Beiträge von Aulus Iunius Tacitus

    Aemilius Magnus beeindruckte mic h mit seinen Worten. Ob sie ehrlich gemeint waren wusste ich nicht. Die offene Reaktion von Amytis beeindruckte mich ebenfalls. Sie sprach nun wie ein freier Bürger - was sie formal auch war.


    Gerade, als ich mich zu beiden äußern wollte, sprach mich ein Mann an. "Bist du Aulus Iunius Tacitus? Der als Gesandter des serischen Kaisers unserem Kaiser geschrieben hat?" Ich betrachtete den Mann nun genauer. Gepflegte Tunika, gute Schuhe, der Gürtel eines Veteranen, graue Haare. Und eine Transporttasche aus gutem Leder. "Ja, der bin ich," entgegnete ich knapp. Er griff in die Transporttasche und zog eine Wachstafel hervor, die mit dem kaiserlichen Siegel verschlossen war. "Ist hiermit zugestellt. Vale." Ich nahm die Wachstafel an und öffnete sie, während der Mann seiner Wege zog.


    Nachdem ich den Inhalt der Wachstafel gelesen hatte, wendete ich mich zuerst an Amytis. "Die Audienz ist auf längere Zeit verschoben. Das heißt, dass ich deine Dienste erst einmal nicht mehr benötige. Ich danke dir für deine Hilfe und würde sehr gerne wieder auf Dienste zurückkommen, wenn ich einen Termin für die Audienz habe." Dann blickte ich Aemilius Magnus an und dann wieder Amytis. "Aemilius, Amytis, vielleicht kann ich einen Kompromiss für euch beide herstellen. Wenn du Amytis zunächst eine Arbeit gibst und sie vorerst in der Domus Iunia wohnen kann, würdet ihr feststellen können, ob es zwischen euch harmoniert. Wäre das für euch beide eine Lösung?"

    Ich hatte mich bewusst zurückgehalten, weil ich sehen wollte, wie Aemilius Magnus reagierte. Mir gefiel, dass er Sporus verteidigte. Auch wenn er dabei etwas harsch war. So nickte ich nur kurz, aber anerkennend, in seine Richtung. "Nun dann, vergessen wir diesen unhöflichen Menschen." Den Weg setzte ich ruhigen Schrittes fort. Mit etwas Smalltalk ging es weiter zum Forum Romanum.


    Dort angekommen steuerte ich auf die Basilica Aemilia zu. Magnus' Ahnen hatten diese bereits vor etlichen Generationen dem römischen Volk geschenkt und das Gebäude auch stets instand gehalten und renoviert, obwohl es ihnen nicht gehörte. Allerdings ging ich nicht dorthin, um Magnus in irgendeiner Form besonders zu ehren, sondern weil die Geschäfte in dem Gebäude den meiner Meinung nach besten Weinhändler Roms beherbergten. Außerdem war die Basilica eines der schönsten Gebäude Roms.


    In dem Gebäude ging ich zu dem Weinhändler, der auch einen Ausschank hatte. "Vier Becher von dem besten Falerner, verdünnt zu gleichen Teilen mit Quellwasser aus den Albaner Bergen, bitte." Meine Anweisung an die Sklavin, die Gäste bediente, war einfach und präzise. Sie nickte nur und verschwand im Laden, um kurz darauf ein Tablett mit den Bechern zu bringen. Die Becher waren aus feinstem ägyptischem Glas. Mit einem höflichen Lächeln gab ich ihr die mir bekannte Summe für diese Köstlichkeit und legte, wie immer, auch ein kleines Trinkgeld dazu. Und wie immer bedankte sich die Sklavin mit einem strahlenden Lächeln. Ich nahm einen Becher von dem Tablett und erhob ihn. "Auf den ehrenwerten Aemilius Magnus, der uns allen ein Beispiel für die Dignitas und Gravitas eines Römers ist. Aemilius, ich danke dir erneut für deine Unterstützung und Führung bei der Bestattung von Aurelius Pinus."

    Als alle Gäste sich vom Toten verabschiedet hatten, gab ich noch eine Sesterze für Charon dazu, dann übergab ich die Urne an den Totengräber, der sich um den Rest kümmern würde.


    Ich nahm wahr, dass sich Amytis bei Aemilius Magnus nicht wohl fühlte, wusste aber nicht, warum. Mir erschien der Aemilier als ein pflichtbewusster und ehrenwerter Mann, wenngleich mich seine Bemerkung zu Advokaten vor einigen Tagen auch teilweise an ihm zweifeln ließ. Insgesamt gesehen hielt ich ihn aber für einen guten Menschen. Zumindest, was Amytis anbetraf, schien er ehrliche Absichten zu haben.


    Während wir wieder in Richtung Porta Appia gingen, sprach ich den Aemilier an. "Ich danke dir für deine traditionsgemäße und pflichtgetreue Erfüllung der Riten. Die Gens Aurelia wird von deinem Dienst an Aurelius Pinus erfahren." Viel mehr konnte ich nicht versprechen. "Ich schlage vor, dass wir noch gemeinsam bis zum Forum Romanum gehen, bevor sich unsere Wege trennen." Und vielleicht könnte man dort noch einen Becher Wein gemeinsam trinken.

    Damit waren die Riten fast komplett. Es gab nur noch eine Sache zu tun, die wieder in den Aufgabenbereich von Aemilius Magnus fiel. Einer der freigelassenen Sklaven von Aurelius Pinus reichte dem Aemilier eine Schüssel mit Wasser und einem Olivenzweig, so dass er die Trauergemeinde mit Wasser besprenkeln konnte, um so alle rituell zu reinigen. Und vielleicht würde er noch ein paar Worte des Abschieds sprechen. Anschließend konnte sich noch jeder final von der Urne des Verstorbenen verabschieden.

    Ich sah kurz zu Sporus und zeigte, wenngleich nur für einen kurzen Moment, ein Lächeln. Der junge Sklave war einfach zu gutmütig. Ich selbst war weniger gnädig und wünschte vor allem Gerechtigkeit. Aber das lag im Ermessen der Götter. Dennoch hatte sich Aurelius Pinus in meinen Augen selbst entehrt. Da gab es nicht viel, was ein gerechter Gott vergeben konnte.


    Zuerst langsam, dann immer schneller, wuchsen die Flammen empor und verschlangen den toten Leib des Aureliers. Wie von mir erhofft, war der Geruch verbrennenden Fleisches durch das gute Aroma des Zedernholzes übertüncht. Entsprechend konnte man dastehen und dem Feuer beim abbrennen zusehen. Als nur noch Glut übrig war, wurde diese mit Wein gelöscht, bis sie angefasst werden konnte. In Ermangelung von anwesenden Verwandten wendete ich mich an Sporus. "Würdest du bitte die Knochenreste aus der Asche sammeln und sie in die Urne legen?" Dabei wies ich auf eine Urne aus blauem ägyptischen Glas, die ich beschafft hatte. In die Urne waren der Name Aulus Aurelius Pinus und dessen Alter eingraviert.

    Es ging weiter die Via Appia entlang, bis der Trauerzug dann auf einen Seitenweg abbog. Je weiter wir dem Seitenweg folgten, desto einfacher wurden die Gräber, bis schließlich nur noch einfache Gedenkplatten aus Holz auf den Gräbern standen. Von dort aus konnte man bereits den Scheiterhaufen für den Leichnam sehen. Es war aber noch ein Stück, um den respektvollen Abstand zu den Gräbern zu halten, auch wenn es nun nur noch die Gräber der Ärmsten waren.


    Als wir am Scheiterhaufen angekommen waren, wurde der Leichnam des Aurelius Pinus auf diesem platziert. Ich hatte dafür gesorgt, dass ausschließlich Zedernholz verwendet wurde. Das würde einen recht angenehm riechenden Rauch erzeugen. Den Geruch verbrannten Fleisches mochte ich noch nie. Die Anwesenden stellten sich mit dem Wind im Rücken auf, damit man nicht völlig im Rauch stehen musste.


    "Aemilius Magnus, würdest du dem Verstorbenen die Ehre ehrweisen und ein paar Worte sprechen, bevor du den Scheiterhaufen anzündest?" Das war mir wichtig. Es ging um die Würde der Zeremonie.

    Aemilius Magnus und Amytis gaben dem Trauerzug eine gewisse Würde. Das mochte der Verstorbene nicht verdient haben, aber die Ordnung der Welt verlangte danach.


    Die Pompa ging zunächst über den Quirinal zur Via Flaminia und von dort aus durch die Kaiserforen und am Amphitheatrum Flavium vorbei. Von dort aus ging es zunächst südwärts am Palatin vorbei zum Circus Maximus. Dort ging es auf die Via Appia und durch die mächtige Porta Appia vor die Stadtmauern. Hier waren die Grabmale vieler berühmter Familien. Zuerst fanden sich die Gräber vieler berühmter Personen und Familien, so auch das Grab der Scipionen und einige Gräber der Aemilier. Wenn Aemilius Magnus es wünschte, konnte er kurz an den Gräbern seiner Ahnen halten und ihnen mit einem Gruß die Ehre erweisen. Die Pompa war inzwischen deutlich angewachsen, weil sich bei dem Weg durch die Stadt etliche Menschen dem Trauerzug angeschlossen hatten. Das war so auch beabsichtigt gewesen.

    Der Trauerzug für den Verstorbenen - ganz gleich, ob er eine solche überhaupt verdient hatte oder nicht - würde seinen einbalsamierten Leichnam zunächst von der Villa Aurelia aus der Stadt hinausführen, wo er verbrannt würde. Danach würde seine Asche eingesammelt und in einem Grab in der Nähe der Via Appia bestattet. Den Grabstein hatte ich bereits erstellen lassen.


    In schwarze serische Seidengewänder gehüllt, aber ausnahmsweise ohne Kopfbedeckung, stand ich mit Amytis und Sporus inmitten der anderen Trauergäste, als der Verstorbene auf einer Bahre aus Zedernholz hinausgetragen wurde. Die Einbalsamierer hatten gute Arbeit geleistet. Würdevoll deutete ich Amytis und Aemilius Magnus an, dass es nun an ihnen lag, den Trauerzug in Bewegung zu setzen. Ich selbst würde hinter dem Toten gehen. Die Tafeln mit den Verdiensten fehlten, was die Aufstellung verkürzte. Es würden lediglich Amytis und Magnus voranschreiten, gefolgt von den Musikern. Danach kam der Verstorbene und dann der Rest der Trauergemeinde, angeführt von mir.

    "Ich halte es für annehmbar," sagte ich kurz und knapp. "Der Leichnam soll für fünf Tage hier aufgebahrt werden. Dann treffen wir uns wieder hier." Der letzte Satz war an Aemilius Magnus gerichtet.


    ---------- 5 Tage später ----------


    Wie besprochen trafen wir uns an der Villa Aurelia. Ich hatte dafür gesorgt, dass Amytis in gute, aber dennoch schlicht wirkende Kleider gewandet war. Sie waren dunkel, fast schwarz. Mit mir selbst hatte ich lange gehadert, welche Kleidung ich tragen wollte. Als Römer hätte ich mich in die dunkle toga pulla hüllen sollen. Doch in Ermangelung herausragender Verdienste des Verstorbenen wäre die Pompa dann zu schlicht geraten. Es waren - für einen Patrizier - wenige gekommen. Seine freigelassenen Sklaven natürlich, eine Hand voll Geschäftspartner und ein paar Schaulustige. Das hatte ich erwartet. Deshalb war ich auch nicht als Römer, sondern als Gesandter aus Serica erschienen. Eigentlich wäre weiß die serische Trauerfarbe gewesen. Doch hatte ich hierauf verzichtet. Einerseits, weil meine römischen Landsleute das nicht verstanden hätten und zweitens, weil ich mich weigerte, ihm diese Ehre zu erweisen. Er hatte sich selbst entehrt. So trug ich meine schwarzen Seidengewänder. Außer Amytis und Sporus, den ich ebenfalls zur Pompa mitnahm, würde das niemand wissen. Die Pompa würde in Kürze losgehen.


    Sim-Off:

    Ich schlage vor, dass wir dann im Thread für die Pompa weiterschreiben.

    "Sporus, du musst ohnehin bei mir bleiben, damit ich dich deinem neuen Besitzer überstellen kann," antwortete ich ruhig, bevor ich mich Amytis zuwendete. "Amytis, ich danke dir und freue mich, dass du die Aufgabe zu Ende bringen willst. Ich will dir zahlen, was ich als Miete für dich an Aurelius Pinus gezahlt habe." Zwei Aurei waren ein recht großzügiger Betrag.


    Inzwischen kamen auch zwei Personen an, die ich kannte. Juristen, Kollegen von mir. Sie gaben mir ihre Aufzeichnungen. Ich ging diese aufmerksam durch. "Aemilius Magnus, ich kann die das Anwesen leider nicht verkaufen. Wenn du allerdings Interesse an persönlichen Gegenständen von Aurelius Pinus hast, könnte ich dir diese veräußern. Oder ich schlage dir ein Geschäft vor: Du kannst die persönlichen Gegenstände von Aurelius Pinus haben. Die aurelischen Sklaven, die nicht Pinus gehört hatten, können dir diese bringen. Im Gegenzug wirst du den Trauerzug von Aurelius Pinus anführen. In Ermangelung anderer patrizischer Gefährten und weil er nur sehr wenige Klienten hat, wird das wenigstens ein wenig Würde und Glanz für Aurelius Pinus geben. Einverstanden?"

    Mir war Amytis' Reaktion auf sein Angebot zwar aufgefallen, dennoch wandte ich mich an sie. "Es ist deine Entscheidung, Amytis." Ich wusste nicht, ob die beiden eine Vorgeschichte hatten, auch wenn ich es vermutete, oder ob Amytis einfach nur ihre wiedergewonnene Freiheit genießen wollte. Mit meinem Kenntnisstand war das ein durchaus gutes Angebot. Ich wollte sie aber nicht beeinflussen. Mit Freiheit einher ging auch die Freiheit der Entscheidung.

    Die ganze Situation war für mich ungewohnt chaotisch und emotional. Ich schloss für einen kurzen Moment die Augen, um meine Gedanken zu sortieren. Mit dem ranghöchsten anfangen, ging mir durch den Kopf.


    "Aemilius Magnus, ich will deine Fragen zuerst beantworten. Ich will mit der einfachen Frage beginnen. Rechtlich spricht nichts dagegen, wenn du dich um Amytis kümmerst. Vorausgesetzt natürlich, dass Amytis deine Hilfe in Anspruch nehmen will. Gegen ihren Willen wird das nicht gehen." Meine Stimme war höflich. "Schwieriger ist die Frage nach dem Anwesen. So lange es einen Erben aus der Gens Aurelia gibt, wird das Anwesen an diese Person vererbt. Du würdest dich dann mit der Gens Aurelia einigen müssen. Wenn es keine Erben gibt, wird das Anwesen an den Staat fallen. In diesem Fall wirst du es wahrscheinlich dem Kaiser abkaufen müssen. Da ich momentan noch nicht weiß, ob es Erben gibt, muss ich selbst nachforschen. Wenn du mir sagst, wohin ich Post senden kann, werde ich dir das Ergebnis der Prüfung schreiben. Du kannst dich dann um alles Weitere kümmern."


    Danach wendete ich mich an Amytis. "Amytis, eure Ansprüche als Freigelassene richten sich auf das, was einem Klienten zusteht. Gesetzlich gibt es hier nichts, was ihr einklagen könnte. Aber nach Mos Maiorum kann erwartet werden, dass die Gens Aurelia als euer Patron moralisch verpflichtet ist, euch zu unterstützen. Das bedeutet Obdach, Kleidung und Essen. Grundsätzlich wird von euch aber auch erwartet, euch schnellstmöglich Arbeit zu suchen und auf eigenen Füßen zu stehen." So war die Sachlage. Nach dem Gesetz konnte der ehemalige Herr sie auch des Hauses verweisen. Aber der war tot, also blieb nur die Gens als Ansprechpartner. Für die ich jetzt erstmal sprach. "Das heißt, dass ihr erst einmal in euren Zimmern wohnen könnte, genügend Getreide zum überleben erhaltet, eure Kleidung bei euch verbleibt und ihr genug Wasser erhalten müsst, um nicht zu verdursten."

    Ich warf einen kurzen Blick in das Kästchen und schloss es dann schnell wieder. So gut meine Selbstbeherrschung auch war, nun konnte man auf meinem Antlitz Entsetzen und Ekel erkennen. Zumindest für einen Moment. Diese Wirkung hatte nicht nur das, was ich sah, sondern vor allem auch die Tatsache, dass sich Aurelius Pinus damit selbst entehrt hatte. Ein Teil von mir wollte das auch so belassen, aber das konfuzianische Denken gewann die Oberhand. "Es gibt nichts zu verzeihen, Sporus," sagte ich leise. Dann wandte ich mich an den aurelischen Sklaven, der mich empfangen hatte. "Falls es noch nicht geschehen ist, soll der verstorbene Aurelius Pinus gewaschen und einbalsamiert werden. Er soll in eine gute Tunika und die Toga gekleidet werden und im Atrium aufgebahrt werden. Die Klienten der Gens Aurelia sind zu informieren und sollen ihm die letzte Ehre erweisen. Außerdem soll in sieben Tagen eine Pompa von hier zum Ort der Einäscherung stattfinden und er soll ein angemessenes Grabmal an der Via Appia erhalten. Ist das verstanden?"


    Danach las ich noch einmal den Brief durch. Und noch einmal. "Deshalb habe ich mich entschlossen, dich nicht, wie meine anderen Sklaven freizulassen... nicht, wie meine anderen Sklaven... freilassen..." murmelte ich die Worte des Briefes. Ich sah Amytis an. "Du bist frei. Ebenso wie alle anderen Sklaven, die sich zum Zeitpunkt seines Todes im persönlichen Eigentum des Verstorbenen befunden hatten." Die Worte waren laut und deutlich ausgesprochen. Passanten auf der Straße blieben stehen und sahen zu uns. Langsam bildete sich eine Traube von Menschen vor der Villa Aurelia. "Schaut nicht so dumm, sondern hört zu, damit ich die letzte Willensbekundung des Aulus Aurelius Pinus verlese und ihr dieses bezeugen könnt." Ich nahm den Brief und las ihn laut vor. "Ich bin Aulus Iunius Tacitus, römischer Bürger und Advocatus der Gens Aurelia."

    "Alles zu seiner Zeit," sagte ich zu Sporus. Dann nahm ich erst einmal das Schreibzeug, verfasste eine kurze Botschaft und beschriftete die Rückseite mit Namen und wo diese zu finden waren. Das gab ich dem Sklaven an der Porta zurück. "Schicke einen Boten zu diesen Personen. Der Bote sollte lesen und schreiben können. Sobald er mit den entsprechenden Personen zurück ist, werden wir uns darum kümmern, dass das Erbe ordnungsgemäß verteilt wird." Meine ganze Körpersprache zeigte, dass ich keinen Widerspruch duldete. "Los!"


    Während ich das Schreiben von Sporus nahm, sprach ich zu dem Aemilier. "Deine Meinung zu uns Juristen ist deine Meinung, aber vor dem Gesetz und auch hier ohne Belang." Meine Stimme war kühl und emotionslos. Die folgenden Worte jedoch sprach ich höflich, fast schon freundschaftlich. "Allerdings gebe ich dir einen gut gemeinten Rat - sogar ganz kostenlos. Zu behaupten, dass sich einen angesehene Gens wie die Aemilii einfach nimmt, was ihr gefällt, ist bestenfalls rufschädigend und schlimmstenfalls ruft es die Prätorianer auf den Plan. Warum ist es rufschädigend? Weil eine offen zur Schau getragene Missachtung der Gesetze, die eine patrizische Gens in ihren Methoden Räubern und Dieben gleichstellt, unangebracht und dem Mos Maiorum entgegenstehend ist. Warum könnte es die Prätorianer auf den Plan rufen? Weil eine patrizische Gens, die sich nicht an die Gesetze hält und sich willkürlich und unberechtigt Dinge aneignet, eine Gefahr für den öffentlichen Frieden ist. Daher also mein Rat, solche Aussagen zu unterlassen." Nach einer kurzen rhetorischen Pause sprach ich weiter, diesmal aber wieder kühl und emotionslos. "Was mögliche Geschäfte anbetrifft, ist im Moment sicher der falsche Zeitpunkt. Ich muss ein Erbe regeln. Danach können wir weitersehen." Dass er einen Juristen wahrscheinlich nötig hatte, daran hatte ich keinen Zweifel.


    Ich fragte mich, warum ich eigentlich schon wieder ein Erbe regeln musste. Aber das war wohl im Moment mein Schicksal.


    Dann las ich kurz den Brief durch und wandte mich an Sporus. "Ich bin mir nicht sicher, ob du den Inhalt hören möchtest. Es sind vor allem Herabsetzungen deiner Person. Das Kästchen dort ist übrigens für dich. Es sei etwas darin, was du seit vielen Jahren vermisst hast." Kurz dachte ich nach. "Irgendwie habe ich dabei ein ungutes Gefühl."

    Dem Sklaven antwortete ich selbstbewusst. "Ich bin Aulus Iunius Tacitus. Eigentlich war ich in meiner Eigenschaft als serischer Gesandter hierhin unterwegs, doch nun spreche ich in meiner Eigenschaft als Advocatus der Gens Aurelia. Zuletzt vertrat ich Aurelius Romanus. Da kein Aurelier zu gegen ist, werde ich die rechtlichen Angelegenheiten im Sinne der Gens Aurelia und des Verstorbenen Aurelius Pinus regeln." In der Angelegenheit würde ich keinen Spaß verstehen.


    Dann kam ein mir unbekannter Mann hinzu. "Ich gehe davon aus, Aemilius Magnus, dass du kein Verwandter des Toten bist. Daher wäre zunächst abzuwarten, was im Testament steht. Wenn du bedacht wurdest, gut, wenn nicht, dann werde ich dir nicht weiterhelfen können."


    Dann wandte ich mich wieder an den Sklaven. "Bring mir etwas zu schreiben und einen Boten. Danke. Und so lange ich es nicht gestatte, betritt niemand dieses Haus, der nicht Angehöriger oder Eigentum der Gens Aurelia ist." Ich selbst beschloss, ebenfalls hier zu warten. Und meine Körpersprache, die ich in zahlreichen Gerichtsprozessen optimiert hatte, zeigte deutlich, dass ich keinen Widerspruch dulden würde.

    Nachdem ich im Tabularium war und herausgefunden hatte, wer Sporus erbte, war ich nochmal in der Domus Iunia, um mich wieder umzuziehen. Ich wollte Aurelius Pinus wieder in meiner Rolle als serischer Gesandter begegnen, deshalb war wieder die Seidenkleidung angesagt. Mit Amytis und Sporus kam ich an der Villa Aurelia an und klopfte laut mit meinem Spazierstock an die Porta.

    Die Worte, die Amytis sprach, berührten mich, auch wenn ich es nicht zeigte. So verneigte ich mich noch einmal leicht. "Zhēnzhū," sagte ich respektvoll. Meine Augen waren ihr kurz zu Sporus gefolgt, dann wieder zu ihr, und schließlich wieder zu Sporus, als dieser sprach. Ich drehte mich zu ihm und klopfte ihm mit meiner rechten Hand auf die Schulter. "Du, Sporus, wirst nicht so leicht zerbrechen. Ich bin mir sicher, dass dich nach dem, was du ertragen hast, nichts mehr brechen kann." Dabei dachte ich natürlich an die Kastration, denn von mehr wusste ich ja nicht. Und hätte ich es geahnt, hätte ich meine Worte wohl anders gewählt.


    Nach einem kurzen Moment ging ich einen Schritt zurück, um beide gleichermaßen betrachten zu können. "Wenn ihr möchtet, könnt ihr euch in der Küche etwas zu essen machen. Ich werde mich gleich auf den Weg ins Tabularium machen. Ich hoffe, dass ich dort herausfinden kann, wer Sporus erbt. Das werde ich dann bei den entsprechenden Stellen geltend machen. Und wenn ich zurück bin, werde ich mich mit euch auf den Weg zur Villa Aurelia machen. Die Verantwortung dafür, dass ihr gestern Abend nicht dort wart, übernehme ich. Mit Geld lässt sich oft erstaunlich viel regeln. Vielleicht kann ich auch aushandeln, dass ich euch während der ganzen Ausbildung für die Audienz auch nachts hier behalten kann." Das meinte ich durchaus ernst.

    Ich hörte ihr aufmerksam zu. Aurelius Pinus war sich ihres Wertes offensichtlich nicht bewusst. "Ich danke dir für deine klaren und weisen Worte, Amytis, und dafür, dass du mich daran teilhaben ließest. Wie es scheint, hat dir deine Versklavung tiefe Erkenntnisse vermittelt. So, wie mir meine Reise nach Hàn tiefe Erkenntnisse vermittelt hat. Wir beide waren einst andere Menschen, doch haben uns unsere Erfahrungen zu weiseren Menschen gemacht. Wir erkennen, möchte ich meinen, dass die himmlische Ordnung eine andere ist, als es die Herrscher umzusetzen verstanden. Und doch kennen wir die himmlische Ordnung nicht. Der Himmel spricht nur zu denen, die sein Mandat erhalten. Und wie es scheint, verstehen ihn selbst diese Menschen allzu oft nicht." Während ich sprach, wurde ich nachdenklicher, leiser. "Der Edle strebt nicht nach Reichtum oder Ruhm, sondern nach Frieden und Harmonie für alle unter dem Himmel." Wieder etwas lauter und einem feierlichen Tonfall, wie ihn hohe serische Beamte bei der Ernennung von Privilegien verwendeten, sprach ich weiter. "So lange wir unter uns sind, brauchst du dich vor mir nicht zu verneigen und den Blick nicht zu senken. Außer, es beliebt dir. Und so lange wir unter uns sind, will ich dich Zhēnzhū nennen, wenn du es mir gestattest. Das bedeutet in etwa 'wertvolle Perle', denn du bist ein wertvolles Juwel. Noch weiß ich nicht, warum sich unsere Wege kreuzten, aber ich bin dem Himmel dankbar, dass es so ist." Ich verneigte mich tief, so wie vor einem hohen Beamten in Serica. Es war eine der höchsten Respektsbezeugungen, zu denen ich fähig war.

    "Eine gute Antwort." Durch eine respektvolle Verneigung unterstützte ich diese Aussage. "Allerdings möchte ich noch etwas ergänzen. Der General Sūn Wǔ hat in seinem Buch Bīngfǎ, was so viel bedeutet wie 'über die Kriegskunst' geschrieben, dass die besten Krieger keinen Ruhm ernten. Man kennt ihre Namen nicht, weil sie die Feinde besiegen, bevor sie Feinde werden. Es bedarf keines Kampfes, wenn man die strategische Weitsicht hat, den Feind so früh zu erkennen, dass er selbst noch nicht einmal mit der Planung angefangen hat, und alle Pläne zu vereiteln, bevor es überhaupt zu einem Kampf kommen kann. Der vollkommene Sieg ist ohne jeden Kampf. Was denkst du, hat er Recht?" Etwas anderes musste ich auch noch hinterfragen. "Ich sehe auch nicht, weshalb eine teure Rüstung nötig sein sollte. Wer die Kunst des Schwertkampfes wirklich beherrscht, kommt ohne Rüstung aus. Und nein, ich bin noch nicht an diesem Punkt angelangt. Auch eine adelige Herkunft ist unnötig, um zu den besten Kriegern zu gehören. Liú Bāng entstammte einer Bauernfamilie und schaffte es, ein niederer Beamter zu werden. Als es Aufstände gegen die ungerechte Herrschaft des damaligen Kaisers gab, wurde er einer der Anführer der Aufständischen und war ein siegreicher Stratege. Er besiegte sogar Gegner, die größer und mächtiger waren, als er. Und am Ende aller Kämpfe wurde ihm das Mandat des Himmels zuteil. Als Kaiser Hàn Gāozǔ begründete er eine neue Dynastie und Jahrhunderte des Friedens und Wohlstands für sein Volk. Allerdings war er eine vollendeter Schwertkämpfer. Man sagt, dass es ihm gelang, eine angreifende Schlange zu enthaupten, bevor sie ihn beißen konnte. Er hatte das Schwert noch nicht gezogen, als sie zum Angriff ansetzte. Er zog das Schwert so schnell und führte dabei gleichzeitig einen Hieb aus, dass sie ihn nicht zu beißen vermochte. Vielleicht ist es wahr, vielleicht auch nicht. Aber es zeigt, dass eine adlige Herkunft für den Himmel unwichtig ist. Wichtig ist die innere Einheit von Schwert und Krieger, ein reines Herz und die Fähigkeit, Gegner zu vernichten, ohne es zum Kampf kommen zu lassen. Wie siehts du das?" Die Fragen waren offen gestellt. Ich war ehrlich an ihrer Meinung interessiert.