Beiträge von Sextus Germanicus Sollianus

    "Aber ich bitte Dich," lächelte er und zwinkerte kurz amüsiert. Dann setzte er sich wieder und musterte sie einen Moment, ehe er sich, entgegen dem zuvor, nun seinem Essen widmete und es beendete. "Hast Du Lust mich nachher noch zum Stadttor zu begleiten? Ich abe ein Pferd draussen, welches ih abholen möchte. Vielleicht könnten wir dann noch Adressen austauschen. Schliesslich hast Du mir mal versprochen zu schreiben," meinte er danach und grinste sie sanft an. Etwas in seinen Augen sagte, dass der Wunsch nach mehr als nur dem Schreiben da war, aber er wollte im Moment nur fort von diesem vermaledeiten PU, der ihm viel zu Nahe auf der Pelle saß und ihm deshalb immer wieder den Zorn hochtrieb.

    Drill, Drill und nochmal Drill, das kann so schön gar nicht sein. Drill, Drill und noch mal Drill, muss das denn schon wieder sein, ging es ihm in einem Liedchen durch den Kopf, während er sich auf dem Exerzierplatz einfand und einreihte. Als der Optio auftauchte, und seine Befehle in die Runde donnerte, fühlte er sich einen Moment irgendwie an Nepos vielleicht erinnert. Aber das war eine andere Geschichte und so erfüllte er natürlich, schliesslich hatte er es in seiner Dienstzeit schon oft getan und manches Mal am Anfang hart lernen müssen, den Befehl aus.

    Fasziniert und amüsiert, jedoch bedacht darauf so etwas nie gegenüber einem Vorgesetzten zu zeigen, bemerkte er, dass auch der Praefectus Castrorum augenscheinlich Interesse daran hatte seine Kondition und vielleicht Waffenfähigkeit wieder zu stärken. Nun, warum sollte ein Schreibtischtriebtäter nicht auch diesen Bedürfnissen nachkommen. Aus den Augenwinkeln beobachtete er den Mann eine Weile und stellte dann mit zunehmenden Erstaunen fest, das der Centurio ein brutales Aas sein konnte. Bei aller Liebe und allem gebührenden Respekt, aber was hatt das dem Mann nun eingebracht? Angst vielleicht, ja, Zorn ganz sicher, einen Feind auf alle Fälle. Und vor Allem und jedem einen verletzten Soldaten, der eine Weile nicht einsetzbar war. Disziplin schön und gut, doch man sollte immer wissen, wo die Grenze war. Ein paar Hiebe mit dem Flagellum oder anderartige Züchtigung wären mindestens genauso hilfreich und effektiv gewesen, vielleicht sogar effektiver, als dieses. Aber er war der Centurio und er nur ein einfacher Legionarius. Was stand es ihm da zu etwas zu sagen? Nichts! Dennoch, er wusste, dass er definitiv diesen Mann anders diszipliniert hätte und danach hätte er gespurt. Nicht mit der Angst in den Augen und dem Hass auf den Mann, der ihm den Knochen gebrochen hatte, sondern mit dem Repsekt davor, was passierte, wenn man die Disziplin vergaß, mit dem Respekt davor, im Falle eines Falles tot zu sein.
    Als dann jedoch die Befehle schallten, tat er es seinen Kameraden gleich und begann zu laufen.

    Wie befohlen gingen eine Bewegung nach der Anderen von statten. Ein Befehl nach dem Anderen wurde ausgeführt, wie an einer Schnur gezogen. Schweigend, still abwartend, gespannt oder auch nur gelangweilt, standen er und die Kameraden um ihn herum und warteten auf das, was der Legat wohl zu verkünden hatte.

    Auch er hatte von der Schulung erfahren und war anwesend. Aufmerksam hörte er zu, versuchte es zumindest. Als die Frage kam, hob er seinen Arm um zu zeigen, dass er eine Antwort hatte. Er war zwar vor der CU nie im Militär gewesen, aber in der Schule in Achaia hatte man so gewisse elementare Lehren der Mathematik und diverser anderer Fächer durchgenommen. Auch wenn diese von der Grundsystematik nichts mit dem Militär zu tun haben mochten, lehrten sie einen dennoch etwas darüber, wie er soeben feststellen durfte.
    "Frühere Belagerungstürme wurden durch Treträder fortbewegt, also durch schiere Muskelkraft. In manchen Türmen werden im Unterbau Winden eingesetzt, durch die man dann die Türme mit menschlicher oder tierischer Muskelkraft auf Rädern vorwärtsbewegt. Manche haben auch außen sogenannte Schiebrammen, an die die Männer gestellt werden um die Türme vorwärts zu schieben."
    Schiebrammen war nicht das geeignete Wort, aber ihm fiel das Richtige gerade nicht mehr ein.

    ... zu Berge...
    Es war früh am Morgen, dämmerte noch nicht mal und da lag ein entscheidendes Problem. Es war eindeutig zu früh. Sollianus, aus unerfindlichen Gründen schlaflos, aus dafür um so augenscheinlicheren Gründen genervt, trat aus der Unterkunft heraus. Er war das Sinnbild eines Morgenmuffels. Wer ihn nun ansprechen würde, musste entweder mit einem knurrenden Dobermann oder einem Gletscherriesen rechnen. Wobei sogar die Kombination dessen möglich war.
    Bei dieser Art von schlafloser Morgenmuffeligkeit, half nur eins, wie eigentlich bei jeder seiner Morgenmuffeligkeiten: Laufen. So war er, trotz der Frische der noch anhaltenden Nacht, leicht bekleidet und begab sich in Richtung Exerzierplatz, wo er gedachte ein paar Aufwärmrunden zu laufen, denn die waren nötig um seine Muffeligkeit nicht noch mehr zu verstärken, angesichts dessen, dass sich gerade die Alpen auf seinem Körper zu bilden schienen vor Gänsehaut.

    Er beobachtete sie eine lange Weile und dann ließ er von ihrer Hand ab, nahm ihr aber den Krug zuvor ab. "Ich kümmere mich schon drum," meinte er und erhob sich. Doch schon 4 Schritte später überreichte er den Krug einer Bedienung mit der Bitte ihn aufzufüllen und kam flux wieder an den Tisch zurück. Ob ihr die Zeit gereicht hatte?

    Nach der Prüfung durch den Optio, der ihn immer noch köstlich amüsierte, obwohl er selber noch immer eine bierernste Miene aufgesetzt hatte, begab er sich zur Latrine um dem Völlegefühl der Blase nachzugeben. Dabei, als er sah, dass er nun doch alleine für einen Augenblick war, gönnte er sich endlich das Grinsen, was er sich so lange verkniffen hatte. Bald schon jedoch schweiften seine Gedanken ganz woanders hin und seine Laune wurde wieder etwas düsterer. Jedoch, nachdem der Druck erheblich gewichen war und er noch eine Weile eine Fliege beobachtet hatte, hakte er für den heutigen Tag dieses Thema ab und begab sich erst einmal dahin, wo der Dienstplan es für ihn vorgesehen hatte. Wo immer das auch sein würde. Denn er ging mal nicht davon aus, dass die Legio unter Müßiggang litt, auch wenn sie bei der CU dieses Ruf weg hatte.

    Still stand er da und ließ die Musterung regungslos über sich ergehenn. Seine Augen blickten stur gerade aus, sein Gesicht war regungslos und er wartete geduldig. Zur Not hätte er es wohl auch den ganzen Tag so ausgehalten, allerdings spürte er in diesem Augenblick das untrügliche Ziehen in der Blasengegend, weshalb er nicht unglücklich darüber war, dass der Optio mit der Musterung und auch mit dem Rest des Programmes zu Potte kam. Als er die Worte hörte, schwieg er auch hier, bis auf ein: "Jawohl, Optio!" Danach trat er weg, nicht ohne sich, wie bei den Cohortes gelernt um die genutzte Ausrüstung zu kümmern und verschwand gemächlich dorthin, wo selbst der Kaiser wohl zu Fuß hinging.

    Hach wie hatte er sie doch "vermisst"! Und das an einem so frühen Morgen, wo er gerade mal wieder in seiner Phase Morgenmuffeligkeit war. Aber er riss sich zusammen, überprüfte seine Uniform und eilte zum Platz um sich einzureihen. Dort überprüfte er noch einmal den sitz, polierte mit dem Ärmel noch einmal über eine der Platten, wo ein kleiner Fleck zu sein schien und rückte den Helm zurecht. Auch zog er noch einmal alles in die richtige Ordnung, sah an sich runter, nickte und stand dann stramm. So wie es aussah, war soweit alles in Ordnung bei ihm, auch wenn natürlich die Sichtweise der Optiones und Centuriones da manchmal noch etwas anders war. Bei den CUlern hatte auch irgendwer immer noch irgendwo einen Staubkorn entdeckt, wo eigentlich keiner mehr war, aber wieso sollte es hier anders sein.
    Geduldig also wartete er darauf, dass er einen der gefürchteten Kontrollblicke abbekam.

    "Danke Optio," sagte er möglichst neutral und ohne Stolz in der Stimme zu zeigen. Es sollte einfach nur ein simples Danke sein. Er selber war mit seinen Würfen gar nicht zufrieden, vor Allem mit dem Letzten nicht, aber wenn der Optio das so sah, dann sollte es ihm letztlich nicht unrecht sein. Nun gut, was die Übungen betraf, da würde er wohl nie gänzlich rauskommen, so wie es aussah. Also nahm er diese Auskunft so hin, wie sie war. "Ja, Optio, reiten kann ich. Ich bin weitesgehend auf dem Gestüt meines Vetters in Mogontiacum aufgewachsen, da gab es genügend Gelegenheiten dazu. Schwimmen zumindest in soweit, dass ich nicht wie ein nasser Sack untergehe, Optio, allerdings wäre das Wort gut eine maßlose Übertreibung!" Er sah dabei meistens eher aus wie ein Hund, der paddelt. Er liebte zwar das Wasser der Thermen und er ging auch gerne in Germanien mal in den Fluß zum Baden, aber irgendwie war er nie wirklich in die tiefen anspruchsvollen Bereiche gelangt. Übungsmarsch? Er nahm nicht an, dass damit die Patrouillen und der Kram gemeint war und meinte dann nachdenklich. "Einmal Ostia und zurück, Optio. Jedoch auch wenn es in voller Montur war mit Ausrüstung, wird es vermutlich nicht mit den Übungsmärschen der Legio vergleichbar sein. Ansonsten nur Patrouillen, Optio!"
    Dann hörte er die nächsten Worte und irgendwie bekam er das Gefühl grinsen zu müssen, aber er verkniff es sich ganz extrem und biss sich innerlich auf die Zunge. Der Mann schien nicht wirklich kritikgähig und auch recht anfällig zu sein, aber gut, er war der vorgesetzte Offizier und wenn er es so wollte, dann sollte er es so haben. "Jawohl Optio! Verstanden, Optio!" antwortete er entsprechend zackig und grinste dennoch innerlich, was einem aber nicht auffallen konnte, wenn man ihn nicht kannte.

    Er fand das allerdings nicht, das dem so war und erlaubte sich zu sprechen: "Bitte um Erlaubnis dem Optio zeigen zu dürfen, dass dies im Rahmen eines Gefechtes, oder eben eines Mann gegen Mann- Kampfes nicht der Fall ist." Er hatte bei der CU vielleicht zwei oder drei Mal gegen so einen Holzstamm kämpfen müssen, sonst hatten die Ausbilder immer Wert auf das richtige Gegeneinander gelegt, ungeachtet der Verletzungsgefahr. "Dieser Gegner," er deutete auf den Pfahl, "ist durchaus vorhersehbar und wenig verteidigungsfähig, weshalb de Einschätzung vielleicht verfälscht wird, Optio."
    Als er das Thema Pilumwerfen aufwarf, nickte er, wenn auch innerlich seufzend. Ihm war die Hasta lieber. "Ja Optio, sowohl als auch, jedoch ist im aktiven Dienst des Urbaners das Hasta der tägliche Begleiter." Das Pilumwerfen war ihm, trotz oder gerade wegen mehrmaligem Training die Woche leicht verhasst. Er traf zwar, mittlerweile auch nicht mehr seine Kameraden neben sich, aber er war eben nicht so treffsicher, wie er es gerne wollte und schaffte es nicht sich selber zufrieden zu stellen, auch wenn es wohl bisher ausreichend immer war.
    Als die Pila kamen, sah er sie einen Moment genervt an und nickte dann. "Jawohl, Optio," meinte er und nahm sich zunächst das schwerste derer, tarierte es kurz aus, stellte sich in Position, visierte ein entsprechendes Ziel in etwa 100 Fuß* Entfernung an, welches auch als Solches erkennbar war. Sein linker Fuß stand vorne, der rechte etas zurück, so dass er beim Ausholen entsprechend das Gewicht darauf verlagern konnte und taxierte es noch einmal einen halben Herzschlag lang, ehe er ausholte und warf. Das Pilum landete recht nah, jedoch nicht ganz genau, das Ziel traf. Immerhin war es nicht mehr wie am Anfang dass er von einem Elefanten den Rüssel nur getroffen hätte, wenn überhaupt, sondern dass man sich mittlerweile schon einen Menschen, der irgendwo getroffen worden war, vorstellen konnte. Jedoch gelang ihm immer noch selten den Oberkörper oder Hals zu treffen. Angesichts der Tatsache, dass sich diese Waffe aber nicht einfach so aus dem Körper ziehen ließ ohne größere Verletzungen zu verursachen, war das aber in wohl den meisten Fällen nicht so tragisch.
    Nach einem kurzen Seitenblick zum Optio nahm er das nächste Pilum und traf schon besser, wenn auch wohl hier eher der Schritt der Empfänger der Spitze geworden wäre, was ihm bei der Vorstellung einen leicht schmerzhaften Zug um die Mundwinkel verursachte. Das dritte Pilum war für seine Verhältnisse zu leicht und er versuchte zwar das entsprechend zu tarieren, aber das Pilum flog dennoch etwas zu weit.


    Sim-Off:

    * 1 Fuß = 29,7 cm

    Sim-Off:

    Entschuldige fürs lange Warten, aber momentan totaler RL-Stress


    Die Erklärungen nahm er so hin, wie sie waren. Es konnte letztlich ja wohl nicht schaden und so musste er sich da auch nicht weiter Gedanken drum machen und würde einfach warten, was passieren würde. Testudos hatten sie wirklich nicht unbedingt gemacht, einmal oder zweimal, denn schliesslich war ja nicht nur der Dienst in Rom selber ihre Aufgabe gewesen, sondern sie waren ja auch dafür verantwortlich, dass Rom als letztes Bollwerk durch sie geschützt werden würde.
    Wenn es von ihm her gewesen wäre, dann hätte er schon länger loegelegt. Dummerweise waren die Ausbilder bei der CU dann immer ausgerastet, wenn man in der Ausbildung mal den Kopf benutzte und so hatte er gelernt zu warten. Nachher, auf den Straßen wurds da schon viel erträglicher. Da das Gladius für ihn, trotz des mistigen Scutums, eine leichte Übung war, legte er in schnellen, geschickten Schlägen los. Drosch hart aber gezielt auf den Pfahl ein und hielt dabei seine Deckung geschickt oben. Selbst der PU hatte damals Schwierigkeiten gehabt gegen ihn zu bestehen und ein wenig bedauerte er in diesen Tagen, dass es kein Kampf mit echten Waffen gewesen war, denn er hätte ihm gerne das Fell gegerbt. Und die Gedanken an diesen Mann führten dazu, dass die Schläge noch präsziser und härter landeten, er aber wie in einem echten Kampf dabei die Deckung nicht venachlässigen ließ und davon ausging, dass der Pfahl ein sich bewegender Gegner war, dem er auch ausweichen musste.

    "Danke," erwiederte er sanft und lächelte einmal mehr. Auch sein Blick war wieder auf sie gerichtet und dann lag plötzlich seine rechte Hand sanft auf ihrer Hand. "Was ist denn," fragte er leise und beinahe zärtlich. "Habe ich Dich damit so sehr erschreckt? Wenn ja, dann tut es mir leid, aber ich musste einfach dem zauberhaftesten Wesen in diesem Raum zeigen, wie wundervoll ich sie finde." Er drückte leicht ihre Hand und lächelte sie immer noch an, charmant, sanft und auch irgendwie auf eine Art und Weise, die ein sehr geübter Kenner dieses Mannes als raubtierhaft erkannt hätte. Aber wer ihn nicht kannte, der nahm alles so hin, wie es schien.

    Er lächelte wieder und dann löste er für einen Moment seinen Blick von ihr und sah sich kurz um. Sie saßen in der Ecke eigentlich unbeobachtet und strategisch sehr günstig. So richtete er seinen Blick wieder auf sie, lächelte sie an und schob seinen Stuhl zurück. Dann stand er auf, kam neben sie, beugte sich zu ihr herab und gab ihr einen leichten, kaum spürbaren Kuss auf ihre Lippen, zwinkerte ihr wieder zu, ging zu seinem Platz zurück, setzte sich, sah sie einmal mehr an und sagte sanft: "Guten Appetit!"

    Er beobachtete sie und es machte ihm Spaß. Vielleicht machte er sich sogar einen Spaß daraus. Als sie ihm ihre zweite Hand entzog, zog er seine auch leicht zurück und nahm sich des Essens an, aber auf eine Art und Weise, dass er sie nie aus den Augen ließ. Es amüsierte ihn, dass sie scheinbar verlegen war, aber er sagte nichts und tat nichts, ausser sie die ganze Zeit zu beobachten, auch als er zu Essen begann. Erst als sie ein Viertel des Essens hinter sich gebracht hatte, sagte er sanft: "Was ist los?"

    Es freute ihn, dass sie ihm nur eine Hand entzog. Er war sich nicht ganz sicher, was er letztlich wirklich mittlerweile von ihr wollte. Am Anfang war es einfach die Herausforderung ihrer Schönheit wegen gewesen. Nein, sie war nicht das Sinnbild von Schönheit, aber sie hatte eine ganz besondere Ausstrahlung, die ihn angezogen hatte. Und diese hatte sie auch heute noch, vielleicht sogar noch stärker. Es war angenehm mit ihr zusammen zu sein, gar keine Frage. Aber es war auch sehr herausfordernd, denn sie war, ja, eigenartig, geheimnisvoll. Und gerade das Geheimnisvolle war es, was ihn so reizte. Nein, er wollte die Geheimnisse nicht unbedingt ergründen, zumindest nicht zu detailliert, aber er wollte sie nutzen. Geheimnisvolle Menschen waren immer noch die Interessantesten und anregendsten.
    Die nun leere Hand nahm er ebenfalls um sie um seinen Becher zu legen und diesen anzuheben. Dabei ließ er sie dennoch nie aus den Augen und hob ihn letztlich an. "Zum Wohl," antwortete er und führte ihn langsam zu seinen Lippen um einen kleinen Schluck zu nehmen. Er war fast ein bisschen wie eine Schlange, die ihr Opfer mit ihrem Blick zu hypnotisieren suchte und auch wenn er dies nicht unbedingt bewusst tat, sollten seine Augen letztlich wohl genau diesen Zweck erfüllen.

    Machte man das in der Legio in anderen Übungen? fragte er sich und sah den Optio einen Moment irritiert an, ehe er sagte: "Verzeih, Optio, das ist so nicht ganz korrekt. Das Formationstraining fand im Rahmen der Formalübungen statt. Princeps Prior Decimus Nepos legte da sogar besonderen Wert drauf, da er stets betonte, dass die Cohortes Urbanes schon durch ihr Auftreten klar machen müssen, wer der Herr ist." Er erinnerte sich nicht mehr an den genauen Wortlaut, aber zumindest erinnerte er sich noch zu gut an das über den Platz gescheuche in den unmöglichsten Formationen, Anordnungen und viel schlimmer den kompliziertesten Anweisungen wo sie jetzt hinzugehen hatten und wie. Er hatte sich manchmal scheinbar förmlich einen Spaß daraus gemacht junge Probati mit dutzenden schnell gerasselten Anweisungen zu verwirren und über die eigenen Füße stolpern zu lassen.
    Andererseits, vielleicht meinte der Optio hier auch ein anderes Formationstraining. Man wusste ja nie, was die Legiones da so noch Alles machten, hatten sie ihrerseits bei den Stadteinheiten nicht so den besten Ruf.
    Als er auf die Waffen deutete nickte er. Selbstverständlich wusste er etwas damit anzufangen und so nahm er eines der Scuta, nach einem schnellen, abschätzenden Blick eines, was entsprechend nutzbar war und testete drei Gladi, ehe er sich für eines entschied. Das Alles dauerte nur wenige Augenblicke und obwohl er das Scutum immer noch hasste wie die Pest, war und blieb er doch der flexible Faustkämpfer und war auch mit dem Gladius ohne Scutum um viele Längen besser, ging er damit routiniert um. Und immerhin war ihm in der Probatiprüfung ein kleines Kunststück damit gelungen Nepos zu "töten". Gut, dieser hatte ihn in genau dem selben Augenblick erwischt, aber er war weiter gekommen als Sedi und Minor, was ihn schon mit etwas stolz erfüllt hatte und er hatte ja nicht geschlafen danach, sondern immer weiter trainiert. Aber das Scutum wollte und wollte ihm nicht zum Freund werden, auch nicht bei den Patrouillen und Wachen durch Rom. Und wer einmal mit Scutum im Arm hinter einem Verbrecher in Rom zu rennen versuchte, konnte seine Abneigung wahrscheinlich gut verstehen. So aber folgte er dem Optio zu dem Holzpfahl und wartete auf weitere Anweisungen, auch wenn er schon jetzt wusste, was wahrscheinlich kommen würde.

    Er lächelte etwas stärker und meinte dann sanft: "Das wäre schön, denke ich." Er zwinkerte leicht um ihr damit deutlich zu machen, dass es das durchaus wäre. Als sie dann aber so auf das Trinken zu sprechen kam, löste er seinen Griff noch etwas und gab ihr die Gelegenheit sich gänzlich daraus zurück zu ziehen. Aber er wollte die Verbindung nicht als erster lösen. "Sicher, nur zu," lächelte er.

    Er nickte und lächelte. "Ich verstehe," meinte er und sah sie weiter nur an. Was er letztlich damit bezweckte konnte er selbst nicht mit absoluter Gewissheit sagen, aber zumindest wollte er sie damit für sich gewinnen auf eine gewissen Art und Weise. Als nun der Wein gebracht wurde, ließ er ihre Hände immer noch nicht los, hielt sie sachte in den Seinen und nickte nur der Bedienung dankend zu, die meinte, dass das Essen bald folgen würde. "Vielleicht führt Dich eine dieser Tätigkeiten ja mal nach Mantua," stellte er fast beiläufig fest.