• "Das wird nicht notwendig sein. Ich freue mich darauf und werde gewiss zum Abendessen pünktlich zu Hause sein."


    Livianus frühstückte mit seiner Gattin noch zu Ende, wobei sie sich noch über Dieses und Jenes unterhielten und machte sich dann auf den Weg zu seinem durchgeplanten Arbeitstag.

  • Diese düstere Veranstaltung, und all die frische Luft beim Leichenzug, hatten mich hungrig gemacht. Candace hatte einen kleinen Imbiss gerichtet, der nun in der Cenatiuncula auf dem Tisch stand. Ich rief nach Valentina, um ihr Bescheid zu geben, schnappte mir schon mal einen Happen kalten Braten, und ließ mich kauend auf die Kline fallen.
    Erst als Valentina im Raum erschien, fiel mir schlagartig auf, wie ungesittet ich mich hier fläzte. Irgendwie hatte sie diesen Effekt, mir meine Unzulänglichkeiten vor Augen zu führen, häufiger. Und das ohne etwas zu sagen, einfach nur durch die fraglose Selbstverständlichkeit mit der sie sich anständig benahm, sanftmütig und bescheiden war, und immer gut roch.
    Ich schluckte hastig, stand auf, ging auf sie zu. Legte die Arme um sie und gab ihr einen Kuss auf die Stirn.
    "Bona Dea, das war ja was. So stickig von Heuchelei war die Luft über den Forum wohl schon lange nicht mehr. Dives... Dives, der schafft mich echt jedesmal. Kaum denke ich, ja, er ist wirklich ein verdammt kluger Kopf und trotz allem irgendwie immer noch ein echter Freund, da haut er irgendwas raus – so wie heute – wo ich nur noch mit den Ohren schlenkern kann und sagen: Ähem, das ist doch das Letzte. Aber das vertrackte ist: kaum denke ich eben das, ohrenschlenkernd – da tut er wieder irgendwas... großherziges und fantastisches. Er hat ein Ianusgesicht... Dives." Ich schüttelte den Kopf... Den mußte ich echt mal wieder freikriegen, den Kopf.
    "Na egal. Hauptsache überstanden. Und, wonach steht dir der Sinn, Carissima?"

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    Klient - Decima Lucilla

  • Nachdem sie den Ruf ihres Zukünftigen vernommen hatte, war sie zu ihm Cenatiuncula gekommen. Sie lächelte leicht, als er dann plötzlich aufsprang als sie den Raum betrat. Seinen Kuss genoss sie sehr, auch wenn er etwas nach Fleisch roch.
    Ihr war die Heuchelei nicht ganz so stark aufgefallen wie Serapio, war sie doch naiv genug um zu glauben Dives hätte das alles tatsächlich aus Nächstenliebe getan. So konnte sie Serapio nur etwas verständnislos ansehen, nickte dann aber. „Es ist sicherlich nicht leicht in seiner Position.“ Sie setzte sich dann auf die Kline neben der von Serapio. Noch immer hatte sie den Nachmittag nicht ganz überwunden. Nicht die Trauer über die Verstorbene war es, doch ihr plötzlicher Tod, der jeden treffen konnte.
    „Was er über die üblen Nachreden sagte, fand ich sehr beeindruckend. Denn das ist tatsächlich schlimm. Und auch wenn ich mir nicht anmaße zu behaupten ob an den Gerüchten etwas Wahres dran war oder nicht, so weiß ich wie sich das anfühlt. Schließlich will ich mir nicht ausdenken, was passiert wäre, wenn du und Borkan damals nicht gewesen wärt.“ Noch immer lief ihr ein kalter Schauer über den Rücken wenn sie an diesen Tag dachte.
    „Auch hat mir gefallen, dass er seine werte Gattin angesprochen hatte.“ War da so etwas wie Schadenfreude in Valentinas Gesicht zu lesen? „Aber du hast sicherlich recht, du kennst ihn besser als ich. Dennoch bin ich mir sicher, dass er es dir nicht vergessen wird, dass du heute anwesend warst.“
    Sie nahm sich ein Stück vom Kräuterbrot und nahm einen Bissen.


    „Vor einigen Tagen war ich am Tempel der Fortuna um ein Opfer für unser zukünftiges Leben darzubringen.“ Sie sah Serapio an und lächelte. Es war ihr wirklich ernst. „Dort traf ich Dives.“ Sie wollte ihrem zukünftigen Mann die Wahrheit sagen, wusste aber nicht wie er darauf reagieren würde, schließlich war das ein heikles Thema. „Bessergesagt, ich bin aus Unachtsamkeit in ihn hineingelaufen.“ Errötete die junge Quintilia wegen ihrer Tollpatschigkeit.
    „Wir sind dann ins Gespräch gekommen und ich habe meinen Mut zusammen genommen und ihn auf unsere, also seine und meine, Situation anzusprechen. Er misstraut mir, weil du mir euer Geheimnis erzählt hast. Und auf unserer Verlobungsfeier habe ich das sehr deutlich gespürt. Auch ich habe ihm gesagt, dass ich nicht unvoreingenommen an ihn herantreten kann. Ich weiß nicht wieviel er von den Machenschaften seiner Frau weiß, aber damals im Theater wollten wir es ihm ja erzählen. Also dürfte ihm klar gewesen sein weswegen ich misstrauisch bin. Allerdings habe ich ihm auch versichert, dass euer Geheimnis bei mir sicher ist und ich gerne diesen Graben, der zwischen ihm und mir liegt überwinden möchte.“


    Valentina drehte den Kelch in den Händen hin und her. Es fühlte sich gut an Serapio alles zu erzählen und sie verriet deswegen ja niemanden. Ihr zukünftiger Mann durfte ruhig wissen, dass sie um Frieden bemüht war. Das war doch nicht schlimmes, oder? Plötzlich wurde sie von einer unbeschreiblichen Unsicherheit überfallen. War sie schon wieder zu weit gegangen?
    „Wir haben uns mit der Vereinbarung getrennt, dass wir beide an unserer Einstellung arbeiten werden.“ Schloss sie schließlich und wartete mit kalten Händen was Serapio nun darauf erwidern würde.

  • "Stimmt schon, die Fama ist grausam. Das war genau das Körnchen Wahrheit, welches seine Heuchelei so überzeugend gemacht hat. Dass das Mädchen nicht zur Vestalin taugte war doch sonnenklar, und dass er sie trotzdem, trotz allem was er wußte, in diese Position trieb..... ist nicht gerade ein Ruhmesblatt für Dives. Sich dann hinzustellen und mit dem Finger anklagend in die Menge zu zeigen, anstatt sich mal am eigenen Kragen zu packen, dazu gleich noch ein bisschen Wahlkampf... – nee!" Ich schüttelte den Kopf. "Habe ich dir eigentlich erzählt, dass die Urbaner sogar den Soldaten, mit dem sie das Techtelmechtel hatte, ausfindig machen konnten? Ein Centurio Hadrianus von der Legio Prima. Mittlerweile auch verstorben."
    Verstorben wie der gesamte Fall.


    "Fortuna, ah..." Ich lächelte schief. "Fortuna...habe ich früher auch viel verehrt."
    Es freute mich, dass Valentina für uns gemeinsam geopfert hatte! Vielleicht sollte ich mal... den verwüsteten kleinen Tempel aus besseren Zeiten restaurieren lassen.
    Das Geheimnis verraten?
    "Hab ich das?" fragte ich irritiert. "Ich hab dir doch nie... nein ich hab sogar noch versucht es zu verschweigen, aber dann im Theater war's natürlich offensichtlich. - Ja, er war ziemlich widerborstig auf der Verlobungsfeier, und du meinst es lag daran? ...hmm. "
    Wie reizend war es, wie feinfühlig, dass Valentina sich so darum bemühte, Frieden zu schaffen. Ich lächelte, angetan von ihrem Engagement, und etwas verwundert, dass sie nun, da sie es mir berichtete, so schüchtern guckte.
    "Das ist sehr lieb und ehrenwert von dir!" meinte ich dankbar. Im Frieden schließen war ich mit meinem hitzigen Gemüt nämlich nicht so sonderlich gut, da war es sicher sehr vorteilhaft eine Frau wie sie an meiner Seite zu haben, die mich mit ihrem Charme und ihrer Sanftmut ein wenig darin unterstützte. "Hoffen wir, dass es sich wieder einrenkt. - Übrigens habe ich auch geopfert, für Iuno, für dich. Und du hast mich gerade auf eine Idee gebracht, Carissima. Ich hatte da so einen hübschen kleinen Fortunatempel gestiftete, früher. Der ist jetzt aber leider... ziemlich demoliert. Vor allem, ähm, das Kultbild. Hast du Lust, Modell zu stehen, für eine neue Fortuna, für... meine neue Fortuna?"

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  • Schweigend hörte Valentina ihm Zukünftigen zu. Aus dieser Sicht hatte sie es noch nie betrachtet und schon gar nicht vermutet! Irgendwie tat ihr das verstorbene Mädchen jetzt gleich noch mehr leid. Sie wollte gar keine Vestalin werden und wurde dazu gedrängt und hatte sich dann auch noch solchen Gerüchten erwahren müssen an denen offensichtlich doch nicht alles erfunden war.
    Sie atmete einmal tief durch. Gestorben wie der ganze Fall. Das war vermutlich das beste Schlusswort, welches man für diese Angelegenheit finden konnte.


    Es kam zu dem vor dem Valentina plötzlich solche Angst bekommen hatte. „Nun, Dives unterscheidet wohl nicht ob frei erzählt oder irgendwann erfahren, er sieht es als Verrat und sah in mir deswegen den Feind.“ Auf die Frage ob es auf der Verlobungsfeier wohl daran lag, nickte Valentina.
    Erleichtert darüber, dass Serapio ihr nicht grollte und im Gegensatz dankbar, war legte Valentina eine Hand auf die Seine. Sie hatte doch nichts falsch gemacht.
    Der plötzliche Themenwechsel kam so plötzlich, dass Valentina gar nicht sofort reagieren konnte.
    „Ich Modell stehen für das Abbild einer Göttin?“ Mit großen Augen sah sie ihren Gegenüber an und ihre Wangen bekamen eine gesunde, rote Farbe. „Das ist wirklich sehr lieb von dir und natürlich ehrt es mich auch. Gerne möchte ich das tun.“ Sie rückte von ihrer Kline auf die von Serapio um im etwas näher zu sein, wenn er das zulassen würde.


    „Außerdem habe ich mich noch gar nicht für dein wirklich großzügiges Geschenk bedanken können. Das Gut mit den Olivenhainen ist bestimmt wunderschön, vielleicht finden wir mal Zeit es zusammen zu besuchen?“ Sie hob den Blick und man konnte sehen, das ihr gerade eine Idee gekommen war.
    „Würde sich das Gut für eine kleine Hochzeitsfeier eignen?“ Sie wollten beide nichts großartiges, nur sie Beide und die Leute, die ihnen am Wichtigsten waren.

  • "Aber ja!" rief ich aus, amüsiert über ihr süßes Erröten. Doch irgendein Gedanke, den ich gerade nicht zu fassen bekam, regte sich am Rande meines Denkens. Ich krauste die Stirn....
    Valentina rückte näher, und ich fragte mich wieder mal, was sie nun wohl erwartete? So an Nähe. Ich ergriff erstmal vorsichtig die Hand, die sie auf meine gelegt hatte, strich mit dem Daumen darüber und drückte ihr einen keuschen Kuss darauf.
    "Das ist es. Man hat auch Blick auf das Meer, von der Villa aus. Ein liebliches Gut für meine liebliche Verlobte."
    Natürlich war ich stolz darauf, ihr so ein Geschenk machen zu können. Es war mir auch wichtig ihr zu zeigen wie ernst mir das war, gut für sie zu sorgen. Wo sie doch so einige andere Abstriche machen mußte.
    "Ich denke schon... also, wenn wir wirklich dabei bleiben wollen, es in so kleinem Rahmen zu halten..." meinte ich unschlüssig. "Wobei ich mittlerweile ja denke... -"
    Doch dann war auf einmal der Gedanke von eben wieder da, und "Ich bin ein Esel!" rief ich unvermittelt aus, schlug mir mit der Hand gegen die Stirn, ".....Es ist... ach Valentina, jetzt erst fällt mir wieder ein, dass ich mal mit Borkan... also eher im Scherz... eher so rumgeflachst... aber eben auch nicht nur im Scherz... ich sagte ihm da, dass ich ihn 'in meinem Tempel' aufstellen wollte... dass er es sich nur aussuchen müsse ob in Mamor oder Bronze... Er hat die Wahl nie getroffen, ich dachte es sei ihm eben zu pompös und habe dann nicht mehr dran gedacht... Aber jetzt habe ich Bedenken dass er sich, ähm naja, irgendwie 'zurückgesetzt' fühlen könnte, und es ist gerade sowieso alles, ähm, ein wenig kompliziert..." erklärte ich unglücklich, raufte mir vollkommen zerknirscht die Haare. "...Herrje, ich bin so ein Tonto!" Was sollte ich denn jetzt bloß tun? Ich hatte doch gewußt, dass das ganze ein verdammter Balanceakt war, wie hatte ich nur so unachtsam sein können.

  • Schnell merkte Valentina, dass es ihrem Zukünftigen nicht ganz so angenehm war, wenn sie ihm näher kam und so beließ sie es dabei. Den kurzen Kuss dennoch dankbar zur Kenntnis nehmend.
    Blick aufs Meer, vor Valentinas innerem Augen malte sie sich schon das schönste Gut aus mit einem herrlichen Blick. Die Sonne schien und vom Meer her wehte eine angenehme Briese. Sie stand unter einem Rosenbogen, das schöne Gewand an, die Kette um den Hals, die sie erst kürzlich auf dem Markt erstanden hatte und neben ihr Serapio, wie er ihre Hand hielt. Es war wirklich ein wunderschönes Bild.
    Fragend allerdings legte sie dann den Kopf zur Seite als Serapio Zweifel an der kleinen Feierlichkeit anmeldete. Hatte er seine Meinung geändert? Stand es jemandem von seinem Rang nicht zu still und heimlich zu heiraten? Sicherlich musste er viele Gäste einladen, die dann gar nicht alle auf dem Gut Platz fanden. Langsam begann das Bild etwas zu verblassen. „Hast du Zweifel wegen der kleinen Feierlichkeit?“


    Erschrocken rückt sie etwas zurück, als ihr Zukünftiger einen Einfall zu haben schien. Allerdings war das, was er ihr da erzählte nicht unbedingt das, was Valentina hatte hören wollen. So senkte sie schließlich den Blick und atmete tief durch. Sie hatte sich für diese Beziehung entschieden, sie wusste was auf sie zukam, das jetzt allerdings so drastisch vor Augen geführt zu bekommen, war dann doch nicht ganz einfach. Schließlich nickte sie allerdings und sah Serapio wieder an. „Versprechen muss man halten.“ Sie strich ihm über den Arm. „Borkan sieht bestimmt sehr stattlich aus in Bronze.“
    Sie atmete noch einmal durch, jetzt ging es schon wieder besser. „Magst du mir erzählen warum es gerade kompliziert ist?“

  • Ich. war. so. ein. Tonto. Betreten betrachtete ich meine Füße, die knöcheltief in den Fettnäpfen staken. Jetzt hatte ich Valentina traurig gemacht. Auch wenn sie mit größter Contenance reagierte, mit Großmut, sogar etwas tröstendes hatte ihre Geste... war ja klar, dass niemand so etwas gerne hörte. Reuevoll hob ich endlich wieder den Blick traf den ihren, sah wie sie tief durchatmete.
    "Mhm... bestimmt. - Ach Valentina. Du bist ein Schatz! Ich habe dich gar nicht verdient!" erklärte ich impulsiv. "Aber ich habe eine Idee. Wir können das doch so machen: Du bist meine Fortuna, das passt ja auch wirklich sehr gut, denn als ich dich zum ersten Mal getroffen habe, da... naja, ich will gar nicht mehr daran denken, aber fest steht, dass du mir inmitten dieser grausigen Lästermeute wie eine wohlwollende Fortuna oder eine gütige Isis erschienen bist... Und Borkan, Borkan wird Kairos, der glückliche Moment!" Ja, so wäre dieses Dilemma doch zu lösen. Wo Borkan doch sowieso nicht das Modell für Fortuna sein konnte...
    "Wärst du damit einverstanden?" fragte ich sie schüchtern. Und auf ihre verständnisvolle Frage, warum kompliziert, da hätte ich ihr am liebsten gleich alles erzählt, ihr mein Herz ausgeschüttet... denn es ging ja mir ständig im Kopf rum, und ich konnte mit niemandem darüber sprechen. Aber... wie würde das aussehen, wenn ich jetzt ihr mein Leid über die Abgründe meines Liebeslebens klagen würde? Ausgesprochen weichlich... 'larmoyant' hätte Manius wohl gesagt. Nein, das ging nicht. Manius.... Ach.


    "Es ist nur... wir kommen einfach aus verschiedenen Welten. Und wir sehen uns zu selten. Aber das wird schon." spielte ich die Sache herunter. "Übrigens wollen wir bald zusammen zu so einem Epikureer-Zirkel gehen, um da ein bisschen unseren Horizont zu erweitern, das wird bestimmt interessant... Aber keine Sorge, ich will mich nicht in Zukunft philosophierend von der Welt zurückziehen. Im Gegenteil. Ich sage dir das im Vertrauen, es ist noch nicht offiziell, es weiß noch niemand, ausser meinem Vater..." Mit unwillkürlich gedämpfter Stimme vertraute ich ihr an: "...Es ist so: der Kaiser hat mir meine Wiedereinsetzung als Präfekt der Garde in Aussicht gestellt."
    Mit diesen Worten klopfte ich auf die hölzerne Armlehne der Kline, griff dann nach dem Salzfässchen und warf mir eine Prise Salz über die linke Schulter (ohne mich umzusehen).
    "Und wenn... das wirklich wahr werden sollte..." fuhr ich fort, mit gegen die bösen Geister halb gespreizten, halb verknoteten Fingern, aber doch nüchtern im Ton, denn noch war gar nichts hieb- und stichfest. "...dann wäre eine so kleine Hochzeitsfeier nicht so angemessen." Es sollte ja nicht aussehen als wollten wir uns verstecken.

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  • Während sie darauf wartete, was ihr Zukünftiger nun sagen würde, nahm Valentina einen tiefen Schluck von ihrem Becher. Es war auch eine kleine hilflose Geste, denn sie war zu verträumt an die Sache heran gegangen. Sie durfte nicht vergessen welche Rolle sie hier spielte. Sie würde reich beschenkt werden, spielte aber nur immer eine untergeordnete Rolle. Erst als Serapio weitersprach, sah sie wieder zu ihm. Oh ja, den ersten Moment ihres Zusammentreffens würde sie wohl auch nie vergessen. Es musste ein Wink der Schicksalsgöttin gewesen sein, wenn sie es nicht sogar höchstpersönlich war, die Valentina zu Serapio geschoben hatte. Denn bis heute wusste die junge Frau nicht, was sie dazu bewogen hatte die Seite ihres damaligen Verlobten zu verlassen und auf einen vollkommen Fremden zuzugehen. Und nun? Tja, die Götter hatten eben ihre Pläne.
    Wieder nickte Valentina auf diesen Vorschlag. "Damit bin ich einverstanden, wenn du dann für die Statue auch einen schönen Platz findest." Denn sie ging nicht davon aus, dass sie dann neben Borkan stehen sollte, das wäre irgendwie..


    Und als er dann ihre Frage beantwortete, glaubte Valentina im ersten Moment er würde von ihr sprechen und sah Serapio dementsprechend an. Schließlich kamen sie auch aus verschiedenen Welten, doch sie schloss dann darauf, dass es um Borkan ging.
    "Wenn ich dir irgendwie helfen kann oder ich mal mit Borkan sprechen soll, dann lass es mich wissen. Ich bin deine Freundin und ich möchte auch seine sein. Mir ist wichtig, dass du glücklich bist nur manchmal bist du ein bisschen..." Sie kaute auf ihrer Unterlippe herum. Aufbrausend? Leicht aus der Haut fahrend? "... naja, vielleicht braucht es ab und zu einfach eine Frau." Schloss sie dann lächelnd. Sie kannte Borkan noch zu wenig aber sie konnte sich schon vorstellen, dass auch für diesen ab und zu nicht alles leicht war und er kannte Serapio schließlich schon besser als sie.
    "Du weißt, dass ich dir jederzeit helfe, ja?" Sie suchte seinen Blick, vermied es aber diese Mal ihn irgendwie zu berühren. "Ich sage ihm auch nicht, dass du mich geschickt hast." Sie lächelte und hoffte damit das relativ ernste Thema gut abschließen zu können.


    Dann rückte Serapio näher und automatisch beugte sich auch Valentina auf ihrer Kline etwas vor. Er erzählte davon, dass er bald einen Philosophen-Kurs besuchen würde. Viel sagte Valentina der Name nicht, sie hatte schon einmal davon gehört aber als Frau hatte sie das bisher nicht wirklich interessiert. Serapio hätte eben wirklich auch von ihnen beiden sprechen können, auch sie trennten Welten.
    Als er dann aber die Stimme senkte wurde Valentina neugierig und ihre Augen wurden groß als er ihr das Geheimnis verriet.
    Sie atmete tief durch, das war wahrlich eine großartige Neuigkeit!
    "Nun, da hast du dann wohl recht, da geziemt es sich dann nicht heimlich auf einem kleinen Landgut zu heiraten."
    Dann wurde sie jedoch traurig und senkte den Blick. "Ich habe nur Angst, dass du dann gleich Mittelpunkt spöttischen Geredes wirst, wenn du mich so öffentlich heiratest. Du weißt, dass ich kaum etwas besitze und von meiner Familie außer meinen beiden Nichten und meinem Cousin niemand mehr da ist. Der allerdings ist in Mogontiacum und ich weiß nicht ob er zur Hochzeit kommen kann. Es wären also nur wir drei." Nun war ihr Blick ratlos, als sie wieder zu ihm aufsah.

  • Puh... da hatte ich wohl gerade noch so einigermaßen die Kurve gekriegt. Ich nickte eifrig, und sah schon die grüne Laube, die sich über dem schönen Kairos erheben würde, auf einem ganz idyllischen Fleckchen in unserem Garten... Dann fiel mir leider ein, dass ich nicht der Hausherr war, und solche Umgestaltungen erst mal mit meinem Vater und seiner Gemahlin zu besprechen hatte.Deren Geschmack natürlich ganz exquisit, aber zugleich auch... etwas konservativer... war. Tja. Wie alt ich auch war, welche Verdienste ich mir auch errang... ich war eben Sohn.


    Valentina lies sich nicht ablenken, schlug sogar vor, selbst deswegen mit Borkan zu sprechen.
    "Hm.... ja.... das wäre vielleicht gar nicht so schlecht...." Ich wollte nur nicht, dass rauskam, wie sehr ich selbst schuld war an dem 'kompliziert'. Was war ich? Ich sah sie fragend an. Vielleicht brauchte es ab und zu eine Frau? Da wußte ich endgültig nicht mehr was ich sagen sollte, und nickte nur unschlüssig. Aber wie sie mir ihre Hilfe versicherte, und ihr ehrliches Lächeln dazu, da wurde mir ganz warm ums Herz. Sie war eine wirkliche Freundin geworden, und ich konnte mich glücklich schätzen sie zu haben! "Danke! Danke Valentina. Da ist ja auch noch die Frage, wie...ähm... wie wir das machen mit dem zusammen leben... ob Borkan auch hier einzieht... was mir natürlich sehr lieb wäre... aber dazu müssen wir drei uns ja schon irgendwie einig sein." Was für ein heilloses, zauderndes Gestotter. "Und wir müssten es natürlich gewieft anstellen, und ihm zumindest nominell als Sekretär oder Verwalter oder sonstwas anstellen.... was durch seine umfangreichen Handelsgeschäfte nun auch nicht unbedingt einfacher wird. Also, da müssen wir wohl mal überlegen, und ja, ich glaube das wäre schon gut, wenn du dich einfach mal mit ihm zusammensetzt...-"


    Meine große Neuigkeit verfehlte nicht ihre Wirkung. Ich lächelte stolz, und schärfte ihr ein: "Aber noch nicht weitererzählen. Es wird sich zeigen. Ich will nicht voreilig Gerüchte schaffen."
    Ihre Bedenken rührten mich, und impulsiv legte ich den Arm um sie, und drückte sie liebevoll, wie eine kleine Schwester. "Ach Carissima, mach dir da mal keine Gedanken. Du bist die beste Partie, die man sich nur wünschen kann, schön und gut, sanft und würdevoll, und ausserdem - dir ist schon klar, dass meine Familie aus der Provinz kommt und erst seit drei Generationen das Bürgerrecht hat? - bist du eine waschechte Stadtrömerin. Und wenn ich dich erinnern darf:" Ich zwinkerte ihr zu, denn sie schien sich noch nicht so ganz daran gewöhnt zu haben: "Gutsherrin. Die Leute werden mich glühend beneiden, am Tag unserer Hochzeit, soviel ist sicher. - Da fällt mir ein: hast du schon einen hübschen Stoff gefunden?"

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  • „Für Borkan finden wir schon eine Lösung. Wenn er es möchte, dann wäre es sicherlich von Vorteil, wenn er hier einzieht. Dann muss er nicht immer hereinschleichen wie ein Dieb. Er arbeitet dann offiziell hier und niemand würde Verdacht schöpfen. Nach außen hin und bei offiziellen Angelegenheiten bin ich als deine Frau an deiner Seite. Es wird sicherlich nicht einfach werden. Ich stellte mir das auch aus Borkans Sicht nicht einfach vor. Auch wenn ich, so hoffe ich zumindest, ihm niemals das Gefühl geben werde, aber er wird selber wissen, dass er nur immer die Nummer zwei ist. Dein geheimer Liebhaber. Wenn er hier arbeitet, muss er für neugierige Augen der Sekretär sein. Das ist für ihn sicherlich auch nicht leicht. Aber, so weit wage ich es doch zu behaupten, dass er das gerne für dich tut. So wie ich es tue, denn wir möchten dich beide glücklich machen. Es ist wahrlich wichtig, dass ich einmal mit ihm rede. Einfach auch aus dem Grund, dass wir uns beide besser kennen lernen.“ Sie nickte entschlossen. Weder für sie noch für Borkan war es leicht. Und da lag es doch nahe, dass sie sich zusammen taten um sich gegenseitig zu stützen.


    Dann schien es als würde Serapio gleich die Worte finden, mit denen er Valentina beruhigen konnte. Sie entspannte sich in seiner Umarmung. Er hatte Recht, sie war jetzt kein Niemand mehr. Sie nickte schon um einiges überzeugter und suchte seinen Blick. „Du hast Recht.“ Sie strich ihm mit der Hand über die Schulter. „Ich bin jetzt Gutsherrin.“ Nein, daran hatte sie sich wirklich noch nicht gewöhnt, würde sie aber. Sie war jetzt dann bald die Frau eines sehr einflussreichen Mannes, der noch einflussreicher werden könnte, wie er ihr gerade eröffnet hatte.
    Valentina blickte Serapio versonnen an und strich ihm eine Haarsträhne aus dem Gesicht, die sich dorthin verirrt hatte. Sie erwischte sich wieder dabei, wie sie anfing, sich in diesen Mann zu verlieben. Er war mehr als ihr Retter. Mehr als der Mann, der sie aus der Bedeutungslosigkeit holte. Und das hatte nichts mit den Geschenken zu tun, mit denen er sie überhäufte.
    Er fragte nach dem Stoff und sie nickte. „Auf dem Marktbesuch traf ich Aculeo. Wir sind dann ins Gespräch gekommen und er hat mir angeboten den Stoff für unsere Hochzeit zu liefern. Ich weiß welche ausgezeichnete Qualität die Stoffe sind, deswegen wird er eine Auswahl davon in die Casa Quintilia liefern, damit ich mir den Schönsten raussuchen kann.“

  • Dass Valentina diese Frage, vor der ich mich ja immer etwas gescheut hatte sie mit ihr zu besprechen, so besonnen aufnahm, und bereits so vernünftig durchdacht hatte, das war wirklich beruhigend. Zugleich wies sie ihn ihrer feinfühligen Art auch darauf hin, was Borkan für Opfer brachte, so dass ich, als sie geendet hatte, wohl noch unschlüssiger als zuvor war. Würde er seine Geschäfte, die ihm so wichtig waren, überhaupt zurückfahren wollen, um überzeugend den Sekretär darzustellen? Und wenn das Zusammenziehen ihm noch mehr Salz in die Wunden des zurückgesetzt-Sein streuen würde – sollten wir es dann nicht doch lieber lassen?! Mir schwirrte der Kopf. Ich war dieses hin und her leid. Und ich befürchtete dass ich, wenn ich mit Borkan selbst sprechen würde, am Ende nur das zu hören bekäme von dem er glaubte, dass es das war, was ich zu hören wünschte. Kompliziert.


    Meine ehrlichen Beteuerungen beruhigten Valentina glücklicherweise. Sie war einfach zu bescheiden! (Besser als zu hoffärtig.) Ich spürte ihre freundliche Berührung, ihre liebevolle Geste tat mir wohl, und ich kraulte sie meinerseits ein wenig an der Schulter. Wahrscheinlich wäre es angemessen, sie nun zu küssen. Wahrscheinlich war es sogar unangemessen, sie jetzt nicht zu küssen... Oder sogar unhöflich. Sie war schließlich eine blühende junge Frau.
    Hm... ich sollte sie jetzt wohl küssen.
    Ach nein. Nicht jetzt. Gleich. Aber solange wir uns noch unterhielten, konnte es ja nicht zu verkehrt sein, sie nicht zu küssen.
    "Aculeo, aha. - Ich bin mir sicher dass du die perfekte Auswahl treffen wirst. - Aculeo also. Ihr.. versteht euch.... noch gut? Das ist ja nicht unbedingt selbstverständlich." fragte ich, wobei sich ein gewisser Unterton nicht verhehlen ließ. In Valentina hatte ich ja großes Vertrauen. Aber nicht in diesen Hallodri von Germanicus. Auch wenn er ein echt netter Kerl war. (Für einen Germanicus, versteht sich.)

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  • Scheinbar lag vor ihnen allen noch ein langer, steiniger Weg und Valentina hoffte, dass sie diesen zusammen auch bestreiten konnten. Es wäre ihr arg, wenn Serapios Glück mit Boran auf diesem Weg zurück blieb. Auch wenn sie sich im Grunde darum nicht hätte kümmern müssen aber so war Valentina nicht. Sie könnte nicht ihr eigenes Glück genießen, während sie wusste das ihres Mannes lag in Scherben. Sie würde mit Borkan sprechen und vielleicht zusammen mit ihm einen Plan ausarbeiten, wie es weitergehen würde.


    Als das Thema dann auf Aculeo kam, sah Valentina Serapio etwas verwundert an, denn der Unterton war ihr wahrlich nicht entgangen. Gleichzeitig schalt sie sich in Gedanken selbst. Das war wahrlich nicht klug von ihr gewesen.
    "Ja, ich sehe ihn immer noch als einen Freud, schließlich musste er damals gehen. Natürlich kann ich das nicht vergessen, aber warum ihm deswegen für immer und ewig nachgrollen?" Sie hob dann aber ihre Hand und fuhr Serapio wieder über den Arm und schenkte ihm ein freundliches Lächeln.
    "Aber mehr auch nicht. Er ist ein Freund, wie jeder andere, ich habe nicht viele davon. Du musst dir keine Gedanken machen, du bist es, den ich heiraten möchte." Das hatte sie ja schließlich nun eindeutig bewiesen, dass sie sich für Serapio entschieden hatte. Dennoch streckte Valentina sich etwas und hauchte ihrem Zukünftigen einen Kuss auf die Wange.

  • Zitat

    Original von Quintilia Valentina
    Scheinbar lag vor ihnen allen noch ein langer, steiniger Weg und Valentina hoffte, dass sie diesen zusammen auch bestreiten konnten. Es wäre ihr arg, wenn Serapios Glück mit Boran auf diesem Weg zurück blieb. Auch wenn sie sich im Grunde darum nicht hätte kümmern müssen aber so war Valentina nicht. Sie könnte nicht ihr eigenes Glück genießen, während sie wusste das ihres Mannes lag in Scherben. Sie würde mit Borkan sprechen und vielleicht zusammen mit ihm einen Plan ausarbeiten, wie es weitergehen würde.


    Als das Thema dann auf Aculeo kam, sah Valentina Serapio etwas verwundert an, denn der Unterton war ihr wahrlich nicht entgangen. Gleichzeitig schalt sie sich in Gedanken selbst. Das war wahrlich nicht klug von ihr gewesen.
    "Ja, ich sehe ihn immer noch als einen Freud, schließlich musste er damals gehen. Natürlich kann ich das nicht vergessen, aber warum ihm deswegen für immer und ewig nachgrollen?" Sie hob dann aber ihre Hand und fuhr Serapio wieder über den Arm und schenkte ihm ein freundliches Lächeln.
    "Aber mehr auch nicht. Er ist ein Freund, wie jeder andere, ich habe nicht viele davon. Du musst dir keine Gedanken machen, du bist es, den ich heiraten möchte." Das hatte sie ja schließlich nun eindeutig bewiesen, dass sie sich für Serapio entschieden hatte. Dennoch streckte Valentina sich etwas und hauchte ihrem Zukünftigen einen Kuss auf die Wange.


    Natürlich hatte meine Verlobte mal wieder recht, und natürlich kam ich mir angesichts ihres reinen Sanftmutes mal wieder wie ein Grobian vor.
    "Das weiß ich meine Liebe, und bin sehr froh darüber. Und ich wollte auch gar nichts... in irgendsoeine Richtung andeuten." erwiderte ich, etwas verstimmt darüber dass sie meine Befürchtungen so kinderleicht durchschaut hatte.
    Sag jetzt nichts weiter, Faustus. Aber ich konnte es mir einfach nicht verkneifen, und murmelte etwas unwillig: "Ich hoffe nur, dass ihm das auch klar ist."
    Dann war es aber genug. Ihre Lippen streiften meine Wange und ich wußte: jetzt war der Augenblick, wo es ganz eindeutig angebracht war, dass zwei Verlobte sich küssten. Zwei normale Verlobte. Und natürlich war es mir wichtig, dass Valentina auch in dieser Hinsicht zufrieden mit mir war. Zumindest einigermaßen zufrieden. Sie sollte sehen, dass sie einen 'richtigen' Mann bekam, keinen weibischen Cinaedus. Gerade wo dieser Germanicus wieder so um sie herumschwirrte, und zweifelsohne noch eine ganze Reihe anderer alter und neuer Verehrer. Auch die allersolideste Sittsamkeit mußte ja irgendwann erodieren, wenn es dem Leib immerzu an Liebesgenuß mangelte.
    Ausserdem, so sagte ich mir, hatten wir uns bereits geküsst (oder wohl eher 'sie mich'), und früher in meiner Experimentierphase hatte ich schließlich auch kein Problem damit gehabt (es war nur schon so ewig her, fast wie ein anderes Leben, das nicht mir sondern einem ganz anderen Menschen gehörte.)
    Zeig ihr mal etwas Leidenschaft, Faustus! Stell dich nicht so an. Age! Entschlossen legte ich den Arm fester um ihre Schulter, hob die andere Hand, um ihr meinerseits das Haar zurückzustreichen. Weiches Goldhaar floß durch meine Finger. Es war doch eigentlich noch viel schöner, als... zum Beispiel... Dives' gülder Schopf, es roch auch wunderbar.... warum nur reizte mich dessen Haar dazu, es zu zerwühlen, meine Finger heftig hineinzugraben, es zu atmen und es in Versen zu preisen... während ich über Valentinas strahlendes Haupt nur sanft und liebevoll hinüberstreichen mochte.
    "Carissima Valentina." Meine Hand legte sich in ihren Nacken, hielt sie, und leicht wandte ich mein Gesicht, fand ihre Lippen und küsste sie, diese so weichen Lippen. Ich gab mir auch wirklich Mühe, und versuchte die Künstlichkeit meines Handelns zu vergessen, spürte die Wärme ihrer Haut, ihre feinen Regungen, ließ meinen Griff fester und meinen Kuss heißer werden.

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    Klient - Decima Lucilla

  • Überrascht von der plötzlichen Nähe, die Serapio ihr zukommen lies, entspannte sich Valentina gleich in seinen Armen und erwiderte seinen Kuss. Sie schloss genießerisch die Augen, wollte sie das doch nicht nur mit dem Blick erfassen, viel mehr wollt sie es mit allen anderen Sinnen erleben. Seine starke Hand in ihrem Nacken fühlte sich gut an. Vermittelte es ihr nicht nur das Gefühl sicher und geborgen zu sein, sondern auch geliebt zu werden. Valentina muss sich nämlich eingestehen, bereits Momente gehabt zu haben in denen Zweifel in ihr aufgekommen waren. Ob es doch mehr als nur Schein war, was sie beide verband, doch jetzt, mit diesem Kuss verflogen diese Zweifel. Sie gab sich keinen Illusionen hin, vermutlich dachte ihr Zukünftiger in diesem Moment an Borkan, stellte sich vielleicht vor wie er seine Lippen küsste, doch damit konnte Valentina leben. Jetzt und hier küsste er sie und zeigte ihr seine Zuneigung. So kam auch die junge Quintilia nicht umher, ihre Hand in seinen Nacken zu legen und ihre Finger in seinen Haaren zu vergraben. Sie küsste ihn mit einer sicherlich unerwarteten Intensität, denn die junge Frau war wahrlich noch nicht verkümmert. Sie hielt Serapio fest, kam ihm näher und spürte seine Wärme auf ihrer Haut.
    Erst als ihr der Atem ausging, löste sie den Kuss und sah ihn mit bebendem Blick in die Augen. Ihr Atem ging etwas schneller und ihre Wangen waren gerötet. „Danke.“ Flüsterte sie leise und strich ihm dann immer noch mit bebenden Fingern über die Wange. Es gab wohl kaum einen schöneren Abschluss für einen Tag, der mit einer Beerdigung angefangen hatte.

  • Hola! Was für ein Feuer lag da verborgen unter der wohlbeherrschten Oberfläche! Ich stutzte, erst ganz überrascht, dann erfreut und bestärkt, denn diese jähe, zärtliche Leidenschaft die sie mir zeigte war ja wohl ein deutliches Zeichen dafür, dass ich gerade etwas richtig gemacht hatte. Ihre Reaktion schmeichelte mir wirklich sehr, und auch wenn das alles doch arg ungewohnt war, ihre Konturen so anders, ihr Duft, ihre sinnliche, genießerische und zugleich zarte Art zu küssen, so ganz anders als Borkan oder jeder andere meiner Liebhaber... es fühlte sich durchaus angenehm an. So frisch. Ich würde mich gewiss daran gewöhnen können. Von Begehren verspürte ich zwar nichts in mir, keine Spur, aber eine große treusorgende Sympathie für diese liebe, beherzte, aussergewöhnliche Frau, die mir so viel Vertrauen schenkte, die gewillt war, die meine zu sein. Die meine.


    "Meine Valentina" murmelte ich, lächelte verwundert über ihren Dank, und erwiderte entspannt ihren verklärten Blick. "Komm her."
    Mein Eis von vorhin war gebrochen, jetzt konnte ich sie in aller Zuneigung unbefangen innig in die Arme nehmen, und das tat ich, spürte ihren Kopf an meiner Schulter und mir war so als würde er genau dorthin gehören. So saßen wir noch eine ganze Weile, aßen und tranken und plauderten vertraut über dieses und jenes, über Familie, Stadtaktualitäten und Lieblingsgladiatoren, über die Reisen die wir gemacht, die Theaterstücke die wir gemocht, und die Bücher die wir gern gelesen hatten, bis hin zu den Haustieren unserer Kindheit. (Ein Rennziegen-Duo hatte ich gehabt, in Tarraco, zusammen mit meinen großen Brüdern. Später hatte mir Livianus zu meiner großen Freude ein eigenes Pony nur für mich allein geschenkt, ein gewitztes und verfressenes Tier, welchem ich ganz bescheiden den Namen Bukephalos gegeben hatte. Tiere im Haus hatte meine Mutter uns aber leider nicht gestattet. Ganz anders bei meinen iberischen Großeltern, die große Schafherden besesen hatten, und wo die zottigen Hütehunde praktisch Teil der Familie gewesen waren...) Auf diese angenehme Weise klang der Tag aus.

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    SODALIS FACTIO AURATA - FACTIO AURATA

    Klient - Decima Lucilla

  • Abends speiste ich für gewöhnlich in der Cenatiuncula, denn das Triclinium war doch eher für größere Runden. Und seitdem die halbe Familie in Germania weilte, und Casca immer so viel im Tempel zu tun hatte, waren die großen Runden selten. Ich lud mir meistens jemanden dazu ein, denn ich fand es trist alleine zu essen. Heute war aber nur mein Libertus Icarion dabei.
    Gerade hatten wir uns unzeremoniell zu Tisch legen wollen, da war der junge Silas hereingestürmt und hatte die Heimkehr Scapulas, eines weitgereisten Vetters, angekündigt. Überrascht und erfreut hatte ich ein weiteres Gedeck auftragen lassen, und für etwas festlichere Stimmung Silas geheißen, einen guten Caecuber aus dem Weinkeller zu holen. Ausserdem sandte ich natürlich einen Boten zum Minervatempel, um Casca zu informieren.
    Zudem ließ ich Scybale in die Cenatiuncula kommen, damit sie uns den Abend mit etwas leichter Tafelmusik verschönte. Die ranke Äthioperin kniete mit ihrer Kithara auf einem Kissen neben den Klinen und lies leise Kadenzen durch den Raum schweben.
    So erwartete ich meinen Vetter.

  • Der Decimer hatte sich ein wenig Zeit gelassen und ließ den Trubel seiner geliebten Stadt auf sich einwirken, das Gefühl von Heimat in ihm aufkommen. Es hatte nur einen kurzen Moment gedauert, bis Rom ihn wieder vollends vereinnahmte. Die lange Zeit fern von der Heimat hatte die Erinnerung nicht verklärt, die Stadt war noch immer wunderschön und unbarmherzig. Bevor er durch die Stadttore schritt hatte er sich die Frage gestellt, ob sich die urbs aeterna wohl verändert hatte - nicht zuletzt durch den Bürgerkrieg. Aber schnell wurde Scapula klar, was für eine dumme Frage das war! Natürlich hatte sich Rom verändert, genauso wie es schon morgen eine andere Stadt sein würde als heute. Der Wandel war nicht immer positiv doch stetig und unaufhaltsam. Vielleicht verzogen sich deshalb so viele - häufig gerade die alten - aufs Land, wo alles noch so war wie früher und der Wandel seine Zeit brauchte. Der Decimer begrüßte die Veränderung jedoch, war er in den letzten Jahren doch sein stetiger Begleiter und er war neugierig, was die Götter in Zukunft für das Kaiserreiche, für Rom und speziell auch für ihn noch so an Wandel mitbrachten. So genoss er es, in der langsam untergehenden Abendsonne durch die Stadt zu schlendern und schließlich den caelius mons hinauf zur casa decima mercator. Scapula konnte nicht wissen, dass er trotz allem nur knapp hinter seinem Sklaven Nereos ankam. Er machte sich keine wirklichen Gedanken, ob der junge Diener der Aufgabe gewachsen war. Bisher war er sowohl zügig als auch zuverlässig gewesen und selbst wenn: Von besonderer Brisanz war seine Aufgabe nun nicht.


    Da war es dann endlich, das traute Heim. Lange war es her! Zu lange, wie einige von Scapulas Verwandten sicherlich dachten. Jedoch war ihm das gleich. Er hatte seine Gründe, so spät erst zurückzukehren. Ciprian, ein weiterer von Decimus Dienern, klopfte an die Tür und kurz darauf wurden sie eingelassen. Noch immer war Ephialtes ianitor des Hauses, eine beruhigende Konstante! Freundlich nickte er ihm zu und bemerkte dann den sichtlich erschöpften Nereos, der sich – noch immer? – im vestibulum aufhielt. Außer Atem und verschwitzt vermittelte Nereos den Eindruck, noch gar nicht so lange hier zu stehen, so er denn nicht schon aktiv in die anstrengenden Arbeiten des Haushalts eingebunden wurde. Unwahrscheinlich. Scapula ging davon aus, dass der vorausgeschickte Sklave nur kurz vorher angekommen war, hatte allerdings kein Interesse daran, eine Konsequenz daraus folgen zu lassen. Das leichte Grinsen konnte er sich aber nicht verkneifen, dann schritt er wortlos zur cenatiuncula, wo man ihn laut Ephialtes schon erwartete.


    Wunderhübschen Fresken und Wandgemälde wurden sträflichst von Titus ignoriert. Er kannte sie selbstverständlich noch von früher und war sowieso kein großer Liebhaber der schönen Künste. Vielmehr legte er den Fokus auf sich selbst: Wirkte er annehmbar? Die Reise hatte ihren Tribut gefordert, er war schon ein wenig erschöpft und sah sicherlich nicht mehr allzu frisch aus. Sorgsam zupfte er die Reisetoga zurecht und fuhr sich noch einmal bestimmt durch die Haare. Wer ihn wohl alles in Empfang nahm? Das der Weg zur Cenatiuncula und nicht ins Triclinium führte ließ schon vermuten, dass es nicht viele sein konnten.


    ~~~


    Es waren nur zwei... und einen davon kannte er nicht einmal. Wen er kannte - es dauerte einen Moment - war Serapio. Ein Vetter, der den traditionellen Weg der Decimer zum Militär folgte, aber natürlich immer wieder auf den großen Familienfesten zu sehen war. Die vielen Kriege der vergangenen Jahre hatten sicher auch ihn betroffen, oder? Scapula setzte ein herzliches Lächeln auf. Er freute sich ehrlich, ein bekanntes Gesicht zu sehen. Mit großen Schritten näherte er sich seinem Verwandten, um ihn zu begrüßen. "Salve, Serapio! Ich freue mich, dich zu sehen! Wie lange ist es her?" Er wusste es selbst nicht, war sich aber sicher, dass es länger als seine Reise war.

  • "Scapula, salve! Das ist ja eine Überraschung!" Ich ging meinem Vetter entgegen, breit lächelnd, und drückte ihm herzlich die Hand. "Eine halbe Ewigkeit auf jeden Fall."
    War es bei Großtante Drusillas letzter oder vorletzter Hochzeit oder rundem Geburtstag gewesen, wo wir uns zuletzt gesehen hatten, ich war mir da gerade nicht so sicher, aber bei unserer weitverzweigten Sippschaft konnte man da schon mal den Überblick über die Vielzahl an Cousins und Cousinen verlieren. Woran ich mich aber noch genau erinnerte, das war, dass man mit Scapula vortrefflich in bester Laune den ein oder anderen Becher leeren konnte.
    "Du kommst gerade recht zur Cena."
    Einladend wies ich auf die Klinen. Eine unserer Haussklavinen sprang schon herbei, um meinem Vetter beim Ausziehen der Sandalen behilflich zu sein.


    Kurz stellte ich Icarion vor, damit Scapula ihn einordnen konnte. "Das ist mein Libertus Decimianus Icarion." Mein ehemaliger Leibsklave begrüßte Scapula höflich, hielt sich dann angesichts unseres familiären Wiedersehens zurück, und beschäftigte sich damit, die Schrift aufzurollen, die er für den abendlichen Vortrag herausgesucht hatte.
    Darauf gab ich Silas einen Wink, dass er seines Amtes als Mundschenk walten sollte.
    "Halb-halb." bestimmte ich als Mischungsverhältnis, denn den guten Caecuber durfte man nicht zu sehr wässern.


    Das letzte Mal, dass ich von Scapula gehört hatte, da hieß es, er sei auf Bildungsreise. Was für ein Luxus... Den hätte ich mir auch gewünscht, als ich jung war, aber zum einen hatten wir damals nicht so viel Geld, zum anderen hielt meine Mutter nichts davon. Wie gerne hätte ich Achaia besucht, aber sie zeterte damals nur, dass ich dort dann wohl vollends verweichlichen würde. So hatte ich meine Reisen alle später unter dem Adler oder im Dienste der Garde unternommen, und somit leider nie ausreichend Zeit für die Sehenswürdigkeiten gehabt.
    "Wie war die Reise?"

  • Eine Überraschung, tatsächlich. Irgendwie war es sogar für Scapula überraschend, wieder hier zu sein. Natürlich hatte erst selbst den Entschluss gefasst, aber dieser kam plötzlich, ungeplant. Er hätte es grundsätzlich noch eine Weile in Alexandria aushalten können. Freudig erwiderte Scapula den Handschlag seines Vetters und musterte ihn dabei wie man eben einen Freund oder Verwandten mustert, wenn man ihn schon lange – ja, eine halbe Ewigkeit – nicht mehr gesehen hat. Es hatte nichts abschätzendes, es war aufrichtige Neugier. Wie war es Serapio (zumindest äußerlich) wohl ergangen? Er machte keinen schlechten Eindruck! Scapula konnte allerdings auch keinen guten Vergleich anstellen, zu lang und dämmrig ist die letzte Erinnerung an Serapio her. Es war sicherlich der letzte runde Geburtstag von Tante Drusilla. Diese Frau mochte ewig leben.


    „Oh, perfekt. Ich kann einen guten Happen vertragen!“ Erwartungsvoll ließ sich Titus auf eine der Klinen nieder und lockerte die Toga. Nicht wirklich geeignete Kleidung zum Speisen, aber er hoffte, dass Serapio es ihm nachsehen würde. Er ließ sich die Sandalen ausziehen und wusch dann seine Hände in einer kleinen Schale, die ihm ein anderer Sklave hinhielt. Währenddessen lauschte er der Vorstellung des Dritten im Bunde und musterte dann auch ihn, diesmal durchaus abschätzend. Decimianus Icarion… “Sehr erfreut! erwiderte Scapula die Begrüßung des Libertus höflich. Dieser hatte bei seinem Aussehen sicherlich keine Probleme damit, immer wieder eine neue Bettgefährtin zu finden.


    Ehe der Gedanke weiterverfolgt werden konnte, reichte der junge Silas dem Decimer schon einen Becher Wein, der auch freudig entgegengenommen wurde. Endlich konnte er sich ein schönes Tröpfchen die Kehle hinuntergießen. Zuvor hob er den Becher jedoch an, um einige Aromen erahnen zu können, dann trank er einen guten Schluck. “Mhmm… ausgezeichnet! Von einem unserer Weinberge?“, fragte Titus interessiert. Er konnte sich noch an die zahlreichen Geschichten verschiedenster Verwandter erinnern, die sich am Winzerhandwerk versuchten. Wein konnte dabei jeder herstellen, guten Wein hingegen… Ab einer gewissen Uhrzeit waren auch diese Weine bei jedem Fest trinkbar. Ein Faszinierendes Gewerbe, aber ihm fehlte vermutlich die Geduld dazu. Vielleicht würde er sich an seinem Lebensabend damit beschäftigen, aber der sollte noch eine Weile auf sich warten lassen. Begierig trank er noch einen Schluck. “Wirklich gut!“ Ehe Scapula zu einer Antwort auf Serapios Frage ansetzte, wanderte sein Blick in Gedanken durch den Raum. Wie war die Reise? Von der seichten Musik der Kithara und dem guten Wein halb betört fiel es ihm schwer, eine greifbare Antwort zu formen. “Vor allem lang… Es war nicht geplant, so lange Rom fernzubleiben. Aber der Zauber dieser Fremde… Warst du schon in Achaia? Ägypten? Die großen Städte… wie Alexandria oder Korinth? Die Landschaften, die Aussichten, der Wein und auch die anderen… Vorzüge… Es war offensichtlich, dass der Schwerpunkt der Reise natürlich nicht immer auf der Bildung lag. Ganz außer Acht lassen konnte man sie aber nicht, das viele Geld musste auch Ergebnisse vorbringen und an die Nachkommen eines Senators stellte man immer hohe Erwartungen. “Ich sage dir, man hat nicht gelebt, wenn man nicht auf der Agora beim Sonnenaufgang mit einem halbleeren Kelch und einem guten Trinkkumpanen im Arm versucht, Ödipus zu rezitieren.“ Er lachte laut auf. “Besonders wenn man weiß, dass man gleich noch gegenüber ins Museion muss, wo der gute alte Nikiforos schon mit seinen Schriftrollen wartete…"

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