Beiträge von Apollonius von Samothrake


    Man stelle sich ein Vorhang vor, Spottlights auf rotem Samt. Trommelwirbel, ein flüsterndes und raunendes Publikum, der Vorhang teilt sich einen Moment lang und ein alter Mann in einem langen Chiton tritt hervor. *räusper* "Hallo? Test, Test!" Er klopft gegen das Mikrophon. "Khaire. Heute, lieber Römer und Peregrini, feiern wir einen ganz besonderen Geburtstag. Vor vielen Jahren bin ich der jungen Frau das erste Mal begegnet und ich muss sagen, sie hat mein Bild über Frauen völlig verändert..." *hüstel* "Darum kann ich es mir nicht nehmen, persönlich zu kommen, um ihr an diesem Tag zu gratulieren!"


    Trommelwirbel!
    Fanfarenstoß!
    "Alles Gute zum Geburtstag, Decima Valeria!"
    Der alte Medicus verbeugt sich und hastet (Puplikumsscheu) wieder hinter die Bühne.



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    HAPPY BIRTHDAY, VAL!



    Apollonius zieht sich für einige Zeit nach Capri zurück. In der Zeit wird er weder erreichbar sein, noch anspielbar [Briefe können jedoch dort hin geschickt werden. Sie könnten sogar noch beantwortet werden!]. Drum verabschiede ich mich ins Exil bis ich wieder von dem idyllischen Stückchen Erde ins Spiel zurück kehre :)


    Capri, die immergrüne Insel von dem sanften blauen Mittelmeer umgeben. Ein idyllische Insel mit vielen hundert Tierarten und den verschiedensten Pflanzen. Das milde und angenehme Mittelmeerklima im Süden Italias versprachen jedem Kranken dort Genesung. So hatte sich Apollonius auf der wunderschönen Insel ein Stück Land gekauft. Hier hatte er ein kleines Domus bauen lassen als er die Villen in Misenum errichtete. Eines Tages hatte der ältliche Medicus hier seine letzten Lebensjahre verbringen wollen. Eigentlich hatte er noch geglaubt, dass es einige Zeit noch dauern würde. Doch die Krankheit traf ihn mitten in Germania und so musste er, um nicht dahingerafft zu werden, wenigstens eine Zeitlang eine Pause von der Welt nehmen. Es war im Herbst als er endlich dort ankam. Die schwerste Krise hatte er schon längst überwunden und so stand er auf dem Boot, was zu der kleinen Insel- von Misenum aus- ruderte. Das Boot stieß auf das sandige Ufer und Apollonius betrat mit einem tiefen Seufzer die Insel. Eine kleine Schar von Männern folgten ihm und griffen nach den Kisten, die der Medicus mitgebracht hatte.


    Apollonius ging voran und einen schmalen Pfad hinauf. Immer wieder blieb er stehen und holte tief Luft dabei. Sein Herz schmerzte bei solchen Anstrengungen immer noch und er bekam schnell Atemnot. Seine Sklaven warteten unruhig hinter ihm, nur Marcus trat näher und stützte den Medicus dann, um ihm bei dem schweren Aufstieg zu helfen. Apollonius lächelte ihn ehrlich dankbar zu und ging dann langsam weiter. Oben auf den Klippen angekommen sah Apollonius es dann schon. Das neu errichtete Haus, das Haus der Masken, stand direkt auf den Klippen und mit dem Blick über die glitzernde Fläche und der Südwestseite. Schon vom Pfad aus konnte man die schöne große Terrasse und die farbigen und fantasiereich bemalten Wände erkennen. Auch die Anpflanzungen, die noch etwas wachsen mussten, würde das Äußere zu einem idyllischen Flecken auf der Insel Capri machen. Apollonius blieb für einen Moment stehen und sah sich das Haus an. Zufrieden nickte er und brachte auch noch das letzte Stück hinter sich.


    Über einen schmalen Kiesweg trat er auf den Eingang zu und betrat das griechisch gebaute Haus. Ein wohlwollendes Lächeln erschien auf seinem Gesicht als er die schönen Mosaike und die hellen Räume betrachtete. Langsam durchwanderte er die noch recht leeren Räumlichkeiten und ging dann auf die Terrasse zu. Rotweiße Steinfließen bildeten hier rautenförmige Muster und in der Mitte war das Bild von einer roten Sonne. Apollonius ging darüber hinweg und blieb am Rande und vor der kleinen, weißgetünchten Mauer stehen. Sein Blick schweifte über das Meer und man konnte von dort sogar den Vesuv erkennen. Zufrieden blieb Apollonius stehen. Sein junger Sklave Marcus trat an seine Seite. „Dann bleiben wir hier?“ Apollonius nickte und legte dem jungen Mann eine Hand auf die Schulter. „Ja, das tun wir! Hier wird erst mal unsere Heimat sein, die nächsten Jahre.“


    Und so wenden wir uns von Apollonius und seinen Sklaven ab. In den nächsten Wochen und Monaten sollte Apollonius sich hier einrichten, genesen und zufrieden leben. Mit der Außenwelt würde er nur über Briefe und Nachrichten des kleinen Leuchtturmes auf den oberen Klippen Kontakt aufnehmen.




    Sim-Off:

    Hier ist erst mal nur eine Postadresse. Bitte spielt nicht hier in dem Thread und versucht auch nicht persönlich Apollonius zu erreichen. Denn da ich auf Exil sein werde, kann ich frühestens in ein paar Monaten darauf antworten. Aber Apollonius wird trotzdem von hier seine Briefe verfassen und erhalten können bis er wieder ins Spiel zurückkehrt.

    Keiner da? Erleichtert atmete Marcus auf. Den Göttern sei Dank! Dass er wirklich nur sehr zaghaft geklopft hatte, verdrängte der junge Mann sofort wieder. Stattdessen griff er in die kleine Linnentasche und zog das Papyrus hervor, was Apollonius mit mühsamen Bewegungen geschrieben hatte. Suchend sah er sich um und ging einige Schritte bis er einen Regiasklaven des Legaten entdecken konnte. „Salve, kannst Du das bitte dem Legaten bringen. Mein Herr ist sehr krank und kann nicht persönlich kommen. Er würde das gerne, aber es könnte ihn vielleicht noch mal so schlechte ergehen lassen wie vor einigen Tagen oder gar umbringen.“ Apollonius reichte den Brief an den Sklaven und machte sich davon.





    Salve werter Patron,


    es betrübt mich sehr, was ich Euch leider schreiben muss. Aber die Götter scheinen meine Tage zu zählen und langsam, aber sicher tritt das in Kraft, wovon wir vor einiger Zeit in Deinem Officium sprachen. Ich bezweifele, dass ich in nächster Zeit, aufgrund meines Leidens wirklich eine große Hilfe sein kann. Als Medicus bin ich auch zu der Entscheidung gekommen, dass ich für eine Weile dem kalten Klima von Germania entfliehen sollte. Darum werde ich mich auf die schon erwähnte Residenz zurückziehen, bis die Götter mich zu sich holen oder ich wieder genesen bin, um meine Arbeit erneut aufzunehmen. Mein Ziel wird die Insel Capri in Italia sein. Sobald ich die Insel erreicht habe, werde ich Euch einen Brief zukommen lassen. Ich hoffe, Ihr versteht meine Gründe und tragt es mir nicht nach. Mögen die Götter Euch und Eure Familie schützen, werter Patron.


    In Ehrerbietung und höchstem Respekt verbleibe ich
    Apollonius von Samothrake



    Tage vergingen, Apollonius war nicht in der Lage sich viel zu bewegen oder gar Reisepläne zu machen. Doch schnell hatte es sich unter seinen Sklaven herumgesprochen, dass Apollonius baldig nach Italia aufbrechen würde. Sein Ziel war die kleine Insel Capri, wo früher die Kaiser residierten, die jetzt jedoch von diesen nicht mehr beachtet wurde. Alle wichtigen Sachen wurden von Apollonius eingepackt und für die Reise bereit gemacht. Apollonius bekam nicht viel davon mit, außer mal ein Fluchen aus dem Nebenzimmer oder wenn wieder mal etwas von seinen Sachen heraus getragen wurde. Das Wetter der Tage setzte dem Medicus noch zusätzlich zu. Die Kälte und die feuchte Luft nagten an seiner Konstitution und so hatte er ständig eine graue Gesichtsfarbe, trotz Diät und Ruhe. Eine Woche nach seinem Herzanfall war es dann schließlich soweit. Alles wurde aus der Regia heraus getragen und sein Sklave Brutus spannte den Wagen mit den Maultieren ein. Zwei Sklaven kamen herein und trugen Apollonius mit seinem Korbstuhl nach draußen und auf den Wagen hinauf. Ein Sklave legte noch ein Papyrus auf den leeren Tisch, worauf stand:




    Dann war alles in dem Zimmer wieder ruhig und nur eine einzelne Biene surrte immer wieder gegen das Fenster. Das einzige Geschöpf aus Apollonius Sammlung, die ausgebrochen und somit von den Männer vergessen war.

    „So, keine Beschwerden vorher? Halsschmerzen? Hmh!“ Apollonius hatte die Untersuchung kurz unterbrochen, während Deandra sprach und sah sie dabei aufmerksam an. Er hatte durch viele Jahre durchaus gelernt auch kleinere Reaktionen im Gesicht bei Patienten zu deuten. Zwar war er trotzdem nicht gerade ein guter Menschenkenner, aber was die Schlichen seiner Patienten waren, erkannte er mittlerweile. Apollonius nickte und beugte sich nach vorne. „Mund öffnen bitte!“ Apollonius beugte sich vor und griff sanft an Deandras Kinn. Sehr vorsichtig bewegte er ihren Kopf ein klein wenig nach links und zu der nächsten Lichtquelle. „Hmh...aha...hmm...ah!“ Ominöse Geräusche gab der ältliche Medicus von sich. Schließlich nickte er langsam und zog die Decke vorsichtig wieder über Deandra. Er setzte sich zurück und sah zu Iulius. „Wenn Du am Hals tastet, spürst Du die Verdickung schon am Hals. Ein Blick in den Hals bestätigt es jedoch. Die weichen Anteile im Gaumen sind rot geschwollen und mit Blut und Schleim gefüllt. Das sind jedoch nur die Zeichen einer weitgreifenden Dyskrasie der Säfte, der wir Herr werden müssen. Wir müssen die Hitze und die üblen Säfte aus dem Hals der Patientin ziehen, was zur Besserung und Genesung führt. Eigentlich ist bei einer solchen Krankheit schon lange vorher eine andere Krankheit vorrausgegangen, aber jeder Patient ist anders, das wirst Du noch lernen. Nicht immer folgt der Körper einem festgefügten Schema!“


    Apollonius wandte sich wieder Deandra zu und schüttelte mit einem, für ihn, recht milden Ausdruck den Kopf. „Es tut mir leid, werte Dame. Aber eine Reise nach Italia wird Dir heute nicht mehr möglich sein. Du musst bestimmt die nächsten zwei Wochen noch das Bett hüten ehe an eine längere Reise nach Italia zu denken ist. Das feuchtkalte Wetter zurzeit könnte Dich noch kränker machen und Dein Fieber so schlimm, dass Du dem erliegen könntest. Jetzt jedoch ist Deine Heilung, in Anbetracht Deiner Jugend, leicht möglich.“ Apollonius wandte sich wieder an Iulius. „Was ist nun zu tun? Ich sage Dir das auch, falls ich in den nächsten Tagen verhindert sein werde. Zum einen muss das Fieber aus dem Kopf gezogen werden. Zuviel warmes Blut ist schlecht für den kalten Schleim im Gehirn. Wenn die Ventrikel diesen nicht genug bilden können, dann ist die Gesundung gefährdet. Wadenwickel helfen gut dagegen. Für die Hitze im Hals sind andere Mittel notwendig. Ein Sud aus Salbei, Weide und Honig mit etwas Pfeffer zerstampft sollte regelmäßig im Hals gegurgelt werden. Dazu sollte eine Natter mit einer purpurnen Leinenschnur erdrosselt werden. Diese wird dann während der Krankenphase um den Hals der Patientin gelegt, bis eine Besserung eintritt. Gegen die Schmerzen und Kopfleiden ist ein Tee aus Weidenrinde oder auch dem verblühten Dolden des wilden Mohnes, Schlafmohn genannt, zu empfehlen. Doch in begrenzten Maße und der Verfassung des Patienten gemäß. Nicht mehr als einen Viertel Drachmen an einem Tag.“


    Wieder wandte sich Apollonius Deandra zu und nickte ihr zuversichtlich zu. Aus seiner Tasche holte er alles Notwendige und fing an die Therapie, die er kurz zuvor vorgeschlagen hatte, auch anzuwenden. Wadenwickel, den Kräutersud mit dem er Deandra gurgeln ließ und anschließend den Schlafmohnsud, damit die Schmerzen besser wurden und Deandra schlafen konnte. Apollonius nickte ihr freundlich zu. „Schlaft jetzt, junge Dame. Ruht Euch aus und dann werden die Kräfte der Natur und der Götter Euch schnell wieder auf die Beine bringen. Ich werde in den nächsten Tagen immer mal wieder nach Euch sehen. Auch mein Kollege hier!“ Apollonius nickte Reaticus noch mal zu und verabschiedete sich, nachdem er wieder alles zusammen gepackt hat, mit einem Nicken von Deandra. „Vale, junge Dame!“ Dann wandte sich Apollonius um und schritt nach draußen. Dort nickte er auch noch mal Meridius zu. „Kein Grund zur Sorge, werter Patron. Doch es wäre wichtig, dass die junge Dame sich in den nächsten Tagen absolut schont und sich nicht aufregt. Ansonsten ist sie jung genug, um die Krankheit zu überwinden, wenn sie auch eine Frau ist. Meine Arbeit ist nun erst mal getan. Vale!“ Apollonius wandte sich um und verschwand wieder im Gang.

    Einerseits erleichterte Apollonius die Entscheidung seiner Patientin, auf der anderen Seite war ihm mindestens genauso unbehaglich. Apollonius war es nun mal gewöhnt Männer zu behandeln. Als er sich leicht umwandte bemerkte er erst den Iulianer in seinem Rücken. Sonst waren alle aus dem Raum verschwunden. Apollonius musterte ihn und übte sich wieder in der Kunst der Logik. Also, er hatte dessen Name vergessen? Aber er war sein Schüler. Dann muss es in Hispania gewesen sein. Waren da nicht zwei aus der Legion gewesen? Apollonius winkte ihn näher zu treten. Wenn der junge Mann schon hier war, konnte er ihm gleich noch etwas erzählen. Zuerst nickte Apollonius jedoch Deandra freundlich zu. Dabei verwunderte ihn die Tatsache, dass so eine doch erwachsene junge Frau sich nicht alleine ausziehen konnte. Aber der gute Apollonius war ja auch nicht mit den Tücken der römischen Damenmode vertraut.


    Es musste ein Geistesblitz der Musen gewesen sein, doch Apollonius war dem sehr dankbar. Ein Iulier! Natürlich. Zwei Iulier, eine Decima (Valeria) und ein Matinier. Apollonius lächelte vage. „Iulius, wie ich schon im Cursus erläutert habe, gibt es eine bestimmte Rangehensweise für die Erstellung der Prognose. Beginnen wir mit der Beobachtung und Befragung des Patienten. Doch vorweg gesagt, möchte ich Euch noch etwas Theorie mitgeben, die ich im Cursus, mangelnder Zeit wegen, nicht erwähnt habe. Frau und Mann sind sehr unterschiedlich!“ Apollonius nickte bekräftigend bei dieser angeblichen Binsenweisheit. „Das erscheint schon auf den ersten Blick offensichtlich. Aber es ist tiefgründiger als meine Aussage im ersten Moment erscheint. Die für uns sehr wichtigen Unterschiede liegen nämlich in der Säfteverteilung. Frauen haben ein anderes natürliches und harmonisches Mischungsverhältnis als Männer. Frauen sind mehr kalt und feucht und Männer mehr warm und trocken. In der Untersuchung und der anschließenden Prognose ist das von entscheidender Bedeutung. Denn wenn die Frau eher das Kalte bevorzugt, hat die Hitzewallung, das Fieber, eine völlig andere Ursache und Bedeutung. Ebenso die Errechnung der Krisen verändert sich hieraus, wenn natürlich auch die Grundzahlen des Hippokrates davon nicht betroffen sind.“


    Apollonius beugte sich zu Deandra vor. Erneut tastete er vorsichtig über ihre Stirn. „Prima, die Inspektion. Was beobachten wir, Iulius? Ihre Haut ist von Wärme durchzogen. Die Hitze und das Pneuma des Blutes erreicht ihre Oberfläche. Was heißt das? Es wird vermehrt Blut gebildet, heißes und wallendes Blut, was die Peripherie erreicht und dort versickert. Zuviel Blut verursacht gerne ein kontinuierliches Fieber. Doch sind vielleicht auch noch die anderen Säfte betroffen? Wie steht es mit der Testes oder der Milz? Spielt die schwarze Galle hier noch eine Rolle? Das Quartanafieber? Es ist Herbst, man könnte das natürlich annehmen. Oder die gelbe Galle und das Tertianfieber? Weniger wahrscheinlich, aber mit der Palpation ist dies auch zu überprüfen, wenn sich die Leber als verändert erweist, dann spürt es die Hand. Fragen?“


    Apollonius war in keinster Weise besorgt, dass Deandra das Ganze verstehen würde. Zum einen war sie einLaie und zum anderen nun mal eine Frau. Und Apollonius war immer noch der festen Überzeugung, dass Frauen zu solchen komplexen und logischen Themen nicht leicht mit ihrem Geist Zugang finden konnten. Dafür waren sie einfach viel zu emotionale Wesen, die sich besser für die häuslichen Tätigkeiten eigneten. Es gab nur mal sehr wenige Frauen, denen Apollonius das Gegenteil zusprach. Vorsichtig begann Apollonius mit der Palpation, der Betastung von Deandras Körper. Hals und Kopfbereich, Nacken, unter den Achselhöhlen und am Bauch und sogar am Ansatz der Lendengegend. Dabei achtete er jedoch immer darauf, dass dann die intimen Teile von ihrer Kleidung verdeckt waren und er tat das Ganze mit völlig distanzierter Miene. „Werte Dame, seid wann habt ihr die Beschwerden? Wann fing es an und wie äußerten sich die Schmerzen und das Leid?“ Apollonius Untersuchung und Befragung schritt voran- nicht ohne dem Iulier alles zu erläutern.

    Es war einer der jungen Sklaven von Apollonius, der den Brief nach CCAA brachte und einem Scriba vor dem Officium reichte. Dann verschwand der Bote gleich wieder und hinterließ nur das Papyrus.


    Decima Valeria
    Sacerdos in Colonia Claudia Ara Agrippinensium



    Salve Valeria,


    die traurige Nachricht hat mich leider erst hier in Mogontiacum erreicht. Es tut mir sehr Leid um Dein Kind und das schwere Los, was Du zu ertragen hattest. Bei einem solchen Schicksalsschlag fehlen mir immer die Worte. Doch selbst wenn ich ein alter Mann bin und die Schwere davon nur erahnen, so bin ich doch trotzdem tief erschüttert. Ich hoffe, dass es Dir jedoch mittlerweile wieder besser geht. Wie Du vielleicht durch meinen ersten Satz erfahren hast, bin ich wieder in Germania. Die Villen in Misenum haben mich lange beschäftigt. Doch war es auch eine interessante und lehrreiche Erfahrung für mich. Weniger der Bau der Villen und mehr die zahlreichen Insekten, die es dort unten gibt. Stell Dir vor, ich habe eine Gottesanbeterin gefunden!


    Doch leider wird es mir nicht möglich sein, nach CCAA zu kommen und Dir einen Besuch abzustatten. Die Jahre nagen an meinem verbrauchten Körper. Ich bin nun mal alt und meine Gesundheit wird nicht besser. Deswegen werde ich in den nächsten Tagen nach Italia aufbrechen. Ich habe auf der Insel der blauen Grotte bei Misenum ein Stück Land gekauft. Dort werde ich mir ein kleines Anwesen bauen lassen und die nächsten beiden Jahre bestimmt dort verbringen. Vielleicht bist Du jedoch bald mal in Italia? Dann komme mich doch gerne dort besuchen. Ansonsten werde ich Dir von meinem kleinen „Exil“ aus, weiter Briefe zuschicken. Falls Dich die Worte eines alten Gelehrten überhaupt interessieren und Du nicht durch die Schar der Kinder, die Du bis dahin hast, zu sehr abgelenkt wirst.


    Liebe Valeria, ich möchte Dir noch einige Dinge schreiben ehe ich abreise. Du bist eine aufgeweckte und kluge junge Frau. Du trägst viel Potential in Dir und Du hast mir das ein oder andere Mal eine völlig neue Sicht auf die Belange der Frauen gegeben. Ich weiß nicht, ob das für einen so alten Mann wie mich gut ist, einen so festgefahrenen Griechen wie ich es bin. Ich wünsche Dir viel Glück und den Segen der Götter über Dich. Pass gut auf Dich auf und vielleicht magst Du das ein oder andere Mal ein Stück Papyrus und Tinte für mich verbrauchen.


    Apollonius

    Unbehaglich ging der junge Marcus, Sklave des Apollonius von Samothrake, durch die Gänge des privaten Teils der Regia. Mit so mächtigen Männern wie den Legaten traute sich Marcus nicht zu sprechen. Aber der junge Sklave wusste, dass sein Herr im Moment nicht in der Lage dazu war. Und wenn er sich aufregen würde, hätte er schnell seinen Herren verloren. Darum biss der junge Mann in die saure Zitrone und kam zu den Arbeitsräumen des Legaten und Patron von Apollonius von Samothrake. Langsam hob er die Hand und verharrte. Die Angst niederkämpfend, überwand er sich und klopfte an der Tür. Zaghaft und recht leise.

    Grau und matt saß Apollonius in einem Korbsessel am Eingang. Sein Blick, der zwar aus dem Fenster ging, war eher nach innen gerichtet, seine Schultern herunter gesackt. Apollonius Sklave, Marcus, trat heran und reichte dem Medicus einen dampfenden Becher. Es dauerte eine Weile bis Apollonius dessen Anwesenheit überhaupt wahrnahm. Geduldig wartete der junge Marcus einfach ab. Erst nach einer Weile griff Apollonius nach dem Becher. Seine Hände zitterten und er verschüttete prompt etwas von dem heißen Getränk. Marcus setzte sich neben Apollonius und wartete bis der Medicus einen Schluck davon genommen hatte. Dann nahm er wieder den Becher entgegen. Ernst und niedergeschlagen sah Apollonius wieder nach draußen. Selbst das muntere Sirren der Bienen in dem kleinen Kasten mit der Glasscheibe vermochte ihn nicht aufzuheitern, auch das leise Klacken eines Käfers nicht, den er in Süditalia gefangen hatte. Marcus sah den Medicus unverwandt an und leichte Besorgnis stand in seinem Gesicht geschrieben. Er war wohl auch der Einzige der Sklaven, der besorgt um seinen Herren war. Alle anderen sorgten sich nur darum, dass das Testament schon geschrieben war.


    „Herr? Soll ich nicht doch einen Medicus aus der Stadt holen?“ Apollonius sah zu dem jungen Mann. Dabei lächelte Apollonius tatsächlich kurz und ehrlich. „Nein, Marcus, ich bin doch einer. Hast Du das vergessen?“ Marcus schüttelte den Kopf. „Aber Herr, was würdet ihr denn bei einem Patienten mit den ...Anzeichen machen?“ Apollonius sah ihn lange und stumm an. „Ruhe und eine gute Diät! Wenn er nicht die Reise in die Unterwelt antreten will!“ Marcus nickte eifrig. „Ja, Herr, das solltest Du dann machen.“ Schwer seufzend zog Apollonius die Decke enger um sich. „Ich hab zuviel Arbeit hier zu tun...die Bauten, mein Patron, die Rundreise...“ Sehnsüchtig sah Apollonius nach draußen. Schließlich wollte er das barbarische Land Germania kennen lernen, die Flora und Fauna erkunden und die Gebarden dieser wilden und unzivilisierten Menschen hier erfahren. „...na ja, wenn ich sterbe, dann seid ihr doch alle frei!“ Marcus schüttelte heftig den Kopf. „Herr, das will ich aber nicht. Dass ihr sterbt! Euch zu dienen ist gut! Und was soll ich denn da draußen?“


    Apollonius lächelte noch mal, erstaunlich oft an einem Tag. Durchaus gerührt von den Worten seines Sklaven, sah er ihn an und legte ihm kurz seine kühle Hand auf die Wange. „Herr, wenn ihr hier keine Ruhe findet, dann geht doch zu der schönen Insel, die mit der blauen Grotte.“ Verwirrt sah Apollonius zu Marcus und blieb stumm. Eine Weile musterte er das Gesicht des Sklaven und nickte langsam. „Ja, sich zurückziehen! Nur der Natur frönen. Ja...bei der blauen Grotte das Land beziehen...“ Apollonius nickte. Der junge Marcus hatte wohl Recht. Wenn Apollonius nicht bald Hades Gericht über sich ergehen lassen wollte, sollte er schleunigst sich etwas Ruhe gönnen. Capri...dort wo er das Stück Land gekauft hatte. Apollonius lächelte leicht. Der Plan reifte in seinem Geist. Nur, wie würde er es seinem Patron am Besten sagen können?

    ~Das Museion! Apollonius stand in der großen Bibliothek von Alexandria. Sonnenlicht fiel durch die vielen weit geöffneten Fenster und wehte die trockene Luft der Wüste Ägyptens hinein, vermischt mit der Brise des Meeres. Das unendliche Wissen der griechischen Welt lag vor ihm. Apollonius lächelte selig und suchte sich ein Buch über die Mechanik eines Wasserrades hervor. Dem alten Opylos würde er noch ordentlich seine Meinung in der nächsten Disputation sagen. Das konnte Apollonius doch nicht auf sich sitzen lassen, nicht das letzte Wort gehabt zu haben. Schritte näherten sich. „Medicus...Apollonius“ Apollonius wandte sich um. Die Sonne verschwand hinter düsteren Wolken. Apollonius wich einen Schritt zurück und starrte den Mann hinter sich an. Sein Gesicht war zerkratzt, seine Augen ausgestochen, seine Handgelenke aufgeschnitten. Und Apollonius kannte ihn. „Du bist schuld...“ Die Hand griff nach Apollonius und schlang sich um seinen Hals, drückte zu mit der Gier der Rache. Apollonius keuchte und versuchte nach der Hand zu schlagen, doch er konnte sich nicht bewegen. Es war als ob ihn etwas festhalten würde...“Dominus...“~


    „Dominus!“ Apollonius schlug die Augen auf. Über ihn hatten sich zwei Männer gebeugt. Der alte Phokas, der mitleidslos auf Apollonius herunter sah und Brutus. Doch Apollonius erkannte keinen von Beiden. Zu sehr war er in dem Traum von Alexandria gefangen. Sein Hals war wie zugeschnürt, hatte er immer noch das Gefühl erwürgt zu werden. Und seine Brust schmerzte höllisch. Als ob ein Daimon versuchte, sein Herz rauszureißen. Apollonius keuchte heftig und schlug einige Male noch um sich. Beide Sklaven wussten nicht recht was sie tun sollten. Phokas murmelte leise. „Ich glaube, er stirbt! Ob er sein Testament schon gemacht hat?“ Brutus warf Phokas, dem älteren Sklaven, einen tadelnden Blick zu. Doch dann erschrak auch er. „Meinst Du, er lässt uns dann doch nicht frei?“ Phokas kniff die Augen leicht zusammen. „Wenn er tot ist? Wie denn? Nur wenn es in seinem Testament steht.“ Ein rasselndes Keuchen unterbrach die Beiden jedoch wieder. „Wasser...!“ murmelte Apollonius matt und stierte gen Decke. Brutus eilte sogleich von dannen und holte ein Krug und einen Becher. Phokas starrte ungerührt auf seinen Herren herunter. Als Brutus zurückkam, lag Apollonius mit geschlossenen Augen auf seinem Lager. „Er ist tot!“ murmelte Brutus entsetzt. Vielleicht würden die Leute glauben, dass die Sklaven ihn umgebracht hatten. Dann würden sie alle sterben...am Kreuz. „Nein, ist er nicht, Du Idiot! Sieh, seine Brust hebt und senkt sich. Er lebt also noch!“ Brutus atmete erleichtert auf.

    Die Schreibfeder in der Hand haltend, wartete Apollonius ab, bis Deandra ihrem Sklaven die Anweisungen gegeben hatte. Sorgfältig notierte Apollonius den Empfänger des Briefes. Bei dem Satz, den er sogleich mitschrieb, zögerte er am Schluss jedoch kurz, ehe er auch das letzte Wort nieder schrieb, Deandras Namen. Stumm sah Apollonius auf den Satz herunter und hatte nur eine Erklärung. Es war ein Abschied an ihren Vater. Frauen, dachte er innerlich. Immer ein Hang zum Drama. Zwar konnte er nicht sagen, woran sie denn jetzt genau erkrankt war, schließlich hatte er sie noch nicht untersucht. Aber Todesangst brauchte die junge Frau nicht zu verspüren. Innerlich seufzte Apollonius und wünschte sich wieder eine Frauenärztin herbei. Schließlich hatte er in den letzten Jahren nur Gladiatoren versorgt. Apollonius nickte und lächelte ganz vage. Dann stand er auf und trat auf den Sklaven zu. Er reichte ihm den Brief und raunte leise. „Schick ihn besser noch nicht ab, sonst macht sich der arme Vater nur unnötig Sorgen um seine Tochter.“



    Apollonius ging wieder zum Bett zurück und nahm wieder Platz. „Und seid ihr zu einer Entscheidung gekommen? Die Untersuchung durch eine Sklavin oder durch mich?“

    Wie immer leicht zerstreut wirkend nickte Apollonius langsam. Wieder einmal war er von der typischen Hilflosigkeit ergriffen, wenn es um Frauen ging, besonders junge Frauen. Schließlich war er Wundarzt und Chirurg, nicht ein Frauenarzt. Dafür waren seiner Meinung sowieso Frauen zuständig, die sich mit den Leiden der Frauen und besonders ihrer Psyche besser auskannten. Aber Apollonius folgte einfach einem inneren Impuls. Lieber den Frauen recht geben, dann sind sie immer besänftigt oder milde gestimmt. Somit nickte er ein zweites Mal und nahm das Schreibzeug entgegen. „Also gut, was soll ich schreiben, junge Dame?“ Apollonius sah sie mit einem milden Gesichtsausdruck an und wartete darauf, dass Deandra ihm den Satz diktierte.

    Früher hätte Apollonius den Tatendrang einer Patientin und kranken jungen Frau mit Sicherheit schnell unterbunden. Schließlich hatte die junge Dame hohes Fieber und sollte nicht schon wieder Korrespondenz führen. Aber seitdem er in letzter Zeit immer häufiger selber Beschwerden und Wehwehchen hatte, sogar öfters mal Schmerzen in der Brustgegend, war er sehr viel milder mit seinen Patienten gestimmt. So schüttelte er nur andeutungsweise den Kopf. „Junge Dame, was auch immer Ihr verfassen wollt. Diktiert es jemanden oder verschiebt es doch lieber auf später. Wenn Ihr Euch nicht schont, könnte noch schlimmeres passieren!“ Apollonius sah sich derweil im Zimmer um. Na, immerhin schien es sich etwas geleert zu haben.


    So könnte er nun mit seinen Untersuchungen anfangen. Schließlich stand immer noch im Raum, was der Grund des Fiebers und somit der Schwäche von Deandra war. „Werte Dame, um Euch zu helfen, müsste ich Euch genauer untersuchen. Natürlich könnten wir auch auf eine Sklavin zurückgreifen, wenn es Euch lieber ist. Nur sind ihre Einschätzungen wahrscheinlich zweifelhafter Natur und nicht unbedingt immer hilfreich. Doch das möchte ich Euch überlassen!“ Apollonius Mundwinkel zuckte leicht. Das war schon der größte Anflug an Freundlichkeit, die der alte Medicus den meisten Menschen gegenüber aufbringen konnte. Dabei meinte er es auch nicht böse, es war einfach seine Natur.

    Zerstreut nickte Apollonius auf die Antwort seines Patrons und tastete noch mal über die Stirn der jungen Frau. Fieber? Auch seine geübten Finger hatten eine Schwellung am Hals ertasten können, durchaus üblich bei vielen Krankheiten, doch das galt es noch zu überprüfen. Doch dann wurde die junge Frau wieder wach. Ein freundliches Lächeln huschte über das Gesicht des alten Medicus, wenn es auch nur andeutungsweise ein Lächeln war und von dem Bart halb verschluckt wurde. Apollonius sah von oben auf Deandra herunter. „Junge Dame, mein Name ist Apollonius von Samothrake. Ich bin Medicus. Ihr seid einer Schwäche anheimgefallen, aber keine Sorge. Das wird schon wieder!“ Apollonius sah zu den ganzen anderen Männern und Sklaven, Hausherren und Hausherrin. „Ich wäre Euch dankbar, wenn ihr den Raum verlasst. So kann ich hier nicht arbeiten und ich glaube, es ist auch nicht sonderlich schicklich, wenn ihr der Untersuchung beiwohnt!“ Apollonius Gesichtsausdruck schien keinen Widerspruch zu dulden. Aber in dem Moment fiel ihm ein, dass er jenen Iulier (seinen Namen wusste Apollonius natürlich immer noch nicht) wohl mal sein Schüler war. War es der junge Matinier? Dieser Cicero? Apollonius winkte ihn näher heran.


    Dann wandte er sich sofort wieder an die junge Dame vor sich. „Also, werte Dame. Wie geht es Euch? Spürt ihr Schwindel oder Übelkeit? Habt Ihr eine trockenen Mund und könnt Ihr normal schlucken?“ Apollonius griff sanft nach ihrer Hand und hielt ihr Handgelenk, dabei schien er wieder auf etwas Unsichtbares zu achten, was nur er wahrnahm. Natürlich würde er sie noch genauer untersuchen müssen, um den Grund ihres Fiebers und der Schwellung festzustellen. Aber da Deandra schon mal wach war, man konnte ja nie wissen, wie lange der Zustand währen würde, wollte er schnell noch sie selber über ihren Zustand befragen. Schließlich war es das a und o für eine richtige Prognose. Außerdem hätten die Anderen dann die Gelegenheit derweil das Feld und den Raum zu räumen.

    Der Medicus hatte im Moment nur Auge für seine Patientin. Aus seiner Tasche holte er einen kleinen Silberspiegel hervor und hielt ihn über den Mund der Patientin. Er beschlug sich, Apollonius nickte einigermaßen zufrieden damit. Vorsichtig legte er seinen Zeige- und Mittelfinger auf die zarte Haut am Hals von Deandra. Seinen Kopf legte er leicht schief und schien auf etwas zu warten. Einige Sekunden verharrte er so und nickte dann erneut. Mit der rechten Hand zog er vorsichtig das Augenlied seiner Patientin herunter und besah sich ihre Augen, danach tastete er über ihre Stirn. Die erste notdürftige Untersuchung schien gemacht zu sein und Apollonius sah auf. Sein Blick schweifte durch die Unterkunft. Hatte sein Patron nicht eben etwas gefragt? Wie es steht oder so etwas? „Ich kann dazu noch keine genauen Aussagen machen, Patron. Aber wart Ihr hier als sie zusammen brach? Hat die junge Dame über Symptome geklagt? Seid wann ist sie nun schon bewusstlos?“


    Zerstreut nickte Apollonius. Seine Gedanken hatten sich schon längst wieder verflüchtigt, wie die Nebelschwaden am Morgen. Erst schienen sie noch ein festes Gefüge zu sein, ein feiner Teppich über dem morgendlichen Tau. Doch dann zerrissen dieser in einzelne Schwaden und löste sich auf. Apollonius dachte schon über seine nächsten Schritte nach. Erst mal wieder akklimatisieren. „Oh ja, das wäre erfreulich. Gut, dann überlass ich Euch wieder mal Eurer Arbeit.“ Apollonius stand auf und sah sich nach Phokas um. Wo war denn nur wieder? Ach ja, den hatte er ja schon vorgeschickt. Etwas, was Apollonius schon erstaunte. Phokas schien sein Schatten geworden zu sein. „Dann sehen wir uns später, Patron. Einen schönen Tag noch und Vale!“ Apollonius nickte höflich und verließ dann das Officium.

    Eigentlich hatte sich Apollonius mit dem Bienenkönig heute beschäftigen wollen. Er wollte doch dem auf den Grund gehen, ob die Bienen ähnlicher Natur waren wie die Hyänen Afrikas. Denn Apollonius meinte beobachtet zu haben, dass jener Bienenkönig tatsächlich Eier gelegt hatte. Vielleicht hatten die Bienen auch zwei Geschlechter wie die Hyänen, was ja schon Aristoteles zu berichten wusste. Doch da war sein Sklave Brutus in seinem Zimmer hineingestürmt und hatte ihn mit allerlei Gesten zu dem Gästezimmer geschleppt. Mit seiner alten und ausgebeulten Medicustasche bewaffnet näherte sich Apollonius dem Gästezimmer, klopfte und trat hinein. Bei „Notfällen“ hielt sich Apollonius nicht lange an irgendwelche Höflichkeiten. Und Brutus Schilderungen schienen ihm von einer Krisis zu sprechen. Völlig ungerührt sah sich der Medicus um, als sein Blick schon auf Iulius Reaticus fiel. Den kannte er doch? Vorher bloß…? Hmm! Nicht nur, dass sein Namensgedächtnis grauenhaft war, seine Erinnerungen an Personen trügten ihn auch oft. Aber er nickte dem Mann trotzdem mal zu. Und dann sah er auch den Rest der Anwesenden, grüßte seinen Patron, die restlichen Unbekannten mit einem kollektiven höflichen Nicken.


    „Salve, Apollonius von Samothrake.“ Sein Blick fiel auf die junge Frau auf dem Bett. Das war wohl die Kranke. Da alle anderen munter und besorgt dreinschauend im Cubiculum standen, schien das auch Apollonius einzige mögliche Schlussfolgerung zu sein. Immerhin hatte er die Logik mal studiert, ein Teilaspekt der Philosophie. Zielstrebig ging er auf die junge Frau zu. „Seit wann ist sie in diesem Zustand?“ warf er die Frage in den Raum. Er stellte seine Ledertasche neben dem Bett ab und beugte sich über Deandra.

    Auch Apollonius schien diese Träumereien von einem ruhigen Lebensabend gut zu gefallen. Diese kleine Insel bei Misenum gegenüber an der Bucht von Misenum gefiel ihm auch sehr gut. Das Stückchen Land, direkt an den Klippen war ein herrliches Fleckchen Erde. Und so ruhig und nur ein kleines Fischerdorf war dort in der Nähe. Apollonius Bart erfuhr wieder eine eher lieblose Behandlung als der Medicus ihn hin und her zwirbelte. „Ich habe gehört, die Smaragd- Insel Korfu am Ionischen Meer soll wunderschön sein. Aber auch Sicilia ist wegen dem guten Klima nicht zu verachten. Und eine sehr fruchtbare Erde dort. Die vulkanische Erde wird sicherlich ganz hervorragend für die Rosen sein!“


    Apollonius blinzelte verblüfft bei Meridius Worten über die Insektensammlung. Ein feines, sehr leichtes Lächeln, so man dieses so interpretieren wollte, huschte über sein Gesicht. Er nickte zerstreut und rieb sich kurz seine schmerzende linke Seite. „Das war sehr aufmerksam von Dir! Es ist zu schade, dass die Falter so ein kurzlebiges Leben haben. Sonst hätte ich sie noch gerne länger studiert. Aber sie sind auch so fragil.“ Vom Hölzchen aufs Stöckchen kommend, tat sich ein völlig anderes Thema auf. „Auf Kreta gibt es eine sehr schöne Schlucht. Sie heißt das Tal der Schmetterlinge. Dort sind in der Tat sehr interessante Flora und Faune zu finden. Aber die Insel hat auch ihren Reiz und ist immerhin der Ort, an dem sich Zeus vor seinem Vater versteckte.“ Dass die Kreter allesamt wohl als Lügner verschrieen waren, kam Apollonius nicht in den Sinn. Immerhin kam seine Familie von dieser Insel und so würde er sich selber wohl kaum als eine unehrliche Seele bezeichnen wollen. Zerstreut und dann doch geistesgegenwärtig blinzelte Apollonius. „Ich hoffe, ich halte Dich nicht von wichtiger Arbeit ab?“