Alles was das (Kauf)herz begehrt - Die Trajansmärkte

  • "Guter Mann, wir wissen beide, dass du noch genug daran verdienst. Du sagst 300 Denare, nun gut. Ich schau mir das hier mal an... die Ware steht nicht lange hier, sonst hätten deine Regale Staubspuren. Du hast also genügend Kunden, du bist also nicht drauf und dran zu verhungern. Ich sage dir, dass 150 Denare ein guter Wert sind. Dann allerdings, und das nehme ich dir auch nicht übel, beginnst du zu jammern, dass du ja Familie und dich selbst und auch gelegentlich deine Sklaven ernähren musst. Ich schaue mir also deinen Sklaven an, er wirkt nicht gerade abgemagert. Du siehst meinen skeptischen Blick und sagst dann, dass 250 Denare in Ordnung wären, wenn ich dich verhungern lassen wolle. Ich sage also, dass 200 unsere gemeinsame oberste Schmerzgrenze wäre. 200 Denare für beide Skulpturen, das versteht sich von selbst. Du lamentierst und vergießt fast eine Träne, du willst unser Mitleid, aber leider müssen wir auch auf unsere Geldkatzen Acht geben, die wollen auch nicht Hunger leiden. Daher kommen wir wohl so nicht zusammen. Aber halt! Da fällt dir ein, dass du ja gar nicht eine so große Familie hast, also wären 200 Denare sicherlich auch in Ordnung, und Patrokles wirkt schon etwas fett, sagst du. Und dann reichst du mir deine Hand, in etwa so", sage ich und greife die Hand des Händlers, um sie so zu platzieren als hätte er sie mir selbst entgegengestreckt.

    "Und dann schlagen wir beide ein und haben einen abgeschlossenen Handel", sage ich dann ähnlich schnell und schüttle die Hand des Händlers.


    "Herrlich, es freut mich wirklich mit dir Geschäfte zu machen. Wir nehmen die beiden Statuen dann auch direkt mit. Mögen die Götter mit dir sein und möge Merkur dir auch weiterhin hold sein."

    Ich gebe ihm 200 Denare in seine Hand und nehme die Statuen, eine links in den Arm, eine rechts und nicke Crispina zu, damit wir schnell weitergehen können, bevor der Händler merkt, was passiert ist.


    "Furius Saturninus, es war mir eine Freude, wir sehen uns sicherlich bei der Hochzeit. Vale!"

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  • Ich war erstaunt, wie schnell Annaeus Vindex tabula rasa machte, und grinste, während der Verkäufer perplex dreinblickte, die Hand aber auch nicht wegzog. Damit hatten die Annaeer Amor und Psyche UND Iuno ergattert.

    Ich nutzte die Gelegenheit, noch schnell die Pyxis zu kaufen, die preislich etwa dem entsprach, was ich hatte ausgeben wollen und danach standen wir alle drei vor der Taberna.

    "Valete bene Annaeus Vindex und Aennea Crispina!", sagte ich: "Auch mir war es eine Freude...und ich hoffe, dass ich euch bei der Hochzeit sehe."


    Verkäufer


    Kaum waren die Kunden weg, befahl der Verkäufer dem Sklaven Patrokles Andromeda und Perseus zurück in die Vitrine zu schleppen. Die mussten ja auch noch unter die Kundschaft, persische Stammmutter hin oder her.

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  • Ich starrte nur total perplex drein, als Vindex den Verkäufer halb ohnmächtig quatschte und wir plötzlich für 200 Denare all diese Statuen raus schleppten. Ich wurde wie von einem Wirbelwind mitgerissen, als Vindex mich einfach mitschleppte in die nächste Etage, wo wir hoffentlich noch etwas für Florus finden würden. Ich hatte ja kaum Zeit, mich von Saturninus zu verabschieden und hauchte nur ein kurzes "Vale bene, Furius Saturninus" bevor es schon weiterging.

  • "Also dann... brauchen wir noch etwas? Ich hab dieses leidige Thema einfach abgekürzt und wir haben jetzt jeder etwas. Ich hab eine Paarstatue und bin daher eigentlich versorgt, wie sieht es bei dir aus?"

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  • Endlich blieben wir wieder kurz stehen. Ich hatte nun die Statuette der Iuno für Stella, aber für Florus fehlte mir noch etwas.


    "Mir fehlt noch etwas für Florus. Vielleicht die angesprochene Schriftrolle?"

  • "Ich glaube im Erdgeschoss werden wir fündig. Aber lass uns woanders runtergehen, der Händler von gerade braucht Abstand von mir."

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  • Ich nickte Vindex und folgte ihm zu den hinteren Treppen am anderen Ende dieser Etage. Von da aus waren es einige Stufen bis hinab ins Erdgeschoss, wo der Schriftrollenhändler war. Ich wagte gar keine langen Diskussionen mehr und kaufte eine sehr hübsche Version von Ciceros Werk, die mir empfohlen wurde. Damit im Gepäck konnten wir wieder heimkehren und waren für die Hochzeit gerüstet.

  • Libra librum | Kontrolle des Aedilis Curulis


    Als Aedilis Curulis oblag Manius Flavius Gracchus Minor nicht allein die schnöde Kontrolle von Garküchen und Lupanaren, sondern ebenso die Überprüfung der Einhaltung der Lex Mercatus auf den Märkten der Stadt, unter welchen die Mercati Traiani zweifelsohne die exquisitesten waren, sodass Minor hatte beschlossen, an jener öffentlichkeitswirksamen Adresse persönlich einige Kontrollen vorzunehmen, zumal er hoffte, an dieser Stelle das ihm verhasste Geschäft des Einkaufsbummels mit dem notwendigen seiner Amtspflichten verbinden zu können.


    Gemeinsam mit einer Schar an Apparitores also betrat er das mächtige Einkaufszentrum, das Divus Traianus vor nicht allzulanger Zeit an der Nordseite seines Forums und unweit der Gerichtshalle, die er selbst bereits mehrfach hatte frequentiert, hatte errichtet. Bereits als er die weitläufige Passage betrat, strömte ihm der Duft exotischer Gewürze in die Nase, wie sie in der Villa Flavia auf Gastmählern, bisweilen jedoch auch im privaten Kreise wurden verkocht, kombiniert mit edlen Parfums sowie dem omnipräsenten Duft von Weihrauch, der dem Flavius seit frühester Kindheit als Sohn eines Pontifex war vertraut.


    Vorwitzig blickte er die Reihen der Ladengeschäfte entlang, bis plötzlich er einen Buchladen erspähte und zielstrebig auf diesen zuhielt, uneingedenk des Umstandes, dass dieser kaum spezifischer Gewichte und Maße bedurfte, um sein Geschäft zu bedienen, sondern schlicht attrahiert von jener pretiosen Ware, die der Flavius in seiner Freizeit sich nur allzu gerne rezitieren ließ.

    "Der ehrenwerte Aedilis Curulis Manius Flavius Gracchus Minor!"

    , kündigte der Accensus das Augenscheinliche an, da doch der Flavius nicht allein in einer Toga praetexta erschien, sondern sogar ein Sklave direkt hinter ihm die eponyme Sella curulis transportierte. Weniger gravitätisch, sondern voll ehrlicher Neugier, fügte der Präsentierte sogleich an:

    "Salve, Bürger! Wer ist der Inhaber dieses Geschäftes?"

  • Fragend blickte der Flavius den Sklaven an, welcher soeben eine Buchrolle aus dem Regal hatte genommen, doch dieser blickte ihn gleich einem Kaninchen, welches soeben einer Schlange musste gegenübertreten, an.

    "Respektive wer leitet hier die Geschäfte?"
    , variierte der Aedil seine Frage.

    Sim-Off:

    Deplorablerweise ist mir nicht bekannt, ob oder welcher der Spieler in diesen Gefilden ein Ladengeschäft unterhält, da die WiSim derzeitig ja noch brach liegt. Sofern jemand gewillt ist, hiesig einen NSC zu übernehmen, wäre ich hocherfreut, da doch das Spiel mit Mitspielern mir erquicklicher erscheint als lange Monologe :]

  • Fragend blickte der Flavius den Sklaven an, welcher soeben eine Buchrolle aus dem Regal hatte genommen, doch dieser blickte ihn gleich einem Kaninchen, welches soeben einer Schlange musste gegenübertreten, an.

    "Respektive wer leitet hier die Geschäfte?"
    , variierte der Aedil seine Frage.

    Aedilis Curulis mit Stuhl und Gefolge, na das war etwas Feines. Dennoch ließ sich der Inhaber des Ladens 139-044c19e986d651ff3a63dfe93f62187e8fee9bd5.jpgein wenig Zeit, zu erscheinen, schließlich waren das die Traiansmärkte und keine Kaschemme in der Subura, obwohl er es an Höflichkeit nicht fehlen lassen würde. Soweit er wusste, waren seine Bücher in Ordnung, und er hatte dem Caesar Augustus das gegeben, was des Caesar Augustus war. Nur das mulmige Gefühl, das einen zuweilen beschlich, wenn man mit Obrigkeit zu tun hatte und zwar völlig unabhängig vom Vorliegen irgendwelcher Vergehen, das stieg in seiner Kehle auf.

    " Galeo Lucilius Posca zu Diensten, ehrenwerter Aedil Curulis Flavius Gracchus Minor.", sagte er: "Ich bin der Eigentümer dieser vorzüglichen Buchhandlung mit dem Namen "Die Kammer der Klio"

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  • Hätte der Aedilis gewusst, dass der Inhaber des Geschäftes bewusst ihn ein wenig ließ warten, so hätte er dies zweifelsohne als Insubordination gegenüber dem magistratischen Amte erachtet, doch da Lucilius Posca doch relativ zügig erschien, konnte er die Nachsicht des Flavius genießen, welcher ohnehin bereits voller Vorwitz darauf wartete, die Zeit der Kontrolle zu nutzen, um sich über die hiesig verkäuflichen Bücher zu informieren.

    "Salve, Lucilius. Ich bin hier, um deine Geschäfte zu überprüfen, namentlich die Qualität deiner Waren, deine Bücher sowie die Eichung deiner Maße und Gewichte."
    Nicht wenige Händler verfügten allein aufgrund des Gebrauches, die Qualität von Münzen oder schlicht zum Tausch dargebotenes Getreide abzuwiegen, über eine Waage, selbst wenn sie keine lose verpackten Güter feilboten. Als er der Doppeldeutigkeit seiner Formulierung gewahr wurde, lächelte Manius Minor indessen und fügte an:

    "Ich möchte somit sowohl jene mit Texten gefüllten, als auch die mit Zahlen gefüllten Bücher sehen."
    Selbstredend wollte er letztere nicht selbst prüfen, empfand er doch wenige Dinge ennuyanter als das Nachverfolgen von Zahlenkolonnen.



  • 139-044c19e986d651ff3a63dfe93f62187e8fee9bd5.jpg"Sehr wohl, ehrenwerter Aedil!", Lucilius Posca gab seinen Sklaven, vier jungen Männern, die sich in ihren wollweißen Tunikas alle so ähnlich sahen als hätten sie die gleiche Mutter, kurze Anweisungen.


    Einer von ihnen trennte den Bereich der Taberna mit groben Seilen ab, so dass nun kein Kunde mehr eintreten konnte, nur ein Durchgang blieb, durch den man nach draußen gelangen konnte.


    Der Buchhaltersklave und sein Assistent schleppten derweil einen Stapel Schriftrollenbehälter herbei, worin sich die Geschäftsbücher befanden.

    Der vierte Jüngling stellte die Feinwaage auf den Ladentisch, direkt unter das Schild, welches besagte:

    "WECHSELKURS DRACHME- DENAR I zu I"

    was dem Ladeninhaber den Vorteil eines höheren Silbergehaltes bringen mochte, und er legte verschiedene eiserne Gewichte daneben.


    "Unsere Spezialität sind Originale und jeweilige Übersetzungen, ich arbeite da mit einer ausgezeichneten Interpretations- und Kopierwerkstatt zusammen, ehrenwerter Aedil Flavius Gracchus Minor", gab Posca Auskunft und da er gerne über Bücher sprach, wurde er ausführlicher:

    "Was dürfte es denn an Texten sein? In welche Richtung geht der werte Gescmack?


    Ich habe als Standardwerk der Architektur gerade einen Vitruvius* hier, alle zehn Bände bebildert.

    Oder wenn der Sinn nach Unterhaltung steht, so eine Ausgabe der Cyropaedia** in einer zweisprachigen Ausgabe. Besonders bei Leserinnen ist ja die darin enthaltene Romanze von Abradatas*** und Panthea sehr beliebt; damit sie durch die exotischen Namen nicht ganz verwirrt werden, heißt Abradatas in der lateinischen Ausgabe Ambrosius.


    Oder... wenn der edle Aedilis etwas Entspannung von der Bürde seines Amtes sucht, so ist gerade heute der ständig vergriffene Ratgeber des Sabellus**** mit detaillierten Illustrationen in lebensechten Farben wieder hereingekommen.


    Ansonsten, was auch dein Wunsch sei: Ich kann jede Schriftrolle beschaffen, kopieren und übersetzen lassen"



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  • Als die Sklaven die Geschäftsbücher herbeischleppten, machte der Accensus sogleich sich daran, diese zusammen mit einem Librarius zu inspizieren. Der Scriba wandte sich hingegen der Waage zu und holte ein Kästlein mit einer geeichten Waage und ebensolchen Gewichten hervor. Sorgsam legte er zunächst seine Gewichte auf die Waage des Buchhändlers und begann sodann, die einzelnen, eisernen Gewichte mit seinen eigenen auf der ädilizischen Waage gegenzuwiegen.


    All dem schenkte der Flavius indessen wenig Aufmerksamkeit, da weder Zahlen, noch Gewichte sein sonderliches Interesse weckten, während die Offerten des Lucilius ihm umso kurzweiliger erschienen. Zwar schien dieser dafürzuhalten, dass es um eine Einkaufstour ging, was Minor auch nicht zu exkludieren wagte, doch nicht der eigentliche Grund seiner Bitte war gewesen:

    "Mein Gustus ist für unsere Überprüfung von untergeordnetem Belang!"
    , bemerkte er daher freundlich und lächelte, da selbstredend es nicht anstößig sein konnte, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden:

    "Ich möchte die Qualität deiner Waren kontrollieren, doch warum nicht mit einem Stücklein erquicklicher Literatur?"
    Folglich lauschte er aufmerksam dem Angebot des Buchhändlers, welches durchaus interessante Einzelstücke versprach, selbst wenn nicht alles (insonderheit die architektonischen Arbeiten des Vitruvius) nicht seine erste Wahl hätten repräsentiert. Ehe er sich entschied, wollte er jedoch die finale, vollmundige Versprechung erproben:

    "Jede Rolle? Wie steht es um den Miles gloriosus von Plautus?"

    Dieses Werk zählte zu seinen favorisierten Kommödien und er vermochte beinahe, jedes Wort von ihr mitzusprechen, sodass er auch ohne eine Referenz imstande würde sein, die Korrektheit der Abschrift zu prüfen. Mit einem Lächeln fügte er dann noch an:

    "Während du ihn suchst, werde ich aber gern die Illustrationen des Sabellus inspizieren."

    Erotische Abbildungen versprachen immerhin einige Kurzweil und auch wenn ihm das Werk nicht geläufig war, da er wenig Verwendung für derartige Ratgeber hatte, nachdem er mit seiner Gattin noch niemals mit Erfolg den Beischlaf hatte vollzogen und die Bemühungen bereits vor ihrer Rückkehr nach Rom hatte eingestellt, die bisweilen ihn aufsuchenden Prostituierten jedoch ihre Spezialitäten mitbrachten.

  • 139-044c19e986d651ff3a63dfe93f62187e8fee9bd5.jpgAuch den besten Kopisten konnten Fehler unterlaufen, besonders wenn sie den Inhalt des zu Kopierenden nicht verstanden, aber Lucilius Posca war da ganz beruhigt, denn bisher hatte sich noch nie ein Kunde beschwert.

    Der Wunsch des Aedilis zauberte ein Schmunzeln auf das Gesicht des Buchhändlers - auch er liebte diese Komödie:

    "Plautus.... ", ein Kopfnicken zu einem der Gehilfen:.".. P ...wie pecunia non olet, nicht das Kundenexemplar sondern ein neues aus dem Lager."


    Die Schriftrollen waren alphabetisch und dann nach römischen oder griechischen Verfassern geordnet, und jeweils ein Exemplar zum Ansehen und Schmökern lag aus, doch da einige davon bereits abgegriffen war, sollte der kunstsinnige Aedilis eine noch sozusagen kopierfeuchte Ausgabe zur Prüfung ausgehändigt bekommen.


    "Wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf, wie köstlich dieses Stück Miles gloriosus doch ist: Wie haben meine Frau und ich über den Pyrgopolynikes und den Artotrogus gelacht! Als letzerer ersteren lobt, und der dann: Das ist noch gar nichts, und Artotrogus: Das ist noch nichts im Vergleich mit anderem, was du auch nicht getan - was für ein Angeber dieser Offizier des König Seleukos .... Ich liebe es...

    ... bitte hier der Sabellus, werter Aedil...."

    Einer der Sklaven richtete die Rolle so auf den Stehpult, das man sie bequem aufwickeln konnte und ließ dabei die Zeichnung

    einer catenae* zu fünft offen.

    Derlei Werke standen nicht für Lüsternheit, sondern für Eleganz und erlesenen Geschmack, weshalb Lucilius Posca sehr stolz auf diese illustrierte Schmuckausgabe war. Während sich sein hoher Besucher daran delektierte, warf er ein Auge auf die Sklaven, die mit den Wirtschaftsprüfern zugange waren, aber seine pueri waren gut ausgebildet und hilfsbereit, daher hoffte er, dass diese Prüfungen des Magistraten für ihn gut verlaufen würde, und vielleicht gewann er sogar einen neuen Kunden.

    Der Sklave, den er geschickt hatte, kam dann auch gleich mit dem Plautus aus dem Lager, blieb stehen und bot das Buch mit beiden Händen dar, so dass sich der Kunde, sobald er sich an dem Sabellus sattgesehen, dem nächsten Werk bequem zuwenden konnte.


    Sim-Off:

    * Kette

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  • Jene Kontrolle war wohl die Erquicklichste, die bisherig er in persona hatte durchgeführt, was zweifelsohne dem Produkt ebenso wie dem Inhaber des Betriebes war geschuldet. Dass dieser sich nun auch noch als Connaisseur seiner favorisierten Komödie offenbarte, mehrte die Sympathie selbstredend noch.

    "Oder wie Acroteleutium den Hauptmann umgarnt - schlicht eine köstliche Posse!"

    Damit griff er nun aber nach dem Sabellus und betrachtete die Bildlein, welche, obschon angestrengt er die Augen zusammenkniff, nicht mehr ihm blieben als verschwommene Schemen. Dennoch nötigte allein die selbst ihm erkennbare schiere Zahl an Protagonisten Erstaunen ab, da es ihm doch als überaus akrobatische Herausforderung erschien, den Akt zugleich zu vollziehen.

    "Vortrefflich, was meinst du, Patrokolos?"

    , fragte er und zeigte es seinem Leibdiener, um seine Inkapazität zu cachieren und die Vermutung, dass ein derartiges Etablissement hielt, was es versprach, zumindest zu prüfen. Als dieser nickte, reichte er das Buch an den Händler zurück, um nun den Plautus zu erhalten.

    "Woher beziehst du deine Bücher? Gibst du die Kopien selbst in Auftrag?"

  • 139-044c19e986d651ff3a63dfe93f62187e8fee9bd5.jpgDer ehrenwerte Aedilis war ein Freund der schönen Künste und spontan hätte der Buchhändler dem Magistraten gerne ein Werk nach Wahl als Geschenk überlassen, wenn das nicht allzu sehr nach Bestechung ausgesehen hätte. Aber das war gar nicht sein Sinn - der stand ihm danach, hochstehende Kunden zu gewinnen. Lucilius Posca betrachtete sich selbst als ein von den Göttern gesegneter Mann, da er Ökonomie und Bibliophilie miteinander vereinen durfte.


    Die Hetäre Acroteleutum ist sogar der besondere Liebling meiner Frau – oh, meine Angetraute ist nicht prüde, sondern recht vernünftig, soweit ein Wesen vernünftig sein kann, dem ein anderes Lebewesen im Körper herumwandert* wie Soranus von Ephesus – von dem berühmten Arzt habe ich auch eine Ausgabe über seine Frauenheilkunde** hier in meinen Regalen, doch da muss ich dich warnen, edler Aedilis Curulis, die Details sind erschütternd und wenig erbaulich ...“,
    Galeo Lucilius Posca war zweifelsohne glücklich verheiratet, doch nun schüttelte er sich leicht, er hatte keine Nerven für so etwas:


    „Ich gebe alle Kopien selbst in Auftrag, bei Fachbüchern bediene ich das gesamte Sortiment, und bei anderer Literatur sehe ich mich selbst um,was vielleicht ein Erfolg werden könnte. Ich lasse griechische Werke übertragen, fördere junge unbekannte Dichter und auf Grund der vielen Fremden in Roma werden auch ursprünglich lateinische Werke in Griechisch gelesen. Sogar an parthische und persische Werke habe ich mich gewagt, aber sie gehen schlecht.

    Gestern im Theater- morgen auf meiner Theke, ist meine Devise. Variatio delectat. ***

    Gerade verhandle ich über die Rechte mit dem Autor der Stunde Irenaeus Meccius über sein letztes Stück Rex Leonum. Da waren meine Frau und ich selbstverständlich auch, mitreißend und schwungvoll und dennoch sehr lehrreich, und die Lieder werden jetzt schon auf den Gassen gesungen: Quiriten hört nun die Geschichte...."


    Das war Schmeichelei an die Adresse des Gracchus Minor gerichtet als auch die Wahrheit. Denn natürlich wusste der Buchhändler, wer die Spiele ausgerichtet hatte.


    "Die Kopierwerkstatt, mit der ich zusammen arbeite, gehört dem ehrenwerten Aulus Heterianus Ilias Maior und liegt an der Via Salaria. Er nennt über fünfzig Kopisten und Übersetzer sein Eigentum, und jeder einzelne versteht etwas von den Inhalten, die er abschreibt, das ist wichtig, um dumme Übertragungsfehler zu vermeiden.“



    Sim-Off:

    *Der Uterus als Auslöser von Hysterie
    **Soranos von Ephesos: Die Gynäkologie (peri gynaikein)
    *** Abwechslung erfreut

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  • Anerkennend registrierte der Aedil die umfassende Weite des offerierten Angebots sowie den Umstand, dass augenscheinlich der Inhaber dieses Betriebes jedes jener Werke selbst gelesen hatte und freigiebig daraus zu zitieren oder paraphrasieren wusste. Dass auch jenes Stück sein Interesse gewonnen hatte, welches durch das Mäzenatentum des Flavius in die Theater war gekommen, erfreute diesen selbstredend besonders.

    "Nun, der gute Meccius hat in der Tat einen trefflichen Erfolg gelandet und es freut mich überaus, dass ich mich dazu entscheiden konnte, das Werk ins Programm zu nehmen. Tatsächlich kannte ich seinen Inhalt vor den Megalesia selbst nicht, aber ich war höchstzufrieden!"
    Dass die Kopier-Arbeit nicht inmitten der Mercati Traiani, welche immerhin zu den teuersten Verkaufsräumlichkeiten der Urbs zählten, wurden erledigt, sah der Aedil ein. Tatsächlich hatte er bisherig wenig Notiz vom "Innenleben" jener ihm so geliebten Branche gewonnen, sodass selbstredend auch die Namen der Kopisten ihm nicht geläufig waren.


    "Nun, wollen wir eine Probe wagen!"

    , erwiderte er dennoch vergnügt und reichte die dargebotene Rolle des Miles gloriosus an seinen Patrokolos weiter, um dem Lucilius nun seinerseits eine Probe seiner Werkkenntnis zu geben:

    "Vierter Akt, siebente Szene!"

    Beflissen öffnete Patrokolos die Rolle und bedurfte einiger Zeit, ehe er die Titel identifiziert und das Werk vorangerollt hatte, bis die gewünschte Stelle bereit lag, um sie vorzulesen:

    "Wüßt' ich es nicht, daß Mancher schon manch Schelmenstück

    Der Liebe wegen aufgeführt, ich scheute mich

    Noch mehr, in dieser fremden Tracht umherzugeh'n.


    Doch weil ich weiß, daß Manche manches Böse schon

    Der Liebe wegen thaten, manch Unehrbares; –

    (Ich schweige, wie sein Volk Achill geopfert hat"

    "Der Liebe wegen thaten, manch Unehrbares - das genügt!"
    , vollendete mit einem zufriedenen Lächeln der Aedil selbst den Text, welchen er über viele Stellen hinweg auswendig kannte und deren Korrektheit er somit zu bestätigen vermochte.

    "Mein lieber Lucilius, die Qualität deiner Ware überzeugt mich so sehr, dass ich beinahe geneigt wäre, sogleich eines deiner Werke käuflich zu erwerben. Gibt es denn etwas neues in der Theaterwelt?"

    Mit einem nicht unbescheidenen Unterton fügte er hinzu:

    "Abseits dessen selbstredend, was mir von meinen eigenen Spielen bereits bekannt ist?"

  • Der Patrokolos genannte Begleiter des Aedilis Curulis las eine Szene aus dem Miles Gloriosus vor und Flavius Gracchus Minor
    139-044c19e986d651ff3a63dfe93f62187e8fee9bd5.jpgrezitierte die Fortsetzung, ohne in die Rolle zu sehen, was den Buchhändler zu einem angedeuteten Applaus hinriss. Natürlich würde sich ein wohlgeborener Römer nie dazu herablassen, auf einer Bühne zu stehen, da waren die Götter davor, aber Deklamieren war eine geschätzte Kunstfertigkeit.

    „Wunderbar“, sagte Galeo Lucilius Posca und wischte sich ein Freudentränchen fort:

    "Genau solch ein Kunstgenuss wie der Rex Leonum. Heiter und doch auch lehrreich, und die Zuschauer gehen beschwingt nach Hause. So sollte es sein.


    Etwas Neues aus der Theaterwelt erfragt der ehrenwerte Aedil? Ja, da habe ich etwas Neuartiges, doch es ist in der Tat sehr ungewöhnlich, und ich frage mich, ob die Leute im Theater so etwas sehen wollen.",


    Lucilius Posca machte eine kleine Pause und setzte eine etwas geheimnisvolle Miene auf:


    "Der ursprüngliche Verfasser war Phlegon von Tralleis *, der in seinem Buch der Wunder bekanntermaßen von allerlei seltsamen Vorkommnissen und Menschen berichtet: Von Sonnenfinsternissen und Hermaphroditen und sprechenden Köpfen.

    Ein junger, hier in der Subura darbender Dichter namens Lycus Gordias, der übrigens noch keinen langfristigen Gönner gefunden hat, hat aus einer der Episoden ein Stück gemacht: Die Braut von Korinthus.

    Es geht um eine junge Frau namens Philinnion aus Amphipolis, die nach ihrem Tod einen jungen Gastfreund ihrer Eltern besucht oder eher heimsucht, der ihr Begehren weckt. Doch die Eltern überraschen sie auf dem Liebeslager, und da braucht es viele Riten und einen tapferen Seher, bis der Leichnam des Gespenstes schließlich außerhalb der Stadtmauern verbrannt wird. Der Jüngling stirbt auch, an Wahnsinn oder sie saugt ihm das Blut aus, was weiß ich.",


    Der Buchhändler winkte einem seiner vier Sklaven zu, ihm die entsprechende Schriftrolle zu reichen:
    „Lycus Gordias wie Labor omnia vincit **",
    rollte sie dann auf und las vor:

    "Aus dem Grabe werd' ich ausgetrieben,

    Noch zu suchen das vermisste Gut,

    Noch den schon verlornen Mann zu lieben

    Und zu saugen seines Herzens Blut.

    Ist's um den geschehn,

    Muß nach andern gehen...***


    Edepol!****

    Alles sehr grausig, und wie gesagt, die Frage ist: Werden sich die Leute jemals für Geschichten über blutsaugende Untote interessieren?

    Diese Frage kannst wohl du, werter Aedilis Curulis Flavius Gracchus Minor als Ausrichter von Spielen eher beantworten als ich das als einfacher Buchhändler kann.

    Ich habe jedoch auch diese beiden Werke da. Die Adresse des modernen Dichters habe ich auch, wie gesagt, er nagt am Hungertuch."


    Nach Lucilius Poscas Ansicht verdiente der Dichter Lycus Gordias das Hungerleiden auch. Und beide Werke vertrieb er auch nur, damit man ihm nicht vorwerfen konnte, nicht auf der Höhe der Zeit zu sein. Das hielt ihn allerdings nicht davon ab, den Gordias und seine vampirische Braut als bahnbrechenden Geheimtipp zu verkaufen.


    Sim-Off:

    *Phlegon von Tralleis:Das Buch der Wunder
    ** Harte Arbeit überwindet alles
    ***J. W.von Goethe: Die Braut von Korinth
    ****Bei Pollux!

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  • Selbstredend schmeichelte der Applaus des Buchhändlers dem Aedil, obschon er wusste, dass dies eben nichts als Schmeichelei mochte sein, sodass zufrieden er über das Lob derartiger Qualität lächelte. Der Moment verflog allerdings rasch, als Posca sein neuestes Werk offerierte, welches selbstredend sogleich verfing:

    "Nun, das Volk liebt doch das Blutvergießen. Sofern es nicht selbst dessen Opfer wird selbstredend."
    , erwiderte der Flavius und lächelte vorsichtig ob seines limitiert geistreichen Scherzes.

    "Strigae, Lamiae, Empusae, Mormolycien: Die Liste der Blutsauger, die auch immer wieder in Epik und Lyrik erscheinen, ist doch lang! Und wenn es sich auch noch mit unsterblicher Liebe und großen Emotionen verbindet, hat es zweifelsohne alles, was für einen Bühnenerfolg vonnöten ist!"
    Mehrfach gleich hatte der Buchhändler die Suche nach einem Mäzen expliziert, was Manius Minor selbstredend als mehr oder minder explizite Bitte hatte verstanden, welcher er gerne nachkam:

    "Du kannst ihn gerne an meine Tür verweisen, ich bin gewillt, ihn kennenzulernen. Und zur Präparation würde ich gleich eines oder zwei seiner Werke erwerben!"
    Die Salutatio der Familia Flavia Graccha war eine nicht unbekannte Adresse für Kunstfertige aller Art, da nicht allein die Bauten der flavischen Imperatoren, sondern auch ihre private Freude an geistreichen Poeten und Autoren bekannt war, was zwar nicht bedeutete, dass jeder arme Dichter hier sein Brot mochte verdienen, doch immerhin eine reelle Chance bot, als schmückendes Beiwerk eines gnädigen Patrons seinen Unterhalt zu verdienen.

  • Der Scherz verzog die Lippen des Buchhändlers zu einem anerkennenden Lächeln, so gemütlich er war, mochte er es im Bereich der Witze durchaus ein wenig morbide.

    139-044c19e986d651ff3a63dfe93f62187e8fee9bd5.jpg"Ja, Monster tauchen in der Tat immer wieder auf, aber vorwiegend dienten sie bisher dazu, dem Helden die Gelegenheit zu geben, sie in heroischem Kampfe abzuschlachten, ehrenwerter Aedilis.", gab er zu bedenken:

    "Lycus Gordias jedoch stellt sich auf ihre Seite, er zeigt auf, dass sie doch auch denkende und fühlende Wesen sein könnten. Bei ihm hat die Empusa Familie, sorgt sich die Lamia um ihren Geliebten, wenn man so möchte, so dass der Zuschauer die Katharsis hin und her gerissen erlebt.

    Daher wollte ich deinen Rat erfragen, Aedilis, da du in solchen Dingen bewandert bist: Ist Dichtung, die die Kräfte des Chaos so beschreibt, dass man am Ende Mitgefühl mit diesen bekommt, nicht der Weg, der direkt zu Anarchie und Chaos führt? Ist der Dichter mit seiner Sympathie für Monster eine Art Gesetzesbrecher, obwohl er kein bestehendes Gesetz bricht? "

    Die Diskussion über Aspekte der Literatur machte Lucilius Posca sichtlich Freude. Noch nie hatte er eine solch geistig anregende Marktaufsichtsüberprüfung erlebt. Das der verehrte Gracchus Minor den Hungerleider Lycus Gordias sogar ein Mäzenat in Aussicht stellte, besser konnte es nicht laufen, denn dieser war, was Posca verschwiegen hatte, der Sohn seiner ungeliebten Cousine väterlicherseits zweiten Grades. Jetzt war ihm diese was schuldig. Do ut des!


    "Außer der Braut von Corinthus habe ich noch ein Frühwerk hier: Edhuardos et Isara....", ein Wink zu einem der fast identischen Sklaven:

    "Lycus Gordias mit L wie Laborat magister docens tardos*, beide Werke.", während der Bursche nach den Schriftrollen ging, besann sich Lucilius Posca wieder auf den eigentlichen Zweck des hohen Besuches:

    "Ich hoffe, alles sonstige ist zu deiner Zufriedenheit, ehrenwerter Aedilis Curulis?", fragte er so beiläufig wie ehrerbietig.


    Sim-Off:

    lat. Geplagt ist der Lehrer, der Schwachköpfe unterrichtet

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