In totam villam | Ein kleines Fest, die Gemüter zu erfreuen

  • “Ich fürchte eher, dass ich weder das rechte Talent noch die rechte Geduld für den römischen Tratsch habe und mein eigenes Bad den Thermen zu sehr vorziehe“ erklärte Sextus sowohl wahrheitsgemäß wie auch diplomatisch als Erklärung seiner Unkenntnis über die Verlobung. Allerdings war er sich sehr sicher, dass im Eheregister keine solche Verlobung eingetragen war. Im Gegensatz zum allgemeinen Tratsch warf er dort durchaus immer mal wieder Blicke hinein, um sich Bemühungen zur Verheiratung seiner Verwandten zu sparen mit Partnern, die bereits vergeben waren. Und die Höflichkeit verbot, den Flavius auf dieses kleine Versäumnis seinerseits aufmerksam zu machen. “Aber dann nutze ich diesen Moment, um euch beiden herzliche Glückwünsche zu dieser Verbindung auszusprechen. Solltet ihr die Dienste eines Haruspex bezüglich der Eheschließung in Anspruch nehmen wollen, wäre es mir eine Ehre, euch höchstselbst behilflich zu sein.“ Immerhin war er der Haruspex Primus und damit Anführer der Zukunftsdeuter höchstselbst. Allerdings gab es ja immer noch Zeitgenossen, die auf die weit weniger umfangreichen Künste der Auguren zurückgriffen, nur weil diese eben nicht etruskischen Ursprungs waren, sondern römischen.


    Nach der holden Damenwelt und dem gewesenen Aedil erhielt aber der angehende Quaestor und Sohn seines Freundes den Vorzug gegenüber einem Klienten, was die Aufmerksamkeit anging.
    “Flavius Gracchus Minor! Es ist mir eine besondere Freude, dich begrüßen zu dürfen. Zunächst war ich nicht sicher, ob dein Tribunat in Germania rechtzeitig beendet sein würde. Umso mehr war ich erfreut, von deiner Rückkehr nach Rom zu hören und konnte mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, den Sohn eines meiner ältesten Freunde hier einzuladen. Du musst später unbedingt von deinen Eindrücken von Germania berichten.“ Sextus' eigenes Tribunat damals war eher unfreiwillig zustande gekommen, ebenso wie sein Eindruck von Germania, wenngleich dieser ohnehin eher kurz war. Da war es sicherlich nicht nur eine nette Gelegenheit für den jungen Flavius, mit seinen Taten anzugeben, sondern auch für alle Gäste zu hören, wie jemand, der diese Bürde freiwillig auf sich nahm, dies empfunden hatte.


    Erst danach kam der Klient an die Reihe. Sextus hatte sehr wohl den Namen Duccius vernommen, was nicht unbedingt zu einer großen Welle der Sympathie geführt hatte. Dafür hatte ein anderer Duccius zu viel terra sigillata zerschlagen, metaphorisch gesprochen. Allerdings war Sextus lange genug Politiker, um sich rein gar nichts anmerken zu lassen und den Duccius wie jeden anderen auch zu begrüßen. Alles andere wäre unhöflich gewesen und man konnte Sextus vieles unterstellen, aber nicht Unhöflichkeit. “Duccius, sei mir und den meinen willkommen. Mit einem Flavius Scato als Patron dürfte es sicher nicht lange dauern, bis wir auch dich auffordern können, von deinen Eindrücken und Taten den Gästen bei einem Fest zu berichten.
    Nachdem nun die Gäste begrüßt waren, war er wieder an der Reihe, die Unbekannten auf Seite des Gastgebers vorzustellen. “Darf ich euch noch die anderen vorstellen. Diese bezaubernde Dame hier an meiner Seite ist meine Nichte Aurelia Corvina. Dort etwas abseits steht meine Cousine Aurelia Drusilla mit Tiberius Merula und einer Freundin, und neben dem Oleander sehe ich gerade meine Cousine Aurelia Lentidia. Ich denke, im Laufe des Abends werden sich noch einige Möglichkeiten zur Konversation ergeben.“

  • “Es freut mich auch sehr, dich wiederzusehen, Consular Purgitius“ antwortete Corvina artig und etwas schüchtern. Sie wusste nicht so recht, was sie sonst noch sagen sollte, und der hochgewachsene, junge Mann, der so fleißig den Boden absuchte, war auch keine besonders große Hilfe. Wenn der Purgitius sein Gedächtnis erst auffrischen musste und sich nur träge an sie erinnerte, schien sie ja keinen besonders bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben. Das verunsicherte sie doch ein wenig und nahm der Situation ein wenig die Lockerheit, die ihr Onkel sicherlich mit Begehung der Feierlichkeit verbreiten wollte. Daher fügte sie nur ein “Und natürlich ist es mir auch eine Ehre, deinen Klienten kennen zu lernen. Sei auch du gegrüßt, Pompeius.“

  • Natürlich war Corvina der junge Mann aufgefallen, der zusammen mit den Flavii gekommen war. Nicht nur, weil er mit seiner Art und Aufmachung aus der Gruppe herausstach, sondern weil er so geradlinig den anwesenden Frauen hinterher sah. Als sein Blick auch auf sie fiel, errötete sie leicht und bemühte sich, beiseite zu sehen und so zu tun, als hätte sie nichts gemerkt. Dies gelang allerdings auch nur solange, bis ihr Onkel sie ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückte und allen Beteiligten vorstellte.
    “Claudia Sassia, dein Kleid ist wirklich außerordentlich schön. Du musst mir verraten, wo du es her hast“, stürzte sich Aurelia Corvina also auf die einzige weibliche Person. Ein Gespräch hier zu beginnen schien ihr um einiges einfacher zu sein, als mit sämtlichen der Herren. Von Tribunaten oder Politik hatte sie nämlich keine Ahnung, und wenn der Duccius ihr noch einmal so einen Blick zuwarf, würde sie wahrscheinlich nur wieder rot werden. Und das war ganz und gar unziemlich.
    Allerdings zu den Herren gar nichts zu sagen wäre auch grob unhöflich gewesen, also schon Corvina noch eine kleine Begrüßung hinterher. “Flavius Scato, auch ich gratuliere dir und heiße dich, Flavius Gracchus Minor und auch deinen Klienten Duccius herzlich willkommen.“

  • Es hatte lange gedauert, bis Harmonia es geschafft hatte, dass Maximilla sich gefiel. Aus den neuen Stoffen war ein wunderschönes Kleid geschneidert worden. Rosétöne, wohin das Auge auf ihrem rundlichen Leibe blickte und ein edler Überwurf aus makellos blau gefärbter Seide. Dazu eine raffinierte, leicht fransige Frisur aus hochgestecktem Felchtwerk, wobei die neuen, glodenen Ohrringe besonders gut harmonierten. Auch trug Maximilla eine teure Kette, welche ebenfalls in Gold schimmerte. Ihr wie immer geschminktes Gesicht blickte jedoch viel zu streng in den polierten Spiegel. Ihre Wangen waren kunstvoll gerötet, ihre Augen dunkel, wenn auch nicht übermäßig betont und ihre roten Lippen schürzten sich kritisch. Wie auch immer es war, es würde reichen müssen, denn schließlich hatte man ihr bereits gesagt, dass die Gäste schon eingetroffen waren.


    Also machte Maximilla sich verspätet auf den Weg, um bei dem Fest aufzugehen, wie ein heller Stern. Als sie den Raum betrat warf sie ein fulminantes Lächeln ins Gesicht und ließ sich einen Becher mit verdünntem Wein reichen. Sodann grasten ihre Blicke über die Anwesenden hinweg. Ihre Familie war nun also schon da. Wunderbar. Die anderen kannte sie nicht, doch was nicht war, würde noch werden. Mit raschelnden Schritten hielt sie auf Merula zu, der in ein Gespräch verwickelt war. “Spielt er wieder den Charmeur?“, wollte sie dann von den Damen wissen und auch den anderen schaute sie entgegen.

  • Zu spät. Viel zu spät. Silana rannte, sofern es die bodenlange Gewandung erlaubte, aus der Sänfte heraus, um zur Porta zu gelangen. Ihren Bruder hatte sie unweit zurückgelassen, da es dieser scheinbar langsamer anging. Doch Silana war daran gelegen, ihrer eigenen Schwester keine Peinlichkeit zu bereiten. Immerhin war sie bereits aufgebrochen. Warum musste Sabinus auch noch Essen? Gut, Silana hatte zur Sicherheit auch noch ein Brot verputzt, um ihren Magen auf alle Eventualitäten vorzubereiten und nicht unvobereitet in einen handfesten Umtrunk zu geraten. So etwas kam nämlich oft vor. Silana hob die Robe an, da der Seidenstoff schnell verschmutzt oder zumindest an Glanz verlor. Immerhin war die handverlesene Seide wasserabweisend, so dass sie geschickt Wasserspritzern entrückt war. "Puh," machte sie als der Türsklave sie nach kurzer Vorstellung hineinließ. Drinnen sortierte sie schnell ihre Haare, das Schmuckklimbim, welches sie von Hals bis Ohren zierte, und einen goldigen Glanz legte und die übergroßen Armreifen aus Jade. Ein seltener Stein, der teuer herantransportiert worden war, nur um dann an den Armen dieser Tollpatsch zu enden. Schnell suchte sie sich nach Flusen und Resten von Brotkrümmeln ab, bevor sie ihren Auftritt wagte. Sabinus wurde ohnehin nachkommen. Wenn auch um zwei Wimpernschläge zeitversetzt.


    "Ruhig, Silana, ruhig," versuchte sie sich zu beruhigen. Sie wollte nicht hektisch erscheinen. Man musste mit Würde auftreten. Irgendwie. Der Zirkus der Lügen und Eitelkeiten verlangte es. Silana wollte diesen Auftritt nicht versauen. Sie griff einen Löffel von einem vorbeigehenden Sklaven, der Besteck in den belebten Bereich brachte, um sich darin zu betrachten. Ein mäßiger Spiegel aber er tat es soweit, dass sie abchecken konnte, dass ihr MakeUp nicht verschmiert war. Nein, alles war soweit akzeptabel. Mit ungelenkter Bewegung legte sie den Löffel neben eine Vase, die auf einem Podest stand. Man würde ihn schon finden. Silana erhob ihren Kopf, sprach sich noch einmal selbst Mut zu, und trat in die Menge auf den Gastgeber zu, wo bereits bekannte Gesichter lauerten (- neben diversen unbekannten Leuten). Ihre Schwester, Flavius Scato und der knuddelige Flavius Gracchus Minor waren ersichtlich. Die junge Claudia lächelte auffallend ehrlich, fast schon so, als ihr eine Sonne durch beide Augen schien. "Salvete," grüßte sie melodisch, hob ihre Hand zu einem dezenten Winken an, während sie die andere Hand betont schlenkern ließ. "Es ist mir eine besondere Freude, hier zu sein!" - war der Anbeginn ihrer Begrüßung und sie vertat die Chance sich zu entschuldigen. Sie wollte sie eigentlich auch nicht entschuldigen, da es die Peinlichkeit nur betonen würde. Silana wollte sie einfach übergehen. Es galt: ignorieren und weiter machen. "Mein Bruder wird auch gleich erscheinen. Er ist direkt hinter mir," meinte sie und nickte dann freundlich zu ihrer Schwester. Sassia würde verstehen, dass Silana nun Hilfe gebrauchte. Die beiden Schwestern halfen sich ohne dies bewusst zu benennen oder zu fordern. Man verstand sich auch ohne Worte. Sassia sollte das Gespräch am Laufen halten, damit Silana ihrem Bruder Zeit erkaufte. "Ich bin Claudia Silana," stellte sie noch vor, obwohl diese Vorstellung primär den nicht bekannten Gesichtern galt. Sie ließ die winkende Hand herab fallen, so dass beide Arme elegant herabhingen und ihre Finger sanft auf dem Stoff ihrer Robe spielten. Das Kleid war anders geschnitten als üblich aber nicht unrömisch oder unsittlich, sondern frech und leicht verrückt. Silana wollte positiv auffallen, damit man sich positiv an die Claudier erinnerte.

  • Natürlich warte Sassia bis Scato sie vorgestellt hatte. „Ich danke für das Kompliment und die Glückwünsche und freue mich deine Bekanntschaft zu machen Aurelius Lupus.“ Sagte sie und schenkte dem Gastgeneber natürlich ein Lächeln. Welche Frau mochte es denn auch nicht, dass man ihre Bemühungen sich für eine derartige Feierlichkeit herauszuputzen würdigte. „Ich freue mich heute hier zu sein, du hast wirklich ein schönes Fest arrangiert.“ Sagte sie und würdigte damit, die Dekoration und auch die Darbietungen, die man jetzt schon sehen konnte. Dann trat sie einen Schritt bei seite, denn nun wurden die Männer begrüßt so wandte sie sich also der Aurelia Corvina zu. „Nun dieses Kompliment gebe ich gern zurück. Aurelia Corvina, auch dein Kleid steht dir außerordentlich gut. Aber natürlich verrate ich dir gern wo ich es her habe. Wir haben bestimmt später noch Gelegenheit uns in Ruhe zu unterhalten. Spätestens wenn sich die Herren um die große Politik kümmern. Nicht wahr.“ Sassia musste leise lachen. Bestimmt gung es der Aurelia ebenso wie ihr. Natürlich war sie interessiert, was so in der Stadt vor sich gin, wer welches Amt inne hatte, aber was die Männer genau zu besprechen hatten langweilte sie zumeist eher, als das sie die Gespräche interessiert verfolgte.

  • „Dominus.“ Sagte sie, doch ihre Augen strahlten etwas anderes aus. Auch klang das Wort wohl eher wie eine Liebkosung. Sie nahm ihm den Leeren Becher ab und tauschte ihn gegen einen neuen aus. Doch dieser Wein war verdünnt. Sie lächelte Verus an. „Weniger ist manchmal mehr.“ Sagte sie und widmete sich dann wieder den anderen Gäste nicht ohne Verus vorher noch mit einem liebevollem Lächeln zuzunicken. So schlängelte sie sich nun wieder durch die Gäste. Sammelte leere Becher ein. Füllte Becher die geleert waren auf und reichte kleine Speisen. Wenn benötigt, reichte sie Wasser und Tücher. Ja in ihren Bereich sah sie wer was brauchte. Es bedurfte nicht mehr als einen Blick oder ein ganz kleiner Wink und schon war sie da um das Gewünschte zu reichen.

  • Zitat

    Original von Titus Pompeius Atticus
    Atticus ergab sich in angestrengter Betrachtung des Fußbodens – schöner Terrazzo! Und so fachmännisch verlegt... und überhaupt... - damit er nicht in Verlegenheit kam, mit besagten Damen noch zu sprechen. Das würde nur wieder so peinlich werden wie damals vor langer Zeit bei einem Wagenrennen. Die Patrizierin von damals schuldete ihm im übrigen immernoch einen Kuss...


    Und Drusilla war es gleichsam eine Freude einen Consular kennenzulernen. „Die Freude ist ganz meinerseits.“ Erwiderte sie auf die Begrüßung des Purgitius. Sie lächelte dem Purgitius freundlich an. „Ich bin sicher es wird ein schönes Fest, den ich darf Dir hinter vorgehaltener Hand verraten das mein Verwandter sich schwer ins Zeug gelegt hat.“ Versuchte sie sich an einer aufheiternden Anekdote. Um ihren Verwandten der zuvor noch sie gelobt hatte ebenfalls zu loben.
    Ja wo war ihre Cousine Lentidia nur schon wieder abgeblieben?
    Dann stellte der Consular auch gleich einen Klienten vor. Und Drusilla von Kindheit an eine Frohnatur begrüßte auch diesen. „Salve Pompeius ich hoffe es wir ein angenehmer und erfolgreicher Abend für Dich.“



    Sim-Off:

    Ich hoffe es stört sich keiner daran das ich erst mal eins nach dem Anderen abbacke. ;)

  • Das war's wohl mit dem Fußboden. Wenn sein Patron ihn vorstellte, blieb wohl nichts weiter übrig, als den Blick zu heben, die holde Weiblichkeit möglichst zu ignorieren und nicht zu viel dummes Zeug zu reden. “Ich danke für die besondere Ehre, heute hier sein zu dürfen, Senator Aurelius.“ Für die Einladung konnte Atticus sich schlecht bedanken, die stammte ja gar nicht vom Aurelius. Aber dieser hatte ja erlaubt, dass Gäste Gäste mitbringen durften, nur wie nannte man das dann richtigerweise beim Gastgeber?
    Dummerweise begrüßte ihn jetzt aber auch noch die Nichte des Aurelius, also musste er sie ansehen. Und etwas sagen. Nur was? “Ähm, salve, Aurelia Corvina.“ Das war vielleicht ein bisschen wenig. Ein Kompliment! Stimmt, da fehlte ein Kompliment! Das machte man so. Nur welches? “Du bist sehr hübsch.“ Pause, dann die folgende Erkenntnis. “Also, dein Kleid, meine ich! Also du auch, und deine Cousine ebenso, aber ich meinte, ich bin nicht gut in sowas... oh, Terrazzoboden... sehr akkurat...“ Mit roten Ohren wünschte sich Atticus gerade, eben jener Terrazzo-Boden würde ein Loch auftun, in das er versinken konnte.

  • Nun ja bei solch einem Fest blieb niemand lange allein und das war auch einer der Gründe warum die Feste so viel Spaß machten. Noch bevor ihr Gespäch mit der anderen jungen Dame in grün noch so richtig in Gang kam. Da stand auch schon Mann bei ihnen und schmeichelte ....seiner Schwester. Wenn Manius nur mal so galant wäre. Damit war aber auch klar wer die Frau war zu der sie sich in ihrer Verlassenheit geflüchtet hatte war. „Salvete Tiberius und Tiberia.“ Begrüßte sie die beiden erst Mal in der höflichsten Form denn man wusste ja nicht in wie weit sie es missbilligen würden gleich zu persönlich angesprochen zu werden.
    Dann aber schmeichelte der Tiberius aber noch mal ausschließlich ihr. Natürlich ging das runter wie Öl, wozu sonst hatte sie ihrer Ornatrix heute den letzten Nerv geraubt. Die Arme würde heute Nacht sicher von Brenneisen und Bänder träumen. „Nun Tiberius sehr charmant, sehr charmant. Doch gib acht nicht gleich alle deine Pfeile am Anfang des Abends zu verschießen. Der Abend hat grade erst begonnen.“ Sagte sie etwas keck, auch wenn es ihr natürlich schon gefallen hatte.


    Dann trat eine weitere Frau zu ihnen die den Tiberius zu kennen schien und ihn gleich etwas vorführte. „Nun wenn er spielt dann spielt er auf Risiko. Ich habe ihn gewarnt nicht gleich alle Pfeile aus dem Köcher zu verschießen.“ Erklärte sie der Dame im Roséfarbenen Kleid. Nun Sie konnte es tragen. Mache wusste eben wie man sich in Scene setzte. Sie stellte sich aber nicht gleich vor das konnte nun da sie sich vorgestellt hatten der Charmeur machen.

  • Während Corvina mit dem Zeigefinger über dem Tablett kreiste und ein weiteres Häppchen anvisierte wurde sie von einer jungen Frau angesprochen. Der Höflichkeit halber unterbrach sie ihr Unterfangen und wendete sich Iulia Aviana zu. „ Salve, Tiberia Corvina.“ erwiderte sie die Vorstellung ihrerseits. „ Aurelia Drusilla?“ Corvina sah sich um. „ Ich glaube sie im Gefolge von Aurelius Lupus gesehen zu haben.“ Mit wem er sich unterhielt wusste Corvina nicht. Von den Gästen kannte sie sonst niemanden außer den eigenen Familienmitgliedern und einigen Aureliern.

  • Innerlich nervös – was man nur daran erkennen konnte, dass Lentidia mit vor dem Bauch gefalteten Händen Richtung Eingangsbereich schaute und dabei mit ihrem rechten Daumen den linken Daumenrücken unruhig massierte – wartete sie auf die claudischen Gäste. Sie verspäteten sich, wie unhöflich! Ein Ärgernis, welches die junge Aurelia wohl hinnehmen musste aber nicht gänzlich akzeptieren konnte, immerhin hatte Lupus in der Einladung doch deutlich gemacht, dass sie hauptsächlich wegen ihr eingeladen waren. Die anderen Gäste trafen nacheinander ein, mit denen sich sowohl ihr Cousin Lupus als auch ihre Cousinen Corvina und Drusilla sowie die hier gastierenden Tiberier unterhielten. Nur sie stand bloß da und fühlte sich schon fast unnütz und fehl am Platze – oh wie sie das hasste!


    Gerade wollte sie in Richtung ihrer Leibsklavin Mila, die wie immer nicht von ihrer Seite wich bzw. weichen durfte, ein Hassgebet entsenden, da sah sie ihre Freundin Silana ein wenig abgehetzt das Atrium betreten. Wie erfreulich, sie ist gekommen! Das Lächeln, welches Lentidias Antlitz zierte, verschwand aber alsbald wieder. Silana war auf direktem Wege zu ihrer rothaarigen Schwester – dieses furchtbare Rot war selbst zwischen den vielen Leuten nicht zu übersehen! – und dem flavischen Senator geeilt. Hatte sie Lentidia etwa nicht gesehen? Ein Affront sondergleichen! Ihr Lächeln glich mittlerweile nur noch zwei bloß aufeinander gesetzten Zahnreihen, wobei sich die Mundwinkel weder nach oben noch nach unten neigten – ein Moment der schieren Fassungslosigkeit. Das würde sie ihr noch zurückzahlen, welch kränkendes Verhalten!


    Ihre Augen konnte sie von der Szenerie noch gar nicht lösen, weshalb sie nicht ahnen konnte, dass Claudius Sabinus in jenem Moment etwas verspätet das Atrium betreten hatte. Vielleicht würde wenigstens er die junge Aurelia sehen und auf sie zugehen, um sie zu begrüßen und sich für die Einladung zu bedanken!

  • Es gab Dinge, die funktionierten einfach nicht. Sich selbst den kompletten Rücken kratzen zum Beispiel, oder sich schnell in einer Toga zu bewegen, ohne sich die Stoffbahn vom Leib zu reißen, weil man drauftrat, oder eben darüber stolperte und nicht zuletzt die sorgsam geworfenen Falten an seiner naturfarbenen Wolltoga zunichte zu machen, an denen sein Leibsklave ewig lange gearbeitet hatte. Natürlich hatte er also etwas essen wollen, doch die meiste Zeit hatte zweifellos das Anlegen seiner Toga in Anspruch genommen. Das Ruckeln der Sänfte auf dem Weg zur Villa Aurelia war da schon fast wieder langsam und die offensichtliche Nervosität seiner Schwester machte es da kaum besser. Sie hatte ja so schon manchmal Hummeln im Hintern, aber heute Abend war es besonders schlimm mit ihr. Da halfen auch die beschwichtigenden Worte des Älteren nicht, waren sogar wohl eher kontraproduktiv. Sabinus hatte dabei auch kaum Zeit sich über die Worte seines Großvaters Gedanken zu machen und eigentlich war es ja auch ein sinnvolles Symbol, dass die Claudier nicht allzu früh da waren - also, zumindest diejenigen, die umittelbar eingeladen worden waren, denn Sassia hatte sich als Gast zweiter Reihe von Scato einladen lassen und hatte sich bereits früher mit ihm auf den Weg gemacht.


    Als die Sänfte vor der Villa Aurelia angekommen war, wurde Sabinus regelrecht von seiner kleinen Schwester überwältigt, die aus der Sänfte heraussprang und auf direktem Wege ins Atrium eilte. Kurz war der junge Claudier sprachlos ob dieses gesellschaftlichen Fauxpas und er würde sie wohl später noch mal zur Seite nehmen, doch bis dahin musste er sich erstmal aus der Sänfte herausschälen, ohne seine Toga zu ruinieren. Freilich konnte er auch danach das Tempo seiner Schwester nicht mithalten und so trat er einige Augenblicke später ins Atrium ein, wo er sich erstmal umschaut und - etwas verloren - Aurelia Lentidia in einem hübschen blauen Kleid erblickte. Die übrigen Gäste gruppierten sich bereits um andere Gastgeber, wo er auch Sassia, Scato und Silana erblickte, sodass er sich schließlich umwandte und auf Lentidia zuging.


    Werte Aurelia Lentidia.


    grüßte er sie, als er bis auf ein paar Schritte auf sie zugetreten war, und lächelte dabei leicht. Er benutzte den ganzen Namen, um Verwechslungen und damit verbundene mögliche Verlegenheiten zu vermeiden, ohne allerdings nur den vertraulicheren Cognomen zu nutzen. So eng waren sie ja nun auch nicht.

  • Es lag wohl weniger an der Gedankenübertragung an Sabinus oder an den Göttern, welche vielleicht ihren Wunsch gehört haben mochten, sondern eher an Aurelias für Männer sehr anziehenden Aura und Schönheit, dass jener auf sie zukam, um sie zu begrüßen. Die junge Aurelia nahm das wohlwollend zur Kenntnis, schätzen wäre zu viel des guten, denn das gehörte doch wohl zur Etikette der römischen Gesellschaft und vor allem zur Aristokratie.


    "Claudius!" begrüßte sie ihn mit einem Lächeln, welches durchaus zu zeigen vermochte, dass sie sich über den Besuch des Mannes freute, wobei es aber nicht zu dick aufgetragen war. "Es freut mich, dass ihr es einrichten konntet. Es war mir auch bereits vergönnt, Silana zu sehen, allerdings scheint sie mich nicht gesehen zu haben." Ihr Blick deutete in die Richtung der Gruppe um Senator Flavius Scato, zu der sich Silana hinzugesellt hatte. Lentidias Tonfall war für Sabinus durchaus als vorwurfsvoll und pikiert zu deuten. "Nun, wir werden bestimmt später noch die Gelegenheit bekommen, uns zu begrüßen. Wie ich sehe, pflegen claudische Männer stets ihre in ganz Rom bekannte Höflichkeit, vor allem... gegenüber jungen Damen." Ihre Worte waren natürlich eine weitere Spitze gegen ihre Freundin und Schwester des Claudiers, allerdings war es gleichwohl ein Kompliment an den ansehnlichen jungen Mann, welches sie sich erwidert zu bekommen erhoffte.
    Lentidia beugte sich etwas nach links, um an Sabinus, der nicht wesentlich größer war als sie, vorbeizuschauen. "Ich vermisse deinen Großvater, ich hoffe, er ist wohl auf?" Sie wollte sich doch bei dem Senator für seine Gastfreundschaft bedanken!

  • Für einen Sekundenbruchteil kreuzte Caius' Blick den einer der jungen hübschen Damen, die jedoch eiligst irgendwo andershin blickte und leichte Wangenröte zeigte. Caius war drauf und dran, ebenfalls peinlich berührt zu sein, weil sein schuljungenhaftes Benehmen bemerkt worden war. Dafür fehlte ihm allerdings die Zeit, denn er wurde unweigerlich aus seinem tölpelhaften Starren herausgerissen, als der aurelische Hausherr die flavische Gästegruppe willkommen hieß. Hastig wandte er den Blick von den Damen des Hauses ab und bemühte sich um ein höfliches Auftreten gegenüber dem Gastgeber. Während also Flavius Scato und Aurelius Lupus erste Begrüßungsworte austauschten, kamen sie zunächst auf Scatos Verlobte zu sprechen, die dem Hausherrn vorgestellt wurde. Caius warf ihr einen verstohlenen Blick zu. Sie war eine liebreizende junge Frau, die am heutigen Tage ebenso formvollendet ausstaffiert war wie die aurelische Damenschaft. Sein Patron war wahrlich ein Glückspilz, dass er eine solch reizende Verlobte hatte.


    Scato stellte sodann auch die anderen Gäste vor, was letztlich auch Caius für einen kurzen Augenblick in den Vordergrund rückte. Ihr Götter, jetzt bloß nicht blamieren! "Senator, es ist mir eine Ehre", erwiderte er und meinte es auch so. Weil er nicht wusste, wie er auf Lupus' Worte bezüglich seiner Karriere antworten sollte, schluckte Caius einfach jede weitere Bemerkung herunter und überließ lieber wieder den anderen das Reden.


    Nun stellte der aurelische Senator seine Cousinen vor. Mit den hübschen Damen konnte Caius nun auch Namen verbinden, sofern er sie vor Aufregung nicht gleich wieder vergaß. Aber nicht nur Cousinen hatte Aurelius Lupus, auch eine Nichte war anwesend. Aurelia Corvina war ihr Name und sie war ausgerechnet diejenige, welche ihn zuvor ertappt hatte. Die sprach erstmal Claudia Sassia auf ihr Kleid an. Wie vorhersehbar und typisch weiblich, dachte Caius bei sich, der in dieser Hinsicht eindeutig vorurteilsbehaftet gegenüber dem anderen Geschlecht war. Schade eigentlich, denn mit ihr hätte Caius sich gerne unterhalten. Wobei er vermutlich im entsprechenden Moment einen dermaßen dicken Kloß im Hals haben würde, dass er nichts herausbekäme. Aber durch hätte-hätte war noch niemand vorangekommen, also sandte er ein Stoßgebet an Fortuna, dass sie ihm im Laufe des Abends die Möglichkeit eines Gesprächs eröffnete. Ein erster Hoffnungsschimmer zeigte sich sogleich, als Corvina auch die Herren begrüßte, auch wenn sie dabei freilich allein Flavius Scato direkt ansprach. Caius blieb nichts weiter übrig als freundlich zu lächeln und in seiner Toga stattlich auszusehen.

  • "Nun werte Iulia, ein Mann verschießt eben seine Pfeile, wenn er es für richtig hält, egal wie viele er im Köcher tragen mag." erwiderte er auf die kecke Antwort der jungen Frau, durch deren belehrende Worte er sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen wollte. Nach außen hin selbstsicher vermochte er sich stets zu zeigen, auch wenn er in diesem Moment innerlich kurz irritiert war: Eine plebejische Frau belehrte einen patrizischen Mann ob eines Kompliments? Zum einen eröffnete Merula jenes, dass die Tiberier anscheinend niedriger im Kurs standen, als bereits erwatet, und zum anderen die Befürchtung, dass sein Standesdünkel in Rom selbst wohl weniger Basis hatte, als noch in den umliegenden Provinzen des Reiches – Verus hatte ihn ja bereits vorgewarnt.


    Just in diesem Moment gesellte sich ihre Tante zu ihnen, welche scheinbar für ihre fulminanten Auftritte immer den richtigen – also ihren – Zeitpunkt zu finden schien. Sowohl von seiner Tante als auch von Aviana vorgeführt, gab er sich nicht geschlagen und blieb standhaft und höflich, wobei er durchaus weniger blumig redete. "Nun Tante, ein kluger Mann weiß sich mit den Damen gut zu stellen." wie oft hatte der in Bezug auf Frauen abstinente Diogenes ihn davor gewarnt, Frauen zu verärgern. "Das Risiko bleibt dabei sein schweres Los." kommentierte er letztlich noch die Worte der Iulia, um dann einander vorzustellen, um von sich abzulenken. "Iulia, wenn ich dir unsere Tante, die ehrenwerte Tiberia Maximilla vorstellen darf." er machte eine kurze Pause. Corvina hatte indes die Frage der jungen Frau nach dem Aufenthaltsort von Aurelia Drusilla beantwortet, womit klar war, wer sie eingeladen hatte. "Ich nehme an, Aurelias und deine Verbindung ist von Freundschaft?"

  • Zitat

    Original von Sextus Aurelius Lupus
    Nach der holden Damenwelt und dem gewesenen Aedil erhielt aber der angehende Quaestor und Sohn seines Freundes den Vorzug gegenüber einem Klienten, was die Aufmerksamkeit anging.
    “Flavius Gracchus Minor! Es ist mir eine besondere Freude, dich begrüßen zu dürfen. Zunächst war ich nicht sicher, ob dein Tribunat in Germania rechtzeitig beendet sein würde. Umso mehr war ich erfreut, von deiner Rückkehr nach Rom zu hören und konnte mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, den Sohn eines meiner ältesten Freunde hier einzuladen. Du musst später unbedingt von deinen Eindrücken von Germania berichten.“ Sextus' eigenes Tribunat damals war eher unfreiwillig zustande gekommen, ebenso wie sein Eindruck von Germania, wenngleich dieser ohnehin eher kurz war. Da war es sicherlich nicht nur eine nette Gelegenheit für den jungen Flavius, mit seinen Taten anzugeben, sondern auch für alle Gäste zu hören, wie jemand, der diese Bürde freiwillig auf sich nahm, dies empfunden hatte.
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    Nachdem nun die Gäste begrüßt waren, war er wieder an der Reihe, die Unbekannten auf Seite des Gastgebers vorzustellen. “Darf ich euch noch die anderen vorstellen. Diese bezaubernde Dame hier an meiner Seite ist meine Nichte Aurelia Corvina. Dort etwas abseits steht meine Cousine Aurelia Drusilla mit Tiberius Merula und einer Freundin, und neben dem Oleander sehe ich gerade meine Cousine Aurelia Lentidia. Ich denke, im Laufe des Abends werden sich noch einige Möglichkeiten zur Konversation ergeben.“

    Zitat

    Original von Aurelia Corvina
    Allerdings zu den Herren gar nichts zu sagen wäre auch grob unhöflich gewesen, also schon Corvina noch eine kleine Begrüßung hinterher. “Flavius Scato, auch ich gratuliere dir und heiße dich, Flavius Gracchus Minor und auch deinen Klienten Duccius herzlich willkommen.“


    Die Netiquette der Damen verfolgte Manius Minor mit einem artigen Lächeln, obschon er nicht recht darauf achtete, da doch die Schönheit der Kleider, die Anmut ihres Prunkes wie die Kunstfertigkeit ihrer Haarpracht ihm auf jene Distanz ohnehin weitgehend verschlossen blieb. Erst als Lupus ihm sich zuwandte, zeigte er eine Regung der Anteilnahme und erwiderte:
    "Nun, während ich zum Kriegsdienst in die Ferne zog, scheint der Krieg nach Rom ausgewichen zu sein, wie es scheint."
    , spielte er auf den Sklavenaufstand an, in welchem ja auch der Aurelius den Gerüchten zufolge eine rühmliche Rolle gespielt hatte.


    Doch selbstredend war ihre Ankunft nicht der rechte Ort, um tiefer in die Materie sich zu versenken, weshalb er sich weiterer Kommentare enthielt und stattdessen den Hinweisen des Gastgebers bezüglich seiner Anverwandten und Gäste folgte, welche fortunablerweise partiell in etwas größerer Distanz sich aufhielten, sodass es dem jungen Flavius auch vergönnt war, ihre Gesichtszüge ein wenig intensiver zu studieren.
    "Salve et tu!"
    , replizierte er final den Gruß jener Aurelia, welche als einzige tatsächlich ihm als ein amorpher Scheme erschien, dessen geringe Höhe und blonde Bekrönung indessen doch in gewisser Weise ihm als adäquate Eigenheit erschien, um sie im Laufe des Abends wieder zu identifizieren.

  • Hm nun da sie den Genannten nur dem namennach kannte brachte alles umsehen nicht sie konnte die Freundin einfach noch nicht entdecken. „Danke Tiberia Corvina. Ich hoffe das ich sie dann gleich mal finden werde.“ Noch ein Mal sah sie sich um aber von da wo sie stand konnte sie einfach noch nicht erspähen.


    Natürlich wusste sie nicht wie der junge Mann normalerweise war doch heute schien er einen guten Tag zu habe. Aviana war zwar sonst eher der verantwortungsvolle ernste Typ aber das machte Feste fade. Darum bemühte sie sich heute etwas offener zu sein. „Möge Dir Diana stets den Bogen führen, junger Jägersmann.“ Sagte sie schalkhaft ob sie allerdings das Ziel sein sollte vermochte sie nicht zu sagen. Wenn sie allerdings von sein Standesdünkel etwas geahnt hätte, hätte sie das etwas vergrämt. Den ob man zum Senatorenadel gehörte war doch mittlerweile viel wichtiger und das tat sie doch. Zur Oberschicht gehörte man nicht nur als Patrizier. Zumal es diesen Stand per Gesetzt nicht mehr gab.


    Dann aber wurde die Dame vorgestellt die sich grade zu ihnen gestellte hatte und die ihren Verwandten selbst etwas gefoppt hatte. Was Aviana gut gefallen hatte. Die Dame war ihr gleich etwas sympathisch. „Ich bin erfreut deine Bekanntschaft machen zu dürfen Tiberia Maximilla.“ Begrüste sie nun die Hinzugekommene freundlich. Nun sicher war es durchaus berechtig nach ihr und Drusilla zu fragen aber welcher Art sollten den ihre Beziehung den sonst sein? „Ja wir kennen uns schon etwas und haben viel gemeinsam.“

  • Zitat

    Original von Aurelia Lentidia
    ...


    Sabinus hatte es im Gegensatz zu seiner Schwester keineswegs eilig gehabt, frühzeitig in der Villa Aurelia zu kommen, war aber auch einerseits mit der Toga gar nicht in der Lage gewesen, das Tempo Silanas mitzugehen, und andererseits ohnehin gewillt, die gravitas seiner Gens zu repräsentieren, sodass es außer Frage stand, sich hier zu benehmen, als wäre er irgendein dahergelaufener proletarius aus der Plebs. Seine Schwester war da leider noch ein wenig unbedarft, aber das würde sich hoffentlich legen, wenn sie ein wenig Routine mit solchen Veranstaltungen entwickeln würde. Es war einfach noch ein Frage der Zeit, sie war noch jung und je mehr Möglichkeiten hatte, an solchen Festen teilzunehmen, umso leichter würde es ihr fallen, ihre öffentliche Rolle als Mitglied der Gens Claudia wahrzunehmen.


    Ich hoffe, du kannst ein wenig Verständnis für Silana aufbringen, Aurelia. Sie braucht noch ein wenig Übung und orientiert sich sonst immer an unserer anderen Schwester Sassia, so auch jetzt, auch wenn sie kurz besorgt war, da Sassia bei der Einladung als einziges Mitglied meiner Familie nicht erwähnt worden ist. Umso erleichterter war sie, als Sassia dann als Begleitung ihre Verlobten, dem Senator Flavius Scato doch noch über Umwege eine Einladung erhalten hat.


    Soviel zur Tadelung der Auslassung Sassias, auch wenn er damit womöglich die falsche Person traf. Inwieweit es tatsächlich nur ein Versehen der aurelischen Schreibstube oder eine bewusste Nichteinladung gewesen war, war für ihn dabei ebenso irrelevant, wie die Mögichkeit, dass Sassia ja einfach als Gast zweiten Ranges, also als Begleitung ihrer Geschwister, hätte mitgebracht werden können, doch war die namentliche Aufzählung eben abschließend gewesen, was in diesem Fall einen gewissen bitteren Beigeschmack für den jungen Claudier war, auch weil Claudier eben nicht als Gäste zweiten Ranges auftraten.


    Nichtdestotrotz gehe ich fest davon aus, dass Silana es sich nicht nehmen lassen wird, dich auch noch persönlich zu begrüßen, da sie sich ebenso wie ich über ihre persönliche Einladung gefreut hat und sehr gerne mit hergekommen ist. Ebenso wie ich mich auf diesen Abend sehr gefreut habe.


    fügte er dann aber noch deutlich versöhnlicher hinzu, da sein Großvater ihm die Aurelia ja tatsächlich auch als Gesprächspartnerin ans Herz gelegt hat und seine etwas kryptische Betonung der guten Herkunft der jungen Frau wohl nichts anderes gewesen waren, als ein Hinweis darauf, dass sie sicherlich auch eine gute Partie für eine mögliche standesgemäße Ehe darstellte.


    Die aurelischen Damen wiederum wissen als Gastgeberinnen zu strahlen und es uns Männern schwer machen, den Blick von ihnen abzuwenden.


    Gut, vielleicht ein bisschen zu dick aufgetragen, aber es war durchaus ernstgemeint, wenn auch durch jugendliche Unerfahrenheit etwas über Gebühr auftrug, aber womöglich gefiel das der Aurelia ja auch, jedenfalls hoffte Sabinus ja schon irgendwie drauf, weil die blonde Patrizierin ihm zumindest nicht unsympathisch war.


    Bei ihrer nächsten Frage jedoch merkte man dem jungen Claudierschon an, dass er ein wenig unschlüssig darüber war, wie er die nun folgenden Wort so verpackte, dass sie die junge Frau nicht allzu stark vor den Kopf stießen. Kurz wanderten seine Augen über die Wand hinter ihr, seine Hände legten sich leicht verlegen vor seinen Bauch zusammen, aber irgendwann mussten die Worte auch raus.


    Mein Großvater ist wohlauf, hat sich aber entschieden, der Einladung deines Onkels nicht nachzukommen. Er bat mich stattdessen an seiner Stelle die Einladung wahrzunehmen, lässt dir und deiner Familie aber die besten Grüße zukommen.


    Nun ja, diplomatischer ging es wohl nicht, zumindest nicht, wenn hier ein junger Mann ohne konkrete Erfahrungen im politischen Bereich stand.


    Du wirst also mit mir und meiner Schwester vorlieb nehmen müssen.

  • Mit dem Anflug eines Stirnrunzelns nahm Sextus die Reaktion seiner Nichte wahr, als diese sich sofort zu Scatos Verlobten gesellte und die Männer von stand wenig wortreich begrüßte. Er schob es auf die allgemeine Aufregung, immerhin war es auch ihr erstes, größeres Fest und sie war noch immer recht fremd in Rom. So wie Männer ihre Verbündeten benötigten, benötigten Frauen Freundinnen, und wenn diese sich über Kleiderkomplimente finden ließen, bitte sehr. Wer war er, sich in weibliche Mysterien einzumischen?
    Jetzt musste er ohnehin auf die anderen Gesprächsteile eingehen. “Oh, ich will hoffen, dass die holden Damen das Fest auch trotz Politikgerede genießen werden. In erster Linie hoffe ich, mit diesem kleinen Fest die Gemüter ein wenig erheben zu können und uns allen ein wenig Leichtigkeit wiederzugeben. Wenn der Abend dies schafft, fühle ich mich von den Göttern gesegnet, werte Claudia.“


    Ohnehin spielte auch Gracchus Minor just auf die jüngsten Umstände an. Vermutlich würde sich das Thema von diesem Abend schlicht nicht verbannen lassen, da war es fraglich, ob Sextus überhaupt den Versuch unternehmen sollte. Zumindest ein paar Worte allerdings musste er wohl dazu verlieren, da das Thema nun schon so angeschnitten war. Wenngleich es dem ebenfalls anwesenden Scato sicherlich auch ein Dorn im Fleische war. “Glücklicherweise nicht ganz im Ausmaße eines Krieges, Flavius Gracchus Minor. Wenngleich die Ereignisse einige Familien härter getroffen hat. Falls es noch nicht bekannt sein sollte, viele Tiberier sind heute ebenfalls zu Gast und verweilen auch länger in der Villa Aurelia. Ich hoffe, dass dieses Fest auch gerade ihnen zeigt, dass sie in Rom nicht ohne Freunde sind.“ Dies war für die Flavier vielleicht ein kleiner Hinweis, die Vorlage zu nutzen und im Verlauf des Abends Freundschaftsbande mit den geschundenen Tiberii zu erneuern.

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