich ihm eine verpasst, begann er mich aufs Übelste zu beschimpfen. Wobei ich aber die Hälfte nicht verstand. „Hä? Ja, genau Tartaros!“ Zwar konnte ich mir nicht vorstellen, was das für ein Ort sein sollte, doch im Laufe der Zeit war dieser Begriff mir geläufig geworden und ich wusste, in welchem Zusammenhang er gebraucht wurde. Im Großen und Ganzen war dieser Kerl schon ein seltsamer Vogel! Denn ich musste ziemlich verwirrt aus der Wäsche geguckt haben als dieser Wortschwall aus seinem Mund herausspritzte. Wenn das seine Masche war, um mich zu verwirren, dann war ihm das gelungen. Zu guter Letzt kam dann auch noch Eireann und meinte, er sei nicht derjenige, der Graecinas Sklavin das angetan hatte. Ob sie sich da so sicher war? Er behauptete zumindest, unschuldig zu sein. Doch wiederum habe er eine böse Tat nicht verhindert. Das sollte einer verstehen!


    Ja, ich hätte wirklich gerne zugeschlagen, doch dann mischte sich die Domina ein und pfiff mich zurück. Na schön, dachte ich und ließ ihn los. Ich war gespannt, was er zu erzählen hatte. hinterher konnte ich ihn noch immer Windelweich schlagen.


    Die Domina kniete sich indes vor ihre Sklavin und kümmerte sich um sie. Das war wirklich ein seltsames Bild, das sich mir und Eireann dort bot. Es schien, als sei ihre Sklavin weitaus mehr für sie, als nur eine Leibeigene.

  • Endlich ließ der Blonde Tiberios los, der sich an den Kragen griff und ein paar mal schluckte.
    Seine Nase war gerötet und geschwollen, aber als er sie vorsichtig berührte, schien den Göttern sei Dank nichts gebrochen.


    Jetzt fing auch noch Eireann damit an:
    "“Bitte sag das du Sulamith nichts getan hast.“, sagte sie.


    Tiberios runzelte die Stirn, doch selbst dieser kleine Anflug von Mimik ließ seine Nase schmerzen.
    "Für was haltet ihr mich ?", fragte er tonlos.


    Der furische Sklave senkte vor Iulia Graecina den Kopf und hob die rechte Hand zum Zeichen, dass er etwas sagen wollte.
    "IIch flehe dich an, domina , hör mich an", bat er :
    " Erlaube mir, frei zu sprechen !"


    Er warf Angus einen kurzen verächtlichen Blick zu:


    "Aber halte mir bitte deinen schwachsinnigen Barbaren vom Hals ", fügte er an.

  • Zitat

    Original von Iulia Graecina
    Während sie darüber nach sinnierte, hatte Eireann den jungen Mann anscheinend identifizieren können. Zumindest war ihr sein Name bekannt. Tiberios? Hatte sie nicht schon vor ihrem Aufbrechen etwas von einen Tiberios erzählt? Wenn es sich hierbei tatsächlich um ihren Bekannten handelte, dann war es sehr unwahrscheinlich, dass er der Schuldige war, der für Sulas Zustand verantwortlich war. Sie musste jetzt handeln! Das tat sie dann auch. „Schluss jetzt! Angus! Eireann!“, rief sie. „Lasst den Mann gehen! Er soll sich erklären können!“


    Diese Szenerie mutete äußerst seltsam an. Eine junge Frau, die von einer anderen jungen Frau rührend umsorgt wurde. Und zwei junge Männer die sich Auge in Auge gegenüber standen. Und dann gab es da noch sie. Eireann. Die mit schreckgeweiteten Augen dem Schauspiel als stumme Zuschauerin beiwohnte. Während es in ihrem Kopf dröhnte und sie ihre Augen für einen Wimpernschlag lang zusammen presste. Vielleicht würde sich die Szenerie ändern oder sogar ganz auflösen? Als Eireann ihre Augen wieder öffnete hatte Domina Iulia Graecina den iulischen Custos zurück gepfiffen. Und Angus gehorchte tatsächlich. Während Eireanns Blick vorsichtig in Tiberios Richtung wanderte. Und ohne das sie ihrem Körper die nötigen Befehle gegeben hatte, schob sie sich bereits an den Lockenkopf heran.
    “Tiberios?“
    Als Frage verpackt entwich sein Name den Lippen der Dunkelhaarigen. Was würde er erklären? Dann jedoch bezeichnete Tiberios den iulischen Custos als schwachsinnigen Barbar. So dass sich Eireanns Augen leicht verengten. Angus war genauso ein Kelte, wie sie diesem Volksstamm entstammte. Somit schmerzte die Beleidigung für Angus, auch die dunkelhaarige Eireann.

  • Und Sulamith? Sicher fragt sich der geneigte Leser, wie es in der Zwischenzeit der jungen Hebräerin ergangen war, nachdem sich um sie herum erneut der fahle Schatten der Gewalt gelegt hatte, indem zwei Vertreter unterschiedlicher Kulturen aufeinander getroffen waren und damit einen weiteren Konflikt auslösten. Dazu bedienen wir uns eines Kunstgriffes und drehen den Fortgang der Ereignisse einfach ein wenig zurück...


    Die junge Hebräerin war in sich selbst gefangen und erlebte die schlimmsten Momente ihrer Tortur stets wieder von neuem. Ob sie jemals im Stande sein würde, aus diesem Zustand ausbrechen zu können oder darin gefangen bleiben musste, war ungewiss. Der einzige Mensch jedoch, der sich bereit erklärt hatte, ihr beizustehen, tat was er für richtig hielt. Fremde Gottheiten rief er an,um einer Tochter Zions beizustehen. Konnte dies denn von Erfolg gekrönt sein? Sulamith, wäre sie denn bei sich gewesen, hätte wahrscheinlich protestiert, denn wie schon hunderte Generationen vor ihr hatte sie das Wort des einzigen Gottes verinnerlicht, welches ihm Volk die Vielgötterei verboten hatte. Dennoch schien allein der sanfte Klang seiner Worte eine leichte beruhigende Wirkung auszuüben. Es benötige sicher noch viel Zeit und und noch mehr Zuwendung, um eine positive Veränderung herbeizuführen. Diese Zeit aber war ihnen nicht gegeben.


    Als man Tiberios als den Schuldigen bezichtigte und der Helfer selbst zum Opfer ungezügelter Gewalt wurde, hatten die feinen Sensoren der Hebräerin diese neue Gefahr auch erkannt. Sie zog sich daraufhin wieder in ihr Schneckenhaus zurück. Äußerlich machte sich dies bemerkbar, indem ihr Wimmern wieder lauter wurde und sie noch mehr zitterte. Die Angst, erneut berührt und missbraucht zu werden, war so groß, dass sie zu bersten drohte.
    Erst die vertraute Stimme, die nach einer gefühlten Ewigkeit auf sie entsprach, konnte sie wieder ein Stück weiter zurückbringen. Ob Sulamith tatsächlich die junge Iulia in diesem Moment erkannte oder nur eine gewisse Vertrautheit spürte, konnte niemand sagen. Gewiss war jedoch, dass der Hebräerin noch ein weiter holpriger Weg zurück bevorstand, den sie ganz allein bestreiten musste.

  • Angus hatte auf den Befehl der Iulia den fremden Mann losgelassen. Seine Nase war gerötet und leicht angeschwollen. Glücklicherweise war der Custos noch relativ „sanft“ vorgegangen, denn eine Nase konnte sehr schnell brechen oder bluten. Beides war hier nicht der Fall gewesen. Aber eigentlich waren seine Verletzungen eher zweitrangig. Vielmehr interessierte sie es, was mit Sula geschehen war. Die Ärmste sprach kein Wort, doch schien sie wieder etwas ruhiger geworden sein. Sie zitterte kaum noch und offenbar hatte ihre sanfte Berührung eine beruhigende Wirkung auf sie.


    Es interessierte Graecina brennend, wer dieser Mann war und welche Rolle er spielte. Es war unschwer zu erkennen, dass man Sula übel mitgespielt hatte. Blieb nur noch die Frage offen, wer hier der Schuldige war und wer nicht.
    Mit einer unterwürfigen Geste stellte er sich vor sie und flehte sie an, ihn anzuhören. Graecina erhob sich, damit sie größer erschien. Er bat sie darum, sprechen zu dürfen. Dass er dabei den iulischen Sklaven als schwachsinnigen Barbaren bezeichnete fuchste sie ein wenig, wobei sie sich dies nicht anmerken ließ.
    „Der schwachsinnige Barbar, wie du ihn zu nennen pflegst, handelte auf meinen Befehl. Außerdem ist er für meine Sicherheit verantwortlich“, antwortete sie in einem fast schob gelangweilten Ton. „Aber bitte sprich! Ich bin gespannt, was du zu sagen hast. Vielleicht kannst du mich ja aufklären, was mit meiner Sklavin geschehen ist.“

  • Tiberios nahm die dienstbereite und disziplinierte Haltung eines scribas an, zu der er ausgebildet war, da ihm die iulische domina die Erlaubnis gegeben hatte, zu sprechen.
    Diese Haltung half ihm, seine Gedanken zu ordnen und ohne Anteilnahme Bericht zu erstatten.
    „Ich bin Tiberios, Scriba des Gnaeus Furius Philus“, sagte er, und deutete auf die Bronzetafel, um seinen Hals, die seinen Eigentümer bezeichnete:
    „ Die Sklavin Livia, wie ihr sie nennt, ist mit mir befreundet , und wir trafen uns zufällig in dieser Spelunke.
    Wir unterhielten uns über alles Mögliche, auch über Kulte und dieses neuartige Christentum und das Fischzeichen, und die ancilla meinte, sie wüßte etwas mehr und brachte uns ans Tiberufer.
    Dort verteilte deine Sklavin Sulamith o domina, Essen und Trinken an bedürftigte Kinder.“


    Tiberios ließ die Vorgeschichte, dass nämlich Eireann den Auftrag von Iulius Antoninus erhalten hatte, die cristiani zu bespitzeln, aus und auch sonst so einiges. Er hoffte jedoch, dass seine Version einigermaßen plausibel klang:
    „ Danach teilten wir uns auf. Livia sollte das kranke Schankmädchen zu dir bringen, domina, Sulamith jedoch wollte mich in diese Spelunke hier begleiten, um den Dienst der ancilla zu ersetzen. Livia und ich hielten beides für eine schlechte Idee, und wir haben das auch geäußert, aber Sulamith….“
    Hier kam Tiberios der Gedanke, dass Sulamiths Verhalten vielleicht gegen den Willen der Iulia geschehen war, und er sagte bloß:
    "Äh….deine Sklavin hat ein gütiges Herz, domina, und jeder Fehler, den sie begangen hat, ist zweifellos aus der Güte ihres Herzens geboren.“


    Tiberios suchte weiterhin die richtigen Worte:
    „ Diese Spelunke hier ist ein Treffpunkt übler Menschen , Räuberbanden und pornai – Prostituierter.
    Einer dieser Bandenmitglieder – sein Name ist Titus – hatte es auf deine Sklavin abgesehen.
    Er hat sie an den Tisch gerufen, obwohl das schwarzhaarige Schankmädchen ihr gesagt hatte, sie solle hinter dem Tresen bleiben, dann hat er sie belästigt und schließlich in ein Nebenzimmer verschleppt..“


    Das war, was er sicher wußte. Und dass er hilflos gewesen war, und diese Hilflosigkeit ihn quälte
    und nun in kalten Zorn umschlug:
    „Da ich die Erlaubnis habe, frei zu sprechen, tu ich es hiermit:: Tritt sie hier alle in den Staub, domina! Lass diesen Titus suchen und ans Kreuz schlagen !"


    Tiberios verstummte.
    Er erschrak über sich selbst , er hatte aus Wut und Entsetzen über die Geschehnisse soeben alle für einen Sklaven gebotene Zurückhaltung vergessen.


    Er kniete sich hin , senkte den Kopf und verharrte regungslos.

  • Dieser Wicht nannte mich einen schwachsinnigen Barbar! Schade, dass die Domina nicht mal kurz nach draußen gegangen war, dann hätte ich den Kerl auseinandergenommen. Aber leider tat sie mir nicht den Gefallen. Grund genug, um ihm einen vernichtenden Blick zuzuwerfen.


    Die Iulierin erlaubte ihm zu sprechen, woraufhin er seine Version der Ereignisse schilderte. Und zwar von Anfang an. Der erste Teil deckte sich mit dem, was Eireann erzählt hatte. Alles andere, was danach geschehen war, nachdem Eireann die Ancilla zur Domus gebracht hatte und er Sulamith zur Taberna begleitet hatte, konnte er sich ausgedacht haben. Zugegeben, es klang recht überzeugend und wenn ich so darüber nachdachte, konnten das gut und gerne auch Männer aus der Räuberbande der Krähe gewesen sein, wobei mir der Name Titus nichts sagte. Andererseits gab es hunderte von kriminellen Bandenmitgliedern in dieser Stadt.


    Kurz bevor er mit seinem Vortag fertig war, entwickelte er doch tatsächlich noch einmal richtig viel Agression und forderte, die Domina auf, diesen Dreckskerl zu suchen und ihn ans Kreuz nageln zu lassen. Eine wirklich brillante Idee! Das imponierte mir fast schon wieder und ich ließ mich dazu hinreißen, etwas einzuwerfen. „Ja Domina, das kann ich übernehmen. Ich suche nach dem Dreckskerl und bring ihn dir!“
    Nanu, im nächsten Moment warf sich dieser Tiberios vor der Iulierin auf die Knie. Was war denn jetzt los? Musste ich das jetzt auch machen, weil ich einfach so drauflos geplappert hatte?

  • Graecina warf einen kurzen Blick auf das Bronzetäfelchen, welches Tiberios ihr zeigte. Mit seiner Identität hatte wohl alles seine Richtigkeit. Auch seine Wortgewandtheit ließ sich durch seine Tätigkeit als Scriba erklären. Interessant nur fand sie die Tatsache, dass der furische Sklave und Eireann offenbar ein Rendezvous gehabt hatten. Oder wieso trafen sich zwei Sklaven zweier verschiedener Häuser sich des Nachts an einem solchen Ort? Im Grunde war es der Iulia ja egal, denn schließlich gehörte ihr Eireann nicht und außerdem, warum sollten sich Sklaven nicht auch verleiben dürfen. Sie waren doch auch nur Kinder Gottes und folgten dem gleichen Plan des Lebens, auch wenn sie unfrei waren. So ließ sie dies unkommentiert stehen. Ebenso ließ sie sich zu keinem Kommentar hinreißen, als ihr der junge Grieche von Sulamiths Taten am Tiberufer erzählte. Er verteidigte sie sogar noch und meinte, sie habe ein gutes Herz. Oh ja, das hatte Sulamith! Sie hatte den neuen Glauben schon ganz verinnerlicht und gab sich sogar mit Ungläubigen ab, sowie Menschen, die nach jüdischer Auffassung als unrein galten.


    Entscheident für sie war jedoch sein Bericht von den Vorgängen in dieser Spelunke. Sie hatte sich ja nun selbst davon überzeugen können, dass dies ein Treffpunkt für übelste Gestalten aller Art war, die Rom zu bieten hatte.
    Die arme Sula! Worauf hatte sie sich da nur eingelassen? Sie hatte ein sehr großes Opfer gebracht, nur um das kleine Mädchen zu retten. Ihr hilfsbereites Wesen und ihre Arglosigkeit waren ihr offenbar zum Verhängnis geworden. Sie wollte sich gar nicht vorstellen, was dieser Titus mit ihr angestellt hatte. Das Resultat konnte man ihr ja deutlich ansehen.


    Da sie dem Griechen erlaubt hatte, sich frei zu äußern tat er es dann auch auf sehr emotionale Weise. Er war voller Zorn, wohl auch wegen seiner Unzulänglichkeit, da er Sula nicht zur Hilfe hatte eilen können. Tritt sie hier alle in den Staub, Domina! Lass diesen Titus suchen und ans Kreuz schlagen! Mit diesen Forderungen hatte sie so nicht gerechnet und sie spürte, wie es ihr die Kehle zuschnüren wollten. Gewiss hätte eine gestandenen Frau, die einer alten und einflussreichen Familie entstammte, sich dies nicht dreimal sagen lassen – und schon gar nicht von einem Sklaven! Doch Greacina fehlten gerade die Worte. Natürlich war es schlimm und unerträglich, was Sula widerfahren war. Es wäre ganz natürlich gewesen, nach Rache zu trachten. Doch was sagte die neue Lehre zu solchen Fällen?


    In diesem Moment kann der iulische Custos ins Spiel, der sich sofort anbot, nach dem Schuldigen zu suchen. Der Grieche hingegen wurde sich seiner Vermessenheit bewusst, ihr als Römerin zu sagen, was sie zu tun hatte, und kniete sich deshalb demutsvoll vor ihr nieder.


    Das war eindeutig zu viel! Sie brauchte einen Moment, da sie damit vollkommen überfordert war. „Tiberios, bitte erhebe sich doch!“, meinte sie und berührte ihn sanft an seiner linken Schläfe. Dabei bemühte sie sich um eine feste und überzeugende Stimme. Dann wandte sie sich Angus zu. Sie musste nun handeln und sie wusste, dass sie dieses Verbrechen an ihrer Sklavin nicht ungesühnt lassen konnte. Doch lieber kümmerte sich ein Sklave ihrer Familie um diese Sache als es an die große Glocke zu hängen und die Stadtkohorten damit zu behelligen, die womöglich sehr unangenehme Fragen stellten und noch auf unangenehmere Gedanken kamen.
    „Du hast meine Erlaubnis dazu, Angus. Doch zuvor wirst du uns sicher nach Hause geleiten.“ Hoffentlich konnte sie auf die Diskretion des Sklaven rechnen. „Zuvor aber werde ich noch etwas Geschäftliches mit dem Besitzer dieses Etablissements regeln müssen.“ Mit diesen Worten sah sie sich suchen um, erspähte aber nur das schwarzhaarige Schankmädchen und winkte sie herbei. „Ist der Besitzer der Taberna anwesend? Ich habe etwas mit ihm zu besprechen!“

  • Tiberios spürte er die Berührung der Iulia an seiner Schläfe und dass sie ihn hieß, aufzustehen.
    Der junge Sklave fühlte große Erleichterung. Die iulische domina würde vermutlich seinem dominus Gnaeus Furius Philus keine Meldung machen, damit er bestraft würde.
    Tiberios war noch recht neu in seinem Haushalt, und er durfte sich einfach noch keine Freiheiten herausnehmen, bis seine neue Stellung sicher war. Außerem war er ehrgeizig und fest entschlossen, sich eine gute Position bei den Furiern zu erarbeiten.


    Und wieder beobachtete der junge Grieche die iulische domina , ohne sie direkt anzusehen. Sie hatte trotz ihrer hohen Stellung und ihrer befehlsgewohnten Sprechweise etwas Sanftes und Gütges an sich, was er weder verstand noch einordnen konnte.


    Aber ob man mit Sanftheit und Güte in dieser Welt weiterkam?
    Tiberios bezweifelte es.
    Man sah ja an Sulamith, was solchen Menschen widerfuhr.
    Er war der Überzeugung, seine Feinde musste man bestrafen, wenn man die Möglichkeit hatte und das so rasch und unerbittlich wie möglich.
    So dachten die Römer und das hatte sie groß gemacht , und Tiberios war völlig einverstanden.


    Zu seiner Überraschung bekam Tiberios Rückhalt von dem Blonden, den sie Angus nannten. (wieder so ein Name, der irgendwie römisch klang, aber barbarisch war).:
    Ja Domina, das kann ich übernehmen. Ich suche nach dem Dreckskerl und bring ihn dir!“, sagte er.
    Fast wurde ihm der Mann sympathisch, und er wunderte sich etwas, dass der Custos so frei sprach. Aber das kannte er ja auch schon von Eireann.
    Das musste eine keltische oder vielleicht auch germanische Charaktereigenschaft sein, so genau kannte sich Tiberios im barbaricum nicht aus.


    Der furische Sriba erhob sich von den Knien.. Nun wagte er es auch, Eireanns Blick zu suchen und ihr beruhigend zuzuzwinkern. Ihm war nichts geschehen, außer dass seine Nase schmerzte.


    "Es ist heute schon das zweite Mal, dass ich diesem Titus begegne und ich sage dir, was ich über ihn weiß, wenn du ihn wirklich verfolgen möchtest. ", sagte Tiberios zu Angus:
    "Als ich mich vor einigen Stunden mit Eireann in dieser Spelunke aufgehalten habe, waren noch mehr Mitglieder dieser Bande anwesend. Ihr Anführer ist ein gewisser Babilus. Ein anderer Mann, ein riesiger Schläger, heißt Brutus. Ich halte sie für Räuber, auf jeden Fall sind sie gefährlich." *

    Das schwarzhaarige Schankmädchen wieselte herbei, als Iulia Graecina sie heranwinkte und schaute betrübt auf Sulamith.
    "So ein feines Mädel, das passt hier net her.", murmelte sie und dann auf die Frage nach der Besitzerin:
    "Tut mir Leid, edle domina , die Herrin is gerade nich da. Aber du kannst ihr eine Nachicht hinterlassen, sie meldet sich dann "
    Plötzlich bedeckte das Schankmädchen ihr Gesicht mit den Händen:
    " Ich kann doch nix dafür !", greinte es :
    " Du willst jetzt von der Aranea Schadensersatz, weil sie dein Mädel kaputt gemacht haben, und was meinst du, was meine Herrin dann mit mir macht ! Und die ancilla ist auch weg ! Oh, oh, oh, die prügelt mich windelweich, die schmeißt mich in den Tiber !"
    Und die Schwarzhaarige schluchzte und ihre Tränen hinterließen helle Spuren in ihrem nicht gerade sauberen Gesicht.


  • Nervösität und Ungeduld zeichneten Eireann aus, seitdem sie diese Spelunke betreten hatte. Die Domina wollte ihre Sklavin und Tiberios retten. Doch mittlerweile verweilten sie bereits viel zu lange im inneren dieser dreckigen Spelunke. Wurde es denn dann nicht langsam Zeit an den Rückweg zu denken?
    Noch nicht. Denn Tiberios war vor der iulischen Domina zu Bodrn gesunken und schilderte die Vorkomnisse, wieso sich Sulamith überhaupt in dieser Spelunke befand. Vorsichtig schielte die Dunkelhaarige aus dem Augenwinkel in Sulamiths Richtung. Und spürte wie die Selbstvorwürfe erneut die Oberhand gewannen. Die iulische Sklavin hätte hier nie alleine zurück bleiben dürfen. Sie müsste sich später bei ihr entschuldigen. Wenn sie denn alle wohlbehütet in der Domus Iulia ankamen.
    Tatsächlich furchte sich Eireanns Stirn kaum merklich. Während sie dem Verlassen dieser schmierigen Spelunke mit jeder Faser ihres Körpers regelrecht entgegen fieberte. Doch Angus wollte den Banditen nach und Iulia Graecina mit der Besitzerin dieser Spelunke sprechen. So viel Zeit die verstrich, geisterte es der Dunkelhaarigen durch den Kopf.
    Doch wer war Eireann schon, um nörgelnde Widerworte über ihre Lippen dringen zu lassen. So presste sie ihre Lippen zu einem blutleeren Strich zusammen und beobachtete die Szenerie, als wäre sie kein Teil dessen, sondern lediglich Zuschauerin.

  • Es hatte für mich keine Auswirkungen gehabt, dass ich einfach so drauflos gesprochen hatte. Die Domina zog mein Angebot sogar in Erwägung. Doch zuerst musste ich sie und die beiden Sklavinnen wieder nach Hause bringen. Was mit dem griechischen Hänfling war, konnte mir im Grunde gleich sein, denn er gehörte ja nicht zu den Iuliern. Außerdem hatte er mich deutlich spüren lassen, was er von mir hielt. Also konnte er sich auch selbst auf seinem Nachhauseweg beschützen!


    Nachdem der Grieche sich endlich wieder erhoben hatte, berichtete er weiter. Dadurch erhielt ich einige weitere Informationen zu dem Kerl, der Domia Graecinas Sklavin das angetan hatte. Er erwähnte noch zwei weitere Namen, die mir aber auch nichts sagten, doch sie brannten sich in mein Gedächtnis ein: Babilus, der Anführer der Bande und ein Schläger namens Brutus. Doch der Kerl, den ich der Domina bringen würde, hieß Titus!
    Bei nächster Gelegenheit würde ich mich in die Untiefen, des kriminellen Sumpfs dieser Stadt begeben und mich umhören. Dabei fiel mir ein, dass ich die Namen der Mitglieder 'meiner' Bande noch gar nicht kannte. Der Kerl, der ihr Anführer war, hatte es tunlichst vermieden, vor mir einen der Namen seiner Männer zu nennen.


    Bevor es endlich zurück zur Domus gehen konnte, wollte die Domina noch etwas mit dem Besitzer dieses Drecklochs regeln, wie sie sagte. Wahrscheinlich wollte sie Schadensersatz für ihre Sklavin fordern. Das war auch nicht mehr als recht! Die Frage war nur, ob sich der Besitzer darauf einlassen würde. Doch dafür war ich ja dabei!
    Als das Schankmädchen angewackelt kam, nachdem die Domina sie gerufen hatte, behauptete die doch glatt, Aranea, die Herrin des Ladens, sei nicht da. Das hätte ich an ihrer Stelle auch gesagt! Doch diesmal mischte ich mich nicht noch einmal ein, sondern wartete ab, was die Domina darauf antwortete.

  • Der Sklave richtete sich wieder auf und sprach weiter. Die arme Sula war an eine Räuberbande geraten, wie es schien. Graecina machte sich Vorwürfe, dass sie ihre Freundin an diesem Abend nicht zum Tiberufer begleitet hatte. Dann wäre ihr all das erspart geblieben.
    „Danke Tiberios, für deine aufklärenden Worte. Ich hoffe, mein Sklave hat dich nicht ernsthaft verletzt,“ sprach sie zu dem Griechen, nachdem er geendet hatte.


    Indessen kam das Schankmädchen zu ihr und stellte sofort klar, dass die Eigentümerin dieser Taberna nicht verfügbar sei. Offenbar wollte sie vermeiden, dass die Iulia Regressansprüche stellte. Doch darum ging ihr es nicht. Eigentlich wollte sie nur rasch die Bezahlung für das Sklavenmädchen abwickeln, um danach so schnell wie möglich von hier zu verschwinden. Dieser Ort machte ihr Angst. Zwar hatte sie den Custos dabei, der mit Sicherheit einen potentiellen Angreifer abwehren konnte. Doch was würde geschehen, wenn mehrere Männer sich ihr in den Weg stellen wollten?
    „Nein! Hör zu! Ich sehe von einem Schadensersatz ab. Alles was ich will, ist die Ancilla! Das kleine Sklavenmädchen, das meine Sklavin zu mir gebracht hat.“ Dabei deutete sie auf Eireann. „Ich gebe deiner Herrin für sie zwei Aurei. Das ist mehr als genug für ein halbtotes Kind. Und in Anbetracht dessen, was meiner Sklavin in diesem Etablissement widerfahren ist, sollte dies genügen.“ Sie hatte aus ihrem Geldbeutel, der unter ihrer Palla verborgen war, zwei goldene Münzen genommen und reichte sie dem Schankmädchen.
    „Ich rate dir, dich damit zufrieden zu geben, wenn du und deine Domina keinen Ärger haben möchten. Meine Familie hat großen Einfluss und du möchtest doch sicher nicht als Löwenfutter in der Arena enden, oder?“ Auf dem Antlitz der Iulia zeichnete sich ein wölfisches Lächeln ab. In ihr drinnen aber pochte ihr Herz vor Furcht. Sie wollte nur weg von hier. So schnell wie es nur ging. Deshalb wartete sie nicht die Antwort des Schankmädchens ab, sondern wandte sich an den Custos und die keltische Sklavin. „Angus, nimm dich meiner Sklavin an und trage sie nach Hause. Ich fürchte, sie wird den Weg dorthin nicht selbst antreten können. Eireann, wir gehen. Sofort!“ Dann richtete sie noch einmal das Wort an Tiberios. Da er nicht zur Familia gehörte, konnte sie ihm auch nichts befehlen. Doch sie konnte ihm etwas anbieten. „Tiberios, Scriba des Gnaeus Furius Philus, es wäre wohl mehr als angebracht, dir den Schutz meines Custos anzubieten. Wenn es dir beliebt, kannst du uns ein Stück nach Hause begleiten.“ Dann wandte sich die Iulia um und war bereit, zu gehen.

  • Bei dem schwarzhaarigen Schankmädchen konnte man förmlich den Stein hören, der ihr vom Herzen plumpste:
    "Oh, domina, danke, danke , danke ", stammelte sie und nahm die zwei aurei, um sie sofort sicher an ihrem Busen zu verwahren :
    "Das ist zu gütig, die Chefin wird zufrieden sein , das ist zu gütig., danke ! Es tut mir leid wegen der ancilla und deinem Mädel, das tut mir leid, aber danke !", sagte sie und wollte Iulia Graecina die Hände küssen.



    Als die Iulia Tiberios das Geleit des Custos anbot, verbeugte er sich kurz und sprach :
    " Dein Sklave hat mich nicht verletzt, und ich danke dir für deine große Freundlichkeit, domina Iulia Graecina. Aber die Casa Furia liegt in genau entgegengesetzter Richtung auf dem Quirinal. Doch sei unbesorgt, mir wird nichts geschehen."


    Der junge Alexandriner nickte dem blonden Custos zum Abschied zu und in Eireanns Richtung: :
    "Gute Nacht, meine Eireann."


    Aber dann wandte er sich wieder an die Iulia und bat :


    "O Domina Iulia Graecina, erlaubst du mir bitte, deiner Dienerin Sulamith noch etwas zu sagen? "

  • Endlich. Endlich würde es zurück in die Domus Iulia gehen. Wie Eireann innerlich zufrieden feststellte. Die Wirtin dieser Taberna gab sich offensichtlich mit den Münzen zufrieden, welche die Iulia aus ihrem Beutelchen fischte. Eigentlich viel zu wenig für dieses Sklavenmädchen, geisterte es der jungen Keltin durch den Kopf. Doch ihre Lippen blieben versiegelt. Und so blickte sie aus dem Augenwinkel in Domina Graecinas Richtung. Schließlich würde die Römerin das entgültige Zeichen zum Aufbruch geben.
    Doch zuerst wollte Tiberios noch Worte an Sulamith richten und Eireann presste ihre Lippen zusammen. Nicht weil der furische Sklave seine Stimme erhob. Mitnichten. Sondern weil dies ihren Rückweg zur Domus Iulia hinaus zögerte. Doch Eireann blieb ruhig und richtete ihren Blick zu Boden. Wartend. Abwartend.

  • Das Schankmädchen nahm die beiden Goldstücke sofort an sich und verfiel dann in einen wahren Dankestaumel. Die Iulia aber widmete sich inzwischen schon dem frischen Sklaven, der glücklicherweise keine großen Verletzungen von der Auseinandersetzung mit Angus davongetragen hatte. Da sein Rückweg ein anderer war, lehnte er ihr Angebot dankend ab. "Gut, dann sei es so!", sprach sie und gab dem Custos ein Zeichen, damit er sich um Sula kümmere. In letzter Sekunde aber äußerte der Sklave dann doch noch einen Wunsch, den Graecina gewährte. "Ja, du darfst!"

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