In totam villam | Ein kleines Fest, die Gemüter zu erfreuen

  • Als das Gespräch mit den Flavii sich schon dem Ende neigte, kam ein wenig hastig eine junge Frau herbei, die sich zu der Gruppe gesellte, erst sich – und offenbar ihren Bruder – entschuldigte und sich anschließend vorstellte. Über einen eventuellen Fauxpas dieses Auftrittes ging Sextus vollkommen hinweg und verneigte sich angemessen in Richtung der Claudia. “Der Mond folgt doch meist der strahlenden Sonne, werte Claudia. So haben wir hier die Gelegenheit, ein wenig einfach in deiner anmutigen Präsenz zu schwelgen“, verteilte er stattdessen ein großzügiges Kompliment.
    Zwar waren die Claudii eigentlich nur eingeladen worden, weil seine Cousine Lentidia ihn bekniet hatte und ihm versichert hatte, wie nett und hilfreich sie nach den Spielen gewesen waren und wie undankbar es doch wäre, sie nicht einzuladen. Allerdings hätte Sextus nicht angenommen, dass auch nur ein Claudier kommen würde, nicht nach dem, wie er Claudius Menecrates einschätzte. Der trug ihm wie ein altes Waschweib immer noch Dinge nach, die vor über eine Jahrzehnt stattgefunden hatten (und nicht einmal alle hatten stattgefunden!), und Sextus glaubte nicht, dass sich daran irgendwas ändern würde. Auf den alten Miesepeter konnte er also gut und gerne verzichten.
    Das hieß aber nicht, dass er deshalb ungastlich zu den Verwandten des Claudius sein musste, erst recht nicht, wenn sie jung, hübsch und weiblich waren. Wer diese drei Punkte erfüllte, hatte bei Sextus generell einen erheblichen Bonus, was Charme, Freundlichkeit und Gastlichkeit anging, gleichgültig, welcher Gens dieses Wesen angehören mochte.


    Allerdings blickte Sextus doch einmal dorthin, von wo die Claudia gekommen war, um zu sehen, ob die Claudia ihren älteren Verwandten nur zu erwähnen vergessen hatte. Aber nein, da war nur ein junger Mann, der sich ein wenig mit Aurelia Lentidia unterhielt und wohl langsam auf sie alle zusteuerte. Vermutlich der besagte Bruder. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, fing Sextus schon mit der Vorstellung an. “Da deine Verwandte Claudia Sassia mit dem guten Flavius Scato verlobt ist, nehme ich an, dass du die übrigen Herren hier bereits kennst? Dann bleibt mir nur noch, meine Nichte vorzustellen, Aurelia Corvina.“

  • Macer beobachtete sehr genau, wie sich sein junger Klient bei seinen ersten Worten in großer Gesellschaft anstellte, ohne ihn dabei allerdings ernsthaft alleine lassen zu wollen. Niemand musste wohl erwarten, dass ein Mann in seinem Alter schon in vollendeter Eloquenz ein zwangloses Gespräch eröffnen konnte, aber immerhin konnte er auf seiner Habenseite verbuchen, dass er sich um ein Kompliment bemüht und dabei gleich an beide Damen gedacht hatte. "Du bringst die Damen noch in Verlegenheit", griff Macer das gleich auf, um dann den Gesprächsfaden wieder selber in die Hand zu nehmen und seinen Klienten noch etwas weiter vorzustellen, denn sein Name sagte wohl nicht zwangsläufig jedem sofort etwas. Und er hätte ihn nicht mitgebracht, wenn er nicht dafür sorgen wollte, dass er bekannter wurde. "Wie in seiner Familie üblich, wird er bald die Ritterkarriere beschreiten, sobald der Kaiser ihm den Ritterring verliehen hat. Sein Vater war lange Zeit Procurator der kaiserlichen Kanzlei", erläuterte er in knappen Worten einige wichtige Elemente des Lebenslaufs seines Klienten. "Aber noch können wir wohl ungezügelt unsere Wünsche äußern, ohne dass er sie gleich am nächsten Tag ins Arbeitsprogramm des Kaisers schreibt", brachte er dann diesen förmlichen Teil zum Ende, denn immerhin sollte es heute Abend ein entspanntes Fest werden, hatte er der Einladung entnommen.


  • Oh wie freute es Lentidia doch, dass sogar der eigene Bruder das Verhalten seiner Schwester kritisierte, wenngleich er dabei natürlich nicht so stichelte. Das gab einen Pluspunkt auf ihrer Beurteilungsliste, die sie innerlich für alle Männer führte, die sie als interessant erachtete – ein Aufwand war das nicht für sie, verwarf sie doch die meisten Listen schon nach den ersten Punkten, weil der jeweilige Mann diese nicht erfüllte. "Oh, wie unglücklich!" kommentierte sie Sabinus Hinweis mit vorwurfsvollem Ton ob der Aussparung seiner anderen Schwester auf der Einladung. Natürlich war das nur gespielt, sie hatte sie nicht eingeladen, weil sie sie schlichtweg nicht mochte. Eigentlich hatte sie sie ja gar nicht nicht eingeladen, sie hatte Lupus lediglich ihren Namen nicht genannt, zumal ihr Cousin sowieso Flavius Scato eingeladen hatte und die Rothaarige somit als dessen Begleitung hier aufschlagen würde, was sie ja auch tatsächlich wie erwartet getan hatte. "Ich bin untröstlich, Claudius. War sie nicht. "Ich dachte, mein Cousin hätte sie über Senator Sactos Einladung eingeladen, verzeih ihm diese Unaufmerksamkeit." Der Claudier würde diese Sache sicherlich nicht noch einmal bei Lupus ansprechen, weshalb sie diesen einfach mal als Sündenbock vorschieben konnte. Um nicht weiter darauf rumzureiten, beließ sie es fortan auch dabei.


    Gefällig nickte sie auf Sabinus Hinweis, dass Silana sie schon noch begrüßen würde. Was der junge Mann aber anschließend sagte, zauberte ihr ein Lächeln ins Gesicht. Bevor sie darauf antworten konnte, äußerte der Claudier endlich das erwartete Kompliment, was bei weiterem Aufschub schon fast seine Wertigkeit verloren hätte. Lentidia musste sich innerlich eingestehen, dass der Mann wirklich wusste, was er hier tat, und konnte einen weiteren Punkt auf ihrer Liste abhaken. "Gräme dich nicht, Claudius, selbst Kaiser scheinen sich von Frauen in ihren Bann ziehen zu lassen." entgegnete sie mit einem leicht kecken – sie war ja immerhin eine vornehme junge Dame aus gutem Hause! – Lächeln und zeigte ihrem Gegenüber somit, dass ihr das Kompliment sehr gefallen hatte, gab sich aber auch nicht wie ein kleines Mädchen, die in voller Röte nichts vor lauter Verlegenheit darauf zu sagen pflegte. Welche Frau mochte es schon nicht, wenn ihre Schönheit derart angepriesen wurde? Ja, Mann glaubt es kaum, aber das sich-schön-machen erfordert ebenfalls viel Fleiß sowie das politische Tagesgeschäft!


    Die nächsten Worte des Claudiers schienen etwas ernster zu werden, jedenfalls deutete sie das aus seiner Gestik und Mimik. "Oh.." vermochte sie in diesem Moment nur zu sagen. Sie wusste natürlich, dass sich Menecrates und Lupus nicht wirklich mochten, aber dass der claudische Senator die Einladung gänzlich ausschlagen würde, hätte sie nicht gedacht – ein starkes Zeichen! Hoffentlich würde das keine Probleme geben, wenn es um die mögliche eheliche Verbindung zwischen Claudiern und Aureliern ging. Kurz wurde Lentidia innerlich nervös, konnte sich dann aber ob des Sachverhalts wieder beruhigen, dass sonst Sabinus ebenfalls nicht hier sein würde. "wie schade. Ich werde mich bei deinem Großvater in einem Brief für seine Hilfsbereitschaft, Gastfreundschaft und Mühen bedanken. Richte ihm bitte meine besten Grüße aus." Sie mochte den alten Mann und konnte nicht wirklich nachvollziehen, wieso er sich mit Lupus nicht verstand. In ihrer jugendlichen Naivität wäre sie eh nicht in der Lage gewesen, die Jahrzehnte zurückliegenden Konflikte zu verstehen.


    "Ein willkommener Trost." quittierte sie die letzte Äußerung des jungen Claudiers und nutzte diese als Überleitung, um ihn ihrem Cousin vorzustellen, der ihr einen Blick zugeworfen hatte, und die übrigen Gäste zu begrüßen. "Bitte folge mir doch Claudius, ich möchte dir meinen Cousin und seine Gäste vorstellen." Sie war sich sicher, dass Sabinus Lupus nicht kannte, ob er Scato kannte, wusste sie nicht. Ob der möglichen Verbindung mit Sabinus war es ihr natürlich wichtig, ihren potentiellen Gatten mit möglichst vielen hochrangigen Persönlichkeiten Roms bekannt zu machen, schließlich würde sie später dann ebenfalls davon profitieren!


    Als sie mit dem jungen Claudier bei der Gruppe um Lupus ankam, wartete sie anstandshalber, bis die übrigen Gespräche beendet waren und sie alle Blicke auf sich hatte. "Cousin, ich möchte dir und unseren Gästen Claudius Sabinus, Enkel des Senators Claudius Menecrates, vorstellen." Silana würdigte sie in diesem Moment noch keines Blickes. Wichtiger waren zunächst die übrigen Gäste. "Senator Flavius, Claudia, wie schön euch endlich unter schöneren Umständen in der Villa Aurelia begrüßen zu dürfen." begrüßte sie dann den ihr schon bekannten Senator und seine Verlobte, welche sie bei den schief gelaufenen Spielen kennen gelernt hatte. Als sie Sassia, Silana und Sabinus nun aus nächster Nähe vergleichen konnte, staunte sie innerlich erneut – wie konnte ihre hübsche Freundin und deren stattlicher Bruder mit dieser Rothaarigen verwandt sein? Vermutlich ein anderer Vater, ein Missgeschick oder gar ein Streich der Götter selbst! "Claudia!" in diesem Rahmen benutzte sie lieber den nomen gentile für ihre Freundin. "Ich habe dich gar nicht kommen sehen." gefällig lächelte sie Silana zu, welche dadurch hoffentlich interpretierte, dass Lentidia es ihr krumm nahm, sie nicht sofort begrüßt zu haben. Ihre Cousine Corvina begrüßte sie natürlich nicht, hatten sie sich doch vor der Feierlichkeit noch kurz unterhalten, warf ihr aber ein familiäres Lächeln zu. Nachdem sie die ihr bekannten Gesichter begrüßt hatte, war sie daran interessiert, wer die übrigen Gäste waren. "Cousin, willst du mir nicht unsere anderen Gäste vorstellen?" Gespannt und lächelnd nahm sie schon einmal den Blickkontakt auf.

  • Zitat

    Original von Sextus Aurelius Lupus
    Ohnehin spielte auch Gracchus Minor just auf die jüngsten Umstände an. Vermutlich würde sich das Thema von diesem Abend schlicht nicht verbannen lassen, da war es fraglich, ob Sextus überhaupt den Versuch unternehmen sollte. Zumindest ein paar Worte allerdings musste er wohl dazu verlieren, da das Thema nun schon so angeschnitten war. Wenngleich es dem ebenfalls anwesenden Scato sicherlich auch ein Dorn im Fleische war. “Glücklicherweise nicht ganz im Ausmaße eines Krieges, Flavius Gracchus Minor. Wenngleich die Ereignisse einige Familien härter getroffen hat. Falls es noch nicht bekannt sein sollte, viele Tiberier sind heute ebenfalls zu Gast und verweilen auch länger in der Villa Aurelia. Ich hoffe, dass dieses Fest auch gerade ihnen zeigt, dass sie in Rom nicht ohne Freunde sind.“ Dies war für die Flavier vielleicht ein kleiner Hinweis, die Vorlage zu nutzen und im Verlauf des Abends Freundschaftsbande mit den geschundenen Tiberii zu erneuern.


    "Nun, in jedem Falle hätte ich Derartiges für impossibel erachtet, hätte man mich vor einem Jahr diesbezüglich befragt."
    , vollendete der junge Flavius das Thema vorerst, flankiert von einem bedächtigen Runzeln der Stirne, da jene Worte doch in der Tat seinen wahren Regungen entsprachen.
    Dennoch wandte er sich dann erquicklicheren Themen zu, welche Lupus prompt offerierte:
    "Oh, ich hatte bereits das Vergnügen, mit Tiberius Merula und seinem Bruder hierher zu reisen. Insofern hatte ich nichts anderes erwartet."
    Er blickte um sich und identifizierte tatsächlich in einiger Distanz die hagere Figur mit dem wallenden Haar, bei welcher es sich um niemand anderen als Tiberius Merula handeln konnte. Indessen zog sodann eine andere Person seine Appetenz gänzlich auf sich, weshalb er nicht sogleich sich seinem ehemaligen Reisegefährten zuwandte:

    Zitat

    Original von Claudia Silana
    Ihre Schwester, Flavius Scato und der knuddelige Flavius Gracchus Minor waren ersichtlich. Die junge Claudia lächelte auffallend ehrlich, fast schon so, als ihr eine Sonne durch beide Augen schien. "Salvete," grüßte sie melodisch, hob ihre Hand zu einem dezenten Winken an, während sie die andere Hand betont schlenkern ließ. "Es ist mir eine besondere Freude, hier zu sein!" - war der Anbeginn ihrer Begrüßung und sie vertat die Chance sich zu entschuldigen. Sie wollte sie eigentlich auch nicht entschuldigen, da es die Peinlichkeit nur betonen würde. Silana wollte sie einfach übergehen. Es galt: ignorieren und weiter machen. "Mein Bruder wird auch gleich erscheinen. Er ist direkt hinter mir," meinte sie und nickte dann freundlich zu ihrer Schwester. Sassia würde verstehen, dass Silana nun Hilfe gebrauchte. Die beiden Schwestern halfen sich ohne dies bewusst zu benennen oder zu fordern. Man verstand sich auch ohne Worte. Sassia sollte das Gespräch am Laufen halten, damit Silana ihrem Bruder Zeit erkaufte. "Ich bin Claudia Silana," stellte sie noch vor, obwohl diese Vorstellung primär den nicht bekannten Gesichtern galt. Sie ließ die winkende Hand herab fallen, so dass beide Arme elegant herabhingen und ihre Finger sanft auf dem Stoff ihrer Robe spielten. Das Kleid war anders geschnitten als üblich aber nicht unrömisch oder unsittlich, sondern frech und leicht verrückt. Silana wollte positiv auffallen, damit man sich positiv an die Claudier erinnerte.


    Claudia Silana war ebenfalls präsent, wobei ihre Präsenz umso extravaganter erschien, als ihr Kleid sowohl hinsichtlich der Farbe, als auch des Schnittes über die eher ennuyante Kleidungsnorm einer römischen Matrone hinausragte. Selbst wenn es dem jungen Flavius nicht vergönnt war, die Details jener Aufmachung zu inspizieren, die ob der Proximität der Claudia in einförmigem Rot verschwommen, so erschien ihm allein die Imagination jenes beachtlichen Dekolleté überaus inspirierend, weshalb sogleich er ein wenig nervös Luft einsog und sich mühte, sie nicht allzu sehr anzustarren, mochte jedoch ein wenig erschrocken wirken.
    "Salve, Claudia!"
    , presste er lediglich hervor, ehe bereits ein weiterer Schwung an Gästen erschien, um sich ebenfalls ihrer Konversation anzuschließen:

    Zitat

    Original von Aurelia Lentidia
    Als sie mit dem jungen Claudier bei der Gruppe um Lupus ankam, wartete sie anstandshalber, bis die übrigen Gespräche beendet waren und sie alle Blicke auf sich hatte. "Cousin, ich möchte dir und unseren Gästen Claudius Sabinus, Enkel des Senators Claudius Menecrates, vorstellen." Silana würdigte sie in diesem Moment noch keines Blickes. Wichtiger waren zunächst die übrigen Gäste. "Senator Flavius, Claudia, wie schön euch endlich unter schöneren Umständen in der Villa Aurelia begrüßen zu dürfen." begrüßte sie dann den ihr schon bekannten Senator und seine Verlobte, welche sie bei den schief gelaufenen Spielen kennen gelernt hatte. Als sie Sassia, Silana und Sabinus nun aus nächster Nähe vergleichen konnte, staunte sie innerlich erneut – wie konnte ihre hübsche Freundin und deren stattlicher Bruder mit dieser Rothaarigen verwandt sein? Vermutlich ein anderer Vater, ein Missgeschick oder gar ein Streich der Götter selbst! "Claudia!" in diesem Rahmen benutzte sie lieber den nomen gentile für ihre Freundin. "Ich habe dich gar nicht kommen sehen." gefällig lächelte sie Silana zu, welche dadurch hoffentlich interpretierte, dass Lentidia es ihr krumm nahm, sie nicht sofort begrüßt zu haben. Ihre Cousine Corvina begrüßte sie natürlich nicht, hatten sie sich doch vor der Feierlichkeit noch kurz unterhalten, warf ihr aber ein familiäres Lächeln zu. Nachdem sie die ihr bekannten Gesichter begrüßt hatte, war sie daran interessiert, wer die übrigen Gäste waren. "Cousin, willst du mir nicht unsere anderen Gäste vorstellen?" Gespannt und lächelnd nahm sie schon einmal den Blickkontakt auf.


    Claudius Sabinus war dem jungen Flavius selbstredend noch ein Begriff, war dieser doch bei der letzten großen Festivität vor seiner Abreise aus Rom, der Wahlfeier Scatos, in der Villa Flavia Felix zu Gast gewesen und obschon Manius Minor die Festivität verfrüht verlassen hatte, vermochte er sich dennoch des Jünglings zu entsinnen. Dennoch wartete er mit einem Gruße selbstredend, bis Lupus sie seiner Cousine präsentiert hatte.

  • Corvina hörte sich das Geplänkel von Merula und Aviana Minor stillschweigend mit an. Als ihre Tante dazu kam, grüßte sie sie mit einem Lächeln. Ganz Tante Maximilla, sie wusste wie man auf sich aufmerksam machte. Gelangweilt blickte sie in die Runde. Dann sah sie Verus. Am liebsten wäre sie im Boden versunken oder von der Bildfläche verschwunden. Wie weit runter wollte er die Tiberer noch reißen. Waren sie nach dem Brand nicht gestraft genug? Wäre er als Centurio erschienen hätte sie das weniger blamabel gefunden. Noch besser wäre sein Auftritt in der Montur der Prätorianer gewesen. Aber so? Das war Corvina zu viel. Lieber wollte sie auf dem Land versauern, als sich hier diese Schmach antun. „ Entschuldigt mich bitte.“ wandte sie sich kurz an Aviana Minor, ihren Bruder und Tante Maximilla.

  • Es wurde hektisch vor der Villa, die Straße wurde geräumt erst als die Eskorte signalisierte, dass alles sicher war wurde die Sänfte bis unmittelbar vor die Tür getragen. Auch hier versicherten sich erst die Männer in den schlichten Togen, dass keine Gefahr drohte. Erst als man dies nun kontrolliert hatte, wurde der Vorhang der Sänfte bei Seite gezogen und die Kaiserin entstieg in einem schlichten aber eleganten Traum aus weißer Seide gehüllt die Sänfte. Natürlich wäre sie gern mit weniger Tamtam gekommen, aber seit dem Aufstand war ihre Eskorte sogar noch erhöht worden. Die Männer wollten kein Risiko eingehen. Die Kaiserin betrat das Atrium wo vermutlich der Gastgeber, ja sie hatte den Aurelier tatsächlich noch nie persönlich kennengelernt, gerade die vor ihr angekommen Gäste begrüßte. So hatte sie einen Moment Zeit sich umzublicken und sie erkannte tatsächlich viele bekannte Gesichter. Es freute sie, denn das hieß wohl auch, dass sie nicht stundenlange Vorstellungen über sich ergehen lassen musste, sondern sie würde sich wie jeder hier locker unterhalten können. So wie es ihr Art war, wertete sie natürlich bis sie begrüßt wurde. Sie war einfach nicht der Typ, der sich, auch wenn sie es durchaus könnte, vordrängte.

  • Götter, war das peinlich! Atticus wollte immer noch im Boden versinken, als sein Patron ihn dankenswerterweise ein wenig rettete und den Gesprächsteil übernahm, für den eigentlich er selbst zuständig gewesen wäre. Wobei Atticus vieles wollte, aber nicht dem Weg seines Vaters in die Kanzlei zu folgen. “Ich finde den militärischen Weg aber erstrebenswerter...“, murmelte er eher halblaut als ergänzende Information.
    Allerdings konnte er nicht wie ein Häuflein Elend hier stehen bleiben. Also atmete er noch einmal tief durch und erinnerte sich noch an den kleinen Auftrag, den er zusätzlich erhalten hatte, bevor er von zuhause aufgebrochen war. “Meine Mutter Iunia Axilla übersendet dir auch ihre Grüße und ihren Dank, dass ich heute hier sein darf.“ Damit war wenigstens dieser Teil nicht vergessen worden und einigermaßen akkurat ausgeführt.

  • Bei dem Versuch, ein Kompliment zu machen, verhaspelte der Klient des Purgitiers dermaßen, dass Sextus sich beherrschen musste, nicht laut loszulachen. Kurz zuckten seine Mundwinkel, wie wohl auch die seines Patrons, aber Sextus konnte das Lachen unterdrücken. Er selbst war in dem Alter schon deutlich eloquenter Damen gegenüber gewesen, ja überhaupt konnte sich Sextus nicht erinnern, jemals so sehr an einem Kompliment laboriert zu haben. Doch all das würde den jungen Mann vor ihm wohl nur weiter beschämen, und nebenbei wohl auch seine Nichte, die das Opfer dieses Kompliments schließlich war. Da nahm Sextus lieber den Gesprächsfaden des Purgitius auf, der mit einem Hauch von Komik die Situation überspielte.
    “Nun, dann wünsche ich dir, junger Pompeius, viel Erfolg, dass du deinen Weg erfolgreich bald beschreiten kannst. Und bestell deiner Mutter auch meine besten Grüße.“ Er wusste nicht mehr, wann er Iunia Axilla zuletzt gesehen hatte. Sie war eine Freundin seiner Exfrau gewesen. Alles, was er aber momentan von ihr wusste, war, dass sie für eine Frau, deren Mann seit Jahren fernab weilte und die natürlich kein erträgliches Amt bekleidete, geradezu unverschämt wohlhabend war. Da konnte man schon einmal zurückgrüßen.

  • Luna, die ihre Augen immer auf den Gäste hatte bemerkte natürlich den Blick der Schwerster des Verus. Er drückte Entsetzen aus. Natürlich war Luna aufgefallen, dass die anderen Gäste alles eleganter gekleidet waren. Aber war Verus Aufmachung wirklich so schlimm, dass seine Schwerster so entsetzt schaute? Als diese sich nun anschickte das fest scheinbar zu verlassen, war es Luna, die ihr wie zufällig den Weg verstellte. „Darf ich dir etwas zu trinken anbieten Domina?“ Sie sah die Römerin direkt an und versuchte zu ergründen, was in der Frau vorging. Das sie das fest des Aureliers, der ihr Unterkunft gewährte scheinbar verlassen wollte, ging nach Lunas Auffassung gar nicht. Die Tiberer waren hier Gäste und zwar für längere Zeit. Das Heim der Tiberer würde noch eine ganze Zeit unbewohnbar bleiben. Sie sollten Dankbar sein und da gehörte es auch dazu, dass man an diesem Fest teilnahm und nicht einfach ging. „Ist irgendetwas nicht zu deiner Zufriedenheit, Domina?“ fragte Luna nun also auch ganz direkt.

  • Zitat

    Original von Sextus Aurelius Lupus
    Als das Gespräch mit den Flavii sich schon dem Ende neigte, kam ein wenig hastig eine junge Frau herbei, die sich zu der Gruppe gesellte, erst sich – und offenbar ihren Bruder – entschuldigte und sich anschließend vorstellte. Über einen eventuellen Fauxpas dieses Auftrittes ging Sextus vollkommen hinweg und verneigte sich angemessen in Richtung der Claudia. “Der Mond folgt doch meist der strahlenden Sonne, werte Claudia. So haben wir hier die Gelegenheit, ein wenig einfach in deiner anmutigen Präsenz zu schwelgen“, verteilte er stattdessen ein großzügiges Kompliment.
    Zwar waren die Claudii eigentlich nur eingeladen worden, weil seine Cousine Lentidia ihn bekniet hatte und ihm versichert hatte, wie nett und hilfreich sie nach den Spielen gewesen waren und wie undankbar es doch wäre, sie nicht einzuladen. Allerdings hätte Sextus nicht angenommen, dass auch nur ein Claudier kommen würde, nicht nach dem, wie er Claudius Menecrates einschätzte. Der trug ihm wie ein altes Waschweib immer noch Dinge nach, die vor über eine Jahrzehnt stattgefunden hatten (und nicht einmal alle hatten stattgefunden!), und Sextus glaubte nicht, dass sich daran irgendwas ändern würde. Auf den alten Miesepeter konnte er also gut und gerne verzichten.
    Das hieß aber nicht, dass er deshalb ungastlich zu den Verwandten des Claudius sein musste, erst recht nicht, wenn sie jung, hübsch und weiblich waren. Wer diese drei Punkte erfüllte, hatte bei Sextus generell einen erheblichen Bonus, was Charme, Freundlichkeit und Gastlichkeit anging, gleichgültig, welcher Gens dieses Wesen angehören mochte.


    Allerdings blickte Sextus doch einmal dorthin, von wo die Claudia gekommen war, um zu sehen, ob die Claudia ihren älteren Verwandten nur zu erwähnen vergessen hatte. Aber nein, da war nur ein junger Mann, der sich ein wenig mit Aurelia Lentidia unterhielt und wohl langsam auf sie alle zusteuerte. Vermutlich der besagte Bruder. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, fing Sextus schon mit der Vorstellung an. “Da deine Verwandte Claudia Sassia mit dem guten Flavius Scato verlobt ist, nehme ich an, dass du die übrigen Herren hier bereits kennst? Dann bleibt mir nur noch, meine Nichte vorzustellen, Aurelia Corvina.“



    Silana brauchte einen Moment, um sich in den Moment dieses Theaters zu finden. Sicherlich wart sie extravagant, etwas frischer als andere Gestalten auf dieser Festivität. Denn sie legte sehr viel Wert darauf, eigenständig zu erscheinen; eben als eine Blüte in der Zeit, welche strahlend blühte und seine Farben zeigte. Die Welt war trist genug, auch manchmal zu farbarm und zu einfältig, um Silana stets zu gefallen. Also brachte sie selbst genügend Farbe mit und leistete sich einen mutigen modischen Schritt. Mode war immer eine Lebenseinstellung. Man zeigte sich, bewunderte die Anziehungskraft der Farbe und des Schnittes, während der Mensch gekleidet wurde. Kleidung war nicht nur Bedeckung des Körpers, sondern auch Signal und Standeszeichen. Silana wollte zeigen, dass sie existierte und nicht versauerte. Es war ihr Konflikt. Ihr Schlachtfeld. Denn ohne diese Darstellung, würde sie vergehen, verfallen, wie eine Blüte im Herbst. Diese Frau war geplagt von Gedanken, Überlegungen und Sinnen, die stets nach mehr strebten. Mehr sein wollten, als nur lebendig. Silana atmete aus, als Aurelius Lupus die Schmeichelei offerierte. Sanftmütig senkte die junge Frau ihr Haupt, zeigte eine würdige Geste des Standes, während ihre Hände eine Geste zeigten. Es war üblich, dass eine römische Frau ihre Handflächen nach Außen drehte, um zu zeigen, dass sie keine Waffen trug, unverletzt war und nicht hart gearbeitet hatte. Unvernarbte Hände waren ein Zeichen von Schönheit. Zu einer ungespielten Melodie schien sie mit diesen Händen zu tanzen, da sie diese mehrfach verdrehte, bevor sie ihr Haupt wieder anhob.


    Ein großer Duft von Lavendel umwogte Silana, gab ihr einen duftenden unsichtbaren Wolkenring aus Schutz und Wehr. Silana kannte die Verhältnisse zwischen den Claudii und den Aurelii nicht. Zwar ahnte sie entsprechende Spannungen, da ihr Großvater oft Andeutungen gemacht hatte und sich ihr Bruder seltsam verhielt und ihr in der Sänfte versteckte Hinweise gab. Silana war klug genug, dass sie ihre Familie nicht verwundbar machte. Höchstens sich selbst. Das Kompliment versagte seine Wirkung nicht aber die junge Claudia bemühte sich, nicht in naivem Glauben an Wahrheit zu versinken. Sie selbst sah sich selbst nicht als überragend schön an. Selbstzweifel waren ihr steter Begleiter, so dass sie sich lieber auf andere Dinge verließ. Dieses Theaterstück der römischen Oberschicht gefiel ihr einerseits aber auch andererseits stellte es ein erhebliches Risiko dar. Nicht um ihr Leben, sondern um ihr eigenes Gesicht in der Öffentlichkeit. Ihr Ruf war wichtig, um der Familie keine Schande zu bereiten. Mutig konnte sie sein, sogar Mode zur Schau tragen, die neu und anders war, aber mit den alten Ritualen brechen konnte sie nicht. Silana wagte sich mit ihrer Aufmachung auf ein gefährliches Terrain aber wollte diese Spannung. Auch wollte sie mehr von diesem Gefühl der Überraschung. Ihr bisheriges Leben war gezeichnet von Langeweile und Dekadenz. Erst Stück für Stück, auch mit den letzten Eindrücken ihres Lebens, verwandelte sich dieses Leben in etwas lebenswertes. Prunk war nicht mehr Selbstzweck, sondern Mittel der Wahl. Sassia hatte es sie gelehrt.


    Die ältere Schwester war ohnehin viel klüger, was das Spiel der Gesichter anging. Dennoch war Silana nicht gewillt, heute zu verlieren. "In der Nacht strahlen die Sterne und der Mond besonders," gab sie einen undurchsichtigen Kommentar ab und versteckte ihre eigenen Gedanken hinter ihrem lunaren Lächeln. Ihre Augen strahlten, während sie sich umblickte. Unweit entdeckten ihre Augen etwas Neues. Etwas Unpassendes. Eine Figur, die nicht in die Szene passte. Seine Aufmachung war gar schlicht und einfach. Er widersetzte sich. Dieser Römer ließ sie nun in der Tat mit einem echten Lächeln lächeln. Auch dieses Statement war Mut. Zwar nicht sonderlich modern oder neuartig aber mutig. Sofort fielen der Claudia die Soldatenstiefel auf, die die Toga so gänzlich brachen. "Wie ich sehe, hast du auch für unseren Schutz gesorgt, indem du Veteranen unter dein Dach nahmst," erklärte Silana unwissend, was diese Person wirklich war. Soldaten waren ihr zwar oft zuwider, weil sie diese Gestalten für kaputte Seelen hielt. Gewiss hatten sie Ehre, für die res publica gestritten aber waren am Ende auch nur Sklaven eines Eides. Sie versklavten sich selbst unter eine Sache und wurden dadurch Schwarz/Weiß gemalt. Dennoch kam Silana nicht um den Gedanken hin, dass diese Figur Mut bewiesen hatte, diese Festivität mit einem Hauch Außenwelt zu durchziehen. "Also wird unser Nachthimmel heute straheln," äußerte sie wieder einen undurchsichtigen Kommentar und nickte Aurelius Lupus zu, der mit der Vorstellung begann. "Ja, ich kenne sie," antwortete die junge Dame im roten Kleid mit einem frechen Grinsen. Sie zwinkerte dabei Flavius Gracchus Minor zu, während sie ihren Blick zu Aurelia Corvina zuwandte. "Es ist mir eine Freude," begrüßte die Claudia jene junge Aurelia. Wieder eine dezent Verbeugung durch Neigen des Hauptes.



    Zitat

    Original von Aurelia Lentidia
    [...]


    Als sie mit dem jungen Claudier bei der Gruppe um Lupus ankam, wartete sie anstandshalber, bis die übrigen Gespräche beendet waren und sie alle Blicke auf sich hatte. "Cousin, ich möchte dir und unseren Gästen Claudius Sabinus, Enkel des Senators Claudius Menecrates, vorstellen." Silana würdigte sie in diesem Moment noch keines Blickes. Wichtiger waren zunächst die übrigen Gäste. "Senator Flavius, Claudia, wie schön euch endlich unter schöneren Umständen in der Villa Aurelia begrüßen zu dürfen." begrüßte sie dann den ihr schon bekannten Senator und seine Verlobte, welche sie bei den schief gelaufenen Spielen kennen gelernt hatte. Als sie Sassia, Silana und Sabinus nun aus nächster Nähe vergleichen konnte, staunte sie innerlich erneut – wie konnte ihre hübsche Freundin und deren stattlicher Bruder mit dieser Rothaarigen verwandt sein? Vermutlich ein anderer Vater, ein Missgeschick oder gar ein Streich der Götter selbst! "Claudia!" in diesem Rahmen benutzte sie lieber den nomen gentile für ihre Freundin. "Ich habe dich gar nicht kommen sehen." gefällig lächelte sie Silana zu, welche dadurch hoffentlich interpretierte, dass Lentidia es ihr krumm nahm, sie nicht sofort begrüßt zu haben. Ihre Cousine Corvina begrüßte sie natürlich nicht, hatten sie sich doch vor der Feierlichkeit noch kurz unterhalten, warf ihr aber ein familiäres Lächeln zu. Nachdem sie die ihr bekannten Gesichter begrüßt hatte, war sie daran interessiert, wer die übrigen Gäste waren. "Cousin, willst du mir nicht unsere anderen Gäste vorstellen?" Gespannt und lächelnd nahm sie schon einmal den Blickkontakt auf.


    Doch urplötzlich änderte sich die Lage. Ihre bekannte Aurelia, jene Lentidia, drängte sich auf und würdigte Silana keines Blickes. Silana war überrascht, kurz verwirrt über die Reaktion der Frau und dann dämmerte es ihr. Sie hatte die arme Aurelia vergessen. Verdammt, bei den Göttern! Silana schluckte einmal heftig, versuchte aber ihre Maske zu halten. Tollpatschiges Huhn, Silana! Die junge Claudia brauchte eine Notstrategie für das baldige Gespräch. Denken, mehr denken! Silana musste nachdenken. "Entschuldigung," war die erste Abwehr, die sie dezent zu Aurelia Lentidia sprach. "Ich war überfordert von all den illustren Menschen an diesem Ort. Ihr Strahlen kann blenden," erklärte sie nun direkt zu Lentidia gewandt. Silana durchschaute das gefällige Lächeln. Auch sie benutzte dieses Lächeln gerade. Es war eine geeignete Maske und eine gute Tarnung für schelmische oder falsche Interessen. Wenigstens war Sabinus endlich da. Warum hatte er sich so viel Zeit gelassen? Silana trat einen Tippelschritt zur Seite, damit Sabinus etwas mehr Rampenlicht hatte und sie selbst ein wenig aus dem Mittelpunkt fallen. Aurelia Lentidia übernahm die geschmeidige Vorstellung. Silana nutzte die Pause, um zu viel interessanteren Flavius Gracchus Minor zu blicken, dem sie sich nun zuwandte und dabei ihren Kopf leicht schief legte.





    Wurde der junge Mann etwa nervös? Schon wieder (Wie damals?)?! Silana schmunzelte, verkniff zwei mal die Augen und wartete seine erste Reaktion ab. Ja, er begrüßte sie - aber sehr förmlich und gepresst. "Keine Angst," sagte sie leise zu ihm, indem sie sich einen weiteren Schritt näherte und ihm ein wenig Nähe zeigte aber nicht auf unschickliche Weise, sondern dezent und behutsam. Silana geriet so auf eine handbreit Abstand. Sie wollte nicht, dass er sich derartig angestrengt fühlte. Er sollte sich frei fühlen, wie seine Gedanken auch frei waren. Silana kannte seinen Kopf und seine Gedanken. Beide verband eine gewisse Lust am eloquenten Wort und den klugen Gedanken. Die anderen Gäste ignorierte sie nun und blickte in das sanftmütige Gesicht des Flavius. "Ich habe deinen Brief mehrfach gelesen und bin gespannt auf unser heutiges Gespräch," sagte sie und legte ihre eigenen Hände abwartend ineinander. Ja, sie war neugierig. Sehr neugierig sogar, denn dieser Flavius hatte Potenzial anders zu sein, als die meisten ignoranten Rundengänger ihrer Kreise.

  • Und schon war auch seine Cousine mit dem Bruder besagter Claudia heran und forderte ihn auch schon in ihrer leichten, charmanten Art auf, die Herrschaften (und Damen) einander vorzustellen. Eine Übung, die im Laufe des Abends sein Namensgedächtnis vermutlich noch arg strapazieren würde, die aber doch die Pflicht eines Gastgebers war.
    “Sei auch du mir willkommen, Claudius. Es ist mir eine große Freude, dass du der Einladung nachzukommen die Zeit gefunden hast. Und da du nun hier bist, darf ich dir und deiner liebreizenden Schwester noch meinen Dank dafür ausdrücken, dass ihr meiner Cousine in jenen düsteren Stunden des Aufstandes hilfreich zur Seite standet. Sofern dein Großvater nicht noch verspätet nachkommt, richte ihm doch auch bitte hierfür meinen persönlichen Dank aus.“ Sextus nahm nicht an, dass Claudius Menecrates noch nachkommen würde, aber damit war das Thema dann auch gegessen und insbesondere seine kleine Cousine hoffentlich zufriedengestellt.
    Erst nachdem nun also die förmliche Begrüßung und der Dank ausgesprochen waren, kam Sextus dann auch gerne ihrer Bitte nach, sämtliche übrigen Gesichter einander vorzustellen. “Wie ich gerade gehört habe, ist euch Senator Flavius Scato bekannt, ebenso wie selbstverständlich seine Verlobte Claudia Sassia. Daneben steht der edle Flavius Gracchus Minor, jüngst zurück von seinem Tribunat in Germania und seinerseits Sohn des edlen Pontifex pro Magistro und Senator Flavius Gracchus. Dann noch einen Klienten des Flavius Scato, Duccius Callistus. Und selbstverständlich eine weitere Dame dieses Hauses, meine Nichte Aurelia Corvina.“ Sextus hoffte, nun niemanden zu übersprungen haben. Bei der Menge an Gästen den Überblick zu bewahren, fiel manchmal schwer.

  • Sassia die inzwischen nicht mehr neu auf römischen Parkett war erkannte natürlich das gekünstelte Lächeln der Aurelia, die während des Aufstandes im Heim der Claudia Unterkunft und Sicherheit gefunden hatte. Dieses Lächeln war künstlich und aufgesetzt. Nur eine einfältige Frau würde nicht erkennen, dass eine gewisse Antipathie dahintersteckte. Da Sassia aber alles andere als einfältig war, erkannte sie dies natürlich. Entsprechend kühl begrüßte sie auch die Neu hinzugekommene mit einem knappen Nicken und einem kurzem. „Aurelia.“ Mehr hatte sie dieser Frau nicht zu sagen, Wenn sie natürlich gewusst hätte, dass man sie aufgrund dieser Frau nicht eingeladen hatte, dann hätte sie sicherlich noch ganz andere deutlichere Worte gefunden. So aber überging sie sie einfach indem sie sich einfach abwandte und die anderen Gäste beobachtete. Einer fiel besonders aus dem Rahmen, doch bevor sie sich näher damit beschäftigen konnte erschien die erste Frau im Staate. „Oh seht, die Kaiserin.“ Sassias Gesicht erhellte sich zusehens.

  • Endlich traf auch der Gast ein, dessen Ankunft Sextus die ganze Zeit erhofft hatte. Oder naja, zumindest die nächstbeste Variante davon. Augenblicklich entschuldigte sich der Hausherr bei seinen Gästen und kam auf die Kaiserin und ihr ansehnliches Gefolge zu. Auch wenn sie sich noch nicht begegnet waren, wusste Sextus sehr genau, wen er vor sich hatte. Seinen Kaiser und dessen Gemahlin sollte man in Rom erkennen, wollte man nicht eines Tages einen äußerst, äußerst dummen Fehler machen.


    In respektvollem Abstand blieb Sextus stehen und verneigte sich leicht vor der höchsten Dame des Staates. “Meine Kaiserin, edle Veturia, ihr ehrt mein Haus über alle Maßen mit eurem Erscheinen. Ich hatte gehofft, dass meine Einladung im Palast gelesen werden würde, aber mit einer so strahlenden Erscheinung wie der deinen hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht rechnen können. Bitte, sei mein Ehrengast auf dieser bescheidenen Feier.“
    Vielleicht ein bisschen blumiger als sonst, aber es konnte beileibe nicht schaden, etwas wortreicher mit der Kaiserin zu flirten. Zumal ihr Mann nicht dabei war, sonst wären sie zweifelsohne Seite an Seite hereingekommen. Eine leichte Zurücksetzung, die Sextus sehr wohl notierte. Der Kaiser hatte seinen höchsten Haruspex nicht ein einziges Mal in seiner gesamten Amtszeit konsultiert. Kein Wunder, wenn die Götter unzufrieden waren, wenn ihr Wille so überhaupt nicht erforscht wurde.
    Doch vielleicht bot dieser Abend die Gelegenheit, wenn schon nicht den Kaiser, so doch wenigstens dessen Gemahlin hierfür zu gewinnen – und hoffentlich auch für andere Dinge.

  • Auf dem Weg in die hinteren Räumlichkeiten, die nicht so sehr frequentiert wurden, kam ihr Luna in die Quere. „ Nein Danke.“ sagte sie diesmal mit einer gewissen Höflichkeit. Es hatte den Anschein, dass sich diese Barbarin besser benehmen konnte als ihr eigener Bruder. Bei der nächsten Frage hielt sie sich dann wieder zurück und antwortete etwas unterkühlt. „ Es ist alle zu meiner Zufriedenheit.“ Bis auf diesen Stinkstiefel von Bruder, der es nicht für nötig hielt, die Tiberer heute wenigstens ein bisschen besser dastehen zu lassen. „ Nichts für ungut.“ schloss Corvina, das für sie ungewohnte Gespräch mit einer Sklavin, die nicht zu den ihren gehörte.

  • Die Kaiserin lächelte huldvoll und gab dem Gastgeber mit einem Wink zu verstehen, dass er näher treten konnte. „Werter Aurelius Lupus, die Freude ist ganz auf meiner Seite. Vor allem freue ich mich, dich endlich kennenzulernen. Ich bedauere es wirklich, dass wir uns bisher nicht begegnet sind. Mein Mann der Kaiser lässt dir besondere Grüße ausrichten. Er bedauert es wirklich sehr, dass er heute nicht erscheinen kann.“ Die Kaiserin wusste, dass ihr Mann es wirklich bedauerte gerade heute mit Terminen überhäuft zu sein. Aber er hatte Serena gebeten zu dieser Feier zu gehen um dem Aurelier zu zeigen, dass er in der kaiserlichen Familie durchaus geschätzt wurde. „Ich nehme dein Angebot, dein Ehrengast zu sein natürlich gern an.“ Sagte sie mit einem ehrlichen Lächeln. „Ich möchte es auch nicht versäumen dir meinen und des Kaisers persönlichen Dank auszusprechen. Du hast dich im Zuge des Aufstandes vorbildlich verhalten. Wie ich hörte, hast du nicht nur deinen Nachbarschaft verteidigt, sondern du hast den Tiberii Unterkunft gewährt. Ich wünschte alle Bürger Roms wären aus deinem Holz geschnitzt.“ War das zu dick aufgetragen? Nein nicht aus Sicht der Kaiserin, die jedes Wort so meinte wie sie es gerade sagte.

  • Wer von seinen Nachbarn war dieses Plappermaul? Er war zuvor ja schon von Flavius Gracchus Minor darauf angesprochen worden, hatte sich aber nichts weiter dabei gedacht. Sicherlich hatte er es über Prisca erfahren, und die es wiederum von ihren Bekannten hier in der Nachbarschaft. Dass jetzt aber auch die Kaiserin ihn darauf ansprach, ließ darauf schließen, dass irgendwo in der Nachbarschaft jemand war, der zu starker Übertreibung neigte. “Ach, das war eine bloße Selbstverständlichkeit, meine Kaiserin. Ich bin mir sicher, die meisten Männer in diesem Raum haben ähnlich gehandelt.“ Galant gesellte sich Sextus an die Seite der Kaiserin und bot ihr einen Arm an, um sich einzuhaken. In diesem Kleid und ohne starken Arm an der Seite war es sicher eine besondere Kunst, zu gehen. Außerdem war es ja durchaus auch für ihn selbst ein nicht zu verachtender Prestigegewinn, eine solche Frau an seiner Seite zu haben – wortwörtlich.
    “Zumal auch nichts weiter passiert ist. Bis hier hinauf auf den Quirinal sind diese Barbaren gar nicht gekommen, wurden sie doch schon zuvor von Praetorianern, Urbanern und Vigilen aufgehalten. Ich saß nur etwas dekorativ auf einem Pferd und wartete.“
    Er begann, in den Raum zu schreiten, denn sie konnten ja nicht ewig am Eingang des Atriums stehen bleiben. Seine Gäste sollten schließlich auch etwas von der Kaiserin haben. Zumindest theoretisch. “Und auch, dass ich den Tiberii hier Obdach gewährt habe, erscheint mir als Selbstverständlichkeit. Wie könnte ich mich weiterhin ihr Freund nennen, wenn ich in schweren Zeiten nicht zu ihnen stünde?


    Nein, das alles war weder gefährlich, noch besonders. Da hast du mit der Geburt eures Kindes dich in größere Gefahr begeben, und dem Reich einen größeren Dienst erwiesen, meine Kaiserin. Erlaube mir, dir hierzu noch nachträglich zu gratulieren.“

  • Weitere Gäste kamen an. Eine junge Frau in einem roten Kleid, das durchaus einige Blicke auf sich zog, und etwas später auch ein junger Mann mit Corvinas Cousine Lentidia. Beide stellten sich als Claudier heraus und waren wohl die Gäste, die Lentidia unbedingt einladen hatte wollen. Corvina lächelte ihnen einfach nur höflich zu und versuchte, möglichst unauffällig zu sein. Zwar war durchaus klar, dass ihr Onkel sie heute Abend wohl noch mehrfach ins Zentrum der Aufmerksamkeit befördern würde, aber für den Moment war sie ganz glücklich damit, im Hintergrund bleiben zu können.
    Vor allen Dingen, als wenige Momente danach die Kaiserin eintraf in einem Kleid, wie Corvina es noch nie gesehen hatte. Sie würde sich ja nie im Leben trauen, so etwas zu tragen, selbst wenn sie es sich hätte leisten können! Das Kleid zog die Blicke aller Gäste geradezu magnetisch an!


    Sich dieser Tatsache bewusst, wandte Corvina in diesem geschützten Moment allerdings einmal kurz den Blick ab und noch einmal dem jungen Mann zu. Duccius Callistus war sein Name, das hatte sie sich gemerkt. Er sah irgendwie anders aus, auch wenn Corvina nicht so recht wusste, woran sie das genau festmachen sollte. Warum er sie vorhin wohl so angesehen hatte? Wärme auf ihren Wangen machte ihr klar, dass sie wieder dabei war, zu erröten, also sah sie schnell wieder zu Boden und dann zu ihrem Onkel und der Kaiserin. Nun, da sie eingetroffen war, konnte das fest so richtig beginnen.

  • Zitat

    Original von Titus Pompeius Atticus
    Das war's wohl mit dem Fußboden. Wenn sein Patron ihn vorstellte, blieb wohl nichts weiter übrig, als den Blick zu heben, die holde Weiblichkeit möglichst zu ignorieren und nicht zu viel dummes Zeug zu reden. “Ich danke für die besondere Ehre, heute hier sein zu dürfen, Senator Aurelius.“ Für die Einladung konnte Atticus sich schlecht bedanken, die stammte ja gar nicht vom Aurelius. Aber dieser hatte ja erlaubt, dass Gäste Gäste mitbringen durften, nur wie nannte man das dann richtigerweise beim Gastgeber?
    Dummerweise begrüßte ihn jetzt aber auch noch die Nichte des Aurelius, also musste er sie ansehen. Und etwas sagen. Nur was? “Ähm, salve, Aurelia Corvina.“ Das war vielleicht ein bisschen wenig. Ein Kompliment! Stimmt, da fehlte ein Kompliment! Das machte man so. Nur welches? “Du bist sehr hübsch.“ Pause, dann die folgende Erkenntnis. “Also, dein Kleid, meine ich! Also du auch, und deine Cousine ebenso, aber ich meinte, ich bin nicht gut in sowas... oh, Terrazzoboden... sehr akkurat...“ Mit roten Ohren wünschte sich Atticus gerade, eben jener Terrazzo-Boden würde ein Loch auftun, in das er versinken konnte.


    Hatte sie der Pompeius wirklich grade ignoriert? Hatte er nur ihre Verwandte angesprochen wo sie ihm doch Drusilla so nett versucht hatte den Weg zu einem Gespräch zu eben. Sie wusste nicht so Recht was sie davon halten sollte. Das verunsicherte sie nun doch ein Wenig. „Nun es scheint fast so Pompeius.“ Bestätigte sie die Aussage. Auch wenn das vermutlich nicht zu einem weit besserem Versuch, wenn es den einen gab führen würde.


    Doch dann erlöste Fortuna den jungen Pompeius denn etwas wie ein Raunen ging durch das Atrium. Jemand hatte die Augusta angekündigt. Die Augusta, die Gattin des Augustus war gekommen und auch Drusilla richtete ihren Blick in die Richtung in die auch der Rest sich wand. Nicht weit von Drusilla begrüßte sie nun ihren Verwandten Lupus. Drusillas Herz wurde ein paar Tacke schneller, wie alle die ihr schon mal begegnet waren hoffe Drusilla das sich die Augusta an sie erinnern würde, sollte sich ein Gespräch ergeben.

  • Natürlich nahm die Kaiserin gern das Angebot an und haken sich bei dem Aurelier ein.“Nun ob du nun nur auf dem Pferd gesessen hast oder aktiv gekämpft hast. Für mich ist entscheidend, dass du es getan hast. Es zeigt mir, dass der Kaiser auf Männer wie dich bauen kann und das ist das entscheidende.“ Sagte die Kaiserin und damit war dann dieses Thema für sie auch abgeschlossen. Sie ließ sich nun also von dem Aurelier weiter in die Villa hineinführen. „Die Tiberii können sich glücklich schätzen dich zum Freund zu haben. Ich hoffe, dass du sie mir im Laufe des Abends noch vorstellst?“ Nun wurde das Lächeln der Venturia weich und sie bekam diesen typischen Mutterglanz in den Augen. „Ich danke dir für deine Glückwünsche. Aquilius Iulianus gedeiht und erfreut uns jeden Tag aufs neue.“ Sagte sie voller Stolz. Die Kaiserin sah sich um und entdeckte das eine oder andere bekannte Gesicht unter den Gäste hier und da nickte sie begrüßend, bevor sie sich wieder an den Gastgeber wandte. „Wie wäre es wenn du mir deine Familie vorstellst? Wenn ich mich recht erinnere bin ich tatsächlich noch niemanden aus deiner Familie persönlich begegnet. Ein Umstand, den ich heute zu ändern gedenkt.“

  • Auch Macer stellte rasch seine Gespräche ein, als die Kaiserin eintraf und stellte mit einem knappen Seitenblick sicher, dass sein Klient auch kein unpassendes Bild abgab. Zweifellos standen sie heute buchstäblich nur in der zweiten oder dritten Reihe, was Macer durchaus recht war, aber gerade deshalb hatten sie wohl nur wenige Chancen, einen Eindruck zu hinterlassen und der sollte natürlich positiv sein. Macer kannte die Kaiserin bisher vor allem von einer Cena im Palast, recht kurz nach dem Amtsantritt ihres Mannes. Soweit er sich erinnerte, war es ein sehr nettes Gespräch gewesen, das sie damals geführt hatten. Er konnte sich noch erinnern, dass die Kaiserin ihm wegen ihrer bevorstehenden Reise nach Germania einige Fragen gestellt hatte, aber er war sich nicht einmal sicher, ob sie danach überhaupt tatsächlich in diese Provinz gereist war. Später hatte er sie vor allem bei Opfern gesehen, insbesondere auch, wenn er seine Tochter mit dabei hatte, die sich immer freute, die Kaiser zu sehen, auch wenn es nur aus der Entfernung war. Sie würde morgen sicher enttäuscht sein, wenn er ihr erzählte, dass er die Kaiserin hier gesehen hatte, ohne dass sie dabei war.


    Während der Gastgeber also die Kaiserin begrüßte und alle darauf zu warten schienen, dass es erlaubt war, das ehrfürchtige Schweigen wieder zu beenden, ließ Macer dezent den Blick durch den Raum schweifen, welche Gäste er sonst noch kannte. Die zwei jungen Flavier erkannte er und ein paar andere Personen, die er zwar dem Gesicht nach, aber nicht dem Namen nach kannte. Dann stieß er seinen Klienten leicht an, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen. "Schräg rechts gegenüber, ist das nicht der Duccier, der dich nach dem Wagenrennen angesprochen hat?", fragte er dann ganz leise.

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