Taberna "Aus der Hand von Schesmu"

  • "Küche aufräumen wäre toll, dann kann ich mich frisch machen. Wenn ihr Hunger habt, dann könnt ihr euch schon etwas Brot nebenbei machen. Demetrios kann dir zeigen wie es geht, falls du es nicht weißt. Die Ziegen und die Hühner bräuchten auch noch frisches Wasser und Futter. Ich komme in etwa einer Stunde wieder runter und löse dich ab, Tiberios. Du bist bestimmt hundemüde nach dem Sklavenmarkt und der Therme also keine Widerrede!" setzte ich noch schmunzelnd nach um Widerworte gleich zu unterbinden. "Morgen können wir uns dann vormittags einmal zusammen setzen und über die Zukunft sprechen."

    Tiberios gab keine Widerrede. Er war wirklich müde, und er räumte auf, in dem er die Gemüsereste in einem Kübel sammelte und das Mehl aufwischte, dann den Fußboden kehrte und ihn mit einer Mischung aus Asche und Sand bearbeitete, die das Fett aufnahm.

    Mit einem Sud aus saponaria officinalis brachte er alles Metallische zum Glänzen. Tongeschirre reinigte er mit Essigwasser, und Nitrum schüttete er in die Abgüsse.

    Dann ließ er sich von Demetrios zeigen, wie man Hühner und die Ziege, die sich sehr wohl mit seiner alten Tunika fühlte, fütterte. Irgendwann legte er ihren Stall mit Poleiminze aus, damit die Parasiten fern blieben, und es dauerte eine Weile, bis er die Ziege streichelte, wenn er mit Demetrios die süßliche aufschäumende Milch holte.

    Nach einer Weile war es so, dass er in seinem neuen Leben aufging und nichts anderes mehr wünschte. Das lag an Demetrios, der der erste Mensch war, der so etwas wie die Vaterrolle einnahm und an Domina Proxima, die ihn nie anders als gütig behandelte.

    Roma verblasste wie ein Traum, an den man sich nur vage erinnerte, wenn man am Morgen erwachte.






  • Es war an einem anderen Tag. Tiberios hoffte sehr, dass Demetrios ihn endlich in das Geheimnis der Henqet- Herstellung einweihen würde, weshalb er sich mit dem Einkaufen beeilt hatte. Wie zuvor schon trat er rasch in die Gaststube und winkte: "Salve Domina Proxima! Ich habe alles bekommen, was du gewünscht hast, und Athenais hat mir sogar zugelächelt."


    Seine Domina saß am Tisch mit einem Gast, den er nicht erkannte. Sie schienen zu warten.... auf ihn?

    "Ich wasche mir rasch die Hände, und dann komme ich bedienen, ja?", sagte der Grieche und lief in die Küche, in der er auch die Einkäufe abstellte.

    Mit zwei Brotkörbchen, zwei Tellern und Löffeln kehrte er zurück und näherte sich Domina Iunia Proxima und dem Unbekannten....

  • Als Tiberios vom Einkaufen wieder zurückkam, saß ich bereits mit Furius Cerretanus am Tisch und nippte an meinem Wasser. Tibi hatte sich so schnell hier eingelebt, als wäre er schon Jahre Teil unserer kleinen sonderlichen Familie. Aber ich wusste auch, dass er ein junger Mann mit vielen Talenten war und vieles davon an diesem Ort hier verschwendet war. Er könnte in einem wesentlich vornehmeren Haus bessere Arbeit machen als meine Küche zu schrubben oder den Stall der Ziege auszumisten. Ich würde ihm wahrscheinlich nicht im Wege stehen, wenn er nach Rom zurückkehren wollte. Ich könnte bestimmt eine Einigung mit den Furiern erzielen.


    Mein Lächeln war daher ein wenig wehmütig, da ich damit rechnete meinen neuen Sklaven bald wieder zu verlieren. "Athenais kann doch gar nicht lächeln...vielleicht hatte sie einen Schlaganfall und Gesichtslähmung..." erwiderte ich nur leidlich lustig. "Ja, sei so gut und bring uns bitte Essen und nimm dir auch eine Schale und setze dich zu uns." Sie würde schon noch früh genug mit der Sprache rausrücken, sobald Tibi sich gesetzt hatte.

  • Die freundlich gemeinte Einladung Proximas lehnte Cerretanus ab. Er hatte keinen Hunger einzig zu Trinken war es was er benötigte. Die Kehlw war immer noch durch den Staub der Strasse verlegt was jedesmal ein Kratzen verursachte wenn er schluckte.



    Appius wartete ab. Er wartete darauf dass Tiberios sich zu ihnen gesellte. Er wartete darauf dass er erkannt wurde und...Er wartete auf dessen Reaktion und....auf dass wie sich die Geschichtw entwickeln würde.

    Appius fiel auf dass das Verhältnis zwischen Proxina und Tiberios recht offen war. Verständlich....Tiberios war ein fleißiger, freundlicher Kerl und er wäre jeden wenn dieser nicht geistig umnachtet, tief konservativ und/ oder Patrizier ist als solcher betrachtet worden. Aooius selbst hatte eher wenig mit ihm zu tun. Aber er wusste um dessen Talente und Vorzüge bescheid.


    Er machte keinerlei Anstalten sich zu erkennen zu geben.

  • Tiberios wollte seine Schale auf den Tisch stellen und sich setzen, aber dann sah er den Gast genauer an: Groß, durchtrainiert und grauäugig, und er erkannte ihn sofort: Dominus Cerretanus von den Urbanern, der Cousin seiner Herrin. Er war immer gut zu ihm gewesen.

    Er hatte ihm nach Satala geschrieben, ohne etwas zu fordern, denn das stand ihm nicht zu. Ein Lebenszeichen hatte er geben wollen. Er hätte nie geglaubt, dass der furische Herr persönlich aufkreuzen würde, um nach ihm zu suchen, aber hier saß er nun leibhaftig in der Schankstube mit Domina Proxima am Tisch. Er war ein Bote aus einer Vergangenheit, die Tiberios in die Weiten seines Gedächtnis verbannt hatte. Warum sich an etwas erinnern, was man nicht wieder haben konnte?


    Doch plötzlich war Roma wieder präsent, sogar das Licht, die Gerüche, die Stimmen: Die Casa Furia, die stillen Räume, die in gediegenem Wohlstand eingerichtet waren, die Bibliothek mit den vielen Schriftrollen , und der warme Blick seiner Domina Stella wenn er etwas gut und richtig gemacht hatte. Auch andere Menschen und Orte gehörten zu dem Bild: Er hatte sie geliebt, um sie gelitten, sich mit ihnen gefreut: er hatte mit ihnen gelebt.


    Tiberios hielt in der Bewegung inne, mit der er sich setzen wollte, er blieb stehen. Der furische Haushalt war standesbewusster als sein jetziger gewesen, und nun erinnerte er sich wieder an die alten Regeln. Aus Tibi wurde Tiberios, der Maiordomus. Er aß nicht mit den Römern zusammen, nur zu den Saturnalia tat er das.


    „Salve Dominus Cerretanus“, grüßte er und verbeugte sich tief. Eine andere Regel war, nie zu sprechen, bevor man nicht angesprochen wurde. Er merkte, dass ihm die Knie anfingen, zu zittern. Aber er behielt Haltung, und dann schaute er zu Domina Proxima und dachte an den alten Demetrios. Und dann wusste er gar nicht mehr, was er gerade wollen wollte.

  • Ich hob eine Augenbraue bei der offensichtlichen Veränderung in Tiberios' Verhaltung und dass er meine Aufforderung sich zu mir zu setzen und zu essen vollständig ignoriert hatte. Kurz überlegte ich, ob ich ihn zurechtweisen sollte, entschied mich aber dagegen. Das wäre kleinlich und ich war schon angespannt genug durch diese ganze Situation. Ein wenig traurig war ich schon, da ich immer gehofft hatte, dass dieser Tag nicht kommen würde, aber nun war er hier und der Furius stand nun vor ihnen. Würde sich Tiberios vielleicht doch dazu entscheiden hier zu bleiben? Ich wollte mir keine großen Hoffnungen machen, also ging ich das Thema direkt an.


    "Nun, Furius Cerretanus...hier ist Tiberios. Was genau möchtest du denn nun, dass du den weiten Weg hierher auf dich genommen hast?" Die Worte klangen ein wenig rauer als beabsichtigt, sah ich den Furius doch als die Quelle meiner Ungewissheit.

  • Cerretanus beobachtete Tiberios als dieser an den Tisch kam, die Schüssel abstelle und im Begriff war sich zu setzten. Gerade in dieser Sekunde durfte der Griwche anscheinend den Gast erkannt haben....

    " Machst du hier Gymnastik oder hast du etwas verloren" meinte Cerretanus mit einem Schmunzeln und wiegte den Kopf hin und her.

    " Setz dich und mach nicht so ein Theater."

    Dann sah er Proxima an und bemerkte die Unruhe. Ihre Stimme schwankte ein wenig und hatte nicht mehr weichen Tonfall.


    " Was genau ich nun will...darüber bin ich mir nicht nicht so im Klaren. Tiberios ist in Rom in unseren ' Besitz' gekommen." Das Wort ' Besitz' sprach er ein wenig abschätzend aus.

    " Ich bin für jeden konstruktiven Vorschlag offen."


    Wieder blickte er Tiberios an.

    " Dominus Saturninus hat mich informiert. Du wärst während einer Überfahrt, war es Aegyptus oder Hella?..." Die Frage war eher rethorischer Natur:" verloren gegangen. Und Piraten haben dich aufgegriffen? Und dich hier verkauft? Und niemand weiß davon......"


  • Tiberios war einen Moment lang automatisch in die Erziehungsmuster seiner Kindertage zurückgefallen, und die hochgezogene Augenbraue seiner Domina verriet ihm, dass ihr das missfiel. Auch wenn Dominus Cerretanus ihm nun mit einem Scherz das Hinsetzen erlaubte, wandte er sich an sie und sprach: "Ich danke dir, Domina, dass ich Platz nehmen darf.", um ihr zu zeigen, dass er ihr gehorsam war, dann setzte er sich, und er war froh, erst einmal zu sitzen.


    Domina Proxima hatte von einem weiten Weg gesprochen, den der Furius gekommen war. Von Caesarea nach Satala, das war weit. War der Optio gekommen, um nachzusehen, ob es dem Griechen gut ging oder um den Furiern ihr Eigentum zurückzuholen? Und spielte das eine Rolle? (Ja, im Gegensatz zu früher spielte es eine Rolle. Wie schnell man sich daran gewöhnen konnte, wie ein Mensch mit Gefühlen behandelt zu werden.)


    Aber dann stellte Dominus Cerretanus einige Fragen über die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit, und der Grieche gab Auskunft:

    "Ich war im Auftrag von Domina Stella von Alexandria nach Roma auf einem Schiff namens Nereis Alexandrina unterwegs, und wir wurden von Piraten geentert. Sie nahmen die Kinder und Jugendliche als Sklaven mit. Ich war der Älteste.", einen Moment lang verdunkelten sich seine Augen, als er daran dachte, wie viele Tote es gegeben hatte.*:

    "Ich ging durch mehrere Hände.", schloss er.


    Sim-Off:

    * Diese Geschichte wird hier erzählt.

  • ich hatte während der Unterhaltung demonstrativ mit säuerlichem Gesichtsausdruck von meiner Suppe gegessen. Ich kannte die Geschichte bereits, aber was ich noch nicht kannte war das Motiv des Furius. Weshalb war er wegen einem Sklaven den ganzen Weg von Satala hierher gekommen? Ich beschloss mich nicht von dem Soldaten beeindrucken zu lassen. Ich hatte Tiberios legal und für viel Geld erworben.


    "Nun weißt du was geschehen ist, Furius. Ich habe nicht vor Tiberios zu verkaufen, denn ich habe ihn legal erworben. Ich biete dir aber gerne Obdach für die Nacht an, falls du dich ausruhen möchtest. Wir haben hier auch Gästezimmer." Demonstrativ wandte ich mich wieder meiner Suppe zu. Ich konnte diese Situation nicht ausstehen...

  • " Ich habe keine Zeit mich auszuruhen, Werte Iunia. Danke für das Angebot" lehnte Appius das Angebot ab.

    Wieder an Tiberios gerichtet meinte er:" Nun Tiberios. Was sagst du dazu? Ich werde natürlich keine Anstrengungen unversucht lassen falls es dein Wunsch ist zurück nach Rom zurückkehren zu können aber wenn du meinst du möchtest hier bleiben vergesse ich was ich weiß. Und jeder ist glücklich."

  • Tiberios sah auf seine Hände, die auf dem Tisch lagen und überlegte, was er denn antworten wollte.

    Bisher in seinem Leben war ihm stets gesagt worden war, wohin er zu gehen, wo er zu schlafen, was er essen, was er zu arbeiten hatte und wem er angehörte. Auf gewisse Weise hatte er sich um existenzielle Fragen nie Gedanken machen müssen, jetzt aber lag der graue Blick des Dominus Cerretanus, der den weiten Weg gekommen war, auf ihm und ebenso sahen ihn die braunen Augen seiner neuen Domina an.

    Sie waren freie römische Bürger und warteten doch darauf, dass er, der griechische Sklave, über sein eigenes Schicksal entschied. Sie hätten ihn mitnehmen, einsperren oder sich vor Gericht um ihn streiten können, doch das taten sie nicht. Sie waren edelmütige, großherzige Menschen, alle beide. Tiberios liebte sie. War es das, weshalb seine Tyche ihn nach Caesarea geführt hatte? Um ihn zu lehren, eine Entscheidung zu treffen? War auch so etwas ein Teil der Freiheit? Etwas aufgeben zu müssen, um etwas anderes nicht zu verlieren?

    Tiberios dachte an Domina Stella und Dominus Aulus, an die Casa Furia in Roma, und einen Moment lang an all die Möglichkeiten, die ihm Roma eines Tages, wenn er älter wäre, bieten würde. Er wäre nicht der erste Grieche, der aus dem unfreien Stand zu Ansehen gelangen konnte.

    Und dann dachte er an sein Leben hier in Caesarea, welches so viel einfacher war, an das tiefe Gefühl der Zufriedenheit, das ihn zuweilen überkam, wenn er den Hühnern Körner hinstreute und er auf die Berge in der Ferne blickte oder wenn er den Hof fegte, an die wohlige Müdigkeit, die er abends fühlte, weil er umher gelaufen war und nicht, weil er sich den Kopf zerbrochen hatte und daran, dass er hier einfach Tibi war und Demetrios wie ein Vater oder guter Onkel. Demetrios würde vielleicht auch nicht mehr lange leben, da konnte er sich nichts vormachen. Würde Tiberios nach Roma zurückkehren, würde er unter dieser Sonne Demetrios nie wieder sehen.

    Der Grieche ging auf die Knie, wie er es in Alexandria getan hatte und hob beide Hände, um um Gnade zu bitten:

    "Dominus Cerretanus, ich danke dir dafür, dass du gekommen bist.", sprach er:

    "Aber... ich möchte eigentlich noch nicht fort von hier. Ich glaube, ich sollte gerade hier sein.", er warf einen Blick zu Domina Proxima, die gesagt hatte, sie wolle ihn nicht verkaufen:

    "Ich glaube auch, dass wir alle glücklicher sind wenn alles so bleibt wie es gerade ist.", endete er und wartete darauf, dass jemand das Wort an ihn richtete.

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