Nachdem ich informiert wurde, dass meiner Anordnung gefolgt wurdeund eine Holzscheibe vom doppelten Durchmesser einer Sesterze passend an einem Baum im Garten angebracht worden war, war ich gemessenen Schrittes in den Garten gegangen und begutachtete diese Arbeit für einen Moment. Ich nickte Begoas nur kurz zu, verschwand dann in meinem Cubiculum und kam kurz darauf mit dem herausragend geschmiedeten serischen Schwert in der Hand zurück und zog die Klinge wortlos. Die Schwertscheide reichte ich Begoas und deutete ihm, in angemessenem Abstand zu warten.
Ich vergewisserte mich, dass niemand bei meinen Übungen versehentlich in meine Reichweite kommen würde, und begann. Zunächst übte ich die Grundstellungen und Bewegungen des Schwertes in langsamen, fließenden Bewegungen. Dann wandte ich mich der Holzscheibe zu. Mit einem schnellen Schwertstoß nach vorne brachte ich sie in eine heftige Bewegung von mir weg, wobei sie sich sogar um ihre Aufhängung drehte. Ich machte einen schnellen Schritt diagonal nach vorne, so dass ich nun seitlich zur zurückschwingenden Scheibe stand und stach erneut zu, was den Kurs der Scheibe schlagartig änderte. So verfuhr ich weiter, stets darauf bedacht, die Scheibe in immer schnellere Bewegungen zu versetzen und mich selbst auch immer schneller zu bewegen.
Hin und wieder verfehlte ich mein Ziel, was mich dazu motivierte, zukünftig noch mehr zu üben. Natürlich war es ein sehr kleines Ziel, aber am Ende wollte ich dazu fähig sein, jederzeit ein Auge mit einem einzigen Stich zu durchstoßen. Doch nicht heute. Die Sonne ging unter und die Lichtverhältnisse wurden immer schlechter. Deshalb gab ich Begoas ein Zeichen, mir die Schwertscheide zu bringen. Ich ergriff sie mit der linken Hand und brachte die Klinge in einer fließenden Bewegung zurück in diese, während mein Blick geradeaus gerichtet war. Diesen Teil beherrschte ich inzwischen blind. Aus dem Augenwinkel konnte ich erkennen, dass auch Malachi in etwas Abstand dastand. Ich wusste nicht, wie lange der Custos Corporis mir bereits zugesehen hatte, doch als ich mich ihm zuwandte, verneigte er sich respektvoll. Das war aber nicht die Verneigung eines Sklaven vor seinem Herren, sondern die eines Kämpfers vor einem anderen. Ich schien also etwas zu machen, das ihn beeindruckte.
Nachdem ich ihm respektvoll zugenickt hatte, stellte ich mein Schwert an den Baum, hob mit beiden Händen meine serische Gewandung leicht an und ließ mich auf die Knie nieder. So sitzend schloss ich meine Augen und rekapitulierte noch einmal die Übungen in meinem Geist, bis ich mir sicher war, jede Situation, in der ich mein Ziel verfehlt hatte, mehrfach durchgespielt zu haben und zu wissen, worin meine Nachlässigkeit bestanden hatte.
Als ich die Augen wieder öffnete, war es bereits dunkel. Ich erhob mich wieder und nahm das Schwert lässig mit der linken Hand. Begoas hatte inzwischen eine kleine Cena für mich angerichtet. Ich fand dort Puls, ein wenig Obst, gebratenen Speck, Liquamen und Posca. Zur Verwirrung von Begoas ließ ich Puls, Speck und Liquamen stehen und aß lediglich Obst, während ich zugleich die Posca mit Wasser verdünnen ließ, bis diese nur noch kaum merklich nach Essig schmeckte. Ich würde die Sklaven über meine neuen Ernährungsgewohnheiten informieren müssen, die nun weniger Getreide und tierische Produkte und dafür mehr Gemüse und Obst umfassten. Außerdem hatte ich die Soßen und Gewürze neu zusammengestellt, was ich auch notieren würde. Das Ergebnis würde eine seltsame Kombination aus serischen und römischen Geschmacksnoten sein.
Nach dem Abendessen widmete ich mich noch der Körperpflege und der Pflege meiner Zähne, bevor ich mich schließlich in seidene Unterkleidung gehüllt zum Schlaf betten würde. Meine Reise hatte mich doch ziemlich verändert.