Portus Mogontiaci - Der Hafen

  • Varro hatte das Gefühl sie würden in naher Zukunft hier Ärger bekommen. Hier war irgendetwas im Busch, das sagte ihm sein Gefühl. Sie wurden beobachtet aber alles war so auffällig unauffällig. Der Decurio musste langsam mal irgendwo anhalten und besonders unauffällige Szenen abklopfen. Da,...wieder so ein Blick voller Verachtung. Hatte denn niemand mehr Respekt vor ihnen? Zeit für ein Exempel...

  • Eigentlich war Germanien leichter zu erreichen als er gedacht hatte. Es war zwar etwas weiter aber mit dem Schiff über Ostia um dann bei Arelas auf ein Flussschiff auf dem Rhodanus zu wechseln. Nur ab Cabillonum musste er einen schiffbaren Fluss verlassen um weiter auf der Straße über Vesontio nach Augusta Raurica zu reisen. Von dort war es nur noch ein Kurzes Stück den Rhenus hinauf. Gut das es so viele Flüsse gab, auf einem Fuß zu reisen war deutlich bequemer als auf der Straße. Manius stand am Pier und sah zu wie seine Sachen vom dem keinen, flachen Schiff geladen wurden. Das gesammte Schiff war nur mit seinen Habseligkeiten und seinen Sklaven belegt gewesen. Was aber mehr dem Umstand geschuldet war das er ein Pferd mitgenommen hatte. Das Tier war unter großem Aufwand und viel gutem Zureden auf das schwankende Schiff geladen worden und nun musste es da ja wieder runter. Ein Pferd über den Plankengang zu bewegen war nicht ganz einfach aber dann endlich stand es auf dem Pier.


    Als dann endlich alles an Land war zog sich Manius in den Sattel denn er wollte auf keinen Fall zur Castra laufen. Er war der Sohn eines Senators und sollte Tribun werden. Da gehörte sich das aus seiner Sicht nicht zu gehen. So brach die kleine Gesellschaft aus Manius einem Leibsklaven und zwei stämmigen Nubiern die als Leibwächter dienten auf.

  • Am Hafen angekommen blieb Massa stehen. Von den Hafenanlagen die er bisher zu Gesicht bekam war diese hier die kleinste. Alles war da, nur eben kleiner als er es kannte. Eine Bireme lag im Hafenbecken, zwei Liburnen und vier Navis actuaria leisteten ihr Gesellschaft. Draußen auf dem Fluß zog eine Prahme vorbei. Auf ihre ein Ladung Getreide. Die Triere, das Flagschiff der hiesigen classis, war nicht zu sehen. Massa ging zur Kommandantur, klopfte an und betrat die Räumlichkeiten. An dem Schreibtisch der im Zentrum des Raumes stand saß ein Mann mittleren Alters. Seine Kleidung war nicht viel anders, als die, die Massa bei der classis Alexandrina getragen hatte. Der einzige Unterschied, die Alexandriner trugen wollweiße Tuniken. Der Mann war genau der, den er sprechen wollte. „Salve Nauarchus, die classis Alexandrina lässt grüßen.“ Massa ging zum Schreibtisch. „ Tribun Augusticlavius Appius Decimus Massa, ehemals Nauarchus der classis Alexandrina. Ich freue mich dich kennenzulernen.“

    Catienus hatte an diesem Morgen keine sonderlich gute Laune. Seine Transportschiffe sollten wieder einmal Steine den Fluß hinunter bringen. Die Patroullienboote verspäteten sich. Es lief nicht gut. Solche Tage hasste Catienus. Seine Laune rutschte beinahe eine Etage tiefer, als dann dieser Tribun bei ihm in der Kommandantur auftauchte. Bei der Begrüßung und Vorstellung besserte sich seine Laune. Mit einem Lächeln stand er auf und bot Massa eine Platz an. „ Nauarchus Memmius Turius Catienus, classis Germanica, nimm Platz. Was hat dich hierher verschlagen ? Da unten ist es viel gemütlicher als hier. Wie sieht‘s in Alexandria aus?“ Massa nahm Platz. Ein Nauta brachte etwas zu trinken. Catienus überfiel ihn regelrecht mit Fragen. Endlich mal ein Gleichgesinnter, einer von den Seinen. Massa nahm sich einen Becher verdünnten Wein. „ Eine lange Geschichte. Alexandria steht immer noch wie vor hundert Jahren. Vor schönen Frauen kannst du dich kaum retten. Das Meer mal ruhig, mal launisch. und wie sieht es hier bei dir aus?“
    Catienus winkte ab. „ Immer das Gleiche. Die Germanen halten zur Zeit Ruhe. Die Liburnen fahren Patrouille. Meine Transportschiffe fahren Steine, Steine, Steine.“ Er wünschte sich etwas mehr Abwechslung. „ Immer das Gleiche. Es zerrt ganz schön an den Nerven.“ Das war für Massa erfreulich. Die besten Voraussetzungen für sein Vorhaben. „ Ich hätte da was für dich und deine Leute. Der Präfectus muss nur seine Zustimmung geben.“ Massa stand auf. „ Es war gut dich kennen zu lernen Nauarchus. Auf gemeinsame Tage. Ich lass dir morgen eine Amphore guten Fallerner von unserem Decimischen Weingut vorbei bringen.“ Catienus Gesicht zeigte ein breites Grinsen. Der Tag war gerettet und bei der Legion war endlich mal einer, der wie er tickte. „ Auf gute Zusammenarbeit Decimus. Man sieht sich.“ Catienus ließ es sich nicht nehmen und begleitete Massa bis vor die Tür. „ Ich lasse mich spätestens in 2 Tagen wieder hier sehen.“ verabschiedete sich Massa und schlug den Weg Richtung Castra ein.

  • Die Fahrt mit der ‚Anacamna‘ hatte sich im Nachhinein als kurzweiliger erwiesen, als ich zunächst befürchtet hatte. Mian und Gwen hatte sich die größte Mühe gegeben, mir die Zeit zu vertreiben, während das Schiff langsam aber bestimmt die Mosella in Richtung Confluentes hinunterschipperte. Hin und wieder hatten wir angehalten, um Vorräte aufzunehmen.
    Erst als wir Confluentes erreicht hatten, war ein mehrtägiger Halt eingeplant. Nun war Confluentes nicht das, wovon man unbedingt träumt. Es war eine Kleinstadt eben mit allem was Mann so brauchte. Die Besatzung des Schiffes verschwand erst einmal im Haus der Freude, einem Lupanar in der Nähe des Hafens. Ich für meinen Teil hatte das nicht nötig und so machte sich Mian nur auf die Suche nach einer Herberge, in der ich mit meinem kleinen Gefolge für die nächsten zwei, drei Nächte unterkommen konnte. Es war eine Wohltat, mal wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.


    In der Zwischenzeit hatte sich Divico um einen Teil unserer Ladung gekümmert. Mit seinem peniblen Drang nach Perfektion hatte er jede kleine Kleinigkeit der Transaktionen minutiös protokolliert, um es später dem Alten zu schicken. Der beste Mann meines Vaters hatte nicht viel übrig für mich. Unsere Kommunikation beschränkte sich daher nur auf das Nötigste. Da ich erst in Mogontiacum in den Betrieb meines Vaters einstieg, überließ ich ihm alles Geschäftliche. Sollte er sich damit herumschlagen.


    Edlich ging es weiter. Doch von nun an war die Muskelkraft unserer Ruderer gefragt, denn von nun an ging die Reise Rhenus aufwärts weiter. Besonders die Strecke bis Bingium, so sagte man mir, sei schwierig zu fahren. Bisweilen hatte man mit gefährlichen Strudeln, Riffen und Untiefen zu rechnen, je nachdem wie hoch der Wasserstand war.


    Nach mehreren Haltepunkten erreichte unser Schiff schließlich den Hafen von Mogontiacum. Die Tage und Wochen waren an mir vorbeigezogen, so dass ich irgendwann damit aufgehört hatte, sie zu zählen. Hätte man Divico gefragt, wie lange unsere Reise gedauert hatte, hätte er mir Sicherheit eine genaue Angabe machen können. Doch ich fragte nicht Divico. Vielmehr hatte ich mich in den letzten Tagen mit der Frage beschäftigt, was ich alles zu tun gedachte, wenn wir endlich Mogontiacum erreichten. Zunächst wollte ich ein geeignetes Haus finden und ein Pferd kaufen. Ein Leben ohne Pferd konnte ich mir nicht vorstellen. Wenn ich es mir recht überlegte, konnte auch noch der eine oder andere Sklave erstanden werden, denn ich wollte es der armen Gwen und auch mir nicht zumuten, dass sie ihre kulinarischen Fähigkeiten erprobte. Nein, die kleine Haeduerin verfügte über weitaus bessere Qualitäten.


    Da Mian bereits in Confluentes ein gutes Händchen bei der Auswahl einer guten Herberge bewiesen hatte, schickte ich ihn auch diesmal wieder los. Divico und die Besatzung der ‚Anacamna‘ kümmerten sich um die Ladung und den Papierkram. Gwen und Ingolf begleiteten mich auf den Weg in die Stadt. Wie es schien hatte Mian auch diesmal etwas Passendes gefunden, wo wir die nächsten Tage unterkommen konnten, die Taberna Silva Nigra!

  • Die Patrouille neigte sich wie auch der Tag dem Ende zu. Varro´s Begegnung mit der Navis Iusoria hatte ihm ins Gedächtnis gerufen, daß heute 5 dieser schnellen Patrouillenboote in Mogo eintrafen um die Präsenz auf dem Rhenus zu erhöhen. Und im schwindenden Licht der Nachmittagssonne sah er sie liegen. Sie waren zwar nicht neu, aber durchaus einsatzbereit. Erfreut nahm er das wahr und führte seine Turma vorbei an den Schiffen zurück zum Castellum. Die Nachricht, daß die Classis Germania wieder in Mogo lag dürfte den Praefecten interessieren.

  • <<< RE: [Officium XXX] Cursus Publicus| - Postannahme -


    Der heisere Gesang eines Betrunkenen schallte durch die nachtschwarzen Gassen. Außer ihm war um diese Stunde nichts zu hören. Seine Stimme war wie ein Fremdkörper in der friedlichen Stille.


    "ALLES HUREN, SO WIE MUTTI", röhrte Sabaco, während er im Slalom durch die verwinkelten Straßen torkelte. Den Rest des Textes hatte er vergessen, so dass er immer wieder den selben Vers leierte. In seiner Hand hielt er eine Tonflasche hochprozentiges Germanengebräu. Diese Wichser konnten nichts, außer Bier und Schnaps brauen. Aber das konnten sie gut. "ALLES HUREN ... Scheiße, Drecksau!"


    Das Lied endete in Gebrüll, in den Gassen scherbelte es. Derbe Flüche folgten, etwas krachte, dann war Ruhe.


    Nach einer Weile taumelte Sabaco zwischen den Häusern hervor. Er sang an der gleichen Stelle weiter, wo er aufgehört hatte, die Tonflasche noch immer in der Hand. Sie hatte dem Aufprall des Schädels schadlos standgehalten. Schritt für Schritt kämpfte Sabaco sich zum Zivilhafen vor. Er konnte noch nicht zurück zur Classis, die würden ihm Feuer unterm Hintern machen, wenn er in diesem Zustand aufkreuzte. Er pisste in hohem Bogen in den Rhenus, ehe er im regennassen Gras zusammensank.


    Sein Gesang verstummte in Gegenwart der Schiffe. Groß, finster und erhaben leisteten sie ihm schweigend Gesellschaft. Während er auf das schwarze Wasser starrte, das um ihre hölzernen Leiber strömte, trank er.

  • Ein weiterer finsterer Leib gesellte sich dazu und zwar der von Titus Vorenus Nero, der auf Sabaco herabschaute. Nero war in die neue warm, weiche Tunika gewandet und war seinem Untergebenen bis hierher gefolgt. Schwer zu verfolgen war Sabaco nicht, man hörte ihn zig Straßen weiter. In der Finsternis klang dessen Gesang auf seltsame Art schauerlich schön. Nun lag er hier, betrunken und starrte auf das Wasser und die Schiffe.


    Nero rollte Sabaco auf die Seite und hockte sich neben ihn. Sein Blick folgte dem seines Untergebenen, der ihm die warme Tunika geschenkt hatte. Wasser so schwarz wie die Nacht selbst und Schiffe die auf den winzigen Wellen tanzten. Nero packte seine eigene kleine Amphore aus, nahm einen Schluck und zog die Beine an. Er legte den Kopf auf den Knien ab und betrachtete das Spiel von Wasser, Wellen und den Schiffen, während er neben Sabaco saß und ihm Beistand leistete.


    Was auch immer Sabaco fehlte, Nero bekam eine düstere Ahnung davon. Sie waren sich ähnlicher als sie dachten.

  • Sabaco war bereits stark betrunken, als man ihn auf die Seite wälzte. Davon erwachte er. Orientierungslos sah er sich um. Nichts kam ihm bekannt vor. Weder war ihm bewusst, wo er sich befand, noch warum er hier war. Aber da war seine Flasche.


    Und jemand?!


    Sabaco versuchte, sich aufzusetzen, während die Welt sich um ihn drehte. Er spürte nicht, wie die nächtliche Kälte Germanias ihm die Wärme aus den Gliedern zog und dass seine Tunika durchgeweicht war vom Tau und der nassen Erde. Hätte er es gemerkt, wäre es ihm gleichgültig gewesen. Es gelang ihm, sich seitlich auf den Arm zu stützen, so als würde er auf einer Kline liegen. Verwirrt versuchte er, das Gesicht des anderen in der Dunkelheit zu erkennen, der entspannt da saß und ebenfalls trank. Aber ja ... nein. Irgendetwas stimmte nicht an dem Bild, das sich in seinem Kopf zusammenzusetzen versuchte. Wie ein Mosaik, dessen Steine nicht zueinander passten.


    "Wer bist du?"

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