Was lest ihr denn so?

  • ich habe gerade "Ich bin Circe" von Madeline Miller gelesen. Ein recht bunter, detaillverliebter und spannender Fantasy- Roman in einem griechische - Mythologie - Setting. Am Ende folgt der Roman in groben Zügen der Telegonie und den Nostoi, die mir persönlich beide nicht geläufig waren, weshalb ich über das Ende überrascht war. Will aber nicht spoilern.


    Auf jeden Fall gefiel mir das zweite Werk der Autorin viel besser als ihr Erstling "Das Lied des Achill", da weiß ich allerdings nicht, ob es noch besser geworden wäre, ich habe nach den ersten fünfzig Seiten aufgehört zu lesen.

  • Habe gerade mal die Kurzbeschreibung gelesen. Wie würdest du die Atmosphäre von "Ich bin Circe" beschreiben? Das geht aus der Beschreibung nicht hervor, die sich leider nur um den Inhalt dreht.


    Warum hattest du das "Lied des Achill" nach 50 Seiten abgebrochen?


    Ich lese momentan mal wieder "Wege in die Entwicklungspsychologie - Kindheit und Jugend" von Gert Mietzel, das ich damals von meiner Praktikumseinrichtung zum Abschied geschenkt bekam. Ich stöbere immer wieder gern darin, auch wenn ich nicht mit all seinen für meinen Geschmack teils zu spekulativen Aussagen einverstanden bin.

  • Als Bewunderer von Professor Tolkien und Roger Zelazny tun mir die leider häufigen Vergleiche mit G.R.R. Martins Werken, die ich so gar nicht schätze, etwas weh. :D

    Also vergleichen würde ich die auch niemals, dazu sind die Autoren zu unterschiedlich. Was ich bei Tolkien nicht mag ist seine epischen Beschreibungen von Landschaften. Das veranlasst mich quer zu lesen.

  • Das ist genau das, was ich liebe. :D Auch Zelazny schwelgt ja gleich mal in seitenweisen(!) Landschaftsbeschreibungen, der hört gar nicht mehr auf, wenn er einmal angefangen hat. Gleichzeitig sind die Landschaftsbeschreibungen auch das einzige, was mir bei G.R.R. Martin als gelungen erscheint. Da er Zelazny als seine größte Inspiration benennt, mag es sein, dass er sich dahingehend vom Meister hat inspirieren lassen. Dort sehe ich tatsächlich auch etwas mehr Parallelen als zu Professor Tolkien, der nun echt nichts mit G.R.R. Martin gemein hat. Trotzdem ist der Vergleich sehr schwierig.

  • Momentan lese ich - wenn auch nur hin und wieder ein paar Seiten - Post Captain von Patrick O'Brian. Ich muss ja schließlich wissen, wie die Karriere von Jack Aubrey weitergeht. Master and Commander hat mir gefallen, deshalb werde ich die Serie komplett lesen.

  • Habe gerade mal die Kurzbeschreibung gelesen. Wie würdest du die Atmosphäre von "Ich bin Circe" beschreiben? Das geht aus der Beschreibung nicht hervor, die sich leider nur um den Inhalt dreht.

    Ist wie eine Autobiographie geschrieben, die sich über Jahrtausende erstreckt. Mir gefiel die Beschreibung der Götter, die unsterblich, alterslos und mit allem begabt, eigentlich keine Weiterentwicklung erfahren, sich langweilen und sich die Zeit damit vertreiben, zu intrigieren, Ungeheuer zu erschaffen/ zu gebären und sich gegenseitig Schmerzen zuzufügen (Leiden können sie ja) Kirke entdeckt eine neue Magie, die mit Arbeit, Kräuterwissen- und Studium verbunden ist und wird eine pharmakis, eine Hexe.


    Wenn Dir jedoch Tolkiens Stil gefällt, wird dir ihrer nicht zusagen: Kaum Landschaftsbeschreibungen


    Bei Tolkien habe ich nur die ersten 50 Seiten Hobbit- Kunde nicht gerne gelesen, ansonsten sind die Beschreibungen von dunklen Wäldern, düsteren Hügeln, dem lieblichen Auenland, die Tiefen von Moria und der Totensumpf, als Frodo und Sam dort durch müssen, in meinen Augen einfach göttlich. Sogar der Sonnen- und der Mondstand werden jedesmal erwähnt.

    Die Bücher zu lesen, ist für mich jedes Mal so, als würde ich selbst mit allen Sinnen auf diese Reise gehen.


    Warum hattest du das "Lied des Achill" nach 50 Seiten abgebrochen?

    Die ganze Zeit thematisiere Frau Miller, dass die beiden Jungs ein homosexuelles Verhältnis haben, was sie verstecken müssen.


    Warum das? Hätte in der Antike niemanden interessiert, außer vielleicht die anderen Jungen im Palast, die in Patroklos einen Konkurrenten um die Gunst des Achill sehen würden. Aber so ist die Mutter Thetis eine fürchterliche Zicke, und Prinzessin Deidameia erhebt sentimentale Ansprüche, und alle zusammen benehmen sich wie Menschen heutzutage.


    Dabei liegt das nicht an mangelnder Sachkenntnis; die Autorin ist vom Fach, Altphilologin, hat 10 Jahre an dem Roman geschrieben.


    Doch hatte ich den Eindruck, als wolle sie aus dem Stoff unbedingt ein modernes LBTQ- Drama machen, und das gefiel mir nicht so recht.

  • Der Stil der Leseprobe hat auf mich aufgrund des völligen Fehlens von Umgebungsbeschreibunen tatsächlich recht trocken gewirkt. Darum hatte ich nach der Atmosphäre gefragt, aber deinen Worten entnehme ich, dass sich das wohl so durchs ganze Buch zieht und gar keine Atmosphäre vorhanden ist, da du dich ausschließlich auf den Inhalt beziehst. Gute Umgebungsbeschreibungen tragen zur Atmosphäre ganz entscheidend bei, selbst wenn man das nicht so extrem auswalzt.


    Dass die epische Beziehung von Achill und Patroklos banalisiert wird, ist schade. Hinter dem Stoff steckt so viel mehr Potenzial als das Thema "verbotene Liebe", die in dem Fall in der Tat nichts Verbotenes an sich haben sollte.


    Zitat

    Bei Tolkien habe ich nur die ersten 50 Seiten Hobbit- Kunde nicht gerne gelesen

    Die Hobbitkunde zu Anfang wird sogar von manchen Tolkien-Fans (einschließlich mir) nicht gemocht - in meiner meistgelesenen Ausgabe sind es sogar 150 Seiten (ich hab den HdR gleich drei Mal im Regal). Ich fand übrigens auch den Anfang der Chroniken von Amber langweilig und las es nur aufgrund einer Empfehlung weiter. Heutzutage packt man ja oft einen Hook davor, um dem Leser einen Happen Hoffnung mit auf den Weg zu geben und ihn durch den Einstieg hinweg bei Stange zu halten.


    Zitat

    ansonsten sind die Beschreibungen von dunklen Wäldern, düsteren Hügeln, dem lieblichen Auenland, die Tiefen von Moria und der Totensumpf, als Frodo und Sam dort durch müssen, in meinen Augen einfach göttlich. Sogar der Sonnen- und der Mondstand werden jedesmal erwähnt.


    Die Bücher zu lesen, ist für mich jedes Mal so, als würde ich selbst mit allen Sinnen auf diese Reise gehen.

    Das geht mir genau so. Am tiefsten Eindruck hinterlassen hatten bei mir die Totensümpfe und die lange Treppe, für die sie Tage benötigten. Gerade in Fantasy oder historischen Werken möchte ich beim Lesen gern "sehen", wie alles aussieht. Jack London schrieb dahingehend übrigens auch Spitzenklasse. Ein schönes Beispiel ist der Einstieg von Wolfsblut.

  • Ich habe ja nicht grundsätzlich was gegen Landschaftsbeschreibungen, ich beschreibe ja auch wie es um mich aussieht. Was ich nicht mag ist diese Seitenfressenden Beschreibungen, ich habe da immer Karl Mays Weihnachten im Wilden Westen vor mir. 300 Seiten und davon 250 Landschaft. Ich hab da immer das Gefühl da hat die Geschichte nicht genügend hergegeben. Okay :) Karl May ist .....na ja.

    Atmosphäre ist absolut wichtig, dass ist das Salz in der Suppe und ohne ist es noch schlimmer.

    Es ist eben der Unterschied zu lesen und eigene Fantasie und Film.

    Ich bin jetzt schon sehr lange unterwegs in Foren RP oder Chat RP (seit den 90er), mit einer langen Unterbrechung, und hab dann auch eine Zeitlang in Secend Live gespielt, mir hat da eindeutig meine Fantasie gefehlt.

    Was das Lesen betrifft, ich will Handlung, Aktion, etwas was meine Fantasie anregt. Dazu braucht man auch die Umgebung aber eben nicht in epischer Länge OHNE wirkliche Handlung.

    (ich hab den HdR gleich drei Mal im Regal).

    Welche Ausgabe ist für dich die gelungenste? Die rote ist die erste, wenn ich mich jetzt nicht täusche?

  • Momentan lese ich - wenn auch nur hin und wieder ein paar Seiten - Post Captain von Patrick O'Brian. Ich muss ja schließlich wissen, wie die Karriere von Jack Aubrey weitergeht. Master and Commander hat mir gefallen, deshalb werde ich die Serie komplett lesen.

    Den kenne ich ja noch gar nicht. Liest sich aber, als könnte das sprachlich meinen Geschmack treffen. Was gefällt dir persönlich an der Serie? Wie vordergründig ist die von einem Rezensent erwähnte Romantik?


    Zitat

    ich habe da immer Karl Mays Weihnachten im Wilden Westen vor mir. 300 Seiten und davon 250 Landschaft. Ich hab da immer das Gefühl da hat die Geschichte nicht genügend hergegeben. Okay :) Karl May ist .....na ja.

    An Karl May bin ich bisher auch immer gescheitert. :D An Wild-West-Literatur versuch doch sonst mal "Die Söhne der Großen Bärin" von Liselotte Welskopf-Henrich. Bitte wie bei Jack London darauf achten, dass es sich nicht um eine der gekürzten oder gar nacherzählten Fassungen handeln sollte, die wohl an ein jugendliches Publikum adressiert und sehr verflacht sind.


    Zitat

    Es ist eben der Unterschied zu lesen und eigene Fantasie und Film.

    Ich bin jetzt schon sehr lange unterwegs in Foren RP oder Chat RP (seit den 90er), mit einer langen Unterbrechung

    Damit bist du wohl eine der ältesten Forenrollenspiel-Veteraninnen, die ich kenne. Für mich ist, wie bei Büchern, auch beim Forenrollenspiel wichtig, dass ich ins Forum hineinschauen kann und das Gefühl bekomme: Diese Welt ist nicht nur Kulisse, sie lebt.


    Zitat

    Was das Lesen betrifft, ich will Handlung, Aktion, etwas was meine Fantasie anregt. Dazu braucht man auch die Umgebung aber eben nicht in epischer Länge OHNE wirkliche Handlung.

    Im Prinzip gebe ich dir Recht. Nur setzen wir die Schwerpunkte anders, was vollkommen richtig ist, denn jeder Mensch benötigt seine Art von Erzählung, um abgeholt zu werden. Bist du ein visueller Lesetyp, siehst du vor dir, was du liest, oder bist du jemand, der die reine Information aufnimmt?


    Für mich sind zum Beispiel innere Monologe ein Spannungskiller. So gern ich die "Tintenwelt-Trilogie" mag, damit hat die Autorin es leider extrem übertrieben. Auch beim "Lied von Eis und Feuer" fielen sie mir negativ auf. Das, was bei dir zu lange Landschaftsbeschreibungen auslösen - das Gefühl, da solle Zeit geschunden werden - habe ich oft bei inneren Monologen. Einen guten inneren Monolog zu schreiben ist möglich, aber es ist anspruchsvoll. Um auch ein positives Beispiel zu nennen: Walter Moers versteht sich darauf hervorragend.


    Zitat

    Welche Ausgabe ist für dich die gelungenste?


    Ich habe vom "Herr der Ringe" neben dem englischen Original zwei Übersetzungen von Margarete Carroux im Schrank (keinen Krege). Eine davon ist eine Billigausgabe für unterwegs.


    Die andere, meine Lieblingsausgabe, ist eine sechsbändige gebundene Version mit herrlich altmodischem Charme, bei welcher die Buchrücken eine Landschaft bilden: Link Es handelt sich dabei um die Sonderausgabe von 1997 zum 20. Verlagsjubiläum von Klett-Cotta. Die sieht nicht nur alt aus, die riecht auch so, wie alte Bücher immer duften, so süßlich. Ich weiß nicht, warum neue Bücher das nicht tun, ob es ein anderer Leim ist, anderes Papier, oder schlichtweg der Duft des Verfalls.


    Einerseits gefällt sie mir optisch, andererseits ist es jene Ausgabe, die mir damals von einem Schulfreund über die Sommerferien ausgeborgt wurde, weil er meinte, ich müsse das unbedingt lesen. Sie war mein Einstieg in Mittelerde und generell in die Fantasy-Literatur. Bei der Einschätzung als "gelungenste Ausgabe" hängt hier also auch ein Stück Sentimentalität mit dran. :)

  • Die Jack-Aubrey-Reihe von Patrick O'Brian ist großartig. Ich habe sie verschlungen, allerdings nicht im Original, die Übersetzung ist aber sehr gelungen.

    Die Bücher sind atmosphärisch extrem dicht, spannend, sprachlich schön... die Figuren lebendig, mit feinem Humor gezeichnet. Sowohl als historische Romane in der napoleonischen Zeit, als auch als abenteuerliche Marinegeschichten finde ich die Bücher genial... dazu gibt es Spionage- und Naturforscher-Elemente die auch sehr interessant sind. Romantik fand ich darin eher wenig... von der innigen Liebe zur Seefahrt mal abgesehen :love: ^^ spielt die keine so große Rolle. Es gibt eine Amour fou, die aber auch sehr un-klischeehaft geschildert ist.

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