Hochzeitsfest von Quintilia Valentina und Decimus Serapio

  • Das wird der schlimmste Tag meines Lebens! – so hatte ich Zeit meines Lebens gedacht, wenn ich mir den Tag meiner Hochzeit vorgestellt hatte. Doch es war anders gekommen als gedacht, und heute war es mir keineswegs unangenehm, an der Seite meiner Braut im Atrium des Hauses zu stehen.
    Wir hatten uns vollkommen untraditionell dafür entschieden, das Fest gleich hier starten zu lassen, anstatt in der Casa Quintilia, die einfach zu klein für die Zahl der geladenen Gäste war. (Großtante Drusilla hatte nämlich energisch darauf bestanden, dass wir alle Gentes mit Rang und Namen einluden.)
    Auch der Zeitpunkt hätte lauschiger sein können – doch wir wollten nicht länger warten (ich, weil ich fürchtete, dass Casca zurückkehren und mir Valentina wieder ausspannen könnte, und meine liebe Valentina hatte einfach in der Vergangenheit schon zu viel gewartet.)

    So störte es uns nicht sonderlich, dass unsere Hochzeit an einem trüben Dezembertag stattfand. Ein kalter Wind pfiff ums Haus, wirbelte gerade einige welke Blätter herein, die langsam ins Impluvium niedersanken. Dorf fischte sie sogleich einer unserer Haussklaven heraus. Das gesamte Personal war für heute neu eingekleidet worden, trug Tuniken in denen das Quintilier-Blau mit dem Decimer Schwarz-Weiß harmonisch kombiniert war. Alle Vorbereitungen der vergangenen Wochen mündeten in diesem Tag. Das Haus war von oben bis unten geschmückt, wenngleich die frischen Blumen für die Sträuße und Girlanden alle unter Glashäusern gewachsen waren. Die Büste des Kaisers und die Statue des Genius des römischen Volkes neben unserem Impluvium prangten in aufgefrischten Farben, die Ahnenmasken waren geschmückt, meine Orden auf Hochglanz poliert.
    Unzählige Kerzen und Öllampen brannten. In der Küche wurde auf Hochtouren gearbeitet, köstliche Düfte zogen durchs Haus, die Sklaven trugen Platten mit kleinen Gaumenfreuden, und natürlich Krüge mit edlen Weinen. Als Unterhaltungsprogramm waren Tänzerinnen aus Gades und allerlei Musiker, Jongleure, Verseschmiede und Pantomimen, ein Affendresseur und für spätere Stunde ein Feuerspeier engagiert.


    Meine Braut und ich waren farblich bestens abgestimmt in amethystfarbene Seidengewänder gekleidet, welche von Goldfäden durchwirkt und mit glückverheißenden Mustern aus irisierenden Käferflügeln bestickt waren. Valentina trug etwas duftigere Töne, ich sattere. Seite an Seite begrüßten wir bereits die ersten Gäste, vor allem Familie und Klienten, während die Musiker eine heitere Hochzeitsweise spielten.



    Sim-Off:

    Die Porta bitte umgehen und direkt hier schreiben. ;) Jeder darf selbst entscheiden, ob er Begrüßung/Glückwünsche ausspielen mag, oder simon schon gratuliert hat und lieber an anderer Stelle in die Szene einsteigen mag.

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    SODALIS FACTIO AURATA - FACTIO AURATA

    Klient - Decima Lucilla

  • Obwohl sie schon mehrmals kurz vor diesem Tag gestanden hatte, war Valentina so aufgeregt, dass sie die ganze Nacht nicht geschlafen hatte. Sie hatte Angst, es könnte alles nur ein Traum sein und wenn sie aufwachte, war Serapio doch wieder verschwunden. Nun aber stand sie neben ihm und begrüßte die Gäste. All der Trubel in der Casa und die vielen Sklaven die herum eilten, die bunten Farben, die Gerüche, das alles kam ihr so unwirklich vor. Und doch war nun der Tag ihrer Hochzeit gekommen. Schon seit Sonnenaufgang hatten sich zwei Sklavinnen um ihre Haare bemüht, hatten die goldenen und amethystfarbenen Bänder eingeflochten und ihr anschließend damit geholfen ihr Gewand anzuziehen. Es bedeutete Valentina so viel, dass all die Feierlichkeiten hier in der großen Villa stattfinden konnten. Nur kurz dachte sie mit Wehmut daran als sie an ihr eigenes Zuhause dachte. Dort hätte man aber nicht annähernd so viele Leute unterbringen können und der Rahmen wäre dem Stand ihres Zukünftigen nicht gerecht geworden. Deswegen war das hier genau der richtige Ort. Und sie würde nun bald hier dazu gehören.


    Die Hand von Serapio festhaltend, kam es ihr vor wie in einem Traum. Sie hatten bereits eine Verlobungsfeier gehabt, hatten all die Glückwünsche entgegen genommen, doch dann war er einfach verschwunden. Musste gehen und hatte sie zurück gelassen. Dann kam Casca und Valentina wusste erneut einen Mann an ihrer Seite. Doch die Götter hatten auch Casca nicht für sie bestimmt, denn ihr Weg hatte sie wieder zurück zu Serpaio geführt. Manchmal hatten die Götter schon einen komischen Sinn für Humor. Doch Valentina wagte es nicht weiter darüber nachzudenken, immer wieder sah sie Serapio von der Seite an und lächelte glücklich. Es bedeutete ihr viel, dass er sie zurück genommen hatte. Schließlich hatte sie nichts im Vergleich zu der Frau die er eigentlich heiraten hätte sollen. Glück und Leid so eng zusammen. Viel Zeit weiterhin ihren zukünftigen Mann anzuschmachten blieb Valentina nicht, denn schon trafen die ersten Gäste ein.

  • Als der Brief mit der Einladung zu dieser Hochzeit in der Domus Annaea eingetroffen war, war ich äusserst erstaunt darüber. Noch war ich in Rom sicherlich nicht eine Bekanntheit, hatte noch nicht wirklich viel geleistet, auch wenn ich mich darum bemühte, dies jeden Tag ein klein wenig zu ändern und jeden Tag als produktiv und erfolgreich abzuschliessen. Doch ich konnte auf Grund fehlender wirklich relevanter Errungenschaften nicht davon ausgehen, dass ich zu den bekannten Männern der Stadt gehörte.

    Natürlich freute mich die Einladung trotzdem. Erstens war ich ein Klient eines Decimers, auch wenn dieser schon lange nicht mehr in der Stadt gesehen worden war und ich keine Ahnung hatte, wo der gute Decimus Livianus sich gerade aufhielt. Zweitens gehörte gemäss meinen Informationen der einladende Bräutigam zu den Menschen in Rom, mit denen man sich lieber gut stellen sollte. Als Tribun der Prätorianer hatte er durchaus eine Machtposition inne.


    Aus diesen Gründen, und in der Hoffnung auch etwas über den Verbleib meines Patrons zu erfahren, da ich mir nämlich sonst eventuell einen neuen suchen musste, um in meiner Karriere weiter zu kommen, hatte ich mich entschlossen, die Einladung anzunehmen. Als Hochzeitsgeschenke hatte ich eine Schmuckschatulle mit verschiedenfarbigen Marmor-Einlagen und eine mittelgrosse Silberplatte mit einem Hochzeitszug als Motiv gewählt. Ein Sklave des Annaeischen Haushalts und mein treuer Selenus trugen diese und sobald ich sie an die Gastgeber übergeben hatte, würde sich dieser Sklaven wieder zurückziehen und auf mein Verlassen des Festes warten, um mich danach sicher wieder in die Domus Annaea zu geleiten, während Selenus sich unauffällig weiter in meiner Nähe aufhalten würde.


    So wurden wir also zu dritt zum Brautpaar geführt, nachdem wir uns an der Porta gemeldet und mit dem Einladunsbrief ausgewiesen hatten.


    Der gewesene Vigintivir Lucius Annaeus Florus Minor und sein Freigelassener Selenus. wurden wir angekündet, als die Reihe an uns war.

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    DOMINUS FACTIONIS - FACTIO ALBATA

    Klient - Marcus Decimus Livianus

  • Ich kannte Serapio vom Oktoberpferd , bei dem wir beim Wagenrennen gegeneinander angetreten waren, und dass er mich nun zu seiner Hochzeit eingeladen hatte, fand ich eine sehr kameradschaftliche Geste.

    Ich war mit Diocles, meinem Sklaven gekommen, der sich dann bei den anderen Sklaven aufhalten und hoffentlich versorgt werden würde.

    Diocles trug auf einem silbernen Tablett ein zusammengefaltetes Tuch aus reiner Seide, das ich aus dem Handelshaus der Furier in Portus Ostiensis beschafft und der unbekannten Braut zugedacht hatte. Silberweiß glänzte es wie gesponnener Mondenschein.

    " Aulus Furius Saturninus, Primicerius ab Epistulis der kaiserlichen Kanzlei", wurde ich angekündigt.


    Die beiden strahlenden Menschen in ihren amethystfarbenen Gewändern mussten das Brautpaar sein, und der gute Diocles verbeugte sich in ihre Richtung. Sie waren ein so erbaulicher Anblick, der schwarzhaarige Serapio mit den blauen Augen und soldatischen Haltung, die zarte blonde Valentina an seiner Seite, leuchtend vor Glück; Flora oder Aurora hätte ich unter ihr Bildnis schreiben mögen. Oder Ariadne, da der Bräutigam denn Theseus oder Dionysos gliche.

    Ich begrüßte das Brautpaar mit einem kurzen Epithalamium, einem schillernden Hochzeitsgedicht:

    "Denn wo das Strenge mit dem Zarten,

    wo Starkes sich und Mildes paarten

    Da gibt es einen guten Klang."

  • Unverhofft kommt oft


    "Wo ist er?" flötet Lucilla durch das Vestibulum bis ins Atrium und rauscht ihren Worten hinterher wie nur sie es kann. Sie hat eine kleine Odyssee hinter sich, die Straßen werden mit jedem Jahr schlimmer. Und dann das Gedränge in der Stadt! Schreck-lich! Sogar in ihrer Sänfte war ihr das fast zuviel. Um so erstaunlicher, dass sie aussieht wie das blühende Leben, zumindest das blühende Leben in fortgeschrittenem Alter. Eigentlich eher das blühende Leben in fortgeschrittenem Alter minus mindestens zehn Jahre. Denn eine Frau von ihrem Format und Schlag kennt nun einmal alle Mittel und Wege, sich jung zu halten. Das extravagante Kleid in Lachsrosa mit tiefem Ausschnitt und goldenem Gürtel, das regelrecht umschwebt wird von einer beinahe durchsichtigen Palla, trägt sein Übriges dazu bei. Und obwohl dieser Schnitt in Rom erst in einigen Wochen modern sein wird, sieht er an Lucilla weder aufgedonnert, noch billig aus, sondern extravagant elegant.


    "Faustus! Mein Liebling!" entdeckt sie ihren Goldjungen in einem amethystfarbenen Seidengewand umringt von einigen Familienmitgliedern. Den guten Geschmack, den hat er eindeutig von seiner Tante geerbt!

    "Wie wundervoll, ich dachte ja du würdest es nie mehr schaffen!" Sie drückt ihm links und rechts ein Küsschen auf die Wangen und wendet sich Valentina zu.

    "Und du musst Valentina sein!"

    Obwohl nichts in ihrem strahlenden Gesicht darauf hindeutet taxiert Lucilla die Braut sehr genau. Denn wenn sie der Ansicht wäre, dass diese Frau ihren Faustus nicht verdient, dann wäre dies ein sehr schlechtes Omen für die Ehe. Ein Omen, dass sich in diesem Fall auch später im Opfertier wiederfinden würde. Denn eine Frau von Lucillas Format und Schlag kennt nun einmal alle Mittel und Wege, ihren Willen den Göttern zu empfehlen.

  • Obwohl sie schon mehrmals kurz vor diesem Tag gestanden hatte, war Valentina so aufgeregt, dass sie die ganze Nacht nicht geschlafen hatte. Sie hatte Angst, es könnte alles nur ein Traum sein und wenn sie aufwachte, war Serapio doch wieder verschwunden. Nun aber stand sie neben ihm und begrüßte die Gäste. All der Trubel in der Casa und die vielen Sklaven die herum eilten, die bunten Farben, die Gerüche, das alles kam ihr so unwirklich vor. Und doch war nun der Tag ihrer Hochzeit gekommen. Schon seit Sonnenaufgang hatten sich zwei Sklavinnen um ihre Haare bemüht, hatten die goldenen und amethystfarbenen Bänder eingeflochten und ihr anschließend damit geholfen ihr Gewand anzuziehen. Es bedeutete Valentina so viel, dass all die Feierlichkeiten hier in der großen Villa stattfinden konnten. Nur kurz dachte sie mit Wehmut daran als sie an ihr eigenes Zuhause dachte. Dort hätte man aber nicht annähernd so viele Leute unterbringen können und der Rahmen wäre dem Stand ihres Zukünftigen nicht gerecht geworden. Deswegen war das hier genau der richtige Ort. Und sie würde nun bald hier dazu gehören.


    Die Hand von Serapio festhaltend, kam es ihr vor wie in einem Traum. Sie hatten bereits eine Verlobungsfeier gehabt, hatten all die Glückwünsche entgegen genommen, doch dann war er einfach verschwunden. Musste gehen und hatte sie zurück gelassen. Dann kam Casca und Valentina wusste erneut einen Mann an ihrer Seite. Doch die Götter hatten auch Casca nicht für sie bestimmt, denn ihr Weg hatte sie wieder zurück zu Serpaio geführt. Manchmal hatten die Götter schon einen komischen Sinn für Humor. Doch Valentina wagte es nicht weiter darüber nachzudenken, immer wieder sah sie Serapio von der Seite an und lächelte glücklich. Es bedeutete ihr viel, dass er sie zurück genommen hatte. Schließlich hatte sie nichts im Vergleich zu der Frau die er eigentlich heiraten hätte sollen. Glück und Leid so eng zusammen. Viel Zeit weiterhin ihren zukünftigen Mann anzuschmachten blieb Valentina nicht, denn schon trafen die ersten Gäste ein.


    Zu meiner Amica blickend, fing ich ihr schwärmerisches Lächeln. Ich drückte ihre Hand und lächelte warm zurück. Es war schon ein unverschämtes Glück, dass sie mich zurückgenommen hatte! Ein Hoch auf den Genius der Zweiten Chancen! Und so sehr ich es genoss, mal wieder ein rauschendes Fest in unserem Haus zu feiern – noch mehr Freude machte es mir, dies alles Valentina zu bieten, damit sie endlich die Feier bekam, die sie verdiente.
    "Wir tun das gerade wirklich" flüsterte ich ihr übermütig zu, "Bona Dea, wir heiraten! Carissima Valentina, du siehst atemberaubend aus. Ich bin der meist beneidete Mann in Rom heute...!"
    (Nur gut, dass gewisse Kompromisse, auf denen unser herzliches Einvernehmen basierte, unser beider Geheimnis waren.)


    Unter den ersten Gästen war ein junger Mann, dem eine blitzende Silberplatte hinterhergetragen wurde, eine feine Arbeit, die unwillkürlich meinen Blick einfing. Dann jedoch beherrschte ich mich, nicht zu begierig die Geschenke anzustarren, schließlich galt es heute meine Gens mit Würde zu repräsentieren. Mein Nomenclator Orosius flüsterte mir einige Informationen zu dem Gast zu, während dieser näher trat. Orosius stand schräg hinter mir, und in greifbarer Nähe auch mein Vertrauter Icarion, zwei Custodes und sowohl mein Ornator als auch eine Ornatrix für Valentina, für Notfälle.
    "Salve Annaeus Florus Minor!" begrüßte ich ihn mit einem freundlichen Lächeln und einem Händedruck. Dem Libertus nickte ich kurz zu: "Salve."
    "Willkommen, wir freuen uns, dass du der Einladung gefolgt bist." Bestürzt sah ich, dass er noch nichts zu trinken in der Hand hielt, gab einem der Sklaven einen Fingerzeig, der dem sogleich Abhilfe verschaffte. "Darf es ein Massiker sein?"
    Auf meiner Hochzeit würde ich die Gäste reichlich mit meinem Lieblingswein versorgen – wobei natürlich eine größere Auswahl für unterschiedliche Geschmäcker bereitstand.
    Valentina erklärte ich, dank Orosius gut informiert: "Annaeus Florus Minor ist ein Klient meines Vaters, eben erst von seinem Tribunat in Germanien zurückgekehrt und hochstehend in der Gunst unseres Imperators."
    Und wieder zu Annaeus: "Mein Vater ist heute leider nicht dabei. Er weilt in Hispania, und die Überfahrt um diese Jahreszeit ist ja bekanntlich keine Freude." Sondern eher lebensgefährlich.


    Bald darauf traf der hübsche Veneta-Fahrer ein, heute zum Glück nicht in Blau, und begrüßte uns mit einem formvollendeten Vers. Ich lächelte breit, angetan von der Poesie ebenso wie vom Vortragenden und begrüßte ihn locker:
    "Furius Saturninus, willkommen. Möge die Gewandtheit deiner Worte niemals von der Gewandtheit deiner Zügelführung übertroffen werde, sonst fährst du mir beim nächsten mal davon! - Valentina ist übrigens nicht nur meine hinreißende Braut, sie ist auch meine ganz persönliche Fortuna, die mir an dem Tag Glück gebracht hat."
    Da ihm, wie ich mir erinnerte, der Tarraconenser geschmeckt hatte, erkundigte ich mich: "Ein sonniger Massiker, oder lieber ein feuriger Tarraconenser?"
    Valentina setzte ich in Kenntnis: "Furius Saturninus ist mein Rivale vom Oktoberpferd, und er arbeitet als Primicerius auf dem Palatin."


    Diese Stimme... nein, das kam jetzt aber unverhofft!
    "Tante Lucilla! Das ist ja großartig! Es ist ja ewig her! Wie geht es dir und deiner Familie?" Ich hatte nicht gedacht, dass sie die strapaziöse - und wie ich eben gerade gedacht hatte sogar lebensgefährliche - Reise auf sich nehmen würde. Ich war ganz gerührt! Von einem Ohr bis zum anderen strahlend erwiderte ich die Wagenküsschen und konterte: "Tja, ich habe eben auf die Richtige gewartet."
    Und zu Valentina meinte ich fröhlich: "So, jetzt lernst du endlich meine Tante Lucilla kennen, genau, die Lucilla, von der ich dir schon so viel erzählt habe."
    Denn das hatte ich natürlich, ihr erzählt von meiner Lieblingstante, die auch ein bisschen Ersatzmutter gewesen war, dazu meine Patrona und einflußreiche Auctrix sowie Strippenzieherin in Rom, und überhaupt eine Naturgewalt.

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  • Tiberius hatte sich äußerst geehrt gefühlt, als die Einladung zur Hochzeit ein der Casa Valeria eingetrudelt war. Wie unerwartet und wie angenehm. Er selbst hatte den glücklichen Bräutigam neulich auf der Besprechung mit Flavius Gracchus kennen und schätzen gelernt.

    Darüber hinaus würde Tiberius sich ein so angenehmes gesellschaftliches Ereignis wohl kaum entgehen lassen. Und da war er offensichtlich nicht der einzige. Ah, da drüben war auch Furius Saturninus und dort... Florus, ja richtig. Den hatte man auch schon länger nicht mehr in der Stadt gesehen gehabt, bis man ihn offensichtlich von seinem germanisch-tribunizischen Exil erlöst hatte.


    Und natürlich die strahlende Braut. Der Tribunus der Garde konnte sich wahrlich glücklich schätzen.


    Mit einem heiteren Lächeln wartete Tiberius, bis der Tribun sich bis zu ihnen vor gearbeitet hatte.

  • Valeria Maximilla trug ein tannengrünes Gewand und eine zitronengelbe Palla, zudem ihren Bernsteinschmuck. Sie war geschminkt und hatte ihr dunkles Haar mit Goldstaub gepudert, der aber nun rieselte, wenn sie den Kopf bewegte. Dicht hielt sie sich bei Valerius Flaccus.

    Mit großen Augen betrachtete sie Valentina, die schöne Braut, und Serapio, den so stattlichen Bräutigam. Den Mann hatte sie schon einmal gesehen, aber sie erinnerte sich nicht mehr daran, wo, freilich war der Praetorianertribun stattbekannt und eine Erscheinung, die die Mädchenherzen höher schlagen ließ.

    Wie glücklich die Braut aussah, wie vertrauensvoll ihre zarte Hand auf dem Arm ihres zukünftigen Bräutigams lag.

    Maximilla beschloss, alles ihrem Cousin nachzumachen, wenn sie vor das Paar treten würde. Sie lächelte, aber ihr Lächeln war das einer Person, die weit weg in Gedanken ist.

    Sie, Valeria Maximilla, würde nie Braut sein und nie Mutter.

  • Unter den ersten Gästen war ein junger Mann, dem eine blitzende Silberplatte hinterhergetragen wurde, eine feine Arbeit, die unwillkürlich meinen Blick einfing. Dann jedoch beherrschte ich mich, nicht zu begierig die Geschenke anzustarren, schließlich galt es heute meine Gens mit Würde zu repräsentieren. Mein Nomenclator Orosius flüsterte mir einige Informationen zu dem Gast zu, während dieser näher trat. Orosius stand schräg hinter mir, und in greifbarer Nähe auch mein Vertrauter Icarion, zwei Custodes und sowohl mein Ornator als auch eine Ornatrix für Valentina, für Notfälle.
    "Salve Annaeus Florus Minor!" begrüßte ich ihn mit einem freundlichen Lächeln und einem Händedruck. Dem Libertus nickte ich kurz zu: "Salve."
    "Willkommen, wir freuen uns, dass du der Einladung gefolgt bist." Bestürzt sah ich, dass er noch nichts zu trinken in der Hand hielt, gab einem der Sklaven einen Fingerzeig, der dem sogleich Abhilfe verschaffte. "Darf es ein Massiker sein?"
    Auf meiner Hochzeit würde ich die Gäste reichlich mit meinem Lieblingswein versorgen – wobei natürlich eine größere Auswahl für unterschiedliche Geschmäcker bereitstand.
    Valentina erklärte ich, dank Orosius gut informiert: "Annaeus Florus Minor ist ein Klient meines Vaters, eben erst von seinem Tribunat in Germanien zurückgekehrt und hochstehend in der Gunst unseres Imperators."
    Und wieder zu Annaeus: "Mein Vater ist heute leider nicht dabei. Er weilt in Hispania, und die Überfahrt um diese Jahreszeit ist ja bekanntlich keine Freude." Sondern eher lebensgefährlich.

    Als ich mit Selenus zusammen dem Brautpaar vorgestellt wurde, übergaben wir die beiden Geschenke an einen Sklaven, der diese sogleich zu anderen auf einen Tisch stellte.

    Salve Fauste Decime Serapio. sprach ich ihn korrekt mit ganzem Namen an, denn wir waren uns noch nicht bekannt und daher war die lange Anrede der Normalfall. Salve Quintilia Valentina. Ich gratuliere euch zu eurer Hochzeit und bedanke mich ganz herzlich für die Ehre eurer Einladung.


    Auf die Geschenke ging ich nicht ein, denn es war unhöflich. Sollte das Brautpaar nach der Feier und allem was während der Nacht und den folgenden Tagen noch dazu gehörte dann Zeit finden, sich für diese Geschenke zu interessieren, so waren ihnen ganz dezent kleine Papyri angehängt, welche es möglich machten, den Spender herauszufinden.


    Die Informationen zu meinem Patron nahm ich mit gemischten Gefühlen entgegen. Zum einen freute ich mich, dass es ihm offenbar gut ging, zum andern wäre es für mich natürlich auch schön gewesen, ihn einmal wieder zu sehen.

    Es freut mich sehr, dass es deinem Vater gut geht. Seit meiner Ankunft in Germania habe ich ihn nicht mehr gesehen. Dass eine Reise in dieser Jahreszeit sicherlich nicht anzuraten ist, das verstehe ich sehr wohl. Trotzdem schade, dass er diesen stolzen Moment nicht miterleben kann.

    Dann eilte auch schon ein Sklave herbei, der uns zu Trinken anbot. Ich bediente mich, spritzte mit dem Zeigefinger einen Tropfen in jede Himmelsrichtung, inklusive nach Oben und Unten und sprach dann: Mögen die Götter diese Ehe segnen und der Verbindung sowie euch ein langes Leben schenken!

    Dass der Prätorianertribun glaubte, oder wusste er es vielleicht sogar?, dass ich hoch in der Gunst des Kaisers stehen würde, das schmeichelte mir natürlich, aber ich wollte bei der Begrüssung nicht darauf eingehen oder ihm widersprechen. Immerhin standen hinter mir noch einige Gäste an, welche auch empfangen sein wollten.

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  • Dem Annaeus folgend war ich schweigend vor die Brautleute getreten. Nun erhielt auch ich einen Wein und schloss mich dem Segenswunsch des Annaeus an. Ein niedriger Bürger wie ich, hatte eigentlich an diesem Ort nichts verloren, aber der Annaeus hatte darauf bestanden, dass ich ihn begleiten solle.

    Meinen herzlichen Glückwunsch an das Brautpaar! sprach ich, als Florus geendet hatte.


    Ich fühlte mich unwohl vor dem Tribun der Prätorianer, nicht wegen der Bruderschaft, aber weil das hier doch ein Mann war, der in Rom einige Macht besass und auch sicherlich wusste, wie er sie nutzen konnte.

  • Gaaanz weit hinten in der Reihe stand auch ich und wartete geduldig, bis das Brautpaar sich der Reihe nach allen von mir gewidmet hatte. Das konnte etwas dauern, denn der Bräutigam war kein unbekannter Mann in Rom und auch die Braut, eine Quintilia, stammte nicht aus einer armen unbedeutenden Gens.


    Ich hatte mich schön gemacht, aber nicht zu dick aufgetragen, schliesslich sollte dies ja der Tag der Braut sein und es wäre sehr frech gewesen, wenn eine andere Frau ihr den Rang abgelaufen hätte.


    Begleitet von einem Sklaven und einer Sklavin, einem auf jeder Seite, da sonst kein Iulier mich gerade begleiten konnte oder alle selbständig hierher unterwegs waren und der Anstand, sowie die Sicherheit, trotzdem gewahrt werden mussten, durfte ich dann irgendwann das Brautpaar auch begrüssen.

    Salvete Fauste Decime Serapio und Quintilia Valentina. Ich freue mich sehr für euch, dass ihr euch gefunden habt! Herzlichen Glückwunsch!

    Den Bräutigam grüsste ich mit gesenktem Kopf, der Braut fasste ich beide Hände als ich mit ihr sprach. So war es Sitte bei einem Empfang.

  • Varenus ließ es sich natürlich nicht nehmen an einer Party teilzuhaben, auch wenn es sich um eine Hochzeit handelte und bestimmte Regel zu befolgen waren. Jedoch gab es reichlich Wein zu trinken und so wie er seinen Vetter kannte einen guten. So machte er sich mit seiner besten Kleidung, die er in seinem Schrank finden konnte, vom hinteren Bereich der Casa zum Gelage... ähm... Festsaal auf. Als er eintrat ging er direkt zu seinem Vetter und klopfte ihm auf seine Schulter. "Na mein Guter, mögest du viele Jahre der Eintracht haben und die Götter euch vollgesonnen sein. So wie ich und meine Frau Esquilina es seit Jahrzehnten erleben dürfen." Wo war sie, überhaupt? Gesagt und getan ging er direkt weiter zu einer Karaffe gefüllt mir leckeren, hochprozentigen Wein. Und sofort war der Becher gefüllt. Den ersten hatte er direkt in einem Atemzug genossen. Es folgte somit der zweite. Oh, da gibt es Huhn.

  • Tatsächlich sprach Serapio das aus, was sie sich gerade die ganze Zeit einzureden versuchte. Überglücklich nickte sie, und errötete gleich darauf wegen seinem Kompliment. Sie hatte sich so viel Mühe gegeben neben ihm eine ansehnliche Erscheinung darzustellen. Schließlich war sie heute die Frau an seiner Seite und wollte keinen unangenehmen Eindruck machen. Niemand sollte sagen, dass Serapio wohl eine bessere Wahl hätte treffen können. So viel Ehrgeiz besaß sogar Valentina. Als er ansprach der meist beneidete Mann in Rom zu sein, schüttelte sie leicht den Kopf. "Es ist genau anders herum. Alle Frauen in Rom würden sich heute gerne an meiner Stelle sehen." Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und hauchte ihrem Zukünftigen einen Kuss auf die Wange.

    Dann war auch schon der erste Gast bei Ihnen und überreichte Geschenke. Vorgestellt durch Serapio, nickte sie ihm würdevoll zu und bedankte sich für das Geschenk. Kurz hatte Valentina den Impuls danach zu fragen ob Annaeus Florus Minor in Germanien etwas von ihrem Bruder gehört hatte, der immer noch als verschollen galt. Doch sie schwieg und schalt sich selbst eine Närrin. Dieses düstere Land war groß und Valerian nun schon so lange vermisst.

    Als nächstes trat ein Rivale beim Rennen vor sie. Auch ihn begrüßte Valentina mit einem freundlichen Lächeln und bedankte sich für die wohl gewählten Worte. Sie wusste, dass Serapio so etwas gut gefiel und sie betrachtete den Fahrer vor sich einen Moment eingehend. Nur Valentia wusste den wahren Grund dafür.

    Lange blieb ihr aber keine Zeit ihren Gedanken nach zu hängen, denn sie zuckte fast etwas zusammen als sie die Frauenstimme hörte. Dann aber richtete sie sich noch etwas mehr auf und streckte die Schultern nach hinten durch. Das musste eine sehr enge Verwandte ihres Zukünftigen sein und ihr Erscheinen ließ Valentina fast sprachlos werden. Durch Serpaio vorgestellt, bestätigte sich ihre Vermutung und die Quintilia bekam es einen Moment mit der Angst zu tun, als der prüfende Blick auf ihr lag. "Es ist mir eine große Ehre dich kennen zu lernen." Respektvoll senkte Valentina für einen Moment den Blick um ihn danach aber wieder selbstbewusst auf ihre Gegenüber zu richten. "Es stimmt, Serapio hat mir bereits viel von dir erzählt. Es ist mir so, als würden wir uns schon sehr lange kennen."

    Den weiteren Gäste schenkte Valentina die gleiche Aufmerksamkeit, wie jedem Anderen zuvor. Bedankte sich für überreichte Geschenke und ließ sie sich von ihrem Zukünftigen vorstellen. Bei der Frau, die ihre Hände ergriff und Serapio gar nicht so richtig anzusehen vermochte, bekam Valentina ein ungutes Gefühl, ließ es sich aber nicht anmerken und wartete gespannt auf die Vorstellung.

  • Nachdem die letzte Begegnung mit seiner Verwandten eher weniger glimpflich verlaufen war, war Lucius sichtlich überrascht, als er dennoch eine Einladung zur Hochzeit erhielt. Vermutlich mehr aus Konvention als aus Zuneigung, allerdings könnte so eine Feier eine schöne Pause von seinem seit dem Rennen eher ereignislosen Dasein sein. Nach so einem glorreichen Versagen ist es erfahrungsgemäß besser, erst einmal eine ruhige Kugel zu schieben...


    Irgendwann packt einen das Leben jedoch wieder und nun steht er da. Ein letzter Wurf seiner Münze bestätigte es, indem sie ihm beim Fall in Lucius Hand das Gesicht seiner Göttin präsentierte. Eventuell doch eine Chance? Man wird es sehen. Auf jeden Fall keine krummen Dinger - diesmal zumindest nicht.

    Und auch wenn er es ungern zugab: Langsam wurde es wirklich eng mit dem Geld. Rom scheint über Nacht schlauer geworden zu sein, oder er einfach nur ungeschickter... Wie dem auch sei: Lucius könnte es sich nicht leisten, so viel gratis Essen liegen zu lassen.


    Das Outfit stimmte in jedem Fall schon einmal. Ein lange verloren geglaubtes Stück kam aus seinem Kleiderschrank: Eine blaue toga. Der Spieler hob sich das Stück für gesellschaftliche Anlässe auf, von denen es in seiner Familie mit den Jahren weniger und weniger gab. Irgendwo war er auch froh drum: Das Ding rutscht bei einem unaufmerksamen Augenblick gern vor die Füße, was das vorige Werk von Stunden ruinieren kann.

    Nichtsdestotrotz lief Lucius in dem Stück mit langsamen, gewählten Schritten voran. Zusammen mit einem sanften Lächeln, der schmächtigen Statur und einem eher mädchenhaften Gesicht hat er trotz der Schwierigkeiten, die ihm seine Kleidung macht, eine Eleganz, die man bei anderen Vertretern seines Geschlechts nur selten antrifft. Es dauerte nicht lange, bis sich der erste Anflug eines Lächelns in wirkliche Freude verkehrte.


    Wider Erwarten blieb er innerlich ruhig, als er über die Schwelle der casa decima schritt und von einer doch schon beachtlichen Menschenmenge begrüßt wurde. So viel Duft und Kerzenlicht kannte der junge Quintilier sonst nur aus Tempeln. Bei dem Geruch von Huhn, der ihn nach nur ein paar Schritten übermannte, lief ihm das Wasser im Mund zusammen. Ein lautes Grummeln in der Magengrube war die letzte Ermutigung, die er brauchte, um sich endgültig ins Getümmel zu stürzen.


    Er folgte dem Geruch zu seinem Ursprung, vorbei an einem Heer von Sklaven, Tänzern und Unterhaltern aller Art neben dem ein oder anderen Partygast. Wer genau da so war, registrierte er nicht. Sein Auge kannte nur eines: Den vor sich hin brutzelnden Vogel, der sich vor seinem Horizont offenbarte.

    Kurz vor dem Ziel seiner Wünsche fing Lucius noch einen Sklaven ab, von dem er sich einen Becher flüssigen Mut einschenken ließ. ...Der unangenehme Teil kommt schließlich noch.

  • Diese Stimme... nein, das kam jetzt aber unverhofft!
    "Tante Lucilla! Das ist ja großartig! Es ist ja ewig her! Wie geht es dir und deiner Familie?" Ich hatte nicht gedacht, dass sie die strapaziöse - und wie ich eben gerade gedacht hatte sogar lebensgefährliche - Reise auf sich nehmen würde. Ich war ganz gerührt! Von einem Ohr bis zum anderen strahlend erwiderte ich die Wagenküsschen und konterte: "Tja, ich habe eben auf die Richtige gewartet."
    Und zu Valentina meinte ich fröhlich: "So, jetzt lernst du endlich meine Tante Lucilla kennen, genau, die Lucilla, von der ich dir schon so viel erzählt habe."
    Denn das hatte ich natürlich, ihr erzählt von meiner Lieblingstante, die auch ein bisschen Ersatzmutter gewesen war, dazu meine Patrona und einflußreiche Auctrix sowie Strippenzieherin in Rom, und überhaupt eine Naturgewalt.

    "Ewig her, jetzt übertreib mal nicht! Das macht uns beide nur alt!" lacht Lucilla fröhlich. "Mir geht es großartig, wie immer! Naja, ich vermisse Medicus, er reist mal wieder durch die Provinzen. Aber er will noch vor den Januar-Kalenden in Tarraco sein, deswegen werde auch ich nicht lange in Rom bleiben. Aber deine Hochzeit, mein Liebling, die konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen! Auch wenn du ruhig etwas früher hättest Bescheid sagen können. Es ist ja nicht gerade so dass das Wetter dieser Tage verlässlich wäre. Aber was, solls, ich bin ja nun da. Hach, komm her, lass dich drücken!" Gesagt , getan findet sich der große, starke Serapio in einer Umarmung seiner kleinen Tante wieder, bevor sie sich wieder Valentina zuwendet.


    Lange blieb ihr aber keine Zeit ihren Gedanken nach zu hängen, denn sie zuckte fast etwas zusammen als sie die Frauenstimme hörte. Dann aber richtete sie sich noch etwas mehr auf und streckte die Schultern nach hinten durch. Das musste eine sehr enge Verwandte ihres Zukünftigen sein und ihr Erscheinen ließ Valentina fast sprachlos werden. Durch Serpaio vorgestellt, bestätigte sich ihre Vermutung und die Quintilia bekam es einen Moment mit der Angst zu tun, als der prüfende Blick auf ihr lag. "Es ist mir eine große Ehre dich kennen zu lernen." Respektvoll senkte Valentina für einen Moment den Blick um ihn danach aber wieder selbstbewusst auf ihre Gegenüber zu richten. "Es stimmt, Serapio hat mir bereits viel von dir erzählt. Es ist mir so, als würden wir uns schon sehr lange kennen."

    "Soso, viel erzählt, na hoffentlich nur Gutes" grinst Lucilla fast etwas wölfisch. "Er hat mir von dir natürlich auch ein bisschen geschrieben." Darüberhinaus hat Lucilla ihre eigenen Quellen in Rom. Sie ist immer noch über sehr viel bestens informiert, vor allem natürlich über Skandale. Aber auch die Familie. Auch darüber, dass die arme Valentina mit den Decimer-Männern bisher nicht wirklich Glück gehabt hatte. Sie würde Faustus und Cnaeus bei Gelegenheit jeweils noch eine Backpfeife verpassen, denn so behandelt man Frauen nicht!

    "Willkommen in der Familie!" lächelt Lucilla mit einem Mal freundlich und lässt es sich nicht nehmen, jetzt auch Valentina zu umarmen. Die kritischen Minuten der Prüfung sind vorbei und am Ende schweißt die Sorge über die Decima-Männer sie doch zusammen.

    "Wenn er dir Kummer bereitet, dann lass es mich wissen. Den Decimi muss man ab und zu ordentlich den Kopf waschen, damit sie wissen, was gut für sie ist."'


    Dass sich hinter ihr schon eine kleine Schlange mit wartenden Gästen gebildet hat stört Lucilla nicht weiter. Allerdings hat sie gewaltigen Appetit, wie immer wenn sie nach einer Reise endlich am Ziel angekommen ist.

    "Ich überlasse euch zwei mal den anderen Gästen und werde mich nochmal etwas frisch machen." Und voher bei Candace in der Küche vorbeischauen.

  • Flavius Gracchus kam gemeinsam mit seinem Sohn Minor und dessen Gemahlin Cornelia zur Hochzeit Serapios. Er trug eine Tunika in Petrolblau aus einem feinen, wollenen Stoff mit strukturierten Rauten, dazu eine etwas dunklere Toga mit golddurchwirktem Saum. Eine etwas bequemere Synthesis wäre zweiflesohne dem Anlass ebenso angemessen gewesen, doch der Flavier nahm die ihm angedachte Rolle überaus ernst. Beim Betreten des Atrium flackerte einen kurzen Augenblick in Gracchus' Geist eine Reminiszenz an grauenvolle Tage, doch der bunte Schmuck, die Blumenranken und die feierlich-gelöste Stimmung der Gäste sorgten rasch dafür, dass jenes Flackern erlosch, und spätestens Serapios Anblick ließ sein Herz höher schlagen.

    "Faustus Serapio, Quintilia Valentina, es ist mir eine große Ehre und Freude zugleich, dass wir diesen Tag mit euch feierlich begehen dürfen."

    Tatsächlich freute Gracchus sich sehr für Faustus, schlussendlich war eine Ehe in Rom eine gesellschaftliche Obliegenheit, und dass Serapio ohne eine Gattin bis dorthin gelangt war, wo er heute stand, war wohl nur dem Umstand zu verdanken, dass er sich für ein Soldatenleben hatte entschieden. Gleichwohl würde seine Gemahlin ihm nun auch einen Erben schenken, ohne den ein römisches Leben schlussendlich sinnlos war.
    "Meinen Sohn, Gracchus Minor, kennt ihr zweifelsohne, und dies ist seine liebreizende Gemahlin Cornelia Philonica. Meine eigene Gemahlin ist deplorablerweise indisponiert, was sie zu tiefst bedauert, lässt euch indes um so herzli'here Grüße und Glückwünsche ausrichten."

    Das Geschenke der Flavier würde indes traditionell erst am nächsten Morgen nach der Feierlichkeit angeliefert werden, ein jünglicher Mars von Euthydemus Onasdas, einem aufstrebenden Künstler aus Nicopolis, aus Marmor geschlagen, welcher in den Steinbrüchen um die nord-italische Stadt Luna gewonnen worden war.

  • Obgleich ich mit dem Bräutigam nicht persönlich bekannt war, kannte ich Decimus Serapio selbstredend als den glorreichen und verdienten Soldaten, der er zumindest in den Augen des gemeinen Volkes war. Als zweimaliger Prätorianerpräfekt und nunmehr Tribun hatte er eine durchaus beachtliche Karriere hinter sich, die indes auch als Abbild der Wechselhaftigkeit von Auf- und Abstieg dienen konnte. Freilich konnte der Decimer mir kaum ungleicher sein, denn wo er als loyaler und pflichtbewusster Soldat bekannt war, war ich durch und durch Opportunist. Ich wusste aber, dass der Kaiser ihn trotz oder gerade seiner bewegten Vergangenheit wegen schätzte und so war es mir ein Privileg, seiner Hochzeit beizuwohnen. Nebenbei sah ich es natürlich auch als meine gesellschaftliche Verpflichtung an, mich bei solcherlei Anlässen als Procurator und (selbsternanntes) Mitglied der Stadtelite zu präsentieren.

    »Decimus Serapio, Quintilia Valentina, vielen Dank für eure Einladung. Mögen die Götter über euch wachen und euch mit einem gedeihlichen und fruchtvollen Leben in Zweisamkeit segnen«

    Göttersegen und dergleichen waren normalerweise nicht mein Fachgebiet, gleichwohl war ich Schauspieler genug, um diese Worte mit einem wohlwollenden Lächeln über die Lippen zu bringen.

    »Meine Gattin Iunia lässt sich entschuldigen, wünscht euch aber alles erdenklich Gute«

    Die Wahrheit war, dass wir uns distanziert hatten, unsere anfänglich leidenschaftliche Ehe einer kühlen Distanz gewichen war und sie nun in ihrer Wahlheimat Alexandria verweilte. Selbstredend war dies nichts, was ich in die Öffentlichkeit zu tragen beabsichtigte. Nach außen hin waren wir noch immer das glückliche Ehepaar von Rang und Namen - und diesen Schein gedachte ich auch zu wahren, bis sich mir eine andere Chance ergab oder die Gerüchte mich zu einer Entscheidung zwingen würden. So befand sich an meiner Seite nur der greise Sklave Lasthenes, der trotz seiner körperlichen Gebrechen noch über ein einwandfrei funktionierendes Gedächtnis verfügte und darob bei etwaigen Feierlichkeiten ein ausgezeichneter Nomenclator war.

    Mein Geschenk, eine prunkvolle Kette aus iudaeischem Gold, gefertigt in meiner Schmiede "Rex Gemmarum" in Rom, würde indes separat überbracht werden.

  • Den Annaeern eilte der Ruf voraus, überaus traditionsbewusst zu sein. Dies fand sich in dem würdevollen Auftreten des jungen aufstrebenden Politikers und seinen distinguierten Glücks- und Segenswünschen wieder. Ganz diskret wurden die großzügigen Geschenke auf den Gabentisch verfrachtet, wo unsere Hausdienerin Corythia alles schön arangierte und sich auf einer Tabula Notizen machte, damit wir später auch alles gebührend würden würdigen können.
    "Was für eine feine Arbeit." konnte ich jedoch nicht umhin, jetzt schon angesichts der Silberplatte mit dem Hochzeitszug zu bemerken. Ein sehr repräsentativer Schmuck war das, den man gut im Tablinum zur Schau stellen konnte. "Ein wunderschönes Stück, das uns stets an diesen frohen Tag und an die gute Freundschaft zwischen unseren Gentes erinnern wird. Wir danken dir ganz herzlich, Annaeus Florus Minor, für deine guten Wünsche!"
    Dass mein Vater nicht zugegen war, war wirklich sehr schade. Für mich, weil ich gerne sein ungläubiges Gesicht gesehen hätte, wenn ich wirklich Ernst mit dem Heiraten machte... und ihm überhaupt gerne gezeigt hätte, dass ich nicht vollkommen unfähig zur Normalität war, zumindest nach außen hin. Und für Annaeus, der soeben im Cursus Honorum rasant Fahrt aufnahm, wäre es sicherlich nicht verkehrt gewesen, auf die Unterstützung seines Patrons bauen zu können. Allerdings schien er auch ohne ihn hervorragend zurecht zu kommen – es war Stadtgespräch, dass der Kaiser ihn dem Senat höchstpersönlich empfohlen hatte.

    Seinen stattlichen Libertus-Begleiter konnte ich nicht so recht einordnen, er wirkte inmitten des festlichen Treibens nicht in seinem Element.
    "Dankeschön." antwortete ich ihm höflich, und wieder zu Annaeus: "Ich hoffe ihr genießt das Fest. " Gerne hätte ich ein wenig mit ihm geplaudert, doch gerade war ein großer Trubel im Atrium, so dass es erst einmal galt, alle zu begrüßen.
    "Kennst du eigentlich bereits den Primicerius Furius Saturninus? Ein leidenschaftlicher Anhänger des Rennsportes." machte ich ihn mit meinem Veneta-Rivalen bekannt. Und zu Saturninus gewandt: "Die Gens des Annaeus Florus Minor ist traditionell eng mit der Factio Albata verknüpft."


    "Aber Tante Lucilla..." protestierte ich schwach, als sie mich kurzerhand voll überschäumender hispanischer Matriarchinnenliebe an ihr Herz drückte, als wären wir rein innerhalb der Familie. "was sollen denn die Gäste denken?" Jede Menge Würdenträger waren hier! Mein Liebling. Wenn sie jetzt nur nicht anfing, irgendwelche launigen Anekdoten aus meiner Kindheit zu erzählen! Zumindest war gerade keiner meiner Gardekollegen in der Nähe – ach, doch, da war ja Kamerad Musca, aber dessen Speculatorausbildung verhalf ihm zu einer vollkommen gleichmütigen Miene... bis auf das amüsierte Glitzern in den Augen. (Damals in Parthien, da hatte Musca als mein Contuberniumsältester auch immer etwas abbekommen, wenn Tante Lucilla mir per Feldpost Überlebenspakete geschickt hatte.)
    "Meine Toga kommt ganz durcheinander..."
    Und diese schwere Seide war ja auch so knitteranfällig. Nun, so bekam zumindest Narcissus etwas zu tun, mein Ornator stand sofort parat und während Lucilla sich mit Valentina verschwesterte, ordnete er das Gewand, bis alles wieder tadellos saß. Schon war Tante Lucilla wie ein Sommersturm davongerauscht... Valentinas Hand lag auf meinem Arm, ich legte meine Rechte kurz darüber und drückte sie warm, um ihr zu bedeuten: Gut gemacht, Amica.
    Dann lenkte ich unsere Schritte hin zu den nächsten Besuchern....

    … und drückte Valerius Flaccus kräftig die Hand.
    "Willkommen Valerius Flaccus, eine Freude dich hier zu haben!"
    Der junge Pontifex war eine festfrohe Erscheinung und eine interessante Bekanntschaft. Er hatte mich damals beim Rednerwettstreit schon beeindruckt, und neulich auch wieder bei Manius' Cena. Wirklich ein kluger Kopf.
    "Pontifex Valerius Flaccus – meine holde Braut Quintila Valentina." stellte ich die beiden fröhlich lächelnd einander vor. "Und wer ist die bezaubernde junge Dame an deiner Seite?" Das Mädchen neben ihm zog durch den lebhaften Kontrast ihres Gewandes und den schönen Bernsteinschmuck meinen Blick auf sich. Bernstein schien derzeit wieder sehr angesagt zu sein – ich sollte Valentina etwas daraus schenken.


    Es wurde immer voller im Atrium, das freute mich sehr, zum einen weil ich Feste liebte, zum anderen weil es die Bedeutung meiner Gens unterstrich. Um mehr Platz zu haben, hatten wir das Peristyl überspannt, gegen Wind und Kälte, mit Zeltbahnen von roter Farbe, die fast wie Purpurrot aussah (es war aber nur eine raffinierte Mixtur von Krapprot mit einem Blaustich) – eine weise Entscheidung fand ich nun. Es hatte sich eine richtige Reihe von Gratulanten gebildet mittlerweile.


    Ich schüttelte eine Menge Hände, und horchte alarmiert auf, als mein Nomenclator mir 'Iulia Stella' ins Ohr raunte. Denn ich hatte noch immer ein schlechtes Gewissen, weil ich Iulia Graecina einen Korb gegeben hatte.
    "Salve Iulia Stella, willkommen in unserem Domus, und vielen Dank!" Dass Valentina und ich uns 'gefunden hatten', das traf die Wahrheit in der Tat ganz gut. Das Mädchen war sehr sittsam oder schüchtern, sah mich gar nicht an. "Es ist uns eine besondere Freude, dich zu Gast zu haben." antwortete ich besonders höflich. Hieß es doch (hoffentlich), dass ich zumindest nicht für alle Iulier persona non grata war. Ob Dives wohl kommen würde... wahrscheinlich war es besser, wenn er nicht käme aber ich konnte doch nicht anders, als mir zu wünschen, dass er doch käme. Jedenfalls warf ich Valentina einen auffordernden kleinen Seitenblick zu, als Wink ganz besonders nett zu Iulia zu sein.


    Ein Schulterklopfen und ein flotter Spruch im Vorbeigehen, das war mein Vetter Varenus, das Original. "Ja, das wünschen wir uns auch..." Seine Ehe war wirklich eine der allerglücklichsten die ich je gesehen hatte. Nicht selten sah man ihn und seine Esquilina trotz ihres respektablen Alters verliebt wie die Turteltauben beim Abendessen auf der Kline kuscheln. Und einen ganzen Haufen von Kindern hatten sie auch. Dieser Gedanke...


    ...diesen Gedanken schob ich energisch beiseite, und atmete tief ein, gerade wurde nämlich eine Platte mit köstlich duftenden Perlhuhn-Spießchen und Wachtel-Schenkelchen an pikanten Saucen an mir vorübergetragen. Dann eine andere, auf der sich gegrillte Octopus-Tentakel ringelten, und noch eine mit hartgekochten Singvogeleiern an Rauke. Auf hispanische Weise hatten unsere Köchin und ihre Schwadron eine Vielzahl von kleinen Vorspeisen auf Holzspießen angebracht, so dass man sie auch jetzt schon vor dem großen Bankett einfach greifen und verspeisen konnte, ohne sich die Finger fettig zu machen.
    Die Musikanten spielten heitere Festmusik. Mit einem Rundblick vergewisserte ich mich, dass unsere Sklaven die Gäste überall fleissig mit Getränken und leckeren Happen versorgten, dann nahm ich selbst meinen Weinkelch, vergoss einen Schluck für Bacchus in die nächste Blumenschale, prostete in die Runde und Valentina zu, bevor ich meine Kehle befeuchtete.

    "Auf dich, Carissima!"


    Der nächste Gast.... Contenance, Faustus... war ein ganz besonderer.
    "Und uns, Manius Gracchus, ist es eine noch viel größere Ehre und Freude, dass ihr ihn mit uns feiert." antwortete ich bewegt von Manius' Großmut und von seiner ungeheuer noblen Erscheinung, aber auch etwas wehmütig... Blau stand ihm so gut. Und doch hätte ich mir gewünscht, dass er nicht gar so gleichmütig wäre angesichts meiner Vermählung.... nicht mal einen Funken von Eifersucht hatte er bei dem Thema jemals durchschimmern lassen. Es schien mir wie ein Sinnbild dafür, dass die Leidenschaft zwischen uns einer gelösten Harmonie gewichen war... und wir den Moment, zusammen nach Achaia durchzubrennen, nunmehr endgültig um ca. ein Jahrzehnt verpasst hatten.
    Erleichtert hörte ich, dass seine Harpyie verhindert war.
    "Das ist wirklich sehr bedauerlich" stimmte ich ins Heucheln ein, "bitte richte deiner verehrten Gemahlin..." unseren ergebensten Dank fürs zu hause bleiben? "...unsere vorzüglichste Hochachtung aus."


    Manius' Sohn erinnerte mich immer daran wie schnell die Zeit verging. Aus dicken Kindern wurden jungdynamische Senatoren... Ich kannte ihn nur flüchtig, und eben aus Manius Erzählungen, die immer den Eindruck erweckten, dass Manius furchtbar streng mit ihm war.
    "Willkommen Flavius Gracchus Minor," begrüßte ich ihn voll Sympathie. Beim Gensnamen der Cornelier hingegen bedurfte es all meiner Selbstbeherrschung, um weiter eine freundliche Miene zu zeigen, und mein Lächeln wurde wohl etwas stählern. "Willkommen Cornelia Philonica. Genießt das Fest mit uns."


    "Sei uns gegrüßt, Fabius Torquatus, willkommen auf unserem Fest!" begrüßte ich den Procurator a memoria respektvoll von Eques zu Eques. Er war eine einflussreiche Figur auf dem Palatin, man sagte ihm ein Talent zum langfristigen Machterhalt nach, dabei war er schwer einzuschätzen, da über ihn selbst (selbst mir) relativ wenig bekannt war.
    "Darf es ein Massiker sein, oder eher ein würziger Caecuber?" Schon war der Wein-Einschenker zur Stelle. "Hab Dank für deine guten Wünsche." Gedeihlich und fruchtvoll, ach herrje, das erinnerte mich daran dass dieser schöne Tag unweigerlich in eine Hochzeitsnacht münden würde. Energisch fokussierte ich meine Gedanken wieder auf das Jetzt.
    Dass seine scharfzüngige Gattin uns nicht beehrte fand ich überhaupt nicht schlimm, ich hatte sie ja nur anstandshalber einladen lassen. Denn ich hatte nie vergessen, dass das Luder meiner lieben Schwester vor einem halben Leben ihren Verlobten, den verrückten Aelius Archias, abspenstig gemacht hatte. Der wievielte von Iunias Gatten war Fabius nochmal... der dritte oder vierte? Was für ein enormer Verschleiß.
    "Das ist sehr schade" behauptete ich glattzüngig, "bitte richte ihr unsere besten Grüße aus."

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    SODALIS FACTIO AURATA - FACTIO AURATA

    Klient - Decima Lucilla

  • Ich hatte es vorgezogen, mich dezent im Hintergrund zu halten und von dort aus zu beobachten. Nicht etwa wegen der Tunika, da man mir und auch jedem der anderen Sklaven verpasst hatte. Nein, ich wollte beobachten und ich fragte mich dabei, ob die Braut wusste, worauf sie sich einließ, wenn sie den Decimer heiratete. Im Grunde ging es mich ja nichts an. Doch sicher würde die Hochzeitsnacht anders verlaufen, als es sich die neue Domina wohl vorstellen vermochte. Keine Frage, die nächsten Tage und Wochen würden spannend bleiben. Besonders dann, wenn sie feststellen musste, dass jeder junge Kerl in diesem Haus, der einigermaßen attraktiv war, ihre Konkurrenz sein würde, gegen die sie wenig auszurichten vermochte.

    Die ersten Gäste waren bereits eingetroffen. Niemand, den ich jetzt gekannt hätte. Außer vielleicht Iulia Stella. Natürlich war ihre Cousine Graecina nicht mitgekommen. Die Verschmähte saß sicher zu Hause und heulte sich die Augen aus. Alles schien auf ein nettes Fest hinzudeuten. Man unterhielt sich, einige Sklaven reichten Häppchen und sorgten für Nachschub in den Weinbechern. Nun ja, der Dezember war nun wirklich nicht der schönste Monat für eine Hochzeit. Draußen war es feucht und kühl und der Himmel war grau in grau.

    Schließlich erblickte ich auch Flavius Gracchus. Ihn kannte ich noch von meiner Zeit bei den Flaviern. Doch ganz gewiss musste ich mir keine Sorgen machen, dass er mich wiedererkannte. Schließlich war ich doch nur ein unbedeutender Sklave, mehr nicht.

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    CUSTOS CORPORIS - FAUSTUS DECIMUS SERAPIO

  • Den Annaeern eilte der Ruf voraus, überaus traditionsbewusst zu sein. Dies fand sich in dem würdevollen Auftreten des jungen aufstrebenden Politikers und seinen distinguierten Glücks- und Segenswünschen wieder. Ganz diskret wurden die großzügigen Geschenke auf den Gabentisch verfrachtet, wo unsere Hausdienerin Corythia alles schön arangierte und sich auf einer Tabula Notizen machte, damit wir später auch alles gebührend würden würdigen können.
    "Was für eine feine Arbeit." konnte ich jedoch nicht umhin, jetzt schon angesichts der Silberplatte mit dem Hochzeitszug zu bemerken. Ein sehr repräsentativer Schmuck war das, den man gut im Tablinum zur Schau stellen konnte. "Ein wunderschönes Stück, das uns stets an diesen frohen Tag und an die gute Freundschaft zwischen unseren Gentes erinnern wird. Wir danken dir ganz herzlich, Annaeus Florus Minor, für deine guten Wünsche!"
    Dass mein Vater nicht zugegen war, war wirklich sehr schade. Für mich, weil ich gerne sein ungläubiges Gesicht gesehen hätte, wenn ich wirklich Ernst mit dem Heiraten machte... und ihm überhaupt gerne gezeigt hätte, dass ich nicht vollkommen unfähig zur Normalität war, zumindest nach außen hin. Und für Annaeus, der soeben im Cursus Honorum rasant Fahrt aufnahm, wäre es sicherlich nicht verkehrt gewesen, auf die Unterstützung seines Patrons bauen zu können. Allerdings schien er auch ohne ihn hervorragend zurecht zu kommen – es war Stadtgespräch, dass der Kaiser ihn dem Senat höchstpersönlich empfohlen hatte.

    Seinen stattlichen Libertus-Begleiter konnte ich nicht so recht einordnen, er wirkte inmitten des festlichen Treibens nicht in seinem Element.
    "Dankeschön." antwortete ich ihm höflich, und wieder zu Annaeus: "Ich hoffe ihr genießt das Fest. " Gerne hätte ich ein wenig mit ihm geplaudert, doch gerade war ein großer Trubel im Atrium, so dass es erst einmal galt, alle zu begrüßen.
    "Kennst du eigentlich bereits den Primicerius Furius Saturninus? Ein leidenschaftlicher Anhänger des Rennsportes." machte ich ihn mit meinem Veneta-Rivalen bekannt. Und zu Saturninus gewandt: "Die Gens des Annaeus Florus Minor ist traditionell eng mit der Factio Albata verknüpft."

    Die Begrüssung durch das Brautpaar war äusserst freundlich, nur Selenus merkte man an, dass er sich nicht so richtig wohl fühlte.

    Wir werden das Fest auf jeden Fall geniessen, danke. Ihr habt ja alles dafür getan, dass es so ist. antwortete ich ehrlich und deutete mit einer Handbewegung auf die aufgetragenen Speisen und die spielenden Musiker im Hintergrund. In der Tat war wirklich alles vorhanden, was es für ein gelungenes Fest brauchte.


    Dann stellte mir der Bräutigam auch noch einen weiteren Gast vor.

    Salve Primiceri Furi Saturnine grüsste ich diesen und verabschiedete mich dann mit einem Kopfnicken vom Brautpaar. Dieses hatte genug zu tun, denn hinter mir hatte sich in der Zwischenzeit eine recht lange Schlange gebildet. Falls ein weiteres Gespräch erwünscht war, würde man mich bestimmt noch finden können.


    Mit dem Furier machte ich einige Schritte in Richtung eines der reichhaltig ausgestatteten Buffets, bevor ich das so eingefädelte Gespräch freundlich weiterführte. Wie der werte Faustus Decimus Serapio gerade gesagt hat, ist meine Familie eng mit der Albata verbunden. Ich nehme an du nicht so. Welchem Rennstall gehört denn deine Loyalität?

    Das Interesse war echt, denn ich war zu lange in Germania gewesen und hatte keinen Kontakt gehabt zu den Rennen in Rom. Auch meine Rückkehr nach Rom war gerade so zu Stande gekommen, dass ich die meist sehr spannenden Rennen zum Equus October verpasst hatte. Somit war ich nicht darüber informiert, welche Verbindungen der mir vorgestellte Furier hatte.

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    DOMINUS FACTIONIS - FACTIO ALBATA

    Klient - Marcus Decimus Livianus

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