Triclinium | Amici pro amico

  • Bereits viele Cenae anlässlich von Kandidaturen hatte die Villa Flavia Felix gesehen, doch selten war dies nicht für einen Flavius gewesen, wie dies am heutigen Tage der Fall war: Obschon Galeo Seius Ravilla bereits seit mehr als einem Jahr in den Hallen der Gens ein- und ausging, so gehörte er zwar der Familia Flavia Graccha an, doch war er noch immer kein Flavius, sondern ein Emporkömmling aus einer fernen Provinz, der zwar die Gunst des Hauses genoss, doch auf seinem Streben nach höheren Ämtern noch immer der Unterstützung seiner Patrone bedurfte. Daher hatte Manius Minor jenes Gastmahl veranlasst, zu dem diverse Senatoren waren geladen worden.


    Adäquat war das Haus folglich geschmückt und der jüngere Flavius stand parat, um die Gäste in Empfang zu nehmen.

    Sim-Off:

    Bitte direkt hier eintreten und die Porta umgehen :)

  • Während der ältere Flavius Gracchus den engsten oder aussichtsreichsten Klienten Unterstützung in Form von Stimme und Worten - auch in Anweisungen an andere - gab, so überließ er bereitwillig seinem Sohn alle Arbeit, welche dies mit sich brachte, gleichwohl dies nicht aus berechnender Absicht geschah, sondern schlichtweg der Natur ihrer Beziehung folgte, in welcher der Vater gewohnt war, familiäre Forderungen zu stellen, während Minor sich abmühte durch sein Handeln die familiären Ahnen zu besänftigen. Bei näherer Betrachtung hätte Gracchus zweifelsohne bemerkt, dass diese Konstellation eben jener entsprach, welche er in seiner eigenen Jugend in Hinblick auf seinen Vater hatte abhorriert, doch suchte er durchaus erfolgreich die Gedanken an seinen Vater in sich zu verdrängen, dass auch solcherlei Gedanken ihm nicht erst aufkamen. Gut gelaunt betrat er darob das Triclinium zu jener Cena, welche sein Sohn anlässlich der Kandidatur ihres Klienten hatte arrangiert, gänzlich im Vertrauen darauf, dass jener die passenden Gäste hatte geladen.

    "Nun, Minor, wer wird heute das Vergnügen haben, unseren verheißungsvollen Kandidaten kennen zu lernen?"

    fragte er nach einem kurzen Gruß.

    cdcopo-pontifex.png flavia.png

    IUS LIBERORUM

    PONTIFEX PRO MAGISTRO - COLLEGIUM PONTIFICUM

  • Die angekündigte Einladung zu einer Cena kam schneller als gedacht, wobei es auch sein konnte, dass Menecrates - der vielfältigen Aufgaben wegen - das Zeitgefühl verloren ging. Wahrscheinlich lagen Wochen zwischen heute und seinem einst gegebenen Versprechen. An seine zuletzt besuchte Cena konnte er sich nicht erinnern, und derart aus der Übung kannte er nicht einmal die aktuellen Gepflogenheiten. Sicherheitshalber brachte er eine Aufmerksamkeit für Gracchus' Frau mit, die er allerdings nicht als Teilnehmerin an der Cena erwartete. Im Grunde wusste er aber nicht, was ihn erwartete. In der Gesellschaft des jungen Flavius fühlte er sich immer wohl, den angekündigten Jungmagistraten - sofern er gewählt werden würde - wusste er nicht einzuschätzen. Er wurde ihm nicht namentlich benannt. Menecrates verließ sich darauf, dass Flavius wusste, was er tat, denn er kannte Menecrates' Abneigung gegen allzu ausgedehnte Runden.

    Als Menecrates auf die Porta zuschritt, stand diese offen, sodass er eintreten konnte. Das Mitbringsel übergab er einem Sklaven mit dem Verweis auf den gewünschten Empfänger, dann sah er sich um.

    Sein Blick erfasste Gracchus Minor, was ein Lächeln erzeugte. "Salve Gracchus Minor und vielen Dank für die Einladung!"

    Gracchus Maior stand unweit und nicht zu übersehen, so wandte sich Menecrates auch diesem zu. Allerdings kam er in Not, weil er nicht mehr wusste, wie sie sich privat ansprachen. Es herrschte immer eine Distanz zwischen ihnen, obwohl Gracchus seine Cousine ehelichte. Menecrates erfuhr in den entscheidenden Momente keine Unterstützung im Senat durch Gracchus Maior. Sie pflegten einen höflichen Umgang, aber mehr auch nicht.

    "Salve Gracchus Maior!" Der Redefluss versiegte. Menecrates hoffte, dass Minor zu Hilfe kam.

  • Während der ältere Flavius Gracchus den engsten oder aussichtsreichsten Klienten Unterstützung in Form von Stimme und Worten - auch in Anweisungen an andere - gab, so überließ er bereitwillig seinem Sohn alle Arbeit, welche dies mit sich brachte, gleichwohl dies nicht aus berechnender Absicht geschah, sondern schlichtweg der Natur ihrer Beziehung folgte, in welcher der Vater gewohnt war, familiäre Forderungen zu stellen, während Minor sich abmühte durch sein Handeln die familiären Ahnen zu besänftigen. Bei näherer Betrachtung hätte Gracchus zweifelsohne bemerkt, dass diese Konstellation eben jener entsprach, welche er in seiner eigenen Jugend in Hinblick auf seinen Vater hatte abhorriert, doch suchte er durchaus erfolgreich die Gedanken an seinen Vater in sich zu verdrängen, dass auch solcherlei Gedanken ihm nicht erst aufkamen. Gut gelaunt betrat er darob das Triclinium zu jener Cena, welche sein Sohn anlässlich der Kandidatur ihres Klienten hatte arrangiert, gänzlich im Vertrauen darauf, dass jener die passenden Gäste hatte geladen.

    "Nun, Minor, wer wird heute das Vergnügen haben, unseren verheißungsvollen Kandidaten kennen zu lernen?"

    fragte er nach einem kurzen Gruß.

    "Wir haben vorgesehen, Claudius Menecrates und Annaeus Florus Minor einzuladen."

    , erwiderte Manius Minor auf die paternale Frage, als jener das Triclinium betrat. Er hatte jene Cena nicht mehr weiter mit Manius Maior erörtert, da er sich doch inzwischen als gewesener Aedilis curulis imstande sah, selbst zu erwägen, wen es für ein derartes Unterfangen zu laden galt, zumal er wusste, dass sein Vater nicht sonderliches Interesse an derartigen Details hätte gewonnen.

    "Wir haben uns für eine bescheidene Runde entschieden, um Ravilla Gelegenheit zu geben, die Augen auf sich zu ziehen."

    Dass dies ihm gelänge, bezweifelte der jüngere Flavius mitnichten, da doch der Seius weder durch sonderliche Wortkargheit, noch durch unscheinbare Aufmachung sich auszeichnete, sondern au contraire wohl selbst in einer ganzen Schar von Kandidaten sichtlich herausgestochen wäre.

    Als Menecrates auf die Porta zuschritt, stand diese offen, sodass er eintreten konnte. Das Mitbringsel übergab er einem Sklaven mit dem Verweis auf den gewünschten Empfänger, dann sah er sich um.

    Sein Blick erfasste Gracchus Minor, was ein Lächeln erzeugte. "Salve Gracchus Minor und vielen Dank für die Einladung!"

    Gracchus Maior stand unweit und nicht zu übersehen, so wandte sich Menecrates auch diesem zu. Allerdings kam er in Not, weil er nicht mehr wusste, wie sie sich privat ansprachen. Es herrschte immer eine Distanz zwischen ihnen, obwohl Gracchus seine Cousine ehelichte. Menecrates erfuhr in den entscheidenden Momente keine Unterstützung im Senat durch Gracchus Maior. Sie pflegten einen höflichen Umgang, aber mehr auch nicht.

    "Salve Gracchus Maior!" Der Redefluss versiegte. Menecrates hoffte, dass Minor zu Hilfe kam.

    Cornelia Philonica war nicht zum Gastmahle erschienen, da ihr an diesem Abend nicht wohl war, was wiederum Manius Minor nicht unwillkommen war, hegte er doch den Eindruck, dass seine Gattin kaum Interesse an politischen oder philosophischen Fragen hegte, sodass sie ohnehin jene illustre Runde mitnichten hätte bereichern können. Indessen würde sie sich sich über die Aufmerksamkeit des Claudius ehrlich freuen und ihm später einen Dankesbrief zukommen lassen.


    Dessenungeachtet begrüßte der jüngere Gracche Menecrates seinerseits mit einem offenen Lächeln.

    "Überaus gerne! Ich freue mich, dass du uns mit deinem Besuch beehrst!"

    , erwiderte er wahrheitsgemäß, da er wusste, dass der greise Claudius der Öffentlichkeit weitgehend fernzubleiben pflegte und vielmehr es präferierte, sich in Arbeit und Aktenstudium zu versenken.


    Indessen verspürte er die Kühle zwischen seinem Vater und seinem Mentor, weshalb er selbst es unternahm, einen Plausch zu initiieren, wobei er ein Sujet wählte, welches beide Akteure professionell betraf, um etwaige persönliche Animositäten zu minimieren:

    "Hattet ihr bereits Gelegenheit, die kultischen Fragen zur Öffnung der Statio zu erörtern?"
    Minor hatte seinen Vater seinem Wort gemäß Manius Maior in Kenntnis darüber gesetzt, dass er gedachte, eine Statio mit Bewaffneten innerhalb des Pomerium einzurichten und diesbezüglich bereits über Auspicia das Placet des Göttervaters hatte eingeholt, ebenso hinsichtlich der Insekuritäten, welche weiteren kultischen Erfordernisse vonnöten würden sein, um die Störung des heiligen Stadtbezirkes zu sühnen, und dass der Praefectus Urbi gedachte, den Pontifex diesbezüglich aufzusuchen.

  • Der ältere Sklave namens Teispes, ein Perser wie Anaxis und einst Ravillas Erzieher, wusste um die Wünsche des Herrn und trug Sorge für deren Verwirklichung. Die bestellten Musikanten mit östlicher Spezialisierung waren angehalten, die Gespräche dezent mit orientalischen Klängen zu untermalen und Ravilla wünschte keine Unterbrechung der Gespräche durch besondere Einlagen. Zum anderen war dem Seius wichtig, dass sich das Ensemble niveauvoll präsentierte in Anbetracht der Würde der Gäste, so dass er Erscheinungsbild und Auftreten noch einmal persönlich kontrollierte, ehe er den Musikanten gestattete, im Hintergrund in Position zu gehen und mit der Erzeugung akustischer Atmosphäre zu beginnen.


    Sodann begab er sich nach vorn, wohlwissend, dass aus dieser Warte alles gut gehen würde. Wenngleich der Kandidat nicht für Schüchternheit bekannt war, sondern vielmehr dazu neigte, sich in der Aufmerksamkeit seiner Mitmenschen zu sonnen, so rührte heut sich ein nervöses Übel in seinem Gemüt. Zum heutigen Tage und in dieser hoch dotierten Runde fühlte der Seius sich als weniger noch denn als ein Homo novus, vielmehr war er unter den Großen ein Mann, der gern ein Homo novus werden mochte, gleich einem Flaumküken abhängig vom Wohlwollen namhafterer Männer, die ihn nach Kräften in rührender Manier unterstützten.


    Sich dieses Umstands wohl bewusst und verbissen willens, das ihm Bestmögliche zu leisten, um sich der Unterstützung würdig zu erweisen, hatte Ravilla in den letzten Tagen entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten etwas Opium als Einschlafhilfe benötigt. Trotz allem musste Anaxis all seine kosmetische Kunstfertigkeit aufwenden, um aus dem sonst adretten jungen Manne auch heute einen vorzeigbaren Mensch zu zaubern. Die Augenringe stellten ihn vor eine Herausforderung. So erschien Ravilla am heutigen Tag stärker geschminkt als üblich, das Gesicht maskengleich geweißt, die Wangen und Lippen rosig gepudert, die Augen in fast weiblicher Manier umrahmt, mit langen Wimpern, die mit einem Lockeneisen schwungvoll in Form gebracht waren. Die Brauen schwangen sich kräftig nachgezogen über den Augen und verliehen dem Gesicht trotz der intensiven kosmetischen Ausgestaltung etwas markant-männliches.


    Da sein Gesicht im Übermaß gestaltet ward, selbst nach Ravillas Dafürhalten, trug er die Kleider heute recht dezent: eine pfirsichfarbene Toga über einer strahlend weißen Tunika, dazu Goldschmuck (an jedem Finger mindestens ein Ring, zuzüglich güldener Ketten um Hals und Handgelenke). Auch die Blütenkränze, die man zum Mahl oder auch Gelage üblicherweise trug, bestanden rein aus weißen Blüten, zuzüglich einiger orangefarbener Beeren, eine Hommage an den beginnenden Herbst. Heilsame Düfte entströmten den Kränzen, denen mit hochwertigem Parfum aus dem Hause Dufter Viri ein wenig nachgeholfen worden war.


    "Salvete, liebe Gäste", grüßte Ravilla mit seinem unverkennbaren griechischen Akzent, doch wie stets in fehlerfreiem Latein. Da eine erste Konversation sich angebahnt hatte, wartete er noch mit der ausführlichen Begrüßung und gab den Sklaven einen Wink, den Gästen Blumenkränze anzubieten.1


  • Direkt vom Eingang hierher geführt, die Einladung hatte ich vorgewiesen und danach meinem Sklaven wieder übergeben, damit ich sie nicht den ganzen Abend in den Händen halten musste, fand ich die Gastgeber bereits versammelt und auch Senator Menecrates anwesend. Es würde heute wohl eine hohe Gesellschaft werden. Der Sklave hatte sich derweil von mir getrennt und würde in den Sklavenquartieren darauf warten, von mir wieder gerufen zu werden, wenn wir den Rückweg antraten.


    Salvete Flavii Gracchi, salve Claudius Menecrates, salve Seius Ravilla! Ich freue mich, dass ich heute zu dieser Cena eingeladen bin. So begrüsste ich zuerst die beiden Hausherren, der Blick ging natürlich zuerst zu Gracchus Maior, danach zu Gracchus Minor. Dann den Praefectus Urbi und zuletzt den einladenden Jungpolitiker.


    Während die anderen Senatoren wie üblich dezent gekleidet waren, so war Seius Ravilla wie üblich üppig zurechtgemacht. Goldschmuck zierte seine Hände, wie die einer Frau, sein Gesicht war bemalt wie im Theater, aber die Tunika und die Toga waren aussergewöhnlich dezent.

  • Indessen verspürte er die Kühle zwischen seinem Vater und seinem Mentor, weshalb er selbst es unternahm, einen Plausch zu initiieren, wobei er ein Sujet wählte, welches beide Akteure professionell betraf, um etwaige persönliche Animositäten zu minimieren:

    "Hattet ihr bereits Gelegenheit, die kultischen Fragen zur Öffnung der Statio zu erörtern?"

    Während Menecrates den geschickten Winkelzug des jungen Gracchus bewunderte, wartete er den Gegengruß des Vaters ab, bevor er das vorgeschlagene Thema aufgriff. Bei allem Übel, was Menecrates stets bei Festen und Einladungen empfand - und leider vergrößerte sich der Kreis der Anwesenden zusehends - beglückwünschte er sich zu der sich ergebenden Gelegenheit. Er konnte nun gleich mehrere Punkte von seinem Aufgabenzettel abhaken: Er löste das Versprechen zur Teilnahme an einer Cena ein und er wurde zwangsweise zur Besprechung der kultischen Riten bugsiert, vor der er sich bislang erfolgreich gedrückt hatte. Es bedurfte nunmehr keiner Überredungskünste mehr, sich auf den Weg zu den Pontifices zu machen, wenn er den Kopf direkt vor sich stehen sah.


    Für die Betrachtung des Seius Ravilla blieb daher noch keine Zeit und auch der Gegengruß für Senator Annaeus musste noch warten.

  • Gracchus kam nicht umhin, seine linke Braue empor zu heben in Hinblick auf die Eröffnung der geladenen Gäste, denn während Senator Claudius eine gute Wahl war, da er einerseits nicht zum engeren Dunstkreise des Flaviers gehöhrte, welcher Ravilla schlichtweg seines Patrones wegen würde wählen, doch andererseits ein raisonabler Patrizier, sowie entfernter Verwandter und Unterstützer Minors war, so war doch Annaeus Florus nach seinem Vorstoß im Senat bezüglich der Rechte Freigelassener in den Augen des älteren Flaviers kein adäquater Gast in diesem Hause. Allfällig hatte er Minor doch überschätzt, oder ihm gar zu viele Freiheiten gelassen. Indes, noch ehe der Vater zu einem rügenden Wort konnte ansetzen, trafen die Gäste, sowie der eigentliche Gastgeber ein, dass er sich vorerst zurückhielt.

    "Salve Menecrates"

    , grüßte er diesen auf gleicher Stufe der Vertraulichkeit, welche jener nutzte, durch dessen Vorstoß davor bewahrt, sich die Frage nach ihrer Vertraulichkeit stellen zu müssen, welche zweifelsohne auch ihn hätte in Unsicherheit gestürzt - zu lange war es her, diverser Gründe wegen, dass sie zu familiärer oder similärer Gelegenheit waren aufeinander getroffen.

    "Ich kann mich meinem Sohn in seiner Freude über deine Anwesenheit nur anschließen."

    Gleichwohl die Freude des älteren Gracchus vornehmlich sich auf die poltischen Aspekte dieser Zusammenkunft bezog, während Minors Freude auch persönlicher Natur war.

    "Nein, die Causa der Station haben wir noch nicht er..örtert"

    , beantwortete er sodann Minors Frage.

    "Doch allfällig bietet sich später noch Gelegenheit dazu."

    Zuforderst sollte schließlich die Aufmerksamkeit erst einmal Seius zukommen, welcher in diesem Augenblicke ebenfalls erschien, exzentrisch und exotisch wie stets, und doch anders als sonstig. Gracchus benötigte einige Augenblicke, sich dessen gewahr zu werden, dass es die Schlichtheit der Kleidung in Kontrast zur üppigen Dekoration des Gesichtes Ravillas war, welche ihn ein wenig irritierte. Sodann traf auch Senator Anneus ein, welchen der Flavier mit einem knappen

    "Salve, Senator Anneus"

    grüßte, es hernach jedoch den Gastmahl-Planern überließ, jenen im Hause Wilkommen zu heißen.

    cdcopo-pontifex.png flavia.png

    IUS LIBERORUM

    PONTIFEX PRO MAGISTRO - COLLEGIUM PONTIFICUM

  • Während Manius Maior eröffnete, dass durchaus sich einiger Stoff für ein Zwiegespräch der beiden Consulare bot, erschienen bereits die beiden weniger gewichtigen Partizipanten der Cena, von denen indessen der eine ihren Anlass bot.


    "Ich darf dir unseren Klienten Galeo Seius Ravilla vorstellen: Er stammt aus einem edlen Priestergeschlecht in Cappadocia und ich hatte die Freude, im vergangenen Jahr seine Dienste als Tiro fori in Anspruch nehmen zu dürfen! Nun strebt er selbst politische Ämter an, doch später mehr dazu."

    , initiierte er zunächst Ravilla gegenüber dem Claudius, ehe er sich dem weiteren Gast zuwandte:

    "Ave, Annaeus! Ich freue mich, dass du der Einladung unseres Klienten gefolgt bist - man hörte zuletzt ja nicht wenig von dir!"

    Konträr zu seinem Vater grämte sich Manius Minor weniger ob der legislativen Initiative des Annaeus, obschon auch jenen gegen diesen eher Vorwitz als wahrhaftiges Interesse an einer Liason bewegte.

  • Die Basis, auf der er mit Gracchus Maior kommunizierte, bestand - solange er zurückdenken konnte - stets aus Höflichkeit, was Menecrates erneut beruhigt feststellte. In der Theorie müsste die beiden Consulare viel mehr verbinden, denn beide entstammten eines patrizischen Geschlechts und beide legten außerordentlichen Wert auf den Erhalt von Traditionen, wenngleich Menecrates vor Augen stand, dass er unter Berücksichtigung seiner Verantwortung für Rom, die eine oder andere Ausnahme befürwortete. Ausgerechnet heute beabsichtigte er sogar, die Überschreitung der kultischen Grenzen des Pomerium

    dem Pontifex schmackhaft zu machen. Es blieb abzuwarten, wie der Flavier auf die Argumente reagierte.

    "Ich kann mich meinem Sohn in seiner Freude über deine Anwesenheit nur anschließen."

    Gleichwohl die Freude des älteren Gracchus vornehmlich sich auf die poltischen Aspekte dieser Zusammenkunft bezog, während Minors Freude auch persönlicher Natur war.

    "Nein, die Causa der Station haben wir noch nicht er..örtert"

    , beantwortete er sodann Minors Frage.

    "Doch allfällig bietet sich später noch Gelegenheit dazu."

    Menecrates nickte als Reaktion auf die geäußerte Nettigkeit, wandte sich dann aber gleichsam Annaeus zu, der schon längst seinen Gruß an alle entrichtet hatte.

    "Salve Senator Annaeus!"

    Anschließend lenkte ihn der Auftritt des Seius Ravilla ab.

    "Ich darf dir unseren Klienten Galeo Seius Ravilla vorstellen: Er stammt aus einem edlen Priestergeschlecht in Cappadocia und ich hatte die Freude, im vergangenen Jahr seine Dienste als Tiro fori in Anspruch nehmen zu dürfen! Nun strebt er selbst politische Ämter an, doch später mehr dazu."

    , initiierte er zunächst Ravilla gegenüber dem Claudius.

    Seius Ravilla - wer ihn sah, vergaß ihn nicht mehr. Obwohl Menecrates viele Personen traf, wusste er sich noch genau an die erste Begegnung zu erinnern. "Salve Seius Ravilla! Meine Auskünfte über das Tribunat haben dich demnach nicht abgeschreckt, den Cursus Honorum ins Auge zu fassen?" Er lächelte, zeigte seine innere Belustigung aber nicht. Als Tribun konnte er sich Seius nicht im Mindesten vorstellen, aber es blieb abzuwarten, welche Werte der Mann vertrat und in welches Lager des Senats er sich einreihen würde, sofern er die Hürden schaffte.

  • Die Begrüssungen der beiden Flavii fielen unterschiedlich kühl aus. Von Flavius Maior war dies zu erwarten gewesen, da ich im Senat zuvor mit einer Gesetzesänderung zu Gunsten von Freigelassenen nicht gerade seine Unterstützung erlangt hatte. Auch Claudius Menecrates hatte kaum mehr Worte für mich übrig, da praktisch zeitgleich der Gastgeber eingetreten war und dieser natürlich der Mittelpunkt des Interesses darstellen sollte.


    So blieb ich dann zuerst einmal ruhig und wartete ab. Seius hatte mich ja wohl kaum einladen lassen, um jemanden zu haben, den er seinen Patroni zum Frass vorwerfen konnte. :D

  • Die Begrüßung der namhaften Gäste untereinander erfolgte auf einer vertraulichen Ebene, was Ravilla als ein gutes Zeichen zu nehmen wagte. Ein freundlicher Blick seitens des Seius in Richtung des Senators Annaeus war dazu angedacht, diesem Mut zuzusprechen, denn es war Ravilla der unterschiedliche Ton der Begrüßung nicht entgangen. Gleichwohl ging er nicht davon aus, dass womöglich unüberbrückbare Differenzen den Abend zerstören würden, denn jeder der Anwesenden war professionell geschult in Unterredungen wie der heutigen. Ravilla waren aus der Heimat sogar Fälle bekannt, da zwei Rivalen ihre Feindschaft im privaten Rahmen auf humoristisch-freundschaftlicher Basis thematisierten, was die Schärfe der Rivalität nicht minderte, sie jedoch angenehmer machte.


    Dass sein Mentor ihn dem Praefectus Urbi vorstellte und dieser ihn verbal einlud, sich zu äußern, gab Ravilla Gelegenheit, am Gespräch teilzunehmen.


    "Salve Seius Ravilla! Meine Auskünfte über das Tribunat haben dich demnach nicht abgeschreckt, den Cursus Honorum ins Auge zu fassen?"


    "Salve, Praefectus Urbi. Es freut mich, dass du es dir einrichten konntest. Herausforderungen sind nicht dazu geeignet, einen Seius zu schrecken, wie ich von jedem Mitglied meiner Gens mit Fug und Recht behaupten darf. Es gibt Dinge, die sind es wert, dass man sich für sie einsetzt und die Widrigkeiten eines steinigen Weges auf sich nimmt. In meinem Fall darf ich dankbar erwähnen, dass diese Steine mir von meinem Patron und meinem Mentor zuvorkommend gepolstert werden."


    Allein der Gedanke an das bevorstehende Tribunat war dazu geeignet, Ravillas Widerwillen zu wecken, doch die Argumente des Praefectus Urbi für diesen Abschnitt des Cursus Honorum waren ihm im Gedächtnis geblieben. Die Notwendigkeit sah er insoweit ein, was das Missfallen jedoch nur dem Verstande nach, nicht im Herzen minderte.


    "Tatsächlich strebe ich mit meiner Kandidatur zum Vigintivir das Amt des Tresvir capitalis an, weshalb mich deine Anwesenheit besonders freut."

  • Der geäußerte Kampfeswille überraschte Menecrates nicht. Allein für den Wahlkampf benötigte es ihn. Gleichzeitig hatte die Vergangenheit gezeigt, dass einige Kandidaten es mit solchem Willen geradeso zur Vereidigung oder wenig weiter schafften, bevor sie aufgaben. Es blieb abzuwarten, wie weit der Atem des Seius Ravilla reichte. Nachwuchs wurde gebraucht. Die erwähnten gepolsterten Steine ließen Menecrates allerdings grübeln. Zum einen rätselte er, welche Steine wie gepolstert wurden, und zum anderen stellte er sich die Frage nach dem warum.

    "Gepolsterte Steine verklären den Blick für die Realität. Ähnlich verhält es sich, wenn man selbst in Watte gepackt ist", gab er zu bedenken. Menecrates hegte Zweifel. Die Tatsache, dass ihm unlängst und nacheinander zwei seiner Tiro, Annaeus und Iulius, bereits im vorangestellten Lehrjahr weggebrochen waren, ließ sein Vertrauen in die Jugend sinken. Seine Devise lautet zudem, die Anwärter zu fordern und nicht zu verhätscheln.

    "Die Rechtspflege ist ohne Zweifel ein interessantes Gebiet." Er nickte. "Da gäbe es auch mehr Berührungspunkte als in anderen Bereichen." Er überlegte, ob er sich - wider seine Natur - in den Strom der Abpolsterer einreihte, entschied sich aber dagegen. "Auch auf die Gefahr hin, dass du deine Kandidatur oder zumindest die Richtung noch einmal überdeckst, aber", er suchte nach passenden Worten, "ich bin niemand, der mit Polstern arbeitet. Im Gegenteil: Ich bin dafür bekannt, dass ich Fleiß erwarte und Einsatz einfordere." Sein Blick lag prüfend auf Seius, dessen Reaktion einiges über ihn aussagen würde.


    Ob jemand aus Menecrates' Sicht einen zukünftigen Gewinn für den Senat darstellte, maß er noch an anderen Kriterien. Es konnte nicht schaden, diesbezüglich dem jungen Mann auf den Zahn zu fühlen.

    "Für den Fall, dass du Traditionen anhängst, welche wären das?" Er vermied es, sich seine Absicht anmerken zu lassen, daher musterte er Ravilla augenfällig im Hinblick auf seine Erscheinung. Ein typischer Römer sah in der Regel anders aus. Gleichzeitig garantierte römisches Aussehen keineswegs eine traditionell römische Haltung. Die Chancen standen also ausgewogen.

  • Die Rückfrage besaß freilich ihre Berechtigung, denn eine Äußerung, wie Ravilla sie hatte verlauten lassen, war zunächst nichts als eine Phrase, die alles und nichts bedeuten mochte, eine Worthülse, wie man es im Volksmund nannte. Natürlich wollte der Praefectus Urbi evaluieren, inwieweit diese eine Füllung besaß.


    "Im Wesentlichen spreche ich natürlich von einem gesunden Bewusstsein für den Mos maiorum, der letztlich nicht allein im religiösen Kontext dazu dient, den Frieden mit den Unsterblichen zu wahren, sondern auch den weniger sakralen Alltag eines jeden Römers durchdringen sollte. Eine gute Orientierung für die Pflege der Traditionen bieten die römischen Tugenden.


    Bevor ich dich mit einem allgemeingültigen Vortrag langweile über jene Dinge, die ein jeder von uns mit der Milch seiner Amme aufgenommen haben sollte, gestatte mir bitte die Rückfrage, ob du auf etwas Bestimmtes abzielst, das in diesem Zusammenhang von Interesse für dich ist?"

  • Das Gespräch entwickelte sich in eine Richtung, welche mich aufmerksam werden liess. Mos Maiorum und Traditionen, das waren Themen, mit welchen ich mich täglich beschäftigte und die mir ebenfalls wichtig waren. Gespannt wartete ich daher, ob Senator Menecrates in dieser Gesellschaft etwas von sich preisgeben würde, das mir in meiner Arbeit im Senat vielleicht nützlich sein könnte.

  • Wie es Seius Ravilla selbst formulierte, wirkte sein Vortrag allgemeingültig, allerdings wollte Menecrates herausfinden, was der zukünftige Magistrat an Traditionen selbst lebte und nicht, was den Alltag eines jeden Römers durchdringen sollte. Er hob daher abwehrend die Hände, als Ravilla beabsichtigte, seine Ausführungen aus Sorge zu beenden, Claudius könnte sich langweilen.

    "Nein, nein! Du langweilst mich nicht. Es gibt kaum spannendere Vorhaben, als die Ansichten eines Römers herauszufinden. Wobei ich bevorzugt die Personen an ihrem Handeln und weniger an den Worten messe. Gleichzeitig sind nur persönlichen Einstellungen aussagekräftig und nicht das Zitieren allgemeingültiger Werte."

    Sein Veto kam zu spät. Ravillas Ausführungen fanden mit der an Menecrates gestellten Frage unweigerlich ein Ende. Immerhin konnte der Claudier nun vorführen, in welchem Maße bedeckt er sich hielt, sodass Ravilla feststellen konnte, ob er Erkenntnisse über Menecrates aus der Unterhaltung zog.

    "Du hast vorhin von einem gesunden Bewusstsein gesprochen. Meine Erfahrung besagt, dass sich die Mehrzahl der Senatoren für gesund im Hinblick auf ihr Bewusstsein für die Traditionen hält. Schaut allerdings jemand, für den Traditionen nicht nur Begriffe, sondern Inhalte sind, genauer hin, sind etliche Gebrechen statt Gesundheit zu erkennen. Vor Jahren lief über die Hälfte aller Senatoren mit mehr oder minder starken Gebrechen herum, sodass sie sich nicht dazu in der Lage sahen, unsere Traditionen per weiterem Gesetz zu schützen." Menecrates warf einen Blick zu Flavius Gracchus. Er wusste nicht einzuschätzen, warum der Consular, der als besonders traditionell galt, damals nicht bereit war, jenes Gesetz zu unterstützen.


    "Selbstverständlich ziele ich auf etwas Bestimmtes ab", erwiderte Menecrates schmunzelnd, ohne sich im Detail darüber auszulassen. Er ging es langsam an. "Im ersten aller Schritte zielte meine Frage darauf ab zu erfahren, welches Lager du einmal verstärken wirst, sollte du den Senat eines Tages bereichern. Wir haben ein Lager der Meinungslosen, es gibt die Gruppe der Traditionellen, die sich trauen, zu ihren Ansichten zu stehen, und dann wäre noch das Lager der Veränderer."

    Wieder wanderte Menecrates' Blick und blieb dieses Mal bei Senator Annaeus stehen. Er schätzte ihn ähnlich traditionell wie Flavius Gracchus ein, wusste aber noch nicht einzuschätzen, ob Florus über mehr Entschlusskraft als Gracchus verfügte, um öffentlich zu seiner Haltung zu stehen. Menecrates zwinkerte Annaeus zu, damit dieser keine falschen Schlüsse aus dem Blickkontakt unmittelbar nach der Aufzählung der Veränderer zog. Er konnte es auch als Einladung auffassen, sich am Gespräch zu beteiligen.

    Menecrates machte seit Jahrzehnten keinen Hehl aus seiner Position. Sollte sich Gracchus ebenfalls ins Gespräch einbringen, würde Menecrates dies begrüßen.

  • Die Einteilung des Senates, welche Menecrates vornahm, war spannend für mich. Bislang hatte ich den Senat eher nach dessen einflussreichsten Redner eingeteilt. Claudius Menecrates selbst, Flavius Gracchus und seinen Sohn, sowie 2 weitere Gruppierungen, die sich je nach Thema diesem oder jenem Senator anschlossen und entweder alles guthiessen, was ihr Anführer sagte, oder kategorisch ablehnten, was die anderen anboten.


    Den Senat in bloss 3 Gruppierungen zu unterteilen war neu für mich. Gespannt wartete ich auf Ravillas Antwort.


    Den Blick zu mir und auch das Zwinkern im Auge des Senators hatte ich sehr wohl wahrgenommen und nickte zur Kenntnisnahme leicht. Den richtigen Moment mich ins Gespräch einzubringen fand ich jedoch noch nicht für gekommen.

  • Der jüngere der Flavii verfolgte mit Wohlwollen, wie der Klient seines Hauses sich ins Zentrum der Aufmerksamkeit setzte und mit freundlichen Worten um die Sympathie aller Anwesenden warb. Dass der greise Menecrates mit seinem nüchtern-misstrauischen Naturell darauf ausgesprochen kritisch einstieg, war wenig erstaunlich, doch bisherig gelang es dem Seius durchaus, seine Worte adäquat zu wählen. Dass der Claudius dabei ein recht reduziertes Bild des Senates präsentierte, quittierte Minor mit einem sanften Lächeln, da jene Worte augenscheinlich waren gewählt, Ravilla aus der Reserve zu locken, und er war selbst gespannt, wie ihr Klient sich nun würde positionieren.

  • Ein etwas breiteres Lächeln als üblich zierte Ravillas Gesicht, als der Praefectus Urbi ihm den Dolch auf die Brust setzte. Tief und wissend war der Blick seiner dunklen Augen. Dass Claudius Menecrates nun vor aller Augen und Ohren von Ravilla ein klares Bekenntnis zu einem der vertretenen Lager des Senats forderte, die dieser noch gar nicht kannte, war etwas, dem der Seius nur entwaffnend gegenüberzutreten vermochte. Völlig außer Frage stand jedoch, ein klares Bekenntnis von sich zu weisen, ohne sich gleichsam als Klient der Flavii Gracchii senior et minor zu disqualifizieren.


    "Das Motto der Gens Seia lautet: Virtute et fidelitate. Tapferkeit und Treue, womit gleichsam jene zwei Tugenden definiert werden, welchen wir besondere Bedeutung beizumessen pflegen. Die Treue eines Seius gilt jenen Menschen, welche uns gleichsam ihre Unterstützung erweisen. Doch darf das Gelöbnis der Treue auch von oben nach unten hin verstanden werden. Auch unseren Untergebenen gilt unsere Loyalität. Wir werden jene, die sich unserer Fürsorge anvertrauten, nicht fallen lassen."


    Somit hoffte Ravilla zufriedenstellend geantwortet zu haben - sein Lager würde jenes der Flavii Gracchii senior et minor sein. Einen gewissen Spielraum schloss dies in seinen Augen nicht aus, denn kein derartiges Bündnis implizierte marionettengleiches Sklaventum unter freien Römern. Doch eine deutliche Opposition wollte in besonderem Maß überlegt sein und war als negativ konnotiert anzusehen.


    "Tradition und Veränderung sind nicht zwingend zwei Pole einer Skala. Manchmal sind Veränderungen erforderlich, um eine gebrochene Tradition wiederherzustellen. Manch Veränderer mag sich im Herzen als Traditionalist entpuppen."

  • Mit dem letzten Satz hatte Ravilla definitiv meine Aufmerksamkeit erregt und ermöglichte mir einen Einstieg.


    Wie soll dies möglich sein, Seius Ravilla? Wie kann ein Mann gleichzeitig die Traditionen hochhalten und diese trotzdem verändern wollen?


    Das war in der Tat eine Frage, die mich immer wieder umtrieb und mit welcher ich mich nicht leicht tat. Ich selbst dachte ja auch, ich würde die Traditionen ehren, aber dennoch wollte ich gewisse Dinge verändern.

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