- Officium XXI

  • Dieses lächerliche Machtgerangel, um Status und Aufmerksamkeit wurde Verus dezent lästig. Scheinbar hatte jeder in dieser Kanzlei seine persönlichen Befindlichkeiten und Statussucht. Verus gierte es nicht nach Status oder Ansehen, sondern wollte schlicht Dinge erledigt haben. Neben seiner herkömmlichen Arbeit als Trecenarius, schien genau dieser Teil recht lästig, da von ihm schnelle Lösungen erwartet wurden aber in diesen Gängen die Langatmigkeit Vorschrift schien. Verus passte nicht an diesen Ort mit seinem kalten Pragmatismus. Immer wieder schien die Kanzlei ihm aktiv Steine in den Weg zu legen. Aus diesem Grund hatte er sich entschieden, wichtige Fragen direkt zu umgehen und in gewisser Eigenregie zu klären, sofern nicht eine Aufforderung des Kaisers notwendig war. Als Trecenarius genoss er ja eine gewisse Losgelöstheit, so dass diese Verwaltungsgänge zu reduzieren waren aber sie würden niemals ganz verschwinden. Insgeheim spielte er bereits mit dem Gedanken, eine Nebenlinie zu etablieren und den Kaiser um eine vorsichtige Erleichterung der Dienstwege zu bitten. Diese Kommunikationswege innerhalb des Palastes hatten sich als Durststrecke erwiesen, da Verus nun von einem Beamten zum Nächsten rennen konnte; und wahrscheinlich von diesem mit einem Antrag zum Nächsten. Und von diesem wieder zu einem anderen. Er kannte das schon. Aus diesem Grund war er ja direkt zum Kopf des Ganzen gelangt, um diese Strecke zu vermeiden. Doch im Kern schien auch dieser an seinem Status, seiner elenden Beamtenseele, festzuhängen. Verus brummte nervös durch seine Nase. Scheinbar lebte die Kanzlei losgelöst von der Welt und war längst bei den Göttern angekommen, so denn diese Aussage des Procuratros als das gedeutet werden konnte. Verus musste seinen Stein erneut auf den Berg rollen. Gab es da nicht einmal eine Sage? Der Trecenarius mühte sich die Gedanken bei Seite zu schieben, um sachlich seine Arbeit zu verrichten. Er würde diese langsamen Mühlen nicht ändern. Nicht der Krieg, nicht die Folterarbeit, schaffte ihn, sondern diese Kanzlei. Durch ständige Wiederholung leerer Prozesse schlauchte sie den gestandenen Kriegsverbrecher. "Wenigstens das klappt unverzüglich," meinte Verus bitter und entfernte sich mit missmutigen Schritten. "Nein, ich bedanke mich," sagte der Prätorianer nüchtern und verabschiedete sich mit einem höflichen Kopfnicken. Das Imperium besiegte sich selbst an den Akten.

  • Ich legte eine kurze Aktiennotiz sowie jeweils eine Kopie des
    Einladungsschreiben für das Bewerbungsgespräch Iullus Sergius Collega
    Einladungsschreiben für das Bewerbungsgespräch Gnaeus Iulius Cato


    auf den Schreibtisch .





    Saturninus grüßt den Procurator Lentulus,
    der Termin für Collega findet am 4.11.870 AUC
    hora quinta/ ca 10 Uhr
    der Termin für Cato am 4.11.870 AUC
    hora septima/ ca 12 Uhr statt.


    Vale Saturninus

  • Ein Prätorianer führte den Bewerber in die Kanzlei und lieferte ihn im Officium des ab Epistulis ab.

    Nachdem er zum Officium des Procurator ab Epistulis geführt worden war, bedankte sich Gnaeus bei dem Praetorianer. "Danke, Soldat." Noch einmal tief Luft geholt. Dann klopfte er an die Tür, wartete auf ein Zeichen von innen und trat ein, sobald von drinnen die Erlaubnis dazu kam.


    Diesmal dachte Gnaeus dann auch direkt daran, sich vorzustellen: "Salve, Procurator. Ich bin Gnaeus Iulius Cato. Ich hatte dir geschrieben, weil ich gerne in der Finanzabteilung der Administratio Imperatoris als Primicerius den Procurator a Rationibus unterstützen möchte." Da er in seiner Bewerbung bereits sehr viel geschrieben hatte und einen der wichtigsten Männer des Imperiums nicht mit Altbekanntem langweilen wollte, hielt er sich erstmal kurz.

  • Cornelius Lentulus hatte Maenius Firminus erst vor kurzem als Procurator ab epistulis abgelöst und war ein ausgesprochener Pedant - umso weniger verwunderlich war es, dass er bestens vorbereitet auf die heutig angesetzten Bewerbungstermine war. "Salve Iulius", grüßte er zunächst den potentiellen Mitarbeiter und wies ihn sodann mit einer einladenden Geste an, Platz zu nehmen. Das Schreiben des Iuliers hatte Lentulus nicht nur griffbereit, sondern unmittelbar vor dem Termin noch einmal eingehend studiert. "Ja, ich habe dein Schreiben erhalten. Und ich gebe gerne zu, dass es mir durchaus imponiert hat." Stellen bei der Kanzlei waren bei Bürgern ihres geregelten Einkommens und ihres Prestiges wegen heiß begehrt. Selbstredend bekam man deshalb alltäglich auch haufenweise Mist auf den Schreibtisch - und dies trotz vorheriger Filterung durch seine Abteilung. "Dein Werdegang und deine Erfahrung lässt mir kaum einen Zweifel an deiner fachlichen Eignung. Wie alt bist du, Iulius?" Nicht, dass Alter ein Ausschlusskriterium war. Im Gegenteil, ein erfahrener Bewerber war unter all dem inkompetenten Jungblut, das sich zuweilen hier blicken ließ, durchaus erfrischend und ließ gar auf eine wirkliche Verstärkung hoffen. "Und warum bemühst du dich um eine Stelle in der Finanzabteilung? In deinem Schreiben hast du deine Motivation bereits vage angedeutet, aber ich würde gerne etwas mehr darüber erfahren. Vor allem im Hinblick darauf, dass du aufgrund deiner annahmegemäß erfolgreichen geschäftlichen Tätigkeiten nicht finanziell darauf angewiesen bist?", hinterfragte Lentulus und blickte dann konzentriert zum Iulier.





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  • Die Bewerbung hatte dem Procurator imponiert. Gnaeus nickte. Denn er ging davon aus, dass er heute nicht hier wäre, wenn er in seinem Brief nicht auch ein bisschen auf den Putz gehauen hätte, zum Beispiel mit den vielen Namen, die er darin aufgeführt hatte. Gleichzeitig wusste er aber auch: Namen allein reichten nicht aus. Sie waren zwar Türöffner; aber auch durch eine offene Tür wurde niemand getragen. Diesen Weg musste jeder selbst aktiv beschreiten!


    Und genau dafür war Gnaeus heute hier. Die erste Frage bezog sich auf sein Alter. "Ich bin 47 Jahre alt." In seinen Augen weder eine Stärke noch eine Schwäche. Denn letztlich war es nur eine Zahl, nicht mehr. Ein 30-jähriger Weltenbummler konnte mehr Erfahrung haben als ein 60-jähriger Greis, der sein Stadtviertel oder Dorf nie verlassen hatte. Umgekehrt konnte ein 50-jähriger Römer, der regelmäßig für Sport und Entspannung in die Thermen ging, fitter und gesünder sein als ein 20-jähriger Hungerhaken, der notorisch kränkelte. "Auf die Einkünfte aus einer Anstellung als Primicerius bin ich aufgrund meiner gut laufenden Betriebe nicht angewiesen, das ist richtig. Was ich stattdessen suche, ist vor allem eine Aufgabe, eine neue Herausforderung." So oder so ähnlich hatte er sich ja auch in seinem Brief schon ausgedrückt. "Nach dem Tod meines Vaters habe ich meinen Teil des Erbes zusammen mit meinem guten Namen in eine Karriere als Lokalpolitiker investiert. Diese Herausforderung hatte ich spätestens nach meiner Wahl zum Duumvir bestanden. Deshalb habe ich mich anschließend nach größeren Herausforderungen umgesehen: Ich habe meine während des Duumvirats geknüpften Kontakte genutzt und bin mit meiner Familie von Demetrias im Südosten nach Apollonia im Westen von Makedonien gezogen. Dort habe ich dann den Grundstein gelegt für mein heutiges Netz aus Unternehmungen." Warum ausgerechnet in Apollonia und nicht in Demetrias? Die Antwort war so einfach wie unspektakulär: Instinkt. "Ich konnte rasch expandieren, im Norden die Adria hinauf bis ins italische Verona, im Süden bald bis ins Umland von Cyrene auf der anderen Seite des Mare Internum."


    Ja. "Und damit war auch diese Herausforderung im Grunde keine Herausforderung mehr. Denn einerseits beschränkt die Lex Mercatus die Anzahl wirtschaftlicher Betriebe." Mehr als fünf waren halt einfach nicht erlaubt. "Und andererseits liegt auf der Hand, dass die Eröffnung jedes weiteren Geschäfts in aller Regel weniger herausfordernd ist als die Eröffnung der vorherigen." Handelsrouten hatten sich etabliert, der eigene Name war bereits in anderen Städten bekannt, die Abläufe waren im Grunde meist doch sehr ähnlich. "Nebenbei finanzieren meine Betriebe nicht nur das gemeinsame Leben mit meiner Frau, sondern auch die Ausbildung unserer gemeinsamen Kinder. Auch im familiären Bereich gibt es daher kaum noch eine Herausforderung, der ich mich noch stellen könnte." Dass er sogar bereits ein Kind verloren hatte, seinen ältesten Sohn, ließ Gnaeus unerwähnt. Das war ihm zu persönlich für ein Bewerbungsgespräch. "Familiäre Verpflichtungen haben meine Frau und mich nun nach Rom geführt. Und nachdem ich hier aufmerksam wurde auf den großen Bedarf in den Bereichen Leben und Wohnen und Luxus... ein Bedarf, der sich auch mit meinem privaten Netz an Unternehmungen unmöglich derart befriedigen lässt, ...kam mir die Idee, dass die Lex Mercatus in ihrem 17. Paragraphen auch eine Möglichkeit für ein staatliches Eingreifen vorsieht. Mit meiner unternehmerischen Erfahrung würde ich mich nur allzu gerne darum kümmern. Sowohl um den wirtschaftlichen Teil als auch um den Teil, das Bewusstsein der Menschen um diesen Paragraphen und seine Nutzung zu schärfen." Das war ein ganz konkreter Punkt, aus dem heraus sich Gnaeus explizit die Finanzabteilung ausgeschaut hatte. Ein so großes Netz aus Unternehmungen zu managen, das wäre definitiv eine Herausforderung, auch wenn man ein eigenes, kleineres Netz bereits zum Erfolg geführt hatte. "Ich denke, ich könnte dem Procurator a Rationibus und damit indirekt natürlich auch dem Princeps hier eine gute Hilfe sein... genauso wie bei Fragen des Census, der von Equites und Senatoren zu erfüllen ist, oder im Falle von Donativa, die zu veranlassen sind, oder was auch immer für sonstige Fragen in einem dieser Bereiche auftreten."


    Sim-Off:

    Ich weiß, es wird sich bestimmt eine ganze Weile hinziehen, bis es hier wieder eine WiSim gibt. In der Zeit finden sich aber bestimmt andere Aufgaben in der/für die Finanzabteilung. ;)


    Soviel zu seinem Lebenslauf und der unter anderem daraus erwachsenen Idee, sich auf den Posten des Primicerius a Rationibus zu bewerben.

  • "Interessant", quittierte der Cornelier die Ausführungen zu Catos Ambitionen und verweilte einen Moment in Gedanken. Der Bedarf eines staatlichen Eingreifens in Wirtschaftsbelangen war dem ab Epistulis bisher noch nicht offenkundig geworden, gleichwohl konnte er sich in dieser Sache gut und gerne damit abfinden, dass ihm letztlich der praktische Einblick und die Expertise, die der Iulier aufgrund seines privaten Unternehmertums gesammelt hatte, nicht in gleicher Weise zugänglich war. "Es ist durchaus selten, dass ein Bewerber für eine Stelle als Primicerius über die bloße Amtstätigkeit hinaus konkretes bewirken will. Ob staatliches Handeln hier von Nutzen wäre, ist zweifellos eine Frage, die ich gerne dem Procurator a Rationibus und seiner Abteilung überlasse", bemerkte der Cornelier, der zwar mit einem scharfen Verstand gesegnet war und auch dazu eine Meinung hatte, der aber dennoch ein großer Verfechter der Zuständigkeiten am Kaiserhof war und nicht ohne Absprache im Terrain eines Kollegen zu wildern beabsichtigte. "Du hast mir hinreichend dargelegt, dass du für die Arbeit in der Finanzabteilung geeignet bist. Ich bin mir sicher, dass der Procurator a Rationibus diese Auffassung teilt. Daher kann ich dich schon jetzt zu deiner neuen Aufgabe beglückwünschen. Ich werde meine Abteilung veranlassen, die notwendigen Einstellungsdokumente aus- und dir zuzustellen", erklärte der Cornelier kurz und knapp. Schon aus Effizienzgründen sah Lentulus es geboten, ein Bewerbungsgespräch nicht unnötig aufzublähen, zumal seinen Notizen nach bereits der nächste Kandidat für eine andere Position eingetroffen war. "Gibt es von deiner Seite noch etwas, das du gerne ansprechen möchtest?", hinterfragte der Procurator dennoch.



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  • Ach, das ging ja schnell. Titus Cornelius Lentulus (Gehörte der eigentlich zu denselben Cornelii Lentuli, von denen auch Palma abgestammt hatte?) sprach seine Glückwünsche zur neuen Aufgabe aus. Gnaeus ließ sich zu einem kurzen Lächeln hinreißen. "Vielen Dank, Procurator." Einstellungsdokumente sollten später zugestellt werden. Gab es sonst noch Dinge zu besprechen? "Nein. Anliegen habe ich weiter keine." Welche konkreten Aufgaben in der Finanzabteilung gerade anlagen; welche Kompetenzen er möglicherweise hatte, um eigene Entscheidungen im Namen des A Rationibus zu treffen; welche Entscheidungen grundsätzlich immer dem Procurator vorzulegen waren; ob er bei den Audienzen des A Rationibus mit anwesend sein durfte; ...und all diese Fragen sparte sich der Iulier auf für seinen Amtsantritt. Stattdessen wartete er nach seinem "Nein" nun darauf, aus dem Gespräch entlassen zu werden. Denn auch wenn man ihn hier wahrscheinlich erstmal für einen Provinzling halten würde (da machte sich Gnaeus nichts vor): Soviel Etikette hatte auch er in Makedonien gelernt, dass er wusste, dass nicht die Krümel entschieden, wann eine Unterredung zu Ende war, sondern der Kuchen.

  • "Sehr gut. Dann wünsche ich dir viel Erfolg bei deiner neuen Tätigkeit", beendete Cornelius Lentulus das Gespräch mit dem designierten Primicerius a Rationibus, verabschiedete sich gebührlich und wartete sodann auf das Eintreffen des zweiten Bewerbers des heutigen Tages. Sergius Collega bemühte sich um eine Anstellung in der Abteilung a libellis, wie sich der Cornelier noch einmal mit einem kurzen Blick auf seine Tabula vergewisserte.


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  • Sergius trottete hinter jenem Schreiber her der ihn vom Officium des ab epistulis abgeholt hatte. Weit hatten si nicht zu gehen obwohl die Ausmaße dieses Bau recht pompös waren.


    Fast schon unhörbar klopfte der Schreiber an die Türe des Officium XXI und wartete. Nach dem zweiten Mal Zwinkern öffnete er die Türe lugte durch den Spalt und sprach in den Raum hinein. So sah es für Sergius zumindest aus da dieser nicht ins Officium blicken könnte.

  • Cornelius Lentulus gab dem Schreiber von innen das Zeichen, dass er den zweiten Bewerber einlassen konnte und bot dann diesem mit einem freundlichen Lächeln einen Sitzplatz an. "Salve Sergius. Du suchst nach einer Anstellung? Was hast du dir denn vorgestellt?", fragte der Cornelier ins Blaue hinein, da der Sergier in seinem Anschreiben noch kein konkretes Ziel genannt hatte.



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  • " Procurator Cornelius, Salve." Sergius trat mit einem gewissen Maß an Selbstsicherheit ein da er nun schon so weit gekommen war. Sein Lächeln deutete darauf hin dass er es ehrlich meinte.

    " Ja, Procurator. Das tue ich. Eine Anstellung hier in der kaiserlichen Kanzlei. Und mein Ziel ist es ebenfalls einmal Procurator zu werden doch..." er machte eine kurze Pause.." doch sehr ich natürlich ein gewissen Maß an Vorraussetzung diesbezüglich als notwendig. Meine Vorstellungen sind von Recht einfacher Natur. Ich stelle mich als Notarius gerne in den Dienst der Kanzlei."

  • Der Sergier strebte offenbar hoch hinaus, offenbarte er doch prompt, dass er dereinst den Stuhl des Corneliers oder eines seiner beiden Kollegen einnehmen wollte. Lentulus schenkte dem ein sanftes Lächeln und konzentrierte sich sodann mehr auf das Hier und Jetzt, für das der Sergier eine bescheidenere Vorstellung hatte. "Die Tätigkeit als Notarius steht natürlich vielen geeigneten Männern offen...", stellte der Cornelier mit Blick darauf fest, dass auch ein Libertus als solcher angestellt werden konnten und die Stelle deswegen von manchen Bürgern gering geschätzt wurde. "...dennoch ist es eine ehrbare und wichtige Arbeit, sodass auch sie gewissen Anforderungen unterliegt", erinnerte er den Sergier, da Lentulus in der Wortwahl des Sergiers eine gewisse Geringschätzung der Tätigkeit als Schreiber vermutete. Aber vielleicht war dies auch der Aufregung geschuldet. "Erzähl mir ein bisschen von dir und deinem Weg, Sergius. Woher kommst du? Wo bist du aufgewachsen? Was hast du bisher getan?"


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